Grady Hendrix: Southern Gothic

Originaltitel: The Southern Book Club’s Guide To Slaying Vampires
Aus dem Amerikanischen von Jakob Schmidt
Deutsche Erstausgabe 6/2021
© 2020 by Grady Hendrix
© 2021 der deutschsprachigen Ausgabe und Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32139-7
ca. 511 Seiten

COVER:

Patricia Campbell führt eine Vorzeigeehe, hat zwei süße Kinder und ein Haus im schönsten Vorort von Charleston, South Carolina. Doch ihren Mann bekommt sie vor lauter Arbeit kaum zu Gesicht, und ihre Kinder sind zu launischen Teenagern mutiert. Ihr einziger Lichtblick sind die Buchclub-Abende, an denen sie mit ihren Freundinnen ihrer Leidenschaft für True Crime und Serienkiller frönt. Nach einem solchen Abend wird Patricia brutal von ihrer dementen Nachbarin attackiert, die kurz darauf stirbt. Wenig später zieht deren Neffe James Harris nach Charleston. Er ist höflich, belesen und sieht unverschämt gut aus. Doch irgendetwas stimmt mit ihm nicht, und als im ärmeren Viertel der Stadt immer mehr Kinder verschwinden, vermuten Patricia und ihre Freundinnen, dass James mehr Ted Bundy als Brad Pitt ist. In Wahrheit ist er jedoch eine ganz andere Sorte Monster – und Patricia hat es schon längst in ihr Heim gelassen …

REZENSION:

Es ist jetzt schon eine sehr lange Zeit her, dass mich ein Vampir-Roman überzeugen konnte. Viel zu sehr hänge ich persönlich an den Qualitäten sehr früher Werke – beginnend mit Stokers Dracula und Kings Salem`s Lot. Die moderne Art des Vampirtums konnte oder wollte ich nicht verstehen. Sicher war ich dazu auch nie als Zielgruppe gedacht und somit widerstand ich dem Versuch verstehen zu wollen, warum unsterbliche Vampire sich mit dem täglichen Schulbesuch plagen und eher mit Teenagerliebe denn mit dem notwendigen Stillen des Blutdurstes beschäftigt sind.
Nun liegt vor mir das Werk von Grady Hendrix und ich bin nach erfolgtem Lesegenuss sehr positiv überrascht, dass jemand diesem sehr alten Thema ein schmackhaftes Sahnehäubchen aufgesetzt hat.
Im Gegensatz zu anderen Werken spielt der Vampir lange Zeit keine wirkliche Rolle. Wir begleiten Patricia durch ihr konservatives Leben und bei ihrem täglichen „Ich-kümmer-mich-um-die-Kinder-und-meinen-Mann“-Klischee. Patricia lebt recht behütet in einer schmuckvollen Vorortgegend, in dem das Zusperren der Türen nicht notwendig scheint. Ihr Mann ist oft auf Dienstreisen, die Kinder zicken herum und sie holt sich ihre Abwechslung durch Teilnahme an einem kleinen Buchclub, den die Freundinnen selbst gründeten, um ein wenig ihrem Einerlei entkommen zu können. Alle erhoffen sich etwas mehr Abwechslung oder Spannung – trauen sich gleichzeitig jedoch nicht, dafür auch etwas zu tun. Sie spielen ihre klassische Hausfrauenrolle (wir befinden uns in den 80ern!) und scheinen damit zufrieden. Eines Tages tritt James Harris als neuer Bewohner in diese Gegend ein und bereits durch sein grandioses Aussehen werden die Damen nervös. Nun geschehen jedoch auch irritierende Dinge, was dazu führt, dass Patricia – nach erfolgtem Studium der einschlägig bekannten Vampirliteratur – zur Erkenntnis kommt, dass es sich bei ihm um einen Vampir handelt.
Selbstverständlich steht sie mit ihrem Glauben alleine da und wird wegen ihrer kruden Ideen und Vorstellungen ins Abseits geschoben. Patricia gibt jedoch nicht auf, um lediglich in ihre vorgegebene Rolle zurück zu fallen – nein, sie geht ihren Weg und dieser führt ungebremst zu einem Showdown, wie es vom Leser erwartet wird.
SOUTHERN GOTHIC ist eine Danksagung und ein Geschenk an alle Mütter, die sich dem Wind entgegenstellen, um dadurch ihren Kindern das Leben zu erleichtern
SOUTHERN GOTHIC bietet einen spannenden Plot, der rasant, flüssig, eingängig und teils mit einer humorvollen Note dargeboten wird. Ein Buch, welches mich rundum zu überraschen wusste und trotz der hohen Seitenzahl viel zu schnell zu Ende war.
Spannung und dezenter Grusel kommt nicht zu kurz, einige brutale als auch blutige Szenen werden darüber hinaus geschickt eingewoben. Hendrix erweitert dadurch sehr geschickt seine Zielgruppe in die unterschiedlichsten Richtungen.
Kurzum eine absolute Leseempfehlung, unabhängig, ob man Vampire nun mag oder nicht – hier in Gestalt von James Harris eher ein Mittel zum Zweck. Ich habe jede Seite genossen und bin immer noch überrascht, wie ein Autor der heutigen Zeit durch seinen Vampir-Thriller diesem fast ausgelutschten Genre noch etwas hinzufügen, wenn nicht sogar wiederbeleben konnte. Klare Empfehlung eines mir bis dato eher unbekannten Schriftstellers.
Hysterika.de/JMSeibold/23.05.2021

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes

Originaltitel: La sombra del viento
Erschienen 2001 bei Editorial Planeta S.A., Barcelona
Aus dem Spanischen von Peter Schwaar
© Carlos Ruiz Zafón, 20021
© der deutschen Ausgabe Insel Verlag Frankfurt a.M. 2003
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-518-45800-6
ca. 563 Seiten

COVER:

Als sich der zehnjährige Daniel Sempere, der allein mit seinem Vater im grauen Barcelona der Franco-Ära lebt, auf dem geheimen „Friedhof der vergessenen Bücher“ ein Buch aussuchen darf, greift er nach einem verstaubten Exemplar von Der Schatten des Windes. Daniel ist fasziniert von dem Buch und macht sich auf die Suche nach seinem Autor, einem gewissen Julián Carax, von dem keiner zu wissen scheint, ob er noch lebt oder was ihm widerfahren ist. Mit den Jahren gerät Daniel immer mehr in den Bann dieser mysteriösen Gestalt, und die Menschen, denen er begegnet, und die Frauen, in die er sich verliebt, scheinen nur Figuren in einem Spiel, dessen Regeln er nicht kennt. Fast ist es, als ob sich die vergangene Geschichte in seinem eigenen Leben wiederhole, das von dem Schatten furchtbarer Ereignisse verdunkelt zu werden droht.

REZENSION:

Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón befindet sich schon seit Jahren auf meiner „Noch-zu-lesen-Liste“. Geblendet von den hochtrabenden Kritiken und dem mysteriös angehauchten Covertext und einer Bibliothek voll vergessener Bücher führte zum nachhallenden Drang, sich eines Tages diesem Werk unbedingt widmen zu wollen.
Interessanterweise schienen wir dieses Buch bereits eine ähnliche Zeit in unserem Haushalt zu haben, denn als ich es mir bei der örtlichen Bibliothek ausleihen wollte, erkannte meine liebe Frau das Cover und meinte, sie hatte dieses Buch vor Jahren geschenkt bekommen, jedoch noch nicht gelesen. Sie stöberte dann ein wenig unter ihren Büchern und brachte mir oben genanntes Werk. Ich glaube, solche Episoden verstehen nur Büchernarren, die nicht mehr richtig wissen, was sich so alles an Werken in ihrem Hause befindet…
Nun zurück zum Buch: Der Schatten des Windes beginnt fulminant und konnte mich nahezu ungebremst für sich gewinnen. Wie gerne würde ich ebenfalls im Friedhof der vergessenen Bücher schmökern und eines davon mein eigen nennen. Sprachlich auf einem sehr hohen Niveau begleiten wir den jungen Daniel auf dem Weg zum Erwachsenwerden und auf der Suche nach Hintergründen von Julián Carax.
So genial und herausragend ich die ersten etwa 20% dieses Buches lieben lernte, so enttäuschte mich der weitere Plot. Nichts desto trotz versuchte ich noch bei der Stange zu bleiben, da die Vorschusslorbeeren des Anfangs wahrlich herausragend waren. Schlußendlich beschloss ich mich jedoch kurz vor der Zielgeraden (es fehlten gerade noch 150 Seiten) das Werk als beendet zu betrachten, da ich ihm nichts mehr gleichbedeutendes entnehmen konnte.
Juliáns Jagd nach dem Autor von Der Schatten des Windes verliert sich in Nebensächlichkeit und wäre nicht die herausragende Nebenperson namens Fermin gewesen, ich hätte mich sicher bereits früher zum Abbruch entschieden.
Julián selbst scheint sich ungebremst in jede weibliche Person, der er begegnet, zu verlieben und geht relativ dilettantisch auf seiner Jagd nach weiteren Erkenntnissen vor. Gut, Zafóns Sprache ist angenehm und teilweise sehr philosophisch – leider fehlte mir trotzdem ein gewisser Antrieb in der Geschichte selbst. Nur als reiner Betrachter eines recht normal wirkenden Lebens möchte ich als Leser nicht wirken, da muss ein klein wenig mehr geschehen, um bei mir einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Schlußendlich verstehe ich sehr wohl, warum dieses Buch bei vielen Menschen einen gewissen Stellenwert innehaben zu scheint, Geschmäcker sind jedoch verschieden und bei mir hat es schlicht nicht bis zum finalen Ende funktioniert.
Hysterika.de/JMSeibold/13.05.2021

C. A. Fletcher: Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt

Originaltitel: A Boy and His Dog at the End of the World
Erschienen 2019 bei Orbit, an Imprint of Little, Brown Book Group London
Deutsch von Vanessa Lamatsch
© der Originalausgabe 2019 by Man Sunday Ltd.
© der deutschsprachigen Ausgabe 2020 by Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3232-1
ca. 475 Seiten

COVER:

Mein Name ist Griz. Meine Kindheit war anders als deine. Ich hatte keine Freunde, einfach aus dem Grund, dass ich außer meiner Familie kaum jemanden kenne. Überhaupt bin ich in meinem ganzen Leben nur einer Handvoll Menschen begegnet. Zwar sagen meine Eltern, dass die Welt einst bevölkert war, doch jetzt gibt es nur noch uns. Aber wir sind nicht einsam auf unserer entlegenen Insel. Wir haben einander – und unsere Hunde. Doch dann kam der Dieb, und er stahl meinen Hund. Aber wenn es kein Gesetz mehr gibt, das Diebstahl bestraft, werde ich ihn mir zurückholen. Denn was bleibt von unserer Menschlichkeit übrig, wenn wir nicht für jene, die wir lieben, alles, wirklich ALLES tun …

REZENSION:

Als ich das Cover dieses Buches von C. A. Fletcher zum ersten Mal sah, konnte es durch seine schlichte Darstellungsweise und dem ansprechenden Titel bereits für eine nicht unerhebliche Steigerung meiner Aufmerksamkeit sorgen. Selbst Inhaber zweier Hunde stellte ich mir sogleich eine dystopische Endzeitstimmung vor, in der sich ein Junge mit seinem Hund auf den unvermeidlichen Weg durch eine zerstörte Welt macht und dabei eine Vielzahl an gemeinsamen Abenteuern erleben wird.
Ein Blick auf die Coverbeschreibung reduzierte diese selbst gesteckte Erwartung und brachte sie in eine andere Bahn: Nun befinden wir uns zwar weiterhin in einer dystopischen Welt, jedoch wurde dem Jungen sein Hund eines Tages gestohlen.
Gut, somit macht er sich nicht gemeinsam mit seinem Hund auf den Weg, sondern versucht seinen wieder zurück zu bekommen.
Trotz meiner anders gerichteten Erwartungen widmete ich mich diesem Werk, da ich dennoch gespannt auf die dabei entstehende Entwicklung war – insbesondere, da ich aktuell sehr stark auf der Suche nach dem besonderen Plot in der phantastischen Literatur bin und wie bereits erwähnt, das Cover alleine schon für eine gewisse Abwechslung zu sorgen wusste.
Die Story beginnt auch recht interessant und man bekommt einen zwar nicht detailliert dargelegten, dennoch ganz geschickt offenbarten Blick auf die sich darbietende Welt.
Eine Dystopie, deren Ursache nebensächlich ist und somit das Hauptanliegen des Autors auf der Familie des Jungen liegt.
„Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt“ ist eine Geschichte über Freundschaft – leider in meinen Augen etwas zu oberflächlich und in seiner Entwicklung zu langweilig dargestellt. Ein Plot dieser Art besitzt Potenzial ohne Ende und kann durch geschickte Erzählweise ein sehr breites Leserspektrum für sich gewinnen. Bei mir hat es nicht gezündet und ein weiterer Testleser aus meinem Haushalt bestätigte dies lediglich.
Alles in allem eine grandiose Idee und grundsätzlich endlich einmal eine neue, erfrischende Idee in der ausufernden Welt der dystopischen Literatur. Bücher über Freundschaft und Zusammenhalt sind gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig – dennoch sollten auch diese den Leser bei der Hand nehmen und gerade in diesem Genre durch gewisse Besonderheiten (Spannung, Liebe zum Detail, Antrieb, stringentes Vorgehen) überzeugen. Dann würde es auch mit einem Plot dieser Art problemlos funktionieren.
Vielleicht eher was für sehr junge Leser?
Hysterika.de/JMSeibold/12.05.2021

Paul Watson: Wenn der Ozean stirbt, sterben auch wir

Originaltitel: Urgence! Il faut sauver les océans
Erschienen 2020 bei Editions Glénat, Frankreich
Aus dem englischen von René Stein
© Delius Klasing & Co. KG, Bielefeld
ISBN 978-3-667-12091–5
ca. 121 Seiten

COVER:

NICHT KLAGEN – HANDELN!

„Man kann die Welt nicht verändern, ohne Wellen zu schlagen.“ Das ist schon immer Paul Watsons Credo. Und genau das tut der Gründer von Sea Shepherd auch: Wellen schlagen, aufmerksam machen, aufrütteln. Weil „Wasser das Blut des Planeten ist“ und weil wir es zu vergiften drohen, richtet er sich mit einem neuen Manifest an uns alle. Schonungslos ehrlich berichtet er vom fortschreitenden Klimawandel und den sterbenden Ozeanen. Damit wir uns bewusst werden. Darüber, dass wir nicht der Mittelpunkt der Natur sind, sondern nur ein Teil von ihr. Darüber, dass unser Planet stirbt. Durch unser Zutun. Und dass es unsere Aufgabe ist, ihn zu retten.

KÄMPFERISCH UND ENTSCHLOSSEN RICHTET SICH DIESER WECKRUF AN ALLE: WIR MÜSSEN ENDLICH HANDELN!

REZENSION:

Es gibt eine sicherlich schier unendliche Zahl an Büchern, wissenschaftlichen Erkenntnissen und vielem mehr, was uns Menschen die Augen öffnen soll, damit wir endlich kapieren, dass die rasante Entwicklung in Bezug auf den Klimawandel und der Vernichtung unserer Ressourcen sehr wohl menschengemacht ist. Viele dieser Werke sind sehr schwarz-weiß gezeichnet und man wird entweder mit wissenschaftlichen Abhandlungen gelangweilt oder der Autor versucht uns klar zu machen, dass wir ab sofort unser Leben komplett ändern sollen. Sehr oft ist dies jedoch nicht von heute auf morgen möglich und dementsprechend oft lassen es die Menschen dann einfach sein, da man ja gelernt bekommen hat, dass nur ein kompletter Schwenk etwas nutzt.
Paul Watson, seines Zeichen Gründer von Sea Shepherd, geht einen einfacheren Weg und legt diesen auf geschickte und eingängige Weise im vorliegenden, gerade mal 120 Seiten dünnen Büchlein dar. Er gibt zu, selbst ein Heuchler zu sein, da er ebenfalls mit dem Flugzeug von A nach B reist, seine Schiffe Diesel zum Antrieb benötigen und er somit ebenfalls nicht zu einhundert Prozent auf alles nur erdenklich  mögliche zu Gunsten unseres Planeten verzichtet. Gleichzeitig nutzt er jedoch auch diese Mittel, um etwas gegen Wilderer, Meeresverschmutzung und dem Töten majestätischer Meeresbewohner wie zum Beispiel Wale, Schildkröten und Delphine zu unternehmen.
Der Titel „Wenn der Ozean stirbt, sterben auch wir“ ist etwas reißerisch und klingt stark nach einer plakativen wissenschaftlichen Abhandlung. Erfreulicherweise ist dies absolut keineswegs der Fall. Paul Watson erzählt lieber aus erster Hand und legt seine Gedanken dar. Zahlen, Daten, Fakten kommen nur vereinzelt vor und sind eher nebensächlich eingestreut, da er vielmehr mit Nachdruck seine Gedanken offenbart und jedem Leser etwas offenbart, was jedem halbwegs gebildeten Menschen grundsätzlich bereits bewusst sein sollte.
Er zeigt auf, was man selbst tun kann und lässt den Leser erkennen, dass seine Regeln wahrlich simpel sind und grundsätzlich verwendet werden können – nicht nur in Bezug auf den Klimawandel, sondern auch auf das allgemeines Leben. Sie könnten sich ebenso gut in einem Business-Ratgeber befinden, wodurch sich zeigt, dass der Weg das Ziel ist und der Weg auch nicht wirklich recht steinig zu sein scheint.
Watson bringt interessante Beispiele und macht dafür erstaunlich wenig Werbung für seine eigenen Hilfsorganisation. Vielmehr verweist er zusätzlich auf andere Organisationen am Ende des kleines Büchleins.
Von uns Lesern erwartet er lediglich, dass wir beginnen, uns selbst zu helfen und dabei ist bereits ein kleiner Schritt ein Schritt in die richtige Richtung.
Kurzum: Die einen machen es mit Spenden, andere räumen Strände, Ortschaften, Spielplätze auf, wieder andere verzichten auf Fleisch und/oder Meerestiere… Jeder einzelne Baustein ist ein richtiger Baustein und manchmal erkennt man dabei auch, dass nach Etablierung des einen Steins ein weiterer problemlos hinzugefügt werden kann.
Ich habe mir dieses kleine Buch gekauft, als ich noch vom Inhalt der grandiosen und bedrückenden Dokumentation namens „Seaspiracy“ berührt war. Das kleine Büchlein von Paul Watson macht nun bereits bei uns die Runde und sorgt für den ein oder anderen Aha-Effekt – bis Hin zum Ändern von Nahrungsquellen und manch anderen kleinen Schritten.
Alles in allem  eine kurzweilige Lektüre, dass ein ernstes Thema auf interessante Art und Weise offenbart und – zumindest bei mir – ein weiteres Bausteinchen war, um mich mit diesem Thema nicht nur weiter zu beschäftigen, sondern auch noch den Schritt in Richtung weitere Bausteine zu Gunsten unseres Planeten und dessen Tierwelt zu ergreifen und weiter zu beschreiten.
Hysterika.de/JMSeibold/18.04.2021

Dee Brown: Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses

Originaltitel: Bury My Heart at Wounded Knee
Aus dem amerikanischen Englisch von Helmut Degner
New York: Holt, Rinehart and Winston 1970
© Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1972
© dieser Ausgabe 2012 Anaconda Verlag GmbH, Köln
ISBN 978-3-86647-836-7
ca. 542 Seiten

COVER:

Kaum ein zweites Buch hat den Blick der Amerikaner auf die Geschichte ihrer Nation so radikal verändert wie Dee Browns Bestseller „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“.
Fernab aller Wildwest-Romantik erzählt Brown in farbiger, kraftvoller Prosa von der Besiedlung des amerikanischen Westens aus der Sicht der „Native Americans“, führt ergreifend die grausame Gier der weißen Siedler und den verzweifelten Kampf der Indianerstämme gegen die skrupellose Landnahme vor Augen. Die Leser der New York Times kürten Browns 1970 erstmals erschienenen Tatsachenbericht zu einem der einflussreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts.

REZENSION:

Dee Brown arbeitete als Reporter und wurde danach Lehrer und Bibliothekar. Er wuchs in Arkansas auf und freundete sich zu dieser Zeit mit zahlreichen Indianern an. Ihm wurde dabei bewusst, dass die Darstellung dieser Völker in nahezu allen amerikanischen Filmen nicht der Realität entsprach.
Mit seinem bahnbrechenden Werk „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“ konnte er für eine erheblich höhere Wertschätzung der Indianer sorgen. Es handelt sich dabei um eine Darstellung der Besiedlung Amerikas aus Sicht der damaligen Ureinwohner.
Seine Darstellung ist dabei sehr trocken aufgeführt. Er beschreibt lediglich eine Spanne von circa 30 Jahren und zeigt dabei deutlich, dass diese kurze Zeit für die nahezu vollkommene Auslöschung der Indianervölker ausgereicht hatte. Die „Weißen“ zeigten sich deutlich als skrupellos und rücksichtslos gegenüber die vermeintlichen „Wilden“.
Das erschreckende in diesem Buch zeigt sich deutlich von Kapitel zu Kapitel: Dee Brown erzählt historisch korrekt und von verschiedenen Stämmen. Gleichzeitig wirkt jedes einzelne Kapital wie das vorherige. Hierdurch verstärkt sich die Problematik und der Irrsinn der Landnahme unter Ausrottung dieser Völker. Man benötigt dadurch etwas länger, um dieses Werk zu lesen – dies ist absolut diesem erschreckenden Umstand geschuldet, dass wir „Weißen“ absolut keine Rücksicht auf andere Völker nehmen und nur egoistisch agieren. Ich sage hier bewusst „wir Weißen“, da man sich nicht einfach zurücklehnen kann und auf die ach so bösen Amerikaner verweisen kann – nein, hier handelte es sich immer noch sehr stark um Einwanderer aus Europa und somit um unsere Vorfahren. Keiner ist hierbei ohne Schuld und man kann sicherlich dieses nachdenkliche Buch in den verschiedensten Ländern platzieren.
Dee brown hat es geschafft, den amerikanischen Ureinwohnern eine echte Stimme zu geben. Meiner Meinung nach sollte dieses Buch in den Schulen der Vereinigten Staaten zur Pflichtlektüre werden. Ein kleines niedergeschriebenes Denkmal für sehr naturverbundene Völker, die unseren Planeten sicher im Einklang mit ihm bewohnten und dabei von technisch mächtigeren Völkern aus der alten Welt nahezu vernichtet worden sind.
Ein reales Szenario, welches nicht nur den Amerikanern einen Spiegel vor hält.
Hysterika.de/JMSeibold/14.04.2021

Hannes Rastam: QUICK – Die Erschaffung eines Serienkillers

Originaltitel: Fallet Thomas Quick – Att skapa en seriemördare
Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller
©2012 by Hannes Rastam
©2013 der deutschen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67732-6
ca. 559 Seiten

COVER:

Der Fall Thomas Quick hat nicht nur in Schweden hohe Wellen geschlagen, weltweit erhitzt dieser unfassbare Justizskandal die Gemüter. In den Jahren 1992 und 2001 gesteht Thomas Quick dreißig Morde und wird für acht davon verurteilt. Nachdem immer wieder Zweifewl an der tatsächlichen Schuld von Quick aufkommen, trifft sich der investigative Journalist Hannes Rastam mit Quick und arbeitet sich durch 50.000 Seiten Gerichtsprotokolle, Polizeiverhöre und Therapieaufzeichnungen. Fazit der Recherche: Es gibt keinen stichfeste Beweis für Thomas Quicks Schuld. Er ist unschuldig.

REZENSION:

Sture Ragnar Bergwall, der sich von 1980 bis 2002 Thomas Quick nannte, behauptete, 33 Menschen getötet zu haben. Nach Erhalt von gewissen Psychotherapien widerrief er seine Geständnisse, was dazu führte, dass Sich der investigative Journalist Hannes Rastam mit diesem Fall intensiv zu beschäftigen begann. Er war einer der wenigen, der Thomas Quick in der Psychiatrischen Anstalt besuchen konnte und dabei einen mittlerweile recht gesprächig wirkenden Insassen kennenlernen durfte. Rastam begann den kompletten Thomas-Quick-Fall aufzuarbeiten und wühlte sich dabei durch sämtliche vorliegenden Dokumente. Nach und nach stellte sich deutlich heraus, dass es sich hierbei um einen der größten Justizskandale handelt, der über die Grenzen Schwedens hinausgeht.
Thomas Quicks Geständnisse waren geschickt durch gewisse Befragungstechniken geleitet und Quick selbst holte sich seine Informationen aus Tageszeitungen beziehungsweise Dokumentationen. Er war psychisch krank und suchte sich dadurch eine gewisse Art der Anerkennung – im Gegenpol die Ermittler und Anwälte, die dadurch eine Vielzahl an ungeklärten Mordfällen auflösen konnten.
Teilweise glaubten selbst Angehörige der Opfer nicht an die Schuld von Thomas Quick – den Beteiligten Anwälten und Polizisten konnte dies jedoch in ihrer Meinung nicht mehr beeinflussen. Dementsprechend befand sich Thomas Quick bis zur finalen Aufarbeitung durch Hannes Rastam 20 Jahre innerhalb der Mauern der psychiatrischen Anstalt.
Das vorliegende Buch ist somit ein sehr wichtiges Buch, da es den Schlüssel zur Freilassung von Thomas Quick darstellt. Es ist dementsprechend trocken dargeboten, da es sich nämlich keinesfalls um einen Roman handelt, sondern um das Ergebnis der journalistischen Arbeit von Hannes Rastam. Nichts desto trotz ist der Inhalt wichtig und es sollte noch viel mehr investigative Journalisten geben, die in der Lage sind, diesen immensen Aufwand leisten zu können. Nur so lassen sich Skandale der unterschiedlichsten Art offenbaren und gewisse Schiefstände wieder gerade rücken.
Hannes Rastam hat leider aufgrund einer Krebserkrankung das Ende der Schlussredaktion seines Buches nicht mehr erlebt – Thomas Quick ist jedenfalls mittlerweile begnadigt, leider hatte dies nur wenig Auswirkungen auf die Beteiligten Personen, die für die langjährige Inhaftierung die Schuld zu tragen hatten.
Ich kannte dieses Fall nicht einmal am Rande – dennoch sorgt das Buch für eine sehr tiefgehende Betrachtung dieses Justizskandals. Darüber hinaus lernt man sehr viel über geschickte Fragetechniken, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
Sicherlich wird QUICK in unseren Kreisen kein Blockbuster – nichts desto trotz ist es ein wichtiges Buch und dementsprechend positiv ist es zu betrachten, dass es nun – im Rahmen einer Verfilmung – auch auf unserem Markt erhältlich ist.
Hysterika.de/JMSeibold/11.04.2021

Matias Faldbakken: The Hills

Originaltitel: The Hills
Aus dem Norwegischen von Maximilian Stadler
©2017 Matias Faldbakken
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27190-6
ca. 238 Seiten

COVER:

Was geschieht, wenn das Gleichgewicht aus den Fugen gerät? Dieser Frage widmet sich Matias Faldbakken in seinem neuen Roman. Den Rahmen bildet ein altmodisches Restaurant namens The Hills, dessen Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Ein Pianist sorgt für ruhige Hintergrundmusik, die Einrichtung ist klassisch, gediegen. Der Leser wird in ein eigenes Universum eingeführt. Chef, Koch, Kellner: Die Hierarchien sind klar verteilt. Es herrscht eine Mischung aus strikten Routinen und hochsensiblen Umgangsformen. All das gerät ins Wanken, als eine unbekannte Frau ins Lokal kommt. Wer ist die Frau? Was will sie? Nicht nur der Kellner, sondern auch die Stammgäste geraten in Aufruhr..

REZENSION:

Matias Faldbakken wurde mir nach dem grandiosen und abgedrehten Werk mit Namen „Wir sind fünf“ ein Begriff. Im genannten Buch zeigte sich der Alltagsbeobachter virtuos und bitterböse. Nebenbei sorgte er für unglaublichen Witz und zieht Anleihen aus dem alten Gruselfilm „The Blog“ auf interessante Art und Weise in unsere Zeit.
Dementsprechend euphorisch freute ich mich auf die Heyne Hardcore-Veröffentlichung eines weiteren dünnen Buches dieses abwechslungsreich agierenden Autors.
Im vorliegenden Werk begeben wir uns in ein sehr konservatives, gediegenes und recht altes Restaurant mit Namen „The Hill“.
Hier begleiten wir die recht geringe Anzahl an Angestellten und Gästen, deren Tätigkeiten und Gedankenwelten von Faldbakken vor uns offenbart werden.
Leider bleibt es dabei und man fragt sich relativ schnell, wann sich Matias Faldbakken nun endlich einen Schritt nach vorne wagt, um den Leser mit mindestens einer Kehrtwendung wieder zurück zu holen. Er bleibt jedoch seiner Vorgehensweise treu und sorgt somit im Gegensatz zu „Wir sind fünf“ in diesem Buch für eine durchgehende Eintönigkeit, die gänzlich ohne nennenswerte Spitzen aufwartet.
Dies ist absolut schade, da der Schreibstil Faldbakkens auch hier sehr eingängig ist – dies alleine reicht jedoch nicht, um einen Leser bei der Hand zu nehmen, da muss definitiv mehr passieren. Insbesondere, da es nicht ersichtlich wird, worauf der Autor eigentlich hinaus will.
Wie man bereits erkennt, konnte mich Faldbakken mit diesem Werk nicht überzeugen. Ich denke, er sollte vielmehr weiterhin seine Betrachtungen auf kuriose Art offenbaren, wie bereits in „Wir sind fünf“ geschickt durchgeführt. „Wir sind fünf“ ist in meinen Augen auch weiterhin eine Empfehlung wert, „The Hills kann sich dem jedoch nicht anschließen.
Hysterika.de/JMSeibold/10.04.2021

Stephen King: Später

Originaltitel: Later
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt 

©2021 by Stephen King
©2021 der deutschsprachigen Ausgabe Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27335-1
ca. 304 Seiten

COVER:

Jamie Conklin wächst in Manhattan auf und wirkt wie ganz ein normaler Junge. Mit seiner alleinerziehenden Mutter Tia teilt er jedoch ein Geheimnis: Er kann von klein auf die Geister kürzlich Verstorbener sehen und mit ihnen reden. Und die Toten müssen alle seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia ist Literaturagentin und hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner großen Bestsellersaga blieb leider unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe. Das Befragen der Toten ruft allerdings auch ungewollte Dämonen herbei.

REZENSION:

Egal wie hoch der Stapel ungelesener Bücher auch sein mag: Ein neuer King wird vorgezogen – diesmal wohl eine Art „Ich sehe tote Menschen“, wie man es bereits aus „The Sixth Sense“ zu kennen meint. Interessanterweise konnte ich diesen Gedanken auch einige Zeit nicht ablegen. Jamie wirkte doch eine gewisse Zeit wie der Junge im angesprochenen Blockbuster mit Bruce Willis.
Stephen King wäre aber nicht Stephen King, wenn er einfach kopieren würde. Somit bleibt es nur kurz bei diesem Gedanken und SPÄTER entwickelt sich trotz der für King recht geringen Seitenzahl zu einem Crossover von Coming-of-Age, einen Touch Horror und recht viel Crime, gewürzt mit Toten, die schlicht noch ein wenig benötigen, bis sie sich auf eine nicht näher definierte Art davon machen beziehungsweise verschwinden. Während dieses Zeitraums zwischen Ableben und endgültigem Verblassen kann Jamie mit ihnen direkt von Kind zu Totem sprechen. Die Toten sind dabei aus irgendwelchen Gründen dazu gezwungen, immer die Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten, was es natürlich für den Fragesteller recht einfach macht.
Auch in diesem Werk brilliert King mit seinem unnachahmlichen Schreibstil. Erneut konnte ich mich der Geschichte nicht entziehen, obwohl sie in ihrer Gänze zwar grandios, dennoch nicht in einer Riege mit den Blockbustern des Autors zu nennen sein wird.
Stephen King scheint etwas nachdenklicher zu werden und lässt uns als treuen Leser daran teilhaben. Jamies Geschichte wird in der Ich-Form dargelegt und dementsprechend nahe rückt man an seinen Protagonisten. Der Schwenk von Crime in Richtung klassischem King-Horror wird in Richtung Ende vermehrt vollzogen – dennoch bleibt der Horroraspekt mit Sicherheit für jeden verdaulich und somit nicht zu dick aufgetragen. Ein bisschen mehr hätte der Geschichte sicher nicht geschadet – insbesondere alte Hasen wie ich würden sich mal wieder über etwas fieseres aus Kings Feder freuen.
Nichts desto trotz handelt es sich bei SPÄTER um einen guten Wurf meines Lieblingsautors. Mit den gerade mal 300 Seiten konnte er nicht so viel ausschweifen, wie von ihm bekannt – dennoch handelt es sich um eine eingängige und gut funktionierende Novelle mit interessanten Aspekten. Irritierenderweise lässt es seinen Leser nach Beenden des Buches sogar kurze Zeit ein wenig über das Leben und den Tod an sich nachdenken. Somit ganz nebenbei ein kleines Werk mit dezentem Nachhall.
Hysterika.de/JMSeibold/15.03.2021

Susanna Clarke: Piranesi

Originaltitel: Piranesi
Aus dem Englischen von Astrid Finke
©2020 by Susanna Clarke
©2020 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Karl Blessing Verlag, München
ISBN 978-3-89667-672-6
ca. 269 Seiten

COVER:

Ein riesiges Gebäude, in dem sich endlos Räume aneinanderreihen, verbunden durch ein Labyrinth aus Korridoren und Treppen. An den Wänden stehen Tausende Statuen, das Erdgeschoss besteht aus einem Ozean, bei Flut donnern die Wellen die Treppenhäuser hinauf. Das Obergeschoss ist das Reich der Vögel und der Wolken.

In diesem Gebäude wohnt Piranesi. Er hat sein Leben der Erforschung dieser bizarren Welt gewidmet. Angeleitet von seinem einzigen Freund, einem Wissenschaftler, will er ein Geheimnis lösen, das vor langer Zeit verlorenging. Und je weiter sich Piranesi in die Zimmerfluchten des Gebäudes vorwagt, desto näher kommt er diesem Geheimnis.

REZENSION:

PIRANESI ist eines der wenigen Bücher, die ich mir aufgrund der geschickt konstruierten Covergestaltung ausgesucht hatte. Ich konnte mich dieser Darstellung schlicht nicht entziehen und dementsprechend stieg das Interesse, was sich wohl zwischen den Buchdeckeln befinden mochte.
Gleichzeitig möchte ich darauf hinweisen, dass mir weder Susanna Clarke noch der Bestseller „Jonathan Strange & Mr. Norrell“ ein Begriff war und auch weiterhin ist. Somit konnte ich mich dem vorliegenden Buch ganz unbeeindruckt von anderen Einflüssen widmen.
In PIRANESI begleiten wir den Namensgeber auf seinen Streifzügen durch endlose Räume. Diese wirken durchweg interessant und man fragt sich recht schnell, was sich wohl im nächsten befinden möge. Ab und an trifft Piranesi eine weitere Person, die er als Propheten sieht. Diese Person bleibt recht wage in ihrer Darstellung und man fragt sich als Leser recht schnell, welchen Sinn dieser unregelmäßige Auftritt wohl inne hat.
Das Buch hat unglaublich viele Stärken – gleichzeitig sind diese für manchen Leser auch Schwächen des Werkes, da sich das „Herumstöbern“ doch recht umfangreich hinzieht und keine neuen Erkenntnisse mit sich bringt. Dennoch wollte ich das Buch – trotz der immer wiederkehrenden Gedanken nach einem frühzeitigen Beenden – unbedingt zu seinem Ende führen, da ich mich einfach nicht mit gutem Gewissen vom weiteren Lesen abhalten konnte.
Interessanterweise führte das zu einem eher wohlwollenden Gedanken am Ende des Werkes, da die Geschichte in ihrer Gänze einen interessanten Schwenk vorbereitet und manchen Leser mit seinem kuriosen aber sehr interessanten Ende doch für sich überzeugen kann.
Die Auflösung ist auch durchweg gelungen und lässt einen leicht nachdenklich und noch etwas philosophierend zurück. Allein dafür lohnt sich das Lesen – nichts desto trotz verliert das Werk mit Sicherheit viele Leser auf dem Weg dorthin, da dieser definitiv etwas zu langatmig dargelegt ist.
PIRANESI ist ein besonderes Werk, welches mit Sicherheit nicht für jeden geeignet ist. Auch ich zähle mich eher zu dieser Klientel – trotz meine doch eher in Richtung positiv schwenkenden Meinung. Dies liegt an dem Umstand, dass Susanna Clarke es dem Leser nicht wirklich einfach macht, beziehungsweise durch ihre Art des Erzählens sicher nicht jeden für sich einvernehmen kann. PIRANESI ist sehr unkonventionell erzählt – dies schreckt sicher auf dem Weg in Richtung Auflösung viele ab, dies war gleichzeitig der einzige Grund, warum ich mich bis dorthin damit beschäftigt hatte und den langen Weg auf mich nahm
Hysterika.de/JMSeibold/14.03.2021

Ray Bradbury: Fahrenheit 451

©1953 Ray Bradbury
ISBN 978-0-00-654606-1
ca. 227 Seiten

COVER:

THE TERRIFYINGLY PROPHETIC NOVEL OF A POST-LITERATE FUTURE…

Guy Montag is a fireman. His job is to destroy the most illegal of commodities, the source of all discord and unhappiness: the printed book.

Montag never questions the destruction or his own bland life, until he is shown a past where people didn’t live in fear and a present where one sees the world through ideas.

Montag starts hiding books in his home. Soon they’ll make him run for his life.

REZENSION:

FAHRENHEIT 451 ist ein Stück Literaturgeschichte. Dementsprechend schwer fällt es mir, hier nicht nur himmelhochjauzend für das Lesen dieses geschichtsträchtigen Werkes zu plädieren. Selbstverständlich sollte jeder Liebhaber von Büchern sich mit diesem Buch befasst zu haben – viel zu wichtig ist dessen visionärer Inhalt: Ein Verlust des niedergeschriebenen Wissens als auch der textuellen Darlegung von Geschichten würde die Menschheit ungebremst in die Dunkelheit stürzen. Nichts desto trotz scheinen wir uns trotz des Vorhandenseins von Wissen in den Weiten des Internets immer mehr in diese Richtung zu bewegen.
FAHRENHEIT 451 ist bedrückend für jeden Liebhaber guter Bücher – allein der Gedanke, dass Bücher nicht nur verboten, sondern gar bei Entdeckung von Feuermännern hochamtlich verbrannt werden, ist nur schwer nachvollziehbar und sorgt bei jedem Leser für eine durchgehende, ängstlich angehauchte Gänsehaut.
Nichts desto trotz hatte ich mir den Plot ein wenig spannender und beängstigender vorgestellt. Immerhin geht es hier um den Nachlass der Menschheit und um einen Menschen auf der Flucht vor seinen Häschern. Natürlich verliert sich die Dramatik und der philosophische Hintergrund auf keiner Seite und die Geschichte Bradburys steht auch nahezu 70 Jahre nach seinem Entstehen immer noch für sich. Würde jedoch ein Autor sich aktuell in dieser Art mit diesem Thema befassen, hätte er unter Umständen mit einigen etwas weniger euphorischen Stimmen zu rechnen. Als reiner phantastischer Plot ist es mir etwas zu zahm geschrieben – was nichts mit der Zeit des Entstehens zu tun hat, denn in den 50er Jahren entstanden hochrangige Werke der phantastischen Literatur. Als nachdenklich machende Lektüre ist FAHRENHEIT 451 anderen Werken jedoch deutlich überlegen und schafft es immer noch, uns einen nicht gerade kleinen Spiegel vor zu halten.
Ich hoffe sehr, dass wir niemals in eine Welt ohne Bücher eintreten, da dies definitiv der Anfang vom Ende wäre – vor ca. 70 Jahren gab es schon erste Schritte in diese Richtung. Möge sich so etwas nie mehr wiederholen …
Hysterika.de/JMSeibold/08.03.2021

FG006 – American Psycho (2000)

1 Film – 2 Generationen

Laura (*1994) und Jürgen (*1971) sprechen in dieser Folge über den Film American Psycho aus dem Jahre 2000 mit Christian Bale in der Hauptrolle.

Auch diesmal betrachten sie dieses Werk aus verschiedenen Richtungen und mit dem Blick unterschiedlicher Lebenserfahrungen – aber hört selbst….

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In der nächsten Folge geht es dann um einen actionreichen Plot, gefüllt mit einer Vielzahl an wahren Lügen.

FG005 – Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit (1989)

1 Film – 2 Generationen

Laura (*1994) und Jürgen (*1971) sprechen in dieser Folge über den Film Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit aus dem Jahre 1989 mit Keanu Reeves und Alex Winter in den Hauptrollen.

Auch diesmal betrachten sie dieses Werk aus verschiedenen Richtungen und mit dem Blick verschiedener Lebenserfahrungen – aber hört selbst….

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In der nächsten Folge geht es dann um einen jungen, erfolgreichen Amerikaner, der komplett durchdreht.

Cixin Liu: Kugelblitz

Originaltitel: Qiúzhuáng shandiàn
Aus dem Chinesischen von Marc Hermann
Deutsche Erstausgabe 06/2020
©2000 by Cixin Liu
©2020 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32030-7
ca. 537 Seiten

COVER:

China in der nahen Zukunft. An seinem vierzehnten Geburtstag muss der junge Chen miterleben, wie seine Eltern vor seinen Augen getötet werden. Ein mehrere Tausend Grad heißer Feuerball fährt in ihr altes Haus und verwandelt alles in Asche – ein Kugelblitz. Fortan hat Chen nur noch ein Ziel im Leben: Er will diesem rätselhaften Naturphänomen auf den Grund gehen und es erforschen. Der Weg dorthin führt ihn weit weg von seiner Heimat in der chinesischen Provinz über sturmgepeitschte Gebirge bis in die Hauptstadt und tief hinab in die Geheimlabore des Verteidigungsministeriums. Dort trifft Chen, inzwischen ein anerkannter Wissenschaftler, auf die Waffensystementwicklerin Lin Yun, die genauso wie er von Kugelblitzen besessen ist.
Für ihr gemeinsames Ziel müssen sie nicht  nur politische und technische Hürden überwinden, sondern auch ihre Beziehung zueinander auf den Prüfstand stellen. Nach endlosen Versuchsreihen und vielen Rückschlägen machen die beiden schließlich eine atemberaubende Entdeckung, die Chen an die Grenzen der Physik führt und ihn vor eine Entscheidung stellt: Wem gilt seine Loyalität – seiner Obsession mit Kugelblitzen, seiner Partnerin Lin Yun, seinen Auftraggebern aus dem Ministerium – oder allein der Wissenschaft?

REZENSION:

Cixin Liu konnte mich durch seine großangelegte Trisolaris-Reihe nicht nur im Genre Science Fiction mit einer neuen prosaischen Art überzeugen, sondern auch mit den darin befindlichen philosophischen Ansätzen zu interessanten persönlichen Gedankengängen animieren.
Dementsprechend euphorisch widmete ich  mich dem bei uns in Deutschland vor kurzem veröffentlichten Werk mit dem Titel „Kugelblitz“.
Etwas später erfuhr ich, dass es sich dabei eher um ein Frühwerk des Autors handelt – nichts desto trotz klang der Inhalt außerordentlich interessant.
Bereits einige Seiten später schaffte es Cixin Liu durch seine geschickte Einführung und den daraus resultierenden Begebenheiten, mich abermals mitzunehmen. Liu startet außerordentlich spannend und man entwickelt als Leser von Seite zu Seite ein absolutes Eigeninteresse an den kuriosen Kugelblitzen. Leider kann dieses hohe Niveau durch den Autor nicht durchgehalten werden und man erkennt nach und nach, dass die beteiligten Personen relativ oberflächlich gezeichnet sind und sich die Geschichte mehr und mehr zu einem extremen Hard-SF-Plot entwickelt, der gefühlt nur noch auf Basis der wissenschaftlichen Diskussionen seinen Antrieb findet.
Als Einstieg in die Welt von Cixin Liu kann somit „Kugelblitz“ nicht empfohlen werden – als interessanter Blick auf die persönliche Entwicklung eines mittlerweile grandiosen Autoren funktioniert es relativ gut. Wer somit in die Welt dieses Schriftstellers eintauchen möchte, sollte sich unbedingt „Die drei Sonnen“ zulegen und somit mit der Trisolaris-Trilogie starten. „Kugelblitze“ steht ein gutes Stück unter dessen Niveau und ist eher für Kenner der Materie beziehungsweise absolute Freunde wissenschaftlicher Diskussionen innerhalb der Welt von tiefgehender Hard-Science-Fiction vorbehalten. Als antriebsvoller Unterhaltungsplot konnte es mich leider nur partiell überzeugen.
Hysterika.de/JMSeibold/13.02.2021

FG004 – Durchgeknallt (1999)

1 Film – 2 Generationen

Laura (*1994) und Jürgen (*1971) sprechen in der vierten Folge des generationenübergreifenden Filmpodcasts über  DURCHGEKNALLT aus dem Jahre 1999 mit Winona Ryder und Angelina Jolie in den Hauptrollen.

Auch diesmal betrachten sie dieses Werk aus verschiedenen Richtungen und mit dem Blick verschiedener Lebenserfahrungen – aber hört selbst….

In der nächsten Folge geht es dann um 2 Hoschies, die in einer Telefonzelle durch die Zeit reisen.

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Jack Finney: The Body Snatchers

©1955 by Jack Finney
ISBN 978-0-575-08531-2
ca. 226 Seiten

COVER:

When Becky Driscoll turns up at Dr Miles Bennell’s consulting rooms after hours one August evening and tells him that her cousin Wilma doesn’t think that her Uncle Ira is really her Uncle Ira, this is just the beginning of a nightmare for the sleepy town of Mill Valley. As the number of similar stories multiplies, Miles discovers the horrific truth. Aliens are taking over the bodies and minds of his friends and neighbours …

REZENSION:

Jack Finneys Werk “The Body Snatchers” aus dem Jahre 1955 ist natürlich mittlerweile ein absoluter Klassiker des Science Fiction Genres. Interessanterweise bewegen wir uns in seinem Werk nicht in der Zukunft, sondern in einer verschlafenen Kleinstadt, in der sich scheinbar die Menschen nicht mehr so richtig normal verhalten. SF ist es lediglich durch den Umstand, dass es ein Alien-Roman ist und somit dieses Genre dafür herhalten muss.
In meinen Augen war „The Body Snatchers“ eher eine Art Horror – insbesondere, da ich als recht junger Kerl eines Tages die alte S/W-Verfilmung angesehen hatte und damals absolut geschockt war. Der Horror ist hier sehr subtil und findet eher im Kopf statt. Nun konnte ich mich endlich der Romanvorlage widmen und bin ähnlich überrascht, wie gut diese Geschichte auch weiterhin herausragend funktioniert. Natürlich ist die Zeit nun eine andere und manche Ansichten wirken doch sehr antiquiert – dennoch ist es unglaublich interessant, sich diesem frühen Werk zu widmen.
Es ist und bleibt ein Klassiker und sollte dementsprechend bekannt bleiben. Ein sehr geschickt aufgebautes Werk, welches erst zum Ende hin durch den rasant abgewickelten Höhepunkt ein wenig verliert. Finney hätte sich hier getrost noch etwas Zeit lassen können, um seine philosophischen Ansätze besser deutlich zu machen.
Hysterika.de/JMSeibold/08.02.2021