Paul Watson: Wenn der Ozean stirbt, sterben auch wir

Originaltitel: Urgence! Il faut sauver les océans
Erschienen 2020 bei Editions Glénat, Frankreich
Aus dem englischen von René Stein
© Delius Klasing & Co. KG, Bielefeld
ISBN 978-3-667-12091–5
ca. 121 Seiten

COVER:

NICHT KLAGEN – HANDELN!

„Man kann die Welt nicht verändern, ohne Wellen zu schlagen.“ Das ist schon immer Paul Watsons Credo. Und genau das tut der Gründer von Sea Shepherd auch: Wellen schlagen, aufmerksam machen, aufrütteln. Weil „Wasser das Blut des Planeten ist“ und weil wir es zu vergiften drohen, richtet er sich mit einem neuen Manifest an uns alle. Schonungslos ehrlich berichtet er vom fortschreitenden Klimawandel und den sterbenden Ozeanen. Damit wir uns bewusst werden. Darüber, dass wir nicht der Mittelpunkt der Natur sind, sondern nur ein Teil von ihr. Darüber, dass unser Planet stirbt. Durch unser Zutun. Und dass es unsere Aufgabe ist, ihn zu retten.

KÄMPFERISCH UND ENTSCHLOSSEN RICHTET SICH DIESER WECKRUF AN ALLE: WIR MÜSSEN ENDLICH HANDELN!

REZENSION:

Es gibt eine sicherlich schier unendliche Zahl an Büchern, wissenschaftlichen Erkenntnissen und vielem mehr, was uns Menschen die Augen öffnen soll, damit wir endlich kapieren, dass die rasante Entwicklung in Bezug auf den Klimawandel und der Vernichtung unserer Ressourcen sehr wohl menschengemacht ist. Viele dieser Werke sind sehr schwarz-weiß gezeichnet und man wird entweder mit wissenschaftlichen Abhandlungen gelangweilt oder der Autor versucht uns klar zu machen, dass wir ab sofort unser Leben komplett ändern sollen. Sehr oft ist dies jedoch nicht von heute auf morgen möglich und dementsprechend oft lassen es die Menschen dann einfach sein, da man ja gelernt bekommen hat, dass nur ein kompletter Schwenk etwas nutzt.
Paul Watson, seines Zeichen Gründer von Sea Shepherd, geht einen einfacheren Weg und legt diesen auf geschickte und eingängige Weise im vorliegenden, gerade mal 120 Seiten dünnen Büchlein dar. Er gibt zu, selbst ein Heuchler zu sein, da er ebenfalls mit dem Flugzeug von A nach B reist, seine Schiffe Diesel zum Antrieb benötigen und er somit ebenfalls nicht zu einhundert Prozent auf alles nur erdenklich  mögliche zu Gunsten unseres Planeten verzichtet. Gleichzeitig nutzt er jedoch auch diese Mittel, um etwas gegen Wilderer, Meeresverschmutzung und dem Töten majestätischer Meeresbewohner wie zum Beispiel Wale, Schildkröten und Delphine zu unternehmen.
Der Titel „Wenn der Ozean stirbt, sterben auch wir“ ist etwas reißerisch und klingt stark nach einer plakativen wissenschaftlichen Abhandlung. Erfreulicherweise ist dies absolut keineswegs der Fall. Paul Watson erzählt lieber aus erster Hand und legt seine Gedanken dar. Zahlen, Daten, Fakten kommen nur vereinzelt vor und sind eher nebensächlich eingestreut, da er vielmehr mit Nachdruck seine Gedanken offenbart und jedem Leser etwas offenbart, was jedem halbwegs gebildeten Menschen grundsätzlich bereits bewusst sein sollte.
Er zeigt auf, was man selbst tun kann und lässt den Leser erkennen, dass seine Regeln wahrlich simpel sind und grundsätzlich verwendet werden können – nicht nur in Bezug auf den Klimawandel, sondern auch auf das allgemeines Leben. Sie könnten sich ebenso gut in einem Business-Ratgeber befinden, wodurch sich zeigt, dass der Weg das Ziel ist und der Weg auch nicht wirklich recht steinig zu sein scheint.
Watson bringt interessante Beispiele und macht dafür erstaunlich wenig Werbung für seine eigenen Hilfsorganisation. Vielmehr verweist er zusätzlich auf andere Organisationen am Ende des kleines Büchleins.
Von uns Lesern erwartet er lediglich, dass wir beginnen, uns selbst zu helfen und dabei ist bereits ein kleiner Schritt ein Schritt in die richtige Richtung.
Kurzum: Die einen machen es mit Spenden, andere räumen Strände, Ortschaften, Spielplätze auf, wieder andere verzichten auf Fleisch und/oder Meerestiere… Jeder einzelne Baustein ist ein richtiger Baustein und manchmal erkennt man dabei auch, dass nach Etablierung des einen Steins ein weiterer problemlos hinzugefügt werden kann.
Ich habe mir dieses kleine Buch gekauft, als ich noch vom Inhalt der grandiosen und bedrückenden Dokumentation namens „Seaspiracy“ berührt war. Das kleine Büchlein von Paul Watson macht nun bereits bei uns die Runde und sorgt für den ein oder anderen Aha-Effekt – bis Hin zum Ändern von Nahrungsquellen und manch anderen kleinen Schritten.
Alles in allem  eine kurzweilige Lektüre, dass ein ernstes Thema auf interessante Art und Weise offenbart und – zumindest bei mir – ein weiteres Bausteinchen war, um mich mit diesem Thema nicht nur weiter zu beschäftigen, sondern auch noch den Schritt in Richtung weitere Bausteine zu Gunsten unseres Planeten und dessen Tierwelt zu ergreifen und weiter zu beschreiten.
Hysterika.de/JMSeibold/18.04.2021

Bonner, Stefan / Weiss, Anne: Planet Planlos

Originalausgabe Oktober 2017
©2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-21432-9
ca. 317 Seiten

COVER:

Gestatten, Generation Weltuntergang.

In den Nachrichten herrscht Daueralarm: Das Wetter schlägt Kapriolen, der Meeresspiegel steigt, die Pole schmelzen, und Millionen sind auf der Flucht. Unterdessen wettern Scharfmacher und gut bezahlte Lobbyisten gegen die Klimawissenschaft, Politiker hangeln sich von einer Umweltkonferenz zur nächsten – und eiern planlos um echte Lösungen herum. Und mittendrin wir. Geboren im vergangenen Jahrhundert zwischen Mondlandung und Mauerfall, waren wir die Generation, für die alles besser werden sollte. Wir waren hautnah dabei, als Greenpeace sich ums Waldsterben, die maroden Meere und die Luftverschmutzung kümmerte. Als alle UN-Staaten beschlossen, FCKW den Garaus zu machen, weil das Ozonloch unsere Welt bedrohte. Und als der Technikboom für die Zukunft verhieß: Nichts ist unmöglich.
Unversehens stehen wir vor der drohenden Klimakatastrophe. Und uns ist schleierhaft, wo wir in den letzten Jahrzehnten die falsche Abfahrt genommen haben. Was wissen wir über die globale Erwärmung? Wie schlimm ist es wirklich? Sind wir vielleicht die letzten unserer Art – oder hat eventuell einer einen Plan, die die Menschheit noch zu retten ist?

“In einigen Jahrhunderten werden wir möglicherweise menschliche Kolonien im All haben, aber derzeit haben wir nur diesen einen Planeten, und wir müssen alle zusammen daran arbeiten, ihn zu bewahren.” Stephen Hawking

REZENSION:

Normalerweise schreibe ich Rezensionen über Fantasy, Science Fiction, Thriller und Horror. In diesem Fall mache ich nur oberflächlich betrachtet eine Ausnahme und widme mich einem Sachbuch. Oberflächlich? Ja, denn “Planet Planlos” ist zwar leider beileibe kein Fantasy, aber Science leider ohne Fiction und darüberhinaus ein waschechter gruseliger Horrorthriller. Somit passt dieses Sachbuch perfekt zu den von mir bevorzugten Genres.
Nachdem die beiden Autoren aber keine Geschichte erzählen, sondern die blanke Wahrheit gemäß dem aktuellen Wissensstand, ist der Horror und Thrill erschreckender als ein erfundener Roman je sein könnte.
Immerhin handelt es sich um nichts geringeres als um unseren wunderschönen blauen Planeten.
Dennoch befinden wir uns auf dem besten Wege, diesen mitsamt unserer Spezies in den Müll zu treten. Wobei: Er wird am Ende nahezu ungerührt übrig bleiben – wir sind es, die sich dabei selbst vom Antlitz dieser Kugel tilgen. Die Erde wird sich dann schon wieder nach und nach regenerieren…
Wenn man nur die Augen ein klein wenig offen hält, kann man die Missstände auf ganz simple Art und Weise im normalen Leben betrachten: Früher musste man bei einer Autoreise bei JEDEM Tankstopp die Scheibe putzen, da man fast nichts mehr sehen konnte. Donnerten doch auf unserem Weg über die Autobahn eine Vielzahl an unschuldigen Insekten ungebremst dagegen.
Achtet mal drauf, ob das immer noch der Fall ist. Ihr werdet überrascht sein und dann nicht nach weiteren Studien rufen, die lediglich den Zweck dazu haben, Zeit für irgendwelche Lobbies heraus zu schinden.
Bienen? Tja, als ich ein Kind war, musste man am See und im heimischen Garten extrem auf die kleinen Brummer achten. Die Gefahr war groß, aus Versehen von einer gestochen zu werden.
Gestochen werden war zwar kein nachhaltigen Drama, hat trotzdem weh getan. Heute? Nun, wenn man überhaupt noch irgendwo ein Blumenwieslein finden sollte – Bienen? Nur mit viel Glück.
Ich habe bei der Lektüre dieses Buches auch sehr oft darüber nachdenken müssen, wo verdammt nochmal wir die Ausfahrt verpasst haben. Denn es war – wie von den Autoren beschrieben – wirklich so, dass wir bereits mit einer Vielzahl an Umweltthemen aufgewachsen sind. Diese wurden nach meinem Gefühl irgendwie gemeinsam behoben. Aber nach den 80ern war das alles plötzlich weg. Es kam die Industrie ums Eck, die Generation hatte plötzlich nicht nur mehr Geld zur Verfügung, als die erste Nachkriegsgeneration, es machten sich auch alle möglichen Innovationen auf den Weg, unseren Geldbeutel zu erleichtern. Ich glaube, dabei sind wir definitiv zu weit gegangen.
Nun kann man sich natürlich fragen, was man dagegen tun kann. Sollen wir auf die Regierungen warten? Ich denke nicht, den hier scheint mir der Lobbyismus doch sehr stark vertreten zu sein.
Warum also nicht einfach sich ein wenig schlau machen? Solche Bücher lesen wäre ein Schritt, könnte aber eventuell nicht jedem liegen. Dennoch kann man problemlos nach Alternativen suchen. Sei es der verstärkte Blick auf Bio-Ware, auf Firmen, die es mit der Nachhaltigkeit versuchen, Unternehmen, die unsere Bedürfnisse ohne Einsatz von Chemie oder anderen schadenden Inkredienzen zu befriedigen in der Lage sind. Kurzum: Bewusster durch das Leben gehen.
Dabei muss man auch keineswegs Enthaltsam werden. Vielleicht einfach nur einen Weg zurück in die Zeiten unserer Kindheit, als die Menschen noch ihren Sonntagsbraten machten, die Reste dann die Tage darauf verzehrten. Somit eben nicht unbedingt jeden Tag das billige Massentierhaltungsfleisch für 1,50, sondern bewusst einkaufen und wieder als etwas Besonderes genießen (wer möchte, kann natürlich auch ganz darauf verzichten).
Möglichkeiten gibt es viele und nur wenn sich viele daran beteiligen, kann damit viel bewirkt werden. Politiker bewegt man nur mit großem Zusammenhalt. Wenn wir das hinbekommen, hilft ihnen auch der nette Lobbyist von nebenan nichts mehr.
Denkt einfach darüber nach und versucht den gesunden Menschenverstand wieder zurück in euer Leben zu bringen.
Dieses Buch ist ein wunderbarer Einstieg dazu. Die beiden Autoren schaffen es durch ihre Sprache, dieses dramatische Thema zwar fundiert, dennoch auf recht eingängige, beinahe ab und an witzige Art zu vermitteln. Dabei gehen sie auf eine Vielzahl an bedrückenden Beispielen ein und öffnen einem wirklich geballt die Augen. Sehr plastisch halten sie dem Leser den eigenen CO2-Ausstoß vor Augen und wer dann immer noch nicht an einen Klimawandel glauben möchte, dem kann man wohl nicht mehr wirklich helfen. Der soll dann mit seinem Wegwerfbecher vom Coffe-To-Go-Laden glücklich und zufrieden werden. Alle anderen werden mit Sicherheit sehr viel interessantes und selbst bewegbares in diesem Buche erfahren.
Nachdem das hier ein Rezi ist, die etwas davon geschwebt ist, hier noch der Hinweis, dass dieses Buch sehr empfehlenswert ist und eigentlich zu einer Pflichtlektüre in den Schulen werden sollte. Am Besten sofort, denn es könnte schneller zu spät sein, als man denkt.
Jürgen Seibold/26.11.2017

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