Jonathan Carroll: Das Land des Lachens

Originaltitel: Land of Laughs
Aus dem Amerikanischen von Rudolf Hermstein
Überarbeitete Neuausgabe 10/2021
©1980 by Jonathan Carroll
©2021 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32104-5
ca. 366 Seiten

COVER:

„Mein Traum war es, eine Biografie von Marshall France zu schreiben, dem wunderbaren und sehr mysteriösen Autor der schönsten Kinderbücher der Welt. Bücher wie Das Land des Lachens und Der Sternenteich, die mir im Laufe meines dreißigjährigen Lebens immer wieder geholfen hatten, nicht den Verstand zu verlieren …“

Nach vier Jahren als Englischlehrer an einer Privatschule in Neuengland erfüllt sich Thomas Abbey diesen Traum und macht sich gemeinsam mit seiner Freundin Saxony – eine ebenso glühende Marshall-France-Verehrerin wie er selbst – auf den Weg in die kleine Stadt Galen in Missouri, wo France bis zu seinem frühen Tod ein zurückgezogenes Leben geführt hat.

In Galen angekommen, werden Thomas und Saxony von den Bewohnern ausgesprochen herzlich aufgenommen. Vor allem Anna, die schöne Tochter von Marshall France, scheint Gefallen an Thomas zu finden, und so erlaubt sie ihm nicht nur die Biografie ihres Vaters zu schreiben, sondern gewährt ihm auch Zugang zu dessen persönlichsten Aufzeichnungen.
Thomas wird immer tiefer in die Welt und die Geschichten Marshall Frances hineingezogen, sodass er lange nicht bemerkt, dass es in Galen nicht mit rechten Dingen zugeht. Und als er dem Geheimnis schließlich auf die Spur kommt, ist es bereits zu spät …

REZENSION:

Der Englischlehrer Thomas Abbey ist der Sohn eines berühmten Schauspielers. Dieser Umstand führt dazu, dass er regelmäßig als nichts weiter wahrgenommen wird, da jeder nur nach seiner Beziehung oder Erinnerungen zu seinem bereits verstorbenen Vater fragt. Thomas fühlt sich dadurch regelmäßig in den Hintergrund gedrängt und dementsprechend schlecht sieht es mit seinem Selbstbewusstsein aus.
Durch ein Buch des Schriftstellers Marshall France, welches er als Kind schlicht nicht mehr losgelassen hatte, versuchte er dieser Realität zu entfliehen und in die Welt der Literatur abzutauchen. Im Zuge dessen wurde er zu einem glühenden Verehrer des Schriftstellers France und begegnet dabei der ebenfalls recht kuriosen Saxony, die er beim Kauf einer seltenen France-Ausgabe in einem Buchantiquariat kennen lernt.
Beide machen sich auf den Weg nach Galen, um eine Biografie über ihren literarischen Meister zu schreiben. Galen ist eine kleines Städtchen in Missouri und dort lebt unter anderem auch Anna, die hübsche Tochter des verstorbenen Autors Marshall France.
Thomas und Saxony leben sich recht schnell dort ein und werden in die frühere Lebensumgebung Frances nicht nur aufgenommen, sondern tauchen auch tief hinab in die Gedankenwelt des Autors durch eine Vielzahl an Schriftstücken, Fragmenten, Notizen, Journalen aus der Hinterlassenschaft des Autors.
Nach und nach erkennt Thomas, dass sich scheinbar erheblich mehr hinter der oberflächlichen Kleinstadtfassade verbirgt und dies alles auch mit dem Erbe Frances verknüpft zu sein scheint…
„Das Land des Lachens“ als auch der Schriftsteller Jonathan Carroll waren mir trotz meiner umfangreichen Leseleidenschaft bis dato absolut kein Begriff. Das Buch selbst ist aus dem Jahre 1980 und wohl sein erster Roman, wie es der hintere Klappentext als auch kurze Recherchen im Web offenbaren. Selten recherchiere ich nach Autoren, doch in diesem Falle war es mir wichtig, da ich nach Beenden dieses Werkes nicht glauben konnte, dass dieser Künstler an mir Vorüberging. Wie sich zeigen sollte, war mir nicht ein einziges seiner Werke ein Begriff – ich bin mir aber leider sicher, dass es wohl mehreren Personen so gehen wird.
„Das Land des Lachens“ sollte jedoch in einer ähnlichen Riege stehen, wie andere Klassiker der Weltliteratur und darüber hinaus auch noch Pflichtlektüre in den Schulen werden.
Meine Meinung entsteht aufgrund der Vielfältigkeit im vorliegenden Buch, dem interessanten Nicht-beachten von Genregrenzen und gleichzeitigem Verwenden von nahezu jedem Genre, sei es Liebesroman, Fantastik, Mystik und ein Touch Thriller. Jonathan Carroll bedient dies alles und noch viel mehr. Seine Geschichte besitzt das Potenzial, Menschen die wahren Gründe des Lesens beizubringen. Menschen, die es gewohnt sind, in Bücher und deren Welten abzutauchen, wissen sicher, was ich damit meine. „Das Land des Lächelns“ kann es dem Rest der Welt auf eine sehr eingängige und unglaublich bildhafte Art und Weise nahebringen. Ein literarischer und phantastischer Roman, der die Freude am Lesen am Brennen hält oder eben neu zu entfachen weiß. Eine Geschichte, die geschickt Realität mit dem geschriebenen Wort vermengt und ineinander verwebt, um dann wieder mit einer weiteren Pointe für den nächsten sagenhaften Touch zu sorgen.
Ein Buch, das jeder Freund des geschriebenen Wortes gelesen haben soll – ein Buch, das aus Freundschaft zur Literatur entstanden ist – ein Buch, welches in seiner erzählerischen Kraft für sich alleine spricht…
hysterika.de / JMSeibold / 02.11.2021