Simmons, Dan: Flashback

Originaltitel: Flashback
Deutsche Übersetzung von Karl Jünger
©2011 by Dan Simmons
©2019 der deutschsprachigen Taschenbuchausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32009-3
ca. 638 Seiten

COVER:

Die Welt im Jahre 2036. Die Vereinigten Staaten stehen kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps, in den Städten herrscht das Chaos, und die terroristische Bedrohung ist allgegenwärtig. Den größten Teil der Bevölkerung scheint das allerdings kaum zu kümmern, denn die Menschen sind abhängig von einer Droge namens „Flashback“, die es den Konsumenten ermöglicht, die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens immer wieder neu zu erfahren. Einer von ihnen ist Nick Bottom, ein ehemaliger Polizist, der seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau nur noch in der Vergangenheit lebt und mittels „Flashback“ die schönsten Momente mit ihr wiederaufleben lässt. Dann aber wird er erneut mit einem Fall betraut, dem Mord am Sohn eines hohen Regierungsbeamten, den er in seiner aktiven Zeit nicht aufklären konnte. Eher widerwillig beginnt Bottom mit den Ermittlungen. Bis er einer gigantischen Verschwörung auf die Spur kommt – einer Verschwörung, die für den verheerenden Zustand der USA und ihrer Bewohner verantwortlich ist.

REZENSION:

Dan Simmons ist ein Schriftsteller, der sich nur schlecht greifen lässt. Im Gegensatz zu den meisten Autoren scheint er sich absolut nichts über Genrezuordnungen zu scheren. Aus diesem Grund ist sein Output vielfältig und greift in nahezu jedes Genre ein, um sich dort ein kleines Plätzchen zu schnappen. Dadurch macht er es natürlich auch seinen Fans nicht gerade leicht: Mal liest man Fantasy, mal Horror, mal historisch angelehnte Halbwahrheiten, mal pure Science Fiction und im vorliegenden Fall SF, gewürzt mit einer visionär zu betrachtenden Idee, wie das Amerika der Zukunft aussehen könnte. Dies sehr dystopisch dargestellt und dabei gleichzeitig in die Form eines Krimis gepresst.
In meinen Augen ist Dan Simmons nicht nur ein kreativer Autor, sondern auch gesegnet mit einer herausragenden, schriftstellerischen Qualität. Nichts desto trotz konnte er es nicht schaffen, mich mit diesem Werk in irgendeiner Art und Weise überzeugen zu können.
Seine Welt ist zwar visionär, gleichzeitig aber auch schwierig zu verdauen, wenn man sich die politischen Begebenheiten vor Augen führt.
Die Geschichte driftete mir zu schnell davon und ich konnte die aufgeführten Fäden nur selten greifen. Seine Sprache ist abermals herausragend, dennoch entwickelte sich trotz der interessanten Umgebung und den soziologischen Philosophischen nichts wirklich weiter als ein Krimi-Thriller mit einem abgewrackten Entwickler.
Somit halte ich zwar Dan Simmons weiterhin für einen herausragenden Schriftsteller – dennoch verweise ich lieber auf seine anderen Werke wie zum Beispiel TERROR, ELM HAVEN und ganz besonders die HYPERION-GESÄNGE. Flashback kann sich dieser Riege leider nicht anschließen.
Jürgen Seibold/06.02.2020

Robinson, Kim Stanley: Roter Mond

Originaltitel: Red Moon
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jakob Schmidt
Deutsche Erstausgabe 09/2019
©2018 by Kim Stanley Robinson
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32010-9
ca. 621 Seiten

COVER:

Dreißig Jahre in der Zukunft: Der Mond ist kolonisiert. Am lunaren Südpol, wo die Sonne niemals untergeht, haben Amerikaner und Chinesen ihre Basen in den Kraterwänden eingerichtet. Für Fred Fredericks ist es der erste Flug zum Mond. Im Auftrag von Swiss Quantum Works soll er einen Quantenkommunikator, mit dem sich absolut abhörsichere Gespräche führen lassen, an die chinesische Mondbehörde liefern und installieren. Doch bei der Übergabe wird Chang Yazu, der ranghöchste Verwaltungsbeamte, vergiftet, und Fred wird bei dem Anschlag schwer verletzt. Als er wieder zu sich kommt, steht er im Verdacht, der Mörder zu sein. Um seine Unschuld beweisen zu können, muss Fred aus der Mondbasis fliehen – und trifft dabei auf eine unwahrscheinliche Verbündete: Chan Qi, die Tochter des chinesischen Finanzministers. Sie ist aus persönlichen Gründen auf den Mond gekommen, und das, was sie dort erlebt, wird den Lauf der Geschichte verändern – auf Luna ebenso wie auf der Erde …

REZENSION:

Nach dem unglaublich interessant erzählten Buch von Kim Stanley Robinson mit dem Titel New York 2140, konnte ich es beinahe nicht mehr erwarten, mich wieder diesem mir bis dorthin unbekannten Autoren wieder zuwenden zu können. Dementsprechend erfreut war ich, als der neue mit Roter Mond betitelte Roman das Licht der Welt erblickte.
Ein kurzes Verweilen bei der knappen Inhaltsbeschreibung tat sein Übriges und so freute ich mich auf einen gelungenen Plot voll thrillerhaften Intrigen auf unserem erdnahen Trabanten.
Erstaunlicherweise schaffte es Kim Stanley Robinson in diesem Fall jedoch nicht, mich mit dem gleichen Sog an die Seiten und somit an seine Geschichte zu heften, wie bei dem gerade erwähnten Werk. Roter Mond wirkt einfach zu langatmig und eintönig ausschweifend erzählt. Robinson wollte in diesem Werk anscheinend ein wenig zu viel auf einmal vermitteln – seine klar als Metaphern verpackten Szenen verlieren sich dabei beziehungsweise ihren Leser beim Versuch, den eigentlichen Handlungsfaden aufrecht zu halten. Die Verknüpfungen als auch seine zu Grunde liegende Message wird einem recht schnell klar – dennoch würde sich viel besser auch unter Verwendung von erheblich mehr integrierter Spannung und erheblich weniger nichtssagenden Dialogen eine kritische Nachricht an die politisch interessierten Leser vermitteln. In diesem Fall siegte trotz meiner anfänglichen Euphorie die Belanglosigkeit als auch die nicht vorantreibenden Dialoge und es blieb mir nichts anderes übrig, als mich diesem Werke zu entziehen. Es fiel mir wahrlich schwer, da ich New York 2140 nahezu „gefressen“ hatte und den grundsätzlichen, sozialpolitischen Hintergedanken des vorliegenden Romans auch recht schnell verstand und zu akzeptieren gewillt war. Nichts desto trotz ist es auch oder gerade bei Romanen mit eingebauten Botschaften wichtig, den Leser bei der Hand zu nehmen und umfänglich zu überzeugen. In diesem Fall hat es bei mir jedenfalls leider nicht funktioniert.
Jürgen Seibold/15.01.2020

Hannig, Theresa: Die Unvollkommenen

©2019 by Theresa Hannig
Deutsche Originalausgabe ©2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20947-7
ca. 399 Seiten

COVER:

Bundesrepublik Europa, 2057: Es herrscht Frieden in der Optimalwohlökonomie, einem lückenlosen Überwachungssystem, in dem mithilfe von Kameras, Linsen und Chips alles erfasst und gespeichert wird. Menschen und hochentwickelte Roboter sollen Seite an Seite leben. Störenfriede werden weggesperrt.
So auch die Systemkritikerin Lila. Als sie im Gefängnis aus einem künstlichen Koma erwacht, stellt sie fest, dass ihr schlimmster Albtraum wahr geworden ist: Die BEU wird von einer KI regiert. Samson Freitag wird als Gottkönig verehrt und erpresst von den Bürgern optimalkonformes Verhalten. Für Lila steht fest, dass sie Samsons Herrschaft und die Entmündigung der Menschen beenden muss. Ihr gelingt die Flucht, doch Samson spürt sie auf und bietet ihr einen Deal an, den Lila nicht ausschlagen kann …

REZENSION:

Erst als ich mich diesem Buch widmen wollte, stellte ich fest, dass es sich eigentlich um eine Art Fortsetzungsband zu dem Buch mit dem Titel „Die Optimierer“ von Theresa Hannig handelt. Dieses Werk war mir kein Begriff und wäre es ersichtlich gewesen, dann hätte ich mich dem vorliegenden Werk bestimmt nicht gewidmet.
Ich wagte mich trotz des vermeintlich fehlenden Wissens an die Lektüre und konnte dabei erfreulicherweise feststellen, dass sich Die Unvollkommenen absolut ohne diesen Background problemlos lesen und verstehen lässt. Man entdeckt keine Wissenslücken, wodurch es der Autorin gelungen ist, ein eigenständiges Werk zu entwickeln.
Der Schreibstil ist außerordentlich flüssig gehalten und man kann sich recht schnell auf die Rolle Lilas einlassen. Einige Verhaltensweisen finde ich etwas konstruiert beziehungsweise durch die Darsteller zu schnell akzeptiert. Sieht man darüber hinweg, verfolgt man eine interessante Idee in einem leicht dystopischen und sehr gut aufgebauten Setting in der nahen Zukunft unseres Landes. Theresa Hannig legt ihr Setting in die Nähe Münchens, wodurch ich mich sogleich wie zu Hause fühlen konnte, da mir alle von ihr in diesem Buch besuchten Plätze und Sehenswürdigkeiten ein Begriff sind.
Anfangs treibt sie ihre Handlung rasant voran – sicher, der Plot ist bald für Vielleser vorhersehbar, nichts desto trotz spürt man kein Verlangen zum Beenden des Buches. Dafür ist die Story – trotz vereinzelter Schwächen – doch ausreichend interessant dargelegt.
Die anfängliche Spannung konnte die Autorin leider nicht durchweg aufrechterhalten und ganz besonders in Richtung Ende siegte dann ein wenig die Enttäuschung, da dieses zu schnell abgearbeitet worden ist. Hier hätte es sicher noch ausreichend erzählerisches Potenzial gegeben. Keine Ahnung, ob die Autorin noch weitere Bände herausbringen möchte – zumindest sprechen einige noch offene Fragen dafür, als auch das relativ offen gebliebene Ende. Sollte dies der Fall sein, müsste sie aber deutlich die Spannungsschrauben anziehen, um manchen Leser mitnehmen zu können.
Die Unvollkommenen ist dennoch ein gutes Unterhaltungswerk mit einer nicht unerheblichen Botschaft und sorgt somit für angenehme Lesestunden.
Jürgen Seibold/05.01.2020

Cargill, C. Robert: Robo Sapiens

Originaltitel: SEA OF RUST
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe 06/2019
©2017 by C. Robert Cargill
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32006-2
ca. 415 Seiten

COVER:

In der Zukunft ist die Welt eine andere geworden: Seit dem großen Aufstand der Maschinen gibt es keine Menschen mehr. Allerdings haben einige intelligente Großrechner während der Roboterkriege ganze Armeen von Bots unter ihre Kontrolle gebracht. Und nun bekämpfen sie sich gegenseitig, um als EWI, als Eine-Welt-Intelligenz, die alleinige Weltherrschaft zu übernehmen. Einige wenige Roboter weigen sich jedoch, im Universalbewusstsein der KIs aufzugehen, und sie schweben in tödlicher Gefahr. Brittle ist ein sogenannter Freibot und hat es bisher erfolgreich geschafft, sich der Übernahme durch die EWI CISSUS zu entziehen. Einsam und rastlos streift Brittle durch die Wüste, die früher der Nordosten der USA war, und hält sich mit dem Ausschlachten abgeschalteter Roboter über Wasser. Doch Ersatzteile sind rar geworden, und auch andere Freibots suchen danach. Auf der Flucht vor CISSUS wird Brittle in einen erbarmungslosen Überlebenskampf verwickelt …

REZENSION:

Als ich das Bild auf dem Cover zu Cargills Robo Sapiens sah, dachte ich ehrlich gesagt als erstes an eine Szene im internationalen Blockbuster mit dem Titel Terminator. Durch diesen Gedankengang gleich in die Roboterwelt katapultiert, war ich sichtlich von der dazugehörigen Beschreibung angetan und konnte nur noch hoffen, dass der Autor seine Geschichte auch mit interessanten Ideen aufwerten kann und nicht lediglich einen Abklatsch durch Kopiervorgänge aus ähnlich klingenden Werken der Literatur und/oder dem Film entstehen lässt.
Sehr schnell stellte sich heraus, dass Cargill geschickt vorgeht und einen komplett von Menschen befreiten Roman vorlegen konnte. Unsere Spezies wird lediglich in einigen Rückblenden angerissen – hatten wir den gegen uns kämpfenden KIs nicht wirklich etwas für uns Lebensrettendes entgegen zu setzen. Das war es dann mit uns Menschen und der blaue Planet wird ausschließlich von künstlichen Intelligenzen bevölkert.
Diese wiederum scheinen keinen Deut besser als wir zu sein: Es herrscht der Drang nach Macht und somit bilden sich einige Fronten, die um die Alleinherrschaft kämpfen. Darüber hinaus einige „freie“ Roboter, die mehr recht als schlecht über die Runden zu kommen versuchen und dabei immer in der gefährlichen Situation leben, dass sie von einer der herrschenden KIs unter Gewalteinwirkung annektiert werden.
Die Geschichte mit den Robotern als alleinige Darsteller wirkt außerordentlich erfrischend. C. Robert Cargill setzte diesen Umstand absolut geschickt um – auch wenn man ab und an vergisst, dass es sich um Roboter handelt, da ihre Dialoge und Vorgehensweisen doch sehr menschlich wirken. Diese „Vermenschlichung“ hält uns einen Spiegel vor und zeigt geschickt unsere eigenen Schwächen, ohne jemals im Buch teilhaben zu können.
Robo Sapiens macht sehr viel Spaß beim Lesen, ist ausreichend spannend und sorgt für gute Unterhaltung. Neben der dezenten Gesellschaftskritik würde ich nicht viel mehr hinein interpretieren – interessant ist auf jeden Fall die Stärke des Autors, dass künstliche „Wesen“ mehr Profil aufweisen als mancher Protagonist in anderen Romanen. Kurzum ein wahrlich gut umgesetzter Roman, der mit Sicherheit hauptsächlich für gute Unterhaltung sorgen soll und dies Anspruch auch problemlos bedient.
Jürgen Seibold/30.12.2019

Liu, Cixin: Jenseits der Zeit

Originaltitel: SISHEN YONGSHENG
Aus dem Chinesischen von Karin Betz
Deutsche Erstausgabe 04/2019
©2010 by Cixin Liu
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31766-6
ca. 990 Seiten

COVER:

Mehrere Hundert Jahre sind vergangen, seitdem die Existenz einer fremden Zivilisation im All nachgewiesen wurde. Jahrhunderte, in denen sich die feindliche Flotte der Trisolarier unaufhaltsam der Erde genähert hat. Viele Strategien wurden ersonnen, um dieser übermächtigen Gefahr zu begegnen, so etwa die Operation Wandschauer, bei der vier Auserwählte in vollkommender Abschottung einen Abwehrplan schmieden sollten. Wider jedes Erwarten war diese Strategie erfolgreich – es gelang dem Wandschauer Luo Ji nicht nur, die Trisolarier zu bedrohen, sondern sein Plan bewirkte sogar einen Waffenstillstand. Die Erde schien gerettet.
Ein halbes Jahrhundert später hat sich das Leben auf der Erde völlig verändert. Als Teil des Waffenstillstands war ein kultureller Austausch zwischen Menschen und Trisolariern verabredet worden, und die Hochtechnologie der Außerirdischen hat der Menschheit zu neuem Wohlstand verholfen. Erstmals scheint eine friedliche Koexistenz möglich. Aber der Frieden hat die Menschen unvorsichtig werden lassen. Cheng Xin, eine Raumfahrtingenieurin des 21. Jahrhunderts, wird aus dem Kälteschlaf geweckt, um den greisen Luo Ji als Wächter über das Abkommen mit Trisolaris abzulösen. Doch darauf haben die Trisolarier nur gewartet, und sie schlagen blitzschnell zu. Nun liegt es an Cheng Xin und an einem sterbenskranken jungen Mann, der zu einer geheimen Mission ins All gesandt wurde, die Menschheit aus ihrer größten Krise herauszuführen …

Mit Jenseits der Zeit vollendet Cixin Liu seine preisgekrönte Trisolaris-Trilogie, die eine zukunftsweisende Perspektive auf die Menschheit in den Weiten des Alls eröffnet.

REZENSION:

Jenseits der Zeit ist der abschließende Band der Trisolaris-Trilogie des chinesischen Schriftstellers Cixin Liu. Der erste Band konnte noch sehr gut als eigenständiges Werk fungieren. Spätestens zum zweiten Band mit dem Titel Der dunkle Wald war das Wissen des vorherigen Bandes unbedingt notwendig. In Jenseits der Zeit bleibt einem schlicht nichts anderes übrig, da sonst sämtliche Fäden verknüpfungslos vor des Lesers Augen schweben würden. Interessanterweise wirkt der dritte Band als ob es von einem anderen Autor geschrieben worden wäre, da die Vorgehensweise etwas abweicht. Jenseits der Zeit wirkt oft wie ein Bericht anstatt eines typisch gehaltenen Romans. Nichts desto trotz kann man sich diesem Werk ebenso wenig entziehen, wie den beiden voran gestellten Büchern.
Cixin Liu steht dafür keineswegs für das Darbieten eines spannungsgeladenen Science-Fiction-Romans voll epischer Schlachten – nein, Liu steht für tiefgründige, philosophische Gedanken und spannt mit seinen drei Büchern einen zeitlichen Bogen über mehrere Milliarden Jahren ohne dabei jeglichen Faden zu verlieren.
Da der Autor sein Werk in der nicht gerade einfach zu nennenden chinesischen Sprache geschrieben hatte, möchte ich sogleich meinen Hut vor der genialen Übersetzung und somit vor der Übersetzerin ziehen: Dieses Mammutwerk war sicher nicht einfach und dabei ist es ihr sogar gelungen, dieses schwierig zu fassende Thema absolut eingängig in der übersetzten Version dar zu legen. Perfekt.
Die Gegebenheiten in Lius Roman sind gespickt mit physikalischen Ausflügen, deren tieferer Sinn beziehungsweise Wahrheitsgehalt von mir nicht wahrgenommen oder überprüft werden kann. Da es sich um eine Geschichte handelt, nehme ich dies alles einfach als gegeben hin und widmete mich rein der Geschichte. Teilweise war es fast schon ein wenig zu viel der technischen und physikalischen Erklärung, wodurch auch einige Seiten weniger bestimmt nicht geschadet hätten. Davon abgesehen schaffte es Cixin Liu dabei jedoch immer wieder, exakt zum perfekten Augenblick seinen Fokus zurück auf die eigentliche Story zu legen, wodurch niemals Langeweile aufkam.
Freunde der gepflegten Spannung in detaillierter Darbietung können eventuell noch Gefallen am ersten Buch mit dem Titel Die drei Sonnen finden – alle weiteren Werke lassen Spannungsspitzen nicht wirklich aufkommen, leben eher von ihrer unglaublich weitläufig ausgebreiteten Philosophie.
Allein die Benutzung eines Märchens als zukünftiger Wegweiser der Menschheit ist herausragend – gleichzeitig war dieses Märchen bereits interessant genug, um eine eigene Veröffentlichung bekommen zu können.
Jenseits der Zeit ist somit ein rundum gelungener Abschluss einer anspruchsvollen, hochwertigen, philosophischen und zum Nachdenken führenden Trilogie. Ein absoluter Höhepunkt des Genres für Freunde anspruchsvoller Literatur.
Jürgen Seibold/26.12.2019

Lostetter, Marina: Die Reise

Originaltitel: Noumenon
Aus dem Amerikanischen von Irene Holicki
Deutsche Erstausgabe 03/2019
©2017 by Little Lost Stories, LLC
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31827-4
ca. 558 Seiten

COVER:

Wir schreiben das Jahr 2125: Mehrere Konvois brechen von der Erde in unerforschte Regionen der Galaxis auf, um wissenschaftliche Erkenntnisse über rätselhafte astronomische Phänomene zu gewinnen. Konvoi Sieben hat zum Ziel, den Planeten LQ Pyxidis zu erforschen, der wie von einem Mantel – oder einer Dyson-Sphäre – umschlossen scheint und einen unerklärlichen Energieausstoß erzeugt. Bemannt sind nur die Schiffe mit Menschen, deren Genreihen während des Fluges geklont werden, denn selbst mit einem speziellen Antrieb, der sich einer Subdimension der Zeit bedient, dauert der Flug subjektive hundert Jahre – während auf der Erde etwa tausend Jahre vergehen. Bald kommt es unter der Besatzung zu Problemen: Raumkoller und Auflehnung gegen die starre Hierarchie sowie die ebenso starre Festschreibung der Lebensspanne, nach der jedes Mitglied ausscheiden muss. Als LQ Pyxidis endlich erreicht ist, sieht sich die Konvoi-Besatzung mit einer Alien-Technologie konfrontiert, die ihr völlig neue Rätsel aufgibt. Ist die Mission gescheitert? Und wie wird die Erde des Jahres 4100 auf die Forschungsergebnisse reagieren?

REZENSION:

Laut Beschreibung im vorliegenden Buch hatte sich die Autorin Maria Lostetter bisher als Erstellerin von Kurzgeschichten einen Namen gemacht. Der hier besprochene Science-Fiction-Roman mit dem Titel „Die Reise“ ist ihr erster Ausflug in die Welt der Romane.
Ihr Schreibstil und auch die innerhalb der Buchdeckel befindliche Geschichte ist sehr eingängig und auf interessante Weise erzählt.
Die Geschichte besitzt anfangs unglaublich viel Drive, der sich wohl durch die Aneinanderreihung von Kurzgeschichten ergeben hatte. Hier erkennt man sehr deutlich den schriftstellerischen Ursprung: Marina Lostetter ist noch nicht ganz in der Romanwelt angekommen und bearbeitete somit ihre groß angelegte Zukunftsgeschichte auf Basis von kurzen Geschichten, die zwar verknüpft sind, jedoch dennoch oft nahezu für sich stehen. Dieser Umstand sorgte für ein schwankenden Empfinden, da man manches mal hin und weg – an anderen Stellen jedoch eher enttäuscht ist. Eine Bearbeitung dieser Aspekte auf Basis von geschickt verwobenen Kapiteln hätte ihrem Output sicher sehr gutgetan. Nichts desto trotz ist „Die Reise“ für ein Debüt ein ganz gut gelungener Wurf. Dennoch muss ich anmerken, dass ihr anfänglicher Drive etwa beginnend mit der Rückreise des Konvois sehr nachgelassen hat. Auch dies liegt sicher an der bereits angesprochenen Darbietung.
Alles in allem ist „Die Reise“ ein ganz guter erster Wurf einer neuen Autorin. Relativ guter Unterhaltungswert mit einigen Schwächen, die man aber für einen Erstling nicht unbedingt hervorkehren muss. „Die Reise“ sorgt für einige nette Lesestunden, ohne besonderen Wert auf Tiefgang oder detaillierte Betrachtung ihrer grundsätzlichen Idee und dem Leben auf den Schiffen zu legen. Allein der soziologische Aspekt hätte einem anderen, erfahreneren Kollegen (Kollegin) der Zunft unglaublich viel Futter zur Darbietung gegeben.
Jürgen Seibold/27.11.2019

Scalzi, John: Verrat – Das Imperium der Ströme

Originaltitel: „The Consuming Fire“
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen
©2019 by John Scalzi
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29980-5
ca. 381 Seiten

COVER:

Der Thron der Imperatox wackelt: Die großen Handelshäuser wollen Grayland lieber früher als später beseitigt sehen, und auch die Kirche steht nicht mehr fraglos hinter ihrem Oberhaupt.
Gleichzeitig schreitet der Zerfall des Imperiums weiter voran. Der erste Planet ist bereits von den interstellaren Strömen abgeschnitten, und bald droht auch allen anderen menschlichen Zivilisationen die Isolation – und damit ihr Untergang.
Grayland versucht mit allen Mitteln, das Imperium auf die bevorstehende Katastrophe vorzubereiten, doch die Zahl ihrer Verbündeten schrumpft …

REZENSION:

Bei „Verrat“ handelt es sich um den zweiten Band der mit „Kollaps“ begonnenen Trilogie mit dem Obertitel „Das Imperium der Ströme“.
John Scalzi zeigt auch im Nachfolgeband sein Talent in der wechselhaften Darbietung von Humor, Brutalität und Ernsthaftigkeit. Die prinzipielle Welt dieser Trilogie ist durch die planetenverbindenden Ströme sehr interessant und nachvollziehbar dargelegt. Die daraus entstehenden, mafiösen Strukturen setzen dem Ganzen nur noch eins drauf.
Dennoch konnte mich „Verrat“ nicht wirklich überzeugen – dies steht im krassen Gegensatz zu meiner Meinung über den ersten Band, der mich mit seinem Humor und ganz besonders mit seiner inhaltlichen Darbietung rundum begeistern konnte. Aus diesem Grund war ich auch ganz gespannt auf den Nachfolgeband. Nun stellt sich mir jedoch die Frage, ob es grundsätzlich am zeitlichen Abstand zwischen den Bänden liegen könnte: Irgendwie konnte ich beim Lesen von „Verrat“ nicht mehr wirklich in dieses Universum eintauchen. Die Personen waren mir etwas fremd und der noch in meinem Kopf verankerte Hauptstrang nicht schnell genug greifbar. Irgendwie werde ich in letzter Zeit das Gefühl nicht los, dass es eventuell sinnvoller wäre, die Vorgehensweise der Trilogien einfach bleiben zu lassen und dafür einen dicken Band zu veröffentlichen. Ich kann mich nämlich noch ganz gut daran erinnern, wie ungern ich „Kollaps“ geschlossen hatte – ich wollte einfach nahtlos weiterlesen.
Etwa ein Jahr und viele anderen Bücher später fehlt mir der erneute Zugang und somit spüre ich auch keinen Drang zum finalen Band.
Vielleicht funktioniert das Prinzip noch bei Lesern, die ab und an Bücher zur Hand nehmen oder einfach warten, bis eine Reihe komplett veröffentlicht ist und man somit nahtlos dem gesamten Handlungsstrang folgen kann. Mich hat es in diesem Fall jedenfalls im Stich gelassen, wodurch das Imperium der Ströme einen zukünftigen Leser weniger haben wird – nichts desto trotz werde ich John Scalzi weiterhin im Auge behalten, da er schlichtweg ein grandioser Erzähler ist und mich dann bestimmt mit einer neuen Idee wieder für sich gewinnen kann.
Jürgen Seibold/23.11.2019

Tchaikovsky, Adrian: Im Krieg

Originaltitel: Dogs Of War
Aus dem Englischen von Peter Robert
Deutsche Erstausgabe 7/2019
©2018 by Adrian Tchaikovsky
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32024-6
ca. 381 Seiten

COVER:

„Mein Name ist Rex. Ich bin ein guter Hund.“ Und das ist auch alles, was Rex, eine sogenannte technisch optimierte Bioform, in seinem Leben möchte – ein guter Hund sein und seinem Herrn gehorchen. Gemeinsam mit seinem Rudel kämpft Rex in einem seit Jahrzehnten andauernden Krieg, und wenn sein Herr sagt „Töte!“, dann tötet Rex. Wieder und wieder. Als sein Herr eines Tages vors Kriegsgericht gestellt wird, kommen Rex jedoch Zweifel. Was soll er tun, wenn er keinen Herrn mehr hat, der ihm befiehlt? War es möglicherweise falsch, blind zu gehorchen? Und haben er und die anderen Bioformen überhaupt ein Anrecht auf Freiheit und ein eigenes Leben?

REZENSION:

Nach dem rundherum fulminanten und epochalen „Kinder der Zeit“ war ich sehr gespannt auf das vorliegende Werk mit dem Titel „Im Krieg“ von Adrian Tchaikovsky.
Tchaikovsky erzählt darin eine Geschichte über eine mögliche Zukunft des Krieges: Bioformen unterstützen den Menschen beim Kampf. Sie wurden dementsprechend gezüchtet beziehungsweise erschaffen, damit sie uneingeschränkt ihrem Herrn gehorchen und somit skrupellos über Leichen gehen. Ein simpler Tötungsbefehl und der treue Hund als auch die weiteren Mitglieder seines vielseitig aufgebauten Rudels töten, ohne einen weiteren Gedanken zu verschwenden. Nachdem jedoch die ehemaligen Lebewesen auch gedanklich ein neues Niveau erreicht haben, beginnen sie jedoch, sich nach und nach mit gewissen persönlichen Auseinandersetzungen zu beschäftigen. Dies verstärkt sich in dem Moment, als ihr Herrchen von einem Augenblick zum anderen nicht mehr für sie erreichbar ist.
Tchaikovsky entwickelt eine sehr interessante Parabel und sorgt somit für gedanklichen Tiefgang. Durch seinen sprachlichen Kniff lenkt er den Leser direkt in die Gedankengänge seines Hauptdarstellers – gleichzeitig ist dies aber auch der Punkt, welcher in meinen Augen dafür sorgte, dass ich zu diesem Werk keinen nachhaltigen Zugang finden konnte.
Erzählungen in der Ich-Form machen mir es häufig etwas schwer – in diesem Fall konnte ich mich darüber hinaus nicht mit der erzählenden Figur identifizieren. Aus diesem Grund spürte ich zwar die Kraft der Geschichte, konnte diese aber leider nicht rundum genießen.
„Im Krieg“ ist dennoch ein hochinteressanter Plot mit einer klaren Botschaft – eine Erzählform im Stile „Kinder der Zeit“ hätte bei mir sicherlich besser funktioniert. Hat man kein Problem mit dieser schwenkenden Art des Erzählens, findet man in „Im Krieg“ einen sehr interessanten Plot, der mehr bietet als reine Unterhaltung.
Jürgen Seibold/01.11.2019

Eschbach, Andreas: Perry Rhodan – Das grösste Abenteuer

Erschienen bei FISCHER TOR Frankfurt a.M., März 2019
©2019 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-70145-2
ca. 846 Seiten

COVER:

Cape Kennedy, 1971: Nach dem katastrophalen Scheitern der Apollo-Missionen unternehmen die Amerikaner einen letzten verzweifelten Versuch, das Rennen zum Mond zu gewinnen. Der Name des Raumschiffs: STARDUST. Der Name des Kommandanten: PERRY RHODAN.

Mit diesem bahnbrechenden Ereignis startete die Science-Fiction-Serie Perry Rhodan. Und wurde zur erfolgreichsten Fortsetzungsgeschichte der Welt.

Doch erst jetzt erfahren wir, wie alles wirklich begann: Perry Rhodans Jugend, seine politischen Eskapaden, seine Abenteuer als Testpilot und die geheime Geschichte der bemannten Weltraumfahrt.

Andreas Eschbach erzählt, wie Perry Rhodan zu der legendären Gestalt wurde, die die Menschheit zu den Sternen führt.

REZENSION:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass jedem der Name Perry Rhodan ein Begriff ist. Sicherlich gibt es da eine Vielzahl an Menschen, die noch absolut nichts über diese sagenhafte Gestalt gelesen haben – dennoch wird einem dieser Name bewusst, wenn man nur ein klein wenig mit offenen Augen durch die Welt geht. Handelt es sich doch um nichts Geringeres als die größte Science-Fiction-Geschichte aller Zeiten.
Auch ich blickte bereits als Jugendlicher voller Ehrfurcht in Regale meiner eher SF-affinen Freunde, standen dort doch die berühmten Silberbände mit den 3D-Coverbildern. Wäre ich damals nicht in die Horror- und Fantasyecke abgedriftet, hätte ich sicher ebenfalls mit diesen Bänden begonnen. Nichts desto trotz ließ mich der Gedanke an Rhodan nicht wirklich los. Mit den Jahren öffnete sich mein Lesespektrum und manch Science-Fiction-Werk fand seinen Weg vor meine Augen. Eines Tages gönnte ich mir dann tatsächlich die ersten Silberbände – in ihrer Originalversion!
Absolut warm bin ich dabei leider nicht damit geworden – nichts desto trotz konnte ich verstehen, warum diese Reihe so berühmt geworden ist. Findet man den Zugang zu ihr ist es sich nicht leicht, sich dem wieder entziehen zu können.
Gut, durch diese kurze Erklärung kicke ich mich ja bereits als tiefgründigen Tester des Buches von Andreas Eschbach heraus – anders gesagt: Ist es mir möglich, als oberflächlicher Kenner des Rhodan-Imperiums Gefallen an der Vorgeschichte zu finden? Ein Versuch war es wert und da Eschbach wahrlich kein unbekannter Name ist, war ich auch sichtlich interessiert, wie der Autor es schaffen wird, diese Vielzahl an bereits bekannten Fäden zum ersten zarten Knäuel zu verdichten und dabei den Weg nach allem bereits beschriebenen offen zu halten.
Nun, Andreas Eschbach schafft sogar zweierlei:  Er lässt Rhodan auf die Welt kommen und zeigt uns dessen Weg vom Schüler zum Testpiloten zum uns bekannten Weltraumfahrer.
Darüber hinaus verwendet der Autor den Rhodan-Stil und bedient dadurch geschickt seine Klientel. Gleichzeitig können Neulinge auch problemlos mit diesem Werk anfangen, da es sehr geschickt in den Kosmos der längsten und erfolgreichsten Fortsetzungsgeschichte einführt. Findet man Zugang zu diesem Werk, findet man auch problemlos Zugang zu den teils spannenderen Werken der Serie.
Alles in allem eine geschickte Möglichkeit, dem Leben Rhodans noch etwas hinzuzufügen und diesem somit etwas mehr Tiefe zu geben.
Ich selbst wurde erneut ganz gut unterhalten – finde aber auch weiterhin keinen tiefergehenden Zugang zu dieser Serie. Ehrlich gesagt bin ich auch ganz froh darüber, da ich nicht wirklich wissen möchte, wie ich das bereits geschriebene aufholen sollte.
Jeder andere Neuling sollte es mal versuchen – Kenner Perry Rhodans kommen daran eigentlich nicht wirklich vorbei.
Jürgen Seibold/12.10.2019

Parsons, Tyler R.: Der Besucher

Originaltitel: A Walk Between Stars
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe
©2015 Tyler R. Parsons
©Piper Verlag GmbH, München 2019
ISBN 978-3-492-70534-9
ca. 197 Seiten

COVER:

Roman Briggs ist als Techniker mit einer Reparatur an der Außenwand seines Raumschiffes beschäftigt, als dieses plötzlich explodiert. Er überlebt, treibt fortan aber schutzlos durch die endlosen Weiten des Alls. Ihm bleiben nur wenige Tage, bis die Vorräte in seinem Raumanzug zur Neige gehen. Gerade, als er sich auf das vorzeitige Ende seines Lebens einstellt, tauchen die Manti auf, eine geheimnisvolle außerirdische Rasse. Doch den fremdartigen Geschöpfen ist es gar nicht recht, Briggs als Passagier aufzunehmen. So ist er gezwungen, sich an die Außenhülle ihres Raumschiffes zu ketten und in dessen Schwerefeld zu überdauern. Fortan erkundet er das Schiff von außen und lernt die Manti durch die Fenster des Flugkörpers immer weiter kennen. Bis er etwas sieht, dass er niemals hätte sehen dürfen. Und damit beginnt der wahre Kampf ums Überleben für ihn …

REZENSION:

Vorweg: Die Coverbeschreibung stimmt in einem wichtigen Punkt nicht mit dem Inhalt der Geschichte überein, denn den Manti ist es keineswegs nicht recht, ihn aufnehmen zu wollen – im Gegenteil, sie würden gern, jedoch können sie einen Menschen aufgrund ihrer grundlegend andersartigen Lebensbedingungen nicht in ihrem Raumschiff aufnehmen. Dies würde zum sofortigen Tode Roman Briggs führen.
Die Manti sind eine sehr zuvorkommende Rasse, die sich sofort um den im Weltraum gestrandeten Menschen kümmern. Sie versorgen ihn, so gut es ihnen möglich ist und bieten ihm sozusagen die Möglichkeit, zurück zu seiner eigenen Rasse zu kommen.
„Nett“ ist auch sogleich die Beschreibung des gesamten Buches. Mit seinen ca. 190 Seiten ist es nicht recht viel mehr als eine etwas weiter ausgeholte Kurzgeschichte, womit man nicht mit ausschweifenden Erlebnissen rechnen sollte. Dennoch versucht Parsons eine Art Krimigeschichte zu erzählen, deren prinzipielle Idee auch gar nicht mal schlecht ist.
Ich lasse mal die ganzen technischen Möglichkeiten außen vor, da ich es nicht beurteilen kann, ob der „Wohnraum“ außerhalb des Schiffes überhaupt möglich ist. Da es aber eine Geschichte ist, akzeptiere ich dies und wende mich dem eigentlichen Inhalt zu.
Parsons lässt uns lange an der entstehenden Beziehung zwischen dem Menschen und einigen wenigen Manti teilhaben. Hier entsteht beinahe eine Art Freundschaft. Briggs vertreibt sich seine Zeit mit einigen Stunden Kommunikation und vielen Stunden Erkunden des Schiffes von außen. Dabei entdeckt er eines Tages – was übrigens im Buch sehr spät zu Tage dringt – einen Mord. In diesem Augenblick befinden wir uns bereits im letzten Drittel des Buches und nun folgt lediglich noch ein kurzer Plot, der ein ganz klein wenig versucht, Spannung in den Plot zu bekommen. Diese wiederum ist so dezent vorhanden, dass sie sich auf ihrer Spitze auf einem Niveau befindet, als würde ich einen Ofen von „0“ auf „1“ – bei einer Skala bis 12 – erhitzen.
Alles in allem eine Geschichte, die sich sicherlich nicht nachhaltig beim Leser einprägen wird. Nichts weiter als eine ganz kurzfristige, nette Unterhaltung, die irgendwie nichts Besonderes vermitteln möchte. Schade, da die prinzipielle Idee gar nicht mal sooooo schlecht wäre.
Jürgen Seibold/24.09.2019

Cawdron, Peter: Habitat

Originaltitel: Retrograde
Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Kempen
Deutsche Erstausgabe 02/2019
©2016 by Peter Cawdron
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31963-9
ca. 350 Seiten

COVER:

Die Menschheit hat ihren Fuß auf den Mars gesetzt. Die neue Habitatsiedlung „Endeavor“ wird als Triumph des menschlichen Forscherdrangs gefeiert. Einhundertzwanzig Wissenschaftler, Techniker und Astronauten aus aller Herren Länder arbeiten hier. Eine von ihnen ist die junge und engagierte Mikropaläobiologin Liz, die sich wie ihre Kollegen dazu verpflichtet hat, zehn Jahre auf dem Mars zu leben und zu forschen, um den Roten Planeten für die Menschheit bewohnbar zu machen. Doch dann bricht auf der Erde Krieg aus, die Funksignale verstummen und die Versorgungslieferungen zum Mars werden unterbrochen. Nun sind die Kolonisten auf sich alleine gestellt. Misstrauen macht sich unter den verschiedenen Nationen breit. Wer hat den Krieg auf der Erde begonnen? Welches Land ist schuld, dass die Forscher nun auf dem Mars gefangen sind? Liz stößt schon bald auf erste Ungereimtheiten, und dann gibt es einen ersten Toten …

REZENSION:

In Peter Cawdrons neuestem Science-Fiction-Roman befinden wir uns auf dem Mars. Dort befindet sich seit einiger Zeit eine Kolonie, deren Sinn und Zweck die Erforschung und Vorbereitung des unwirtlichen Planeten auf weitere Siedler des Planeten Erde ist.
Die gesamte Forschungseinrichtung besteht aus mehreren Modulen, die gleichzeitig aus unterschiedlichen Nationen bestehen. Der Ursprung ist natürlich die Zusammenarbeit der jeweiligen Institutionen auf der Erde, um ein solches Projekt überhaupt stemmen zu können.
Die Module sind zwar alle miteinander verbunden, dennoch spiegeln sie eine gewisse Trennung wieder – dies wirkt leider analog zu unserem Planeten: Es gibt in der Kolonie somit Eurasien, China, Russland und die Vereinigten Staaten.
Diese Vorgehensweise ist der einzige Kritikpunkt, die ich dem Autor vorwerfen muss  obwohl: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies auch exakt so vorgenommen wird. Ganz unabhängig, wie umfangreich das Gesamtprojekt ist und dass dieses auch nur gemeinsam gestemmt werden kann.
Cawdron macht es sich damit ein wenig einfach, damit er seine Geschichte, die recht schnell Fahrt aufnehmen wird, in der dafür vorgesehenen Spur laufen lassen kann.
Wie die Bewohner auf dem Mars erfahren müssen, zerfleischt sich die Erde durch einen weltweit großangelegten Atomkrieg. Die Bewohner auf dem Mars bekommen nur rudimentäre Informationen und sind dann von weiteren Nachrichten des blauen Planeten abgeschnitten. Die Kommunikation als auch die weitere Versorgung ist eingestellt oder nicht mehr vorhanden, die eigenen Gedanken übernehmen das Zepter.
Da die Kolonisten keine genauen Informationen haben, sind sie sich auch nicht über verlorene Familienmitglieder, Freunde, etc. sicher. Dementsprechend beginnen sie auf menschliche Art zu spekulieren. Darüber hinaus beginnt eine teilweise Abschottung, da sich jeder die Frage stellt, wer diesen Krieg auf der Erde begonnen hat.
Der dezent aufkommende Rassismus in der engen Enklave lässt den Leser mit dem Schlimmsten rechnen. Peter Cawdron führt dies auch geschickt und etwas länger aus. Bereits jetzt würde der Roman ganz gut für eine gepflegte Unterhaltung sorgen – auf Dauer aber wohl etwas zu vorhersagbar, da sich wohl die Einwohner immer mehr mit Vorurteilen beschimpfen und wohl dann mit gegenseitigem Bekriegen beginnen.
Erfreulicherweise dreht sich jedoch der Plot zugunsten der Story. Hierzu möchte ich nichts weiter sagen, da der Twist doch ein klein wenig überraschend ist und der Feind sich doch als etwas anderes darstellt.
Peter Cawdron führt sehr viele technische Details in seine spannende Geschichte ein. Dies aber rundum auf eine absolut glaubwürdige und plausible Art und Weise. Ob das alles möglich ist, entzieht sich meiner Kenntnis – nichts desto trotz konnte ich jedem einzelnen Aspekt trotz fehlendem technischen Know How in diesem Sektor absolut problemlos folgen und somit auch als gegeben hinnehmen.
Übrigens kann man dem Nachwort entnehmen, dass sehr wohl alles plausibel ist und einem technischen Stand entspricht, der sich in spätestens 50 Jahren darstellen würde, wenn man dem Ziel der Marsbesiedelung weiter mit Nachdruck folgt.
Der Plot selbst ist eine gelungener Unterhaltungsroman, der insbesondere durch die Drehung des Plots seine Kraft zieht. Dieser Drall entsteht genau zum richtigen Zeitpunkt und somit ist man als Leser weiterhin voller Euphorie bei den Erlebnissen auf dem fernen Planeten dabei.
Habitat ist ein gelungener und recht spannender SF-Roman mit einem sehr interessanten Setting und einer darüber hinaus glaubwürdigen Geschichte.
Jürgen Seibold/25.08.2019

Orgel, T.S.: Terra

Originalausgabe 12/2018
©2018 by Tom & Stephan Orgel
©2018 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31967-7
ca. 508 Seiten

COVER:

In der Zukunft hat sich die Erde in ein ökologisches Wrack verwandelt. Der Mond ist ein einziges Bergwerk, und alle Hoffnungen liegen nun auf der Besiedlung des Mars. Dessen Terraforming ist in vollem Gange, und mit Raumfrachtern werden die Rohstoffe des roten Planeten abtransportiert. Jak ist Mechaniker an Bord eines vollautomatischen Frachters, der gerade mit zwei Millionen Tonnen Erz auf dem Weg zur Erde ist. Was er nicht weiß: Einer der Container ist vollgestopft mit Bomben. Und auch Jak hat ein paar Geheimnisse zu verbergen. Für ihn und seine Schwester Sal, die als Marshal auf dem Mond stationiert ist, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es um nichts weniger geht als um das Schicksal des Planeten Erde …

REZENSION:

Die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel sind sicherlich den Lesern bisher als Erschaffer fantastischer Welten ein Begriff. Nachdem sie sich ausgiebig den Orks und Zwergen widmeten, scheinen sie wohl den Drang bekommen zu haben, die unendlichen Weiten zu entdecken. Anders kann es nicht sein, da es sich bei ihrem neuesten Roman mit dem Titel „Terra“ um einen reinrassigen Science-Fiction-Roman handelt.
Die von den beiden verwendete Spielwiese ist jedem ein Begriff: Wir befinden uns auf dem Mond, dem Mars oder eben auf dem Weg vom dort zu unserem Planeten.
Interessanterweise schaffen die beiden es dabei nahezu problemlos einen spannenden Plot abzuliefern, der so klingt, als ob sie bisher noch niemals ein anderes Genre bedient hätten.
Das interessante bei „Terra“ ist nicht nur das Setting und das prinzipielle Problem der Frachter auf ihrem Weg zur Erde – nein, irgendwie schaffen es die Autoren, dass man die beiden Hauptdarsteller sofort akzeptiert und jegliche Handlung dieser ungebremst zu verfolgen gewillt ist. Interessant deshalb, da Jak in seinem bisherigen Leben nicht wirklich ein reinrassiger Sympathieträger gewesen ist.
Die Geschichte geht zwar ohne besondere Überraschungen voran, nichts desto trotz macht es einfach richtig viel Freude, dem Inhalt vorbehaltlose zu folgen.
„Terra“ läuft ähnlich eines Filmes ab und somit kann man sich auch mit dem Inhalt zwischen den Buchdeckeln ohne Probleme auf eine einigermaßen spannende Art berieseln lassen.
Die Richtigkeit der technischen Belange spielen dabei für mich eher eine nachgelagerte Rolle – bei mir zählt die Geschichte und der Unterhaltungswert. Dies haben die beiden Brüder ausreichend gut erfüllt. „Terra“ ist somit ein gelungener Unterhaltungsroman, der nicht nur SF-Fans vorm Ofen hervorlocken sollte – im Gegenteil, er funktioniert einfach in sich selbst und sollte somit nicht explizit als Genrewurf eingetütet werden. Mir hat die Geschichte jedenfalls Spaß gemacht.
Jürgen Seibold/24.08.2019

Valente, Catherynne M.: Space Opera

Originaltitel: Space Opera
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Fischer Tor 05/2019
©2018 Catherynne M. Valente
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70444-6
ca. 346 Seiten

COVER:

Vor knapp hundert Jahren hat sich die Galaxis entzweit – ein Krieg löschte beinahe sämtliches Leben aus. In der Folge erfand man eine gemeinschaftsbildende Tradition. Etwas Schönes und Unterhaltsames, um den Frieden, die Liebe und das Leben zu feiern. Und so wurde der metagalaktische Grand Prix geboren, in dem alle empfindungsfähigen Zivilisationen friedliche gegeneinander antreten. Seitdem muss jede neue Spezies, die Mitglied der kosmischen Gemeinschaft werden will, an der Show teilnehmen.
Das Ganze ist ein Riesenspaß, das Problem ist nur: Auf dem letzten Platz wartet die völlige Vernichtung – und die Aliens haben ganz eigene Vorstellungen davon, wer für die Erde antreten soll ….

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee von Space Opera – der neueste Roman der bereits mit mehreren Auszeichnungen honorierten Autorin Catherynne M. Valente – ist sehr erfrischend und herausragend. Man verlegt den doch auch teils etwas politisch angehauchten Grand Prix unseres Planeten in die ferne Zukunft, vermischt dies mit verschiedenen Zivilisationen aus unterschiedlichen Galaxien und schon lässt sich eine humorvoll angehauchte Geschichte erzählen.
Bei diesem Setting ist mir ungebremst bewusst, dass der Gedanke an den Großmeister Douglas Adams nicht weit ist und somit überraschte mich seine Namensnennung auf dem Cover nicht wirklich. Gleichzeitig sind dessen Fußstapfen natürlich nur schwer zu füllen – und genau so geht es auch der Autorin mit dem vorliegenden Werk.
Space Opera ist prinzipiell eine sehr schöne Idee und beginnt auch dementsprechend. Leider versucht die Autorin zu häufig diesem Vorbild gerecht zu werden und verliert sich dabei in langen, verschwurbelten Sätzen. Diese sind geschickt eingesetzt sehr witzig und ihr einzeln betrachteter Inhalt zeugt von einer hohen schriftstellerischen Qualität der Autorin. Mir ist es jedoch durch die zu häufige Verwendung dieser langen Sätze etwas zu viel geworden und somit ließ die anfängliche Begeisterung leider nach.
Schade, da der grundsätzliche Gedanke dieser Geschichte sehr viel Unterhaltungspotenzial hat – bei mir jedoch nach einigen Seiten jedoch nicht mehr zünden konnte. Hier scheint der verwendete Humor bei mir wohl nicht mehr zu greifen. Ich bin mir aber sicher, dass es für diese Geschichte auch Fans geben wird – der Rahmen ist interessant und eine schöne Allegorie, wodurch Space Opera ein klein wenig Nachdenklichkeit mit auf den Weg gegeben wird. Man muss sich halt darauf einlassen können.
Jürgen Seibold/19.08.2019

Star Trek: Discovery

Normalerweise spielen Bücher die wichtigste Rolle auf diesem Kanal. Nun möchte ich dennoch einige Worte zu einer Serie verlieren, der ich mich kürzlich gewidmet hatte: Star Trek – Discovery.

Das gesamte Star Trek Imperium wird nun schon seit Jahrzehnten weitererzählt. Interessanterweise versuchen dabei einige Autoren und Filmemacher dabei ab und an, die Geschehnisse in die Vergangenheit der ursprünglichen Serie aus den 1960er Jahren zu platzieren. Allein aus dem technischen Aspekt sehe ich solche Versuche für ambitioniert, dennoch recht zweifelhaft.
Bei Star Trek wurde schon manche Serie in der Vergangenheit der „alten“ Enterprise angesiedelt. Teils mit Vorgängern des bekanntesten Captains namens James T. Kirk – teils unter Verwendung seines eigenen Weges vom Kadetten zum Captain.

Für mich war das gesamte Star Trek Universum von Höhen und Tiefen begleitet:

Aufgewachsen mit James T. Kirk, Scotty, Pille und Spock konnten mich nur wenige Serien aus den unendlichen Weiten des Weltalls begeistern. Einige Seitenableger waren sicher nett, konnten mir aber den Charme beziehungsweise das Gefühl nicht mehr wiedergeben, dass ich als Jugendlicher begeistert vor dem flimmernden Kasten sitzend hatte.
Einzig die Serie um Captain Picard hielt ich noch für ausgesprochen interessant – ich könnte mir vorstellen, dass dies daran lag, da sie die Geschichte ähnlich zu erzählen wusste und dabei technische Aspekte glaubhaft weiterentwickelte.
Nun jedoch erneut eine Geschichte aus der Vergangenheit der Enterprise, erzählt auf Netflix in zwei Staffeln.
Star Trek: Discovery möchte dabei von eigenen Abenteuern auf der Discovery erzählen und nahtlos an die Enterprise übergeben. Zeitlich somit einige Jahre vor der ursprünglichen Serie angesiedelt. Laut meinen kleinen Recherchen (Links am Ende dieses Artikels) spielt Discovery in der Hauptzeitlinie des Serien-Universums 9 Jahre vor der Serie „Raumschiff Enterprise“ und dockt dort am Ende direkt an.
Während ich mich diesen beiden Staffeln widmete, stellte ich dabei – unterstützt durch Diskussionen mit Personen meiner Generation – sehr deutlich fest, dass es abermals eine Serie mit Potenzial zum Begeistern war. Gleichzeitig scheint dies aber bei jüngeren Personen nicht der Fall gewesen zu sein. Dies ist natürlich nicht wissenschaftlich erforscht – dennoch scheint Star Trek: Discovery zu polarisieren.

Star Trek: Discovery beginnt sehr anstrengend und ich war wirklich nahe dran, die Serie nach zwei, drei Folgen einfach links liegen zu lassen. In diesen ersten Folgen hörte ich gefühlt nur Klingonisch mit Untertiteln. Da ich gleichzeitig die Rolle der Burnham für außerordentlich interessant fand, folgte ich doch den weiteren Geschehnissen und konnte es plötzlich nicht mehr erwarten, die nächste Folge sehen zu können.
Gut, die Serie hat auch ihre Schwächen – insbesondere, wenn man es gewohnt ist, sämtliche auf der Brücke arbeitende Crewmitglieder fast persönlich kennen und lieben zu lernen. Auf der Discovery halten diese kraft ihres Arbeitsgebietes gut zusammen und agieren als Team. Man wird aber das Gefühl nicht los, dass dies nur auf Basis des eigenen Berufes vorgenommen wird – ein emotionaler und tiefgehender Teamgeist kommt nicht an die Oberfläche. Darüber hinaus sind die Nebenrollen sehr dünn gezeichnet und bekommen erst im Laufe der zweiten Staffeln ein wenig Form.
Demgegenüber steht die erstmalige Idee, die Hauptrolle nicht einem Kapitän zu überlassen, wodurch die übliche Erzählweise mit anderen Aspekten neu sortiert werden konnte.
Erzählt wird die gesamte Geschichte erneut auf horizontale Weise und es fällt einem somit nicht schwer, der Geschichte tiefenentspannt folgen zu können. Dieses Vorgehen entspricht dem ursprünglichen Plotaufbau und ist wohl auch mit ein Grund, warum man wieder ein wenig Begeisterung aufkommen lassen kann.
Die in der zweiten Staffel vorgenommenen Zeitsprünge schwächen das ein wenig ab, da die Geschichte hier sehr krude konstruiert wirkt und man für ein Unterhaltungsformat doch recht konzentriert angespannt folgen muss.
Die Hauptrolle und auch der Anteil an weiblichen Darstellern war absolut erfrischend und ich finde, hier sollte noch viel mehr dafür getan werden. Mir persönlich kamen die Anzahl als auch die Handlungen durchweg sehr gleichberechtigt vor. Sehr interessant bei einer Serie, die VOR der Welt des J.T. Kirk spielt, die doch noch sehr männlich dominierend war.
Die Integration von gleichgeschlechtlicher Liebe ohne großes Aufheben darüber kommt ebenfalls in dieser und auch in mehreren aktuellen Serien vor. Auch diesen Aspekt halte ich für außerordentlich wichtig, damit diese Art des Zusammenlebens endlich einmal zur Normalität wird und auch der letzte Hinterbänkler erkennt, dass daran nichts Verwerfliches ist.
Star Trek: Discovery macht ausreichend Spaß und ich war sichtlich erstaunt, wie geschickt sie den Schwenk von der Discovery zur Enterprise hinbekommen. Allein dafür sollten die Autoren bereits einen Preis bekommen. An manchen Ecken ein wenig konstruiert, dennoch auseichend geschickt erzählt, um mir einige spannende Science-Fiction-Stunden mit ein wenig Reminiszenz an vergangene Zeiten zu bieten. Dies haben sie geschafft und somit scheint die Serie für einen Nicht-Hardcore-Star-Trek-Fan gut zu funktionieren.
Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahrzehnten in diesem Universum noch einige weitere Ableger zur wohl bekanntesten Serie der 60er Jahre hinzukommen.
Jürgen Seibold/23.07.2019

Ein klein wenig hatte ich mir bei diesem unüblichen Artikel die Mühe zu etwas Recherche gemacht. Somit hier einige wenige Linktipps, die mir dabei aufgefallen sind:
Wikipedia zu den beiden Staffeln von Star Trek Discovery

In einem interessanten Artikel im Audible Magazin fand ich eine Abhandlung über die Star Trek-Zeitschiene

Selbstverständlich entwickelten sich im Star Trek-Universum auch eine Vielzahl an literarischen Werken. Diese aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Einige namhafte SF-Autoren befinden sich darunter. Wikipedia ist dabei erneut eine geeignete Quelle, um sich ein Bild über das gesamte Spektrum machen zu können. Hier gehts lang…

Weitere Verlinkungen lasse ich nun außen vor – für Interessierte ist Wikipedia jedenfalls eine gute Ausgangsposition, um weitere Informationen in dieser groß angelegten Welt zu ergründen.
Sicherlich gibt es noch tiefergehende Seiten – wenn diese jemand bekannt machen möchte, dann einfach einen Kommentar hinterlassen.

Ruocchio, Christopher: Das Imperium der Stille

Originaltitel: Empire Of Silence – Sun Eater, Book One
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 11/2018
©2018 by Christopher Ruocchio
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31828-1
ca. 989 Seiten

COVER:

„Das Licht der gemordeten Sonne verbrennt mich noch immer. Ich weiß, was ich bin. Man gab mir viele Namen, und ich bin vieles gewesen – Adliger und Diener, Gladiator und Soldat, Gelehrter und Held. Alles aber beginnt mit meinem Namen: Hadrian Marlowe.“

In einer weit entfernten Zukunft hat die Menschheit die Galaxie besiedelt und ein gewaltiges Sternenreich errichtet. Seit Jahrhunderten befindet sich das Imperium nun schon im Krieg gegen die außerirdische Zivilisation der Cielcin, die mit ihren Eisschiffen bereits Tausende Planeten zerstört und Milliarden von Menschen getötet und versklavt haben. Weder die genetisch optimierten Adligen noch die Imperiale Legion haben die Cielcin besiegen können, und niemand weiß, woher sie überhaupt kommen und was sie wollen. Als der jungen Adlige Hadrian Marlowe dem Schicksal entfliehen will, das sein grausamer Vater für ihn vorgesehen hat, verschlägt es ihn an den Rand des Imperiums. Verraten und von allen verlassen, muss er sich als Diener und Gladiator durchkämpfen – bis er eines Tages in den uralten Ruinen auf einer fremden Welt eine Entdeckung macht, die sein Schicksal und die Zukunft des Imperiums für immer wenden wird. Dies ist die Geschichte von Hadrian Marlowe, dem Sonnenfresser.

RESENSION:

„Das Imperium der Stille“ von Christopher Ruocchio ist der erste Band einer Reihe über den Sonnenfresser Hadrian Marlowe.
Die Geschichte findet in einer weit entfernten Galaxie statt und schafft es nahezu problemlos des Lesers Gedanken an eine Vielzahl bekannter Romane des Genres aufblitzen zu lassen. Ruocchio scheint eine Vorliebe zu haben für das Römische Reich oder das unerreichbare Werk Herberts mit dem dezenten Titel „Dune“.
Den dabei eingeschlagenen Weg beschreitet der Autor nahezu problemlos. Sein Stil ist sehr eingängig und die Erlebnisse Marlowes glaubwürdig dargelegt. Gleichzeitig ist Christopher Ruocchio aber auch ein schreibender „Schwätzer“ und dementsprechend verliert er sich in seiner Erzählung.
Sein Worldbuilding ist nahezu perfekt und gefällt durch und durch. Seine Hauptfigur ist aber dermaßen selbstverliebt, dass seine Tätigkeiten nur noch unsympathisch wirken. Hier ist dem Schriftsteller ein Fauxpas unterlaufen und er verliert den geneigten Leser, der mitleidend die Erlebnisse erleben möchte. Nichts ist schlimmer, als ein in der Ich-Form erzählender Hauptdarsteller mit dessen Charakter man nicht wirklich etwas anfangen kann. Darüber hinaus gibt es keine echten Gegner und Bedrohungen. Hadrian Marlowe tappst von Erlebnis zu Erlebnis ohne richtungsweisenden Blick auf das Ziel.
Darüber hinaus verliert sich der Autor in Darstellungen und Erzählungen – ich bin mir sicher, dass dieses Werk bei weitem besser funktionieren würde, wenn der erste Band eben keine 1.000 Seiten benötigen würde.
Schade, da die grundsätzliche Idee wirklich außerordentlich interessant ist und die Vorbilder stets erkennbar sind. Nichts desto trotz muss auch eine lange Geschichte den Leser von Anfang an bei der Hand nehmen und dafür sorgen, dass er sich mit den Geschehnissen identifizieren kann. Dies fehlte mir hier leider.
Jürgen Seibold/21.07.2019