Luisa Neubauer & Bernd Ulrich: Noch haben wir die Wahl

©2021 by J.G. Pottasche Buchhandlung Nachf. GmbH, gegr. 1659, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50520-7
ca. 237 Seiten

COVER:

DEINE NORMALITÄT IST MEINE KRISE – WIR MÜSSEN REDEN!

2021 ist ein Jahr der Zäsur. Mit der Bundestagswahl endet nach 16 Jahren die Ära Merkel, und in einer historischen Entscheidung stärkt das Bundesverfassungsgericht die Freiheitsrechte der jüngeren Generation. Die Ökologie steht nun endlich im Zentrum aller Zukunftsfragen: Wirtschaft, Verkehr, Ernährung, aber auch Wissenschaft, Journalismus und Politik – elementare Bereiche der Gesellschaft müssen neu gedacht werden. Große Umbrüche stehen bevor. Und es hängt viel davon ab, ob wir gemeinsame Lösungen finden. Wieviel Ehrlichkeit verträgt der Konflikt zwischen den Generationen? Wir müssen dringend miteinander reden!

Aktivistin und Vize-Chefredakteur, Studentin und Familienvater: Spannend, offen und klug diskutieren Luisa Neubauer und Bernd Ulrich die Schicksalsfragen unserer Tage. Denn noch haben wir die Wahl.

REZENSION:

Mit „Noch haben wir die Wahl“ legt der Tropen-Verlag ein sehr interessantes Gespräch dar, welches von Vertretern zweier Generationen geführt wird und dementsprechend verschiedene Erfahrungen als auch Wünsche offenbart. Thema ist der Klimawandel, wie in der Vergangenheit damit umgegangen worden ist und wie wir gemeinsam den richtigen Weg einschlagen könnten.
Der Titel ist doppeldeutig zu betrachten, da dieses Buch rechtzeitig vor der Bundestagswahl veröffentlicht worden ist und somit auch den Blick in diese Richtung geht.
Die Diskussion der beiden vermeintlichen Kontrahenten ist sehr auf gegenseitige Augenhöhe bedacht, scheut sich aber auch nicht davor, den anderen ab und an etwas herausfordern zu wollen. Beide argumentieren auf einem sehr intelligenten Niveau mit ausreichend Hintergrundinformationen. Trotz der unterschiedlichen Lebenserfahrungen begegnen sie dem selben Problem und versuchen sich diesem auf ihre jeweils eigene Art anzunehmen.
Eine allumfassende Lösung bieten beide in sich selbst natürlich ebenfalls nicht – es zeigt sich aber deutlich, dass nun die Zeit des Redens vorbei sein sollte und jeder für sich einfach mal anfängt und nicht auf Basis des „Whataboutismus“ mit dem Finger regelmäßig woanders hin zeigt. Natürlich gibt es Einschränkungen – gleichzeitig stellt sich aber die Frage, ob das denn wirklich Einschränkungen oder nur leibgewonnene Gewohnheiten sind, deren Entfernen nicht wirklich weh tun würde.
Viele Meinungen zeigen in andere Länder und argumentieren mit dem angeblich geringen Anteil Deutschlands am weltweiten Ausstoß – dass jedoch eine nicht gerade geringe Zahl an Ländern bereits erheblich weiter ist als unser angeblich so Fortgeschrittenes wird allzu oft verdrängt. Hinzu kommt der simple Umstand, dass der Erste auch der Innovative sein wird, was die dafür notwendige Wirtschaft sprunghaft nach vorne bringen oder doch zumindest auf der richtigen Bahn befindlich aufstellen könnte.
Wenn hier noch lange nichts geschieht, werden wir nicht nur rechts überholt, sondern schlicht übersehen…
„Noch haben wir die Wahl“ zeigt nicht nur unterschiedliche Sichtweisen – nein, es offenbart auch eine gelungene Debatte auf Augenhöhe. Diese Art der Diskussion scheint immer mehr verloren zu gehen und in Richtung Hatespeech abzudriften – schade, da sich eine gemeinsame Themenbefassung als erheblich ergiebiger darstellen kann. Das vorliegende Buch zeigt dies jedenfalls sehr deutlich.
hysterika.de / JMSeibold / 16.10.2021