Baxter, Stephen: Das Ende der Menschheit

Originaltitel: The Massacre of Mankind
Aus dem Englischen übersetzt von Peter Robert
©2017 by Stephen Baxter
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31845-8
ca. 588 Seiten

COVER:

Vierzehn Jahre sind vergangen, seit die Marsianer auf der Suche nach neuen Wasser- und Rohstoffquellen zur Erde kamen. Seit sie mit den Hitzestrahlen ihrer dreibeinigen Kampfmaschinen die Städte Englands in Schutt und Asche legten. Und seit sie an den Mikroben der Erde zugrunde gingen. Vierzehn Jahre, in denen nun Wohlstand und Fortschritt in England herrschen – die Gefahr aus dem All ist gebannt.
Nur Walter Jenkins, der einst selbst im Krieg gegen die Marsianer kämpfte und in seinem Bestseller „Die Aufzeichnungen“ die Schrecken der Invasion festhielt, traut dem Frieden nicht. Sie werden wiederkommen, davon ist Jenkins überzeugt. Und sie werden aus ihrer Niederlage gelernt haben. Doch niemand glaubt ihm. Er wird belächelt und als traumatisierter Kriegsveteran abgestempelt. Aber dann kommt der Tag, an dem die ersten Geschützfeuer am Himmel gesichtet werden. Und diesmal ist nicht nur England betroffen. Berlin, San Francisco, Tokio – die Marsianer landen überall auf der Erde. Das Ende der Menschheit hat begonnen …

REZENSION:

Bereits im Jahre 1898 veröffentlichte H. G. Wells das literarische Meisterstück „Krieg Der Welten“ und spätestens nach der dramatischen Radio-Umsetzung durch Orson Welles ging dieser Roman in die Geschichte der Weltliteratur ein.
Nachdem nun die obligatorischen Jahre des Copyrights vergangen sind, gibt es viele verschiedene Ansätze, dieser dicht erzählten und dennoch dramatisch wirkenden Story etwas drauf zu setzen.
Interessant dabei ist der Umstand, dass es H. G. Wells möglich war, mit gerade einmal etwa 120 Seiten ein Meisterwerk abzuliefern und alle weiteren Versuche sich daran zu messen, bereits an der Seitenzahl kläglich scheitern.
Nun liegt mit Stephen Baxters „Das Ende der Menschheit“ ein nicht unerheblich dickeres (ca. 588 Seiten) Werk vor und bereits beim Betrachten des Buches fragt man sich, ob das als offizielle Fortsetzung des Krieges der Welten nicht doch zu viel des Guten zu sein scheint.
Leider trifft genau dies ein – mir ist bewusst, dass Baxter gerne in seinen Büchern etwas weiter ausholt und ich halte ihn durch andere Werke von ihm auch für einen begnadeten Autoren. Er hätte sich dennoch nicht dieses Meisterwerk mit dem Gedanken einer Fortsetzung zur Brust nehmen sollen. Vielleicht hätte es funktioniert, wenn er sich erheblich kürzer gehalten hätte.
Nun, ich selbst war gänzlich unvoreingenommen und versuchte das große Vorbild einfach aus zu blenden. Könnte ja sein, das „Das Ende der Menschheit“ dennoch eine geniale Geschichte beinhaltet.
Baxter versucht auch auf sehr geschickte Weise den damaligen Flair aufrecht zu halten. Gleichzeitig verliert er sich aber in den immer wieder gleichen Erlebnissen. Teils einfach so vor sich hin erzählt, teils auf der Jagd nach simplen Effekten. Interessantes wurde zu schnell abgehakt – Kämpfe immer wieder ausgebreitet.
Simpel gesagt: Ein Kriegsbericht mit unendlich vielen Seiten – ein Abbruch ist vorprogrammiert und auch ich konnte mich dem nicht entziehen.
Vielleicht sollte man einfach die Finger von alten Meistern lassen – oder deren grundsätzliche Idee als Einstieg in eine eigene Geschichte verwenden. Ich weiß, Baxter könnte das – und ich frage mich, warum er sich die Mühe gemacht hat, sich dieser Fortsetzung zu widmen und nicht einfach selbst einen neuen Roman mit einer eigenen Idee entwickelt hat. Ich glaube, bei diesem Vorbild kann man nur verlieren.
Dummerweise funktioniert „Das Ende der Menschheit“ auch nicht wirklich, wenn man versucht, „Krieg der Welten“ gedanklich auszublenden.
Jürgen Seibold/27.05.2018

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H. G. Wells: The Time Machine

timemachine© 2013 Sublime Books
ISBN 978-1-61720-872-0

COVER:

H. G. Wells’ classic science fiction masterpiece The Time Machine explores human nature. The Time Traveler finds himself in 802,701 A.D., where he meets the peaceful Eloi and encounters the violent Morlocks. Wells uses these two descendants of man to explore evil and its causes, drawing conclusion that might surprise you in this riveting tale that has stood the test of time. This deluxe edition has the deleted portion of chapter eleven that ran in the original serialization, but was removed by Wells for book publication; it runs after the story as the “Gray Man.” In addition to the “Gray Man” this edition also contains the full text of “The Chronic Argonauts” Wells’ first time travel story which he borrows liberally from for The Time Machine.

REZENSION:

So ziemlich jeder sollte den berühmten Film “Die Zeitmaschine” mit Rod Taylor kennen. Falls dies nicht der Fall sein sollte, kann man diesen nur jedem ans Herz legen (jedoch nicht die vernachlässigbare Neuverfilmung). Der Film basiert auf H.G. Wells’ klassischem, bereits im Jahre 1895 erschienen Kurz-Roman von etwa lediglich 100 Seiten.
Im Gegensatz zum Film ist die Geschichte ein Statement gegen die Unterdrückung von Menschen und Klassenunterschieden. Dies wird von Wells trotz dieser wenigen Seiten sehr deutlich dargelegt.
Die Geschichte ist sehr visionär dargestellt und man kann sich deren Inhalt absolut nicht entziehen. Sicherlich nimmt man gedanklich viele Anleihen aus der filmischen Darstellung – dies macht aber die Geschichte nur noch lebendiger.
“Time Machine” ist gleichzeitig zu einem stark beeinflussenden Ideengeber für neuere Geschichten geworden und ich könnte mir vorstellen, dass dieses literarische Werk von nahezu jedem Autor und Freund des SF-Genres bereits gelesen worden ist.
Sollte dies auf jemanden nicht zutreffen: Holt das unbedingt nach, es lohnt sich.
Alles in allem ein absoluter Tipp aus der Ursprungsecke des Science-Fiction – lediglich mit der Veröffentlichungspolitik auf dem deutschen Markt kann ich nicht wirklich konform gehen: Gerne hätte ich das Büchlein auf Deutsch gelesen, jedoch gibt es in unserem Markt das Werk wohl nur in gedruckter Fassung und der Preis befindet sich dabei bei knappen 10 Euro für dieses schmale Büchlein. Die oben genannte Version in der Originalsprache kostet als eBook lediglich knapp über einen Euro (!) und beinhaltet dabei noch einige weitere Häppchen des Autors inklusive seiner ersten Zeitreise-Kurzgeschichte.
Jürgen Seibold/01.10.2015
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Dan Wells: Du stirbst zuerst

Originaltitel: The Hollow City
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe Oktober 2011
(c) 2011 Dan Wells
(c) der deutschsprachigen Ausgabe: 2011 Piper Verlag GmbH, München
ISBN 978-3-492-26858-5
ca. 448 Seiten / € 12,99

COVER:

»Mein Name ist Michael, und ich habe Visionen. Von gesichtslosen Monstern, die mich verfolgen. Doch die Visionen sind mein geringstes Problem: Denn einige der Monster sind real. Und ich weiß nicht, welche … «

Mit »Ich bin kein Serienkiller« gelang dem jungen US-Autor Dan Wells ein Überraschungserfolg, der die Grenzen zwischen Thriller und Fantasy sprengte. Nun erzählt Dan Wells eine ganz neue Geschichte: Michael erwacht in einem Krankenhaus. Was ist in den letzten zwei Wochen geschehen? Er erinnert sich nicht. Er weiß nur, dass mit ihm etwas ganz und gar nicht stimmt. Denn er sieht Monster. Er hört fremde Stimmen in seinem Kopf. Die Ärzte behaupten, er habe Wahnvorstellungen. Doch Michael weiß es besser. Die Monster sind real. Sie verfolgen einen dunklen Plan. Und wenn er den Kampf gegen sie aufnimmt – wer wird zuerst sterben?

REZENSION:

Dan Wells entwickelte sich mit seinen Büchern um John Wayne Cleaver zu einem Garant, der mühelos Genregrenzen übertritt und verwischen lässt.
Nun legt er mit “Du stirbst zuerst” einen neuen Thriller vor, der so gar nichts mit seinen früheren Werken aus thematischer Sicht zu tun hat.
In “Du stirbst zuerst” lässt Wells den Leser teilhaben an einer Person, die von Wahnvorstellungen (oder ist es gar die Wirklichkeit?) getrieben auf der Suche nach Erkenntnissen ist, um nicht als Serienkiller gebrandmarkt zu werden – ist er doch sicher, die Morde des Wellnesskillers nicht verübt zu haben.
Abermals treten wir als Leser in einen absolut spannenden Plot ein, in dem uns der Autor über die Schulter des Protagonisten schauen lässt. Man ist schier gefesselt, ob der geistigen Vorstellungen Michaels und dessen Suche nach Wahrheit. Nebenbei werden die typischen oberflächlichen Vorgehensweisen der am lebenden Objekt forschenden Ärzte an die Wand gestellt – sind sie doch viel zu schnell mit Psychopharmaka auf der “heilenden Spur” ohne dem Patienten eine echte Chance der Entfaltung zu bieten. Viel zu oft geht es um das reine “Stillstellen” des Patienten – klingen seine Erzählungen doch lediglich phantastisch und können nicht real sein.
Doch sind diese auf der richtigen Spur? Ist nicht vielmehr der Patient der einzige, der die Wahrheit kennt? Und schon bewegen wir uns in einem Strudel voll Wahrnehmungen, Wahnvorstellungen, Gedanken und der Sorge, doch der Serienkiller zu sein.
Man kann sich dem nicht entziehen, da man vom Autor an die Hand genommen wird und man durch die Irrungen und Wirrungen eines vermeintlich kranken Gehirns die weitere Geschichte nicht vorhersehen kann.
Zum Ende hin zeigt Wells erneut, dass er keinen Deut auf Genreabgrenzungen gibt und führt ein Ende ins Feld, das sicherlich nicht jedem Leser einen befriedigenden Abschluss gibt. Nichts desto trotz hat er erneut einen spannenden Plot geschrieben, der zwar nicht ganz seinen früheren Plots entspricht aber dennoch problemlos überzeugen kann.
Nur weiter so…
Jürgen Seibold/06.12.2011

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Dan Wells: ich bin kein Serienkiller

Originaltitel: I Am Not A Serial Killer
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
c Daniel A. Wells 2009
c der deutschsprachigen Ausgabe: Piper Verlag GmbH, München 2009
ca. 378 Seiten / € 12,95

COVER:

Clayton, eine Kleinstadt im Mittleren Westen der USA: Der fünfzehnjährige John will eigentlich ein ganz normaler Teenager sein, die Schule besuchen und Mädchen kennenlernen. Doch er weiß, dass in ihm ein düsteres Geheimnis schlummert. Es ist nicht nur das Interesse an Serienkillern, das sein ganzes Leben bestimmt, nicht nur seine Faszination vom Tod. Es ist die Furcht, dass er eines Tages selbst zum Killer wird. Denn John trägt ein Monster in sich. Und als unerklärliche Morde in der Stadt geschehen, muss er sich nicht nur einem dämonischen Gegner stellen, sondern auch sich selbst …

REZENSION:

Beim Lesen des Rückens von „Ich bin kein Serienkiller“ war ich sichtlich erfreut: Erstmals scheint es einen Autor zu geben, der dieses Thema in einem Thriller ganz anders angeht. Ich rechnete mit einem psychologischen Plot, in dem jemand gegen sich selbst kämpft, um sich nicht seiner Neigung hinzugeben.
Als ich nun mit dem Lesen begann, war ich Anfangs etwas enttäuscht – ist doch sein Protagonist doch tatsächlich erst 15 Jahre alt! – So jemanden kann ich mir beim besten Willen nicht wirklich als Serienmörder vorstellen (zumindest nicht in einem Buch).
Nichts desto trotz lies ich mich nicht beirren und wurde auch nicht enttäuscht:
Dan Wells baut den Charakter des 15jährigen John Wayne Cleaver unwahrscheinlich detailliert auf und lässt uns intensivst an seinen Gedanken teilhaben. Es ist sehr interessant zu erfahren, welche Probleme John als morbider Eigenbrötler zu bewältigen hat – dies geht von normalen schulischen Problemen, über Unverständnis bis zur Beziehung zu seinem Psychiater als auch zu seiner Mutter. Nebenbei lässt er diesen jungen Protagonisten im Leichenschauhaus seiner Mutter mitarbeiten, was die Stimmung nur noch verstärkt.
Das Problem des Serienkillers wird jedoch im Laufe des Buches weniger zu einem Problem von John – stellt er doch fest, dass jemand aus seiner Umgebung alle Anzeichen eines Serienkillers vorweist. Dan Wells schwenkt in diesem Augenblick von seinem Psychogramm zu einem klassischen Thriller, in dem sich sein junger Protagonist auf die Jagd nach dem Serienkiller des Dorfes macht.
Jede Seite ist absolut glaubwürdig und spannend erzählt – und das könnte es nun auch sein, wäre da nicht der Einfallsreichtum des Autors: Er möchte nicht einfach bei einem normalen Thriller bleiben, sondern noch die Kiste der mysteriösen Begebenheiten öffnen. Hier muss ich jedoch nicht dem Beschreiben aufhören, da man sonst zu viel verraten würde. Eines ist gewiss: Man darf kein Verfechter von Realismus sein, sondern es ist unabdingbar notwendig, paranormale Begebenheiten zu akzeptieren. Kann man das, wirkt auch dieses sehr spannende und abwechslungsreiche Buch.
Kurz gesagt: Ein sehr empfehlenswerter Thriller mit einem sehr interessanten Jäger und Gejagten.
Jürgen Seibold/06.10.2009