Joe Keohane: Strangers

Strangers von Joe Keohane

Originaltitel: The Power of Strangers. The Benefits of Connecting in a Suspicious World.
Ins Deutsche übertragen von Jürgen Neubauer
Deutsche Erstauflage November 2021
© 2021 by Wilhelm Goldmann Verlag, München
ISBN 978-3-442-31557–4
ca. 414 Seiten

COVER:

Als Joe Keohane eines Nachts mit einem Taxifahrer ins Gespräch kam, überraschte es ihn selbst, als wie bereichernd er diese Begegnung empfang. Und er fragte sich: Warum rede ich eigentlich so ungern mit Fremden? Aus Angst oder Schüchternheit, aufgrund von Vorurteilen?

In „Strangers“ liefert Keohane eine hochspannende Kulturgeschichte des Fremden, von den alten Griechen bis ins Mittelalter, von der Industrialisierung zu erstarktem Rassismus und Nationalismus heute. Was passiert, wenn wir mit Unbekannten in Kontakt treten und Brücken bauen, statt Gräben zu vertiefen?
Die gelingende Gemeinschaft ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer heutigen Zeit. Nach Gesprächen mit Experten und intensiven Recherchen ist Keohane überzeugt: „Miteinander zu sprechen ist nicht nur eine Frage dessen, wie wir leben wollen – sondern wie wir überleben können.“

REZENSION:

Joe Keohane legt mit “Strangers“ eine interessante Abhandlung vor, die sich vordergründig mit einem einfachen Thema beschäftigt – gleichzeitig ist sich sicher fast jeder über die Schwierigkeit der Kontaktaufnahme mit „Fremden“ bewusst.
Mit „Fremden“ sind hier in diesem Werk nicht Ausländer gemeint, sondern einfach eine uns unbekannte Person – somit gänzlich unabhängig von Hautfarben, Herkunftsländern, Status, etc. Hierdurch bekommt das Buch eine gewisse Stärke, da es über Grenzen hinweg hilft und kein Lernwerk für angehende Rassisten darstellt. Einfach mit nicht bekannten Menschen reden? Es klingt so einfach und kann dennoch so schwer sein. Bereits beim normalen Grüßen fremder Menschen bekommt man oft genug verwirrend wirkende Gesichter zu sehen. Ab und an erhascht man jedoch ein zaghaften „Hallo“ oder „Grüß Gott“, gepaart mit einem Lächeln. Allein dafür lohnt es sich schon mal – dennoch gibt es den Gegenpart an Menschen, bei denen man während einer Kontaktaufnahme bereits das Gefühl bekommt, die Person klappt schon vorsorglich das Messer in der Hosentasche auf. Aus diesem Grund halte ich viele angesprochenen Vorgänge in „Strangers“ für mindestens schwierig oder mutig in ihrer Umsetzung. Der Erfolg scheint aber für den Autoren zu sprechen und ich denke, bereits einige wenige Schritte in diese Richtung mit einer gewissen Abschätzung des Gegenübers können sehr interessante Gespräche zur Folge haben.
Joe Keohane zeigt jedoch nicht nur Möglichkeiten der Kontaktaufnahme, sondern geht auch oft auf eine philosophische Ebene, die sehr interessant dargeboten wird.
„Strangers“ ist gut lesbar und hinterlässt zumindest einige spannende Ansätze. Darüber hinaus regt es zum Nachdenken an und lässt einen selbst ein klein wenig über verloren gegangene Kommunikation philosophieren. So weit ich mich erinnere, grüßten meine Großeltern grundsätzlich jeden, der ihnen entgegen kam. Allein an dieser Kleinigkeit könnte man bereits arbeiten und die Welt wäre ein klein wenig schöner.
Einige Aspekte halte ich für etwas abwegig – dennoch werden sie vom Autor gut dargelegt und scheinen zu funktionieren. Alles in allem ein recht interessantes Buch mit spannenden Impulsen, die das „Fremde“ abbauen möchten und können, falls man ein klein wenig die genannte Richtung einschlägt. Darüber hinaus besitzt das „Fremde“ nicht wirklich viel Gefahr – man muss nur offen sein und Vorurteile beiseite schieben.
hysterika.de / JMSeibold / 06.12.2021

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