Christian Montag: Du gehörst uns! – Die psychologischen Strategien von Facebook, TikTok, Snapchat & Co – und wie wir uns vor der großen Manipulation schützen

©2021 by Christian Montag und Karl Blessing Verlag, München
ISBN 978-3-89667-706-8
ca. 415 Seiten

COVER:

Die großen Internetunternehmen tun alles, damit wir als Nutzende im Netz versinken. Wir unterschätzen regelmäßig unsere Verweildauer auf den Online-Plattformen und hinterlassen eine Unzahl digitaler Fußabdrücke, die die Tech-Firmen reich machen.

Online-Plattformen wie auch Computerspiele haben jedes natürliche Ende abgeschafft, umgekehrt wird unser Lebensalltag durch die digitalen Dauerunterbrechungen zunehmend fragmentiert.

Als Psychologe erörtert Christian Montag die Frage, welche Persönlichkeitseigenschaften mit problematischem oder suchtähnlichem Nutzungsverhalten einhergehen. Aus wissenschaftlicher Perspektive diskutiert er neueste Entwicklungen wie „Internet der Dinge“ oder den Einsatz von digitalen Plattformen und Künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Machen uns Digital Phenotyping, elektronische Patientenakte und Künstliche Intelligenz zu gläsernen Patienten?

Detailliert geht er aber auch auf aktuell besonders dringliche Themen wie Filterblasen und Fake News ein, die eng mit dem Daten-Geschäftsmodell der Tech-Unternehmen verknüpft sind. Seine Vorschläge, wie wir digital unsere Selbstständigkeit wahren können, sind ebenso neu wie praktikabel.

REZENSION:

Prof. Dr. Christian Montags Schwerpunkte seiner Forschungstätigkeiten liegen bei den biologischen Grundlagen der Persönlichkeit sowie beim Feld der Psychoinformatik. Sein neuestes Werk „Du gehörst uns!“ befasst sich hauptsächlich mit den Auswirkungen der sozialen Medien und dem Versuch, den Leser eine Hilfe an die Hand zu geben, wie er sich diesen Strategien entziehen kann.
Die psychologischen Werkzeuge der Internetunternehmen sind sehr lesefreundlich dargelegt und offenbaren deutlich, dass es nicht darum geht, uns auf sinnvolle Art zu informieren oder zu unterhalten – nein, es geht lediglich um Aufenthaltsdauer und Daten.
Christian Montag bringt es mit einem Statement auf simpelste Weise auf den Punkt: Es gibt nur zwei Branchen, die ihren Kunden User (Nutzer) nennen, der Drogenhandel und die Social Media-Unternehmen.
Ich denke, damit ist bereits alles gesagt, leider scheint dies nur partiell bekannt zu sein, da die Nutzungszeiten steigen und die Verstärkung der Fake News und anderer oberflächlichen Meinungen dies nur widerspiegeln. Es ist jedesmal spannend zu sehen, wie Personen diese Medien für sich nutzen. Meiner Meinung nach kann man sie gezielt nutzen und dafür sorgen, dass sie einen weiter bringen. Dazu muss man jedoch den Schwenk schaffen und selbst für Inhalte sorgen oder sinnvoll Wissen aus den Tiefen des Webs anhand von sinnvollen Artikeln, Büchern, Berichten, etc. saugen. Aus diesem Grund lässt sich die Nutzungszeit nicht pauschal als Negativ betrachten – dies erkennt man auch deutlich im vorliegenden Buch, da dem Autor diese Schwierigkeit natürlich ebenfalls bewusst ist. Nichts desto trotz ist die Masse der User nichts weiter als Empfänger, die sich schlicht berieseln lassen und dabei nicht merken, dass sie rundum ausgenutzt werden. Die Strategien sind vielfältig und trotzdem recht einfach zu durchschauen, wenn man sich einfach mal darüber ein wenig Gedanken macht.
Eine Reduzierung der Zeiten, ein Abschalten von Meldungen um mehr Selbstbestimmung zu bekommen und der Weg in sinnvolle Achtsamkeitsregeln kann dafür behilflich sein. Hinzu kommt die klare Aussage, dass man NIE(!) Nachrichten über Social-Media-Plattformen konsumieren sollte. Dem kann ich mich anschließen, da hier die Gefahr zu groß ist, das man unbewusst gelenkt wird und man sich nicht durch den Empfang von mehreren echten Nachrichtenkanälen selbst eine eigene, dafür nachhaltige Meinung bilden kann. Schade, dass die Masse der Menschheit so leicht beeinflussbar scheint – das Buch von Christian Montag deckt einiges auf, schafft jedoch auch nur partiell gezielte Lösungen darzubieten. Dies ist aber mit Sicherheit nicht der vordergründige Ansatz, da ein Leser dieses Buches sicher bereits offen für eine Veränderung ist und eher die Mechanismen kennen lernen möchte. Dies wird in diesem Buch auch sehr gut vermittelt. Wie man jedoch den Rest der menschlichen Herde vom unsinnigen und zeitfressenden Berieseln abhalten kann ist die Frage; jedoch: Kann man das noch?
Davon abgesehen lohnt sich jedenfalls „Du gehörst uns!“, um persönlich ein wenig in dieses Thema der Psychologie eintauchen zu können und darüber hinaus ein Verständnis für die Vorgehensweise und die Ziele dieser Unternehmen entwickeln zu können.
Professor Dr. Montag versucht dies auf nicht zu theoretische Art und Weise, was auch – bis auf einige wenige Kapitel – herausragend gelungen ist.
„Du gehörst uns!“ war für mich persönlich der Versuch, aufgrund eines Buches ein wenig in die Psychologie dieser Welt eintauchen zu können. Da ich keinen psychologischen Studiumsbackground inne habe, erhoffte ich mir eine gut konsumierbare Darlegung, die ihren Leser nicht mit Details konfrontiert, mit denen nur Psychologen etwas anfangen können. Dies ist Christian Montag perfekt gelungen und ich bin froh, mich diesem Buch gewidmet zu haben. By the way sind nun einige Hinweistöne mehr als bereits vorher abgeschaltet…
Selbstbestimmt handeln ist das Ziel!
hysterika.de / JMSeibold / 14.11.2021

Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher

©2008 by Knaur Taschenbuch
ca. 361 Seiten

COVER:

Sie wurden nicht vergewaltigt. Nicht gefoltert. Nicht getötet.
Ihnen geschah viel Schlimmeres …

Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den “Seelenbrecher” nennt, genügt: Als die Frauen wieder auftauchen, sind sie psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. In der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt …

REZENSION:

Beim Durchstöbern von Buchversandkatalogen, Bahnhofs- oder Flughafenbuchläden, Bibliotheken und Online-Archiven, stolpert man grundsätzlich über Sebastian Fitzek. Wenn man den dazugehörigen Stimmen glauben kann, handelt es sich bei ihm um einen der besten deutschen Autoren für Thriller. Gleichzeitig wohl einer der wenigen, dessen Werke auch in die englischsprachige Welt exportiert werden.
Nun, wenn das mal keine Ansage ist.
Aber: Klingt sowas nicht sehr nach Mainstream? Wohl aus diesem leise herauströpfelnden Hintergedanken wehrte ich mich immer wieder recht erfolgreich, einen weiteren Tipp – bezogen auf diesen Autor – anzunehmen. Ich las dann lieber andere Sachen, da ich immer ein wenig vorbehalten bin, wenn sich ein Autor mit einer nahezu unerschöpflichen Vielzahl an Werken auf nahezu jedem Marketingstapel befindet.
Vielleicht werde ich ihm dabei jedoch auch unrecht – und: Ist nicht auch mein Lieblingsautor – Stephen King – mittlerweile schon dem Mainstream zu zu ordnen?
Gut, vielleicht einfach mal den Namen Fitzek im Hinterkopf behalten.
Eines Tages stand ich in unserer örtlichen Gemeindebibliothek und suchte während deren Flohmarkt nach geeigneten Schätzen. Dabei stieß ich auf ein Buch von Sebastian Fitzek mit dem bereits interessant klingenden Titel “Der Seelenbrecher”. Darunter eingeordnet als Psychothriller und schon landete dieses Werk einfach mal so aus grundsätzlichem Interesse an der deutschen Autorenlandschaft in meinem Eigentum.
“Der Seelenbrecher” handelt von einem Psychopathen, der es irgendwie schafft, seine Opfer durchweg seelisch gebrochen zurück zu lassen. Man sitzt als sein Opfer nur noch im Rollstuhl und vegetiert vor sich hin. Man lebt nur noch innerhalb des eigenen Geistes und kann sich nicht mehr nach außen artikulieren.
Dieses Setting klingt für einen Psychothriller schon mal verlockend und dementsprechend rasant startet Fitzek auch mit seiner Story.
Der Autor benutzt dabei eine recht untypische Art der Vorgehensweise: Man liest einen Patientenbericht in Romanform. Der ganze Fall ist somit schon Vergangenheit.
Klingt nicht uninteressant und funktioniert auch sehr gut. Man davon abgesehen, dass sich jemand die Mühe machte, einen Patientenbericht in Romanform zu schreiben – dies wird aber vom Autor natürlich später aufgeklärt.
Bevor die Geschichte zu einem kleinen und leicht fiesen Ende kommt, befinden wir uns in eine psychiatrischen Anstalt, in der sich der Seelenbrecher auf der Jagd nach seinen Opfern befindet.
Dieser gesamte Hauptteil wirkt leider recht konstruiert – sicherlich gut konstruiert, dennoch fehlt das gewisse Etwas. Ich fühlte mich immer wieder an diverse Filme erinnert, in denen einen Gruppe sich immer wieder mal trennt, da sie den Killer fassen möchten – man weiß ja, was in Horrorfilmen mit den Protagonisten geschieht, wenn sie eine Szene mit “wir müssen uns trennen” beginnt…
Einiges wird darüber hinaus sehr stark dem Zufall überlassen und selbst der Schluß führte bei mir nur noch zu einem kleinen Grinsen.
Man erkennt sehr deutlich die Routine des Autors und ich könnte mir sehr gut vorstellen, weitere Bücher von ihm zu testen. “Der Seelenbrecher” ist jedenfalls ein ganz netter Thriller mit dem man auch in einer U-Bahn mit quasselnden Fahrgästen keinerlei Probleme zum Folgen hat. Alles in allem ein netter Zeitvertreib aber kein Werk zum Aufbewahren für das erneute Eintauchen.
Jürgen Seibold/09.07.2017
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