Hannes Rastam: QUICK – Die Erschaffung eines Serienkillers

Originaltitel: Fallet Thomas Quick – Att skapa en seriemördare
Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller
©2012 by Hannes Rastam
©2013 der deutschen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67732-6
ca. 559 Seiten

COVER:

Der Fall Thomas Quick hat nicht nur in Schweden hohe Wellen geschlagen, weltweit erhitzt dieser unfassbare Justizskandal die Gemüter. In den Jahren 1992 und 2001 gesteht Thomas Quick dreißig Morde und wird für acht davon verurteilt. Nachdem immer wieder Zweifewl an der tatsächlichen Schuld von Quick aufkommen, trifft sich der investigative Journalist Hannes Rastam mit Quick und arbeitet sich durch 50.000 Seiten Gerichtsprotokolle, Polizeiverhöre und Therapieaufzeichnungen. Fazit der Recherche: Es gibt keinen stichfeste Beweis für Thomas Quicks Schuld. Er ist unschuldig.

REZENSION:

Sture Ragnar Bergwall, der sich von 1980 bis 2002 Thomas Quick nannte, behauptete, 33 Menschen getötet zu haben. Nach Erhalt von gewissen Psychotherapien widerrief er seine Geständnisse, was dazu führte, dass Sich der investigative Journalist Hannes Rastam mit diesem Fall intensiv zu beschäftigen begann. Er war einer der wenigen, der Thomas Quick in der Psychiatrischen Anstalt besuchen konnte und dabei einen mittlerweile recht gesprächig wirkenden Insassen kennenlernen durfte. Rastam begann den kompletten Thomas-Quick-Fall aufzuarbeiten und wühlte sich dabei durch sämtliche vorliegenden Dokumente. Nach und nach stellte sich deutlich heraus, dass es sich hierbei um einen der größten Justizskandale handelt, der über die Grenzen Schwedens hinausgeht.
Thomas Quicks Geständnisse waren geschickt durch gewisse Befragungstechniken geleitet und Quick selbst holte sich seine Informationen aus Tageszeitungen beziehungsweise Dokumentationen. Er war psychisch krank und suchte sich dadurch eine gewisse Art der Anerkennung – im Gegenpol die Ermittler und Anwälte, die dadurch eine Vielzahl an ungeklärten Mordfällen auflösen konnten.
Teilweise glaubten selbst Angehörige der Opfer nicht an die Schuld von Thomas Quick – den Beteiligten Anwälten und Polizisten konnte dies jedoch in ihrer Meinung nicht mehr beeinflussen. Dementsprechend befand sich Thomas Quick bis zur finalen Aufarbeitung durch Hannes Rastam 20 Jahre innerhalb der Mauern der psychiatrischen Anstalt.
Das vorliegende Buch ist somit ein sehr wichtiges Buch, da es den Schlüssel zur Freilassung von Thomas Quick darstellt. Es ist dementsprechend trocken dargeboten, da es sich nämlich keinesfalls um einen Roman handelt, sondern um das Ergebnis der journalistischen Arbeit von Hannes Rastam. Nichts desto trotz ist der Inhalt wichtig und es sollte noch viel mehr investigative Journalisten geben, die in der Lage sind, diesen immensen Aufwand leisten zu können. Nur so lassen sich Skandale der unterschiedlichsten Art offenbaren und gewisse Schiefstände wieder gerade rücken.
Hannes Rastam hat leider aufgrund einer Krebserkrankung das Ende der Schlussredaktion seines Buches nicht mehr erlebt – Thomas Quick ist jedenfalls mittlerweile begnadigt, leider hatte dies nur wenig Auswirkungen auf die Beteiligten Personen, die für die langjährige Inhaftierung die Schuld zu tragen hatten.
Ich kannte dieses Fall nicht einmal am Rande – dennoch sorgt das Buch für eine sehr tiefgehende Betrachtung dieses Justizskandals. Darüber hinaus lernt man sehr viel über geschickte Fragetechniken, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
Sicherlich wird QUICK in unseren Kreisen kein Blockbuster – nichts desto trotz ist es ein wichtiges Buch und dementsprechend positiv ist es zu betrachten, dass es nun – im Rahmen einer Verfilmung – auch auf unserem Markt erhältlich ist.
Hysterika.de/JMSeibold/11.04.2021