Ken Follett: Kingsbridge – Der Morgen einer neuen Zeit

Originaltitel: The Evening and the Morning
Übersetzung aus dem Englischen von Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher
©2020 by Ken Follett

Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-7857-2700-3
ca. 1.018 Seiten

COVER:

Als das Ende des ersten Jahrtausends näher rückt, vernichtet ein brutaler Wikingerüberfall die südenglische Hafenstadt Combe – und die Träume vieler Menschen.
Der junge Bootsbauer Edgar wollte eigentlich mit seiner Geliebten durchbrennen und ein neues Leben beginnen. Nun steht er vor einer ungewissen Zukunft.
Die rebellische Normannenprinzessin Ragna verliebt sich Hals über Kopf in einen verwegenen sächsischen Adligen und folgt ihm ins kalte, nasse England.
Der ehrgeizige Bischof Wynstan will seinen Reichtum und seine Macht vergrößern. Egal, zu welchem Preis.
Der idealistische Mönch Aldred ist überzeugt, dass keine weltliche Macht seine heiligen Bestrebungen aufhalten kann.
Edgar, Ragna, Wynstan, Aldred – ihre Schicksale sind untrennbar miteinander und mit ihrer Zeit verbunden. Ihr Land, das England der Angelsachsen, ist eine Gesellschaft voller Gewalt. Eine Gesellschaft, in der selbst der König es schwer hat, Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen.
Gemeinsam mit Edgar, Ragna, Wynstand und Aldred erleben wir den Übergang von dunklen Zeiten ins englische Mittelalter – und den Aufstieg eines unbedeutenden Weilers zum Ort Kingsbridge, den wir seit SÄULEN DER ERDE kennen und lieben.

REZENSION:

„Säulen der Erde“ war ein Herzensprojekt Ken Folletts, der sich bis zu diesem grandiosen Werk eher einen Namen als Thrillerautor gemacht hatte. Dementsprechend schwer hatte er es in seiner Überzeugungsarbeit gegenüber seiner Agentur beziehungsweise seinem Verlag. Der Erfolg sprach für sich und nach und nach entwickelte sich „Säulen der Erde“ zu einem großangelegten mittelalterlichen Epos, welches nicht nur Leser von historischen Romanen zu überzeugen wusste.
Das vorliegende „Kingsbridge“ begibt sich in das endende erste Jahrtausend unserer Zeitrechnung und endet in etwa 130 Jahren vor Beginn der „Säulen der Erde“. Erfreulicherweise widmet sich Follett abermals eher den „normalen“ Bürgern und zeigt detailverliebt deren Leben, getrieben vom Machthunger einiger weniger Mächtigen.
Um auch hier vielen Lesern gerecht zu werden, lässt sich Follett natürlich auf die üblichen Mechanismen ein, die er bereits bei den Säulen erfolgreich und eingängig bedienen konnte. Somit lesen wir vom schwierigen Leben der Personen dieser Zeit, vom Aufbruch eines kleinen Weilers, den Intrigen der machthungrigen Wölfe – egal ob weltlich oder kirchlich – und lässt dabei das Genre „Liebesroman“ auch keineswegs außer Acht.
„Kingsbridge“ kommt in seiner Darbietung nicht ganz an den Welterfolg „Die Säulen der Erde“ heran, ist dabei aber dennoch ein wunderbar unterhaltsames Prequel, welches den Leser bei der Hand nimmt und durch eine detailverliebt dargestellte, relativ kurze Zeit von 997 bis 1007 eintauchen. Bereits durch diese kurze Zeitspanne lässt sich die gezielte Vorgehensweise des Autors erkennen und dementsprechend gefüllt ist sein über eintausend seitiges Werk.
„Kingsbridge“ funktioniert alleinstehend – was bei einem Prequel auch sein sollte – als Kenner der Säulen findet man jedoch erfreulicherweise einige Fäden, die bereits ihre zarten Bande in die noch kommende Zeit richten und den Weg zu ihrer Verknüpfung zu suchen scheinen.
Wer „Die Säulen der Erde“ noch nicht kennen sollte, kann getrost mit „Kingsbridge“ beginnen und wird mit einem sehr guten Buch belohnt, dessen Nachfolger noch einige Stufen darüber steht. Kenner der Säulen finden sich recht schnell wohl und genießen sicherlich den Weg des kleinen Weilers mit Namen Drengs Ferry zur wohlhabenden Kleinstadt King’s Bridge.
Hysterika.de/20.09.2020