Robin S. Sharma: Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte

Originaltitel: The Monk Who Sold His Ferarri.
Aus dem Amerikanischen von Bernardin Schellenberger
Neuausgabe 2019
©1997 by Robin S. Sharma
©2007 by Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-87840–8
ca. 208 Seiten

COVER:

Nach einer schweren Herzattacke trennt sich der Staranwalt Julian Mantle von seinem hart erarbeiteten Luxusleben.
Statt nach einer Kur in den Alltag zurückzukehren, reist Julian in den Himalaya, um sich in einem Kloster den Grundfragen des Lebens zu stellen. Eine Gruppe von Mönchen lehrt ihn dort das Geheimnis des Glücks: durch Selbstdisziplin den eigenen Geist zu kultivieren, seine Träume in die Tat umzusetzen und jeden Tag die Fülle des Lebens auszukosten.

REZENSION:

Wenn man sich mit Achtsamkeit beschäftigt und selbst vermehrt die Gedanken in diese Themenwelt zu richten beginnt, kommt man fast nicht an „Der Mönch der seinen Ferrari verkaufte“ vorbei. Robin S. Sharma erzählt anhand einer Geschichte, was den Inhalt im Gegensatz zu klassischen Sachbüchern sehr greifbar und nachvollziehbar macht. Im vorliegenden Buch erzählt er die Geschichte eines Staranwalts, der plötzlich einen Herzinfarkt bekommt und danach sein Leben komplett umkrempelt. Dabei landete er im Kloster und fand das Geheimnis zum Glück. Über das direkte Klosterleben erfahren wir nur wenig, da die Geschichte hauptsächlich die Weitergabe des Wissens von Julian an seinen damaligen Kollegen John, da sich dieser noch auf der falschen Fährte befindet und sein Leben dem Working-around-the-clock widmet.
Die Wege zum Glück sind dabei nachvollziehbar und mit ein wenig Achtsamkeit und persönlicher Anstrengung auch erreichbar. Man muss es nur wollen und sich dementsprechend verhalten. Das eigene Wohl ändert sich auch nach diesem Buch  nicht, da der Genuß eines Buches dies nicht leisten kann. Was dieses Buch aber leisten kann, ist die Darstellung der Möglichkeiten und wenn man sich darauf einlässt und man sich dementsprechend verhält, dann entwickelt sich auch eine andere Perspektive. Im nächsten Schritt erkennt man urplötzlich, dass die tägliche Hetze nur partiell Sinn macht und es in jedem steckt, dort etwas ändern zu können.
Man kann Konzepte wie dieses in diesem Buch ignorieren und verteufeln – funktionieren werden sie nur, wenn man sich ihnen stellt und man es selbst möchte. „Der Mönch, der seinen Ferrari verkaufte“ kann hier eine Hilfestellung anbieten und diese wiederum ist in diesem Buch sehr gut verpackt. Ein zum Nachdenken und eben auch zum Umsetzen anregendes Werk, dessen Inhalt im schlimmsten Fall bei Umsetzung für eine bessere Welt sorgt, da gewisse Dinge einfach weniger Wertigkeit besitzen und das persönliche Mehrwert gewinnt.
Eine Fundgrube für alle, die sich dem Pfad der Achtsamkeit zuwenden wollen oder sich darauf bereits befinden.
hysterika.de / JMSeibold / 08.12.2021

HYS102 – tiefgehende Umgebungsbetrachtung

Die neue Podcastfolge:

Claire North: Die vielen Leben des Harry August

North_AugustOriginaltitel: The first fifteen lives of Harry August
© 2014 by Claire North
© 2015 für die deutschsprachige Ausgabe by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-431-03930-6

COVER:

MANCHMAL IST EIN LEBEN NICHT GENUG, UM DIE WELT ZU RETTEN! Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden ― mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso … Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern …

REZENSION:

Vorweg gesagt: Dieses Buch begleitete mich als Hörbuch und somit ist die Wahrnehmung mit Sicherheit ein wenig anders, als beim Lesen der gedruckten Wörter.
Bezogen auf das Hörbuch ziehe ich sogleich meinen Hut vor der großartigen Lesung Stefan Kaminskis, der es problemlos geschafft hat, diese Geschichte unter Berücksichtigung aller Facetten vor zu tragen. Man fühlt sich beinahe wie in einem Hörspiel mit verschiedenen Sprechern, da der Leser jeder Person seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat und geschickt auf die jeweilige Stimmung achtete. Hierdurch konnte eine ausreichende Stimmung erzeugt werden, die mich sicherlich mit davon abhielt, nicht zum Ende zu kommen.
Zum Buch: Zeitreise-Romane beziehungsweise Zeitschleife-Romane gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Mal mehr, mal weniger gut. Ich konnte es mir dadurch auch nicht wirklich vorstellen, wie Claire North diesem Thema einen neuen Stempel aufdrücken möchte.

Der Plot ist dennoch außerordentlich interessant und zeugt von einer herausragenden Idee. Claire North schreibt sehr eingängig, legt aber dennoch ein sehr hohes und gut durchdachtes sprachliches Niveau vor. Ihre unterschiedlichen Themen sind sehr gut recherchiert und absolut jeder Satz sinnvoll dort platziert, wo er auch hingehört.
Leider springt sie recht oft zwischen den einzelnen Leben hin und her, was es einem in einem Hörbuch nicht gerade leicht macht, hier noch zu folgen. Darüber hinaus gibt es einige langatmige Stellen und man fragt sich in manchem Leben, warum Harry August so passiv wirkt. Sicher, er versucht das Problem seiner Wiedergeburten zu verstehen. Dennoch lässt er sich einige Leben zu viel vom Nichtstun treiben. Hier hätte die Autorin bestimmt etwas stringenter vorgehen können und eventuell die Thematik mit weniger Leben abhandeln können.
Wie bei vielen Zeitreise- oder Zeitschleifenromanen versucht man selbst gedanklich der Thematik haarklein zu folgen. Dabei entdeckt man sehr oft die berühmten Paradoxien, über die man geflissentlich philosophieren kann oder als gegeben hinnimmt. In diesem Buch stellt man sich diese Frage jedoch sehr oft, denn Harry August erfährt zum Beispiel, nicht gravierend einzugreifen in der Weltgeschichte. Ich glaube, eine Person, die immer wieder am exakt gleichen Tag mit dem gesamten Wissen auf die Welt kommt, würde doch nach einigen Leben doch das ein oder andere ausprobieren. Ist ja egal, man kommt ja wieder auf die erste Spur und hat lediglich eine Erfahrung mehr hinter sich.
Bei diesem Thema stellen sich somit sehr viele Fragen, was per se ja positiv für ein Buch ist. Aber wie gesagt: Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen.
Natürlich bleibt die Geschichte trotzdem faszinierend – jedoch hätte ich mir persönlich etwas mehr Spannung und etwas weniger „durch die Leben springen“ gewünscht.
Sprachlich gibt es absolut gar nichts an der Autorin aus zu setzen: Sehr eingängig, philosophisch angehaucht und jeder Satz gut durchdacht und passend.
Das Ende war mir dann leider ein wenig zu schnell und zu konstruiert. Hier eröffnete sich erneut eine Vielzahl an Fragen, die schlussendlich leider nicht alle beantwortet worden sind.
Jürgen Seibold/02.08.2016
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HYS066 – Nachdenken lohnt sich

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