Zoe, Nicci: Das Genom Christi

©2019 by Edition Roter Drache
www.roterdrache.org
ISBN 978-3-946425-76-2
ca. 361 Seiten

COVER:

Man kann die Vergangenheit nicht ändern – nicht einmal, wenn man im Besitz einer Zeitmaschine ist!

Viele Jahre glaub das US-Militär, dies sei die absolute Wahrheit, und schickt immer wieder Menschen durch die Jahrhunderte. Doch dann erhalten sie eine Nachricht, in der vor einem fatalen Feher in der Geschichte gewarnt wird.
Gemeinsam mit einem Team aus Wissenschaftlern reist Colonel Matthew Agostini zurück in das Jahr 33 n. Chr., um herauszufinden, worin dieser Fehler besteht und wer dafür verantwortlich ist. Eine Suche, bei der jeder falsche Schritt das fragile Gleichgewicht des Raumzeitkontinuums gefährden kann.
Schon bald erkennt Agostini, dass es noch eine ganz andere Wahrheit gibt und dass sein Gegenspieler vielleicht in den eigenen Reihen zu finden ist.

REZENSION:

Zeitreiseromane beinhalten unglaublich viel erzählerisches Potenzial, da man auf eine geschickte Art und Weise unterschiedlichste Epochen innerhalb einer einzigen Geschichte darlegen und auch ineinander verweben kann. Gleichzeitig sind sie aber auch gefährlich, da man sich sehr schnell in den Wirren der verschiedenen Zeiten verlieren kann – insbesondere, wenn man Geschehnisse verändert, die Auswirkungen auf andere Zeiten nach sich ziehen.
Nicci Zoes Geschichte mit dem Titel „Das Genom Christi“ kann sich den Problematiken lange Zeit entziehen – sie verliert sich im Laufe des Buches jedoch auch etwas in den Paradoxien der Zeiten. Dies halte ich aber nicht unbedingt für störend, da ich bei Zeitreiseromanen grundsätzlich versuche, diese als Unterhaltungsromane zu betrachten und somit über manchen Fauxpas einfach gedanklich hinweg zu gehen versuche.
Wenn ich jedoch die technischen Komponenten beiseitelasse, gibt es dennoch einige Punkte, die mir persönlich zu simpel dargelegt worden sind. Ganz besonders fällt mir dabei die Leichtigkeit der handelnden Personen auf, die so gut wie alles als nahezu selbstverständlich annehmen. Das kann ich mir schlicht nicht vorstellen – vor allem, wenn man in die letzte Tage Jesus Christus reist, man neben Pontius Pilatus steht und der gefangene Jesus reingebracht wird. Gefühlt ergab sich hier nur ein „Oh, das ist Jesus“. Sorry, selbst der ungläubigste Mitmensch würde erstmal sprachlos mit offenem Mund neben Pontius stehen und versuchen, seine Gedanken wieder sauber geordnet zu bekommen. By the way: Selbst Jesus hat keine Probleme mit verschiedenen Zeiten – aber gut, er ist ja auch der Sohn Gottes…
Die Reisen selbst als auch die Auswirkungen und der plötzliche Verlust von bisher Gekanntem macht in diesem Buch dennoch Spaß. Sicher, auch hier ist einiges etwas einfach dargelegt, nichts desto trotz lässt es sich gut lesen und die auftretenden Ideen sind ausreichend interessant, um den nicht zu tiefgehend nachdenkenden Leser bei der Stange zu halten.
Mir persönlich hat es einmal wieder gut getan, einen Roman zu lesen, von dem ich mich schlicht auf der Basis von einfacher aber dennoch gut angelegter Ideen unterhalten zu lassen.
„Das Genom Christi“ ist getragen von einer rundum interessanten Idee. Diese ist bis knapp über die Hälfte auch relativ gut vorgetragen. Über diverse Paradoxien kann man hinwegsehen und die Erklärungsversuche, die in allen Romanen mit Zeitreisen auftreten, sind nett, aber wie immer auch nicht unbedingt recht viel mehr. Nach und nach verliert man ein wenig den Faden, da der Inhalt sich immer verwirrender darstellt. Trotzdem sorgte „Das Genom Christi“ für einige recht gut unterhaltsame Stunden.
Jürgen Seibold/22.03.2020

Maxwell, Lisa: Der letzte Magier von Manhattan

Originaltitel: The Last Magician
Aus dem Englischen von Michelle Gyo
Deutsche Erstausgabe September 2019
©2017 by Lisa Maxwell
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-52367-4
ca. 574 Seiten

COVER:

STOPP DEN ZAUBERER.
STIEHL DAS BUCH.
RETTE DIE ZUKUNFT!

Seit Jahrhunderten herrscht Krieg zwischen zwei Fraktionen von Magiern: Während die einen sich dem mächtigen Orden Ortus Aurea angeschlossen haben, fristen die anderen ein Schatten-Dasein im Untergrund. Zu ihnen gehört die junge Diebin Esta, die von ihrem Mentor ins New York des Jahres 1901 geschickt wird, um ein Buch zu stehlen, das als Waffe gegen den Orden dienen soll. Esta schließt sich einer Gang von Magiern an, die wie sie den Orden bekämpfen. Sie gewinnt deren Vertrauen und mehr – und weiß doch, dass sie jeden in der Vergangenheit betrügen muss, wenn sie die Zukunft retten will.

REZENSION:

Die Idee, einen magisch aufgeladenen Fantasyroman in unsere Welt zu versetzen und dabei auch noch als weiteren Faktor das eher schwierige Element der Zeitreisen zu integrieren klingt außerordentlich interessant. Lisa Maxwell startet ihr Werk sehr spannend und lässt den Leser ungebremst während einer spannenden Diebesaktion mitfiebern. Die verwendeten Ingredienzen ihres Buches sind sehr geschickt ineinander verwoben und bieten somit eine gelungene Alternative zu anderen Werken, die ihr jeweiliges Genre als festes Korsett betrachten. Das Zerreißen der Schnüre dieses Korsetts ist der Autorin hervorragend gelungen. Die Geschichte selbst wirkt erfrischend und die zeitlichen Gegebenheiten, als auch die dezent eingefügte Magie wirkt glaubhaft und nachvollziehbar erzählt. Lisa Maxwell vermeidet geschickt verschiedene zeitliche Ebenen. Sie entzieht sich damit nicht nur dem notwendigen, historischem Recherchieren, sondern auch den üblichen Paradoxien, die bei Zeitreiseromanen nahezu unvermeidlich sind und sich nur schwer „wegerklären“ lassen.
„Der letzte Magier von Manhattan“ besitzt sehr viele interessante Ideen und könnte auf Basis seiner Geschichte ein wahrer Blockbuster sein – wäre demgegenüber nicht das Problem, dass die Autorin ihre Personen etwas blass wirken lässt. Man kann sich mit ihnen schlicht nicht rundum wohlfühlen. Diesen Umstand hätte die Autorin durch Vermeidung von Oberflächlichkeit in Bezug auf die handelnden Figuren für sich gewinnen können. Etwas mehr Liebe zum Detail und schon hätte es eventuell besser funktionieren können. Als weiterer Kritikpunkt zeigt sich der fulminante und außerordentlich interessante Start, gepaart mit einem vor sich hinplätschernden Mittelteil, der dafür sorgte, dass mich die Geschichte trotz ihrer spannenden Grundidee wieder verlor.
Die eingefügte Liebesgeschichte wirkt etwas deplatziert und erneut stellte ich mir die Frage, ob es denn notwendig sein muss, dass sich irgendwelche vermeintlich wichtigen Protagonisten in Büchern immer unbedingt verlieben müssen. Dieser Umstand kommt aus meiner Lesererfahrung gehäuft bei Büchern von Autorinnen vor. Ich würde da sehr gerne mal wissen, ob dies geschlechterspezifisch ist, oder ob wir uns da immer noch in einer Welt befinden, in der Verlage bei weiblichen Autoren davon einfach ausgehen – vielleicht könnte mir hier mal jemand etwas Erleuchtung bieten.
Dennoch: Über eingeflechtete, mehr oder weniger plausible Liebesgeschichten kann ich noch hinweggehen – über Langatmigkeit und fehlende Spannung im Mittelteil eher nicht. Der Schreibstil selbst ist eingängig und zeigt die hohe Unterhaltungsqualität der Schriftstellerin. Durch die genannte Kritik jedoch nicht herausragend, sondern nur nette Unterhaltung mit ganz interessanten Ideen.
Jürgen Seibold/23.02.2020

Claire North: Die vielen Leben des Harry August

North_AugustOriginaltitel: The first fifteen lives of Harry August
© 2014 by Claire North
© 2015 für die deutschsprachige Ausgabe by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-431-03930-6

COVER:

MANCHMAL IST EIN LEBEN NICHT GENUG, UM DIE WELT ZU RETTEN! Harry August stirbt. Mal wieder. Es ist das elfte Mal, dass Harrys Leben ein Ende findet. Und er weiß genau, wie es weitergehen wird: Er wird erneut im Jahr 1919 geboren werden ― mit all dem Wissen seiner vorherigen Leben. Harry hat akzeptiert, dass er in dieser Zeitschleife festhängt, auch wenn er nicht weiß, wieso … Doch dann steht plötzlich ein junges Mädchen an seinem Sterbebett und überbringt ihm eine erschütternde Botschaft: Der Untergang der Welt steht bevor! Und das auslösende Ereignis findet vermutlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts statt. Harry, der bald wieder im Jahr 1919 sein wird, muss nun nicht weniger tun, als diese Zukunft zu verhindern …

REZENSION:

Vorweg gesagt: Dieses Buch begleitete mich als Hörbuch und somit ist die Wahrnehmung mit Sicherheit ein wenig anders, als beim Lesen der gedruckten Wörter.
Bezogen auf das Hörbuch ziehe ich sogleich meinen Hut vor der großartigen Lesung Stefan Kaminskis, der es problemlos geschafft hat, diese Geschichte unter Berücksichtigung aller Facetten vor zu tragen. Man fühlt sich beinahe wie in einem Hörspiel mit verschiedenen Sprechern, da der Leser jeder Person seinen eigenen Stempel aufgedrückt hat und geschickt auf die jeweilige Stimmung achtete. Hierdurch konnte eine ausreichende Stimmung erzeugt werden, die mich sicherlich mit davon abhielt, nicht zum Ende zu kommen.
Zum Buch: Zeitreise-Romane beziehungsweise Zeitschleife-Romane gibt es mittlerweile einige auf dem Markt. Mal mehr, mal weniger gut. Ich konnte es mir dadurch auch nicht wirklich vorstellen, wie Claire North diesem Thema einen neuen Stempel aufdrücken möchte.

Der Plot ist dennoch außerordentlich interessant und zeugt von einer herausragenden Idee. Claire North schreibt sehr eingängig, legt aber dennoch ein sehr hohes und gut durchdachtes sprachliches Niveau vor. Ihre unterschiedlichen Themen sind sehr gut recherchiert und absolut jeder Satz sinnvoll dort platziert, wo er auch hingehört.
Leider springt sie recht oft zwischen den einzelnen Leben hin und her, was es einem in einem Hörbuch nicht gerade leicht macht, hier noch zu folgen. Darüber hinaus gibt es einige langatmige Stellen und man fragt sich in manchem Leben, warum Harry August so passiv wirkt. Sicher, er versucht das Problem seiner Wiedergeburten zu verstehen. Dennoch lässt er sich einige Leben zu viel vom Nichtstun treiben. Hier hätte die Autorin bestimmt etwas stringenter vorgehen können und eventuell die Thematik mit weniger Leben abhandeln können.
Wie bei vielen Zeitreise- oder Zeitschleifenromanen versucht man selbst gedanklich der Thematik haarklein zu folgen. Dabei entdeckt man sehr oft die berühmten Paradoxien, über die man geflissentlich philosophieren kann oder als gegeben hinnimmt. In diesem Buch stellt man sich diese Frage jedoch sehr oft, denn Harry August erfährt zum Beispiel, nicht gravierend einzugreifen in der Weltgeschichte. Ich glaube, eine Person, die immer wieder am exakt gleichen Tag mit dem gesamten Wissen auf die Welt kommt, würde doch nach einigen Leben doch das ein oder andere ausprobieren. Ist ja egal, man kommt ja wieder auf die erste Spur und hat lediglich eine Erfahrung mehr hinter sich.
Bei diesem Thema stellen sich somit sehr viele Fragen, was per se ja positiv für ein Buch ist. Aber wie gesagt: Etwas weniger wäre vielleicht mehr gewesen.
Natürlich bleibt die Geschichte trotzdem faszinierend – jedoch hätte ich mir persönlich etwas mehr Spannung und etwas weniger „durch die Leben springen“ gewünscht.
Sprachlich gibt es absolut gar nichts an der Autorin aus zu setzen: Sehr eingängig, philosophisch angehaucht und jeder Satz gut durchdacht und passend.
Das Ende war mir dann leider ein wenig zu schnell und zu konstruiert. Hier eröffnete sich erneut eine Vielzahl an Fragen, die schlussendlich leider nicht alle beantwortet worden sind.
Jürgen Seibold/02.08.2016
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