J.R.R. Tolkien: Natur und Wesen von Mittelerde (Hrsg. von Carl F. Hostetter)

Originaltitel: The Nature of Middle-earth. Late Writings on the Lands, Inhabitants and Metaphysics of Middle-earth
Aus dem Englischen von Helmut W. Pesch und Susanne Held
©The Tolkien Estate
Für die deutsche Ausgabe:
©2021 by J.G. Pottasche Buchhandlung Nachf. GmbH, gegr. 1659, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96478-3
ca. 720 Seiten

COVER:

TOLKIENS VERMÄCHTNIS: BISHER KOMPLETT UNVERÖFFENTLICHT

Es gibt wohl keine andere Weltenschöpfung, die so viele Leserinnen und Leser in ihren Bann gezogen hat wie Mittelerde. In diesem Buch sind zahlreiche späte Schriften Tolkiens zugänglich gemacht, die erhellen, was es mit ihr auf sich hat: mit den verschiedenen Zeitmaßstäben, die in Mittelerde gelten, mit den Geschöpfen, Tieren und Pflanzen, bis hin zu der Frage, was Tote und Lebendige, Elben und Menschen verbindet und trennt. Und manch einzelne Geschichten aus dem „Herrn der Ringe“, dem „Silmarillion“, den „Nachrichten aus Mittelerde“ werden erst in der Begegnung mit dem tiefen Nachdenken Tolkiens über seine Welt verständlich. „Natur und Wesen von Mittelerde“ enthält ein eigenes Kapitel über die Insel Númenor und ihre Bewohner. Sie wird Schauplatz einer neuen Tolkien-Verfilmung sein.

REZENSION:

Wenn ein Buch in die Literaturgeschichte eingegangen ist, dann mit Sicherheit Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Dieses Werk ist und bleibt zeitlos – viele Autoren eifern diesem Werk nach und dementsprechend steht es als Standardwerk der Fantasy-Literatur auf einem ganz eigenen und unerreichbaren Thron. Nur sehr wenige Werke schaffen es, ansatzweise diesen Thron erblicken zu können und wenn man das vorliegende Sachbuch betrachtet, wird einem auch klar, warum dies so ist.
Wer glaubt, der Herr der Ringe wäre ein simpler Fantasyroman ohne besonderen Hintergrund, wird geplättet sein, ob der Vielfalt an Überlegungen, Berechnungen, Verbindungen und Betrachtungen eines Schriftstellers, der scheinbar jeden einzelnen Aspekt seiner selbst erschaffenen Welt mehrmals betrachtet und auf Plausibilität überprüft hat.
Erstaunlich, wie viele Dokumente J.R.R. Tolkien auf simplem Kalender- oder Notizpapier hinterlassen hat. Erstaunlich, wie tief er selbst in seine eigene Welt einzutauchen versuchte, damit jeder einzelne Aspekt unangreifbar für sich alleine steht. Er führte Berechnungen durch, über langjährige Völkerwanderungen, damit es keine Unstimmigkeiten in der Entwicklung von Familien, Erben, Völkern gibt. Es gibt Berechnungen von Zeiten, unterschiedliche Lebensspannen der verschiedenen Völker, Abhängigkeiten voneinander und darüber hinaus neue Ideen, die nur partiell vorhanden sind.
Das vorliegende Buch nimmt all diese Themen auf und offenbart die allumfassende Gedankenwelt dieses großartigen Schriftstellers. Nichts desto trotz muss man im Auge behalten, dass es keine richtigen Geschichten sind, sondern die Darbietung einem Sachbuch entspricht, welches jegliches Dokument aus dem Erbe Tolkiens offenbart.
Dementsprechend scheint es nur geeignet für wirkliche Fans von Mittelerde, die es nicht scheuen, in Tolkiens Gedankenwelt eintauchen zu wollen.
Es sind Fragmente, Zeitskalen, Wachstumsraten, Zeiteinteilungen, Lebenszyklen der Elben, Kräfte, Reisen, Leben, Notizen aller Art und noch vieles mehr hierin aufgeführt. In meinen Augen eine rundum interessante Aufarbeitung des Vermächtnisses von J.R.R. Tolkien. Teilweise zum Querlesen, teilweise zum Eintauchen – in seiner Gänze ein Band, der aufzeigt, wie tiefgründig sich die Welt von Mittelerde entwickelt hatte.
Ich denke, ich sollte mal wieder in den Herrn der Ringe eintauchen …
hysterika.de / JMSeibold / 16.10.2021

Bonner, Stefan / Weiss, Anne: Planet Planlos

Originalausgabe Oktober 2017
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-21432-9
ca. 317 Seiten

COVER:

Gestatten, Generation Weltuntergang.

In den Nachrichten herrscht Daueralarm: Das Wetter schlägt Kapriolen, der Meeresspiegel steigt, die Pole schmelzen, und Millionen sind auf der Flucht. Unterdessen wettern Scharfmacher und gut bezahlte Lobbyisten gegen die Klimawissenschaft, Politiker hangeln sich von einer Umweltkonferenz zur nächsten – und eiern planlos um echte Lösungen herum. Und mittendrin wir. Geboren im vergangenen Jahrhundert zwischen Mondlandung und Mauerfall, waren wir die Generation, für die alles besser werden sollte. Wir waren hautnah dabei, als Greenpeace sich ums Waldsterben, die maroden Meere und die Luftverschmutzung kümmerte. Als alle UN-Staaten beschlossen, FCKW den Garaus zu machen, weil das Ozonloch unsere Welt bedrohte. Und als der Technikboom für die Zukunft verhieß: Nichts ist unmöglich.
Unversehens stehen wir vor der drohenden Klimakatastrophe. Und uns ist schleierhaft, wo wir in den letzten Jahrzehnten die falsche Abfahrt genommen haben. Was wissen wir über die globale Erwärmung? Wie schlimm ist es wirklich? Sind wir vielleicht die letzten unserer Art – oder hat eventuell einer einen Plan, die die Menschheit noch zu retten ist?

“In einigen Jahrhunderten werden wir möglicherweise menschliche Kolonien im All haben, aber derzeit haben wir nur diesen einen Planeten, und wir müssen alle zusammen daran arbeiten, ihn zu bewahren.” Stephen Hawking

REZENSION:

Normalerweise schreibe ich Rezensionen über Fantasy, Science Fiction, Thriller und Horror. In diesem Fall mache ich nur oberflächlich betrachtet eine Ausnahme und widme mich einem Sachbuch. Oberflächlich? Ja, denn “Planet Planlos” ist zwar leider beileibe kein Fantasy, aber Science leider ohne Fiction und darüberhinaus ein waschechter gruseliger Horrorthriller. Somit passt dieses Sachbuch perfekt zu den von mir bevorzugten Genres.
Nachdem die beiden Autoren aber keine Geschichte erzählen, sondern die blanke Wahrheit gemäß dem aktuellen Wissensstand, ist der Horror und Thrill erschreckender als ein erfundener Roman je sein könnte.
Immerhin handelt es sich um nichts geringeres als um unseren wunderschönen blauen Planeten.
Dennoch befinden wir uns auf dem besten Wege, diesen mitsamt unserer Spezies in den Müll zu treten. Wobei: Er wird am Ende nahezu ungerührt übrig bleiben – wir sind es, die sich dabei selbst vom Antlitz dieser Kugel tilgen. Die Erde wird sich dann schon wieder nach und nach regenerieren…
Wenn man nur die Augen ein klein wenig offen hält, kann man die Missstände auf ganz simple Art und Weise im normalen Leben betrachten: Früher musste man bei einer Autoreise bei JEDEM Tankstopp die Scheibe putzen, da man fast nichts mehr sehen konnte. Donnerten doch auf unserem Weg über die Autobahn eine Vielzahl an unschuldigen Insekten ungebremst dagegen.
Achtet mal drauf, ob das immer noch der Fall ist. Ihr werdet überrascht sein und dann nicht nach weiteren Studien rufen, die lediglich den Zweck dazu haben, Zeit für irgendwelche Lobbies heraus zu schinden.
Bienen? Tja, als ich ein Kind war, musste man am See und im heimischen Garten extrem auf die kleinen Brummer achten. Die Gefahr war groß, aus Versehen von einer gestochen zu werden.
Gestochen werden war zwar kein nachhaltigen Drama, hat trotzdem weh getan. Heute? Nun, wenn man überhaupt noch irgendwo ein Blumenwieslein finden sollte – Bienen? Nur mit viel Glück.
Ich habe bei der Lektüre dieses Buches auch sehr oft darüber nachdenken müssen, wo verdammt nochmal wir die Ausfahrt verpasst haben. Denn es war – wie von den Autoren beschrieben – wirklich so, dass wir bereits mit einer Vielzahl an Umweltthemen aufgewachsen sind. Diese wurden nach meinem Gefühl irgendwie gemeinsam behoben. Aber nach den 80ern war das alles plötzlich weg. Es kam die Industrie ums Eck, die Generation hatte plötzlich nicht nur mehr Geld zur Verfügung, als die erste Nachkriegsgeneration, es machten sich auch alle möglichen Innovationen auf den Weg, unseren Geldbeutel zu erleichtern. Ich glaube, dabei sind wir definitiv zu weit gegangen.
Nun kann man sich natürlich fragen, was man dagegen tun kann. Sollen wir auf die Regierungen warten? Ich denke nicht, den hier scheint mir der Lobbyismus doch sehr stark vertreten zu sein.
Warum also nicht einfach sich ein wenig schlau machen? Solche Bücher lesen wäre ein Schritt, könnte aber eventuell nicht jedem liegen. Dennoch kann man problemlos nach Alternativen suchen. Sei es der verstärkte Blick auf Bio-Ware, auf Firmen, die es mit der Nachhaltigkeit versuchen, Unternehmen, die unsere Bedürfnisse ohne Einsatz von Chemie oder anderen schadenden Inkredienzen zu befriedigen in der Lage sind. Kurzum: Bewusster durch das Leben gehen.
Dabei muss man auch keineswegs Enthaltsam werden. Vielleicht einfach nur einen Weg zurück in die Zeiten unserer Kindheit, als die Menschen noch ihren Sonntagsbraten machten, die Reste dann die Tage darauf verzehrten. Somit eben nicht unbedingt jeden Tag das billige Massentierhaltungsfleisch für 1,50, sondern bewusst einkaufen und wieder als etwas Besonderes genießen (wer möchte, kann natürlich auch ganz darauf verzichten).
Möglichkeiten gibt es viele und nur wenn sich viele daran beteiligen, kann damit viel bewirkt werden. Politiker bewegt man nur mit großem Zusammenhalt. Wenn wir das hinbekommen, hilft ihnen auch der nette Lobbyist von nebenan nichts mehr.
Denkt einfach darüber nach und versucht den gesunden Menschenverstand wieder zurück in euer Leben zu bringen.
Dieses Buch ist ein wunderbarer Einstieg dazu. Die beiden Autoren schaffen es durch ihre Sprache, dieses dramatische Thema zwar fundiert, dennoch auf recht eingängige, beinahe ab und an witzige Art zu vermitteln. Dabei gehen sie auf eine Vielzahl an bedrückenden Beispielen ein und öffnen einem wirklich geballt die Augen. Sehr plastisch halten sie dem Leser den eigenen CO2-Ausstoß vor Augen und wer dann immer noch nicht an einen Klimawandel glauben möchte, dem kann man wohl nicht mehr wirklich helfen. Der soll dann mit seinem Wegwerfbecher vom Coffe-To-Go-Laden glücklich und zufrieden werden. Alle anderen werden mit Sicherheit sehr viel interessantes und selbst bewegbares in diesem Buche erfahren.
Nachdem das hier ein Rezi ist, die etwas davon geschwebt ist, hier noch der Hinweis, dass dieses Buch sehr empfehlenswert ist und eigentlich zu einer Pflichtlektüre in den Schulen werden sollte. Am Besten sofort, denn es könnte schneller zu spät sein, als man denkt.
Jürgen Seibold/26.11.2017

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