Stephen King: Blutige Nachrichten

Originaltitel: If It Bleeds“
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2020 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27307-8
ca. 559 Seiten

COVER:

In der Vorweihnachtszeit richtet eine Paketbombe an einer Schule nahe Pittsburgh ein Massaker an. Kinder sterben. Holly Gibney verfolgt die furchtbaren Nachrichten im Fernsehen. Der Reporter vor Ort erinnert sie an den gestaltwandlerischen Outsider, den sie glaubt vor nicht allzu langer Zeit zur Strecke gebracht zu haben. Ist jene monströse, sich von Furcht nährende Kreatur wiedererwacht?

Die titelgebende Geschichte „Blutige Nachrichten“ – eine eigenständige Fortsetzung des Bestsellers Der Outsider – ist nur einer von vier Kurzromanen in Stephen Kings neuer Kollektion, die uns an so fürchterliche wie faszinierende Orte entführt.

Mit einem Nachwort des Autors zur Entstehung jeder einzelnen Geschichte.

REZENSION:

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich es bis zur deutschen Veröffentlichung dieses Kurzromanbandes meines Lieblingsschriftstellers schlicht nicht ausgehalten. Dementsprechend konnten treue Leser meines Blogs bereits im Mai ein klein wenig über die herausragende Qualität dieses neuen Buches erfahren.
Wenn ich ein Werk auf Englisch lese bin ich mir nicht immer uneingeschränkt sicher, ob ich auch alles wie vom Autor dargelegt verstanden habe. Somit war es natürlich auch unbedingt notwendig, dass ich mir ein Bild über die deutsche Ausgabe mache und dabei prüfen kann, ob meine fremdsprachige Leseleistung einigermaßen passt und darüber hinaus, wie gut eine Übersetzung in unsere Sprache funktioniert.
Beides scheint gelungen zu sein und abermals war ich von diesen vier Geschichten überwiegend begeistert. Diese Begeisterung führte dazu, dass man mich an einem Wochenende nur noch lesend vorgefunden hatte und ich dieses Buch leider zu schnell zu Ende brachte. Gut, die Kreativität Stephen Kings ist ungebrochen und wer ihn immer noch lediglich als Horrorautor tituliert, hat wohl noch nicht wirklich viele Bücher von ihm gelesen.
In „Blutige Nachrichten“ befinden sich gerade mal 4 Geschichten, womit der Begriff Kurzgeschichtenband nahezu obsolet ist. Immerhin schafft es fast jede Geschichte in den Bereich der 3-stelligen Seitenzahl – die titelgebende Story mit der allseits bekannten Holly Gibney in der Hauptrolle bewegt sich mit ca. 230 Seiten im Rahmen eines Romans.
Begonnen wird mit „Mr. Harrigans Telefon“: Eine liebevolle Geschichte über eine generationenübergreifende Freundschaft, die sich eher nach und nach und ohne große Besonderheiten entwickelte.
Der junge Craig liest dem alleinlebenden Mr. Harrigan gegen Bezahlung Geschichten vor. Er hätte dies auch ohne das Gefühl eines „Jobs“ gemacht, dennoch ist es natürlich für ein Kind eine gelungene und einfache Art, sich ein paar Dollar zu verdienen. Craig führt Mr. Harrigan dabei auch in die Welt der aufkommenden Smartphones ein und hilft ihm beim Entdecken des ersten iPhones. Als Mr. Harrigan verstarb, legte Craig dieses Telefon in die Jackentasche des sich ihm Sarg befindlichen Verstorbenen. Was danach geschah, entspricht auf den Punkt genau der Erwartungshaltung eines Stephen King Lesers der früheren Zeit. Gerade mal knappe 90 Seiten gefüllt mit einer gehörigen Portion Freundschaft und einem sehr dezenten, klassisch gehaltenen Gruseleffekt, der sich in der Verknüpfung vom Dies- und Jenseits offenbart. Früher wäre diese kleine Geschichte sicher mit in die TV-Serie „Tales from the dark side“ mit aufgenommen worden.
Als nächstes folgt „Chucks Leben“, eine Geschichte, die durch eine umgekehrte Erzählweise für Aufmerksamkeit sorgt. King dreht den Plot und beginnt mit dem letzten Akt, um dann in Richtung ersten Akt fort zu fahren. Diese Geschichte bereitete mir in der Originalausgabe ein wenig Kopfschmerzen und ich war sichtlich gespannt, ob das an meinem Verständnis lag. Sie konnte mich nun erheblich besser überzeugen – gleichzeitig halte ich trotz der interessanten Idee weiterhin für die schwächste Geschichte in diesem Band. Sie ist dennoch in ihrer erfrischenden Art herausragend – was bereits jetzt zeigt, wie gut ich die noch beiden folgenden Geschichten halte.
Bei der dritten, titelgebenden Geschichte handelt es sich um eine Art „The Outsider“-Part II. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass diese nur uneingeschränkt funktioniert, wenn man zumindest die Geschichte des Outsiders kennt.
Kings Hauptdarstellerin Holly Gibney trat bereits in den Bill Hodges-Büchern erfolgreich auf – dabei noch gefühlt als Nebenrolle. Mittlerweile hat sie sich in Kings Welt immer mehr in den Vordergrund gedrängt, konnte dabei bereits im Outsider geschickt ihre ersten Duftmarken hinterlassen, um nun in dieser Geschichte als Hauptdarstellerin aufzutreten.
Die Story selbst ist – wie in letzter Zeit sehr oft bei Stephen Kings Output – eine Geschichte über Freundschaft. Darüber hinaus eine gelungene Erweiterung beziehungsweise Fortführung des Buches „Der Outsider“.
Schlußendlich zeigt King in „Ratte“ eines seiner Lieblingsthemen: Ein Autor, der sich in die Einsamkeit zwingt, um endlich ein Buch vollenden bzw. schreiben zu können. Alleine in einer schwer erreichbaren Hütte nimmt er sich eine Auszeit von seiner Familie, um endlich – nach seinen rudimentären Erfolgen als Kurzgeschichtenautor – einen vollwertigen Roman zu verfassen. Neben einem aufkommenden Sturm trifft ihn auch noch eine starke Erkältung mit ausreichend Fieber, um an den weiteren aufkommenden und mysteriösen Geschehnissen zu zweifeln…
King spielt hier mit der Gedankenwelt eines Schriftstellers und führt ihn dabei auch noch zu einer Entscheidung über Leben und Tod mit der Fragestellung, wie weit er für die Vollendung seines Werkes zu gehen bereit wäre.
Erneut ein Meisterwerk und eine gelungene Darbietung des Abwechslungsreichtums eines grandiosen und in meinen Augen unerreichten Schriftstellers.
Hysterika.de/JMSeibold/05.10.2020

Stephen King: If It Blees

©2020 by Stephen King
This Scribner export edition May 2020
ISBN 978-1-9821-5029-7
ca. 436 Seiten

COVER:

Readers adore Stephen King’s novels, and his short stories are their own dark treat, briefer but just as impactful and enduring as his longer fiction. Different Seasons, the knockout King collection featuring “Rita Hayworth and Shawshank Redemption” and “The Body” (made into the movies The Shawshank Redemption and Stand By Me), was published nearly forty years ago. The stories and their characters seem as fresh today as they did when King first introduced them to the world.
In If It Bleeds, King gives readers four brilliant new stories sure to prove as iconic as their predecessors. Once again, King’s remarkable range is on full display. In the title story, reader favorite Holly Gibney (from the Bill Hodges Trilogy and The Outsider) must face her fears and possibly another outsider – this time on her own. In “Mr. Harrigan’s Phone”, an intergenerational friendship has a disturbing afterlife. “The Life of Chuck” explores, beautifully, how each of us contains multitudes. And in “Rat”, a struggling writer must contend with the darker side of ambition.
If these stories show King’s range, they also prove that certain themes endure. One of King’s great concerns is evil, and in If It Bleeds, there’s plenty of it, imagined in the title story as “a big bird, all frowsy and frosty gray.” There is also evil’s opposite, which in King’s fiction often manifests as friendship. In this collection, Holly is reminded that friendship is not only life-affirming but can be lifesaving. Young Craig befriends Mr. Harrigan, and the sweetness of this connection is its own reward.
King also reminds us that life’s quotidian pleasures are even more glorious because they are fleeting: the outrageous good fortune of a beautiful blue day after a string of gray ones; the delight of dancing really well, when every move feels perfect; a serendipitous meeting. It’s in these moments that King’s ability to describe pure joy rivals his ability to terrify us.

REZENSION:

Stephen Kings Kreativität scheint absolut kein Ende zu nehmen. Vor einigen Jahren hatte ich noch die Sorge, dass sich der Autor tiefenentspannt zurücklehnen wird und sich als Rentner seine Zeit beim Pflegen seines Gartens vertreibt. Erfreulicherweise scheint dies nicht der Fall zu sein, bringt er doch ungebremst ein Werk nach dem anderen auf den Markt. Interessanterweise sind diese nicht nur außerordentlich abwechslungsreich, sondern darüber hinaus auch noch herausragend in ihrer Erzählweise.
Nun also eine Art Kurzgeschichtenband namens „If It Bleeds“, was jedoch dem Namen nicht ganz gerecht wird, da sich in diesen knapp über 400 Seiten gerade mal vier Geschichten befinden.
Los geht es mit „Mr. Harrigan’s Phone“: Ein Geschichte über eine generationenübergreifende, innige Freundschaft, welche sich eher nach und nach ohne große Besonderheiten entwickelte.
Der junge Craig liest dem alleinlebenden Mr. Harrigan gegen Bezahlung Geschichten vor. Er hätte dies auch ohne das Gefühl eines „Jobs“ gemacht, dennoch ist es natürlich für ein Kind eine gelungene und einfache Art, sich ein paar Dollar zu verdienen. Craig führt Mr. Harrigan dabei auch in die Welt der aufkommenden Smartphones ein und hilft ihm beim Entdecken des ersten iPhones. Als Mr. Harrigan verstarb, legte Craig dieses Telefon in die Jackentasche des sich ihm Sarg befindlichen Verstorbenen. Was danach geschah, entspricht auf den Punkt genau der Erwartungshaltung eines Stephen King Lesers der früheren Zeit. Gerade mal knappe 90 Seiten gefüllt mit einer gehörigen Portion Freundschaft und einem klassischen Gruseleffekt, der sich in der Verknüpfung vom Dies- und Jenseits darstellt. Früher wäre diese kleine Geschichte sicher mit in die TV-Serie „Tales from the dark side“ mit aufgenommen worden.
Weiter geht es mit „The Life of Chuck“, eine Geschichte, die durch eine umgekehrte Erzählweise für Aufmerksamkeit sorgt. King dreht den Plot und beginnt mit dem letzten Akt, um dann in Richtung ersten Akt fort zu fahren. In meinen Augen die schwächste Geschichte in diesem ansonsten herausragenden Buch – irgendwie konnte ich mit der Vorgehensweise nicht wirklich was anfangen.
Die dritte Geschichte ist eine Art „The Outsider“-Part II und funktioniert auch nur in seiner Gänze, wenn man zumindest die Geschichte um den Outsider kennt. Holly Gibney war in den Bill Hodges-Büchern eine gewisse Zeit nur eine Nebenrolle – sie hat sich nun in Kings Welt immer mehr in den Vordergrund gedrängt, konnte dabei bereits im Outsider brillieren und tritt nun in dieser Geschichte mit knappen 200 Seiten als Hauptdarstellerin auf. Die Story selbst ist erneut eine Geschichte über Freundschaft und darüber hinaus eine gelungene Erweiterung beziehungsweise Fortführung des Buches „Der Outsider“.
Schlussendlich zeigt King in „Rat“ abermals eines seiner Lieblingsthemen: Der Autor, der sich in die Einsamkeit zwingt, um endlich ein Buch vollenden bzw. schreiben zu können. Alleine in einer schwer erreichbaren Hütte nimmt er sich eine Auszeit von seiner Familie, um endlich – nach seinen Erfolgen als Kurzgeschichtenautor – einen vollwertigen Roman zu schreiben. Neben einem aufkommenden Sturm trifft ihn auch noch eine starke Erkältung mit ausreichend Fieber, um an den weiteren Geschehnissen zu zweifeln…
King spielt hier erneut mit der Gedankenwelt eines Schriftstellers und führt ihn dabei auch noch zu einer Entscheidung über Leben und Tod und wie weit der Autor zu Gunsten seines Werkes zu gehen bereit ist.
Alles in allem eine wundervolle Sammlung, die mich lediglich bei der zweiten Geschichte etwas verloren hatte. Drei von vier sind jedoch eine perfekte Quote bei einem Schriftsteller, dessen Stärke ich persönlich eher bei langen Geschichten sehe. Somit eine absolute Empfehlung, um wieder einige Stunden in die immer größer werdende Welt dieses Schriftstellers einzutauchen.
Jürgen Seibold/13.05.2020

Stephen King: Erhebung

Originaltitel: Elevation
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2018 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27202-6
ca. 144 Seiten

COVER:

DIE UNGLAUBLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS

Scott wird immer leichter, ohne dass sein Körper sich verändert. Trotz der mysteriösen Heimsuchung setzt er alles daran, gegen himmelschreiendes Unrecht in der entzweiten Kleinstadt Castle Rock vorzugehen.
Stephen King erzählt meisterhaft beunruhigend und ermutigend zugleich eine zeitgemäße Geschichte darüber, wie man Streit und Vorurteil überwinden kann.

REZENSION:

Es ist schon einige Zeit her, als ich dieses recht dünne Büchlein eines der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart gelesen hatte. Leider verpasste ich aus zeitlichen Gründen das sofortige Entwerfen einer Rezension – eine Geschichte bleibt jedoch gut oder schlecht, ganz egal, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist. Somit nun endlich einige Worte von mir zu diesem Werk aus der Feder des einzigen Schriftstellers, der mich bereits gefühlt mein gesamtes Leseleben begleitet.
ERHEBUNG umfasst gerade mal ungefähr 144 Seiten und dennoch ist es eine Geschichte, wie ich sie schon lange nicht mehr gelesen hatte.
Stephen King hatte schon öfters Statements in seinen Werken abgegeben: „Die Arena“ stellt die Vorgehensweise des damaligen Präsidenten bloß, „In einer kleines Stadt“ trifft die vermeintlich brave Nachbarschaft. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe an Werken, die das Thema „Freundschaft“ nicht nur zeigen, sondern deren Wichtigkeit gar zelebrieren. Man denke dabei nur an „Die Leiche“ und ganz besonders natürlich der Klub der Verlierer in ES.
ERHEBUNG zeigt sich als Sahnehäubchen zum Thema Freundschaft und geht dabei sogar einen ganz wichtigen Schritt weiter. Innerhalb dieses kurzen Büchleins schafft es der Autor grandios, eine Lanze gegen jegliche Art von Intoleranz zu brechen und jedem Leser dabei aufzuzeigen, dass sowohl Rassismus als auch jeglicher negative Gedanke gegen Homosexualität absoluter Schwachsinn ist. Alles was zählt ist Freundschaft und nichts weiter.
ERHEBUNG zelebriert dieses Thema in der typischen amerikanischen Kleinstadt, gesättigt mit Idioten, die trotz des Interesses und des guten Angebotes nicht in ein Geschäft gehen, da die weiblichen Inhaber ein Pärchen sind. Bosheiten, Intoleranz, Vorurteile und noch vieles mehr wischt der Autor verständlich beiseite und lässt dabei auf eine leichtgängige Art und Weise das Wohlfühlbuch des Jahres 2019 entstehen.
Gut, das Ende ist ein wenig abrupt – dennoch war es nach langer Zeit ein Werk, welches ungebremst in meine Seele eingedrungen ist und mich nach dem letzten Buchstaben mit einer Träne im Auge zurückließ.
Auch wenn ich mit meiner Rezension ein wenig spät dran ist, ändert das nichts an der Tatsache, dass ERHEBUNG das absolute Wohlfühlbuch des vergangenen Jahres darstellt und eine Bresche schlägt für das Gute im Menschen.
Mit dieser knapp bemessenen Kurzgeschichte können viele Personen sicherlich mehr anfangen, als mit sachlichen Texten, die darauf hinweisen, dass Homosexualität nichts Schlimmes ist. Hier in diesem Buch lernt man es an einer real wirkenden Geschichte voller Liebe, Gefühl und Freundschaft – genau so lassen sich Sachverhalte sinnvoll vermitteln und ich bin mir sicher, dass dieses Werk dem ein oder anderen die Augen geöffnet hat. Falls jemand emotionell unberührt bleibt beim Lesen dieser kleinen Story, dann hat er unter Umständen tiefergehende Probleme und sollte damit beginnen, sich in dieser Richtung Gedanken zu machen.
Trotz meiner Verspätung: ERHEBUNG war für mich das Buch des Jahres 2019!
Jürgen Seibold/28.03.2020

King, Stephen: ES

Originaltitel: IT
Aus dem Amerikanischen von Alexandra von Reinhardt und Joachim Körber. Bearbeitet und teilweise neu übersetzt von Anja Heppelmann.
Vollständige Taschenbuchausgabe 09/2019
©1986 by Stephen King
©1990, 2011 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-50408-0
ca. 1.534 Seiten

COVER:

1957 hat alles begonnen: Der kleine George ist das erste Opfer. Und dann bricht Es wie die Pest über die Stadt Derry herein, eine Gräueltat folgt der anderen … Über 25 Jahre später: Mike Hanlon ruft sechs Freunde zusammen und erinnert sie an den Schwur, den sie einst geleistet haben. Sollte Es, sollte das namenlose Böse noch einmal auftauchen, wollen sie sich wieder in Derry treffen. Damals sind die Freunde in die Abwasserkanäle gestiegen, als Kinder haben sie Es gejagt und zu töten versucht. Aber Es wurde nur verletzt. Und jetzt geht das Grauen wieder um, daran besteht kein Zweifel. Einer der Freunde kann zu dem Treffen nicht mehr kommen. Er liegt blutverschmiert in seiner Badewanne. Offensichtlich Selbstmord …

REZENSION:

Im zarten Alter von 15 Jahren – mitten in den herausragenden 80er Jahren – begann meine Leidenschaft zu einem der sicherlich größten Autoren unserer Gegenwart: Stephen King.
Bekannt als Bücherwurm wurde ich mehrmals in der Schule auf dieses Buch hingewiesen. Die hohe Frequenz dieser Hinweise ließen mich jedoch eher abschrecken. Als Leser abseits des Mainstreams konnte es sich hierbei doch wohl nur um Mainstream handeln – wie könnte es denn sonst sein, dass plötzlich gefühlt jeder dieses Buch in Händen hält.
Gut, eines Tages führte mich der Weg in die örtliche Bücherei. Trotz des tiefkatholischen Trägers standen zwei Werke von Stephen King im Regal der Phantastischen Literatur: Shining und Es. Nachdem momentan wohl jeder Es zu lesen schien, entschied ich mich für Shining als das erste Werk, welches ich von diesem für mich recht neuen Autoren lesen sollte.
Sorgte Shining bereits dafür, dass ich diesem Schriftsteller gnadenlos ausgeliefert wurde, verfestigte sich dies bei der Lektüre von ES nur noch.
Jahre später – man muss bedenken, dass es eine Zeit der Buchclubs und lange vor den Möglichkeiten eines Internets – stellte ich erst fest, dass ich lediglich eine gekürzte Fassung dieses Blockbusters zu mir genommen hatte. Somit fehlten mir bei den mehrmaligen Lese-Wiederholungen jeweils etwa 400 Seiten zur ungekürzten Variante.
Mittlerweile habe ich auch diese bereits mehrmals gelesen und lauschte auch schon der englischen Variante des Hörbuchs. Wie man merkt, entwickelt sich dieses Werk zu meinem Alltime-Lieblingsbuch und ich gehe sogar weiter: ES steht bei mir über allen je gelesenen Büchern – und ich lese wahrlich nicht wenig…
Nun brachte der Heyne-Verlag zur Veröffentlichung der gut gelungenen, zweiteiligen Verfilmung das Werk in einer neuen Ausgabe heraus. Inhaltlich nicht geändert, ungekürzt und durch ein dem Film entsprechendes Cover gestaltet. Diese Veröffentlichung ließ mir absolut nichts übrig, als mich zum nun sicherlich zehnten Male diesem Werk zu widmen. Und: Ich machte das erneut mit voller Freude auf den Inhalt und dem Wiedersehen des Clubs der Verlierer.
Beim Genuß von ES stellt man sehr schnell fest, dass es sich hier nicht um einen typischen Horror-Roman handelt. Interessanterweise zählt es dennoch fast nur in diese Riege.
ES ist aber vielmehr und wenn man die Gesamtseitenzahl von ca. 1.500 betrachtet, dann sei jedem gesagt, dass ES selbst beinahe nur als Randfigur beziehungsweise als Antrieb der jeweiligen Handlungen auftritt und notwendig ist. ES ist eine Geschichte über die Geschehnisse in einer kleinen bürgerlichen Stadt in Maine. ES ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden. ES ist eine Geschichte über Freundschaft. ES ist eine Geschichte gegen Rassismus, gegen Engstirnigkeit, gegen Gewalt in der Familie, gegen Kleinbürgertum, gegen das Vergessen…
Noch viel mehr lässt sich hierzu aufzählen – und noch niemals ist mir ein Roman mit einer erzählerischen Kraft gereicht worden, die nur ansatzweise an die Macht dieses Werkes herankommt.
Wer ES als lapidaren Horrorroman abtut hat es mit Sicherheit nicht gelesen beziehungsweise verstanden. Gleichzeitig könnte es sein, dass Leser der jüngeren Generation mit der detailreichen Darlegung der 50er und 80er Jahre Schwierigkeiten mit dem persönlichen Eintauchen in die Story bekommen. Ich selbst fühle mich jedes Mal zu Hause, wenn ich diese Geschichte von neuem beginne. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, dass sich zwischen den Umschlägen auch ein Teil meines Lebens befindet.
Bereits beim Schließen des Buches fragte ich mich, wann ich es erneut lesen werde. Momentan stelle ich mir doch tatsächlich vor, mich diesem Werk jedes Jahr widmen zu wollen.
ES ist und bleibt auch weiterhin in meinen Augen das Buch, an dem sich jegliche anderen Bücher messen lassen müssen.
ES ist die Mutter der Bücher – und nicht nur im Genre des Horrors.
Ich freue mich schon auf das nächste Mal…
Jürgen Seibold/03.11.2019

King, Stephen: Das Institut

Originaltitel: The Institute
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2019 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27237-8
ca. 768 Seiten

COVER:

In einer ruhigen Vorortsiedlung von Minneapolis ermorden zwielichtige Eindringlinge lautlos die Eltern von Luke Ellis und verfrachten den betäubten Zwölfjährigen in einen schwarzen SUV. Die ganze Operation dauert keine zwei Minuten. Luke wacht weit entfernt im Institut wieder auf, in einem Zimmer, das wie seines aussieht, nur dass es keine Fenster hat. Und das Institut in Maine beherbergt weitere Kinder, die wie Luke paranormal veranlagt sind: Kalisha, Nick, George, Iris und den zehnjährigen Avery. Sie befinden sich im Vorderbau des Instituts. Luke erfährt, dass andere vor ihnen nach einer Testreihe im „Hinterbau“ verschwanden. Und nie zurückkehrten. Je mehr von Lukes neuen Freunden ausquartiert werden, desto verzweifelter wird sein Gedanke an Flucht, damit er Hilfe holen kann. Aber noch nie zuvor ist jemand aus dem streng abgeschirmten Institut entkommen.

REZENSION:

Der neueste Roman von Stephen King trägt den Titel „Das Institut“ – und diese knappe Bezeichnung klärt bereits das hauptsächliche Setting der Geschichte.
Allein auf Basis der hohen Seitenzahl war ich mir sicher, dass King wieder seiner Rolle treu bleibt und somit seiner ausschweifenden und doch interessanten Erzählweise entsprechend vorgehen wird. Dies lässt sich auch problemlos bejahen, da er sichtlich losgelöst von seiner grundsätzlichen Idee das Buch beginnt und uns durch eine unaufgeregte Weise einen Protagonisten vorstellt, den man dann erst wieder zum Ende des Buches treffen wird. Dennoch ist bereits dieser Part außerordentlich interessant und schon bleibt einem nichts weiter übrig, als ungebremst der Geschichte zu folgen. Kings Stärke zeigt sich stark in diesem ersten Part, da er hier nichts weiter macht, als ein Kleinstadtleben vor dem Leser auszubreiten. Ohne jegliche Dramatik oder Spannung ist man an die Wörter fixiert. King stellt uns unaufgeregt einen Protagonisten vor: Tim Jamieson. Bevor man sich jedoch die Frage nach dessen weitere Rolle in der eigentlichen Geschichte stellt, schwenkt der Autor zu Luke und zieht dabei die Daumenschrauben an.
Luke wird gekidnappt und wacht wieder in einem Institut auf. Spätestens jetzt kann man sich dem Buch nicht mehr entziehen: Jegliche Handlung wirkt glaubwürdig, spannend und rundum gut durchdacht. Man erkennt sehr deutlich, dass King hier auch eine kleine Hommage an die erfolgreiche Serie „Stranger Things“ vornehmen wollte. Darüber hinaus zeigt sich wieder einmal, dass King ein unerreichbares erzählerisches Händchen hat, wenn Kinder die Hauptrolle bei hm spielen. In diesem Fall ist es zwar keine klassische „Coming-of-age“-Geschichte, dennoch sind in „Das Institut“ die Kinder nicht nur Opfer, sondern auch dazu gezwungen, ihrem eigenen Schicksal entgegen zu treten.
Der parapsychologische Touch erinnert etwas an Geschichten aus den 80er Jahren, wodurch der Gedanke an eine Hommage lediglich verstärkt wird. Das Setting spielt zwar in der heutigen Zeit – der Flair lässt sich jedoch nicht verleugnen.
Beinahe nebenbei führt er uns den Wahnsinn eines geheimen Instituts vor Augen und schreckt auch vor Vergleichen zu Konzentrationslagern nicht zurück. Kings Geschichten waren schon immer etwas mehr als reine Geschichten zur Unterhaltung. Auch wenn er oberflächlich betrachtet nur reine Unterhaltungswerke zu erschaffen scheint, schwingt immer sehr viel Zusätzliches mit. King möchte aufzeigen, dass der wahre Horror in der Wirklichkeit liegt und dabei auch das kleinbürgerliche nicht davor zurückschreckt. Im Gegensatz zu manch anderen Werken entlädt sich das Grauen im vorliegenden Buch nicht unter Verwendung eines Monsters oder ähnlichem – nein, in „Das Institut“ ist das Grauen greifbar und gelebt von Personen, die ihre Machtposition ausleben und dabei vor nichts zurück schrecken. Dies macht den Plot noch erschreckender und fühlbarer, denn der größte Feind der Menschheit ist und bleibt der Mensch.
„Das Institut“ ist jedenfalls ein abermals herausragendes Werk eines Autors, der routiniert Geschichten erzählt, dabei aber immer wieder zu überraschen weiß. Eine absolute Empfehlung und sicher auch ein Werk, welches bei manchem Leser die persönliche Bestenliste der King-Bücher neu durchschütteln wird.
Jürgen Seibold/15.09.2019

Simmons, Dan: Elm Haven (Zwei Romane in einem Band – „Sommer der Nacht / Im Auge des Winters“)

Originaltitel: Summer Of Night / A Winter Haunting
Deutsche Übersetzung von Joachim Körber („Sommer der Nacht“) und Friedrich Mader („Im Auge des Winters“)
Überarbeitete Neuausgabe 04/2019
© 1991, 2002 by Dan Simmons
© 2019 dieser Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31981-3
ca. 1.006 Seiten

COVER:

SOMMER 1960: Schwüle Hitze brütet in den Straßen der kleinen Stadt Elm Haven in Illinois. Träge fließen die Tage dahin, und vor den fünf Freunden Mike, Duane, Dale, Harlen und Kevin liegt die beste Zeit ihres Lebens – die Sommerferien. Drei Monate lang keine Schule, keine Hausaufgaben, keine Lehrer, stattdessen Wochen von grenzenloser Freiheit. Denken sie zumindest … Denn schon bald geschehen merkwürdige Dinge: Ein geheimnisvoller Soldat wird immer wieder in den Feldern rund um Elm Haven gesehen, ein mysteriöser Truck tötet beinahe einen der Freunde, und schließlich verschwindet ein Junge spurlos durch ein Loch in der Wand. All diese Ereignisse scheinen mit dem riesigen leerstehenden Gebäude der Old Central School zusammenzuhängen. Als die Freunde versuchen, mehr darüber herauszufinden, stoßen sie auf ein uraltes Geheimnis – und der Albtraum beginnt.

Vierzig Jahre später kehrt der erfolgreiche Schriftsteller Dale Stewart nach Elm Haven zurück. Er hat eine Schreibblockade, seine Ehe liegt in Trümmern und in seiner Heimatstadt hofft er, genug Inspiration zu finden, um seinen neuen Roman zu beenden. Bald muss Dale jedoch feststellen, dass sich seit dem denkwürdigen Sommer 1960 zwar einiges verändert hat, eines jedoch nicht: das Grauen ist noch immer in Elm Haven zu Hause …

Rezension:

Der US-Amerikanische Schriftsteller Dan Simmons macht es seinen Fans nicht leicht. Zumindest den Fans, die sich bei einem Namen durch ein gelesenes Buch auf ein darin verwendetes Genre auf eine bestimmte Richtung festlegen wollen. Simmons ist aber schon immer in mehreren Genres zu Hause und dabei bedient er diese auch noch außerordentlich gut. Ich selbst habe noch gar nicht wirklich viele verschiedene Bücher von ihm gelesen. Wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt, handelt es sich bei Elm Haven und das dritte von mir gelesene Werk. Gleichzeitig auch das dritte von Simmons bediente Genre.
Begonnen hatte ich mit den sagenhaften Hyperion-Gesängen (was allein schon zwei oder drei Bücher sind) – somit weit entfernte Science Fiction und absolut empfehlenswert.
Irgendwann später folgte TERROR, worin Simmons eher einen historischen Roman abliefert. Natürlich mit ein paar mystischen bzw. mysteriösen Elementen versetzt oder angereichert, davon abgesehen aber dermaßen authentisch und rundum tiefgehend recherchiert, dass man sich selbst auf den Schiffen der Franklin-Expedition teilnehmend fühlte. Die Kälte dringt einem in die Knochen und es war eines der wenigen Bücher, bei denen ich im Nachgang selbst noch mehr über die Geschehnisse dieser Expedition in den Weiten des Internets recherchierte. Unglaublich interessant, auf wieviel verschiedene Informationen und Begebenheiten man dabei stößt. Gleichzeitig die Erkenntnis, dass Simmons in genanntem Werk wirklich alle nur erdenklichen Informationen vor des Lesers Augen ausgebreitet hat. Unfassbar gut!
Nun eine weitere Neuauflage des Heyne-Verlages: Elm Haven. Ein Doppelband, in dem sich die beiden zeitlich weit auseinanderliegenden Bücher „Sommer der Nacht“ und „Im Auge des Winters“ befinden. Genrezuordnung: Horror.
Die beiden Geschichten sind dabei ineinander verflochten, gleichzeitig aber 40 Jahre auseinander. „Sommer der Nacht“ handelt von einem Team junger Kids, die sich mysteriösen Begebenheiten entgegenstellen müssen. Klingt vertraut? Ja, sofort denkt man an Stephen Kings Blockbuster ES und beim Lesen des vorliegenden Buches wurde ich auch das Gefühl nicht los, das Simmons hier in die Fußstapfen dieser großen Geschichte treten möchte.
Dies ist ihm auch nahezu gelungen. King lässt einen zwar etwas mehr an der Persönlichkeit der teilnehmenden Protagonisten teilnehmen und schwätzt in seiner unnachahmlichen Art über jegliche Kleinigkeit im verschlafenen Derry – dennoch schafft es auch Dan Simmons auf eine sehr interessante Art die Begebenheiten in Elm Haven lebendig zu vermitteln. Sein kämpferisches Team ist nicht ganz so eng verzahnt wie der Verlierer-Club in ES, trotzdem scheuen sie sich auf ihre Art und Weise nicht davor, sich dem auftretenden Grauen entgegen zu stellen.
Allein für „Sommer der Nacht“ – welches auch 70% der Gesamtseitenzahl in Anspruch nimmt – hat sich dieser Band bereits gelohnt. Im zweiten Buch „Im Auge des Winters“ kommen wir wieder nach Elm Haven, es sind jedoch 40 Jahre seit den Geschehnissen im Jahre 1960 vergangen. Dale Stewart kommt zurück und möchte in der ehemaligen Farm seines damaligen Freundes seinen angefangenen Roman beenden. Wie soll es anders sein: Es kommt anders als erwartet.
Dan Simmons zweites Buch in diesem Sammelband ist gänzlich anders erzählt und es fällt einem schwer, auch dafür ebenfalls Lobeshymnen aussprechen zu können. Viel zu oft fühlt man sich beim Lesen sichtlich verwirrt. Nach und nach stellt man aber heraus, warum man sich verwirrt fühlt – geht es doch dem Protagonisten ebenso…
Ich möchte hier nichts verraten, deshalb nur soviel: „Im Auge des Winters“ besitzt nicht die Qualität des ersten Buches über Elm Haven, dennoch hält es einen nachdenklich zurück und wenn einige Stunden vergangen sind, bekommt man immer mehr das Gefühl, dass es ein anspruchsvolles aber aus diesem Grund in seiner Erzählung und Vorgehensweise sehr hochwertiges Werk ist. Rein vom Unterhaltungsanspruch siegt „Sommer der Nacht“, „Im Auge des Winters“ fährt aber einen interessanten Parcours, der den Leser mit immer neuen Erkenntnissen überrascht. Somit kann ich problemlos für den gesamten Band eine Empfehlung aussprechen.
Jürgen Seibold/31.03.2019

King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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King, Stephen / Chizmar, Richard: Gwendys Wunschkasten

Originaltitel: Gwendy’s Button Box
Aus dem Englischen von Ulrich Blumenbach
©2017 by Stephen King und Richard Chizmar
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-43925-2
ca. 127 Seiten

COVER:

Wiedersehen mit Castle Rock

Die kleine Stadt Castle Rock in Maine hat die seltsamsten Dinge erlebt. Warum sollte es der jungen Gwendy anders ergehen? Eines Tages schenkt ein schwarz gekleideter Unbekannter ihr einen Holzkasten mit lauter Schaltern und Hebeln. Wozu er dient? Gwendy probiert es aus, und ihr Leben verändert sich von Grund auf.

REZENSION:

Mit Gwendys Wunschkasten kommt eine in meinen Augen sehr kurze Geschichte von lediglich knappen 130 Seiten auf den Markt. Die Bindung als Hardcover wirkt handlich und macht sich gut im Stephen-King-Regal.
Bei dieser Seitenzahl kann natürlich der normalerweise ausschweifend erzählende Autor nicht ausholen, wie man es von ihm kennt und zu schätzen weiß.
Bereits nach einigen Seiten musste ich schmunzeln, da Gwendy von einem Fremden namens Richard Farris einen Kasten mit Tasten bekommt. Nun, wer King kennt, weiß, das er gerne mit seinen Figuren bücherübergreifend spielt und sogar in Initialen Bedeutungen verborgen sind. Nun, Richard Farris = R.F. = Randall Flagg. Somit scheint sich hinter diesem Kasten sicherlich mehr zu verbergen, als es oberflächlich den Anschein zu haben scheint.
Die Story selbst ist eine wunderschöne Parabel über das Erwachsenwerden (wohl eine Leidenschaft Kings), als auch über die auftretenden Probleme beim Übernehmen von großer Verantwortung.
Sicher, durch die begrenzte Seitenzahl kann hier nicht allzu sehr ausgeholt werden, dennoch war es wieder einmal ganz schön, nach Castle Rock zurück zu kommen.
Gwendys Wunschkasten ist jedenfalls ein gelungenes Häppchen, bevor man sich dem nächsten 1000-Seiten-Blocker Kings widmet. Das Ende ist diskussionswürdig, aber auch wieder typisch für einen King.
Gwendys Wunschkasten besitzt einen dezenten Grusel, regt zum Nachdenken an und sorgt für ein behagliches Wiedersehen mit der fiktiven Stadt. Ein, zwei Verweise auf andere Werke konnte der Autor trotz der kurzen Möglichkeit auch noch hinterlassen.
Ein nettes, kleines Büchlein mit einer Geschichte, die mich ausreichend überzeugen konnte. Es gibt schlechtere King-Kurzgeschichten, aber es gibt auch bessere. Nichts desto trotz konnte Gwendys Wunschkasten überzeugen und ich freue mich bereits auf den Genuss seines neuesten Romans.
Jürgen Seibold/17.12.2017

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Danny King: Das Haus der Monster

Originaltitel: The Monster Man of Horror House
Übersetzung: Heike Schrapper
©2017 LUZIFER-Verlag
ISBN 978-3-95835-184-4
ca. 328 Seiten

COVER:

Es gibt ihn in jeder Kleinstadt: Den verrückten alten Sonderling, der allein in einem unheimlichen Haus lebt, das fast so heruntergekommen ist wie er selbst.
In dem englischen Städtchen Thetford ist sein Name John Coal. Aber als die Jungen aus der Nachbarschaft anfangen, dem eigenbrötlerischen Alten immer dreistere Streiche zu spielen, müssen sie feststellen, dass sie sich mit dem Falschen angelegt haben. Denn John Coal hat mehr als eine Leiche im Keller. Zu den dunklen Geheimnissen, die er bewahrt, zählen seine Abenteuer mit Serienmördern, Werwölfen, Dämonen, Geistern und manisch-depressiven Vampiren. Und es wäre ein Fehler, einen Mann zu unterschätzen, der all dies überlebt hat …

REZENSION:

Danny King ist nach meinem Kenntnisstand mittlerweile ein recht bekannter Autor aus UK. Dennoch hat sich noch kein deutscher Verlag seinem Werk angenommen und in unseren Gefilden angeboten.
Erfreulicherweise nahm sich der Luzifer-Verlag dem an, und bringt mit “Das Haus der Monster” ein Buch Danny Kings auf den deutschen Markt. Wie sich dabei herausstellen sollte: Es wird sicherlich weder Danny Kings noch des Verlags Schaden sein – im Gegenteil: Nehmt euch doch bitte auch noch die anderen Bücher Kings zur Brust und bringt diese über den kleinen Teich.
Doch worum geht es eigentlich?
Nun, Danny King entführt uns in ein kleines Nest, in dem ein verschrobener Alter lebt. Wie so oft, wird dieser nicht nur schräg angesehen, sondern auch zum Opfer der örtlichen Möchtegern-Halbstarken.
Eines Tages dreht John Coal jedoch den Spieß herum und stellt den Jugendlichen eine Falle. Natürlich tappen diese nahezu ungebremst hinein und finden sich plötzlich im Keller Johns auf einer Couch wieder.
Eher vor Angst zitternd lauschen sie den Worten John Coals – der die Jugendlichen anhand einiger Erzählungen seines Lebens bekehren möchte.
Danny King macht es sich beinahe ein wenig einfach, denn er nimmt sich vier Kurzgeschichten, baut eine Rahmenhandlung darüber und schwupps, schon hat er einen handfesten Roman entwickelt. Siehe da: Dabei funktioniert das Ganze auch noch.
Die Geschichte mit den Kids, die den Worten John Coals lauschen müssen bleibt dabei eher nebensächlich und leider auch dementsprechend oberflächlich. Hier hätte ich wirklich noch viel mehr Liebe zum Detail erwartet. Insbesondere der Umstand, dass John Coal längere Zeit drangsaliert wird und nun zum letzten Mittel greift, wird in einigen wenigen Seiten abgehandelt.
Zwischen seinen Geschichten ist die jeweilige “Kellersequenz” lediglich Mittel zum Zweck und dient nur als schmale Brücke zur nächsten Erzählung.
Die Erzählungen selbst machen ausreichend Spaß und treffen verschiedene Genre. Über deren Inhalt möchte ich nicht wirklich etwas erzählen – aber mit einem Serienmörder, einem Monster, einem Werwolf und einem Vampir ist doch zumindest ein sehr breites Spektrum abgedeckt.
DAS HAUS DER MONSTER ist somit ein sehr abwechslungsreich gestalteter Roman – oder besser: Kurzgeschichtenband, als Roman verkleidet – der einfach Spaß beim Lesen bereitet. Ein Blockbuster wäre es geworden, wenn Danny King sich noch sehr viel detaillierter dem aktuellen Leben John Coals gewidmet hätte. Ein klein wenig blitzt es wie ein zarter Lichtstrahl durch (insbesondere am Ende), aber das Leben Coals hätte da sicherlich mehr Detail verdient.
Aber wollen wir nicht auf einem hohen Niveau meckern, denn DAS HAUS DER MONSTER sorgt für eine perfekte Unterhaltung und lässt auf weitere Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt hoffen.
Jürgen Seibold/22.10.2017

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Stephen King, Robin Furth, Peter David, Alex Malev, Richard Isanove: Der Dunkle Turm – 10 – Der Mann in Schwarz

© Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2014
© 2013 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe 2014 by Panini Verlags GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-86869-530-4

COVER:

»Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste… und der Revolvermann folgte ihm.«

Dreißig Jahre lang hat Stephen King an der Roman-Saga um den Dunklen Turm gearbeitet, die nach eigener Aussage sein Opus magnum darstellt. Nach der Vollendung verkündete er, nun alles geschrieben zu haben, was es für ihn zu erzählen gibt.

Aber die Figuren aus der von ihm geschaffenen phantastisch-apokalyptischen Mittwelt geben keine Ruhe. Die Geschichte um den Revolvermann Roland Deschain wird weitererzählt. In einer groß angelegten Graphic Novel wird der Weg des zunächst jungen Mannes nachgezeichnet, welche Freuden er erlebt hat, welche Abenteuer bestanden, welche Verluste erlitten, bis er zu dem unerbittlichen Rächer wurde, der alles auf der Suche nach dem Dunklen Turm unterordnet.

Stephen King hat sich mit den Meistern der Comic-Zunft zusammengetan, um ein grafisches Werk zu schaffen, das einzigartig ist. Der Mann in Schwarz, der zehnte Band der epischen Graphic Novel, ist Teil der Adaption des Romans Schwarz, in dem Rolands große Suche nach dem Dunklen Turm ihren Anfang hat – oder ihr Ende?

»Lange Tage und angenehme Nächte…«

REZENSION:

Der Dunkle Turm lässt mich einfach nicht los. Über Jahre hinweg begleitet mich Roland immer mal wieder – sei es beim erneuten hereinschnuppern in die Originalromane, oder eben in die nach und nach von mir fortgeführte Graphic-Novel-Reihe, deren zehnten Band ich nun genossen habe.
Wie bereits mehrfach gesagt, finde ich die Zeichnungen im Vergleich zu den ersten Bänden nicht mehr so überragend – nichts desto trotz sind sie immer noch auf einem sehr hohen Niveau und werden der Geschichte gerecht.
Endlich befinden wir uns thematisch auch an den Anfängen der Romanreihe Stephen Kings und somit begleitet man nun Roland auf seinen ersten Schritten in Richtung des sagenhaften Turmes.
Immer noch angetan von der Qualität dieser Sammelbände des Splitter-Verlags, hoffe ich sehr, dass ein ausreichender Markt vorhanden ist, um auch in fernen Zeiten gemeinsam mit Roland Deschain den Turm erblicken zu können.
In meinen Augen immer noch eine sehr hochwertige und gelungene Umsetzung eines absoluten Epos eines Meisters des geschriebenen Wortes.
Absolut empfehlenswert für jeden Freund des Dunklen Turms.
Jürgen Seibold/25.02.2017
Stephen King – Der Dunkle Turm: Band 10. Der Mann in Schwarz – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Mind Control

king_mindOriginaltitel: End Of Watch
© 2016 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27086-2

COVER:

In Zimmer 217 ist etwas aufgewacht. Etwas Böses. Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabbern und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen. Ex-Detective Bill Hodges, den wir aus Mr. Mercedes und Finderlohn kennen, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt schließlich mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät.

REZENSION:

Ich denke, dieses Buch benötigt sicherlich keine Werbung, denn der Autorenname ist bereits Werbung genug.
Nachdem Stephen King seit nunmehr etwas über 30 Jahren mein absoluter Lieblingsautor ist, bin ich natürlich einerseits euphorisch und andererseits skeptisch, ob er mich erneut problemlos unterhalten kann.
Mit Mind Control liegt nun der letzte Band einer Krimitrilogie des immer noch „Meister des Horrors“ genannten Autors vor. Die Vorgänger mit den Titel Mr. Mercedes und Finderlohn sorgten dafür, dass einer wie ich, der nicht allzu viel von Krimis hält, den Weg in dieses Genre gefunden hat und dabei durch und durch überzeugt worden ist.
Mind Control ist nun der Abschluss, dessen Ende sogleich für Wehmut sorgt und sehr emotional die Trilogie beendet.
Stephen Kings Geschichte ist in diesem Fall ein kleines Anlehnen an den typischen King, denn es kommen – im Gegensatz zu den beiden ersten Bänden – parapsychologische Elemente hinzu. Dies schadet der Story nicht, könnte aber unter Umständen nicht jedermanns Sache sein. Ich glaube aber, dass King-Anhänger damit kein Problem haben.
Wir erleben sämtlich Höhen und Tiefen der Protagonisten und somit ist Mind Control ein gelungener Abschluss einer nicht zu verachtenden Trilogie. Ich persönlich halte Mind Control nicht mehr ganz so stark wie die beiden Bücher davor – nichts desto trotz ist es passend, überzeugend und konnte für einige spannende und unterhaltsame Stunden sorgen.
Alles in allem ein würdiger Abschluss einer, im Ganzen betrachtet, starken Krimitrilogie eines Autoren, der erneut seine Wandlungsfähigkeit bewiesen hat und von dem noch hoffentlich viele weitere Romane erscheinen werden.
Jürgen Seibold/27.09.2016
Mind Control: Roman (Bill-Hodges-Serie, Band 3) – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: Basar der bösen Träume

King_basarOrignaltitel: Bazaar of Bad Dreams
©2015 by Stephen King
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-16403-4
ca. 768 Seiten

COVER:

Abermals legt Stephen King, u. a. Träger des renommierten »O.-Henry-Preises«, eine umfassende und vielseitige Kurzgeschichtensammlung vor. Von den insgesamt 20 Storys wurden bislang erst drei auf Deutsch veröffentlicht. Die Originale erschienen teilweise in Zeitschriften; andere sind bislang gänzlich unveröffentlicht.

Nicht immer blanker Horror, aber immer psychologisch packend und manchmal schlicht schmerzhaft wie ein Schlag in die Magengrube – Geschichten, die uns einladen, Stephen Kings Meisterschaft im Erzählen aufs Neue beizuwohnen, oder, wie er selbst in seinem Basar der bösen Träume ausruft: »Hereinspaziert, ich habe die Geschichten eigens für Sie geschrieben. Aber seien Sie vorsichtig. Bestenfalls sind sie bissig und schnappen zu.«

REZENSION:

Im vorliegenden Band vereinen sich zwanzig Kurzgeschichten meines absoluten Lieblingsautors. In der Vergangenheit sah ich King jedoch nicht wirklich als Kurzgeschichtenerzähler, da mir seine ausschweifenden Romane nahezu durch die Bank erheblich mehr zusagten. Nun erneut ein Kurzgeschichtenband, in dem sich teils bereits veröffentlichte, teils neue Kurzgeschichten des Autors wiederfinden lassen. Die Geschichten selbst sind sehr unterschiedlich und somit kann ein Leser, dessen Meinung in Richtung Stephen King immer noch ausschließlich etwas von Horror sagt, hier nicht durchgehend zufrieden sein. Viel zu verschiedene Stimmungen und Genres baut King auf.
Nichts desto trotz schaffte er es erneut nicht umfassend, mich mit diesem Band zu überzeugen. Sicher: Einige Geschichten überzeugten mit jedem Wort – andere jedoch konnten mich in keinster Weise berühren.
Der Schreibstil Kings ist beileibe bei allen außerordentlich, aber trotzdem konnte der Funke nicht immer überspringen. Somit ein ganz netter Band für mich als 100%igen-King-Käufer-und-Leser, aber nun warte ich lieber auf den nächsten Roman.
Positiv sei zu erwähnen, dass Heyne in diesem Fall den Originaltitel einfach mal in das deutsche übersetzt hat und wohl weg ist vom unsäglichen “wir brauchen einen Titel mit nur einem Wort”. Endlich!
Negativ sei zu erwähnen, dass der namhafte Verlag aber ein wenig in der Übersetzung geschludert hat. Im Falle eines 2,99 € Buches eines aufstrebenden Selfpublishers schließe ich wohlwollend meine Augen und kann das akzeptieren – bei diesen doch recht hochpreisigen Büchern erwarte ich aber auch die notwendige Qualität. Hier muss definitiv darauf geachtet werden, insbesondere, da Verlage in der heutigen Zeit durch die aufkommende Konkurrenz immer das Argument bringen, dass bei ihnen eben eine andere Qualität dahinter steckt. Nun, dann möchte ich neben einigen Fehlern in Sätzen auch nicht so etwas offensichtliches lesen, wie “Rache” statt dem Namen “Rachel”. Das darf einfach nicht passieren.
Jürgen Seibold/04.02.2016
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Stephen King: Finderlohn

King_FinderlohnOriginaltitel: Finders Keepers
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
© 2015 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-16402-7

COVER:

John Rothstein hat in den Sechzigern drei berühmte Romane veröffentlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen »Verrat«. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern, die auch unveröffentlichte Romane enthalten. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der Junge Peter Saubers auf den »Schatz«. Nach seiner Haftentlassung kommt Bellamy dem ahnungslosen Peter auf die Spur und macht Jagd auf ihn. Kann Bill Hodges, den wir als Detective a. D. aus Mr. Mercedes kennen, den Wahnsinnigen stoppen?

REZENSION:

Stehen King zählt noch immer als King des Horror. Wer sich aber mit seinem bisherigen Werk befasst, wird schnell feststellen, dass diese Eingruppierung schon lange obsolet ist, denn er hat wahrlich bereits jegliches Genre beackert. Er schrieb Horror, Fantasy, Science Fiction und noch vieles mehr. Nun liegt mit Finderlohn sein zweiter Roman einer Krimitrilogie vor und somit kann man Stephen King nur noch als eigenes Genre betrachten und jeder Handel müsste für ihn ein seprates Genre bzw. Regal aufbauen.
Nach Mr. Mercedes ist Finderlohn der zweite Roman um den pensionierten Ermittler Bill Hodges. Im Gegensatz zum ersten Band kommt nun jedoch Bill Hodges sehr spät in der Geschichte vor. Hierdurch wirkt es nicht so Krimihaft wie Mr. Mercedes, was jedoch diesem Band sichtlich gut tut.
Wie bereits des öfteren in der schriftstellerischen Vergangenheit des Autors treffen wir hier auf einen fanatischen Fan. Dieser bricht bei einem Autor ein und ermordet diesen. Dies alles nur, um diesem seine Vielzahl an Notizbüchern zu entwenden, in denen sich auch ein weiterer Entwurf eines Romans befindet, der die vom Mörder bis ins kleinste Detail geliebte Geschichte weiter erzählt.
Der Mörder kommt aus anderen Gründen in das Gefängnis und wartet sehnsüchtig auf seine Entlassung, um sich den von ihm vergrabenen Notizen endlich widmen zu können.
Als weiteren Protagonisten baut King, ebenfalls wie in früheren Werken, einen Jungen ein, der den vergrabenen Koffer findet und mit dem darin befindlichen Geld seinen Eltern auf interessante Weise beim täglichen Überlebenskampf hilft.
Die Notizbüchern sind dabei erst einmal nebensächlich, rücken jedoch im Laufe der Geschichte immer stärker in den Fokus der Geschichte und es beginnt ein Katz- und Mausspiel, dessen spannende Elemente rasant in den Vordergrund drängen.
Bill Hodges selbst kommt – wie gesagt – sehr spät mit in das Spiel und wird lediglich unterstützend tätig. Die Hauptrolle trägt der junge Peter Saubers und somit ist der Abstand zwischen Krimi und Thriller nur marginal zu erkennen.
Dieser Umstand hilft dem Buch ungemein, da er übliche Krimiwege zu verlassen versucht, ohne dabei gänzlich darauf zu verzichten.
Stephen King beweist mit Finderlohn, dass er auch diesem Genre gewachsen ist und wohl einfach über das schreiben kann, was ihm gerade im Kopf herumschwirrt.
Mr. Mercedes war etwas spannender, befriedigte dabei aber beinahe allen Krimiklischees – Finderlohn geht einen Schritt zurück, bedient sich nur noch einigen Krimivorgaben und wirkt dadurch beinahe stärker, obwohl die Spannungselemente im ersten Buch etwas härter angezogen waren.
Finderlohn wirkt dabei auch als alleinstehendes Buch – durch die vielen Verknüpfungen zu Mr. Mercedes ist es aber sinnvoll, die Lesereihenfolge einzuhalten.
Finderlohn ist ein grandios geschriebenes Buch. Es fesselt nicht nur, sondern lässt auch ausreichend Tiefgang zu, um den Leser zugleich zu berühren und zu fesseln.
Fest eingewoben lässt sich King über die Macht von Literatur aus, wodurch man als Leser nur noch mehr in die gesamte Erzählung einzutauchen gewillt ist.
Krimis sind immer noch nicht gerade meine Leidenschaft – hier verschwimmen jedoch die Genregrenzen und es zeigt sich einfach ein absolut hochwertiger, interessant und ausreichend spannend erzählter Plot über Wahnsinn, Abhängigkeit und jugendlichem Leichtsinn. Freue mich schon darauf, zu erfahren, wohin King im dritten Band der Reihe driftet.
Jürgen Seibold/27.10.2015
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Stephen King, Robin Furth, Peter David, Laurence Campbell, Richard Isanove: Der Dunkle Turm – 9 – Die Zwischenstation

king_zwischenstation© Splitter Verlag GmbH & Co. KG, Bielefeld 2013
© 2012 by Stephen King
© der deutschsprachigen Ausgabe 2013 by Panini Verlags GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-86869-529-8

COVER:

»Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste… und der Revolvermann folgte ihm.«

Dreißig Jahre lang hat Stephen King an der siebenbändigen Roman-Saga um den Dunklen Turm gearbeitet, die nach eigener Aussage sein Opus magnum darstellt. Nach der Vollendung verkündete er, nun alles geschrieben zu haben, was es für ihn zu erzählen gibt.

Aber die Figuren aus der von ihm geschaffenen phantastisch-apokalyptischen Mittwelt geben keine Ruhe. Die Geschichte um den Revolvermann Roland Deschain wird weitererzählt. In einer groß angelegten Graphic Novel wird der Weg des zunächst jungen Mannes nachgezeichnet, welche Freuden er erlebt hat, welche Abenteuer bestanden, welche Verluste erlitten, bis er zu dem unerbittlichen Rächer wurde, der alles auf der Suche nach dem Dunklen Turm unterordnet.

Stephen King hat sich mit den Meistern der Comic-Zunft zusammengetan, um ein grafisches Werk zu schaffen, das einzigartig ist. Die Zwischenstation, der neunte Band der epischen Graphic Novel, ist Teil der Adaption des Romans Schwarz, in dem Rolands große Suche nach dem Dunklen Turm ihren Anfang hat – oder ihr Ende?

»Lange Tage und angenehme Nächte…«

REZENSION:

Nun endlich wandeln wir weiter durch den ursprünglichen Beginn der Romanreihe von Stephen King um den sagenumwobenen Dunklen Turm.
Im vorliegenden Band befinden wir uns etwa in der Mitte von Schwarz und wir lernen endlich das erste zukünftige Mitglied des Ka-tets kennen: Jake.
Die Geschichte nimmt ihren lauf und abermals sind die Zeichnungen sehr stilvoll und wohlüberlegt platziert. Leider wechselte erneut ein Zeichner, wodurch sich die bildliche Darstellung ein wenig änderte. Mir persönlich gefielen die Zeichnungen der ersten Bände  ein wenig besser, nichts desto trotz sind auch hier sämtliche Bilder in der Lage, alleine in sich zu wirken. Sicher stellte man sich beim Lesen der Romanreihe manche Person ein wenig anders vor – aber diese Gedankengänge scheinen nah genug an den Gedanken der Zeichner zu sein, wodurch man – wie leider oft in Filmen – keineswegs den Hang verspürt, der Geschichte nicht mehr folgen zu wollen.
Die Ausgaben des Splitter-Verlags sammeln immer mehrere Ausgaben der Graphic-Novel-Reihe« in einem Band. Darüber hinaus sind diese Ausgaben sehr hochwertig produziert und lassen absolut nichts zu wünschen übrig. Eine wahrhaft sehr schöne zusätzliche Möglichkeit, um weiterhin in die Tiefen Mittwelts eintauchen zu können.
Jürgen Seibold/20.10.2015
Stephen King – Der Dunkle Turm: Band 9. Die Zwischenstation KAUFEN BEI AMAZON

Stephen King: IT

KING_ITAudible-Hörbuch
© 1987 Stephen King (P) 2010 Penguin
Penguin Audio, Sprache Englisch, Ungekürzt
44 Stunden, 47 Minuten
Erzähler: Steven Weber

COVER:

They were just kids when they stumbled upon the horror of their hometown. Now, as adults, none of them can withstand the force that has drawn them all back to Derry, Maine, to face the nightmare without end, and the evil without a name.

REZENSION:

ES von Stephen King ist meiner Meinung nach eines der Bücher, welches erhaben über vielen anderen steht. Die Geschichte besitzt dermaßen viele Geschichten in sich, die über das Leben der Beteiligten erzählen, wie es so gut wie nirgendwo erneut geschehen ist.
ES war auch der Grund für mich, Stephen King als “Schwätzer” zu betiteln, denn er erzählt und erzählt und erzählt – trotzdem verliert man niemals das Gefühl, dass diese Erzählungen und Hintergründe zu viel des Guten wären.
Ich selbst weiß gar nicht mehr, wie oft ich ES schon gelesen habe – nun widmete ich mich dem englischsprachigen Hörbuch, um meine Fremdsprachenkenntnisse aufrecht zu erhalten.
Der Erzähler – Steven Weber – konnte mich dabei unverzüglich überzeugen, denn er lässt die Geschichte vor einem mit allen Facetten aufstehen und man bekommt mehr und mehr das Gefühl, einem Film zu lauschen. Steven Weber schwenkt geschickt mit seiner Stimme, um den jeweiligen Figuren eine eigene Stimme zu verleihen und darüber hinaus hat er auch keine Probleme, das Stottern Bills glaubwürdig rüberzubringen.
Wie gesagt, die Geschichte ist weiterhin unerreicht – der Sprecher in diesem Fall kann dem nur noch eines draufsetzen: Er ist verständlich und lebendig genug, um den Hörer durch die ellenlange Story zu geleiten.
Perfekter Genuss!
Und abermals habe ich das Gefühl, das Buch doch noch mal in die Hand zu nehmen, um erneut nach Derry zu reisen.
Jürgen Seibold/03.08.2015
It – KAUFEN BEI AMAZON