Frank Schätzing: Was, wenn wir einfach die Welt retten? – Handeln in der Klimakrise

©2021, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
ISBN 978-3-462-00201-0
ca. 336 Seiten

COVER:

Wir leben in einem Thriller. Nie waren wir so vielen potenziellen Schrecknissen gleichzeitig ausgesetzt wie heute. Wenn wir also dem Klimaschutz vorübergehend unsere Aufmerksamkeit entzogen haben, um eine Pandemie zu besiegen, ist das schlichtweg menschlich. Was nichts daran ändert, dass der Klimawandel die größte existenzielle Bedrohung unserer Geschichte darstellt, und ebenso wenig wie ein Virus lässt er mit sich reden. Zeit, zurück ins Handeln zu finden.
Wissenschaftlich fundiert, spannend und nie ohne Humor entwirft Frank Schätzing verschiedene Szenarien unserer Zukunft, in denen wir mal versagt, mal obsiegt haben. Wir lernen die Protagonisten und Antagonisten kennen, Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Aktivisten, Leugner und Verschwörungstheoretiker, bevor der Autor den Blick aufs Panorama des Machbaren öffnet, auf eine Vielzahl unserer Optionen und gar nicht so fernen Superlösungen.
„Was, wenn wir einfach die Welt retten?“ ist ein Plädoyer für Mut und Zuversicht. Wir können die Herausforderung meistern, wenn wir nur wollen: mit Wissen, Willenskraft, positivem Denken, Kreativität, der Liebe zu unserem Planeten und ein bisschen persönlichem Heldentum, wie man es im Thriller braucht.

REZENSION:

Bücher, die sich mit der meiner Meinung nach definitiv vorhandenen Klimakrise befassen, sprießen wie Pilze aus dem Boden. Teils hochwissenschaftlich und nur schwer zu lesen, teils eingängig und dadurch sehr überzeugend wirkend in ihrer Darstellung. Die dazugehörigen Autoren waren jedoch zumeist eher aus der wissenschaftlichen oder zumindest davon betroffenen Ecke. Erfreulicherweise erweitert sich die schreibende Klientel und dadurch auch der Kreis der Empfänger. Insbesondere, wenn sehr namhafte Autoren plötzlich den in Arbeit befindlichen, neuen Thriller zur Seite legen und sich lieber mit diesem erheblich wichtigeren Thema befassen, erkennt man die Dringlichkeit und die Notwendigkeit der ungebremsten Bekanntmachung des Themas.
Frank Schätzing hat sicherlich eine nicht gerade als gering zu nennende Community – dementsprechend hoffe ich, dass er weitere Personen vom Vorhandensein dieser Thematik überzeugen kann.
Schätzing wandelt dabei zwischen humorvoller Darbietung und wissenschaftlich fundiertem Inhalt. Dementsprechend wirkt er nur partiell etwas trocken und sorgt für eine nahezu ungebremste und dabei zum Nachdenken anregende Unterhaltung. Er zeigt auf, dass man bereits mit kleinsten Schritten ein kleiner Held zur Weltrettung werden kann und vermeidet es deutlich, den typischen deutschen Meckeransatz mitzutragen. Ebenfalls sehr typisch ist der Versuch, sich für eine Richtung entscheiden zu wollen – als Beispiel fällt mir hier u.a. die elendige Diskussion über Elektro- oder Wasserstoffauto ein – dabei merken die Menschen nicht, dass sie damit nur die Lösung verschleppen, da sie schlicht Angst vor dem Neuen haben. Wie Schätzing bin auch ich der Meinung, dass man keine 100% Einzellösung anstreben sondern einfach mal mit einem „sowohl-als-auch“ anfangen könnte.
„Was, wenn wir einfach die Welt retten?“ erfindet das Thema nicht neu und bietet jemandem, der sich bereits mit der Thematik befasst hatte etwas richtig neues. Nichts desto trotz könnte das Buch einige noch unschlüssige Personen bei der Hand nehmen und mit ihnen die ersten Schritte zu einer Lösung oder einem neuem Denken bis hin zu einer neuen Erkenntnis begleiten. Allein dafür lohnt es sich bereits und es ist gut, dass Schätzing einen Plot über den realen Thriller in dem wir leben geschrieben hat.
Alles in allem eine sehr stringente und ausreichend humorvolle Beschäftigung mit einem Thema, dass doch nun hoffentlich endlich mal von jedem bearbeitet wird.
Ich hoffe sehr, dass diese ewigen Diskussionen endlich ein Ende finden und der Mensch an sich einfach seinen Beitrag zur Lösung bietet – dabei ist es definitiv nicht notwendig, sofort von 0 auf 100% zu gehen, jeder einzelne Schritt ist ein guter Schritt und sorgt für den Drang nach dem nächsten Schritt. Man ist auch nicht sofort auf einem Berg, man beginnt immer mit einem klitzekleinen Prozentsatz, dem ersten Schritt und einige Zeit später fragt man sich, wie man das nur schaffen konnte.
hysterika.de / JMSeibold / 04.07.2021

Frank Schätzing: Der Schwarm

Schaetzing_Schwarm© S. Fischer Verlag
ISBN: 978-3-596-16453-0
Ca. 987 Seiten

COVER:

Vor Peru verschwindet ein Fischer. Spurlos. Norwegische Ölbohrexperten stoßen auf merkwürdige Organismen, die Hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu beunruhigenden Schlüssen: Eine Katastrophe kündigt sich an. Die Suche nach dem Urheber konfrontiert die Forscher mit ihren schlimmsten Albträumen. Frank Schätzing inszeniert den Feldzug der Natur gegen den Menschen als atemberaubendes Schreckensszenario mit Tempo und Tiefgang.

REZENSION:

Mit »Der Schwarm« legt Frank Schätzing einen umfangreichen ökologischen Thriller vor. Los geht es mit der Entdeckung von Würmern, deren Ausprägung bisher noch niemals entdeckt worden ist. Handelt es sich dabei um eine neue Gattung? Wenn ja, stehen die Planungen mächtiger Energiekonzerne auf Messers Schneide.
In anderen Gebieten unseres Planeten verschwinden Fischer und Wale scheinen plötzlich entgegen ihrer normalen Verhaltensweise direkte Angriffe gegenüber Menschen durch zu führen. Scheinbar mit Planung?
Frank Schätzings Werk ist absolut lehrreich aufgebaut. Er konfrontiert uns aber nicht einfach mt aufgezählten ökologischen Informationen sondern baut diese sehr geschickt in seine Geschichte ein. Dadurch wird einem mehr und mehr klar, welche Beziehungen zwischen scheinbar unabhängigen Thematiken bestehen.
Diese weltweiten Zusammenhänge entwickeln im Leser ein hohes Interesse und allein dadurch bleibt man in der ersten Hälfte dieses Werkes an den Seiten hängen. In der Mitte seines Romans entstehen aber leider einige Längen, die nicht unbedingt hätten sein müssen.
Als dann die Yrr auf den Plan treten und uns zeigen, dass unser Planet selbst noch für einige Überraschungen gut sein könnte, wendet sich die gerade eben gefühlte Langatmigkeit wieder einem positiven Lesefluss.
Die Detailverliebtheit der ökologischen Themen lässt Schätzing leider bei der Zeichnung seiner Protagonisten ein wenig missen. Dadurch bleiben diese ein wenig blass und somit lernt man mehr über Wale und Delphine als über die Persönlichkeiten seiner Helden.
Im Großen und Ganzen handelt es sich bei diesem Thriller aber dennoch um ein gut ausgefeiltes Werk, welches den Leser in hohem Maße zum Nachdenken anregen kann. Nichts desto trotz wären einige Seiten weniger etwas besser für das Gesamtkunstwerk gewesen. Interessant und ausreichend spannend war das Werk aber allemal.
Jürgen Seibold/12.01.2016
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