Miriam Gebhardt: Die Weiße Rose

Die Weisse Rose von Miriam Gebhardt

© 2017 Deutsche Verlags-Anstalt, München
ISBN 978-3-421-04730-4
ca. 367 Seiten

COVER:

Über die Beteiligung der Deutschen an den Verbrechen des Nationalsozialismus wissen wir inzwischen viel. Sozialpsychologen, Gewaltforscher und Historiker haben ausgiebig über die unheimliche Verwandlung ganz normaler Menschen zu Tätern und Mitläufern geforscht. Doch was wissen wir von den anderen? Von den Menschen, die immun blieben gegen die Indoktrination, die den Gehorsam verweigerten und mutig gegen das Unrecht kämpften?
Am Beispiel der Weißen Rose, der wohl bekanntesten deutschen Widerstandsgruppe, forscht die Historikerin und Bestsellerautorin Miriam Gebhardt nach den Voraussetzungen für innere Autonomie, widerständiges Denken und Handeln. Sie beleuchtet die Biographien der Aktivisten um Sophie und Hans Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurz Huber, und macht deutlich, wie wichtig Familie, Freundschaften und Umfeld für die Mitglieder der Gruppe waren. Nicht zuletzt zeigt Gebhardt mit dieser neuen Geschichte der Weißen Rose, wie viel die Botschaft der jungen Aktivisten uns heute noch zu sagen hat.

REZENSION:

Die Geschichte der Weißen Rose hat auch mich bereits seit meiner Jugendzeit sehr intensiv berührt, aber auch begeistert. Es wurde eine Vielzahl an Werken veröffentlicht und im Rückblick an früher bin ich mir auch sicher, eine nicht gerade geringe Zahl davon auch gelesen zu haben. Trotz dieser recht tiefgehenden Betrachtung bin auch ich nicht davor gefeit gewesen, bei der Weißen Rose zuerst an Sophie und dann eventuell noch an ihren Bruder Hans zu denken. Doch ist dies der bisherigen Erzählweise geschuldet, wodurch der Blick stark auf diese beiden Personen gelenkt worden ist. Selbstverständlich waren die Geschwister nur ein Teil der im Nachgang „Weiße Rose“ betitelten und viel zu kurzlebigen Widerstandsgruppe des Zweiten Weltkrieges. Natürlich ist dies unfair gegenüber den weiteren Mitgliedern, die ebenfalls zu einem nicht gerade unerheblichen Teil auch mit ihrem Leben bezahlen mussten – vielleicht ist es aber auch im Hinblick auf die weitere Jahrzehnte bis zum heutigen Tag auch nicht das Schlechteste, das gerade eine Frau im Bewusstsein bleibt – aber das ist eine andere Geschichte.
Miriam Gebhardt schafft einen sehr geschickten Umriss und erarbeitet die gesamte Geschichte der Weißen Rose unter Beteiligung aller betroffenen Personen auf eine wissenschaftliche Art, jedoch unter Beibehaltung von sehr guter und rundum interessant wirkender Erzählweise. „Die Weiße Rose“ von Gebhardt möchte aufzeigen, wie bisherige, euphorische BDM- oder HJ-Mitglieder zu starken Widerstandskämpfern wurden. Dies gelingt ihr auch relativ gut, wobei natürlich für die jeweiligen Beweggründe Annahmen getroffen werden müssen, die sich aufgrund der vorliegenden Informationen und Belege ergeben. Nichts desto trotz ist das vorliegende Werk bereits dadurch etwas besonderes, da der Blick nicht nur auf die bekannten Gesichter gelenkt wird, sondern jedem nennenswerten Mitglied dieser Gruppe seinen dementsprechenden Platz mit dem Wunsch nach Erkennung der Beweggründe bietet.
Sophie Scholl wird sicherlich im weiteren Verlauf des Gedenkens durch die bisherigen Darstellungen die Hauptrolle inne haben – dennoch ist es unbedingt notwendig, auch den gesamten Kreis zu betrachten, was Miriam Gebhardt außerordentlich gut gelingt.
„Die Weiße Rose“ bietet somit eine sehr gute Erarbeitung der Hintergründe und Geschehnisse aus einer Zeit, die wir mit dem heutigen Verständnis nur noch schwer zu verstehen in der Lage sind. Aber gerade deshalb sind solche Bücher und das darin befindliche Verständnis notwendig. Nur so ist man gerüstet, sich nicht zu einfach auf rechte Propaganda oder radikale Veränderungen einzulassen, sondern vielmehr durch Erweiterung und Einbeziehung des eigenen Wissens dagegen zu halten.
hysterika.de / JMSeibold/06.06.2021

Peter Probst: Blinde Flecken

Ca. 252 Seiten / 8,95 €
Originalausgabe Februar 2010
c 2010 Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Ein dubioser Auftrag führt den Münchner Privatermittler Anton Schwarz zu seiner getrennt von ihm lebenden Frau, die er immer noch liebt. Tim Burger, einer ihrer ehemaligen Schüler, sitzt wegen einer Amokfahrt mit tödlichen Folgen im Gefängnis. Rechtsanwalt Loewi glaubt, dass Tim Burger Werkzeug eines rechtsradikalen Netzwerks ist und die Amokfahrt einen antisemitischen Hintergrund hatte. Er beauftragt Schwarz mit raschen Ermittlungen im braunen Sumpf. Schon bald verdichten sich die Hinweise darauf, dass Tim Burgers Entlassung kurz bevorsteht. Und dass er wieder zuschlagen wird. Denn in den Jahren der Haft hat dieser Mann sich in eine tickende Zeitbombe verwandelt …
Der erste Fall für Anton Schwarz.

REZENSION:

“Blinde Flecken” ist der erste Roman einer neuen Reihe um den Ex-Polizisten Anton Schwarz.
Der Autor Peter Probst führt den Leser in Schwarz’ erstem Fall sogleich in die braune Szene Münchens. Dabei kann man sehr gut das persönliche Wissen des Autors um die bayerische Hauptstadt erkennen. Es sind jedoch nicht nur die Örtlichkeiten der Stadt gut dargelegt – vielmehr schafft es Probst auch, den neu entstandenen Ermittler sehr lebendig, sympathisch und trotzdem ziemlich unkonventionell Auftretend dar zu stellen.
Das ist auch das Positive an diesem sonst ziemlich typischen Kriminalfall – würde Anton Schwarz nicht umfänglich mit all seinen Facetten dargestellt werden: Es wäre nichts weiter als der nächste Krimiroman innerhalb einer gleichwertigen riesigen Auswahl auf dem Markt.
Der Roman lässt sich relativ leicht lesen und führt den Leser geschickt durch die Seiten – bis hin zur recht spannend dargestellten Auflösung.
Die Spannung ist jedoch auch ein kleines Manko des Romans. Natürlich bin ich eher ein Leser der etwas härteren Thriller-Gangart – nichts desto trotz würde es auch dem Krimigenre nicht schaden, wenn etwas mehr an der Spannungsschraube gedreht werden würde.
Was das Thema in “Blinde Flecken” betrifft, habe ich genau deshalb dieses Buch gelesen. Ich rechnete mit recht viel Einblick, bzw. faktenreichen Darstellungen der rechtsradikalen Szene. Dies bleibt einem der Autor leider etwas schuldig – da wäre sicherlich noch genug Potenzial – was auch gleichzeitig der fehlenden Spannung gut tun würde.
Nichts desto trotz ist “Blinde Flecken” ein ziemlich interessant erzählter Krimi um einen sympathischen Ermittler, der sicher noch einige Fälle zu lösen haben wird.
Jürgen Seibold/11.07.2010