Mikkel Robrahn: Hidden Worlds – Die Krone des Erben

Originalausgabe
©2021 Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag GmbH
ISBN 978-3-7335-5015-8
ca. 414 Seiten

COVER:

Eigentlich dachte Elliot, einmal auf Avalon angekommen würde alles einfacher und besser werden. Doch in dem Moment, als vor seinen Füßen eine schwarze Kutsche stehen blieb, wusste er, dass das nur Wunschdenken war. Das mit goldenen Ornamenten verzierte Gefährt wurde von zwei Welthunden gezogen. Sie waren so groß wie Rösser und hatten Ähnlichkeit mit deutschen Doggen. Unter ihrem grauen Fell traten die Rippen und Hüftknochen deutlich hervor. Am auffälligsten war aber, dass sie nur ein Auge hatten, das mittig über der Schnauze platziert war.
Die Zügel hielt eine gehörnte Kreatur in der Hand, die von der Hüfte abwärts wie ein Ziegenbock aussah. Sie trug einen langen, schwarzen Mantel. Mit einer Kopfbewegung zeigte das teuflisch aussehende Wesen auf die Tür. „Steig schon ein. Der Chef will nur eine kurze Unterhaltung mit dir, Kleiner.“
Nur eine Unterhaltung. Aus Filmen wusste Elliot, dass solche Unterhaltungen meistens nur der Anfang von etwas viel Größerem waren. Etwas Bedrohlichem. Etwas, das potenziell lebensgefährlich war.
„Also gut“, murmelte er. Was bliebe ihm auch anderes übrig? Eines war klar: Nichts würde auf Avalon einfacher werden.

REZENSION:

Ich kann mich noch sehr gut an die bei mir entstandene Begeisterung erinnern, als ich mir den ersten Band dieser Trilogie namens HIDDEN WOLRDS zu Gemüte führte. Ohne weiter darüber nachzudenken, ging ich schlicht davon aus, dass hier ein neuer Harry Potter entstanden ist – dementsprechend zog mich der Start in den Bann.
Gleichermaßen euphorisch – nun aufgeheizt durch die Erlebnisse des ersten Buches – widmete ich mich dem vorliegenden Band mit dem Untertitel „Die Krone des Erben“.
Elliot ist in Avalon angekommen und konnte nun endlich nach langer Zeit seine Mutter treffen.
Hier beginnt bereits in meinen Augen die Misere des zweiten Werkes: Seine Mutter war Hinweisgeberin innerhalb von Buch eins und nun zeigt sie ihrem kämpferischen Sohn regelrecht die kalte Schulter? So ganz kann ich das wahrlich nicht glauben. Dennoch versuchte ich den gebührenden Abstand zu halten und versuchte dieses Punkt zu akzeptieren – vielleicht gibt es ja einen plausiblen Grund dafür…
Leider geht „Die Krone des Erben“ bei weitem nicht so sagenhaft überzeugend weiter, wie das von mir hochgelobte erste Buch dieses Plots. Im Gegenteil, man befindet sich plötzlich in einem politischen Umfeld und es zeigt sich mehr und mehr, dass wir uns hier in einem typischen Mittelband befinden, der scheinbar Luft zu holen scheint, da gerade die erste Hälfte sehr schwach und spannungslos aufgebaut wird. Im ersten Buch saß man bereits nach wenigen Seiten mit offenem Mund vor den Buchstaben.
Teilweise blitzt die Qualität auf – jedoch fehlen die Überraschungseffekte und dementsprechend mehr Aufwand sollte man im Festhalten des Lesers aufbringen. Gut, das Setting ist auch weiterhin interessant und gefüllt mit einigen ironischen, wenn nicht gar witzigen Elementen. Nichts desto trotz verliert man sich in zu viel Antriebslosigkeit, was mir abermals bestätigt, dass es wohl ab und an besser wäre, eine Geschichte nicht weiter auszubauen. Andererseits kann es sich natürlich auch um das Problem des Mittelbandes handeln – wenn das so ist, tut es mir leid – gleichzeitig weise ich aber darauf hin, dass eine Fortsetzung ebenso fesselnd sein muss wie der Einstieg in die Geschichte. Es wird natürlich schwieriger, da der Überraschungseffekt einer neuen Welt und Idee nicht mehr vorliegt. Darüber muss man sich als Autor im Klaren sein, da im negativen Fall die Leserzahl zurückgeht und nur mehr schwer aufgeholt werden kann.
Ich bin einer dieser Fälle und halte weiterhin Buch 1 in guter Erinnerung – ein weiteres Eintauchen in Robrahns Welt wird mir jedoch nur noch schwer vermittelbar sein, da ich das vorliegende trotz der guten Sprache und der gleichwertig ansprechenden Welt abgebrochen habe – dies jedoch  nur, da mein Anspruch immer noch auf dem Niveau des ersten Bandes stand und dementsprechend hoch die Erwartung war.
hysterika.de / JMSeibold / 01.08.2021

Mikkel Robrahn: Hidden Worlds – Der Kompass im Nebel

Originalausgabe
Erschienen bei FISCHER New Media
Frankfurt am Main, September 2020
ISBN 978-3-7335-5000-4
ca. 350 Seiten

COVER:

Der Kirche war es vor vielen Jahrhunderten gelungen, das Portal nach Avalon zu schließen. Elfen, Zwerge und andere Wesen strandeten in unserer Welt.
Elliot Craig, Anfang 20 und wohnhaft in Edinburgh, taucht in die Welt des Merlin-Centers ein, einem Kaufhaus für alles Phantastische. Als er auf Informationen über einen Kompass nach Avalon stößt, beschließt er, das Geheimnis um die sagenumwobene Insel zu entschlüsseln …

REZENSION:

„Hidden Worlds“ handelt von Elliot Craig, der in unserer heutigen Zeit und Welt lebt und versucht, mehr recht als schlecht durchzukommen. Er jobbt, um den Lebensunterhalt für sich und seinen Vater aufbringen zu können. Dieser wiederum sitzt den ganzen Tag nur vor der Glotze und schweigt eher vor sich hin, als am Leben teil zu haben.
Nachdem Elliot des (nicht von ihm durchgeführten) Diebstahls bezichtigt wurde, verlor er auch seinen letzten Job als Verkäufer in einer Burger-Bude. Ratlos offenbart er sich seinem Vater, der ihm rät, zu einem Kilt-Laden zu gehen, da der Inhaber ihm noch einen Gefallen schuldet. Schnell stellt sich heraus, dass besagter Kilt-Laden nur den Zugang zu einer phantastischen Welt darstellt und der eigentliche Job im Merlin-Center zu vollbringen ist.
Elliot Craig befindet sich nun in einer versteckten und von der Phantastik gefüllten Welt. Er trifft hier auf Wesen und Geschichten, die jeder von uns kennt, jedoch ausschließlich aus Erzählungen, Sagen, Büchern kennt.
Schnell stellt sich heraus, dass die Inquisition hinter ihm her ist und dass darüber hinaus er den verschlossenen Weg nach Avalon im vermeintlichen Nachlass seiner Mutter zu haben scheint.
Mikkel Robrahn legt mit „Hidden World“ ein phantastisches Werk vor, welches eine erfrischende Idee in sich trägt. Der erzählerische Stil legt sich eher in Richtung Jugendbuch, besitzt aber auch genug Ansprechendes, um trotz seiner Leichtigkeit auch einen alten Hasen wie mich für sich gewinnen zu können. Als mir das klar wurde, gingen meine Gedanken sehr schnell in Richtung Harry Potter, denn „Hidden Worlds“ funktioniert ähnlich und könnte problemlos das Erbe der Bücher Rowlings antreten: Leicht genug erzählt, um Teenager und Heranwachsende zu überzeugen – gleichzeitig ausreichend interessant, um auch Erwachsene jeden Alters für sich gewinnen zu können.
Natürlich ist durch diesen Spagat einiges für die ältere Community stark hervorsehbar – nichts desto trotz ist die gesamte Geschichte unglaublich erfrischend. Robrahn vermengt dabei eine Vielzahl an unterschiedlichsten Sagen, Wesen, Szenarien und historischen Figuren. Wir lesen hier von der Inquisition, Drachen, Elfen, Gnomen, Zwergen, Nixen und vielem mehr. Alles im ersten Band gebündelt im Merlin-Center, einem ganz besonderen Kaufhaus.
Ein rundum gelungener Plot, der meines Wissens noch nicht zu Ende erzählt ist. Wie gesagt auch ein möglicher Erbe für Fans des Potter-Universums.
Hysterika.de/JMSeibold/01.11.2020