Lawrence, Mark: Waffenschwestern – Das erste Buch des Ahnen

Originaltitel: Red Sister
Aus dem Englischen von Frank Böhmert
©2017 by Bobalinga Ltd.
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70110-0
ca. 637 Seiten

COVER:

„Will man eine Nonne töten, so gilt es sicherzustellen, dass man über ein Heer von hinreichender Größe verfügt.“

Das Kloster zur süßen Gnade ist kein gewöhnlicher Konvent. Hier leben Mystikerinnen, die das Gewebe der Welt manipulieren, Schwestern der Verschwiegenheit, die sich der Kunst der Täuschung widmen, und hier werden Mädchen zu tödlichen Kriegerinnen ausgebildet. Als die junge Nona von einer Äbtissin in den Konvent geholt wird, ahnt sie nicht, dass ihre Ausbildung sie bis an ihre Grenzen führen wird – und weit darüber hinaus.
Nona durchläuft ein rigides Trainingsprogramm, das sie mit dem mystischen Pfad vertraut macht, den geheimen Künsten des geräuschlosen Tötens und der Fähigkeit, mit den verschiedensten Waffen zu kämpfen. Mit den anderen Novizinnen ist sie in Freundschaft und Liebe – und manchmal auch leidenschaftlichem Hass – verbunden. Nicht alle werden es schaffen, aber diejenigen, die ihren Weg bis zu Ende gehen, werden Teil der Schwesternschaft. Sie werden die gefährlichsten Klingen des Reiches, sie werden Waffenschwestern sein.

REZENSION:

Bei diesem Buch bin ich von Anfang an wahrlich hin- und hergerissen gewesen. Eine Vielzahl an unterschiedlichsten Emotionen und Gedanken rasten durch mich hindurch beziehungsweise an mir vorbei.
Die Geschichte selbst ist in ihrem übergeordneten Gebilde prinzipiell nichts unbedingt Neues. Dennoch schafft es Mark Lawrence diesem Coming-Of-Age-Konzept einiges erfrischendes hinzuzufügen.
Waffenschwestern ist nebenbei zwar Fantasy, dennoch lässt Lawrence klassische Spielarten wie Drachen, Zwerge, Zauberkräfte und so weiter einfach links liegen. Seine handelnden Personen sind beinahe „normal“ – außer eben, dass sie etwas Besonderes in einem Kloster lernen.
Anfangs war ich auch voll dabei:
Die Rettung Nonas zu Beginn und Ihr Eintritt in das Kloster – einfach perfekt.
Dann jedoch tröpfelt die Handlung gemütlich vor sich hin. Meine Gedanken legten sich in Richtung Abbruch des Buches – rechtzeitig musste sich Nona aber einer Prüfung unterweisen, die erzählerisch rasant und tiefgehend dargelegt worden ist. Hierbei ließ ich mich trotz meiner aufkommenden Gedanken in Richtung „Schließen des Werkes“ wieder überzeugen und an die Seiten fesseln.
Während dieser groß und breit erzählten Episode im Leben Nonas stellte ich mir mehrmals die Frage, warum ich überhaupt mit diesem frevelhaften Gedanken zu spielen begann.
Mark Lawrence zeigte in diesem detailliert erzählten Teil seiner Geschichte, dass er prinzipiell zu einem wahren Meister seines Faches zählt.
Leider scheint es jedoch so zu sein, dass er dieses Tempo und den Drive nicht über längere Strecken aufrechterhalten kann.
Nonas Weg als Schülerin in diesem rundum interessanten Kloster wirkt oberflächlich betrachtet wie Harry Potter für Erwachsene – aber plätschert viel zu viel einfach nur so vor sich hin. Womit sich meine Aufmerksamkeit erneut in Richtung „Abbruch“ verlagerte, da die reine und langatmige Darstellung eines „Schullebens“ spannend sein kann, hier jedoch nicht spannend dargelegt worden ist.
Dem Gegenüber halte ich es für außerordentlich erfrischend, dass endlich einmal fast nur weibliche Personen die Hauptrolle spielen. Dafür gibt es von meiner Seite einen Bonus – dies, obwohl ich bereits einige Stimmen zur Kenntnis nehmen musste, die davon sprachen, das diese Mädchen recht burschikos auftreten. Irgendwie kann man es wohl niemandem recht machen – ich stehe bei diesem Punkt geflissentlich einfach darüber, denn über so etwas habe ich mir schlicht keine Gedanken gemacht. Ich hielt es einfach nur für gut und Punkt!
Nichts desto trotz konnte mich Mark Lawrence mit dieser prinzipiell sehr interessanten Idee und Geschichte nicht bis zum Ende überzeugen. Seine Qualität blitzt oft hervor – es stellte sich mir dennoch die Frage, ob hier der Autor im ersten Buch seiner Reihe etwas zu sehr ausholen wollte und dafür im Nachfolgeband Gas gibt.
Keine Ahnung und davon abgesehen muss auch der erste Band überzeugen, da sonst der Griff zum Zweiten vom Leser nicht vollzogen wird.
Wie bereits angemerkt, bin ich hin- und hergerissen, denn einerseits halte ich die Idee inklusive den teilnehmenden Figuren für absolut zufriedenstellend und klasse dargestellt – andererseits hat mir einfach ein klein wenig gefehlt. Ich bin mir aber sicher, dass Waffenschwestern seine Klientel finden wird, denn mein dezentes Meckern ist auf einem etwas hohen Niveau angesiedelt und die Figur der Nona ist durchweg liebevoll gezeichnet, um eine Vielzahl an Freunden der Fantasy zu überzeugen.
Jürgen Seibold/31.07.2019

Reeve, Philip: Mortal Engines – Jagd durchs Eis

Originaltitel: Predator’s Gold
Aus dem Englischen von Nadine Püschel und Gesine Schröder
©2003 Philip Reeve
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70213-8
ca. 360 Seiten

COVER:

Im zweiten Teil der „Mortal Engines“-Reihe verschlägt es Tom und Hester mit ihrem Luftschiff Jenny Haniver in die Eisstadt Anchorage, die von der jungen Margrabina Freya Rasmussen auf einen abenteuerlichen Kurs geführt wird: Ihr Ziel ist Amerika, der vergessene Kontinent, wo sie eine neue Heimat für ihre Stadt finden möchte. Doch die Reise ist riskant und das Ziel vielleicht nur eine Illusion: Was wird sie in der Alten Welt erwarten?

Aus dem Bericht des Forschungsreisenden Nimrod Beauregard Pennyroyal: „Nordamerika ist ein toter Kontinent. Das ist allseits bekannt. Nach seiner Entdeckung durch den großen Forscher und Detektiv Christoph Columbo im Jahre 1924 mauserte es sich zu einem Weltreich, das allerdings im Sechzig-Minuten-Krieg restlos zerstört wurde. Zurück blieben geisterhafte rote Wüsten, toxischer Morast, Atombombenkrater, Rost und totes Gestein. Nur die Wenigsten wagen sich dorthin, und doch halten sich Gerüchte, Geschichten. Das Raunen betrunkener alter Lufthunde in abgewirtschafteten Karawansereien. Berichte von Luftschiffen, die vom Kurs abkamen und ein ganz anderes Amerika unter sich erblickten: grüne Landschaften, Wälder und Wiesen, riesige blaue Seen.“

REZENSION:

Philip Reeves Reihe um die sagenhaften Städte, die sich rasend durch die Welt bewegen geht mit dem zweiten Band beinahe nahtlos weiter. Gut, es ist eine gewisse Zeit vergangen – ich denke etwa 2 Jahre, wenn mich gerade nicht alles täuscht. Dennoch ist zwischenzeitlich nichts Nennenswertes geschehen und das Pärchen Hester und Tom bereits in ihrem Luftschiff die Welt als Händler und Abenteurer.
Eines Tages nehmen sie den Historiker Pennyroyal als Passagier auf und schon befinden sie sich in einem neuen Abenteuer, dass sich gewaschen hat und sie bis an ihre persönlichen Grenzen bringt.
Nachdem sich die beiden Protagonisten Tom und Hester im ersten Buch dieser Reihe erst kennen- und lieben lernten, sind sie nun im Nachfolgeband die beiden wichtigsten Hauptfiguren. Dieser kleine Umstand führt zum sofortigen Eintauchen des Lesers, da kein langes Erklären und Ausholen des Autors stattfindet. Philip Reeve legt vielmehr sofort los und lässt keine Zeit zum gemütlichen Ein- und Ausatmen.
„Jagd durchs Eis“ ist Programm in diesem Buch und die besage Jagd macht richtig viel Spaß beim Lesen.
Gut, ich bin nicht mehr wirklich die Zielgruppe dieses eher auf Jugendliche abgerichtete Buch – dennoch konnte es mich auf seine eigene Art gut unterhalten.
Natürlich halte ich einige Aspekte ein wenig zu impulsiv – insbesondere, als Hester heimlich eine kleine Besonderheit sieht und wutentbrannt eine Entscheidung trifft, die nicht gerade gut überlegt ist und darüber hinaus eher kindisch wirkt. Nimmt man sich als Mitglied der doch schon etwas älteren Generation ein wenig zurück und lässt die Gedanken in Richtung Jugend schweifen, dann nimmt man dem Autor dieses Vorgehen auch sofort wieder ab und akzeptiert es als glaubhaft, da doch immer wieder ähnliche Reaktionen bei jüngeren Generationen auftreten und oft auch nicht plausibel nachvollziehbar geschweige denn wohlüberlegt sind.
Ich schweife ab, wollte damit aber nur darlegen, dass man dieses Werk als Jugendbuch mit dementsprechenden Inhalten betrachten sollte. Lässt man dies zu, gefällt es einem auch als älteren Leser und ich bin im Anschluss froh, dass es weiterhin so herausragende Geschichten auf dem Markt gibt, die vielleicht den ein oder anderen neuen Leser zur Folge haben.
Während der erste Band in meinen Augen noch ein wenig suchend wirkte, legte der Autor hier wohl mit stolz geschwellter Brust deutlich nach. Dementsprechend halte ich den zweiten Band um Längen stärker, rasanter und spannender als den Ersten. Die Storyline ist zwar auch hier leicht vorhersagbar und zielgerichtet, nichts desto trotz ist es eine absolut gelungene Fortsetzung und ich freue mich schon auf die weiteren Erlebnisse dieses kuriosen Paares.
Jürgen Seibold/22.07.2019

Islington, James: Das Echo der Zukunft – Die Licanius-Saga 2

Originaltitel: The Echo Of Things To Come
Ins Deutsche übertragen von Ruggero Leò
Deutsche Erstausgabe November 2018
©2017 James Islington
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52138-0
ca. 800 Seiten

COVER:

EINE VERBOTENE MACHT WIRD ZUR GRÖSSTEN HOFFNUNG – DIE LICANIUS-SAGA GEHT WEITER!

Der Fein im Norden hat sich erhoben – nichts steht mehr zwischen ihm und den Fürstentümern der Menschen.
Nichts außer den Begabten, die über die verbotene Macht der Seher verfügen.
Gemeinsam mit neuen Verbündeten bricht der junge Begabte Davian zur nördlichen Grenze auf, ohne zu wissen, ob er noch rechtzeitig eintreffen wird. Währenddessen setzt Davians Freund Caeden alles daran, sein verräterisches Abkommen mit den geheimnisvollen Lyth zu erfüllen. Doch als seine Erinnerungen langsam zurückkehren, muss er sich mehr und mehr fragen, wer Freund und wer Feind ist …

REZENSION:

Der erste Band der Licanius-Saga von James Islington mit dem Titel „Das Erbe der Seher“ konnte mich problemlos überzeugen. James Islington kreierte eine sehr interessante Welt mit ebenso interessanten Personen. Diese wiederum überzeugten durch ihre Taten und Fähigkeiten.
„Das Echo der Zukunft“ führt die sagenhafte Geschichte nahtlos weiter und wird sicherlich Kenner des ersten Bandes weiterhin überzeugen.
Nachdem seit Veröffentlichung des ersten Bandes bereits einige Zeit vergangen ist, stellt man sich natürlich auch hier die Frage, ob man sich noch irgendwie an die Geschehnisse erinnern kann. Islington löst dieses Problem auf eine simple Art und Weise, bei der ich nicht verstehen kann, warum dies nicht in jedem mehrbändigen Fantasyroman so vorgenommen wird: Das Buch startet mit einem knappen, dennoch mehrseitigen „Was-bisher-geschah…“.
Scheinbar angelehnt an oder inspiriert von TV-Serien ist dieses Instrument doch eine fabelhafte Idee, um Viellesern auf einfach Weise die bisherigen Geschehnisse erneut nahezubringen. Danke dafür – ich glaube nicht, dass ich mich noch ausreichend an die Erlebnisse innerhalb des ersten Bandes hätte erinnern können.
„Das Echo der Zukunft“ hinkt aber dennoch dem ersten Band nach und wirkt auf mich sehr chaotisch in seiner Erzählweise. Sicher, Islingtons Stil ist einem bewusst und funktioniert auch weiterhin. Lediglich seine Geschichte scheint hier unbedingt mit einer Vielzahl an neuen Personen und vielem weiter glänzen zu wollen. Hier hätte er wahrlich etwas dezenter vorgehen können – seine Geschichte hat doch ausreichend Potenzial, um in sich selbst funktionieren und wirken zu können.
Die zeitlichen Sprünge machen es einem nicht leichter, sich einen Weg durch dieses chaotische Dickicht schlagen zu können. Darüber hinaus scheint Islington viel vor zu haben und verliert sich hier ein wenig in Erklärungen und dem erneuten Aufbau seiner gedanklichen Welt. Vielleicht, um im dritten Band dann die Keule herausholen zu können – keine Ahnung, ob dem so ist, dennoch macht er es dem Leser damit etwas schwer, da die notwendigen Spannungselemente dementsprechend reduziert in Erscheinung treten.
Nun, irgendwie ist das auch meckern auf hohem Niveau, denn ein begnadeter Autor ist Islington jedenfalls – vielleicht sollte man einfach von der Notwendigkeit der mehrbändigen Fantasyromane absehen und den Autoren die Aufgabe geben, ihre Geschichten in einem Band überzeugend zu erzählen. Es kommt nämlich in letzter Zeit sehr oft vor, dass der mittlere Band schwächer ist – als Vielleser glaube ich, dass dies auch die Anzahl der Leser reduziert. Vielleicht irre ich mich, dennoch steigt bei mir die Anzahl der nicht beendeten Fantasyreihen, da der zweite Band Federn gelassen hatte.
Jürgen Seibold/21.07.2019

Tolkien, J.R.R.: DER HERR DER RINGE

© J.G. Cotta’sche Buchhandlung
ISBN 978-3-608-93984-2
Band 1: Die Gefährten – ca. 608 Seiten
Band 2: Die zwei Türme – ca. 510 Seiten
Band 3: Die Rückkehr des Königs – ca. 444 Seiten

COVER:

Die Gefährten

Ein beschauliches Dorf im Auenland.
Alles ist ruhig und friedlich, bis der jungen Hobbit Frodo einen unvorstellbar gefährlichen Auftrag bekommt: Er muss eine Fahrt quer durch Mittelerde ins düstere Morder antreten, um dort den Einen Ring der Macht zu zerstören …
Denn nur so kann die dunkle Herrschaft Saurons gebrochen werden.

Die zwei Türme

Die Gefährten mussten sich trennen: Frodo und Sam ziehen ganz alleine weiter den Fluss Anduin hinab. Ganz allein? Eine zwielichtige Gestalt schleicht ihnen nach, wohin sie auch gehen.

Die Rückkehr des Königs

Die Armeen des dunklen Herrschers Sauron dringen immer weiter vor. Endlich schließen sich Menschen, Zwerge, Elben und Ents zusammen, um gemeinsam in die Schlacht gegen das Böse zu ziehen. Und währenddessen kämpfen Frodo und Sam sich weiter in Mordor vor, um den Einen Ring für immer zu zerstören.

REZENSION:

Ich bin mir absolut sicher, dass es keine Worte über den Inhalt dieser sagenhaften Geschichte von J.R.R. Tolkien bedarf. Jedem Kenner der phantastischen Literatur war dieses Buch per se ein Begriff – nach Erscheinen der wahrhaft gut umgesetzten Verfilmung wurde diese fantastische Welt mit Sicherheit auch dem Rest der Welt nahegebracht.
Man könnte nun viel über den Unterschied Film / Buch diskutieren – aber hier geht es nicht um Filme.
Davon abgesehen stellt sich überhaupt die Frage, ob nicht sowieso schon ausreichend über dieses Werk geschrieben worden ist.
Nun, auch ich möchte einige Worte verlieren:
DER HERR DER RINGE war mir bereits als Kind ein Begriff. Ich kann überhaupt nicht mehr nachvollziehen, wie oft ich dieses Werk aus diversen Regalen gezogen und darin geblättert habe. Es zog mich immer wieder an – allein schon wegen seiner Fülle und meinem dementsprechenden Respekt vor diesem dicken Werk.
Als ich das Buch wiederum zum ersten Mal gelesen hatte, war ich schon ein wenig älter – somit schon in einem sehr reifen Jugendalter. Sozusagen bereits an der Tür des Erwachsenwerdens anklopfend.
Auch mich hatte es relativ schnell gefesselt und es ist und bleibt die unumstrittene Bibel der Fantasy – da führt schlicht kein Weg daran vorbei.
Noch heute steht das berühmte rote Buch in meinem Regal. Damals für teures Geld gekauft und bis heute absolut stolz darauf.
Dieses Werk hatte ich dann natürlich nicht nur einmal gelesen – sehr genau kann ich mich noch daran erinnern, es erneut vor meinen Augen ausgebreitet zu haben, als der Film von Peter Jackson veröffentlicht worden ist. Nebenbei erwähnt: Ja, das Buch ist natürlich tiefgründiger und detaillierter, somit besser – nichts desto trotz halte ich auch den Film in seiner Umsetzung für absolut fabelhaft. Ist eben ein anderes Medium.
Als dann zu Zeiten des Films die Übersetzung von Wolfgang Krege auf den Markt kam, bekam ich sehr viel über die teils kontrovers geführten Diskussionen innerhalb der Fangemeinde mit. Ein wahres Feuerwerk an Beschimpfungen wurde losgelassen.
Ich hielt mich da geflissentlich raus – entschied mich aber dazu, mir die Übersetzung von Krege nicht an zu tun. So wirklich gab es auch keine Notwendigkeit, hatte ich doch die alte Übersetzung in einer wunderschönen Ausgabe weiterhin in meinem Fundus.
Nun befinden wir uns im Jahre 2019 und es ist – wie vom Verlag mitbekommen – ein besonderes Jahr, denn DER HERR DER RINGE feiert Jubiläum.
Durch diesen Umstand fand die neu aufgelegte Krege-Übersetzung seinen Weg zu mir.
Gedanklich an die früheren Diskussionen erinnert, wusste ich nicht wirklich, ob ich mir dieses Werk antun soll.
Nun, hätte ich es nicht getan, wäre es ein Fehler gewesen!
Ja, die frühere Übersetzung ist getragener und wie aus einer anderen Zeit gefallen. Dies spricht stark für die Geschehnisse in Mittelerde. Gleichzeitig lässt sich die Krege-Übersetzung aber ausgesprochen flüssig und erheblich eingängiger lesen, was mir persönlich unglaublich gut gefallen und auch gutgetan hat.
DER HERR DER RINGE war trotz seines Glanzes ein Werk mit hohem Anspruch und man musste sich diesem auch konzentriert beugen. Dies lässt sich auch weiterhin jederzeit vornehmen, da die alte Übersetzung nicht von der Welt ist. Nichts desto trotz kann man bei Kreges Übersetzung förmlich über die Seiten fliegen und hierdurch bekam dieses mir bereits bekannte und mehrfach gelesene Werk einen interessanten neuen Schwung, der dafür sorgte, dass ich diese Vielzahl an Seiten in kürzester Zeit gelesen hatte.
Doch darüber hinaus hat die neue Übersetzung auch dafür gesorgt, dass nun DER HERR DER RINGE auch weiterhin mein absolutes Lieblingsbuch in diesem Genre bleibt. Hier scheint das dezente Abstauben wahrlich gute Arbeit geleistet zu haben.
Ehrlich gesagt verstehe ich auch das harte Herangehen der Fans nicht: Es geht keineswegs die Welt unter, wenn ein Übersetzer einen dezent neuen Weg zur Verjüngung einer sagenhaften Geschichte wagt. Sollte man damit nicht einverstanden sein, ist es wirklich nicht notwendig, wutentbrannt los zu schreiten – nein, man kann einfach weiterhin die bisherige Version lesen und lesen und lesen…
Somit einfach akzeptieren, genießen oder bleiben lassen.
Ich persönlich halte nun beide Versionen für sinnvoll: Die eine, falls man hochkonzentriert und etwas getragen in Tolkiens Welt abtauchen möchte, die andere, falls man relativ flüssig, rasant und eingängig eine tolle Geschichte lesen möchte.
Die Entscheidung bleibt jedem selbst überlassen. Schlecht ist wahrlich keine der beiden Varianten.
Jürgen Seibold/09.07.2019

Heitz, Markus: Die Klinge des Schicksals

Originalausgabe März 2018
© 2018 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65448-4
ca. 571 Seiten

COVER:

Ein Kontinent vor der Vernichtung – nur eine Kriegerin kann die Bedrohung aufhalten. Doch wem kann sie vertrauen?

Die gealterte Kriegerin Danèstra ist in ihrer Heimat Nankán eine lebende Legende. In unzähligen Schlachten hat sie Siege errungen und so den Beinamen Die Klinge des Schicksalserhalten. Doch als sie die geheimnisvolle Kalenia vor dem sicheren Tod bewahrt und die Geschichte der jungen Frau erfährt, muss sich Danèstra ihrer bislang größten Aufgabe stellen. Nichts weniger als das Überleben von Nankán steht auf dem Spiel, und Kalenia scheint der Schlüssel zur Rettung des ganzen Kontinents zu sein. Doch kann Danèstra ihr wirklich trauen?

REZENSION:

Wenn jemand ein Garant für gute Bücher ist, dann ja wohl der aktuell mit Sicherheit erfolgreichste Fantasyautor des Landes. Nun, Fantasyautor ist etwas kurz getreten, da Heitz auch die spannenderen Gefilde abgrast und dabei zu überzeugen weiß. Hier handelt es sich jedoch erneut um einen Fantasyroman und somit ist erneut die Erwartung nicht gerade niedrig, da es sich ja um einen reinrassigen Markus Heitz handelt.
Die Klinge des Schicksal fängt auch ausgesprochen gut an und ich war sichtlich erfreut, wieder einmal bei einem Heitz zugeschlagen zu haben. Nach und nach stieg jedoch das unsägliche Gefühl, dass mit steigender Anzahl an Seiten auch die Oberflächlichkeit sich Bahn bricht. Nachdem es sich um einen Roman eines meiner liebsten Autoren handelt, versuchte ich mich dennoch noch einige Zeit diesem Buch zu widmen – nichts desto trotz fehlte die Überzeugung, die Heitz bei anderen Werken problemlos mitführte. Aus diesem blieb mir nach 200 Seiten schlicht nichts anderes übrig, als mich von diesem Buch zu verabschieden – was mir prinzipiell wirklich schwergefallen ist, da meine Hoffnung doch sehr hoch war. Schade, scheinbar eines der schwächeren Werke von Markus Heitz. Wollen wir mal hoffen, dass sich dies in Grenzen hält…
Jürgen Seibold/07.06.2019

Hennen, Bernhard: Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte

© 2017 by Bernhard Hennen
Deutsche Erstausgabe: © 2017 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29726-9
ca. 572 Seiten

COVER:

DER BEGINN EINES NEUEN MAGISCHEN ZEITALTERS

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.

Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.

Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des „Schwarzen Mondes“ in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird …

REZENSION:

Vor noch nicht allzu langer Zeit veröffentlichte ich die Rezension zum zweiten Band der „Chroniken von Azuhr“. In dieser Rezension machte ich darauf aufmerksam, dass ich den ersten Band wahrlich gefeiert habe und dementsprechend euphorisch auf den Zweiten wartete. Meine Meinung zum Zweiten lasse ich hier nun außen vor, dies lässt sich recht leicht auf meiner Seite nachlesen – nichts desto trotz ist mir gerade erschreckend aufgefallen, dass ich noch nicht eine Silbe über den ersten Band dieser Reihe geschrieben hatte. Nun gut, das möchte ich nun hiermit nachholen und versuche, den zweiten Wurf dabei zu vergessen und mich ausschließlich dem Gefühl des Buches mit dem Untertitel „Der Verfluchte“ zu widmen.
Nachdem nun schon einige Zeit vergangen ist, seit dem ich mich dem oben genannte Buch von Bernhard Hennen widmete, möchte ich gar nicht allzu sehr auf irgendwelche Inhaltsbeschreibungen eingehen. Ich denke, dies lässt sich sicherlich in den üblichen Plattformen nachholen – ich selbst würde nur Band 1 und 2 verwechseln und somit manch Begebenheit falsch einsortieren.
„Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte“ ist jedenfalls ein absolut herausragendes Werk des „Elfenkönigs“ Bernhard Hennen. Wie man nun jedoch weiß, konnte mich Band 2 leider absolut nicht überzeugen – ich behalte diesen ersten Band dennoch in meinem Herzen und bin außerordentlich froh, ihn gelesen zu haben. Da es sich hier um eine Trilogie handelt, muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden – ich kann jedenfalls Buch 1 uneingeschränkt empfehlen. Vielleicht funktioniert Buch 2 auch besser, wenn man dieses nahtlos anschließt. In meinem Fall lag zwischen ihnen eine nicht unerhebliche Zeit mit einer nicht unerheblichen Vielzahl an anderen Büchern und somit schien der Abstand zwischen beiden schon zu groß geworden zu sein.
Wer kein Problem damit hat, vielleicht nur den Beginn eines neuen Zeitalters zu genießen, dem sei dieses Buch jedenfalls unbedingt nahe zu legen. Genießt es…
Jürgen Seibold/07.06.2019

Weitze, Torsten: Nebula Convicto – Grayson Steel und die Magische Hanse von Hamburg

© acabus Verlag, Hamburg 2018
ISBN 978-3-86282-644-5
ca. 425 Seiten

COVER:

Quaestor Grayson Steel hat Gefallen an der Arbeit als Ermittler in der magischen Gemeinschaft, der Nebula Convicto, gefunden. Seine Quadriga und er suchen weiterhin nach den Hintermännern rund um Sophias Entführung, welche beinahe zu einem Zusammenbruch der magischen Weltordnung geführt hätte.

Während sie im Schwarzwald nach einem entlaufenen Basilisken suchen, werden Grayson und sein Team plötzlich unfreiwillig in eine abenteuerliche Schnitzeljagd hineingerissen. Bis zum nächsten Neumond sollen sie ein gestohlenes Artefakt zurückholen. Die Spur des Diebesguts führt quer durch Deutschland bis nach Hamburg. Dort steht Grayson Steel schließlich den Dienern eines totgeglaubten, uralten Wesens gegenüber, das die Welt schon einmal verfinstert hat.

An Meermenschen und Klabautermännern vorbei, muss er die Erweckung des Altvorderen verhindern, sonst wird Hamburg in einem Sturm aus Gewalt und Feuer untergehen.
Und mit der Stadt die Magische Hanse, die Lebensader der Nebula Convicto

REZENSION:

Bereits mit dem ersten Band um den Ermittler Grayson Steel konnte mich der mir bis dahin unbekannte Autor Torsten Weitze uneingeschränkt unterhalten und überzeugen.
Er schafft es auf eine unglaublich interessante Art und Weise, seinen Ermittler auf eine für ihn recht unbekannte Welt los zu lassen. Dabei verlassen wir aber keineswegs unsere eigene Welt – nein, diese ist lediglich durchsetzt von allen möglichen magischen Gestalten und Organisationen.
Während Grayson Steel im ersten Band noch seinen Weg vom „normalen“ Scotland Yard-Ermittler zum Quaestoren in der Nebula Convicto finden musste, sind diese Vorgänge natürlich nun zu Beginn des zweiten Bandes bereits abgeschlossen. Sehr oft verliert man sich dann in solchen Werken, da der Weg zumeist als das Interessanteste wahrgenommen wird. Hier scheint dies jedoch keine Rolle zu spielen, da Weitze bereits von Beginn an seinen Leser in die Handlung hineinwirft und das erste Kapitel mit Vollgas losstarten lässt.
Oberflächlich betrachtet handelt es bei dieser Reihe um eine reinrassige Krimireihe – wären da nicht die Gestalten aus alten Sagen und Erzählungen, die hierin zum Leben gefunden haben. Weitze zeigt ein unglaubliches „Fachwissen“ bezogen auf die Mythen von Jahrtausenden. Dementsprechend vielfältig sind die Gegner und Helfer Grayson Steels. Erfrischend ist dabei der Umstand, dass Steel bis auf eine besondere Fähigkeit nur durch sein Ermittlernäschen auftrumpfen zu können scheint. Die sagenhaften Gestalten liegen ihm nicht gerade nah und somit sind wir mit einer Vielzahl an witzigen und kuriosen Begebenheiten beteiligt.
Torsten Weitze schafft es durch diesen teils humoristischen, teils klassisch angehauchten Stil seinen Leser rundum zu begeistern. Es ist wahrlich unglaublich, mit welch erzählerischer Normalität er uns bekannte Dinge, Orte, Gebäude mit sagenhaften Ingredienzen füllt. Wüsste man es nicht anders, würde man dies auch noch als glaubhaft dargestellt akzeptieren. Nun, vielleicht sind aber doch gerade deshalb die Kosten der Elbphilharmonie so explodiert?
Grayson Steel ist jedenfalls ein absoluter Tipp und ich bin schon jetzt unglaublich gespannt auf den nächsten Band – dabei hoffend, dass Weitze den beiden bereits vorliegenden auch dort in nichts nachstehen wird.
Wäre Grayson Steel kein Ermittler sondern Schüler, würde ich fast sagen, dass es sich hierbei um den Harry Potter für Erwachsene handelt.
Jürgen Seibold/02.06.2019

Reeve, Philip: Mortal Engines – Krieg der Städte

Originaltitel: Mortal Engines
Aus dem Englischen von Nadine Püschel und Gesine Schröder
©2001 Philip Reeve
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70212-1
ca. 334 Seiten

COVER:

Es war nur natürlich, dass Großstädte kleine Städte fraßen, dass Kleinstädte Dörfer verschlangen und sich Dörfer an statischen Siedlungen gütlich taten. Das war der Städtedarwinismus, und so lief es in der Welt seit Hunderten von Jahren …

Eine der gefährlichsten Städte in den Großen Jagdgründen ist London, prächtig anzusehen und voller stolzer, furchtloser Bewohner – bis ein Attentat die Dinge aus dem Gleichgewicht bringt. Als das Mädchen mit dem Tuch vor dem Gesicht ein Messer zückt, um den Obersten Historiker Londons, Thaddeus Valentine, umzubringen, kann ihm der junge Gehilfe Tom in letzter Sekunde das Leben retten. Er verfolgt das Mädchen, das jedoch durch einen Entsorgungsschacht in die Außenlande entkommt. Dass Valentine statt seinem Retter zu danken, den Jungen gleich mit hinausstößt, konnte beim besten Willen keiner ahnen …

Damit beginnt Toms und Hesters abenteuerliche Odyssee durch die Großen Jagdgründe. Sie treffen auf Sklavenhändler und Piraten, werden von einem halbmenschlichen Kopfgeldjäger verfolgt und von einer Aeronautin namens Anna Fang gerettet. Und all das, während in London finstere Pläne geschmiedet werden.

REZENSION:

Die Welt in „Mortal Engines“ ist eine Welt, wie sie mir in einer Geschichte wohl noch nie untergekommen ist: Hier sind die Städte riesige Maschinen, die sich durch die Jagdgründe bewegen und dabei andere Städte oder Dörfer in sich einverleiben. Diese Idee hat etwas Surreales und gleichzeitig extrem Brachiales. Ich persönlich finde es absolut erfrischend, mich auf dieses Gedankenspiel ein zu lassen und freute mich bereits auf den Inhalt der ersten Folge dieser auf mehrere Bände ausgelegten Reihe.
Natürlich ist mir auch bewusst, dass auf Basis dieses Werkes auch ein Film seinen Weg in die Kinos gefunden hatte. Der Regisseur dabei kein geringerer als Peter Jackson, der bereits dem „Herrn der Ringe“ cineastische Züge verliehen hatte.
Ich konnte mich aber dem Buch komplett unbelastet widmen, da ich den Film bisher noch nicht gesehen habe. Lediglich der Trailer war mir bewusst und dementsprechend konnte ich es nicht vermeiden, das Bild Londons bereits wie im Film vor Augen zu haben. Dies störte aber nicht, da Philip Reeve ehrlich gesagt nicht sehr detailliert auf seine Welt eingeht. Einerseits finde ich das gut, andererseits wäre ich dennoch sehr gerne tiefer eingedrungen.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich mit meinem doch gehobenen Alter nicht die wirkliche Zielgruppe des Autors darstelle. Dieser Eindruck verstärkte sich bei mir im Laufe des Buches – ich habe mich aber damit abgefunden und mich auf eine etwas schlichtere Unterhaltung eingelassen. Die Zielgruppe liegt meines Erachtens eher im Jugend- oder jüngerem Erwachsenenalter. Die Story ist nämlich dementsprechend geschnitten und geht straight auf ihr Ende zu. Die Protagonisten lassen sich in ihrer Tätigkeit als auch in ihrer aufflammenden Beziehung zueinander recht einfach einordnen und vorhersagen. Dementsprechend wenig Überraschendes gibt es in diesem Plot. Gleichzeitig halte ich es aber für wichtig, dass solche Bücher ihren Weg zu ihrer Klientel finden. Sie sind nämlich außerordentlich unterhaltsam und sorgen für einige genussvolle und unterhaltsame Stunden. Besonders die stringente Vorgehensweise und die etwas einfache Erzählweise sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Das Buch ist aufgrund dessen recht schnell gelesen und man ertappt sich auch als alter Hase dabei, dass man doch den nächsten Band ebenfalls lesen möchte.
Als Fazit lässt sich sagen, dass „Mortal Engines“ für die junge Leserschaft eine gute Empfehlung darstellt – Personen meines Alters werden etwas weniger überrascht, können aber auch ganz ordentlich auf leichte Art damit unterhalten werden.
Jürgen Seibold/26.05.2019

Ryan, Anthony: Das Heer des Weissen Drachen – Draconis Memoria Buch 2

Originaltitel: The Legion Of Flame. Book Two oft he Draconis Memoria
Aus dem Englischen von Sara Riffel & Birgit Maria Pfaffinger
©2017 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe:
©2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94975-9
ca. 698 Seiten

COVER:

Claydon Torcreek ist einer der Überlebenden der gefahrvollen Reise durch das unerforschte Hinterland des Corvantinischen Reiches. Statt der neuen Blutquellen, die die Zukunft seines Volkes hätten sichern können, entdeckt er jedoch einen Albtraum. Der legendäre Weiße Drache ist aus seinem Jahrtausende währenden Schlaf erwacht und giert danach, die Welt der Menschen in Schutt und Asche zu legen. Und noch schlimmer: Er befehligt eine Armee von Verderbten, die ihm hörig sind.

REZENSION:

Anthony Ryan war mir bis vor einigen Jahren kein Begriff. Eines Tages hielt ich dann sein erstes Buch der Rabenschatten-Trilogie in Händen und war auf einen Schlag hin und weg.
Als dann der erste Band seiner neuen Trilogie mit Drachen als sehr wichtige Darsteller auf den Markt kam, war es selbstverständlich keine Frage, mich diesem „Des Erwachen des Feuers“-betitelten Werk zu widmen.
Auch dort konnte er mich nahezu rundum zufriedenstellen und ich feierte erneut den Ideenreichtum und den herausragenden Schreibstil des Autors.
Nun erschien der zweite Band der „Draconis Memoria“ und kein geringerer als der bereits oft genannte, sagenumwobene Weiße Drache taucht nicht nur in der Geschichte sondern sogleich dominant auf dem Cover und im Titel auf. Damit ist die Richtung in „Das Heer des Weißen Drachen“ bereits festgelegt und man kann nur noch gespannt dem Inhalt folgen, ob Anthony Ryans Ideenreichtum die Geschichte auf die gleiche Ebene hieven kann und den Leser nicht mehr von den Seiten lässt.
Recht schnell stellen sich beim Genuss dieses Werken zwei Dinge heraus: Einerseits schreibt Ryan immer noch herausragend und Anfangs ist man auch wieder recht schnell voll dabei. Andererseits legt sich das im Laufe der Geschichte, da leider das Gefühl immer vorherrschender wird, dass ein wenig die Langatmigkeit sich ihren Weg durch die Geschichte bahnt.
Ich persönlich halte zwar auch Band 2 als eine sehr gelungen Fortsetzung – nichts desto trotz viel es mir im Vergleich zum verschlungenen ersten Band und ganz besonders im Vergleich zu seinen Rabenschattenbüchern etwas schwer, beim vorliegenden Buch diese Euphorie wieder auferstehen zu lassen. Dies klingt jedoch schlechter als es ist: Ryan erzählt seine Geschichte geschickt weiter – dennoch leidet sie stark an der Krankheit des zweiten Buches einer Trilogie. Abermals stellte ich mir somit die Frage, warum Fantasyromane nahezu immer in einer weit ausschweifenden Trilogie erzählt werden müssen. Kann man da nicht einfach etwas kürzertreten und damit den geneigten Leser mit nur zwei oder gar nur einem einzigen Werk unterhalten? Dafür jedoch erheblich geballter und somit ergreifender?
Dieser Umstand ist mir in den letzten Jahren sehr oft aufgefallen. Leider habe ich aus diesem Grund fast ebenso oft auf den letzten Band verzichtet und es würde mich wirklich sehr stark interessieren, wie sich die Verkaufszahlen einer Trilogie auf dem Markt entwickeln. Da werden doch sicher einige die Reißleine ziehen und sich einer anderen Welt widmen. Oder?
Ja, auch ich tauche gerne wieder in eine von mir geliebte Welt ab – gleichzeitig sehe ich aber nicht ein, in der Fülle an Alternativen, mich einer Geschichte zu widmen, deren Antrieb nachgelassen hat.
Gut, jetzt schweifte ich ein wenig ab. Mich würde dies aber wirklich sehr interessieren und ich fände es auch genial, wenn diese Vielzahl an Trilogien etwas reduziert werden könnten und die SchriftstellerInnen ihre Geschichten auch in etwas komprimierterer Form darlegen könnten. Dass darf dann trotzdem ein dickes Buch sein.
Nichts desto trotz ist „Das Heer des Weissen Drachen“ ein relativ gutes Buch und eine ganz gute Fortsetzung. Ich hoffe aber von ganzem Herzen, dass Anthony Ryan im dritten finalen Band das Gaspedal wiederfindet und durchdrückt. Ich würde mich jedenfalls sehr darüber freuen.
Jürgen Seibold/21.05.2019

Hennen, Bernhard: Die Chroniken von Azuhr – Die Weisse Königin

©2018 by Bernhard Hennen
Deutsche Erstausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29999-7
ca. 624 Seiten

COVER:

Auf der Insel Cilia eskaliert der Konflikt zwischen der Liga der Stadtstaaten und den Herzögen des Schwertwaldes. Die militärische Übermacht der Liga ist erdrückend, und die Hoffnung der Waldbewohner ruht auf einer alten Sage, dass in der Stunde der größten Not die Weiße Königin, die ehemalige Herrscherin des Waldes, zurückkehren wird. Doch wie groß muss die Not werden, bis sich dies erfüllt?
Milan Tormeno versucht, den Wirren des Krieges zu entgehen, denn in seinen Augen kämpft keine von beiden Seiten für eine gerechte Sache. Doch es droht eine weitere Gefahr: Überall auf der Insel erwachen Märengestalten zu neuem Leben. Erst allmählich begreift Milan, wie er dieser magischen Wesen Herr werden – und die Wirklichkeit verändern kann.

REZENSION:

Auf manche Bücher freut man sich ungemein und man kann es kaum erwarten, bis so ein Buch seinen Weg zu einem gefunden hat. Allzu oft kommt es nicht vor, jedoch ging es mir beim Warten auf den zweiten Band von den Chroniken Azuhrs so.
Nach dem fulminanten Genuss des ersten Bandes war ich sehr neugierig auf den zweiten Band mit dem Untertitel „Die Weiße Königin“.
Bernhard Hennen selbst ist bis dato ein absoluter Garant für grandiose Geschichten gewesen und auch beim vorliegenden Buch gestaltete sich der leserische Start kein bisschen anders.
Nun war es aber leider so, dass sich die Geschichte nach und nach immer mehr von mir entfernte. Der rote Faden lag in meiner Hand, schien dort leider nicht verweilen zu wollen, denn nach einer doch recht üppigen Seitenzahl war es mir nicht mehr möglich, das Werk bis zu seinem Ende zu begleiten.
Üblicherweise gebe ich Büchern – je nach Dicke – eine Seitenzahl von 50 bis 100 Seiten, um mich zu überzeugen. Klappt das nicht, wird das Buch zur Seite gelegt und muss einem anderen weichen. Dies klingt hart, aber als Kritiker bleibt einem irgendwann nichts anderes mehr übrig. Nun gibt es aber Werke, die man einfach unbedingt mögen möchte – und genau in diese Riege legte ich gedanklich „Die Weisse Königin“ von Bernhard Hennen.
Der Autor konnte mich auch eine gewisse Zeit bei der Hand nehmen und gut unterhalten – somit kam ich problemlos über besagte 100 Seiten.
Nach und nach war es mir nicht möglich, das Gefühl ab zu schütteln, dass der zweite Band dieser Trilogie oberflächlicher wirkt als sein Vorgänger –  den ich uneingeschränkt gefeiert habe.
Bernhard Hennen erzählte viel und ließ auch nicht gerade wenig Kämpfe auf uns los – die Handlung schien jedoch fest zu stecken. Lediglich die Erlebnisse Milans konnten mich noch etwas halten und somit schaffte ich sagenhafte 362 Seiten, bis ich mich dann doch dazu entschloss, mich einem anderen Werk zu widmen und dieses als leider ungelesen beiseite zu legen.
Sehr schade, da ich von „Der Verfluchte“ rundum überzeugt war und dies auch dementsprechend rezensierte. Von Nominierungen an anderer Stelle mal ganz abgesehen…
Ab und an stelle ich mir die Frage, ob dies am Umstand der scheinbar notwendigen Trilogie-Vorgehensweise liegt. Vielleicht hinken deshalb mittlere Bände oft nach – leider verlieren sie dadurch auch Leser, die nicht darauf hoffen, dass der finale Band dann wieder alles gerade rückt. Ich bin nun leider bei dieser Reihe raus, obwohl ich nach Buch 1 wirklich gerne die weitere Entwicklung gewusst hätte.
Absolut schade…
Jürgen Seibold/09.05.2019

 

Jemisin, N.K.: Zerrissene Erde

Originaltitel: „The Fifth Season“
Übersetzt von Susanne Gerold
©2015 N.K. Jemisin
Deutsche Erstausgabe August 2018
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag, München
ISBN 978-3-426-52178-6
ca. 494 Seiten

COVER:

Inmitten einer sterbenden Welt hat die verzweifelte Essun nur ein Ziel: ihre Tochter aus den Händen eines Mörders zu befreien, den sie nur zu gut kennt.
Seit sich im Herzen des Landes Sansia ein gewaltiger Riss voll brodelnder Lava aufgetan hat, scheinen immer mehr Menschen dem Wahnsinn zu verfallen. So lässt der Herrscher seine eigenen Bürger ermorden. Doch nicht Soldaten haben Essuns kleinen Sohn erschlagen und ihre Tochter entführt – sondern ihr eigener Ehemann! Essun folgt den beiden durch ein Land, das zur Todesfalle geworden ist. Und der Krieg ums nackte Überleben steht erst noch bevor.

REZENSION:

Auf dieses Buch hatte ich mich unglaublich gefreut: Eine interessant klingende und dystopische Welt, darüber hinaus laut allen bei mir eingehenden Informationen eine absolut gelungene Perle im Genre.
Meine Kollegen in der Jury der Phantastik-Bestenliste sorgten mehrmals dafür, dass dieses Buch seinen Platz darin fand. Ich selbst hinkte ein klein wenig zeitlich nach, freute mich deshalb aber um so mehr auf den Genuss der Buchstaben in diesem erfolgreichen und mit dem Hugo-Award prämierten Roman.
Bereits nach einigen Seiten war ich hin- und hergerissen, ob der Vielzahl an positiven Meinungen. Kann es sein, dass ich der Einzige bin, der noch nichts damit anfangen kann?
Ich gab N.K. Jemisin noch weitere Seiten, da ich hoffte, noch den unvermeidlichen Zugang in ihre Geschichte zu bekommen. Der Wille war da – die Story beziehungsweise die Art und Weise der Umsetzung konnte mich aber nicht bei der Hand nehmen und überzeugen.
„Zerrissene Erde“ ist nun für mich ein echtes Zeichen, dass der Genuss von Büchern, Filmen, Geschichten, Kunstwerken, etc. nichts weiter als eine pure Geschmackssache sind. Bei dem Einen funktioniert es, bei dem Anderen nicht.
In diesem Fall war mir die unterschiedliche Erzählweise zu sehr aufgesetzt. Die „Du“-Form funktioniert bei vielen Lesern – ich habe (wie auch bei der „Ich“-Form) damit oft ein Problem und in diesem Fall ganz besonders, da ich den Zugang zur Person noch nicht gefunden hatte.
Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass ZERRISSENE ERDE eine extrem gute Geschichte zu erzählen weiß – ich hatte aber das Problem, nach fast einhundert Seiten noch nicht wirklich den für mich notwendigen Faden aufnehmen zu können. Schlicht und ergreifend ein Problem mit dem eigenen Verständnis und Umgang mit dem Schreibstil der Autorin.
Somit bleibe ich unbeendet zurück und finde es aufgrund der interessanten Idee außerordentlich schade, dass die Autorin meinen persönlichen Geschmack leider nicht getroffen hat.
Jürgen Seibold/01.05.2019

Hudson, Gabe: Gork der Schreckliche

Originaltitel: „Gork, The Teenage Dragon“
Aus dem Englischen von Wieland Freund und Andrea Wandel
©2017 by Gabe Hudson
Für die deutsche Ausgabe © 2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96268-0
ca. 432 Seiten

COVER:

Gork ist nicht wie die anderen Drachen an der Militärakademie WarWings. Er hat winzige Hörner und fällt gelegentlich in Ohnmacht. Sein Spitzname ist „Weichei“ und sein WILLE-ZUR-MACHT-Ranking liegt bei „Kuschelbär“ – das niedrigste in seinem Jahrgang.
Aber er ist wild entschlossen, sich von nichts aufhalten zu lassen, als die wichtigste Mission seines Lebens beginnt: Am Vorabend seiner Abschlussfeier muss er einen weiblichen Drachen fragen, ob sie seine Queen sein will. Sagt sie ja, wird er mit ihr einen Planeten unterwerfen und mit seinen Nachkommen bevölkern. Sagt sie nein, – dann wird Gork leider versklavt.

REZENSION:

Als ich das Cover sah und den dazugehörigen Pressetext, war ich gleich hin und weg und wollte die Erlebnisse des Drachen Gork unbedingt lesen.
Humorvolle Romane sind meiner Meinung nach eine wundervolle Abwechslung und sorgen mit ihren Zoten oft für schmunzelnde Leser. Man denkt sogleich an namhafte Autoren wie etwa Terry Pratchett und ähnlich gelagerte Schreiberlinge der tiefsinnigen und trotzdem witzigen Art.
Gabe Hudson scheint einen ähnlichen Ansatz geplant zu haben. Leider bleibt er in seiner Erzählung auf einem Niveau, welches bei mir nur Anfangs funktionierte. Zu Beginn ist man noch froher Dinge und unvoreingenommen. Dementsprechend interessiert widmet man sich der Lektüre. Dabei konnte er auch ab und an für das wohlfühlende Schmunzeln sorgen. Leider beginnen dann recht schnell die Wiederholungen und der tiefgründige Sprachwitz taucht nicht auf. Dieser hätte eventuell noch für ein Wohlwollen sorgen können – aber Gork blieb leider eine Art Slapstick-Roman und konnte mich somit nicht bis zum finalen Ende zwischen den Buchdeckeln führen.
Schade, da ich zwischendurch sehr gerne fantastische Romane der witzigen Art vor meinen Augen ausbreiten möchte – in diesem Fall hielt ich zusätzlich die Vermengung von Fantasy und Science Fiction als eine rundum interessante Idee. Leider hapert es an der Auführung oder ich bin für diese Umsetzung bereits zu alt, da hier ausschließlich auf vermeintlich witzige Begebenheiten geachtet worden ist und die viel interessantere Spielart der Ironie und Tiefsinnigkeit dabei komplett auf der Strecke geblieben ist.
Schade…
Jürgen Seibold/01.05.2019

Adeyemi, Tomi: Children of Blood and Bone – Goldener Zorn

Originaltitel: Children of Bood and Bone
Aus dem Amerikanischen von Andrea Fischer
©2018 by Tomi Adeyemi Books Inc.
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-8414-4029-7
ca. 623 Seiten

COVER:

Sie töteten meine Mutter.
Sie raubten uns die Magie.
Sie zwangen uns in den Staub.
Jetzt erheben wir uns.

Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orisha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung.

Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orisha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt …

REZENSION:

Children of Blood and Bone ist das Debüt von Tomi Adeyemi, einer amerikanischen Autorin mit nigerianischen Wurzeln. Dieser Umstand wäre mir im Prinzip absolut egal – er wurde aber beim Marketing jeweils hervorgehoben. Somit handelt es sich hier um einen Fantasyroman mit afrikanischen Wurzeln. Gleichzeitig angeblich eine klare Ansage gegen Rassismus.
Nun, alles in allem schon mal eine hoch angelegte Latte für einen Roman, der dabei auch noch mehr in die Richtung Jugendbuch zu schielen scheint.
Ich persönlich bin oft irritiert, in welche Richtung man als Leser gedrängt werden soll. Dabei stellte ich in meinem nicht gerade kurzen Leseleben viel zu oft fest, dass hoch gelobte Ansätze meistens dem dann folgenden Inhalt nicht gerecht werden.
Nichts desto trotz wollte ich auch diesem Werk eine Chance geben und widmete mich nahezu euphorisch dem Inhalt.
Die Geschichte hatte mich bereits nach einige Seiten in den Fängen. Der Umstand, dass hier nebenbei eine Story gegen Rassismus entstehen sollte, kann aber von mir nicht bestätigt werden. Gut, die beiden gegeneinander agierenden Fronten sind Weiße gegen Schwarze. Die Schwarzen sind dabei das unterdrückte Volk. Soviel passt, um ein Zeichen zu setzen. Ich kann dem dennoch nicht uneingeschränkt folgen, da nur kurz am Anfang darauf hingewiesen wird, dass das Volk Zélies dunkelhäutig ist und somit recht schnell im Laufe der Geschichte als unwesentlich wahrgenommen wird. Man liest somit von zwei Völkern, von denen eines unterdrückt worden ist und sich nun erhebt. Sehr viele Fantasyromane erzählen ähnlich angesiedelte Geschichten.
Desweiteren erzählt mir Tomi Adeyemi zu wenig von der eigentlichen Welt und insbesondere zu wenig vom Volk der Magier. Sie sind für den Leser zwar unglaublich sympathisch und man ist sofort auf der Seite der Unterdrückten – dennoch erfährt man einfach zu wenig über sie. Das ist etwas enttäuschend, da die Autorin sich doch in ihrem Studium auch der afrikanischen Mythologie und Kultur widmete.
Die Geschichte selbst konnte mich trotzdem in der ersten Hälfte einigermaßen gut unterhalten – leider ließ das aber in der zweiten Hälfte stark nach. Sie entwickelte sich sehr klischeehaft und der weitere Verlauf war stark vorhersagbar. Die Protagonisten wirken sehr stereotypisch und als dann auch noch eine „überkreuz-Liebesgeschichte“ integriert worden ist, wollte ich nur noch das unvermeidliche und nicht überraschende Ende erreichen.
Wenn ich gedanklich einen Schritt zurück gehe und das Buch nun versuche mit den Augen eines lesenden Jugendlichen zu betrachten, komme ich leider auch nicht zu einem wirklich besseren Ergebnis: Ja, es könnte gefallen und als Fantasyroman funktionieren. Die Sperrspitze gegen Rassismus ist aber definitiv zu schwach besetzt. Hier helfen nur noch die flammenden Schlussworte der Autorin, in der sie eine Kampfansage gegen Unterdrückung formuliert. Warum nicht gleich auf fingerzeigende Art und Weise direkt in ihrer Story?
Ich hatte mich wirklich sehr gefreut – war aber schlicht zu wenig und zu simpel umgesetzt.
Es gibt jedoch noch einen weiteren Kritikpunkt, der mich im Lesefluss ziemlich störte: Die Geschichte ist ausschließlich in der Ich-Form erzählt. Dies wäre noch ganz in Ordnung, wenn man nicht mit mehreren Personen zu tun hätte. Der Kapitelüberschrift kann man die aktuell in der Ich-Form dargestellte Person entnehmen. Mir persönlich fiel das sehr schwer, da durch die nicht sehr langen Kapitel der Lesefluss meiner Meinung nach stark gelitten hat. Kaum konnte ich mich mit einer Person einigermaßen gut identifizieren, war „ich“ schon wieder eine andere. Somit ein plötzlicher Break, der regelmäßig irritierte. Darüber hinaus musste ich im seltenen Falle eines nicht abgeschlossenen Kapitels jeweils nachsehen, wer ich denn nun gerade war.
Die Ich-Form halte ich von Grund auf schon für recht anstrengend. Vor allem, wenn man es gewohnt ist, in eine Geschichte einzutauchen, man aber sich mit der gerade gelesenen Figur nicht wirklich identifizieren kann. Dann auch noch mehrere verschiedene Personen mit nicht sehr leicht zu greifenden Namen?
Auch wenn diese Rezension nun ein wenig negativ klingt: Children of Blood and Bone ist dennoch ein einigermaßen guter Fantasyroman. Er wird lediglich aus meiner Sicht seinem Hype nicht gerecht und die Autorin könnte noch viel mehr auf die kulturelle, mythologische und gegen Unterdrückung kämpfende Pauke hauen. Gerade als Lesestoff für Jugendliche sollte man nicht zu zimperlich vorgehen. Hier müssen klare und eindringliche Ansagen kommen (wurde mir auch im Zuge des Buchtestes von einigen Jugendlichen so bestätigt).
Vielleicht legt sie ja in den Folgebänden noch eine Schippe drauf – ich würde es ihr jedenfalls gönnen.
Jürgen Seibold/20.04.2019

Perplies, Bernd: Der Weltenfinder

Erschienen bei Fischer Tor; Frankfurt a.M., Mai 2018
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70116-2
ca. 430 Seiten

COVER:

Jenseits des Landfalls, so heißt es gemeinhin, endet die Welt. Dahinter liegen nur noch das endlose Wolkenmeer und das Nichts. Vor Tausenden von Jahren aber gab es noch keine Wolken. Die Legenden besagen, dass eine gewaltige Zivilisation in den Tieflanden lebte, deren Reichtum nur von ihrem Wissensschatz übertroffen wurde. Die ArChaon erforschten die Magie und die Schöpfung auf eine Weise, die sich heute niemand mehr vorstellen kann – doch ihre Neugierde wurde ihr Untergang, und die Nebel verschlangen sie. Niemand hat jemals nach dieser verlorenen Welt gesucht, denn niemand wagte sich in die Tiefen des Wolkenmeers. Bis heute …

REZENSION:

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte ich mich dem ersten Buch über die Geschehnisse im Wolkenmeer widmen. Es handelte sich dabei um die erste Reise in das Wolkenmeer mit dem Titel „Der Drachenjäger“.
Nun liegt mit „Der Weltenfinder“ das zweite Buch über diese sagenhafte Welt vor und somit kann man sich als Leser abermals an die Reling stellen und den Weg über die Wolken genießen.
Doch genießen ist hier wohl das falsche Wort: Auch im zweiten Buch müssen wir uns einer Vielzahl an Gefahren stellen – nichts desto trotz steht auch dieser Band dem ersten in keiner Weise nach.
Während „Der Drachenjäger“ mich noch sehr stark an die Erlebnisse in „Moby Dick“ erinnerte, erzählt Bernd Perplies hier nun eine neue und gänzlich eigenständige Geschichte.
Allein dafür sollte er bereits einen Preis bekommen: Weder für den ersten noch für den zweiten Band benötigt er die im Genre oft notwendigen knappen 1.000 Seiten. Im Gegenteil, er erzählt seine Story jeweils mit knapp über 400 Seiten. Dabei schafft er es trotz der vermeintlich geringen Seitenzahl, sein Worldbuilding problemlos entstehen zu lassen und so ganz nebenbei eine rundum interessante und spannende Fantasygeschichte zu erzählen.
Hinzu kommt ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal beziehungsweise ein Umstand, der nur sehr selten im Genre vorkommt: Band 2 ist auch ohne Kenntnis über Band 1 zu genießen. Ja, die Welt ist die gleiche. Ja, einige Personen kennt man noch ein klein wenig aus den Erlebnissen des ersten Buches. Dennoch befinden wir uns hier auf einer komplett losgelösten Reise mit einem komplett anderen Ziel. Endlich ein Autor, der trotz reduzierter Seitenzahl zu unterhalten weiß und scheinbar problemlos eine weitere eigenständige Geschichte vorlegen kann.
Während Buch 1 noch Richtung „Moby Dick“ schielt, erinnern mich die Abenteuer in „Der Weltenfinder“ eher an eine Art Indiana Jones. Etwas weniger überdreht, aber der Schluss schreit doch ein wenig danach. Die Wolkenwelt hat mich jedenfalls gefangen genommen und ich würde mich außerordentlich freuen, wenn der Autor hier noch öfter seine Flug-Schiffe treiben lassen könnte.
Natürlich ist der Anspruch hoch und manch Geheimnis dieser Welt unter den Wolken bereits gelöst. Dennoch: Ich glaube, ich würde absolut gerne erneut die Planken unter meinen Füßen spüren und den Blick gen Wolken schweifen lassen…
Jürgen Seibold/09.04.2019

Pala, Ivo: Schwarzes Blut

©2018 Knaur Verlag
Originalausgabe Mai 2018
ISBN 978-3-426-52134-2
ca. 394 Seiten

COVER:

In der unbarmherzigen Welt der ewigen Nacht nimmt eine Kriegerin grausame Rache für den Mord an ihrem Geliebten.

Was gilt ein einzelnes Leben in einer Welt, in der die Felder in Kälte und ewiger Nacht verdorren, Menschen auf den Straßen verhungern und ein erbitterter Krieg um die letzten Ressourcen entbrannt ist? Der Kriegerin Szuma bleibt wenig Zeit für die Trauer um ihren ermordeten Geliebten: Getrieben von einem Hass, der dunkler ist als die Nacht selbst, agt sie den Killer durch Chaos und Zerstörung, auf der Suche nach der einen Sache, die sie sich selbst vom Ende der Welt nicht wird nehmen lassen: Rache!

REZENSION:

„Schwarzes Blut“ ist bereits der dritte Band der Dark World Saga von Ivo Pala. Gleichzeitig nach meinem Kenntnisstand auch der abschließende. Nachdem mich die beiden ersten bereits an die Seiten fesselten und für eine außerordentlich gelungene und erfrischende Unterhaltung sorgten, war ich auf den vorliegenden Band schon sehr gespannt. Gleichzeitig trug ich aber auch die Sorge in mir, dass der Autor entweder sein Pulver bereits verschossen hat, oder ich durch die lange Wartezeit nach dem zweiten Buch nicht mehr in die Geschichte reinfinden werden. Dies ist mir schon öfter passiert und aus diesem Grund bin ich auch weiterhin kein großer Freund von lang angelegten Reihen, die den Lesern hauptsächlich mit Wartezeiten konfrontieren.
Nun, die positive Hoffnung siegte bei mir, da im Gegensatz zu anderen Werken bisher jedes Buch dieser Welt einen absoluten Lesehöhepunkt darstellte. Sehr oft sind ja die Zwischenbände in dreibändigen Werken eher Mittel zum Zweck und nur wenige Autoren schaffen hier eigenständige Werke mit durchweg interessantem Fortschritt der Erzählung.
Ivo Pala hatte das jedenfalls geschafft und nun versuchte ich mich dementsprechend euphorisiert dieses Gefühl wieder auftauchen zu lassen.
Sehr schnell stellte sich beim Lesen heraus, dass mich die Story trotz der vergangenen Zeit wieder einfangen konnte. Pala vermeidet es, auf die Vorgänger erzählend einzugehen. Somit wird man davon nicht abgelenkt, gleichzeitig ist es aber natürlich auch notwendig, die davor angesiedelten Bücher zu kennen.
Der dritte Band ist im Großen und Ganzen dem Rachefeldzug Szumas gewidmet. Dabei entstehen Begebenheiten, für die das vordergründige Genre alleine gar nicht ausreicht – Pala streift auch geschickt Horrorelemente und lässt auch Actionelemente in aller Ausführlichkeit breiten Raum. Zauberei, Hexerei kommt ebenso vor uns seine in Dunkelheit erstarrte Welt mit den darin befindlichen Bosheiten der Menschen spricht für sich.
Sein Setting ist dementsprechend düster und irgendwie fühlt man sich wie ein Wanderer in einer postapokalyptischen Umgebung.
Ivo Palas Schreibstil ist sehr eingängig und von einem angenehmen Niveau. Das heißt, hierin findet sich keine hochtrabende schriftstellerische Kunst mit allen möglichen Facetten der schreibenden Zunft – dafür bekommt man aber einen rundum unterhaltenden und absolut kurzweiligen Plot, der einen mitnimmt und somit nicht mehr loslässt. Ich persönlich halte solche Geschichten für außerordentlich wichtig. Nur so lässt es sich wirklich abschalten und wenn es nach mir gehen würde, wäre die Dunkle Welt-Saga ein wunderbarer Plot für die aktuellen Serienplattformen. Obwohl: Lest einfach diese drei Bücher. Sie sind alle zusammen rundum gelungen, kurzweilig, bieten ein interessantes Setting, interessante Personen und sorgen für spannende, atemberaubende Unterhaltung.
Jürgen Seibold/10.03.2019