Tobias Bachmann: Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek

©acabus Verlag, Hamburg 2020
ISBN 978-3-86282-779-4
ca. 290 Seiten

COVER:

In der Bibliothek für okkulte Fälle ist Despina Jones Ermittlerin der besonderen Art:

Als Nekromantin kann sie mit den Geistern Verstorbener reden. Doch auch Tote können launenhafte, eigensinnige Zeugen sein. Bei der Auflösung ihrer Fälle wird sie von einem vielseitigen Team unterstützt, das in der antiquarischen Bibliothek ihres Onkels sitzt.

Ein Priester bittet das Ermittler-Team um Hilfe, als ein Leichnam in einer der ältesten Kirchen Londons entdeckt wird. Der unbekannte Mann wurde wie Christus ans Kreuz genagelt.
Despina tappt im Dunkeln, da der Verstorbene sich selbst für Jesus hält und seiner Wiederauferstehung entgegenfiebert. Bald findet sich das Team in einem Strudel religiöser Denkweisen und Praktiken wieder, der es an die Pforten ihrer persönlichen Hölle bringt.

REZENSION:

Despina Jones & die Fälle der okkulten Bibliothek scheint das erste Buch einer neu angehenden Serie zu sein – zumindest klingt der Titel schwer danach, da sich im vorliegenden Buch natürlich nur ein Fall befindet. Dieser wiederum zeigt sich sogleich als Herausforderung für das Team um Despina Jones, da es um nichts geringeres als Gekreuzigte wie zu Jesu-Zeiten geht. Welche Rolle spielen dabei die okkulten Bücher, die nur relevant zu sein scheinen, wenn alle drei Exemplare vorliegen? Warum die religiös aufgeladenen Todesfälle?
Tobias Bachmann gründet hiermit eine recht interessante und mit okkulten Phänomenen aufgeladene Reihe um eine grandiose Ermittlerin, die nebenbei auch noch Nekromantin ist, was zur Folge hat, dass sie mit den Toten sprechen kann und dies auch dementsprechend vollzieht – es gibt ja keine besseren Zeugen, als die Toten selbst…
Die Geschichte hat es mir prinzipiell sehr angetan. Bachmann scheut vor keine Darstellung zurück und beschreibt auch die Kreuzigungen sehr explizit. Ich persönlich halte dies für eine gute Alternative zum üblichen Mystic-Allerlei – somit ein aus Krimi und Thriller, gewürzt mit ein klein wenig Horror. Alles Ingredienzen, die für Überzeugung sorgen – gleichzeitig bleiben in diesem Band die Figuren noch ein wenig blass und überraschen nie in ihrer eigenen Rolle. Hier ist definitiv noch Potenzial vorhanden, welches der Autor in eventuell geplanten Folgebänden ja noch gezielt ausarbeiten kann. Bachmann selbst agiert sehr sprachbegabt und die gesamte Geschichte lässt sich außerordentlich leicht und eingängig konsumieren. Bereits dadurch hoffe ich sehr auf weitere Fälle, da die Idee wahrlich für sich selbst spricht. Man sollte dennoch darauf achten, noch ein wenig mehr Tiefgang und Detailverliebtheit einzubauen, dann könnte die Welt um Despina Jones eine Besondere werden.
hysterika.de/01.08.2020

Andreas Gruber: Der Judasschrein

©2020 by Andreas Gruber
Copyright Gesamtausgabe ©2020 LUZIFER-Verlag
ISBN 978-3-95835-480-7
ca. 529 Seiten

COVER:

In dem abgeschiedenen Dorf Grein am Gebirge, eingeschlossen zwischen den Bergen und einem Fluss, wird eine verstümmelte Mädchenleiche entdeckt, der fast alle Rückenwirbel fehlen. Als Kommissar Alex Körner und sein Team mehrere Exhumierungen anordnen, nehmen die Ermittlungen eine ungeahnte Wendung. Zudem spitzt sich die Lage zu, als der vom Dauerregen stark angeschwollene Fluss über die Ufer tritt. Vom Hochwasser eingeschlossen und von der Außenwelt abgeschnitten, kommt eine schreckliche Wahrheit ans Licht und die grausamen Morde gehen weiter …

REZENSION:

Es ist immer wieder erstaunlich, welche Tragkraft der damals nicht gerade als erfolgreich zu betrachtende Autor namens Lovecraft bis in unsere aktuelle Zeit hat. Erneut hat sich mit dem vorliegenden Buch ein Schriftsteller diesem Erbe gewidmet und einen mit lovecraftschen Elementen angereicherten Kriminalroman geschrieben. Dabei handelt es sich um den österreichischen Krimi-Export Andreas Gruber, der mir selbst bis dato eher durch gewisse, frühe Kurzgeschichten ein dezenter Begriff war. Mir ist aber bewusst, dass Gruber mittlerweile bei Krimifans ein sehr hoch angesehener Name geworden ist.
Nun also ein Versuch, Ermittlungsmaßnahmen in einem abgeschiedenen Dorf darzulegen und dabei auch noch die Kurve zu einem Meister der phantastischen Horror-Literatur zu bekommen. Ein hehrer Ansatz, da üblicherweise Krimifans eher die Finger von allzu brutalen Erzählungen und gleichzeitig Grusel- oder gar Horrorfans die Finger von zu brav erzählten Fällen weglassen.
Andreas Gruber versucht dennoch diesen schwierigen Brückenschlag und erzählt im Großen und Ganzen eine interessante Geschichte mit einem geschickt aufgebauten Plot. Zum Ende hin zusätzlich gewürzt mit einem dezenten Twist, der einem Lovecraft gerecht wird und der gesamten Geschichte noch ein kleines i-Tüpfelchen aufsetzt.
So positiv dies alles klingt, schaffte es der Autor dennoch nicht, mich gänzlich von seiner Geschichte und deren Darbietung zu überzeugen.
Insbesondere der lange und recht spannungsbefreite Kriminalplot bis weit über die Hälfte des Buches hinaus ließ mich immer wieder überlegen, ob ich das Buch nicht einfach für beendet erkläre. In diesem Fall interessierte mich jedoch stark die weitere Entwicklung und ganz besonders wollte ich wissen, wann denn nun die Welt Lovecrafts ihren Auftritt findet.
Sehr spät zeigt sich das Grauen und viel zu rasant wurde das Ende der Geschichte eingeläutet und abgehakt. Trotz dem kommenden Grauen im Fahrwasser von H.P. Lovecraft konnte mich die Geschichte durch ihren langen Vorlauf und dem intensiven Festhalten am Krimigenre nicht mehr überzeugen. Darüber hinaus könnte es in meinen Augen für reine Genreleser etwas schwierig werden: Den einen wird es zu starker und zu fantastischer Tobak – den anderen ist der Plot zu sanft. Somit nicht Fisch, nicht Fleisch, was ich außerordentlich schade finde, da Andreas Gruber sehr gut erzählen kann und man merkt, dass er sich auch in der Welt des Lovecraft ausreichend auskennt.
In meinen Augen war es eine nette Unterhaltung mit leider zu viel Längen, dafür einem zu rasant abgespulten Ende – im Gegenzug dazu ein sehr interessantes Setting und eine grundsätzlich gute Idee.
hysterika.de/18.07.2020

Timo Leibig: Nacht im März

©2018, Timo Leibig
ISBN 9781980616900
ca. 211 Seiten

COVER:

Leonora Goldmann ermittelt.

Marion Sievert ahnt Schlimmes: Ihr Mann betrügt sie. Um sich Gewissheit zu verschaffen, beauftragt sie Privatdetektivin Leonore Goldmann.
Leonore nimmt umgehend die Ermittlungen auf – und wird bald von einem unguten Gefühl erfasst. Was sie herausfindet, wirft immer neue Fragen auf: Wer sind die vier ominösen Freunde des Ehemanns? Was haben sie mit zwei Prostituierten zu tun? Und wohin verschwinden sie alle spurlos in einer winterlichen Märznacht?

Nacht im März ist der erste Kriminalfall für Leonore Goldmann aus der erfolgreichen Thrillerreihe um das Ermittlerduo Goldmann und Brandner.

REZENSION:

Die Bücher von Timo Leibig um das Ermittlerduo Goldmann und Brandner sind absolut zu empfehlen. Selbst ich als überwiegender Verweigerer von Kriminalromanen konnte mich mit diesen uneingeschränkt und auf spannende Art unterhalten. Interessanterweise sind mir die beiden richtig ans Herz gewachsen, was dazu führen sollte, dass ich auch die weiteren Werke dieses Schriftstellers immer gerne nicht nur zur Kenntnis nehmen sondern auch zu lesen bereit bin.
Nun also der erste Fall, in dem Leonore Goldmann als freischaffende Detektivin ihren ersten richtigen Fall ohne Hilfe ihres bisherigen Partners bekommt und sich dabei in höchste Gefahr begibt. Es beginnt alles ziemlich harmlos und klischeebeladen: Eine Frau wird das Gefühl nicht los, dass ihr Angetrauter sie betrügt. Seine frühere Sexsucht scheint sich wieder aktiviert zu haben; die Gute ist mit den Nerven am Ende.
Leibig fängt ziemlich klassisch und ruhig an – würde er dies so beibehalten, hätte diese Geschichte wahrlich nichts wirklich Interessantes zu bieten. Er geht aber natürlich einen Schritt weiter und greift etwas tiefer in die Trickkiste. Somit erkennt man sehr schnell, dass sich hier einiges mehr dahinter befindet, als lediglich eine gehörnte Ehefrau.
Leonore begibt sich dabei in höchste Gefahr – und als Leser fühlt man sich erneut auf eine ausreichend gute Art und Weise unterhalten. Vor allem innerhalb der klassischen Genre-Abgrenzung findet dieser nur knapp über 200 Seite umfangreiche Plot seinen Platz. Ein somit gut durchdachter Kriminalroman für einige interessante Lesestunden. Auch wenn ich weiterhin mehr auf der Seite der Geschichten stehe, in denen beide gemeinsam ermitteln, ist doch dieser Nebenplot eine schöne Abwechslung für den Leser, der diese Personen bereits des Öfteren begleiten durfte. Als dezente Kritik sei angemerkt, dass in dieser Geschichte die ein oder andere Situation arg konstruiert wirkt, Timo Leibig dies dennoch ganz gut vermittelt und man somit mit einem geschlossenen Auge getrost an manchen Zufall glauben kann. Auch im realen Leben wirkt manche Situation ein wenig unglaubwürdig und somit bin ich auch gerne bereit hier ein Auge zuzudrücken. Als Neuling in der Welt des Krimiautors Leibig sollte man dieses Buch eventuell nicht gleich lesen – lieber zuerst mit den fünf Büchern um das Ermittlerduo starten, dann wird man auch mit diesem vorliegenden nicht wirklich enttäuscht.
hysterika.de/24.06.2020

Joe R. Lansdale: Ein feiner dunkler Riss

Originaltitel: A Fine Dark Line
Aus dem amerikanischen Englisch von Heide Franck
Die deutsche Erstausgabe erschien 2012 im Golkonda Verlag, Berlin
©2003 by Joe R. Lansdale
Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung des Golkonda Verlags, Berlin
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-518-46497-7
ca. 351 Seiten

COVER:

East Texas, 1958. Stans Welt ist von Gewalt geprägt: Sein bester Freund wird zu Hause verprügelt, die Küchenhilfe lebt bei einem gewalttätigen Mann, und selbst Stans Vater wird handgreiflich, wenn es um die Familienehre geht. Das einzige Gegenprogramm liefern das Autokino von Stans Vater und die faszinierenden alten Geschichten um ein Spukhaus auf dem Hügel, einen kopflosen Geist am Bahndamm und zwei in ein und derselben Nacht ermordete Mädchen. Als Stan eines heißen Sommertages im Wald ein geheimnisvolles Kästchen findet, beginnt er, begleitet von seinem treuen Hund Nub und unterstützt von dem mürrischen schwarzen Filmvorführer und Ex-Polizisten Buster, Detektiv zu spielen – ohne zu ahnen, worauf er sich da eingelassen hat.

REZENSION:

Joe R. Lansdale gehört schon seit langem zur Riege der mit Preisen überschütteten Autoren. Er bedient dabei unterschiedliche Genre und überzeugt laut meinen bisher eingeholten Informationen mit seiner Art des Erzählens eine treue Leserschaft. Interessanterweise war mir der Name des Schriftstellers eher kein Begriff. Lediglich durch gewisse Recherchetätigkeiten kam es ab und an vor, dass auch dieser Name vereinzelt genannt worden ist.
Eines Tages wagte ich mich auf das Experiment seine Werke näher kennen zu lernen. Ich schnappte mir – vor vier Jahren(!) – die Trilogie „Drive-In“ und hoffte auf erholsame Stunden mit einem für mich bis dato nicht wirklich bekannten Schriftsteller. Das erste Werk in dieser Trilogie überzeugte mich auch ziemlich gut, was jedoch – laut meiner damaligen Rezension – durch die beiden anschließenden Geschichten komplett relativiert worden ist. Das Kapitel Lansdale hat sich somit für mich erst einmal erledigt und ich widmete mich wieder anderen Werken von anderen Erzählern.
Nun, im Jahre 2020, wagte ich durch erneutes „immer-wieder-über-diesen-Namen-stolpern“ einen neuen Start in seine schriftstellerische Welt. Ich besorgte mir „Ein feiner dunkler Riss“ und erhoffte mir abermals eine faszinierte Unterhaltung.
Sehr schnell stellte sich dabei heraus, dass der Autor im Gegensatz zu meinem ersten Eindruck wahrlich ein Könner seines Fachs zu sein scheint. Die Geschichte – angesiedelt in den 50er Jahren in Texas – zog mich in ihren Bann und ließ mich auch nicht mehr los. Lansdale schreibt ehrlich, glaubhaft und rundherum interessant. Seine teilhabenden Personen lassen einen nicht mehr los und ganz nebenbei zeigt er durch seine schonungslose Wahrheit auch noch den Irrsinn des damaligen Rassismus in Bezug auf Schwarze, welcher leider nahezu uneingeschränkt bis in die heutige Zeit ausstrahlt. Das mittlerweile verpönte N-Wort taucht in diesem Werk sehr oft auf – es steht jedoch nie für sich selbst, sondern zeigt lediglich auf deutliche Art, wie dumm sich die Abgrenzung weiß/schwarz darlegt.
Seine darüber liegende Geschichte ist von einer gewissen Ruhe gefüllt und es passiert auch nicht wirklich viel spannendes. Dennoch lässt es einen nicht mehr los, da man sich dieser Episode aus dem Leben Stanleys nicht mehr entziehen kann. Seine Umgebung ist geprägt von Rassismus und Gewalt, während seine Familie trotz der strikten Trennung von Schwarzen zu Weißen nebenbei und fast ungewollt – lediglich angeheizt durch normalen Menschenverstand und Anständigkeit – für ein Aufbrechen dieser unsäglichen Denkweise sorgen.
Um die Erzählweise zu verstehen, verweise ich kurz auf die sprachliche Qualität von Stephen King in seinen umfangreichen Werken wie zum Beispiel „ES“. Diese Werke leben insbesondere von der Schwätzigkeit des Schriftstellers. Damit meine ich, King erzählt eine Vielzahl an Geschichten innerhalb seiner eigentlichen Geschichte. Diese Sidekicks sind oft ausufernd dargelegt und treiben den eigentlichen Plot oberflächlich betrachtet in keiner Weise nach vorne. Nichts desto trotz klammern sie sich an ihren Leser fest und offenbaren eine Realitätswelt hinter dem Ursprungsplot.
„Ein feiner dunkler Riss“ könnte eine dieser Sidekicks innerhalb einer Stephen King Story sein. Auch ihr kann man sich nicht mehr entziehen und man bekommt das Gefühl, dass sich hier nichts als die blanke Wahrheit abzeichnet.
Ein fantastisches Werk, welches zum ersten Mal in meinem Leben dafür sorgte, dass ich mir alle Werke eines Autors der Reihe nach in mein Notizbuch geschrieben habe. Diese werden wohl nun in aller Ruhe nach und nach ihren Zugang in meine kleine Welt finden…
Jürgen Seibold/13.06.2020

Adler-Olsen, Jussi: Opfer 2117

Originaltitel: Offer 2117
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
©2019 Jussi Adler-Olsen
Originalausgabe 2019
©2019 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28210-9
ca. 588 Seiten

COVER:

Seit über zehn Jahren wirkt Assad wie eine geheimnisvolle Naturgewalt im Sonderdezernat Q in Kopenhagen …

Zypern, Am Strand von Ayia Napa wird der Journalist Joan Aiguader Zeuge, wie Helfer eine Tote aus dem Wasser ziehen. Die Frau aus dem Nahen Osten ist das „Opfer 2117“ auf der „Tafel der Schande“ am Strand von Barcelona, die die Zahl der im Mittelmeer ertrunkenen Bootsflüchtlinge anzeigt. Ihr Bild geht um die Welt. Die Tote am Strand ist eine Frau, die Assad einst sehr nahestand. Mit einem Schlag kehren die Gespenster aus seiner Vergangenheit zurück: Ghaalib, ein irakischer Krimineller, hat bereits einmal sein Leben zerstört – jetzt will er Assad für immer vernichten.

Und mit Assad im Zentrum der Ereignisse beginnt für Carl Mørck und sein Team ein nervenzerfetzender, atemloser Countdown, um eine Katastrophe im Herzen Europas zu verhindern.

Zur selben Zeit kündigt ein psychisch gestörter Gamer telefonisch beim Sonderdezernat Q ein Massaker in Kopenhagen an: Er wolle Rache nehmen für eine ertrunkene Flüchtlingsfrau im Mittelmeer …

REZENSION:

Die Sonderdezernat-Reihe ist eine als Thriller angepriesene Krimi-Reihe. Somit passt sie vom Grundsatz her nicht wirklich in mein übliches Lesespektrum. Nichts desto trotz konnte mich Jussi Adler-Olsen bereits vom ersten Band weg rundum überzeugen und ich freute mich dementsprechend auf jeden weiteren Band dieser herausragenden Reihe.
Das Team selbst ist mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten zusammengewürfelt. Alle bewegen sich dabei am Rande eines psychischen Zusammenbruchs und gleichzeitig scheint dies der dünne Faden zu sein, der diese Kollegen auch persönlich und privat bombenfest zusammenschweißt.
„Opfer 2117“ ist bereits der achte Fall des Sonderdezernats Q  – gleichzeitig ein komplett anders ausgerichteter in seiner Art der Erzählung. Bisher gab es eine recht stringente Handlungslinie und das Ermittlerteam kümmerte sich um bereits vergangene, dennoch nie richtig abgeschlossene Fälle. Dabei gab es in nahezu jedem Buch auch einen Faden in die Gegenwart, dennoch war die Vorgehensweise klar gegeben.
Im vorliegenden Buch scheint nichts mehr diesem bisherigen Ablauf zu entsprechen: Es gibt keinen bereits abgeschlossenen, noch zu klärenden Fall, das Team ist aktuell fast zerbrochen, Rose findet weiterhin noch nicht wieder zurück und der uns immer noch sympathische, doch eher unbekannte Assad scheint auf irgendeine Art und Weise eine Beziehung zu dieser Toten am Strand von Ayia Napa zu haben.
Jussi Adler-Olsen greift sich ein sehr politisches Thema und verknüpft dies zu einem uns alle betreffenden, europäischen Problem. Landesgrenzen spielen keine Rolle – im Gegenteil, er zeigt auf, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit darüber hinweg notwendig sein kann.
Teilweise dachte ich mir, dass das Thema der Flüchtlinge, verknüpft mit der Planung von terroristischen Anschlägen im Herzen Europas für eine Geschichte dieser Art zu wuchtig wird. Der Autor konnte aber bei jeglichem Aufblitzen dieses Problems ein wenig vom Gas gehen und geschickt darlegen, dass er sehr wohl mit dieser Problematik umzugehen und sogar damit zu spielen weiß.
Gut, einige kleine Begebenheiten sind der Dramaturgie geschuldet ein wenig künstlich herangezogen, nichts desto trotz störte das keineswegs, sondern sorgte höchstens dafür, dass der Spannungsaufbau immer weiter angezogen werden konnte.
Nebenbei versucht Adler-Olsen noch einen kleinen psychisch gestörten Gamer mit in seine Geschichte als separates Zuckerstück einzubauen – notwendig wäre dieser Aspekt nicht gewesen, da die eigentliche, vordergründige Handlung bereits ausreichend erzählerischen Stoff bieten konnte. Trotzdem sorgte dieser Aspekt immer wieder dafür, den bekannten, sehr trockenen Witz des Ermittlerteams hervor holen zu können – dieses Markenzeichen wurde nämlich durch Adler-Olsen der Haupthandlung geschuldet in diesem Buch arg vernachlässigt.
„Opfer 2117“ ist scheinbar ein Herzenswerk des Schriftstellers und darüber hinaus ein klares politisches Statement. Auf die Handlung bezogen ein besonderes Werk in dieser Reihe, welches der Person Assads geschuldet war und dessen Persönlichkeit nun nach vielen Jahren vor dem Leser offenbart worden ist.
Erneut ein wahrer Blockbuster und ich freue mich bereits sehr auf eine Fortführung dieser Reihe – erhoffe mir dabei aber auch, dass der nächste Band nicht ganz so tiefgründig ist und den bekannten Witz wieder mehr in den Vordergrund kommen lässt. Auch wenn es in diesem Werk absolut notwendig war, so vorzugehen, wie es der Autor vorgenommen hat.
Das Sonderdezernat Q bleibt in seiner gesamten Reihe ein absoluter Tipp und wer diese Werke noch nicht kennt, sollte einfach mal mit dem ersten Fall (Erbarmen) anfangen – eine Enttäuschung wird nicht auftreten.
Jürgen Seibold/09.02.2020

Simmons, Dan: Flashback

Originaltitel: Flashback
Deutsche Übersetzung von Karl Jünger
©2011 by Dan Simmons
©2019 der deutschsprachigen Taschenbuchausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32009-3
ca. 638 Seiten

COVER:

Die Welt im Jahre 2036. Die Vereinigten Staaten stehen kurz vor dem wirtschaftlichen Kollaps, in den Städten herrscht das Chaos, und die terroristische Bedrohung ist allgegenwärtig. Den größten Teil der Bevölkerung scheint das allerdings kaum zu kümmern, denn die Menschen sind abhängig von einer Droge namens „Flashback“, die es den Konsumenten ermöglicht, die glücklichsten Augenblicke ihres Lebens immer wieder neu zu erfahren. Einer von ihnen ist Nick Bottom, ein ehemaliger Polizist, der seit dem tragischen Unfalltod seiner Frau nur noch in der Vergangenheit lebt und mittels „Flashback“ die schönsten Momente mit ihr wiederaufleben lässt. Dann aber wird er erneut mit einem Fall betraut, dem Mord am Sohn eines hohen Regierungsbeamten, den er in seiner aktiven Zeit nicht aufklären konnte. Eher widerwillig beginnt Bottom mit den Ermittlungen. Bis er einer gigantischen Verschwörung auf die Spur kommt – einer Verschwörung, die für den verheerenden Zustand der USA und ihrer Bewohner verantwortlich ist.

REZENSION:

Dan Simmons ist ein Schriftsteller, der sich nur schlecht greifen lässt. Im Gegensatz zu den meisten Autoren scheint er sich absolut nichts über Genrezuordnungen zu scheren. Aus diesem Grund ist sein Output vielfältig und greift in nahezu jedes Genre ein, um sich dort ein kleines Plätzchen zu schnappen. Dadurch macht er es natürlich auch seinen Fans nicht gerade leicht: Mal liest man Fantasy, mal Horror, mal historisch angelehnte Halbwahrheiten, mal pure Science Fiction und im vorliegenden Fall SF, gewürzt mit einer visionär zu betrachtenden Idee, wie das Amerika der Zukunft aussehen könnte. Dies sehr dystopisch dargestellt und dabei gleichzeitig in die Form eines Krimis gepresst.
In meinen Augen ist Dan Simmons nicht nur ein kreativer Autor, sondern auch gesegnet mit einer herausragenden, schriftstellerischen Qualität. Nichts desto trotz konnte er es nicht schaffen, mich mit diesem Werk in irgendeiner Art und Weise überzeugen zu können.
Seine Welt ist zwar visionär, gleichzeitig aber auch schwierig zu verdauen, wenn man sich die politischen Begebenheiten vor Augen führt.
Die Geschichte driftete mir zu schnell davon und ich konnte die aufgeführten Fäden nur selten greifen. Seine Sprache ist abermals herausragend, dennoch entwickelte sich trotz der interessanten Umgebung und den soziologischen Philosophischen nichts wirklich weiter als ein Krimi-Thriller mit einem abgewrackten Entwickler.
Somit halte ich zwar Dan Simmons weiterhin für einen herausragenden Schriftsteller – dennoch verweise ich lieber auf seine anderen Werke wie zum Beispiel TERROR, ELM HAVEN und ganz besonders die HYPERION-GESÄNGE. Flashback kann sich dieser Riege leider nicht anschließen.
Jürgen Seibold/06.02.2020

Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und die Magische Hanse von Hamburg

© acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-644-5
ca. 425 Seiten

COVER:

Quaestor Grayson Steel hat Gefallen an der Arbeit als Ermittler in der magischen Gemeinschaft, der Nebula Convicto, gefunden. Seine Quadriga und er suchen weiterhin nach den Hintermännern rund um Sophias Entführung, welche beinahe zu einem Zusammenbruch der magischen Weltordnung geführt hätte.

Während sie im Schwarzwald nach einem entlaufenen Basilisken suchen, werden Grayson und sein Team plötzlich unfreiwillig in eine abenteuerliche Schnitzeljagd hineingerissen. Bis zum nächsten Neumond sollen sie ein gestohlenes Artefakt zurückholen. Die Spur des Diebesguts führt quer durch Deutschland bis nach Hamburg. Dort steht Grayson Steel schließlich den Dienern eines totgeglaubten, uralten Wesens gegenüber, das die Welt schon einmal verfinstert hat.

An Meermenschen und Klabautermännern vorbei, muss er die Erweckung des Altvorderen verhindern, sonst wird Hamburg in einem Sturm aus Gewalt und Feuer untergehen.
Und mit der Stadt die Magische Hanse, die Lebensader der Nebula Convicto

REZENSION:

Bereits mit dem ersten Band um den Ermittler Grayson Steel konnte mich der mir bis dahin unbekannte Autor Torsten Weitze uneingeschränkt unterhalten und überzeugen.
Er schafft es auf eine unglaublich interessante Art und Weise, seinen Ermittler auf eine für ihn recht unbekannte Welt los zu lassen. Dabei verlassen wir aber keineswegs unsere eigene Welt – nein, diese ist lediglich durchsetzt von allen möglichen magischen Gestalten und Organisationen.
Während Grayson Steel im ersten Band noch seinen Weg vom „normalen“ Scotland Yard-Ermittler zum Quaestoren in der Nebula Convicto finden musste, sind diese Vorgänge natürlich nun zu Beginn des zweiten Bandes bereits abgeschlossen. Sehr oft verliert man sich dann in solchen Werken, da der Weg zumeist als das Interessanteste wahrgenommen wird. Hier scheint dies jedoch keine Rolle zu spielen, da Weitze bereits von Beginn an seinen Leser in die Handlung hineinwirft und das erste Kapitel mit Vollgas losstarten lässt.
Oberflächlich betrachtet handelt es bei dieser Reihe um eine reinrassige Krimireihe – wären da nicht die Gestalten aus alten Sagen und Erzählungen, die hierin zum Leben gefunden haben. Weitze zeigt ein unglaubliches „Fachwissen“ bezogen auf die Mythen von Jahrtausenden. Dementsprechend vielfältig sind die Gegner und Helfer Grayson Steels. Erfrischend ist dabei der Umstand, dass Steel bis auf eine besondere Fähigkeit nur durch sein Ermittlernäschen auftrumpfen zu können scheint. Die sagenhaften Gestalten liegen ihm nicht gerade nah und somit sind wir mit einer Vielzahl an witzigen und kuriosen Begebenheiten beteiligt.
Torsten Weitze schafft es durch diesen teils humoristischen, teils klassisch angehauchten Stil seinen Leser rundum zu begeistern. Es ist wahrlich unglaublich, mit welch erzählerischer Normalität er uns bekannte Dinge, Orte, Gebäude mit sagenhaften Ingredienzen füllt. Wüsste man es nicht anders, würde man dies auch noch als glaubhaft dargestellt akzeptieren. Nun, vielleicht sind aber doch gerade deshalb die Kosten der Elbphilharmonie so explodiert?
Grayson Steel ist jedenfalls ein absoluter Tipp und ich bin schon jetzt unglaublich gespannt auf den nächsten Band – dabei hoffend, dass Weitze den beiden bereits vorliegenden auch dort in nichts nachstehen wird.
Wäre Grayson Steel kein Ermittler sondern Schüler, würde ich fast sagen, dass es sich hierbei um den Harry Potter für Erwachsene handelt.
Jürgen Seibold/02.06.2019

Falk, Rita: Eberhofer, Zefix!

©2018 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28991-7
ca. 119 Seiten

COVER:

Ein dämlicher Mordfall im Ruhrpott, eine Geburtstagsfeier mit der Oma oder ein Wochenende in Österreich mit dem Simmerl, dem Flötzinger und mindestens 17 Stamperln Himbeergeist:

Schräge, urkomische und herzerweichende Geschichten vom Franzl und dazu ein bayrisch-hochdeutsches Glossar, hilfreich kommentiert vom Eberhofer persönlich.

REZENSION:

Rita Falks Reihe über den niederbayerischen Dorfpolizisten Eberhofer nimmt bei mir einen ganz besonderen Status ein. Üblicherweise lese ich ausschließlich Horror, Fantasy und Thriller. Krimis kommen nicht wirklich in meiner leserischen Welt vor. Einzige Ausnahme: Die Geschichten über den Eberhofer.
Dies liegt besonders daran, dass Rita Falk in ihren Romanen sehr geschickt Klischees darlegt, die eigentlich überhaupt keine Klischees sind. Ich weiß das quasi aus erster Hand, da meine liebe Oma – Gott hab sie selig – exakt ein Auftreten wie Eberhofers Oma hatte und Niederbayern nur ein paar Kilometer von mir entfernt ist. Alle weiteren Akteure stehen dem in nichts nach und lassen das fiktive Niederkaltenkirchen uneingeschränkt real werden.
Um nun die Wartezeit auf den nächsten großen Fall zu verkürzen, brachte der Verlag ein kleines Büchlein mit einige Kurzgeschichten der Autorin auf den Markt.
Gerade mal 86 Seiten plus noch einige für das witzige Glossar – nichts desto trotz wird auch dieses kleine Büchlein seinen Weg zu vielen Fans dieser witzigen Krimireihe finden.
Im Buch selbst befinden sich leider nur 4 Geschichten – eine davon gar nur ein Exzerpt aus dem Kaiserschmarrndrama – wodurch die Dauer des Genusses recht begrenzt ist.
Die letzte Story, „Der Franz und sein Geburtstag“, sollte jedem Liebhaber der Bücher bereits bekannt sein – somit bleiben nur mehr 3 kleine, unbekannte Häppchen.
Diese wiederum machen aber trotz des sehr begrenzten Zeitaufwands recht viel Spaß beim Lesen. Abermals ertappt man sich beim Schmunzeln und man kann es wieder einmal nicht mehr erwarten, bis denn endlich ein neuer Roman das Licht der Welt erblicken wird.
„Eberhofer, Zefix“ ist in meinen Augen ein schmaler Grat der Art des Veröffentlichens: Einerseits ein nettes Angebot, um sich ein klein wenig mal wieder nach Niederkaltenkirchen begeben zu können. Andererseits halte ich diese momentane Mode der kleinen, dünnen Büchlein ein wenig fragwürdig, da sie durch die begrenzte Seitenzahl recht teuer wirken und somit von vielen mir bekannten Personen vermieden werden. Lieber das doppelte Geld ausgeben, dafür aber einen vollwertigen Roman in der Hand halten.
Ich schwanke da immer ein wenig hin und her. Davon abgesehen war es mir eine recht unterhaltsame Freude, mich wieder ein etwas mit dem guten Franz und seinen kurzen Erlebnissen zu befassen. Dennoch wäre mir ein neuer Roman erheblich lieber.
Jürgen Seibold/15.05.2019

Lubbadeh, Jens: Neanderthal

© 2017 by Jens Lubbadeh
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31825-0
Ca. 526 Seiten

COVER:

Deutschland, Mitte des 21. Jahrhunderts. Kommissar Philipp Nix wird zu einem Tatort gerufen, der ihm einige Rätsel aufgibt. Das Gesicht der Leiche sieht seltsam unförmig aus, und auch der Körperbau des Toten wirkt eigenartig. Seit die Menschen bereits vor der Geburt genetisch optimiert werden, gibt es eigentlich keine Krankheiten oder gar Beheinderungen mehr. Der einzige Hinweis ist ein Link im Smartphone des Toten, der Nix in ein Tal in der Nähe von Düsseldorf führt – direkt zu einem Massengrab voller Knochen. Schon bald ist klar: Das sind keine normalen menschlichen Knochen. Als Nix den gehörlosen Anthropologen Max Stiller und dessen Kollegin Sarah Weiss dazuholt, stellen beide sofort zwei scheinbar unmögliche Tatsachen fest. Erstens muss es sich um Neandertaler-Knochen handeln Und zweitens sind diese Knochen nicht, wie zu erwarten wäre, fünfzigtausend Jahre alt, sondern nur dreißig. Wurden hier etwa Neandertaler geklont und dann getötet? Aber wozu? Plötzlich wendet sich das Blatt, und Kommissar Nix, Stiller und Weiss geraten selbst in Gefahr. Offenbar sind sie einem großangelegten Skandal auf der Spur, der bis in höchste Regierungskreise reicht. Dort will man die Aufdeckung des geheimen „Projekts Neanderthal“ um jeden Preis verhindern. Aber so leicht lassen sich Nix, Stiller und Weiss nicht abschütteln. Eine gefährliche Jagd auf Leben und Tod nach dem mysteriösen Erbe der Neandertaler beginnt …

REZENSION:

Jens Lubbadeh entführt uns in seinem aktuellen Wissenschaftsthriller „Neanderthal“ in ein Deutschland der nahen Zukunft. Die Genetik hat scheinbar die letzten Hürden übersprungen und es ist ein Einfaches, sich sein Wunschkind zusammen zu stellen, bevor es final ausgetragen wird. Krankheiten spielen keine große Rolle mehr, Suchtprobleme ebenfalls abgeschafft. Das hohe Ideal herrscht vor, die Menschheit lässt sich darauf ein und treibt oberflächlich vor sich hin.
Wie so oft hat jede Errungenschaft auch seine Schattenseiten – obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob ich eine großartige Lust auf dieses perfekte Leben hätte. Aber darum geht es jetzt ja nicht. Die Menschen fühlen sich wohl und das ist scheinbar Hauptsache. Wie in nahezu jeder Errungenschaft – egal ob wissenschaftlich oder jegliche andere Ware – geht es auch hier um den schnöden Mammon. Irgendwo sitzen machtvolle Hintermänner, die entweder mehr Geld verdienen oder die schlichtweg ihre Macht weiter ausbauen möchten.
Auch im vorliegenden Buch geht es um diese Themen. Jens Lubbadeh erfindet definitif das Genre nicht neu – interessant ist seine Geschichte dennoch.
Ich glaube, ich habe mit diesem Buch zum allerersten Mal in meinem gesamten Leseleben einen gehörlosen Protagonisten in einer der Hauptrollen. Jens Lubbadeh hat dies wirklich sehr geschickt umgesetzt und nach und nach nimmt man Max nicht mehr als gehörlosen Menschen war. Erstaunlich gut erzählt.
Die Mischung aus wissenschaftlich angehauchtem Thriller mit einem klassischen Kriminalfall lässt die Story angenehm vor sich hertreiben. Als Leser fühlt man sich wie in einem recht guten Kinofilm unterhalten. Genau so funktioniert die Geschichte auch. Sie wirkt spannend und ist fundiert sowie detailliert ausgearbeitet dargelegt. Ich hatte meine Freude und fühlte mich auf interessante Art und Weise ausreichend gut unterhalten. Bei manchen Romanen reicht dies auch. Sicher, eine gewisse Botschaft ist vorhanden und sollte auch vorhanden sein. Dennoch muss nicht jedes Werk hochtrabend sein, sondern einfach den Leser bei der Hand nehmen und ihn etwas vom alltäglichen Geschehen abrücken lassen. Dies gelingt diesem Thriller und mehr hatte ich auch nicht erwartet.
Jürgen Seibold/08.07.2018

Neanderthal: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und der Verhangene Rat von London

©acabus Verlag, Hamburg 2017
ISBN 978-3-86282-525-7
ca. 400 Seiten

COVER:

„Mr. Steel, hören Sie mir jetzt gut zu. Das Wesen, das Sie angegriffen hat, war eine Banshee.“

Detective Grayson Steel bearbeitet im modernen London die unbequemen Fälle des Scotland Yard. Als der den rätselhaften Tod einer jungen Frau untersucht, stößt er auf Geheimnisse, die normalen Menschen verborgen bleiben.

Er wird in eine Gesellschaft hineingezogen, die verborgen neben der menschlichen Welt existiert; die Nebula Convicto ist durchsetzt von geheimen Räten, magischen Attentaten und Wesen, die eigentlich nur in Fabeln und Mythen existieren sollten. In der magischen Gemeinschaft soll Steel die Rolle eines Sonderermittlers übernehmen und binnen kürzester Zeit ein entführtes Mädchen finden. Rettet er das Kind nicht, bevor ein neuer Anführer der Nebula Convicto gewählt wird, droht die gesamte Welt in einem zweiten Mittelalter zu versinken.

Nur mittels seiner Fähigkeiten als Ermittler und seiner neu entdeckten Kraft, Magie widerstehen zu können, kann sich Steel im Londoner Untergrund zwischen Ghulen, Vampiren und anderen magischen Wesen zurechtfinden.

REZENSION:

Als ich das Cover von diesem Buch zum ersten Mal betrachtete, entwickelte sich bei mir der Gedanke, dass es sich wohl um ein eher für Jugendliche geschriebenes Buch handelt.
Interessanterweise klang aber die Coverbeschreibung interessant und ich war hin- und hergerissen.
Das Buch fand aber dennoch seinen Weg in meine Gefilde und eines Tages nahm ich es somit mit dem Inhalt auf.
Es dauerte nur wenige Seiten und es war um mich geschehen. Nebula Convicto trägt zwar ein jugendlich wirkendes Cover und irgendwie auch einen langatmigen, komisch klingenden Titel – nichts desto trotz ist der Inhalt unglaublich gut durchdacht und hochwertig geschrieben. Hinzu kommt eine außerordentlich interessante Geschichte, wie sie mir schon seit langem nicht mehr untergekommen ist. Die Idee, einen Krimi im heutigen London unter Verwendung von nahezu sämtlichen mystischen Wesen hat ihren Reiz. Dennoch kann genau dieser Umstand auch dazu führen, dass sich der Autor verzettelt oder ins Absurde abtaucht. Im Gegensatz dazu jedoch Torsten Weitze! Er schafft es virtuos, eine sagenhafte Geschichte mit einem mehr oder weniger kuriosen Ermittler zu kreieren, die neben ihrer hohen Qualität auch noch mit einigen Twists aufwarten kann.
Von Seite zu Seite machte mir das Lesen immer mehr Freude und ich war sehr angetan von der Ideenvielfalt Torsten Weitzes. Die Geschichte selbst entwickelte sich teilweise kurios, aber immer sehr unterhaltsam und ausreichend spannend. Der gesamte Plot geht zwar zielstrebig zu einem bestimmten Ende – der Leser wird davon aber über lange Strecken im Dunkeln gehalten.
„Grayson Steel und der Verhangene Rat von London“ ist ein Krimi – ich selbst kein großer Krimifan – aber in dieser Zusammenstellung unter Verwendung dieser Verknüpfung von verschiedenen Genres konnte Weitze absolut für Begeisterung sorgen. Sollte er noch weitere Ideen für diesen nun bekannten Ermittler haben: Nur her damit!
Grayson Steel könnte eine wundervolle Krimiserie der besonderen Art darstellen und ich würde mich wirklich freuen, wenn der Autor noch einiges in Petto hat.
Davon abgesehen schreibt Weitze sehr eingängig und scheint keine Probleme zu haben, seinen Leser an der Hand zu führen. Dieser Umstand allein sorgt schon dafür, dass man sich diesen Namen merken sollte und er hoffentlich noch für viele Veröffentlichungen sorgen kann.
Jürgen Seibold/17.05.2018

Nebula Convicto. Grayson Steel und der Verhangene Rat von London. (Fantasy): Fantasyroman – KAUFEN BEI AMAZON

Vieten, Michael E.: Christine Bernard – Die Legende vom bösen Wolf

©acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-566-0
ca. 291 Seiten

COVER:

Von der Angst und der Gier. Eine junge Kommissarin ermittelt unter Lämmern und Wölfen.

Ein feuchtkalter Morgen im Nebel. Menschliche Überreste in einem Wolfsgehege. Sind die Wölfe blutrünstige Killer oder ist alles nur Mythos und diese brillanten Jäger und nächsten Verwandten unserer liebsten Haustiere sind harmlos?

Eine zweite Leiche mit Fraßspuren wird im Hunsrücker Hochwald gefunden. Ist der über Jahrhunderte gefürchtete Angstgegner des Menschen wieder da und streift bereits auf der Suche nach beute durch unsere Wälder? Ist er eine Gefahr oder ist der Mensch selbst des Menschen Wolf?

Die Trierer Kommissarin Christine Bernard ermittelt und stößt auf ihrer Suche nache dem Mörder auf ein Umfeld voller Vorbehalte, Mythen und Legenden.

REZENSION:

Als ich im Jahre 2013 einen Kurzgeschichtenband eines mir bis dato unbekannten Autors mit dem Titel „Unheimliche Begegnungen – Aus der Zwischenwelt“ positiv rezensiert hatte, behielt ich den Namen des Autors locker im Gedächtnis. Kurzgeschichten sind ein Genre für sich und viele Roman-Autoren scheuen sich, dieses „Genre“ zu bedienen. Ist es doch extrem schwierig, auf begrenztem Raum einen durchweg überzeugenden Plot zu kreieren.
Vieten ist es damals gelungen und somit wollte ich den Namen des Autors nicht gänzlich vergessen.
Ein Jahr später kam Vieten mit einem Kriminalroman ums Eck – es handelte sich dabei um „Der fall Siebenschön“, in dem die Kommissarin Christine Bernard die Ermittlungen aufnimmt.
Kriminalromane sind nicht wirklich mein Steckenpferd – durch den oben kurz angerissenen Kurzgeschichtenband widmete ich mich dennoch diesem Fall und war erneut sehr angetan.
Michael E. Vieten entwickelte mit Christine Bernard eine Krimireihe, die sicherlich interessant ist. Aber es sind nun mal Kriminalromane und hierdurch widmete ich mich mit meiner begrenzten Zeit eher meinen normalen Lieblingsgenres.
Letztes Jahr erreichte mich „Handbuch zur Rettung der Welt“, ich las, rezensierte und war schon wieder ausreichend überzeugt, um nun dann doch dem Wunsch des Autors nach zu kommen, ein Auge auf den neuesten Fall Christine Bernards zu werfen.
Ich überlegte kurz, ob ich mich einem Krimi widmen sollte – ich glaube, die Wölfe überzeugten mich dann, da dieses Thema ausreichend interessant klang.
Erfreulicherweise war es dabei absolut kein Problem, die bisher erschienen Fälle über diese Kommissarin nicht zu kennen. Im Gegenteil, man findet sich sofort zurecht und kann sich uneingeschränkt diesem sehr gut erzählten Plot widmen.
Als sehr positiv erachte ich die Verknüpfung aktueller Themen mit einem Mordfall. In diesem Werk sind es die Wölfe inklusive einer Vielzahl an Pro- und Contra – ebenso, wie es gerade durch die Medien wabert.
Nachdem ich persönlich eher auf der Seite der Wölfe stehe, sind meine Fronten in diesem Buch sogleich geklärt.
Im Laufe des Kriminalfalls lernt man sehr viel über diese Tierart – ab und an wirkt das ein wenig aufgesetzt, nichts desto trotz hat dieser Umstand das Buch für mich interessant gemacht. Ähnlich wie in seinem „Handbuch zur Rettung der Welt“ versucht Vieten uns auf Missstände aufmerksam zu machen und dabei dennoch seinen Leser gut zu unterhalten.
Erneut ist es ihm gelungen und ich bin fast ein bisschen traurig darüber, nicht alle Bernard-Fälle gelesen zu haben.
Alles in allem ein gelungener, sehr eingängig erzählter Krimi mit einer sympathischen Ermittlerin, einem brisanten Thema und einem rundum interessanten Plot. Liebhaber des Genres sollten definitiv ein Auge auf diesen Autoren werfen.
Jürgen Seibold/27.04.2018

Christine Bernard. Die Legende vom bösen Wolf: Krimi – KAUFEN BEI AMAZON

Falk, Rita: Kaiserschmarrndrama

©2018 dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-26192-0
ca. 300 Seiten

COVER:

Und ob man das jetzt glaubt oder nicht, das Opfer liegt exakt auf meiner Runde, die wo ich mit dem Ludwig täglich durch den Wald lauf und immer unsere Zeit mitstoppe …

Im Wald von Niederkaltenkirchen wird eine nackte Tote gefunden. Sie war erst kurz zuvor beim Simmerl in den ersten Stock gezogen und hat unter dem Namen „Mona“ Stripshows im Internet angeboten. Der Eberhofer steht vor höchst pikanten Ermittlungen, denn zum Kreis der Verdächtigen zählen rasch auch ein paar ihrer Kunden, darunter der Leopold, der Simmerl und der Flötzinger. Und auch den Bruder der Toten, einen evangelischen Pfarrer mit seiner frommen Gattin, sollte der Franz sich besser mal vorknöpfen. – Harte Zeiten für den Franz, auch privat: Das Doppelhaus vom Leopold und der Susi wächst im selben Tempo wie Franz‘ Unlust auf das traute Familienglück. Der Rudi wird aus der Reha geworfen und quartiert sich im Saustall ein. Und zu allem Unglück droht dem Saustall die Abrissbirne!
Dann: die zweite Tote im Wald. Das gleiche Beuteschema. Ein Serienmörder? Zumindest ein Fall für die Soko Niederkaltenkirchen. Angeführt ausgerechnet von Franz‘ Lieblingsfeindin Thin Lizzy …

REZENSION:

Wer hätte sich damals zu Beginn dieser Reihe jemals denken können, dass die Geschichten um Franz Eberhofer einen so großen Hype auslösen werden?
Mittlerweile gibt es Filme dazu – die ich ehrlich gesagt nur zum Teil kenne – und zusätzlich noch Bücher zum Kochen oder einfach mit Alltagstipps der Oma.
Inhaltlich sind die Bücher sehr einfach gestrickt und triefen förmlich vor bayrischen Klischees. Aber: Exakt das macht es in dieser Reihe einfach aus und mittlerweile kann ich es schlichtweg nicht mehr abwarten, bis der jeweils nächste Band erscheint.
Nun liegt also bereits der neunte Fall aus Niederkaltenkirchen vor und erneut stellte sich mir die Frage vor dem Öffnen des Buches, ob Rita Falk noch ausreichend Ideenreichtum und interessante Kuriositäten aus besagtem Ort mit den ans Herz gewachsenen Personen vorweisen kann.
Und ja: Sie kann es auch im neunten Fall und abermals macht man es sich mit diesem Buch gemütlich und kann die Augen nicht mehr von den Seiten lassen.
Den einzigen Vorwurf den ich ihr leider machen muss: In diesem Buch gab es eine sehr traurige Begebenheit, über die ich jetzt nichts verraten möchte. Ein Vorwurf deshalb, weil es Rita Falk doch tatsächlich geschafft hat, mir als gestandenes Mannsbild die Tränen in die Augen zu bringen. Das musste doch nicht sein, oder? Obwohl, nach so langer Zeit ist das auch wieder nachvollziehbar – aber wie gesagt, gehe ich nicht näher darauf ein.
Kaiserschmarrndrama ist jedenfalls wieder einmal ein weiteres einwandfreies Häppchen und viel zu schnell war das Ende dieses Buches erreicht.
Ich kann jedenfalls nur hoffen, dass Band 10 nicht zu lange auf sich warten lässt (diese Bücher machen einen echt süchtig) und die Autorin noch genug Einfallsreichtum besitzt, um Niederkaltenkirchen nicht langweilig werden zu lassen.
Kurzum: Erneut eine Empfehlung der witzigen Art und weiterhin die einzige Krimireihe, die ich seit Band 1 lese und nahezu abgöttisch liebe.
Danke jedenfalls für die netten, unterhaltsamen Stunden.
Jürgen Seibold/06.03.2018

Kaiserschmarrndrama: Ein Provinzkrimi (Franz Eberhofer) – KAUFEN BEI AMAZON

HYS090 – Im Gespräch mit Krimimimi

Im Rahmen der Veröffentlichung von Stefán Mánis neuestem Buch „Der Stier und das Mädchen“ ergab sich für mich die Gelegenheit, einige Worte mit der Radio-Moderatorin Krimimimi zu wechseln.
Es ergab sich ein sehr interessantes Gespräch und man merkt relativ schnell, dass sich mit ihr ein leidenschaftlicher Profi in der Leitung befand.
Gegen Ende gab es einige kleine technische Problemchen, dennoch lohnt es sich definitiv, diese Folge zu genießen.
Wenn jemand eine sinnvolle und einfache Alternative zu Skype kennt, würde ich mich sehr über eine diesbezügliche Info freuen.

Ich bedanke mich noch einmal sehr herzlich bei allen Beteiligten und natürlich im Besonderen Krimimimi für dieses tolle Gespräch.

 

GEWINNSPIEL:

Das besprochene Buch gibt es insgesamt 5x zu gewinnen.
Um die Chance zu einem Exemplar zu haben, müsst Ihr entweder den gleichlautenden Post auf Facebook auf der Seite “Hysterika” liken und kommentieren oder einfach eine Mail an podcast@hysterika.de schicken (Subject: “GEWINNSPIEL STEFAN MANI”.

Das Buch gibt es im Wunschformat – also als mobi-File oder Print. Wie der Thriller so ist, hört Ihr unter anderem in der Podcastfolge.

Teilnahme ab 18 oder mit Einverständnis eines Erziehungsberechtigten, der Rechtsweg ist natürlich ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht in bar ausgezahlt werden. Das Gewinnspiel hat nichts mit Facebook zu tun oder sonst etwas zu tun.
Wie gesagt: Wer möchte, kann gerne per Mail an podcast@hysterika.de teilnehmen.
Personen, die jeweils 1 Buch gewonnen haben, werden per PN (Teilnahme über Facebook) benachrichtigt und nach Ihrem Wunsch und Adresse gefragt. Teilnehmer per Mail bitte ich gleich um Mitteilung des Formats und Adresse.
Wenn sich jemand nicht melden sollte, geht der Gewinn an den nächsten weiter.
Das Gewinnspiel beginnt mit diesem Post und endet am 20.12.2017, 23:59.

Timo Leibig: Fang den Tod

© Timo Leibig
www.timoleibig.de
ISBN 978-3-9817076-7-0
ca. 269 Seiten

COVER:

Fünf Tage. Fünf Tote.
Wer kann den Tod stoppen?

Eine Männerleiche wird entdeckt – das Herz durchbohrt, die Innereien entnommen und offenbar verspeist. Schnell findenWalter Brandner, Cahide Pfeiffer und Gregor Schanzer den vermeintlichen Kannibalen. Doch dann taucht eine zweite Leiche auf, und drei weitere werden angekündigt. Für Walter, sein Team und Privatdetektivin Goldmann beginnt ein perfides Spiel, dessen Regeln nur der Täter kennt.

Fang den Tod ist der fünfte Fall der Thrillerserie um das Ermittlerteam Goldmann und Brandner.

REZENSION:

Timo Leibig reiht sich in eine sehr geringe Anzahl an Autoren ein, deren Werke ich von Anfang an al Leser begleite. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Rezension zu seinem ersten Buch erinnern. Bereits damals hielt ich die darin enthaltene Story für außerordentlich erwähnenswert und hoffte, dass der Autor damit nicht einfach nur eine weitere Eintagsfliege im Kosmos der “Kleinautoren” darstellt, sondern noch das ein oder andere nachkommt.
Erfreulicherweise sollte genau dies geschehen und wir blicken nun auf bereits 8 Bücher zurück, die sich gegenseitig nahezu in nichts nachstehen. Als achtes Buch nun erneut ein Fall, in dem das mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsene Ermittlerduo Goldmann und Brandner seine Jagd nach einem oder mehreren Mördern aufnimmt.
Abermals schafft es Leibig geschickt, eine Brücke zwischen Krimi- und Thrillerlesern zu schaffen. Sicherlich für manchen Krimileser ein wenig harter Tobak, dennoch immer noch gerade so, dass damit keiner wirklich ein Problem haben sollte. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Timo Leibig dadurch seine Fangemeinde weiterhin stetig ansteigend vorfinden wird.
Die grundsätzliche Idee in “Fang den Tod” ist sehr interessant – aufgrund der Gefahr, relativ schnell zu spoilern, vermeide ich aber hier näher darauf ein zu gehen.
Der Schreibstil Leibigs ist sehr eingängig und die Geschichte rasant erzählt. Seine Personen sind ausreichend tief gezeichnet und bekommen beim Kennen aller Werke immer mehr Kontur. Nichts detso trotz würde “Fang den Tod” auch bei Neueinsteigern funktionieren, da Leibig dezent Informationen aus vorangegangenen Werken einbaut. Das komplette Gefühlswesen und die dazugehörigen Eigenheiten lernt man natürlich nur nach der kompletten Lektüre aller Fälle kennen.
Kurz hatte ich die Sorge, dass Leonore Goldmann auf das Abstellgleis geschoben wird. Glücklicherweise ist das nicht der Fall – im Gegenteil: Durch die Hinzufügung weiterer Ermittler und Nutzung Leonores als Detektivin bekommt das gesamte “Netzwerk” der Gruppe erheblich mehr Möglichkeiten.
“Fang den Tod” ist unwahrscheinlich schnell gelesen, was ja grundsätzlich bereits für das Buch spricht. Ich hätte mir trotzdem noch weitere Seiten gewünscht. Zum einen, weil mir die Story einfach gut gefallen hat und zum anderen, da der Autor dann vielleicht noch erheblich mehr ausholen hätte können.
Weiterhin sind zwei andere Fälle aus dieser Reihe immer noch meine Favoriten – aber das zusammen ist lediglich Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum: Erneut ein sehr interessanter und empfehlenswerter Fall und ich freue mich schon enorm auf weitere Erlebnisse im Kosmos dieser Truppe um Goldmann und Brandner.
Jürgen Seibold/24.11.2017

Fang den Tod: Thriller (Goldmann und Brandner, Band 5) – KAUFEN BEI AMAZON

Matthias Oden: Junktown

Originalausgabe 06/2017
©2017 by Matthias Oden
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31821-2
ca. 400 Seiten

COVER:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer Welt der nicht allzu fernen Zukunft. Die gesamte Gesellschaft ist dazu gezwungen, dem Konsumwahn zu frönen. Müll wird nicht mehr weggeschmissen, sondern geschickt vor den Wohnungen drapiert, um jedem zu zeigen, was man sich so alles leisten kann. Es gibt sogar extra Firmen, die Müll für diesen Zweck anbieten. Somit ist jeder gezwungen, dieser Gesellschaft zu folgen, da er sonst denunziert wird.
Gleichzeitig sind Drogen nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen – nein, sie sind sogar Pflicht und müssen konsumiert werden.
In dieser Welt gibt es nur noch wenige natürlich geborene Menschen. Vielmehr setzt sich die gezielte, industrielle Entwicklung der Menschen durch. Je nach zukünftigem Einsatzort werden diese genetisch geplant und entwickelt.
In dieser Welt geschieht nun ein sehr untypischer Mord: Es wird ein Maschinenwesen – eine Gebärmutter – getötet. Diese Wesen sind mehrstöckig und dienen dem Staat zum Austragen der bestellten Kinder.
Dieses Wesen ist auch so ziemlich das einzige in Odens Buch, welches ich nur wenig greifen konnte. Hier muss man schon sehr stark seine Fantasie aktivieren, um dies zu akzeptieren und zu verstehen. Gibt es doch im realen Leben absolut keine Ähnlichkeit, die man zum besseren Verständnis als Vergleich heranziehen könnte. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Beziehungsdrama unter Einbeziehung eines künstlichen Wesens stattfinden kann. Hat man sich dem jedoch gestellt, kann man dieser utopischen Krimi-/Thrillermischung problemlos folgen.
Matthias Odens Junktown baut eine sehr interessante und beängstigende Welt auf, der man nach einigen Anfangsschwierigkeiten recht gut folgen kann. Sein Schreibstil ist flüssig und eingängig. Sein Ideenreichtum lässt absolut nichts zu wünschen übrig.
Gäbe es die detailliert erzählte Welt nicht in diesem Maße, wäre Junktown wohl nichts weiter als ein weiterer Krimi, der ganz gut zu unterhalten weiß. Erfreulicherweise schafft es Oden jedoch, seiner Story eine Umgebung zu widmen, die seinen Krimi eine Stufe höher legt.
Sehr stark erinnert sein Plot an Orwells Klassiker “1984” und durch die abschließende Befragung seines Protagonisten bleibt dieser Vergleich bis zum Ende bestehen.
Oden erzählt somit nicht nur einen Krimi in einer gesellschaftlich beängstigenden Welt sondern hält uns auch einen gesellschaftlichen Spiegel vor. Es entsteht somit – wie auch in “1984” – eine Zukunftsvision, die wir tunlichst vermeiden sollten.
Alles in allem ein sehr gut gelungener Roman mit einem außergewöhnlichen Plot und Setting. Die Figuren könnten noch ein klein wenig lebendiger und facettenreicher wirken, dennoch führt dies nicht wirklich zu einer Abwertung dieser spannenden Story.
Jürgen Seibold/19.11.2017