Nicola Bardola: Mercury in München

©2021 by Nicola Bardola
©2021 by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27352–8
ca. 432 Seiten

COVER:

„Ich haben einen Ort gefunden, der sich München  nennt, in dem ich mich unauffällig bewegen kann. Das ist für mich die reinste Entspannung.“
Freddie Mercury

Farrokh Bulsara, besser bekannt als Freddie Mercury, wurde als Komponist und Leadsänger der Rockband Queen zu einem der berühmtesten Frontmänner der Musikgeschichte, dessen Leben auch dreißig Jahre nach seinem viel zu frühen Tod die Menschen fasziniert.

Das Buch Mercury in München legt den Fokus auf die außerordentlichen Jahre in der Isarmetropole von 1979 bis 1985, die für Freddie Freiheit und Lebenslust bedeuten. Nirgendwo sonst kann der geniale Popstar so sehr er selbst sein.
Ohne von den Medien und Verehrer*innen belästigt zu werden, lebt Freddie in München seine Sexualität aus und lässt sich gleichzeitig zu seinem einzigen Soloalbum Mr. Bad Guy inspirieren. In den legendären Musicland Studios in Bogenhausen entstehen neben diesem Album auch mehrere Bandklassiker.

In München lernt er Barbara Valentin kennen. Dieser wichtigen Beziehung wird im Buch nicht weniger Aufmerksamkeit geschenkt als Freddies Münchner Amour fou mit Winnie Kirchberger. Auch das atmosphärisch bedeutende Dreieck München-Montreaux-London wird beleuchtet.

Der Autor Nicola Bardola hat viele Archive durchstöbert und eine ganze Reihe Zeitzeug*innen für das Buch interviewt.
Entstanden ist ein umfassendes Porträt von Mercurys Münchner Jahren, in vielerlei Hinsicht wohl die besten in seinem Leben.

REZENSION:

Schon mal vorneweg: Ich bin zwar ein sehr großer Musikfan, jedoch trafen meine persönlichen Vorlieben eher selten Bands, die sich im Genre Queens befanden. Dementsprechend kannte ich Queen lediglich oberflächlich – insbesondere durch die typischen 80er-Jahre-Songs, die damals im Radio rauf- und runtergespielt worden sind.
Auch wenn ich heute mit einer etwas älter gewordenen Sichtweise verstehen kann, warum Bohemian Rhapsody für sich steht, war es mir damals nicht nur nicht bewusst, nein, ich konnte das Lied auch nicht ausstehen.
Nichts desto trotz sah ich dieses Buch und ich dachte mir, der Bezug auf München könnte ganz interessant sein und das Leben Mercurys etwas anders darstellen, als es übliche, breit angelegte Biografien üblicherweise vornehmen.
Exakt dies war auch der Fall, denn Nicola Bardola geht sehr umfangreich und detailliert auf die Jahre in München ein. Es ist erstaunlich, welches Sog diese Stadt damals hatte und insbesondere, wie offen sie scheinbar für freie Entfaltung auf allen Ebenen stand.
Das Buch ist eine tiefgehende Hommage an diesen sagenhaften Leadsänger und Komponisten, darüber hinaus auch ein Zeugnis über die heutzutage etwas verschlafen wirkende Hauptstadt Bayerns mit ihren verruchten und gleichzeitig spannenden Vierteln, wie man sie heute wohl nur noch schwer zu finden in der Lage ist.
In München konnte sich Freddie unbeschwert auslassen und musste sich nicht dauernd vor allen möglichen Fans, Journalisten und anderen Personenkreisen der aggressiven Art verstecken. Hier konnte er problemlos mit einigen wenigen Leuten zum Chinesischen Turm gehen, zu Fuß in die Bar gehen, mit Freunden und Freundinnen ohne darauf folgende Pressemeldungen die Nächte genießen.
Hier gab es Liebe, Drogen, Alkohol, Freundschaften und ein legendär werdendes Studio, in dem einige der bekanntesten Lieder dieser Band entstanden sind.
Für mich war es absolut neu zu erfahren, dass die Schwulen- und Lesbenszene in München so präsent war – damals war man wohl seiner Zeit voraus, wobei ich mich frage, was geschehen ist, dass man sich da heute so schwer damit tut, dies einfach akzeptieren zu können.
In Bardolas Buch kommen sehr viele Zeitzeugen zu Wort, dabei gibt es nur wenig negatives zu lesen, was für die Präsenz Freddie Mercurys spricht. Bardola hat ein sehr intensives Werk entwickelt, welches nicht nur die Zeit Freddies in München seinem Leser nahebringt, sondern auch den Menschen Freddie Mercury selbst. Darüber hinaus befinden sich im Buch nicht nur dazugehörige Bilder mit Freddie, sondern auch detaillierte Angaben über alle relevanten Örtlichkeiten. Am Anfang des Buches ein kleiner Stadtplan mit Detailansicht und Nennung der wichtigsten Örtlichkeiten, Dadurch lässt sich das Buch auch als Hilfe verwenden, um wahrlich in die Fußstapfen Mercury zu treten – sicherlich sehr interessant, auch wenn es die ein oder andere Bar nicht mehr gibt.
Alles in allem ein Buch, dass auch mich als Nicht-Queen-Fan überzeugen konnte – ich bin mir sicher, dass Queen-Fans hier viel Neues offenbart wird und sie auch den ein oder anderen Platz persönlich besuchen werden. Für Fans ein absolutes Muss, für Interessierte gleichwertig lohnenswert, da es eine Epoche darstellt und nebenbei die Persönlichkeit eines der wichtigsten Frontmänner des Rockbusiness zu zeigen versucht.
hysterika.de / JMSeibold / 14.11.2021