Ferdinand von Schirach: TERROR – Ein Theaterstück und eine Rede

Neuausgabe Oktober 2016
btb Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, München
© 2016 Ferdinand von Schirach
ISBN 978-3-442-71496-4
ca. 164 Seiten

COVER:

Ein Terrorist kapert eine Maschine der Lufthansa und zwingt die Piloten, Kurs auf die voll besetzte Allianz-Arena in München zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug ab, alle Passagiere sterben. Der Mann muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Seine Richter sind die Zuschauer und Leser, sie müssen über Schuld und Unschuld urteilen.

Ein Theaterstück von bedrückender Aktualität. Es stellt die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Werden wir uns für die Freiheit oder die Sicherheit entscheiden? Wollen wir, dass die Würde des Menschen trotz der Terrorgefahr noch gilt?

Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015 hat auf schrecklichste Weise gezeigt, wie hoch der Preis sein kann, den wir für unsere Freiheit zahlen müssen. Schirachs Rede auf Charlie Hebdo, die ebenfalls in diesem band enthalten ist, ist ein Plädoyer für die Freiheit des Wortes, für unsere Zivilisation im Angesicht ihrer Feinde.

REZENSION:

Ein Terrorist kapert ein Flugzeug und lässt Kurs auf die voll besetzte Allianz-Arena in München nehmen. Ein Kampfpilot der Luftwaffe entscheidet eigenmächtig und gegen den ausdrücklichen Befehl seiner Vorgesetzten. Er schießt die Lufthansa Maschine ab und 164 Menschen werden getötet.
Demgegenüber stehen ca. 70.000 Menschen, die gerettet wurden.
Ferdinand von Schirach stellt in seinem Theaterstück auf Basis der Gerichtsverhandlung dieses Dilemma vor und bringt den Leser in eine echte Entscheidungssituation: Kann man Menschenleben gegeneinander aufrechnen? Lassen sich 164 Tote in Kauf nehmen, wenn dabei 70.000 gerettet werden? Wo befindet sich die Grenze dieser Zahl? Wie würde man entscheiden, wenn jemand Bekanntes sich im Flugzeug befinden würde?
Schirachs TERROR ist sehr geschickt konstruiert und dementsprechend eingängig entwickelt sich die Darstellung des Falles. Es gibt keine Diskussionen, die sich vom Fall lösen – nein, der Pilot gibt seine Tat uneingeschränkt zu. Doch wie soll man urteilen? Ist er frei zu sprechen, da er 70.000 Menschen gerettet hat oder entscheidet man sich für ein Tötungsdelikt in 164 Fällen?
TERROR ist ein sehr kurzes Buch – dennoch lässt es einen lange nicht los. Ferdinand von Schirach füttert seinen Leser mit allen zur Verfügung stehenden Fakten – lässt ihn aber in seiner Entscheidungsfindung alleine. Doch trotz allem Verständnis für den Gedankengang des Piloten stellt man sich die Frage, ob sein Vorgehen richtig war. Schirach bietet diese Antwort nicht – er offenbart beide Gerichtsurteile, was es dem Leser zusätzlich schwer macht, da man definitiv selbst eine Entscheidung für sich beanspruchen muss. Es gibt kein richtig oder falsch – wir befinden uns in einem moralischen Dilemma – gefüttert durch Vorgaben unserer Verfassung. Zu leicht findet man sich in einer Entscheidungshaltung, die sich jedoch nach einem weiteren Nachdenken wieder aufzulösen scheint.
TERROR ist im Dialog geschrieben, kurz gehalten und trotzdem ein brandaktuelles Drama mit einer Szenerie, die ähnlich immer wieder vorkommen kann.
Ein kluges Meisterwerk welches oberflächliche Meinungen und rasante Entscheidungen in Frage stellt und grundlegende Diskussionen anstößt.
Kurz, prägnant, Pflicht.
hysterika.de / JMSeibold/21.06.2021

Miriam Gebhardt: Die Weiße Rose

Die Weisse Rose von Miriam Gebhardt

© 2017 Deutsche Verlags-Anstalt, München
ISBN 978-3-421-04730-4
ca. 367 Seiten

COVER:

Über die Beteiligung der Deutschen an den Verbrechen des Nationalsozialismus wissen wir inzwischen viel. Sozialpsychologen, Gewaltforscher und Historiker haben ausgiebig über die unheimliche Verwandlung ganz normaler Menschen zu Tätern und Mitläufern geforscht. Doch was wissen wir von den anderen? Von den Menschen, die immun blieben gegen die Indoktrination, die den Gehorsam verweigerten und mutig gegen das Unrecht kämpften?
Am Beispiel der Weißen Rose, der wohl bekanntesten deutschen Widerstandsgruppe, forscht die Historikerin und Bestsellerautorin Miriam Gebhardt nach den Voraussetzungen für innere Autonomie, widerständiges Denken und Handeln. Sie beleuchtet die Biographien der Aktivisten um Sophie und Hans Scholl, Christoph Probst, Alexander Schmorell, Willi Graf und Kurz Huber, und macht deutlich, wie wichtig Familie, Freundschaften und Umfeld für die Mitglieder der Gruppe waren. Nicht zuletzt zeigt Gebhardt mit dieser neuen Geschichte der Weißen Rose, wie viel die Botschaft der jungen Aktivisten uns heute noch zu sagen hat.

REZENSION:

Die Geschichte der Weißen Rose hat auch mich bereits seit meiner Jugendzeit sehr intensiv berührt, aber auch begeistert. Es wurde eine Vielzahl an Werken veröffentlicht und im Rückblick an früher bin ich mir auch sicher, eine nicht gerade geringe Zahl davon auch gelesen zu haben. Trotz dieser recht tiefgehenden Betrachtung bin auch ich nicht davor gefeit gewesen, bei der Weißen Rose zuerst an Sophie und dann eventuell noch an ihren Bruder Hans zu denken. Doch ist dies der bisherigen Erzählweise geschuldet, wodurch der Blick stark auf diese beiden Personen gelenkt worden ist. Selbstverständlich waren die Geschwister nur ein Teil der im Nachgang „Weiße Rose“ betitelten und viel zu kurzlebigen Widerstandsgruppe des Zweiten Weltkrieges. Natürlich ist dies unfair gegenüber den weiteren Mitgliedern, die ebenfalls zu einem nicht gerade unerheblichen Teil auch mit ihrem Leben bezahlen mussten – vielleicht ist es aber auch im Hinblick auf die weitere Jahrzehnte bis zum heutigen Tag auch nicht das Schlechteste, das gerade eine Frau im Bewusstsein bleibt – aber das ist eine andere Geschichte.
Miriam Gebhardt schafft einen sehr geschickten Umriss und erarbeitet die gesamte Geschichte der Weißen Rose unter Beteiligung aller betroffenen Personen auf eine wissenschaftliche Art, jedoch unter Beibehaltung von sehr guter und rundum interessant wirkender Erzählweise. „Die Weiße Rose“ von Gebhardt möchte aufzeigen, wie bisherige, euphorische BDM- oder HJ-Mitglieder zu starken Widerstandskämpfern wurden. Dies gelingt ihr auch relativ gut, wobei natürlich für die jeweiligen Beweggründe Annahmen getroffen werden müssen, die sich aufgrund der vorliegenden Informationen und Belege ergeben. Nichts desto trotz ist das vorliegende Werk bereits dadurch etwas besonderes, da der Blick nicht nur auf die bekannten Gesichter gelenkt wird, sondern jedem nennenswerten Mitglied dieser Gruppe seinen dementsprechenden Platz mit dem Wunsch nach Erkennung der Beweggründe bietet.
Sophie Scholl wird sicherlich im weiteren Verlauf des Gedenkens durch die bisherigen Darstellungen die Hauptrolle inne haben – dennoch ist es unbedingt notwendig, auch den gesamten Kreis zu betrachten, was Miriam Gebhardt außerordentlich gut gelingt.
„Die Weiße Rose“ bietet somit eine sehr gute Erarbeitung der Hintergründe und Geschehnisse aus einer Zeit, die wir mit dem heutigen Verständnis nur noch schwer zu verstehen in der Lage sind. Aber gerade deshalb sind solche Bücher und das darin befindliche Verständnis notwendig. Nur so ist man gerüstet, sich nicht zu einfach auf rechte Propaganda oder radikale Veränderungen einzulassen, sondern vielmehr durch Erweiterung und Einbeziehung des eigenen Wissens dagegen zu halten.
hysterika.de / JMSeibold/06.06.2021

Adrian Tchaikovsky: Portal der Welten

Originaltitel: The Doors Of Eden
Aus dem Englischen von Irene Holicki
© 2020 by Adrian Tchaikovsky
Deutsche Erstausgabe 05/2021
© 2021 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-42490-6
ca. 638 Seiten

COVER:

England, in der nahen Zukunft. Vier Jahre nach dem spurlosen Verschwinden ihrer besten Freundin Mal ist die Studentin Lee noch immer traumatisiert. Nach einem mysteriösen Anruf kreuzen sich ihre Wege mit denen des MI5-Agenten Julian Sabreur, der einem Phantom nachjagt. Ist es vielleicht Mal? Aber wo war sie – und wo ist sie jetzt? Als auch noch eine Physikern entführt wird, die über Parallelwelten geforscht hat, beginnt das Gefüge von Lees und Julians Welt auseinander zu brechen. Irgendetwas ist da draußen, und es hat finstere Absichten …

REZENSION:

Adrian Tchaikovsky war mir bis zum Genuss seines Bestsellers „Die Kinder der Zeit“ nicht wirklich ein Begriff. Dementsprechend hoch war bereits meine Erwartungshaltung – lediglich ein wenig getrübt durch die Erfahrungen der danach folgenden Werke, die nach meiner Meinung nach dem genannten Buch nicht ansatzweise Paroli bieten konnten.
Nun ein neues Werk mit ansprechendem Cover und interessant klingendem Titel. „Portal der Welten“ ist dabei ähnlich umfangreich wie „Die Kinder der Zeit“ und schon ertappte ich mich mit einer sich selbst steigenden Erwartungshaltung.
Tchaikovsky zeigt von Anfang an seinen Einfallsreichtum und ist somit beileibe kein simpler SF-Autor, sondern versucht sich erfreulicherweise immer wieder neu zu erfinden. In diesem Fall öffnet er ein sehr weitläufiges Themenfeld – die Parallelwelten, und versucht diese in Verbindung mit einer Agentengeschichte und einem aus Versehen betroffenen Pärchen geschickt in Verbindung zu bringen.
Grandiose Idee und die ersten ca. 200 bis 300 Seiten auch durchweg interessant und gelungen dargestellt. Leider verliert man sich in diesem weit gefächerten Plot durch die mehr und mehr ausufernden Stränge, die der Autor scheinbar noch zusätzlich erzählen wollte. Teilweise werden einem die Rollen der Darsteller nicht ganz bewusst, wodurch sich die Sinnhaftigkeit deren Teilnahme verliert. Die zu Grunde liegende Idee kann von oben betrachtet weiterhin nur als hervorragend beschrieben werden – und allein dieser Umstand hätte den Roman auf das oberste Treppchen gestellt – hätte sich Tchaikovsky nicht in der Fülle seiner Parallelwelten in Verbindung mit seiner eigenen Welt durch zu tiefes Eintauchen verloren.
Somit ein in meinen Augen sehr zwiespältiges Werk mit einer grundsätzlich gelungenen Idee – die Ausführung sollte jedoch dichter, spannender und stringenter gewebt sein, damit der Drang zum Lesen ein ähnliches Suchtgefühlt entwickelt, wie ich es bereits bei „Die Kinder der Zeit“ erleben durfte.
Hysterika.de/JMSeibold/05.06.2021

Kevin Hearne: Tinte & Siegel

Originaltitel: Ink & Sigil
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader
© 2020 by Kevin Hearne
Für die deutsche Ausgabe
© 2021 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, gegr. 1659, Stuttgart
ISBN 978-3-608-98203-9
ca. 376 Seiten

COVER:

Ja, Al MacBharreis ist gesegnet, er ist aber auch verflucht. Jeder, der seine Stimme hört, geht sofort mit unvorstellbarem Hass auf ihn los. Und schlimmer noch: Alle seine Lehrlinge sind früher oder später dem Tod geweiht. Fergus wurde bei den Highland-Spielen von einem schlecht geworfenen Baumstamm erschlagen, Ramsey wurde von schusseligen amerikanischen Touristen, die auf der falschen Straßenseite unterwegs waren, überfahren. Als sein letzter Lehrling Gordie tot in seiner Wohnung in Glasgow aufgefunden wird – er erstickte an einem rosinenhaltigen Gebäck -, entdeckt Al, dass Gordie ein geheimes. verbrecherisches Doppelleben führte und in einen schwunghaften Menschenhandel mit nichtmenschlichen Wesen verstrickt war…

REZENSION:

Die Idee hinter der Chronik des Siegelmagiers ließ mich aufhorchen und sorgte dafür, dass ich diesem Start einer neuen Reihe von Kevin Hearne gerne eine Chance zu geben bereit war.
Es stellte sich dabei recht schnell raus, dass die Idee mit den Siegeln tatsächlich etwas erfrischend neues in sich hatte. Darüber hinaus wirkte zumindest am Anfang die Idee des verfluchten „Ermittlers“ sehr interessant in ihrer Darbietung – auf Dauer wurde dann jedoch der Dialog per elektronischer Smartphone-Unterstützung dann doch recht anstrengend beim Lesen. Hearne entschied sich dazu, MacBharreis’ Sätze mit eckigen Klammern darzustellen, was den Lesefluss vernachlässigbar abbremst, jedoch für mich die trotzdem hohe Zahl an Wörtern in den Dialogen von Al etwas unglaubwürdig wird. Darüber hinaus erkannte ich im Verlauf der Geschichte, dass diese Vorgehensweise dann doch irgendwann etwas anstrengend wurde.
Hearnes offenbart viele interessante fantastische Figuren und schreibt sehr eingängig. Der Plot ist humorvoll und seine Figuren wahrlich grandios gezeichnet. Nichts desto trotz verlor mich der Autor im Laufe der Geschichte und konnte mich nicht mehr durchgängig überzeugen. In Richtung Ende war es mir dann nahezu egal, wie die Geschichte beendet wird – die Ideen für sich konnten mich somit in ihrer Gänze nicht überzeugen.
Nichts desto trotz bin ich davon überzeugt, dass Tinte & Siegel durch die interessante Vorgehensweise ihre Fans finden wird. Ich wünsche dies diesem Werk sogar, da die dahinterliegende Idee nicht nur fantastisch sonder auch erfrischend ist – auch wenn es für mich nun im Rahmen dieser Reihe nicht mehr weiter gehen wird.
Hysterika.de/JMSeibold/24.05.2021

Grady Hendrix: Southern Gothic

Originaltitel: The Southern Book Club’s Guide To Slaying Vampires
Aus dem Amerikanischen von Jakob Schmidt
Deutsche Erstausgabe 6/2021
© 2020 by Grady Hendrix
© 2021 der deutschsprachigen Ausgabe und Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32139-7
ca. 511 Seiten

COVER:

Patricia Campbell führt eine Vorzeigeehe, hat zwei süße Kinder und ein Haus im schönsten Vorort von Charleston, South Carolina. Doch ihren Mann bekommt sie vor lauter Arbeit kaum zu Gesicht, und ihre Kinder sind zu launischen Teenagern mutiert. Ihr einziger Lichtblick sind die Buchclub-Abende, an denen sie mit ihren Freundinnen ihrer Leidenschaft für True Crime und Serienkiller frönt. Nach einem solchen Abend wird Patricia brutal von ihrer dementen Nachbarin attackiert, die kurz darauf stirbt. Wenig später zieht deren Neffe James Harris nach Charleston. Er ist höflich, belesen und sieht unverschämt gut aus. Doch irgendetwas stimmt mit ihm nicht, und als im ärmeren Viertel der Stadt immer mehr Kinder verschwinden, vermuten Patricia und ihre Freundinnen, dass James mehr Ted Bundy als Brad Pitt ist. In Wahrheit ist er jedoch eine ganz andere Sorte Monster – und Patricia hat es schon längst in ihr Heim gelassen …

REZENSION:

Es ist jetzt schon eine sehr lange Zeit her, dass mich ein Vampir-Roman überzeugen konnte. Viel zu sehr hänge ich persönlich an den Qualitäten sehr früher Werke – beginnend mit Stokers Dracula und Kings Salem`s Lot. Die moderne Art des Vampirtums konnte oder wollte ich nicht verstehen. Sicher war ich dazu auch nie als Zielgruppe gedacht und somit widerstand ich dem Versuch verstehen zu wollen, warum unsterbliche Vampire sich mit dem täglichen Schulbesuch plagen und eher mit Teenagerliebe denn mit dem notwendigen Stillen des Blutdurstes beschäftigt sind.
Nun liegt vor mir das Werk von Grady Hendrix und ich bin nach erfolgtem Lesegenuss sehr positiv überrascht, dass jemand diesem sehr alten Thema ein schmackhaftes Sahnehäubchen aufgesetzt hat.
Im Gegensatz zu anderen Werken spielt der Vampir lange Zeit keine wirkliche Rolle. Wir begleiten Patricia durch ihr konservatives Leben und bei ihrem täglichen „Ich-kümmer-mich-um-die-Kinder-und-meinen-Mann“-Klischee. Patricia lebt recht behütet in einer schmuckvollen Vorortgegend, in dem das Zusperren der Türen nicht notwendig scheint. Ihr Mann ist oft auf Dienstreisen, die Kinder zicken herum und sie holt sich ihre Abwechslung durch Teilnahme an einem kleinen Buchclub, den die Freundinnen selbst gründeten, um ein wenig ihrem Einerlei entkommen zu können. Alle erhoffen sich etwas mehr Abwechslung oder Spannung – trauen sich gleichzeitig jedoch nicht, dafür auch etwas zu tun. Sie spielen ihre klassische Hausfrauenrolle (wir befinden uns in den 80ern!) und scheinen damit zufrieden. Eines Tages tritt James Harris als neuer Bewohner in diese Gegend ein und bereits durch sein grandioses Aussehen werden die Damen nervös. Nun geschehen jedoch auch irritierende Dinge, was dazu führt, dass Patricia – nach erfolgtem Studium der einschlägig bekannten Vampirliteratur – zur Erkenntnis kommt, dass es sich bei ihm um einen Vampir handelt.
Selbstverständlich steht sie mit ihrem Glauben alleine da und wird wegen ihrer kruden Ideen und Vorstellungen ins Abseits geschoben. Patricia gibt jedoch nicht auf, um lediglich in ihre vorgegebene Rolle zurück zu fallen – nein, sie geht ihren Weg und dieser führt ungebremst zu einem Showdown, wie es vom Leser erwartet wird.
SOUTHERN GOTHIC ist eine Danksagung und ein Geschenk an alle Mütter, die sich dem Wind entgegenstellen, um dadurch ihren Kindern das Leben zu erleichtern
SOUTHERN GOTHIC bietet einen spannenden Plot, der rasant, flüssig, eingängig und teils mit einer humorvollen Note dargeboten wird. Ein Buch, welches mich rundum zu überraschen wusste und trotz der hohen Seitenzahl viel zu schnell zu Ende war.
Spannung und dezenter Grusel kommt nicht zu kurz, einige brutale als auch blutige Szenen werden darüber hinaus geschickt eingewoben. Hendrix erweitert dadurch sehr geschickt seine Zielgruppe in die unterschiedlichsten Richtungen.
Kurzum eine absolute Leseempfehlung, unabhängig, ob man Vampire nun mag oder nicht – hier in Gestalt von James Harris eher ein Mittel zum Zweck. Ich habe jede Seite genossen und bin immer noch überrascht, wie ein Autor der heutigen Zeit durch seinen Vampir-Thriller diesem fast ausgelutschten Genre noch etwas hinzufügen, wenn nicht sogar wiederbeleben konnte. Klare Empfehlung eines mir bis dato eher unbekannten Schriftstellers.
Hysterika.de/JMSeibold/23.05.2021

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes

Originaltitel: La sombra del viento
Erschienen 2001 bei Editorial Planeta S.A., Barcelona
Aus dem Spanischen von Peter Schwaar
© Carlos Ruiz Zafón, 20021
© der deutschen Ausgabe Insel Verlag Frankfurt a.M. 2003
Suhrkamp Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-518-45800-6
ca. 563 Seiten

COVER:

Als sich der zehnjährige Daniel Sempere, der allein mit seinem Vater im grauen Barcelona der Franco-Ära lebt, auf dem geheimen „Friedhof der vergessenen Bücher“ ein Buch aussuchen darf, greift er nach einem verstaubten Exemplar von Der Schatten des Windes. Daniel ist fasziniert von dem Buch und macht sich auf die Suche nach seinem Autor, einem gewissen Julián Carax, von dem keiner zu wissen scheint, ob er noch lebt oder was ihm widerfahren ist. Mit den Jahren gerät Daniel immer mehr in den Bann dieser mysteriösen Gestalt, und die Menschen, denen er begegnet, und die Frauen, in die er sich verliebt, scheinen nur Figuren in einem Spiel, dessen Regeln er nicht kennt. Fast ist es, als ob sich die vergangene Geschichte in seinem eigenen Leben wiederhole, das von dem Schatten furchtbarer Ereignisse verdunkelt zu werden droht.

REZENSION:

Der Schatten des Windes von Carlos Ruiz Zafón befindet sich schon seit Jahren auf meiner „Noch-zu-lesen-Liste“. Geblendet von den hochtrabenden Kritiken und dem mysteriös angehauchten Covertext und einer Bibliothek voll vergessener Bücher führte zum nachhallenden Drang, sich eines Tages diesem Werk unbedingt widmen zu wollen.
Interessanterweise schienen wir dieses Buch bereits eine ähnliche Zeit in unserem Haushalt zu haben, denn als ich es mir bei der örtlichen Bibliothek ausleihen wollte, erkannte meine liebe Frau das Cover und meinte, sie hatte dieses Buch vor Jahren geschenkt bekommen, jedoch noch nicht gelesen. Sie stöberte dann ein wenig unter ihren Büchern und brachte mir oben genanntes Werk. Ich glaube, solche Episoden verstehen nur Büchernarren, die nicht mehr richtig wissen, was sich so alles an Werken in ihrem Hause befindet…
Nun zurück zum Buch: Der Schatten des Windes beginnt fulminant und konnte mich nahezu ungebremst für sich gewinnen. Wie gerne würde ich ebenfalls im Friedhof der vergessenen Bücher schmökern und eines davon mein eigen nennen. Sprachlich auf einem sehr hohen Niveau begleiten wir den jungen Daniel auf dem Weg zum Erwachsenwerden und auf der Suche nach Hintergründen von Julián Carax.
So genial und herausragend ich die ersten etwa 20% dieses Buches lieben lernte, so enttäuschte mich der weitere Plot. Nichts desto trotz versuchte ich noch bei der Stange zu bleiben, da die Vorschusslorbeeren des Anfangs wahrlich herausragend waren. Schlußendlich beschloss ich mich jedoch kurz vor der Zielgeraden (es fehlten gerade noch 150 Seiten) das Werk als beendet zu betrachten, da ich ihm nichts mehr gleichbedeutendes entnehmen konnte.
Juliáns Jagd nach dem Autor von Der Schatten des Windes verliert sich in Nebensächlichkeit und wäre nicht die herausragende Nebenperson namens Fermin gewesen, ich hätte mich sicher bereits früher zum Abbruch entschieden.
Julián selbst scheint sich ungebremst in jede weibliche Person, der er begegnet, zu verlieben und geht relativ dilettantisch auf seiner Jagd nach weiteren Erkenntnissen vor. Gut, Zafóns Sprache ist angenehm und teilweise sehr philosophisch – leider fehlte mir trotzdem ein gewisser Antrieb in der Geschichte selbst. Nur als reiner Betrachter eines recht normal wirkenden Lebens möchte ich als Leser nicht wirken, da muss ein klein wenig mehr geschehen, um bei mir einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.
Schlußendlich verstehe ich sehr wohl, warum dieses Buch bei vielen Menschen einen gewissen Stellenwert innehaben zu scheint, Geschmäcker sind jedoch verschieden und bei mir hat es schlicht nicht bis zum finalen Ende funktioniert.
Hysterika.de/JMSeibold/13.05.2021

C. A. Fletcher: Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt

Originaltitel: A Boy and His Dog at the End of the World
Erschienen 2019 bei Orbit, an Imprint of Little, Brown Book Group London
Deutsch von Vanessa Lamatsch
© der Originalausgabe 2019 by Man Sunday Ltd.
© der deutschsprachigen Ausgabe 2020 by Penhaligon in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-7645-3232-1
ca. 475 Seiten

COVER:

Mein Name ist Griz. Meine Kindheit war anders als deine. Ich hatte keine Freunde, einfach aus dem Grund, dass ich außer meiner Familie kaum jemanden kenne. Überhaupt bin ich in meinem ganzen Leben nur einer Handvoll Menschen begegnet. Zwar sagen meine Eltern, dass die Welt einst bevölkert war, doch jetzt gibt es nur noch uns. Aber wir sind nicht einsam auf unserer entlegenen Insel. Wir haben einander – und unsere Hunde. Doch dann kam der Dieb, und er stahl meinen Hund. Aber wenn es kein Gesetz mehr gibt, das Diebstahl bestraft, werde ich ihn mir zurückholen. Denn was bleibt von unserer Menschlichkeit übrig, wenn wir nicht für jene, die wir lieben, alles, wirklich ALLES tun …

REZENSION:

Als ich das Cover dieses Buches von C. A. Fletcher zum ersten Mal sah, konnte es durch seine schlichte Darstellungsweise und dem ansprechenden Titel bereits für eine nicht unerhebliche Steigerung meiner Aufmerksamkeit sorgen. Selbst Inhaber zweier Hunde stellte ich mir sogleich eine dystopische Endzeitstimmung vor, in der sich ein Junge mit seinem Hund auf den unvermeidlichen Weg durch eine zerstörte Welt macht und dabei eine Vielzahl an gemeinsamen Abenteuern erleben wird.
Ein Blick auf die Coverbeschreibung reduzierte diese selbst gesteckte Erwartung und brachte sie in eine andere Bahn: Nun befinden wir uns zwar weiterhin in einer dystopischen Welt, jedoch wurde dem Jungen sein Hund eines Tages gestohlen.
Gut, somit macht er sich nicht gemeinsam mit seinem Hund auf den Weg, sondern versucht seinen wieder zurück zu bekommen.
Trotz meiner anders gerichteten Erwartungen widmete ich mich diesem Werk, da ich dennoch gespannt auf die dabei entstehende Entwicklung war – insbesondere, da ich aktuell sehr stark auf der Suche nach dem besonderen Plot in der phantastischen Literatur bin und wie bereits erwähnt, das Cover alleine schon für eine gewisse Abwechslung zu sorgen wusste.
Die Story beginnt auch recht interessant und man bekommt einen zwar nicht detailliert dargelegten, dennoch ganz geschickt offenbarten Blick auf die sich darbietende Welt.
Eine Dystopie, deren Ursache nebensächlich ist und somit das Hauptanliegen des Autors auf der Familie des Jungen liegt.
„Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt“ ist eine Geschichte über Freundschaft – leider in meinen Augen etwas zu oberflächlich und in seiner Entwicklung zu langweilig dargestellt. Ein Plot dieser Art besitzt Potenzial ohne Ende und kann durch geschickte Erzählweise ein sehr breites Leserspektrum für sich gewinnen. Bei mir hat es nicht gezündet und ein weiterer Testleser aus meinem Haushalt bestätigte dies lediglich.
Alles in allem eine grandiose Idee und grundsätzlich endlich einmal eine neue, erfrischende Idee in der ausufernden Welt der dystopischen Literatur. Bücher über Freundschaft und Zusammenhalt sind gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig – dennoch sollten auch diese den Leser bei der Hand nehmen und gerade in diesem Genre durch gewisse Besonderheiten (Spannung, Liebe zum Detail, Antrieb, stringentes Vorgehen) überzeugen. Dann würde es auch mit einem Plot dieser Art problemlos funktionieren.
Vielleicht eher was für sehr junge Leser?
Hysterika.de/JMSeibold/12.05.2021

Paul Watson: Wenn der Ozean stirbt, sterben auch wir

Originaltitel: Urgence! Il faut sauver les océans
Erschienen 2020 bei Editions Glénat, Frankreich
Aus dem englischen von René Stein
© Delius Klasing & Co. KG, Bielefeld
ISBN 978-3-667-12091–5
ca. 121 Seiten

COVER:

NICHT KLAGEN – HANDELN!

„Man kann die Welt nicht verändern, ohne Wellen zu schlagen.“ Das ist schon immer Paul Watsons Credo. Und genau das tut der Gründer von Sea Shepherd auch: Wellen schlagen, aufmerksam machen, aufrütteln. Weil „Wasser das Blut des Planeten ist“ und weil wir es zu vergiften drohen, richtet er sich mit einem neuen Manifest an uns alle. Schonungslos ehrlich berichtet er vom fortschreitenden Klimawandel und den sterbenden Ozeanen. Damit wir uns bewusst werden. Darüber, dass wir nicht der Mittelpunkt der Natur sind, sondern nur ein Teil von ihr. Darüber, dass unser Planet stirbt. Durch unser Zutun. Und dass es unsere Aufgabe ist, ihn zu retten.

KÄMPFERISCH UND ENTSCHLOSSEN RICHTET SICH DIESER WECKRUF AN ALLE: WIR MÜSSEN ENDLICH HANDELN!

REZENSION:

Es gibt eine sicherlich schier unendliche Zahl an Büchern, wissenschaftlichen Erkenntnissen und vielem mehr, was uns Menschen die Augen öffnen soll, damit wir endlich kapieren, dass die rasante Entwicklung in Bezug auf den Klimawandel und der Vernichtung unserer Ressourcen sehr wohl menschengemacht ist. Viele dieser Werke sind sehr schwarz-weiß gezeichnet und man wird entweder mit wissenschaftlichen Abhandlungen gelangweilt oder der Autor versucht uns klar zu machen, dass wir ab sofort unser Leben komplett ändern sollen. Sehr oft ist dies jedoch nicht von heute auf morgen möglich und dementsprechend oft lassen es die Menschen dann einfach sein, da man ja gelernt bekommen hat, dass nur ein kompletter Schwenk etwas nutzt.
Paul Watson, seines Zeichen Gründer von Sea Shepherd, geht einen einfacheren Weg und legt diesen auf geschickte und eingängige Weise im vorliegenden, gerade mal 120 Seiten dünnen Büchlein dar. Er gibt zu, selbst ein Heuchler zu sein, da er ebenfalls mit dem Flugzeug von A nach B reist, seine Schiffe Diesel zum Antrieb benötigen und er somit ebenfalls nicht zu einhundert Prozent auf alles nur erdenklich  mögliche zu Gunsten unseres Planeten verzichtet. Gleichzeitig nutzt er jedoch auch diese Mittel, um etwas gegen Wilderer, Meeresverschmutzung und dem Töten majestätischer Meeresbewohner wie zum Beispiel Wale, Schildkröten und Delphine zu unternehmen.
Der Titel „Wenn der Ozean stirbt, sterben auch wir“ ist etwas reißerisch und klingt stark nach einer plakativen wissenschaftlichen Abhandlung. Erfreulicherweise ist dies absolut keineswegs der Fall. Paul Watson erzählt lieber aus erster Hand und legt seine Gedanken dar. Zahlen, Daten, Fakten kommen nur vereinzelt vor und sind eher nebensächlich eingestreut, da er vielmehr mit Nachdruck seine Gedanken offenbart und jedem Leser etwas offenbart, was jedem halbwegs gebildeten Menschen grundsätzlich bereits bewusst sein sollte.
Er zeigt auf, was man selbst tun kann und lässt den Leser erkennen, dass seine Regeln wahrlich simpel sind und grundsätzlich verwendet werden können – nicht nur in Bezug auf den Klimawandel, sondern auch auf das allgemeines Leben. Sie könnten sich ebenso gut in einem Business-Ratgeber befinden, wodurch sich zeigt, dass der Weg das Ziel ist und der Weg auch nicht wirklich recht steinig zu sein scheint.
Watson bringt interessante Beispiele und macht dafür erstaunlich wenig Werbung für seine eigenen Hilfsorganisation. Vielmehr verweist er zusätzlich auf andere Organisationen am Ende des kleines Büchleins.
Von uns Lesern erwartet er lediglich, dass wir beginnen, uns selbst zu helfen und dabei ist bereits ein kleiner Schritt ein Schritt in die richtige Richtung.
Kurzum: Die einen machen es mit Spenden, andere räumen Strände, Ortschaften, Spielplätze auf, wieder andere verzichten auf Fleisch und/oder Meerestiere… Jeder einzelne Baustein ist ein richtiger Baustein und manchmal erkennt man dabei auch, dass nach Etablierung des einen Steins ein weiterer problemlos hinzugefügt werden kann.
Ich habe mir dieses kleine Buch gekauft, als ich noch vom Inhalt der grandiosen und bedrückenden Dokumentation namens „Seaspiracy“ berührt war. Das kleine Büchlein von Paul Watson macht nun bereits bei uns die Runde und sorgt für den ein oder anderen Aha-Effekt – bis Hin zum Ändern von Nahrungsquellen und manch anderen kleinen Schritten.
Alles in allem  eine kurzweilige Lektüre, dass ein ernstes Thema auf interessante Art und Weise offenbart und – zumindest bei mir – ein weiteres Bausteinchen war, um mich mit diesem Thema nicht nur weiter zu beschäftigen, sondern auch noch den Schritt in Richtung weitere Bausteine zu Gunsten unseres Planeten und dessen Tierwelt zu ergreifen und weiter zu beschreiten.
Hysterika.de/JMSeibold/18.04.2021

Dee Brown: Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses

Originaltitel: Bury My Heart at Wounded Knee
Aus dem amerikanischen Englisch von Helmut Degner
New York: Holt, Rinehart and Winston 1970
© Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1972
© dieser Ausgabe 2012 Anaconda Verlag GmbH, Köln
ISBN 978-3-86647-836-7
ca. 542 Seiten

COVER:

Kaum ein zweites Buch hat den Blick der Amerikaner auf die Geschichte ihrer Nation so radikal verändert wie Dee Browns Bestseller „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“.
Fernab aller Wildwest-Romantik erzählt Brown in farbiger, kraftvoller Prosa von der Besiedlung des amerikanischen Westens aus der Sicht der „Native Americans“, führt ergreifend die grausame Gier der weißen Siedler und den verzweifelten Kampf der Indianerstämme gegen die skrupellose Landnahme vor Augen. Die Leser der New York Times kürten Browns 1970 erstmals erschienenen Tatsachenbericht zu einem der einflussreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts.

REZENSION:

Dee Brown arbeitete als Reporter und wurde danach Lehrer und Bibliothekar. Er wuchs in Arkansas auf und freundete sich zu dieser Zeit mit zahlreichen Indianern an. Ihm wurde dabei bewusst, dass die Darstellung dieser Völker in nahezu allen amerikanischen Filmen nicht der Realität entsprach.
Mit seinem bahnbrechenden Werk „Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses“ konnte er für eine erheblich höhere Wertschätzung der Indianer sorgen. Es handelt sich dabei um eine Darstellung der Besiedlung Amerikas aus Sicht der damaligen Ureinwohner.
Seine Darstellung ist dabei sehr trocken aufgeführt. Er beschreibt lediglich eine Spanne von circa 30 Jahren und zeigt dabei deutlich, dass diese kurze Zeit für die nahezu vollkommene Auslöschung der Indianervölker ausgereicht hatte. Die „Weißen“ zeigten sich deutlich als skrupellos und rücksichtslos gegenüber die vermeintlichen „Wilden“.
Das erschreckende in diesem Buch zeigt sich deutlich von Kapitel zu Kapitel: Dee Brown erzählt historisch korrekt und von verschiedenen Stämmen. Gleichzeitig wirkt jedes einzelne Kapital wie das vorherige. Hierdurch verstärkt sich die Problematik und der Irrsinn der Landnahme unter Ausrottung dieser Völker. Man benötigt dadurch etwas länger, um dieses Werk zu lesen – dies ist absolut diesem erschreckenden Umstand geschuldet, dass wir „Weißen“ absolut keine Rücksicht auf andere Völker nehmen und nur egoistisch agieren. Ich sage hier bewusst „wir Weißen“, da man sich nicht einfach zurücklehnen kann und auf die ach so bösen Amerikaner verweisen kann – nein, hier handelte es sich immer noch sehr stark um Einwanderer aus Europa und somit um unsere Vorfahren. Keiner ist hierbei ohne Schuld und man kann sicherlich dieses nachdenkliche Buch in den verschiedensten Ländern platzieren.
Dee brown hat es geschafft, den amerikanischen Ureinwohnern eine echte Stimme zu geben. Meiner Meinung nach sollte dieses Buch in den Schulen der Vereinigten Staaten zur Pflichtlektüre werden. Ein kleines niedergeschriebenes Denkmal für sehr naturverbundene Völker, die unseren Planeten sicher im Einklang mit ihm bewohnten und dabei von technisch mächtigeren Völkern aus der alten Welt nahezu vernichtet worden sind.
Ein reales Szenario, welches nicht nur den Amerikanern einen Spiegel vor hält.
Hysterika.de/JMSeibold/14.04.2021

Hannes Rastam: QUICK – Die Erschaffung eines Serienkillers

Originaltitel: Fallet Thomas Quick – Att skapa en seriemördare
Aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller
©2012 by Hannes Rastam
©2013 der deutschen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67732-6
ca. 559 Seiten

COVER:

Der Fall Thomas Quick hat nicht nur in Schweden hohe Wellen geschlagen, weltweit erhitzt dieser unfassbare Justizskandal die Gemüter. In den Jahren 1992 und 2001 gesteht Thomas Quick dreißig Morde und wird für acht davon verurteilt. Nachdem immer wieder Zweifewl an der tatsächlichen Schuld von Quick aufkommen, trifft sich der investigative Journalist Hannes Rastam mit Quick und arbeitet sich durch 50.000 Seiten Gerichtsprotokolle, Polizeiverhöre und Therapieaufzeichnungen. Fazit der Recherche: Es gibt keinen stichfeste Beweis für Thomas Quicks Schuld. Er ist unschuldig.

REZENSION:

Sture Ragnar Bergwall, der sich von 1980 bis 2002 Thomas Quick nannte, behauptete, 33 Menschen getötet zu haben. Nach Erhalt von gewissen Psychotherapien widerrief er seine Geständnisse, was dazu führte, dass Sich der investigative Journalist Hannes Rastam mit diesem Fall intensiv zu beschäftigen begann. Er war einer der wenigen, der Thomas Quick in der Psychiatrischen Anstalt besuchen konnte und dabei einen mittlerweile recht gesprächig wirkenden Insassen kennenlernen durfte. Rastam begann den kompletten Thomas-Quick-Fall aufzuarbeiten und wühlte sich dabei durch sämtliche vorliegenden Dokumente. Nach und nach stellte sich deutlich heraus, dass es sich hierbei um einen der größten Justizskandale handelt, der über die Grenzen Schwedens hinausgeht.
Thomas Quicks Geständnisse waren geschickt durch gewisse Befragungstechniken geleitet und Quick selbst holte sich seine Informationen aus Tageszeitungen beziehungsweise Dokumentationen. Er war psychisch krank und suchte sich dadurch eine gewisse Art der Anerkennung – im Gegenpol die Ermittler und Anwälte, die dadurch eine Vielzahl an ungeklärten Mordfällen auflösen konnten.
Teilweise glaubten selbst Angehörige der Opfer nicht an die Schuld von Thomas Quick – den Beteiligten Anwälten und Polizisten konnte dies jedoch in ihrer Meinung nicht mehr beeinflussen. Dementsprechend befand sich Thomas Quick bis zur finalen Aufarbeitung durch Hannes Rastam 20 Jahre innerhalb der Mauern der psychiatrischen Anstalt.
Das vorliegende Buch ist somit ein sehr wichtiges Buch, da es den Schlüssel zur Freilassung von Thomas Quick darstellt. Es ist dementsprechend trocken dargeboten, da es sich nämlich keinesfalls um einen Roman handelt, sondern um das Ergebnis der journalistischen Arbeit von Hannes Rastam. Nichts desto trotz ist der Inhalt wichtig und es sollte noch viel mehr investigative Journalisten geben, die in der Lage sind, diesen immensen Aufwand leisten zu können. Nur so lassen sich Skandale der unterschiedlichsten Art offenbaren und gewisse Schiefstände wieder gerade rücken.
Hannes Rastam hat leider aufgrund einer Krebserkrankung das Ende der Schlussredaktion seines Buches nicht mehr erlebt – Thomas Quick ist jedenfalls mittlerweile begnadigt, leider hatte dies nur wenig Auswirkungen auf die Beteiligten Personen, die für die langjährige Inhaftierung die Schuld zu tragen hatten.
Ich kannte dieses Fall nicht einmal am Rande – dennoch sorgt das Buch für eine sehr tiefgehende Betrachtung dieses Justizskandals. Darüber hinaus lernt man sehr viel über geschickte Fragetechniken, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen.
Sicherlich wird QUICK in unseren Kreisen kein Blockbuster – nichts desto trotz ist es ein wichtiges Buch und dementsprechend positiv ist es zu betrachten, dass es nun – im Rahmen einer Verfilmung – auch auf unserem Markt erhältlich ist.
Hysterika.de/JMSeibold/11.04.2021

Matias Faldbakken: The Hills

Originaltitel: The Hills
Aus dem Norwegischen von Maximilian Stadler
©2017 Matias Faldbakken
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27190-6
ca. 238 Seiten

COVER:

Was geschieht, wenn das Gleichgewicht aus den Fugen gerät? Dieser Frage widmet sich Matias Faldbakken in seinem neuen Roman. Den Rahmen bildet ein altmodisches Restaurant namens The Hills, dessen Ursprünge bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Ein Pianist sorgt für ruhige Hintergrundmusik, die Einrichtung ist klassisch, gediegen. Der Leser wird in ein eigenes Universum eingeführt. Chef, Koch, Kellner: Die Hierarchien sind klar verteilt. Es herrscht eine Mischung aus strikten Routinen und hochsensiblen Umgangsformen. All das gerät ins Wanken, als eine unbekannte Frau ins Lokal kommt. Wer ist die Frau? Was will sie? Nicht nur der Kellner, sondern auch die Stammgäste geraten in Aufruhr..

REZENSION:

Matias Faldbakken wurde mir nach dem grandiosen und abgedrehten Werk mit Namen „Wir sind fünf“ ein Begriff. Im genannten Buch zeigte sich der Alltagsbeobachter virtuos und bitterböse. Nebenbei sorgte er für unglaublichen Witz und zieht Anleihen aus dem alten Gruselfilm „The Blog“ auf interessante Art und Weise in unsere Zeit.
Dementsprechend euphorisch freute ich mich auf die Heyne Hardcore-Veröffentlichung eines weiteren dünnen Buches dieses abwechslungsreich agierenden Autors.
Im vorliegenden Werk begeben wir uns in ein sehr konservatives, gediegenes und recht altes Restaurant mit Namen „The Hill“.
Hier begleiten wir die recht geringe Anzahl an Angestellten und Gästen, deren Tätigkeiten und Gedankenwelten von Faldbakken vor uns offenbart werden.
Leider bleibt es dabei und man fragt sich relativ schnell, wann sich Matias Faldbakken nun endlich einen Schritt nach vorne wagt, um den Leser mit mindestens einer Kehrtwendung wieder zurück zu holen. Er bleibt jedoch seiner Vorgehensweise treu und sorgt somit im Gegensatz zu „Wir sind fünf“ in diesem Buch für eine durchgehende Eintönigkeit, die gänzlich ohne nennenswerte Spitzen aufwartet.
Dies ist absolut schade, da der Schreibstil Faldbakkens auch hier sehr eingängig ist – dies alleine reicht jedoch nicht, um einen Leser bei der Hand zu nehmen, da muss definitiv mehr passieren. Insbesondere, da es nicht ersichtlich wird, worauf der Autor eigentlich hinaus will.
Wie man bereits erkennt, konnte mich Faldbakken mit diesem Werk nicht überzeugen. Ich denke, er sollte vielmehr weiterhin seine Betrachtungen auf kuriose Art offenbaren, wie bereits in „Wir sind fünf“ geschickt durchgeführt. „Wir sind fünf“ ist in meinen Augen auch weiterhin eine Empfehlung wert, „The Hills kann sich dem jedoch nicht anschließen.
Hysterika.de/JMSeibold/10.04.2021

Stephen King: Später

Originaltitel: Later
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt 

©2021 by Stephen King
©2021 der deutschsprachigen Ausgabe Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27335-1
ca. 304 Seiten

COVER:

Jamie Conklin wächst in Manhattan auf und wirkt wie ganz ein normaler Junge. Mit seiner alleinerziehenden Mutter Tia teilt er jedoch ein Geheimnis: Er kann von klein auf die Geister kürzlich Verstorbener sehen und mit ihnen reden. Und die Toten müssen alle seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia ist Literaturagentin und hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner großen Bestsellersaga blieb leider unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe. Das Befragen der Toten ruft allerdings auch ungewollte Dämonen herbei.

REZENSION:

Egal wie hoch der Stapel ungelesener Bücher auch sein mag: Ein neuer King wird vorgezogen – diesmal wohl eine Art „Ich sehe tote Menschen“, wie man es bereits aus „The Sixth Sense“ zu kennen meint. Interessanterweise konnte ich diesen Gedanken auch einige Zeit nicht ablegen. Jamie wirkte doch eine gewisse Zeit wie der Junge im angesprochenen Blockbuster mit Bruce Willis.
Stephen King wäre aber nicht Stephen King, wenn er einfach kopieren würde. Somit bleibt es nur kurz bei diesem Gedanken und SPÄTER entwickelt sich trotz der für King recht geringen Seitenzahl zu einem Crossover von Coming-of-Age, einen Touch Horror und recht viel Crime, gewürzt mit Toten, die schlicht noch ein wenig benötigen, bis sie sich auf eine nicht näher definierte Art davon machen beziehungsweise verschwinden. Während dieses Zeitraums zwischen Ableben und endgültigem Verblassen kann Jamie mit ihnen direkt von Kind zu Totem sprechen. Die Toten sind dabei aus irgendwelchen Gründen dazu gezwungen, immer die Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten, was es natürlich für den Fragesteller recht einfach macht.
Auch in diesem Werk brilliert King mit seinem unnachahmlichen Schreibstil. Erneut konnte ich mich der Geschichte nicht entziehen, obwohl sie in ihrer Gänze zwar grandios, dennoch nicht in einer Riege mit den Blockbustern des Autors zu nennen sein wird.
Stephen King scheint etwas nachdenklicher zu werden und lässt uns als treuen Leser daran teilhaben. Jamies Geschichte wird in der Ich-Form dargelegt und dementsprechend nahe rückt man an seinen Protagonisten. Der Schwenk von Crime in Richtung klassischem King-Horror wird in Richtung Ende vermehrt vollzogen – dennoch bleibt der Horroraspekt mit Sicherheit für jeden verdaulich und somit nicht zu dick aufgetragen. Ein bisschen mehr hätte der Geschichte sicher nicht geschadet – insbesondere alte Hasen wie ich würden sich mal wieder über etwas fieseres aus Kings Feder freuen.
Nichts desto trotz handelt es sich bei SPÄTER um einen guten Wurf meines Lieblingsautors. Mit den gerade mal 300 Seiten konnte er nicht so viel ausschweifen, wie von ihm bekannt – dennoch handelt es sich um eine eingängige und gut funktionierende Novelle mit interessanten Aspekten. Irritierenderweise lässt es seinen Leser nach Beenden des Buches sogar kurze Zeit ein wenig über das Leben und den Tod an sich nachdenken. Somit ganz nebenbei ein kleines Werk mit dezentem Nachhall.
Hysterika.de/JMSeibold/15.03.2021

Susanna Clarke: Piranesi

Originaltitel: Piranesi
Aus dem Englischen von Astrid Finke
©2020 by Susanna Clarke
©2020 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Karl Blessing Verlag, München
ISBN 978-3-89667-672-6
ca. 269 Seiten

COVER:

Ein riesiges Gebäude, in dem sich endlos Räume aneinanderreihen, verbunden durch ein Labyrinth aus Korridoren und Treppen. An den Wänden stehen Tausende Statuen, das Erdgeschoss besteht aus einem Ozean, bei Flut donnern die Wellen die Treppenhäuser hinauf. Das Obergeschoss ist das Reich der Vögel und der Wolken.

In diesem Gebäude wohnt Piranesi. Er hat sein Leben der Erforschung dieser bizarren Welt gewidmet. Angeleitet von seinem einzigen Freund, einem Wissenschaftler, will er ein Geheimnis lösen, das vor langer Zeit verlorenging. Und je weiter sich Piranesi in die Zimmerfluchten des Gebäudes vorwagt, desto näher kommt er diesem Geheimnis.

REZENSION:

PIRANESI ist eines der wenigen Bücher, die ich mir aufgrund der geschickt konstruierten Covergestaltung ausgesucht hatte. Ich konnte mich dieser Darstellung schlicht nicht entziehen und dementsprechend stieg das Interesse, was sich wohl zwischen den Buchdeckeln befinden mochte.
Gleichzeitig möchte ich darauf hinweisen, dass mir weder Susanna Clarke noch der Bestseller „Jonathan Strange & Mr. Norrell“ ein Begriff war und auch weiterhin ist. Somit konnte ich mich dem vorliegenden Buch ganz unbeeindruckt von anderen Einflüssen widmen.
In PIRANESI begleiten wir den Namensgeber auf seinen Streifzügen durch endlose Räume. Diese wirken durchweg interessant und man fragt sich recht schnell, was sich wohl im nächsten befinden möge. Ab und an trifft Piranesi eine weitere Person, die er als Propheten sieht. Diese Person bleibt recht wage in ihrer Darstellung und man fragt sich als Leser recht schnell, welchen Sinn dieser unregelmäßige Auftritt wohl inne hat.
Das Buch hat unglaublich viele Stärken – gleichzeitig sind diese für manchen Leser auch Schwächen des Werkes, da sich das „Herumstöbern“ doch recht umfangreich hinzieht und keine neuen Erkenntnisse mit sich bringt. Dennoch wollte ich das Buch – trotz der immer wiederkehrenden Gedanken nach einem frühzeitigen Beenden – unbedingt zu seinem Ende führen, da ich mich einfach nicht mit gutem Gewissen vom weiteren Lesen abhalten konnte.
Interessanterweise führte das zu einem eher wohlwollenden Gedanken am Ende des Werkes, da die Geschichte in ihrer Gänze einen interessanten Schwenk vorbereitet und manchen Leser mit seinem kuriosen aber sehr interessanten Ende doch für sich überzeugen kann.
Die Auflösung ist auch durchweg gelungen und lässt einen leicht nachdenklich und noch etwas philosophierend zurück. Allein dafür lohnt sich das Lesen – nichts desto trotz verliert das Werk mit Sicherheit viele Leser auf dem Weg dorthin, da dieser definitiv etwas zu langatmig dargelegt ist.
PIRANESI ist ein besonderes Werk, welches mit Sicherheit nicht für jeden geeignet ist. Auch ich zähle mich eher zu dieser Klientel – trotz meine doch eher in Richtung positiv schwenkenden Meinung. Dies liegt an dem Umstand, dass Susanna Clarke es dem Leser nicht wirklich einfach macht, beziehungsweise durch ihre Art des Erzählens sicher nicht jeden für sich einvernehmen kann. PIRANESI ist sehr unkonventionell erzählt – dies schreckt sicher auf dem Weg in Richtung Auflösung viele ab, dies war gleichzeitig der einzige Grund, warum ich mich bis dorthin damit beschäftigt hatte und den langen Weg auf mich nahm
Hysterika.de/JMSeibold/14.03.2021

Ray Bradbury: Fahrenheit 451

©1953 Ray Bradbury
ISBN 978-0-00-654606-1
ca. 227 Seiten

COVER:

THE TERRIFYINGLY PROPHETIC NOVEL OF A POST-LITERATE FUTURE…

Guy Montag is a fireman. His job is to destroy the most illegal of commodities, the source of all discord and unhappiness: the printed book.

Montag never questions the destruction or his own bland life, until he is shown a past where people didn’t live in fear and a present where one sees the world through ideas.

Montag starts hiding books in his home. Soon they’ll make him run for his life.

REZENSION:

FAHRENHEIT 451 ist ein Stück Literaturgeschichte. Dementsprechend schwer fällt es mir, hier nicht nur himmelhochjauzend für das Lesen dieses geschichtsträchtigen Werkes zu plädieren. Selbstverständlich sollte jeder Liebhaber von Büchern sich mit diesem Buch befasst zu haben – viel zu wichtig ist dessen visionärer Inhalt: Ein Verlust des niedergeschriebenen Wissens als auch der textuellen Darlegung von Geschichten würde die Menschheit ungebremst in die Dunkelheit stürzen. Nichts desto trotz scheinen wir uns trotz des Vorhandenseins von Wissen in den Weiten des Internets immer mehr in diese Richtung zu bewegen.
FAHRENHEIT 451 ist bedrückend für jeden Liebhaber guter Bücher – allein der Gedanke, dass Bücher nicht nur verboten, sondern gar bei Entdeckung von Feuermännern hochamtlich verbrannt werden, ist nur schwer nachvollziehbar und sorgt bei jedem Leser für eine durchgehende, ängstlich angehauchte Gänsehaut.
Nichts desto trotz hatte ich mir den Plot ein wenig spannender und beängstigender vorgestellt. Immerhin geht es hier um den Nachlass der Menschheit und um einen Menschen auf der Flucht vor seinen Häschern. Natürlich verliert sich die Dramatik und der philosophische Hintergrund auf keiner Seite und die Geschichte Bradburys steht auch nahezu 70 Jahre nach seinem Entstehen immer noch für sich. Würde jedoch ein Autor sich aktuell in dieser Art mit diesem Thema befassen, hätte er unter Umständen mit einigen etwas weniger euphorischen Stimmen zu rechnen. Als reiner phantastischer Plot ist es mir etwas zu zahm geschrieben – was nichts mit der Zeit des Entstehens zu tun hat, denn in den 50er Jahren entstanden hochrangige Werke der phantastischen Literatur. Als nachdenklich machende Lektüre ist FAHRENHEIT 451 anderen Werken jedoch deutlich überlegen und schafft es immer noch, uns einen nicht gerade kleinen Spiegel vor zu halten.
Ich hoffe sehr, dass wir niemals in eine Welt ohne Bücher eintreten, da dies definitiv der Anfang vom Ende wäre – vor ca. 70 Jahren gab es schon erste Schritte in diese Richtung. Möge sich so etwas nie mehr wiederholen …
Hysterika.de/JMSeibold/08.03.2021

FG006 – American Psycho (2000)

1 Film – 2 Generationen

Laura (*1994) und Jürgen (*1971) sprechen in dieser Folge über den Film American Psycho aus dem Jahre 2000 mit Christian Bale in der Hauptrolle.

Auch diesmal betrachten sie dieses Werk aus verschiedenen Richtungen und mit dem Blick unterschiedlicher Lebenserfahrungen – aber hört selbst….

Podcast abonnierter über nahezu alle relevanten Podcastkanäle.

In der nächsten Folge geht es dann um einen actionreichen Plot, gefüllt mit einer Vielzahl an wahren Lügen.