Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

Originaltitel: EDGE OF DARK WATER
Aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel
©2012 by Joe R. Lansdale
©2013 der deutschen Ausgabe by J.G. Cotta’sche Buchhandung Nachf. GmbH
©2014 der Taschenbuchausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-608-50131-5 (Hardcover, www.tropen.de)
ISBN 978-3-453-67656-5 (Heyne Taschenbuch)
ca. 320 Seiten

COVER:

Sue Ellen findet, dass ihre tote Freundin May Lynn etwas Besseres verdient hat. Wenn schon kein Filmstar mehr aus ihr werden kann, wie sie sich erträumt hat, soll wenigstens ihre Asche in Hollywood verstreut werden. Beim Durchsuchen von May Lynns Habseligkeiten stößt sie mit ihren Freunden Terry und Jinx auf einen Hinweis, der sie zur Beute eines Banküberfalls führt. Zusammen mit Sue Ellens labiler Mutter flüchten die drei Hals über Kopf mit einem Floß in Richtung Süden. Habgierige Verwandte und der wenig gesetzestreue Constable heften sich sofort an ihre Fersen. In Panik geraten die Flüchtenden jedoch erst, als sie merken, dass der sagenumwobene Killer Skunk ebenfalls hinter ihnen her ist. Dem wahnsinnigen Fährtenleser ist angeblich noch nie jemand entkommen.

REZENSION:

Die Zahl der von mir gelesenen Lansdale-Bücher steigt langsam, aber stetig. Auch wenn die jeweilige Geschichte der bisher von mir gelesenen Werke mal mehr, mal weniger überzeugen konnte, traf der Autor mich mit seiner Sprachgewalt jedes Mal bis ins Mark.
auch im vorliegenden „Dunkle Gewässer“ steht Lansdale diesem hohen Qualitätsanspruch in nichts nach. Hinzu kommt hier noch eine grandiose Geschichte, die abermals auf Basis der dargelegten Bildgewalt rundum zu überzeugen weiß.
Prinzipiell ist der grundsätzliche Tenor auch hier recht nachvollziehbar beziehungsweise vorhersehbar. Nichts desto trotz überzeugt Lansdale mit seiner detaillierten Darstellung aller beteiligten Personen und zeigt erneut eher depressive Familienwelten, schafft es aber – wie auch in anderen Werken – seiner Figur einen Ausweg zu bieten.
ich bin mir sicher, dass hier unglaublich viele Wahrheiten versteckt sind und dementsprechend intensiv wirken die Geschehnisse in seinen Werken und auch ganz besonders in diesem Werk. „Dunkle Gewässer“ ist ein sehr rasant erzählter Plot in dem drei Freunde und Sue Ellens Mutter auf einem Floß dem eigenen Wahnsinn des Lebens zu entkommen versuchen.
Lansdale ist ein König der Darbietung authentisch wirkender Umgangssprache. Darüber hinaus leben seine Geschichten von Vergleichen, wie man sie nur bei ganz wenigen Schriftstellern zu finden in der Lage ist und er schert sich absolut nichts über irgendwelche Grenzen, wodurch des Lesers Überzeugung weiter angetrieben wird. Es dauert nicht lange und man findet sich als Leser auf dem Floß wieder und betrachtet die authentisch dargelegte Gegend um den Sabine River, dessen Landschaft meines Wissens bereits mehrmals vom Autor als Hintergrund verwendet worden ist.
Alles in allem erneut eine verrückte Geschichte, die dennoch eindrucksvoll ist und sich viel zu schnell dem Ende zu neigt – Lansdale war bisher für mich ein Geheimtipp, mittlerweile weiß ich, dass ich mich nach und nach seinen Werken widmen muss. Es scheint einem schlicht nichts anderes übrig zu bleiben.
Hysterika.de/JMSeibold/08.11.2020

Joe R. Lansdale: Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick

Originaltitel: Paradise Sky
Aus dem Englischen von Conny Lösch
©2015 by Joe R. Lansdale
Für die deutsche Ausgabe ©2016 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-50140-7
ca. 475 Seiten

COVER:

Ein wilder Abenteuerroman über den berühmtesten schwarzen Cowboy.

Eigentlich wollte Willie Jackson nur ein paar Besorgungen machen. Doch dann erhascht er unfreiwillig einen Blick auf die Unterwäsche einer weißen Frau. Deren Mann nimmt die Sache persönlich, und Willie muss Hals über Kopf fliehen. Er macht sich auf nach Deadwood, wo er sich in eine wunderschöne junge Frau verliebt, das Leben von Wild Bill Hickock rettet – und auf Rache an seinen Verfolgern sinnt.

REZENSION:

Als weiterer Vermerk steht noch auf dem Cover der Satz „Joe R. Lansdale erzählt die filmreife Lebensgeschichte eines ehemaligen Sklaven, der zur Westernlegende Deadwood Dick wurde“ – und genau darum handelt es sich auch, wie ein kurzer neugieriger Blick in das Internet offenbart: Willie Jackson, später bekannt als Nat Love beziehungsweise Deadwood Dick hat doch tatsächlich gelebt und selbst sein Leben niedergeschrieben.
Diese Vorlage scheint sich Joe R. Lansdale zu Herzen genommen zu haben und haucht dem sagenhaften Leben Nat Loves neues Leben ein.
Sein Buch ist ein typischer Abenteuerroman, der ein wenig an die früheren Groschenromane erinnert. Die Geschichte klingt kurios, ein klein wenig übertrieben – könnte sich aber trotzdem exakt so zugetragen haben.
„Das abenteuerliche Leben des Deadwood Dick“ ist ein echter Wild-West-Abenteuerroman mit einem außerordentlich kuriosen Hauptdarsteller, der sich nur aus Versehen auf der Flucht befindet und dabei sein Leben mehrmals komplett umgekrempelt wird. Die Story ist zwar nur in geringem Maße als spannend zu betrachten, nichts desto trotz kann man sich den Erlebnissen Nat Loves definitiv nicht entziehen. Nebenbei offenbart Lansdale geschickt das doppelmoralische Denken von Weißen in Bezug auf Schwarze als auch die allgemeine Dummheit rassistischen Denkens.
Nat Love selbst geht sehr geschickt damit um und schafft es, sich einen Platz in dieser Welt voller schießwütiger Cowboys zu erobern. Die Darstellung schwankt von ironisch über witzig, bis hin zu todernsten Abschnitten. Man begleitet Deadwood Dick in seiner staubigen Welt voll Indianer, Chinesen, Sklaven, Cowboys und manch anderen interessanten Gestalten.
Lansdale übertreibt natürlich mal mehr und mal weniger und dadurch lässt er einen 80er-Jahre-Western-Groschenroman entstehen, der sich über 470 Seiten zieht.
Alles in allem eine wundervolle Geschichte über einen außerordentlich interessanten Menschen, der es trotz seiner Hautfarbe in dieser vom rassistischen Schwarz/Weiß-Denken geprägten Western-Welt bis zum Marshall gebracht hat – dargeboten als unaufgeregte Lektüre und dennoch gewürzt mit einer gehörigen Prise voll interessanter Momente.
hysterika.de/04.07.2020