C. A. Fletcher: Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt

Originaltitel: A Boy and His Dog at the End of the World
Erschienen 2019 bei Orbit, an Imprint of Little, Brown Book Group London
Deutsch von Vanessa Lamatsch
© der Originalausgabe 2019 by Man Sunday Ltd.
© der deutschsprachigen Ausgabe 2020 by Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3232-1
ca. 475 Seiten

COVER:

Mein Name ist Griz. Meine Kindheit war anders als deine. Ich hatte keine Freunde, einfach aus dem Grund, dass ich außer meiner Familie kaum jemanden kenne. Überhaupt bin ich in meinem ganzen Leben nur einer Handvoll Menschen begegnet. Zwar sagen meine Eltern, dass die Welt einst bevölkert war, doch jetzt gibt es nur noch uns. Aber wir sind nicht einsam auf unserer entlegenen Insel. Wir haben einander – und unsere Hunde. Doch dann kam der Dieb, und er stahl meinen Hund. Aber wenn es kein Gesetz mehr gibt, das Diebstahl bestraft, werde ich ihn mir zurückholen. Denn was bleibt von unserer Menschlichkeit übrig, wenn wir nicht für jene, die wir lieben, alles, wirklich ALLES tun …

REZENSION:

Als ich das Cover dieses Buches von C. A. Fletcher zum ersten Mal sah, konnte es durch seine schlichte Darstellungsweise und dem ansprechenden Titel bereits für eine nicht unerhebliche Steigerung meiner Aufmerksamkeit sorgen. Selbst Inhaber zweier Hunde stellte ich mir sogleich eine dystopische Endzeitstimmung vor, in der sich ein Junge mit seinem Hund auf den unvermeidlichen Weg durch eine zerstörte Welt macht und dabei eine Vielzahl an gemeinsamen Abenteuern erleben wird.
Ein Blick auf die Coverbeschreibung reduzierte diese selbst gesteckte Erwartung und brachte sie in eine andere Bahn: Nun befinden wir uns zwar weiterhin in einer dystopischen Welt, jedoch wurde dem Jungen sein Hund eines Tages gestohlen.
Gut, somit macht er sich nicht gemeinsam mit seinem Hund auf den Weg, sondern versucht seinen wieder zurück zu bekommen.
Trotz meiner anders gerichteten Erwartungen widmete ich mich diesem Werk, da ich dennoch gespannt auf die dabei entstehende Entwicklung war – insbesondere, da ich aktuell sehr stark auf der Suche nach dem besonderen Plot in der phantastischen Literatur bin und wie bereits erwähnt, das Cover alleine schon für eine gewisse Abwechslung zu sorgen wusste.
Die Story beginnt auch recht interessant und man bekommt einen zwar nicht detailliert dargelegten, dennoch ganz geschickt offenbarten Blick auf die sich darbietende Welt.
Eine Dystopie, deren Ursache nebensächlich ist und somit das Hauptanliegen des Autors auf der Familie des Jungen liegt.
„Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt“ ist eine Geschichte über Freundschaft – leider in meinen Augen etwas zu oberflächlich und in seiner Entwicklung zu langweilig dargestellt. Ein Plot dieser Art besitzt Potenzial ohne Ende und kann durch geschickte Erzählweise ein sehr breites Leserspektrum für sich gewinnen. Bei mir hat es nicht gezündet und ein weiterer Testleser aus meinem Haushalt bestätigte dies lediglich.
Alles in allem eine grandiose Idee und grundsätzlich endlich einmal eine neue, erfrischende Idee in der ausufernden Welt der dystopischen Literatur. Bücher über Freundschaft und Zusammenhalt sind gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig – dennoch sollten auch diese den Leser bei der Hand nehmen und gerade in diesem Genre durch gewisse Besonderheiten (Spannung, Liebe zum Detail, Antrieb, stringentes Vorgehen) überzeugen. Dann würde es auch mit einem Plot dieser Art problemlos funktionieren.
Vielleicht eher was für sehr junge Leser?
Hysterika.de/JMSeibold/12.05.2021

Blake, Kendare: Der Schwarze Thron – Die Schwestern

Originaltitel: Three Dark Crowns
Übersetzt von Charlotte Lungstrass-Kapfer
©2016 by Kendare Blake
©2017 für die deutschsprachige Ausgabe: Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3144-7
ca. 448 Seiten

COVER:

Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren – doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod – und er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …

REZENSION:

Getrennt werden die drei Schwestern aufgezogen. Jede mit einer besonderen Gabe gesegnet. Jede eine geborene Königin. Doch die Tradition lässt nur eine Herrscherin zu und somit werden alle drei unabhängig voneinander auf das alles beherrschende Ritual vorbereitet, welches an ihrem sechzehnten Geburtstag abgehalten werden soll. Dort wird sich herausstellen, welche der drei Schwestern das Königreich übernehmen wird und welche beiden ihr Leben versiegt haben.
Jede Schwester wird aufgrund ihrer besonderen Eigenheit in einer dafür ausgerichteten Glaubenswelt erzogen und geschult. Jede lebt in einer eigenen Gegend auf der Insel Fennbirn.
Trotz des immer mitschleichenden Gefühls, dass bereits feststeht, wer das Zepter übernehmen wird, lassen die jeweiligen Priester nichts unversucht, ihre Königin auf den Thron setzen zu können. Man merkt sehr schnell, auch hier lassen sich Machtspiele nicht zur Seite wischen. Im Laufe des Buches fragt man sich sehr schnell, ob die drei Geschwister zu wirklichen Königinnen werden können, oder nur noch als Mittel zum Zweck verwendet werden und somit lediglich eine Rolle spielen. Das Gefühl bleibt immer etwas mitschwebend, auch wenn es von der Autorin nicht explizit aufgelöst wird. Durch diesen Umstand hätte ich mir sehr viel über die historische Entstehung dieser Vorgehensweise zur Wahl einer neuen Königin erwartet. Kendare Blake lässt sich darüber aber leider absolut gar nicht aus – vielleicht öffnet sie diese Kiste im Folgeband oder sie lässt ihre Leser unbeantwortet und damit selbst darüber nachdenkend zurück. Da kann man sich nur überraschen lassen.
Blake beginnt ihre gut durchdachte Geschichte ein wenig langsam und langatmig. Gleichzeitig gefällt aber die Idee und man erfreut sich an den unterschiedlichen Entwicklungen der drei Schwestern – mehr passiert lange Zeit ja auch leider nicht.
Man merkt nur, dass sich alles auf den 16. Geburtstag der Drillinge vorbereitet. Hier laufen alle Fäden zusammen und die Schwestern stellen sich ihren gezwungenen Gegnerinnen.
Die Welt ist grausam und düster – man fragt sich auch unentwegt, warum diese düstere Vorgehensweise notwendig ist. Eine Antwort gibt es ja leider nicht, scheint in dieser Welt aber auch kein Thema mehr zu sein. Einfach eine Selbstverständlichkeit.
Kendare Blakes Schreibstil ist unaufgeregt, leicht zur Emotionslosigkeit neigend, dennoch sehr eingängig. Manchmal wirkt das Buch beinahe wie ein Romantic-Fantasy-Werk. Blake bekommt aber erfreulicherweise immer wieder die Kurve, um mich dennoch zum Weiterlesen zu bringen. Sicher, die gesamte Story ist auf den Tag des 16. Geburtstags ausgerichtet. Somit ahnt man schon das gesamte Buch entlang, dass dort etwas Besonderes geschehen wird. Das ist dann natürlich auch so, dennoch sorgt der Weg dorthin für einigermaßen gute Unterhaltung.
Kendare Blake könnte noch ein wenig geheimnisvoller in ihren Ausführungen werden, aber im Großen und Ganzen ist „Die Schwestern“ eine gute erste Hälfte eines zweibändigen Epos um den Schwarzen Thron.
Jürgen Seibold/28.02.2018

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