Tremblay, Paul: Das Haus am Ende der Welt

Originaltitel: The Cabin At The End Of The World
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Julian Haefs
Deutsche Erstausgabe 07/2019
©2018 by Paul Tremblay
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31999-8
ca. 351 Seiten

COVER:

Eine abgelegene Ferienhütte am See in den Wäldern New Hampshires: Hier wollen Eric und Andrew gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Adoptivtochter Wen ein paar Tage Urlaub machen. Kein Stress, kein Internet – nur Ausspannen, Lesen und Zeit mit der Familie verbringen. Mit der Idylle ist es dann aber schnell vorbei, als eines Tages der etwas unheimliche Leonard auftaucht und darauf besteht, mit der Familie zu sprechen. Eric und Andrew versuchen alles, um ihn abzuwimmeln, doch Leonard ist nicht alleine gekommen. Mit einem Mal tauchen noch drei weitere bis an die Zähne bewaffnete Gestalten aus den Büschen auf. Sie sagen, dass sie der jungen Familie nicht wehtun wollen. Sie sagen, dass Eric und Andrew eine wichtige Entscheidung zu treffen hätten, vorher könnten sie sie nicht gehen lassen. Für Eric, Andrew und Wen beginnt der schlimmste Albtraum ihres Lebens …

REZENSION:

Die Coverbeschreibung geht ziemlich unverblümt auf die eigentliche Geschichte ein. Recht viel mehr lässt sich fast nicht sagen – gut, ganz so schlimm ist es dann doch auch wieder nicht…
„Das Haus am Ende der Welt“ ist ein fast klassisches Ensemble, wie man es schon sehr oft im Horrorgenre lesen als auch sehen konnte: Eindringlinge zerstören auf eine unmenschliche Art nicht nur die Ordnung des eigenen Lebens, sondern dringen in den persönlichsten Bereich ein: das eigene Heim.
Auch im Roman von Paul Tremblay finden wir dieses Setting wieder: Ein einsames Haus, eine Familie, die einfach nur Urlaub machen möchte und eine Gruppe an vermeintlich irregeleiteten Individuen, die vor Gewaltakten keine Scheu haben – im Gegenteil!
Die Geschichte Tremblays ist oberflächlich betrachtet auch nicht wirklich mehr und sorgt somit nur zaghaft für die Hinterlassung eines eigenen Abdrucks im weiten Reigen ähnlich aufgebauter Romane.
Nichts desto trotz ist „Das Haus am Ende der Welt“ doch ein klein wenig mehr: Tremblay versucht einige Klischees abzuschütteln. Zum einen „beglücken“ die Psychopathen eine in der heutigen Zeit leider immer noch als untypisch betrachtete Familie: Wen und ihre zwei Väter. Ich halte von solchen simplen Mechanismen außerordentlich viel, da nur dadurch diese Thematik endlich ihren Weg in die Normalität finden kann.
Zum anderen versucht Tremblay seinen Psychopathen ein wenig Philosophie mit auf den Weg zu geben. Dies sorgt doch tatsächlich für ein klein wenig Nachdenken auf des Lesers Seite. Anfangs ging ich noch davon aus, dass die Eindringlinge schlicht etwas gegen Homosexualität haben – gut, dieser Ansatz kommt latent vereinzelt vor – aber weit gefehlt, der Ansporn liegt in der Vermeidung von nichts Geringerem als dem Weltuntergang. Klar, dass dafür Opfer gebracht werden müssen…
„Das Haus am Ende der Welt“ sorgt für eine ausreichende Unterhaltung, versucht dabei etwas mehr, kann dies aber nicht einlösen. Alles in allem dennoch gute Unterhaltung im etwas härteren Genre für einige Stunde des Abschaltens. Gleichzeitig aber auch nichts herausragendes – muss aber auch nicht immer sein.
Jürgen Seibold/24.08.2019

Scheib, Torsten: Götterschlacht

©2017 Amrûn Verlag, Jürgen Eglseer, Traunstein
ISBN 978-3-95869-562-7
ca. 365 Seiten

COVER:

Es hat begonnen.
Harmlos brach es herein. Keiner nahm die Zeichen am Himmel ernst. Man lachte, man zelebrierte, man staunte – und verspottete die mahnenden Stimmen.

Ohne Vorwarnung
Erst stürzte der Himmel ein, dann löschte ihn die Eiszeit. Begrub die Erinnerungen dieser Welt unter sich, labte sich an warmen Körpern; am Gaumenkitzel nackter Angst. Wer dennoch überlebte, wurde gejagt. Von den pelzigen und geflügelten Kreaturen, den flammenden und frostigen Geschöpfen. Den Streitarmeen Hels, der Fürstin der Unterwelt.

Erst kam die Dämmerung.
Unvermittelt fand sich eine Handvoll unbescholtener Menschen zwischen den Armeen der Unterwelt und des Asgards wieder: wurde zu Spielbällen in der womöglich alles entscheidenden Schlacht.

Dann – die Götterschlacht …
Wer wird obsiegen? Die diabolische Herrscherin über Firn und Finsternis? Oder doch die ehrbaren Asen? Wer wird überleben? Menschen – oder …?

Ragnarök.
Das Ende ist angebrochen.

REZENSION:

Dystopien gibt es in der heutigen Zeit wie Sand am Meer. Nachdem Literatur oft einen Spiegel der Gesellschaft darstellt, kann man sich dem Nachdenken über den Grund dieser Vielfalt sicher nicht entziehen.
Im Gegensatz zu den Weltuntergangsszenarien, die mit Zombies und/oder gesellschaftlichen Zusammenbrüchen zu glänzen versuchen, geht Torsten Scheib einen gänzlich anderen Weg: Er vermengt sein Szenario mit den alten nordischen Sagengestalten. Allein dieser Umstand sorgte für ein ausreichendes Interesse von meiner Seite, sich diesem Werk zu widmen. Endlich einmal eine neue Idee in den Weiten der von Zombies überrannten Geschichtserzählungen.
Scheib lässt seinem Leser von Anfang ein keine Ruhe und lässt nahezu ungebremst den Weltuntergang über seine Protagonisten hereinbrechen. Anfangs noch belächelnd den typischen Stimmen in irgendwelchen TV-Diskussionsrunden sprechenden „Experten“ lauschend, bricht urplötzlich alles zusammen und es bleibt einem nichts weiter übrig, als um das nackte Überleben zu kämpfen. Scheib erzählt uns von einer jungen Gruppe, die sich ziemlich schnell der auftretenden Gefahr bewusst wird und sich gemeinsam auf die Flucht macht. Ab diesem Augenblick begleiten wir sie auf ihrem rasanten Weg zu einer vermeintlichen Zufluchtsstätte.
Fulminant schafft es Torsten Scheib dabei, die Gefahren und somit auch die Spannung aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig bekam ich dabei jedoch auch das Gefühl, lediglich eine Gruppe auf der Flucht vor irgendwas noch nicht greifbarem lesend zu begleiten.
Kurz bevor ich mit dem Gedanken spielte, Götterschlacht als weiteren „Ich-bin-dann-mal-auf-der-Flucht“-Roman zu betrachten und somit zu beenden, schwenkte Scheib in die nordische Sagenwelt und führte einige „Gottheiten“ in seinen Plot ein.
Erfreut darüber blitzte in meinen Augen wieder Hoffnung auf und ich musste dem Plot unbedingt weiter folgen.
Die Vermischung dieser alten Sagen und deren Grund für den anstehenden Weltuntergang hob die Geschichte wieder hervor vom üblichen Einheitsbrei.
Dabei ist sein Schreibstil auch eingängig und gut durchdacht. Darüber hinaus spiegelt sich unglaublich viel thematisches Wissen wieder. Gleichzeitig kann man dem Plot weiterhin gut folgen – vorausgesetzt, man hat zumindest ein klein wenig Wissen über diese Sagengestalten parat. Ich denke aber, bereits durch den ein oder anderen Wikingerfilm oder -serie ist man bereits gut darauf vorbereitet.
Nach der Rettung der Protagonisten durch die Asen bekommt man langsam heraus, dass diese Gruppe etwas Besonderes darstellt und somit wohl der Schlüssel zur Rettung der Welt sind. Dementsprechend werden sie wieder auf die eigentliche Welt entlassen und müssen sich erneut den Gegnern stellen.
Ab diesem Zeitpunkt hat mich der Autor ein wenig verloren: Mir wurde nicht ausreichend klar, warum dieses Team diese Rolle einnehmen musste. Darüber hinaus waren sie dann urplötzlich wieder auf der Flucht vor allen möglichen Gefahren und versuchten zu überleben, bis ihnen endlich Hilfe zur Seite eilt.
Götterschlacht hat mich sehr zwiespältig zurückgelassen. Zum einen gefiel mir Scheibs Schreibstil und besonders die Idee außerordentlich gut. Zum anderen waren mir aber seine Protagonisten etwas Platt dargestellt – im Gegensatz zu ihrem Helfer aus dem Volk der Asen. Dessen Stärken und Schwächen wirkten irgendwie eingängiger.
Alles in allem ein spannender Roman für Freunde von Geschichten, deren rasante Erzählweise fast keine Zeit zum Luftholen lässt. Etwas mehr Tiefgang und dafür vielleicht etwas weniger „Auf-der-Flucht-sein“ hätte mir wohl besser gefallen. Außerdem hätte mich noch sehr interessiert, warum gerade diese wenigen Menschen die Rolle zum Neuaufbau übernehmen mussten. Deren Besonderheiten hat sich mir leider nicht erschlossen.
Jürgen Seibold/27.01.2018

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