Van Versendaal, Dirk: NYX

©2017 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg
ISBN 978-3-498-07069-4
ca. 447 Seiten

COVER:

Die junge Ärztin Polly Sutter besteigt im Hafen von Oslo eine Fähre. Ihr Ziel auf hoher See: die Nyx – ein schwimmendes Monstrum mit einer Länge von vier und einer Breite von anderthalb Kilometern. 2025 als internationales Alters- und Pflegeheim erbaut, ist das Schiff seit Jahren auf allen Weltmeeren unterwegs.
Als Polly an Bord geht, tut sich seit längerem Unheimliches. Immer mehr Alte sterben einen grauenvollen und unerklärlichen Tod, andere Menschen verschwinden auf rätselhafte Weise. So auch ein Kollege des Technikers Rafael, der sich beim Beladen der gewaltigen Müllverbrennungsöfen auf Deck 50 scheinbar in Luft auflöst.
Polly und Rafael sind nicht die Einzigen, die sich Sorgen machen. Auch ein paar der betagten Insassen haben keine Lust, ihr Leben verwirrt und mit blau angelaufener Zunge auszuhauchen. Die seltsame Krankheit ist aber nur eines de Geheimnisse der Nyx, die unbeirrbar die internationalen Gewässer durchpflügt, während an Bord ein Pandämonium ausbricht …

REZENSION:

Die Coverbeschreibung von Dirk van Versendaals Roman NYX beinhaltet exakt die dystopischen Elemente, die mich dazu zwingen, ein Buch dieser Art in die Hand zu nehmen. Selbst bereits verschiedenste Geschehnisse ausmalend, kann man es beinahe nicht erwarten, sich einer neuen Dystopie – scheinbar mit einer auch relativ neuen und interessant klingenden Idee – zu widmen.
Leider liegt die Stärke dieses Buches eher an der Beschreibung des Inhalts auf Basis der Rückseite des Umschlags als auch dem Innencover. Die Geschichte selbst spiegelt dies zwar grundsätzlich auf Basis ihrer Grundidee wider, dennoch schafft es Dirk van Versendaal nur ansatzweise eine überzeugende Leseatmosphäre aufzubauen.
Sein Schreibstil ist weniger das Problem – man kann ihm gut folgen – aber er erzählt eine durchweg sich selbst als extrem spannend vorgestellte Geschichte mit einer Geschwindigkeit, die dem nicht gerecht werden kann beziehungsweise nicht einmal annähernd als Geschwindigkeit deklariert werden dürfte. NYX zieht sich extrem langsam hin und selbst dezent aufkommende interessantere, wenn nicht gar als Spannung verwendete Elemente werden ohne jeglichen Druck auf das Gaspedal vor des Lesers Augen dargelegt.
Das Werk hat knappe 450 Seiten – allein durch meinen guten Willen schaffte ich es bis über die Hälfte. Sehr schade, da die Idee wirklich für sich alleine spricht. Wäre interessant zu erfahren, wie ein rasanter erzählender Autor wohl damit umgegangen wäre. Hier hat es leider absolut gar nicht geklappt.
Jürgen Seibold/02.11.2018