Matthew Delaney: Dämon

Originaltitel: Jinn
Aus dem Amerikanischen von Axel Merz
© 2003 by Matthew B.J. Delaney
© für die deutschsprachige Ausgabe 2005 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach
ISBN 3-404-15264-6
ca. 764 Seiten

COVER:

Als Meeresforscher ein im Zweiten Weltkrieg gesunkenes Schiff entdecken und bergen, können sie nicht ahnen, welche Gefahren sie damit heraufbeschwören. Denn in dem Wrack befindet sich ein Wesen, das nur ein Ziel kennt: zu töten. Mit der Überführung des Schiffes nach Boston beginnt für die Bewohner der Stadt eine Phase des Schreckens. Bizarre Morde, verstümmelte Leichen und kryptische Zeichen halten die Polizei in Atem, und alles scheint auf eine Verbindung zwischen den Gewalttaten und dem Wrack hinzudeuten. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kriminalbeamten auf ein Geheimnis, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

REZENSION:

Matthew Delaney holt in seinem beinahe achthundert Seiten starkem Werk recht weit aus. Bereits im ersten Kapitel, welches eher als Prolog zu betrachten ist, fragt man sich, warum er in seinem ersten Roman sogleich soviel zu erzählen hat. Interessanterweise fühlt man sich dabei nicht gestört und somit liest man erst einmal sehr lange über die Begebenheiten einer US-Amerikanischen Truppe bei ihrem Einsatz gegen die Japaner auf einer nicht wirklich kriegsentscheidenden Insel. Nach und nach erkennt man dabei jedoch, dass sich auf dieser Insel eine weitere Gefahr befindet.
Hierdurch sehen sich die Kontrahenten – zumindest teilweise – dazu gezwungen, ihre Kampfhandlungen gegeneinander einzustellen um sich gemeinsam dem mächtigen Gegner zu widmen.
Als nächstes nehmen wir als Leser bei einer Bergungsmission im Ozean teil – weiterhin bleibt der lockere Faden zu den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg bestehen. Als Leser kann man sich spätestens jetzt diesem Werk nicht mehr entziehen, da Delaney diese Mission außerordentlich interessant, wahrheitsgetreu und spannend vor des Lesers Augen entfaltet.
Erneut vergehen einige Jahre, bis wir auf die ersten Todesfälle in Boston treffen. Ab diesem Augenblick könnte man beinahe von einem reinen Krimi sprechen, wäre da nicht die noch nicht greifbare und wohl übernatürliche Komponente des Bösen.
Delaney bleibt sich treu und erzählt und erzählt. Ab und an fragt man sich, ob weniger nicht etwas mehr gewesen wäre – man ist aber dennoch weiterhin an die Geschichte gefesselt und versucht, über manchen Logikfehler und auch Nutzung des ein oder anderen Zufalls hinweg zu sehen.
Die Fäden finden im Laufe des Romans immer näher zusammen und bis zum Ende schafft es der Autor auch problemlos, alle zu einem relativ plausiblen und gemeinsamen Ergebnis zusammenlaufen zu lassen.
DÄMON ist wahrlich ein Roman im Stile eines gut erzählten Thrillers, wie man ihn sich auch im Kino vorstellen könnte. Trotz seines Ausschweifens fühlt man sich nicht verlassen – im Gegenteil, man sieht über manche Handlungskleinigkeit hinweg und folgt einfach dieser spannenden Geschichte.
Sicher hätten dem Roman einige Seiten weniger wohl recht gut getan – nichts desto trotz macht er in seiner Gänze trotzdem ausreichend Spaß, um ihn mit einem guten Gefühl zu Ende zu lesen. Ein purer Unterhaltungsroman mit sehr guten Ideen und Ansätzen.
Jürgen Seibold/25.06.2017
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Scott McLeary: In die Finsternis

Leary_Finsternis© 2015 Scott McLeary
epubli GmbH, Berlin
ISBN 978-3-7375-4238-8

COVER:

Als die Anomalie am Himmel erschien, ahnten die Gambrianer nicht, dass viele von ihnen dem Tod geweiht waren. Aus welcher Welt die Bestie stammte, vermochte niemand zu sagen, doch sobald sie ihren Fuß auf die Planetenoberfläche gesetzt hatte, begann das Sterben.
Die Streitkräfte Gambrias erlitten schwerste Verluste, und letztendlich mussten sie erkennen, dass sie niemals zuvor einem Feind wie diesem gegenübergestanden hatten. Erst als die gesamte gambrianische Zivilisation am Rande der Auslöschung stand, gelang es in einer verzweifelten Operation, die Bestie gefangen zu nehmen.

Jahrmillionen später – auf der Erde tobt der Erste Weltkrieg – wird eine französische Spezialeinheit in Marsch gesetzt, um das Geheimnis einer deutschen Ausgrabung zu ergründen.
Wonach haben die Deutschen gesucht, und warum sind sie so plötzlich verschwunden?
Nachdem die Spezialeinheit durch die Hölle der Schlacht von Verdun gegangen ist, erreicht sie schließlich die Grabungsstätte. Hier stößt sie auf einen Tunnel, der zu einem tief unter der Erde verborgenen Tor führt. Dutzende grausam verstümmelte Leichen liegen vor den weit geöffneten Torflügeln.
Die Deutschen haben etwas freigelassen. Etwas, das nie mehr das Licht der Sonne hätte sehen dürfen. Eine furchtbare Bestie, die von einer technologisch hochentwickelten Zivilisation nur unter großen Opfern gefangen genommen werden konnte.
Getrieben von einer unbändigen Gier nach Blut wütet diese Kreatur nun über das Angesicht der Erde und lässt nichts als Tod und Zerstörung hinter sich zurück.

Gambria war stark. Die Menschheit jedoch … ist schwach.
Aber sie steht nicht allein.

REZENSION:

Bei Scott McLeary handelt es sich um einen neuen Autoren, der mit diesem Titel seine ersten Fußstapfen hinterlassen möchte. Ich könnte jetzt gleich enden und schlicht sagen: Ja, er hinterlässt seine ersten Spuren und diese sind tief genug, um Bestand zu haben.
McLeary führt uns nach seiner Science-Fiction-Einleitung ungebremst zur Schlacht von Verdun und lässt diese deutlich vor des Lesers Augen erscheinen. In der sicheren Umgebung eines historischen Romanes fragt man sich recht schnell, was der Autor mit seiner Einleitung bezwecken wollte und ganz besonders: Wie bekommt er die Kurve vom realen Weltkrieg zu den bereits kurz angerissenen Aliens?
Interessanterweise schafft er das nahezu problemlos und es entsteht ein absolut gelungener Genre-Mix aus historischem Roman, Science-Fiction-Roman und last but not least einem Horror-Roman. Klingt irrsinnig, funktioniert aber und macht einfach nur Spaß.
Natürlich kann man jetzt darüber philosophieren, ob Leser mit einem Genre-Mix klarkommen. Andererseits stellt man sich die Frage, ob es somit auch ein Genremix wäre, wenn plötzlich Aliens auf unserem Himmelzelt erscheinen würden. Ich persönlich finde es immer wieder sehr interessant, wenn sich Autoren verschiedener Genre annehmen und aus diesen einen Crossover-Roman entstehen lassen. Manchmal geht sowas daneben – manchmal funktioniert es. Bei Scott McLeary jedenfalls hat es funktioniert.
Gleichzeitig sind seine Protagonisten detailliert erzählt und jeder bekommt einen glaubwürdigen und eigenen Charakter ohne Übertreibungen. Die realen Geschehnisse wirken gut recherchiert und sind glaubwürdig erzählt. Gut, die Deutschen waren wieder einmal ein wenig dämlich – aber anders gehört es uns ja irgendwie auch nicht; erinnerte ein klein wenig an die dümmlichen Nazis der Indiana-Jones-Reihe.
Schlussendlich hat es mir persönlich jedenfalls außerordentlich gut gefallen und ich hatte definitiv viel Spaß beim Lesen dieser Geschichte. Ich bin wirklich gespannt, mit welchen Ideen Scott McLeary noch so ums Eck kommen wird – bis dahin kann ich jedenfalls schon einmal dieses Buch ohne jeglichen Vorbehalt empfehlen. Für ein Debüt absolut gelungen.
Jürgen Seibold/17.07.16
In die Finsternis KAUFEN BEI AMAZON