Charlie Human: Apocalypse Now Now. Schatten über Cape Town

© Fischer Tor
ISBN 978-3596034987
ca. 352 Seiten

COVER:

Mit ›Apocalypse Now Now‹ hat Charlie Human »ein verrücktes, finsteres, respektloses und wunderbar abgedrehtes Debüt« (Lauren Beukes) geschrieben, das in seiner Heimatstadt Cape Town spielt. Südafrikanische Mythologie + magiebegabte Kopfgeldjäger + Rock’n’Roll-Highschool = punkige Urban Fantasy vom Allerfeinsten.

Eigentlich läuft für den 16-jährigen Baxter gerade alles rund. Sein kleines Pornobusiness an der Highschool boomt, die Eltern lassen ihn in Frieden, und er ist über beide Ohren in die zauberhafte Kleptomanin Esmé verliebt. Doch als diese von einem wahnsinnigen Serienmörder entführt wird, laufen die Dinge aus dem Ruder. Zusammen mit dem Kopfgeldjäger Jackie Ronin macht Baxter sich auf die Suche nach ihr und entdeckt hinter dem gewöhnlichen Alltag von Kapstadt eine Schattenwelt der Ungeheuer und Magie.

Ein anarchisches, übersteuertes und verdammt witziges Fantasy-Debüt mit Kultbuchpotenzial. Mit ›Apocalypse Now Now‹ und der Fortsetzung ›Kill Baxter‹ macht Charlie Human den ganz Großen der Urban Fantasy – Neil Gaiman, Jim Butcher und Ben Aaronovitch – ernsthaft Konkurrenz.

REZENSION:

Der 16-jährige Baxter lebt relativ unbeschadet vor sich hin. Seine Eltern stellen für ihn absolut kein Problem dar und sein eigenes kleines Unternehmen läuft nahezu problemlos und sorgt für ein ausreichendes Einkommen. Dies, obwohl sein Business nicht gerade unangreifbar wäre: Handelt er doch in der Highschool mit Pornos für jeglichen abartigen Geschmack. Ganz neu im Programm sind Pornos mit irgendwelchen Monstern oder ähnlichem unglaublichen Getier.
Nebenbei ist er mit Esme liiert und freut sich seines Lebens. Aufgrund seiner Art ist er zwar einigermaßen angesehen, gleichzeitig nutzt er seine Mitschüler aber je nach Gebrauch schlichtweg aus.
Plötzlich wird jedoch seine Freundin entführt – angeblich von einem Serienmörder. Ab diesem Augenblick wird ihm klar, dass sich hinter dieser Beziehung für ihn wohl doch erheblich mehr dahinter verbirgt. Scheinbar spielt “Liebe” doch eine Rolle in seinem Leben.
Angestachelt von seinen erwachten Gefühlen macht er sich auf die Suche nach ihr und wird dabei von einem sehr kuriosen Kopfgeldjäger unterstützt.
Ab diesem Augenblick steht die gesamte Welt Baxters auf dem Kopf: Wie er feststellen muss, gibt es in Kapstadt eine verborgene Welt voll unglaublicher Wesen und magische Elemente.
Charlie Human legt wahrlich eine rasante Achterbahnfahrt voll interessanter Begebenheiten vor. Allein der Ideenreichtum macht unglaublich viel Spaß und man ist durchgehend interessiert, zu welchem Ende diese abgedrehte Geschichte wohl führen wird. Gleichzeitig nimmt der Autor absolut kein Blatt vor den Mund und somit sollte man als Leser schon einiges aushalten können.
Dies klingt alles schon einmal sehr positiv – nichts desto trotz hatte ich einige Probleme mit der Geschichte. Diese gingen aber nicht so weit, dass ich da Buch abgebrochen hätte. Nein, dafür war die Story doch zu interessant und voll wirrer und dennoch an die Seiten fesselnden Begebenheiten.
Ich glaube, es liegt einfach daran, dass die Geschichte hauptsächlich in der Ich-Form geschrieben ist und ich immer wieder irgendwie mit diesem Stil Probleme zu haben scheine. Es fällt mir einfach eher schwer, in solche Geschichten ein zu tauchen.
Alles in allem ist Apocalypse Now Now dennoch eine recht interessante Story, die mit einer relativ frischen und erfreulich abgedrehten Idee aufwartet.
Wer somit mit der Erzählung in Ich-Form keine Probleme hat und einfach mal mit einer sehr punkigen und abgedrehten Story seinen Alltag versüßen möchte, der kann hier sicherlich einiges für sich herausholen. Mir hat es jedenfalls einigermaßen gut gefallen – schaffte es aber nicht, mich rundum zufrieden zurück zu lassen.
Jürgen Seibold/15.09.2017
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Milos Urban: Im Dunkel der Kathedrale

Deutsche Erstausgabe März 2008
c 2003 Milos Urban
Originaltitel: Stín Katedrály
c 2008 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 252 Seiten / 9,95 €

COVER:

Bis auf den flackernden Schein dreier Kerzen liegt das Kirchenschiff im Dunkeln. Eine anonyme Nachricht hat Roman Rops im Morgengrauen auf den Prager Burgberg gelockt. Den Kunsthistoriker erwartet ein grausiger Fund: In einem Reliquiar ruht auf einem scharlachroten Kissen eine abgehackte Hand. Noch ehe er sich von dem Schock erholt hat, steht plötzlich die Polizei vor ihm: Man hat einen anonymen Hinweis bekommen, dass im Veitsdom jemand umgebracht werden sei. Und tatsächlich liegt in der Krypta die verstümmelte Leiche von Pater Kalandra. Die junge Kommissarin Klara Brochová nimmt Rops unter Mordverdacht fest, muss ihn aber mangels Beweisen aber wiedr freilassen. Dennoch lässt sie ihn fortan nicht mehr aus den Augen, nicht zuletzt deshalb, weil der Kunsthistoriker eine große Faszination auf sie ausübt. Rops sucht seiner Forschungen wegen nun fast täglich die Kathedrale auf. Ganz geheuer ist ihm dabei nicht, zumal einmal das Gerüst unter ihm wegrutscht. Trachtet man auch ihm nach dem Leben? Misstrauisch geworden, entdeckt er im Mauerwerk neu eingeritzte Teufelssymbole…

REZENSION:

Roman Rops ist Kunsthistoriker in Prag, wo er ein kunstgeschichtliches Buch über den Dom verfasst. Noch vor Tagesanbruch veranlasst ihn eine seltsame Nachricht vor seiner Tür, von seiner nahe gelegenen Wohnung zum Dom zu eilen. Dort erwartet ihn aber nicht die erhoffte Geliebte, sondern eine eingemauerte Leiche.
Die Ausführung der Tat deutet auf einen Kenner der Kirche und dort zirkulierender esoterischer Schriften hin – aber wer hätte ein Motiv? Die junge Polizistin Klara wird auf den Fall angesetzt. Sie verliebt sich zu ihrer eigenen Bestürzung erst einmal in den Mystiker Rops, und wird so im Laufe der Handlung immer weiter in die dunklen Tiefen des Domes hineingezogen. Das Buch schildert die Handlung abwechselnd aus der Perspektive dieser beiden Protagonisten. Diese schöne Idee verleiht dem Roman Spannung und Würze; denn wo Rops in esoterische Deutungen verfällt, lockert Klara die Stimmung mit ihrer frechen und unverblümten Art auf. Über weite Strecken gelingt es so dem Autor, eine ebenso gut lesbare wie unterhaltsame Geschichte zu erzählen. Leider behält er sowohl diese einschränkende Personensicht als auch die Kathedrale als Fokus  bis zum Ende des Buches bei – obwohl weitere Morde geschehen, bleibt das Schema immer gleich. Gerade zum Ende hin zieht sich so die Handlung. Vergleiche mit Umberto Eco („Im Name der Rose“) sind daher auch nur bedingt passend. Zwar schreiben beide Autoren über Morde im kirchlichen Kontext, aber wo Eco einen raffinierten Plot strickt und die Leser zum Miträtseln einlädt, bleibt Urban irgendwo im Dickicht von Stützpfeilern, Bögen und Altären stecken. Streckenweise gelingt es ihm zwar, im Dunkel der Kathedrale (in der der Roman tatsächlich die meiste Zeit spielt) eine  geheimnisdurchtränkte Stimmung aufzubauen. Aber leider übertreibt er mit seinen esoterischen Theorien maßlos. Selbst Kenner der Esoterik dürften da irgendwann abschalten. Wenn sich nach etlichen Wirr- und Geheimnissen schließlich der Showdown ankündigt, kommt die Liebesgeschichte zwischen Rops und Klara zwar zu einem überraschenden Ende, aber die Auflösung der Taten bleibt extrem unbefriedigend. Spätestens hier hätte dem Dunkel der Kathedrale  ein wenig mehr Licht gut getan.
Katja Angenent für Hysterika.de / 06.04.2008