Sebastian Fitzek: Der Seelenbrecher

©2008 by Knaur Taschenbuch
ca. 361 Seiten

COVER:

Sie wurden nicht vergewaltigt. Nicht gefoltert. Nicht getötet.
Ihnen geschah viel Schlimmeres …

Drei Frauen – alle jung, schön und lebenslustig – verschwinden spurlos. Nur eine Woche in den Fängen des Psychopathen, den die Presse den “Seelenbrecher” nennt, genügt: Als die Frauen wieder auftauchen, sind sie psychisch gebrochen – wie lebendig in ihrem Körper begraben. Kurz vor Weihnachten wird der Seelenbrecher wieder aktiv, ausgerechnet in einer psychiatrischen Luxusklinik. Ärzte und Patienten müssen entsetzt feststellen, dass man den Täter unerkannt eingeliefert hat, kurz bevor die Klinik durch einen Schneesturm völlig von der Außenwelt abgeschnitten wurde. In der Nacht des Grauens, die nun folgt, zeigt der Seelenbrecher, dass es kein Entkommen gibt …

REZENSION:

Beim Durchstöbern von Buchversandkatalogen, Bahnhofs- oder Flughafenbuchläden, Bibliotheken und Online-Archiven, stolpert man grundsätzlich über Sebastian Fitzek. Wenn man den dazugehörigen Stimmen glauben kann, handelt es sich bei ihm um einen der besten deutschen Autoren für Thriller. Gleichzeitig wohl einer der wenigen, dessen Werke auch in die englischsprachige Welt exportiert werden.
Nun, wenn das mal keine Ansage ist.
Aber: Klingt sowas nicht sehr nach Mainstream? Wohl aus diesem leise herauströpfelnden Hintergedanken wehrte ich mich immer wieder recht erfolgreich, einen weiteren Tipp – bezogen auf diesen Autor – anzunehmen. Ich las dann lieber andere Sachen, da ich immer ein wenig vorbehalten bin, wenn sich ein Autor mit einer nahezu unerschöpflichen Vielzahl an Werken auf nahezu jedem Marketingstapel befindet.
Vielleicht werde ich ihm dabei jedoch auch unrecht – und: Ist nicht auch mein Lieblingsautor – Stephen King – mittlerweile schon dem Mainstream zu zu ordnen?
Gut, vielleicht einfach mal den Namen Fitzek im Hinterkopf behalten.
Eines Tages stand ich in unserer örtlichen Gemeindebibliothek und suchte während deren Flohmarkt nach geeigneten Schätzen. Dabei stieß ich auf ein Buch von Sebastian Fitzek mit dem bereits interessant klingenden Titel “Der Seelenbrecher”. Darunter eingeordnet als Psychothriller und schon landete dieses Werk einfach mal so aus grundsätzlichem Interesse an der deutschen Autorenlandschaft in meinem Eigentum.
“Der Seelenbrecher” handelt von einem Psychopathen, der es irgendwie schafft, seine Opfer durchweg seelisch gebrochen zurück zu lassen. Man sitzt als sein Opfer nur noch im Rollstuhl und vegetiert vor sich hin. Man lebt nur noch innerhalb des eigenen Geistes und kann sich nicht mehr nach außen artikulieren.
Dieses Setting klingt für einen Psychothriller schon mal verlockend und dementsprechend rasant startet Fitzek auch mit seiner Story.
Der Autor benutzt dabei eine recht untypische Art der Vorgehensweise: Man liest einen Patientenbericht in Romanform. Der ganze Fall ist somit schon Vergangenheit.
Klingt nicht uninteressant und funktioniert auch sehr gut. Man davon abgesehen, dass sich jemand die Mühe machte, einen Patientenbericht in Romanform zu schreiben – dies wird aber vom Autor natürlich später aufgeklärt.
Bevor die Geschichte zu einem kleinen und leicht fiesen Ende kommt, befinden wir uns in eine psychiatrischen Anstalt, in der sich der Seelenbrecher auf der Jagd nach seinen Opfern befindet.
Dieser gesamte Hauptteil wirkt leider recht konstruiert – sicherlich gut konstruiert, dennoch fehlt das gewisse Etwas. Ich fühlte mich immer wieder an diverse Filme erinnert, in denen einen Gruppe sich immer wieder mal trennt, da sie den Killer fassen möchten – man weiß ja, was in Horrorfilmen mit den Protagonisten geschieht, wenn sie eine Szene mit “wir müssen uns trennen” beginnt…
Einiges wird darüber hinaus sehr stark dem Zufall überlassen und selbst der Schluß führte bei mir nur noch zu einem kleinen Grinsen.
Man erkennt sehr deutlich die Routine des Autors und ich könnte mir sehr gut vorstellen, weitere Bücher von ihm zu testen. “Der Seelenbrecher” ist jedenfalls ein ganz netter Thriller mit dem man auch in einer U-Bahn mit quasselnden Fahrgästen keinerlei Probleme zum Folgen hat. Alles in allem ein netter Zeitvertreib aber kein Werk zum Aufbewahren für das erneute Eintauchen.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Der Seelenbrecher (BILD am Sonntag Thriller 2017) – KAUFEN BEI AMAZON

Matthew Delaney: Dämon

Originaltitel: Jinn
Aus dem Amerikanischen von Axel Merz
© 2003 by Matthew B.J. Delaney
© für die deutschsprachige Ausgabe 2005 by Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach
ISBN 3-404-15264-6
ca. 764 Seiten

COVER:

Als Meeresforscher ein im Zweiten Weltkrieg gesunkenes Schiff entdecken und bergen, können sie nicht ahnen, welche Gefahren sie damit heraufbeschwören. Denn in dem Wrack befindet sich ein Wesen, das nur ein Ziel kennt: zu töten. Mit der Überführung des Schiffes nach Boston beginnt für die Bewohner der Stadt eine Phase des Schreckens. Bizarre Morde, verstümmelte Leichen und kryptische Zeichen halten die Polizei in Atem, und alles scheint auf eine Verbindung zwischen den Gewalttaten und dem Wrack hinzudeuten. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kriminalbeamten auf ein Geheimnis, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

REZENSION:

Matthew Delaney holt in seinem beinahe achthundert Seiten starkem Werk recht weit aus. Bereits im ersten Kapitel, welches eher als Prolog zu betrachten ist, fragt man sich, warum er in seinem ersten Roman sogleich soviel zu erzählen hat. Interessanterweise fühlt man sich dabei nicht gestört und somit liest man erst einmal sehr lange über die Begebenheiten einer US-Amerikanischen Truppe bei ihrem Einsatz gegen die Japaner auf einer nicht wirklich kriegsentscheidenden Insel. Nach und nach erkennt man dabei jedoch, dass sich auf dieser Insel eine weitere Gefahr befindet.
Hierdurch sehen sich die Kontrahenten – zumindest teilweise – dazu gezwungen, ihre Kampfhandlungen gegeneinander einzustellen um sich gemeinsam dem mächtigen Gegner zu widmen.
Als nächstes nehmen wir als Leser bei einer Bergungsmission im Ozean teil – weiterhin bleibt der lockere Faden zu den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg bestehen. Als Leser kann man sich spätestens jetzt diesem Werk nicht mehr entziehen, da Delaney diese Mission außerordentlich interessant, wahrheitsgetreu und spannend vor des Lesers Augen entfaltet.
Erneut vergehen einige Jahre, bis wir auf die ersten Todesfälle in Boston treffen. Ab diesem Augenblick könnte man beinahe von einem reinen Krimi sprechen, wäre da nicht die noch nicht greifbare und wohl übernatürliche Komponente des Bösen.
Delaney bleibt sich treu und erzählt und erzählt. Ab und an fragt man sich, ob weniger nicht etwas mehr gewesen wäre – man ist aber dennoch weiterhin an die Geschichte gefesselt und versucht, über manchen Logikfehler und auch Nutzung des ein oder anderen Zufalls hinweg zu sehen.
Die Fäden finden im Laufe des Romans immer näher zusammen und bis zum Ende schafft es der Autor auch problemlos, alle zu einem relativ plausiblen und gemeinsamen Ergebnis zusammenlaufen zu lassen.
DÄMON ist wahrlich ein Roman im Stile eines gut erzählten Thrillers, wie man ihn sich auch im Kino vorstellen könnte. Trotz seines Ausschweifens fühlt man sich nicht verlassen – im Gegenteil, man sieht über manche Handlungskleinigkeit hinweg und folgt einfach dieser spannenden Geschichte.
Sicher hätten dem Roman einige Seiten weniger wohl recht gut getan – nichts desto trotz macht er in seiner Gänze trotzdem ausreichend Spaß, um ihn mit einem guten Gefühl zu Ende zu lesen. Ein purer Unterhaltungsroman mit sehr guten Ideen und Ansätzen.
Jürgen Seibold/25.06.2017
Dämon: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen Leather: Brut des Teufels

Originaltitel: Midnight
Aus dem Englischen von Barbara Ostrop
©2011 by Stephen Leather
© der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-442-37813-5
ca. 480 Seiten

COVER:

“Deine Schwester holt der Teufel, Jack Nightingale.” Wie ein Damoklesschwert schwebt dieser mysteriöse Spruch seit jeher über dem Leben des ehemaligen Polizeiermittlers. Dieses Mal vernimmt er die unheilvollen Worte aus dem Mund einer Frau, die tot über einer Treppe baumelt, aufgehängt mit einer Wäscheleine. Doch Jack kennt seine Schwester nicht, denn mit dem Tag ihrer Geburt ist sie aus seinem Leben verschwunden. Wie kann er jemanden retten, dem er noch nie begegnet ist?
Jack Nightingale macht sich auf die Suche, doch jeder, mit dem er über seine Schwester spricht, stirbt einen grauenvollen Tod. Jemand – oder etwas – scheint mit aller Macht verhindern zu wollen, dass die beiden Geschwister zusammenkommen. Sollte Jack sie retten wollen, muss er eine Fähigkeit einsetzen, die er einst bei der Polizei lernte und seitdem blind beherrscht: Er muss verhandeln. Doch jede Verhandlung mit den dunklen Mächten hat ihren Preis, und so muss Jack sich fragen: Ist es jede Seele wert, dass man sie rettet?

REZENSION:

Stephen Leathers “Brut des Teufels” ist ein Thriller, der mit einer Vielzahl an übersinnlichen beziehungsweise satanischen Elementen angereichert worden ist. Allein dadurch fühlt man sich beinahe in einen rasanten Film hineingezogen, der einem keine Ruhe lässt.
Jack Nightingale ist auf der Suche nach seiner Schwester, die – ebenfalls wie er – am Tage ihrer Geburt zur Adoption freigegeben worden ist.
Nach und nach bekommt man als Leser von “Brut des Teufels” heraus, dass bereits Jacks Seele durch seinen Vater an den Teufel verschachert worden ist. Dies scheint auch auf die Seele seiner Schwester zu zu treffen.
Nachdem es in meinen Augen dadurch einige auftretende Fragezeichen gab und diese auch nur durch kleine Hinweise beantwortet worden sind, wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier noch eine Vorgeschichte zu geben scheint. Wie sich herausstellen sollte: “Brut des Teufels” ist die zweite Story mit Jack Nightingale in der Hauptrolle. Somit wäre es unter Umständen eventuell hilfreich, mit “Höllennacht” zu beginnen. Nichts desto trotz wagte ich mich weiter durch die Seiten dieses Werkes und verzichtete auf den Genuß des ersten Bandes.
Schade jedoch, dass man weder auf dem Cover noch im Buch vom Verlag darauf aufmerksam gemacht wird.
Die Geschichte selbst ist absolut eingängig geschrieben und Jack selbst ist kurios genug, um beim Leser als geeigneter Protagonist anzukommen.
Geschickt baut der Autor kleine aber feine Horrorelemente ein, die zwar beinahe vor lauter Klischee tropfen, dabei aber dennoch Spaß beim Lesen machen.
Von der Thematik her fühlt man sich ein wenig in die Geschichten und Filme der 80er Jahre zurück versetzt – damals gab es nach meinem Empfinden eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, die Teufelsbeschwörungen in irgendeiner Art und Weise zum Thema hatten.
Auf der Suche nach seiner Schwester gibt es ausreichend Action für Jack Nightingale, eine Vielzahl an kuriosen Todesfällen, sowie eine ganze Palette an satanischen Lebewesen, die Jack das Leben recht schwer machen.
Ab und an lässt der Autor den Zufall ein wenig arg stark zu seinen eigenen Gunsten wirken – dennoch führt das nicht zu irgendeiner Abwertung, da diese klischeebeladene Geschichte durchweg eingängig, rasant und spannend erzählt worden ist und gerade deswegen für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.
Einfach mal ein satanischer Thriller zur reinen Unterhaltung ohne besonderen Anspruch auf Tiefgang.
Jürgen Seibold/03.06.2017
Brut des Teufels: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

Lucas Grimm: Nach dem Schmerz

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-05778-3
ca. 316 Seiten

COVER:

David Berkoff, Ex-Kriegsreporter, Ex-Familienvater, Ex-Starjournalist, versucht seit Jahren, ein gefährliches Komplott aufzudecken. 1989 verschwanden 381 CD-Rom aus der Berliner Stasi-Zentrale. Darauf die berüchtigten Rosenholz-Dateien mit den Namen westdeutscher Politiker, Journalisten und Unternehmer, die für die Stasi spioniert haben. Der finanzielle Wert? Das hängt davon ab, was ein Betroffener bereit ist zu bezahlen. Das Ziel? Erpressung. Der Täter? Vermutlich Walter Gold, Staatssekretär im Wirtschaftsministerium der DDR.
Aber der ist doch tot – denkt Berkoff. Bis Gold nach 27 Jahren wieder auftaucht. Jetzt sieht Berkoff die Chance seines Lebens gekommen und wird in einen Strudel hineingezogen, der ihn fast das Leben kostet. Denn nicht nur eine alte Stasi-Connection, sondern auch der BND ist hinter den Dateien her. Und da ist auch noch Hannah, Walter Golds Tochter, die mehr weiß, als ihr bewusst ist.

REZENSION:

Lucas Grimm ist das Pseudonym eines Drehbuchautors und “Nach dem Schmerz” ist dessen Thriller-Debüt.
In diesem Werk kommen zwei sehr unterschiedliche Protagonisten zusammen: Zum einen der doch mittlerweile recht abgehalfterte Journalist Berkoff und zum anderen Hannah Gold, eine gefeierte Cellistin und gleichzeitig Tochter Walter Golds, der ehemalige und für tot erklärte Staatssekretär der früheren DDR.
“Nach dem Schmerz” beginnt bereits im Prolog sehr rasant – bereits im ersten Satz befinden wir uns mitten in einer Folterszene. Dabei lernen wir auch kurz die junge Hannah Gold kennen, um dann ab dem ersten Kapitel einen Zeitsprung in unsere heutige Gegenwart vor zu nehmen.
Lucas Grimms Debüt ist außerordentlich gut recherchiert und sehr eingängig erzählt. Natürlich handelt es sich um einen Thriller, der den üblichen Wegen des Genres folgt und dabei keinen Ausbruch in seitliche Pfade versucht. Nichts desto trotz macht “Nach dem Schmerz” ziemlich viel Spaß beim Lesen. Grimm hat dabei nicht nur auf sehr glaubwürdige und teils reale Begebenheiten der früheren DDR geachtet, sondern – insbesondere – die Cellistin inklusive ihrer Musik und ihrer Auftritte zu einem wahren Leben innerhalb zweier Buchdeckel verholfen. Als Leser kann man fast nicht mehr anders, als klassische Musik erklingen zu lassen – insbesondere Bach wäre der Tipp zu diesem Buch – und damit klanglich untermalt über die Seiten dieses rasanten Thrillers zu hetzen.
Man kann nicht sagen, dass “Nach dem Schmerz” ein absolutes Thrillerhighlight ist. Nein, aber es ist ein sehr unterhaltsames und recht spannend erzähltes Debüt, dessen Inhalt besonders bei Personen, die noch die Zeit vor und nach 1989 kennen gelernt haben, seine Wirkung entfaltet. Nebenbei fügt Grimm seine musikalischen Elemente aus der Klassik wie einen roten und dabei detailliert ausgebreiteten Faden durch seine komplette Geschichte. Hierdurch erhielt dieser klassisch erzählte Thriller eine kleine Besonderheit, die wahrlich Freude bereitet und für unterhaltsame Stunden sorgt. Dadurch kann man getrost ab und an das ein oder andere Auge mal zudrücken und der Entwicklung sowie der Auflösung dieses spannenden Katz- und Mausspiels folgen.
Kurzum: Ein recht interessanter und guter Thriller für einige spannende Lesestunden. Gleichzeitig ein sehr gutes Debüt – mal sehen, ob der Autor weiterhin von sich hören lässt.
Jürgen Seibold/30.04.2017
Nach dem Schmerz: Thriller (David Berkoff, Band 1) – KAUFEN BEI AMAZON

Jussi Adler-Olsen: Selfies

Originaltitel: Selfies
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
© 2017 Jussi Adler-Olsen
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28107-2
ca. 576 Seiten

COVER:

In einem Park in Kopenhagen wird eine alte Frau ermordet aufgefunden. Fast zeitgleich begibt sich ein durchgedrehter Autofahrer auf die tödliche Jagd nach jungen Frauen. Irgendwo da draußen, so hat es den Anschein, werden weitere perfide Morde geplant. Steht all dies womöglich im Zusammenhang mit einem lange zurückliegenden und noch immer unaufgeklärten Verbrechen?

Das Management des Polizeipräsidiums in Kopenhagen ist höchst unzufrieden mit der Aufklärungsrate des Sonderdezernats Q. Ausgerechnet Rose soll nun das Ruder herumreißen – doch Rose ist in ihrem aktuellen Zustand weit davon entfernt, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Die Wurzeln ihrer desaströsen Verfassung liegen in einem dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit: “Zu dem tiefsten inneren Raum in ihrem Dunkel bekamen sie keinen Zutritt, dieser Raum gehöre ihr. Ihr allein.”

Carl, Assad und Gordon stehen vor ihrer bislang größten Herausforderung und dass Rose ihren eigenen Kampf kämpft, ist für alle schwer erträglich. Doch Scheitern ist keine Option. Es muss ihnen einfach gelingen, diese schrecklichen Verbrechen in Kopenhagen zu stoppen.

REZENSION:

Mit “Selfies” befinden wir uns nun bereits beim siebten Fall des Kopenhagener Sonderdezernats Q, welches sich an die Fahne geschrieben hat, alte, ungelöste und längst zu den Akten gelegte Fälle erneut aufzurollen.
Bereits mit dem ersten Fall dieses Dezernats konnte Jussi Adler-Olsen für eine spannende und außerordentlich interessante Unterhaltung sorgen. Seine Fälle hatten fast immer eine Verbindung in die aktuelle Zeit und seine Erzählweise sorgte dafür, dass die Beschreibung “Thriller” auf dem Cover definitiv gepasst hatte.
Dies zog sich auch die weiteren Fälle auf diesem hohen Niveau durch – lediglich beim sechsten Fall konnte er mich nicht mehr umfänglich überzeugen. Hierin wurde das Thrillerelement ein wenig zu sehr auf die Seite geschoben und man folgte einem noch interessanten aber nicht außergewöhnlichen Krimi.
Dementsprechend gespannt war ich auf den nun vorliegenden, siebten Fall.
Darüber hinaus halte ich alle Mitglieder des Sonderdezernats für durchgängig und tiefgründig gezeichnete Protagonisten, deren Verhalten und Innenleben bereits für einen hohen Unterhaltungs- und Interessenswert sorgt.
Würde ich jetzt “Selfies” als mein erstes Adler-Olsen-Buch bewerten, würde es aber nicht wirklich sehr positiv abschließen. Erneut scheint der Autor die Spannungsschraube zu lockern – gleichzeitig wirkt der damalige Fall eher banal im Vergleich zu seinen früheren Fällen.
Interessant bleibt aber die Motivation der Sozialamtsmitarbeiterin, über die ich hier nichts näheres sagen möchte, da die Gefahr des Spoilerns zu groß wäre.
Betrachtet man “Selfies” als ein weiteres Buch in einer groß angelegten Reihe, wird einem klar, dass der überwiegend depressive Inhalt – bezogen auf die psychische Krankheit von Rose – erzählt werden musste. Immerhin hatte man sich als Leser ja schon mehrere Bände lang gefragt, was denn nun mit ihr los ist und warum sie in verschiedene Rollen schlüpft.
Dies alles löst sich in “Selfies” auf. Dadurch ist der aktuelle Roman aber auch überwiegend depressiv in seiner Darstellung. Durch die dabei fast nebensächliche Fall-Verkettung war ich anfangs fast dazu genötigt, das Buch unabgeschlossen zu beenden. Gleichzeitig freue ich mich ja immer auf ausreichend Spannungselemente, die hierin eher nicht vorkommen.
Nichts desto trotz besteht für einen langjährigen Sonderdezernat-Leser ausreichend Interesse für das Seelenleben der guten Rose – und exakt aus diesem Grund lieb mir auch nichts weiter übrig, als diesem Werk bis zum auflösenden Ende zu folgen.
Jussi Adler-Olsen ist dabei weiterhin ein sehr eingängiger Schreiber. Kennt man jedoch die vorherigen Bände nicht, könnte man mit diesem Buch schlicht überfordert sein.
Weiterhin hoffe ich, dass dem Autoren wieder ein sehr spannender und berührender Fall aus den Tiefen der abgeschlossenen, jedoch nicht gelösten Fälle einfällt und dabei beim nächsten Mal wieder zur alten Thrillerstärke der ersten Bände zurückfindet. Mir ist dabei aber auch bewusst, dass so langsam auch der Hintergrund von Assad beleuchtet werden müsste – denn in dessen Vergangenheit scheint sich wohl auch so einiges zu verstecken.
Alles in allem war auch “Selfies” sehr interessant und in seiner detaillierten Betrachtung von Rose’s Problemen auch nötig. Trotzdem bleibt es ein wenig hinter den Bänden 1 bis 5.
Jürgen Seibold/02.04.2017
Selfies: Der siebte Fall für das Sonderdezernat Q in Kopenhagen Thriller (Carl Mørck) – KAUFEN BEI AMAZON

HYS081 – Einfach Bücher

Die neue Podcastfolge:

Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Originalausgabe März 2017
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65419-4
ca. 670 Seiten

COVER:

In einem edlen Kasino in Baden-Baden arbeitet der Ex-Spieler Tadeus Boch als Sicherheitskraft, um sich gegen seine große Sucht abzuhärten: Karten. Doch seine Willensstärke und Entschlossenheit werden auf eine harte Probe gestellt, als er eines Abends unerwartet in den Besitz einer jahrhundertealten Karte gerät: einer wunderschön gestalteten Pik-Neun.
Schon bald sind ihm unbekannte Angreifer auf den Fersen. Tadeus muss herausfinden, was es mit der Pik-Neun auf sich hat, um besser auf weitere Attacken vorbereitet zu sein. Bei seinen Recherchen trifft er auf Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur umkam. Hängen die Vorkommnisse zusammen? Dann ist plötzlich von dem “wahren Gebetbuch des Teufels” die Rede. Schnell wird Tadeus klar, dass er Hyuns Hilfe und ihre außergewöhnlichen spirituellen Eigenschaften braucht, um das Rätsel um die Pik-Neun lüften zu können.

REZENSION:

“Des Teufels Gebetbuch” ist vom Grundsatz her ein reiner Thrillerroman, in dem jemand bedroht und verfolgt wird. Dieser gleichzeitig versucht, mehr über die Hintergründe heraus zu bekommen und dadurch nur noch mehr ins Visier seiner Gegner gerät.
Nun, “Des Teufels Gebetbuch” ist aber von Markus Heitz, der doch hauptsächlich mit mystischen und fantastischen Romanen seinen Weg gefunden hat. Hat er nun einen reinen Thriller vorgelegt?
Mitnichten! “Des Teufels Gebetbuch” geht hier einen Schritt weiter und es werden vom Autor sehr viele mystische und übersinnliche Elemente rund um historische Kartenspiele eingefügt, um dabei das Thrillergenre zu durchbrechen und somit einen Crossover-Roman mit historischen Kapiteln ebenso zu verwenden als auch besagte Mystikelemente der fantastischen Art.
Die Geschichte ist recht rasant dargestellt und selbst ohne die geschickt eingefügten historischen Kapitel, die den Ursprung dieses Kartenspiels erklären, würde der Roman funktionieren. Die historischen Elemente könnten fast einen eigenen Roman darstellen – geben hier jedoch dem Plot erheblich mehr Tiefe. Es war mir als Leser dabei immer wieder eine Freude, von der Gegenwart für einige Seiten in die Vergangenheit eintauchen zu können.
Das Hinzufügen von dezenter Hexerei als auch den gefährlichen Eigenschaften der Karten führte bei mir zu noch mehr Freude. Ich persönlich liebe es, wenn Gegenwartsthemen in die Fantastik abdriften, dabei aber dennoch kurioserweise sehr plausibel bleiben.
Man erkennt dem Roman auch die erbrachten Recherchetätigkeiten an, die dafür sorgen, dass der gesamte Plot über und um die Karten mehr Dichte erhält. Sehr gut fand ich dabei die Idee des Autors, weitere Hintergründe in den Anhang zu packen, um die Geschichte nicht zu sehr mit weiteren Details voll zu stopfen. Die in der Story direkt eingewobenen Hintergründe und Erklärungen sind passend und durchaus ausreichend, um den Plot in seiner rasanten Fahrt nicht zu blockieren. Gleichzeitig bekommt man bei Interesse mehr Informationen, wenn man sich noch dem Anhang widmet.
Erschreckend ist dabei, mit welchen spielerischen Abartigkeiten sich reiche Menschen eventuell die Zeit vertreiben – für mich klingt das Kartenspiel Supérieur sehr nach russischem Roulett und somit lass ich da mal sicherheitshalber die Finger weg…
“Des Teufels Gebetbuch” ist jedenfalls ein echter Markus Heitz, der den Leser auf interessante und eingängige unterhalten kann und dabei auch vor keinen genreübergreifenden Einflechtungen Halt macht.
Ich persönlich hätte gerne noch einen Touch mehr Spannung und Boshaftigkeit erwartet. Das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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Ilkka Remes: Ein Schlag ins Herz

Originaltitel: Isku Ytimeen
Aus dem Finnischen von Stefan Moster
© 2010 Polaris Media
© 2011 der deutschsprachigen Übersetzung: Stefan Moster/Polaris Media
Deutsche Erstausgabe 2011 – Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-24853-2
ca. 463 Seiten

COVER:

“Ihr seid doch nicht so wahnsinnig, dass ihr an den Atommüllbehälter ran wollt?”, sagte Patrik fassungslos zu Andrus. Der blieb vor ihm stehen und sah ihn an, die Augen kalt und vollkommen emotionslos. Erst in dem Moment begriff Patrik. Er war mit dabei, weil sie genau das vorhatten.

In Stockholm werden die hochrangigen Teilnehmer der Bilderberg-Konferenz entführt und auf einen Atommülltransporter gebracht. Als der Frachter die schwedische Küste verlässt, kommt ihm ein Schnellboot mit Umweltaktivisten entgegen, die auf der Ostsee gegen den Bau der russisch-deutschen Gaspipeline protestieren. Mit an Bord: der finnische Geologe Patrik, ein Spezialist für Fragen der Endlagerung von Atommüll. Zu spät erkennt Patrik, dass die Protestaktion fingiert ist und einzig dem Zweck dient, ihn, den Experten für Kernmaterial, den Geiselnehmern auszuliefern. Doch damit nicht genug: Unter den Geiseln befindet sich die belgische Ärztin Sandrine, die, davon ist Patrik überzeugt, seine Freundin Beate auf dem Gewissen hat. Patrik und Sandrine geraten zwischen die Fronten der Geheimdienste und in einen Strudel von lebensgefährlichen Ereignissen.
In den tiefen Schluchten Afghanistans werden sie Zeugen eines spektakulären Geiseltauschs…

REZENSION:

Ilkka Remes legt mit “Ein Schlag ins Herz” abermals einen Thriller vor, in dem sein Ermittler Timo Nortamo einen Auftritt hat. Dabei handelt es sich bei seinen Thrillern aber keineswegs um eine Reihe, deren Bücher nach Erscheinen gelesen werden müssen, um die Entwicklung Timos zu verstehen. Aus diesem Grund kann man ohne großes Nachdenken zu beinahe jeglichem Thriller Ilkka Remes’ greifen und der Geschichte ohne auftretende Lücken folgen.
Wie bereits in vorhergegangenen Thrillern dieses Autors gibt es auch im vorliegenden einen hohe politische und grenzüberschreitende Brisanz. Gleichzeitig deckt der Autor viele Probleme auf und man ertappt sich dabei, für manche Aktivisten das eigene Herz schlagen zu lassen.
Es bleibt bei Remes aber selten so, wie es scheint und somit schwenkt er auch im vorliegenden Thriller, um den Leser ein wenig an der Nase herum zu führen.
Dabei vergisst er niemals ein sehr starkes Augenmerk auf seine nahezu unzähligen Spannungselemente zu legen. Hierdurch rast man förmlich durch dieses doch recht umfangreiche Werk. Gleichzeitig klingt absolut alles in seinem Roman plausibel und könnte sich wohl exakt so in der realen Welt darstellen.
In “Ein Schlag ins Herz” ist dabei so gut wie alles vertreten: Man begleitet Umweltaktivisten, es gibt einen großangelegten Entführungsfall mit realen Persönlichkeiten, eine interessante Wendung und einen Showdown in fernen Ländern.
Es ist wirklich erfreulich, mit Ilkka Remes einen Autoren kennengelernt zu haben, dessen Ideenreichtum in nahezu jedem Buch den Leser fesseln kann. Ich könnte mir dabei auch jedes Werk als gelungenen Actionthriller im Kino vorstellen – dazu müssten sich die amerikanischen Filmemacher jedoch ihr Augenmerk einmal auf Autoren anderer Länder legen.
“Ein Schlag ins Herz” ist jedenfalls ein sehr zu empfehlender, spannender Thriller mit viel politischer Brisanz und Ilkka Remes lässt weiterhin jede Schwäche missen.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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Timo Leibig – demnächst auf diesem Kanal

Zum neuesten Werk Timo Leibigs mit dem Titel “Grenzgänger” steht nachfolgende Blogtour an. Ich freue mich dabei sein zu können und begrüße demnächst Timo als den ersten Autoren, der sich bereits zum zweiten Mal in meine Podcast-Leitung traut…

Arthur Gordon Wolf: Kalliope

kalliope-webDeutsche Erstausgabe
© 2016 Luzifer-Verlag
ISBN eBook: 978-3-95835-177-6
ca. 387 Seiten

COVER:

Markus Reuther, ein Wuppertaler Krimi-Autor, hat Probleme mit seinem aktuellen Roman. Seine Protagonistin weigert sich plötzlich, mit ihm zu »sprechen«. Hilflos muss er mit ansehen, wie sie von einer Katastrophe in die nächste stolpert. Dabei hat er keine Ahnung, was als nächstes geschieht. Liegt es vielleicht daran, dass es niemanden gibt, der ihn zum Schreiben drängt? Würde die Kommunikation mit seinen fiktiven Charakteren besser laufen, wenn von außen ein wenig mehr Druck auf ihn ausgeübt würde?

Dummerweise erzählt er einer Zufallsbekanntschaft in einem Klub von seinen Nöten. Von diesem Zeitpunkt an nimmt sein beschaulicher Alltag eine radikale Wendung. Es beginnt alles ganz harmlos. Reuther erhält mysteriöse Emails von einem Fan, der sich selbst nur als ›K‹ bezeichnet. »Schreibe immer! Tag und Nacht. Und fürchte den Zorn der Götter!« lautet die sich immer wiederholende Botschaft. Nur das Gefasel eines verrückten Lesers oder doch eine ernst zu nehmende Drohung? Für Reuther ist alles nur ein alberner Scherz. Seine selbsternannte Muse hat jedoch gerade erst damit begonnen, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Alle Freunde und Bekannten des Autors schweben plötzlich in tödlicher Gefahr.

REZENSION:

Markus Reuther ist ein Wuppertaler Krimi-Autor, der sich als eher lustlosen Schriftsteller darstellt. Finanziell ausgesorgt, scheint ihn nichts wirklich an die Erstellung weiterer Seiten in seinem neuesten Werk zu drängen. Dementsprechend lustlos verschiebt er seine schreiberischen Ambitionen von einem Tag zum anderen.
Urplötzlich nimmt jedoch sein Leben eine Wendung, denn er erhält Mails von einem vermeintlichen Fan, der anfängt, Markus zu seinem schreiberischen Glück zu zwingen.
Anfangs noch von einem Scherz ausgehend, lässt sich Markus erst einmal nicht wirklich auf diese fordernden Mails ein. Als jedoch diese Drohungen ihren Weg in die Wirklichkeit finden und nun nahezu jeder im Umkreis des Autors sich in Todesgefahr befindet, wird dem Schriftsteller klar, dass er nur noch mit seinem schreiberischen Talent dem Einhalt gebieten könnte…
Arthur Gordon Wolf legte mit seiner KATZENDÄMMERUNG seine eigene schriftstellerische Leistung bereits auf eine sehr hohe Ebene und somit stellt sich die Frage, ob Wolf sein Talent auch im vorliegenden Buch vor des Lesers Augen ausbreiten kann. Wie sich bereits nach kurzer Zeit herausstellt, gelingt dies Arthur Gordon Wolf nahezu problemlos.
Kalliope ist dabei jedoch ein recht »normaler« Thriller, wodurch er gefühlt nicht ganz an die Klasse der KATZENDÄMMERUNG herankommt. Hierbei soll dies aber keineswegs herabwertend klingen, denn ich bin mir sicher, dass KATZENDÄMMERUNG mit Sicherheit nicht jedermanns Fall ist – Kalliope dabei jedoch eine etwas leichtere und eingängigere Kost darstellt.
Dies ist dabei auch sogleich der Grund, warum Kalliope so außerordentlich gut funktioniert – hat man dabei doch ab und an das Gefühl, ähnliche Thematiken schon in irgendeiner Form irgendwo mitbekommen zu haben. Ich könnte mir dabei sehr gut vorstellen, dass der Autor sich sehr geschickt bei eigenen Interessen oder gar Vorbildern bedient hat. Mir persönlich schwebte des öfteren ein Stephen King (u.a. Stark) ebenso vor, wie ein hoher Anteil an Hitchcocks Psycho – ohne dabei Markus Reuther mit Norman Bates vergleichen zu wollen – nichts desto trotz schwebte in meinen Gedanken Bates doch ein wenig hin und her; insbesondere das ausgeklügelte Finale sorgte für diesen Gedanken.
Alles in allem ist Kalliope jedenfalls ein absolut gelungener Thriller, der glaubwürdig und eingängig erzählt worden ist und dabei sicher von jedem Thrillerfan problemlos ins Herz geschlossen wird. Sehr empfehlenswert und ich freue mich bereits auf weitere Veröffentlichungen dieses hochwertigen Autors.
Jürgen Seibold/14.12.2016
Kalliope: Mystery-Thriller – KAUFEN BEI AMAZON

FG001 – 12 Monkeys

Hier die erste Folge des neuen Podcasts FILMGESCHICHTEN:

Feedback bitte an filmgeschichten@hysterika.de

Philip Kerr: Game Over

Kerr_GameOverOriginaltitel: Gridiron
© 1996 by Rowohlt Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg
“Gridiron” © 1995 by thynKER ltd
ISBN 978-3-499-22400-3
ca. 544 Seiten

COVER:

Ein High-Tech-Hochhaus in Los Angeles wird zur tödlichen Falle, als der Zentralcomputer plötzlich verrückt spielt. Mit dem ersten Toten beginnt für den Stararchitekten Ray Richardson ein wahrer Alptraum, mit jedem weiteren Toten steigert sich der Horror.

REZENSION:

Als ich die Beschrreibung des Buches Game Over von Philip Kerr gelesen hatte, dachte ich sogleich an frühere Horrorfilme wie zum Beispiel “Fahrstuhl des Schreckens”. Diese spielten schon vor langer Zeit mit einer kleinen Verschiebung der Normalität: Die Technik macht nicht nur, was sie machen soll.
Philip Kerr geht noch einen Schritt weiter und bringt uns in ein komplett neu konstruiertes Hochhaus vor seiner eigentlichen Eröffnung. Die letzten Vorbereitungen werden durchgeführt, jedoch kommen nach und nach einzelne Personen ohne anzunehmende Fremdeinwirkung ums Leben.
Sehr schnell stellt sich dabei heraus, dass die Menschen zum Spielball des hochentwickelten Computersystems werden, welches in diesem Haus sämtliche Versorgungseinrichtungen vollautomatisch steuert und dabei selbstlernend funktioniert.
Philip Kerr legt dabei einen sehr gut durchdachten und für das Entstehungsjahr bereits sehr visionären und immer noch zum größten Teil technisch passenden Thriller vor, der sich durchweg flüssig und eingängig lesen lässt. Seine Charakter bestehen aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten, die gut vom Autor gezeichnet werden.
Die Allmacht des Computersystems wird plausibel dargelegt und man springt bereits nach kurzer Einführungszeit von Geschehnis zu Geschehnis. Ein durchweg gut strukturierter Roman mit einer einfachen aber dennoch klaren Botschaft. Gleichzeitig ein typischer Thriller, den man sich sehr gut auch als abendfüllenden Unterhaltungsfilm vorstellen könnte.
Kurzum: Ein sehr gut durchdachter und spannender Unterhaltungsroman für einige angenehme Lesestunden voller Spannung in einem atemberaubenden Gebäude.
Jürgen Seibold/27.08.2016
Game over – KAUFEN BEI AMAZON

HYS064 – Urlaub und Bücher

die neue Podcast-Folge:

Scott Nicholson: Danach – Der Schock (Band #1 der DANACH-Reihe)

Nicholson_SchockOriginaltitel: AFTER: The Shock
Aus dem Amerikanischen von Stefan Mommertz
© 2013 Scott Nicholson – Haunted Computer Books
ca. 314 Seiten

COVER:

Eine gewaltige Sonneneruption hat die technologische Infrastruktur der Erde ausgelöscht und Milliarden von Menschen getötet. Während die wenigen Überlebenden damit beschäftigt sind, sich anzupassen und zu überleben, müssen sie feststellen, dass sich einige von ihnen verändert haben. Rachel Wheeler ist auf sich allein gestellt in einer Stadt, in der gewalttätige »Zapphirne« in den Straßen herumziehen, um zu zerstören und zu töten. Rachels einzige Hoffnung ist, die Berge zu erreichen, in denen ihr Großvater, ein legendärer Überlebenskämpfer, als Vorbereitung auf den Weltuntergang einen sicheren Rückzugsort gebaut hat. Auch andere Überlebende wollen aus der Stadt fliehen, aber die Zapphirne sind nicht die einzige Gefahr. Skrupellose Gruppen von Soldaten versuchen, in den bröckelnden Ruinen der Zivilisation ihre eigene Ordnung zu errichten. Als Rachel einen zehnjährigen Jungen entdeckt, schwört sie sich, dass sie sich um ihn kümmern wird, auch wenn sie dabei ihr Leben riskieren muss.

REZENSION:

DER SCHOCK ist nach dem kurzen Prequel der erste eigentliche Band der apokalyptischen Reihe von Scott Nicholson. Ähnlich wie in nahezu jedem postapokalyptischen Szenarium, folgen wir einigen Protagonisten auf dem Weg nach einem vermeintlichen, hoffnungsvollen Ziel.
Im Gegensatz zu vielen Zombie- und Apokalypse-Romanen, ist bei Scott Nicholson die Welt nicht zerstört, da die Ursache eine immense Sonneneruption war, die dabei nicht nur die technologische Infrastruktur zerstört hatte, sondern auch für Veränderungen bei den meisten Menschen sorgte. Diese – Zapphirne genannt – ziehen durch die Straßen und greifen wie Zombies jeden “normalen” Menschen an. Interessanterweise scheinen die Zapphirne aber nach und nach eine Art Bewusstsein zu entwickeln und man fragt sich bereits im ersten Band, in welche Richtung sich dies noch entwickeln wird. Sind die wenigen Überlebenden die Zukunft, oder werden sich die Zapphirne zur neuen Weltordnung aufbauen?
Das Schema des Romans erfindet nicht wirklich neues und somit begleiten wir einige Protagonisten auf ihrem Überlebenstrip und hoffen mit ihnen, dass alles irgendwann zu einem guten Ende führt.
DER SCHOCK ist interessant erzählt und kann somit für einige unterhaltsame Stunden sorgen. Gleichzeitig bleiben dessen Hauptdarsteller noch etwas blass und oberflächlich erzählt. Das Gleiche trifft auf die Geschehnisse zu, da auf deren Wegen natürlich immer wieder etwas ähnlich anmutendes geschieht. Nichts desto trotz war das Buch angenehm zu lesen und man konnte sich ohne tiefgehenden Anspruch der reinen Unterhaltung widmen. Ein klein wenig mehr Spannung würde dem Buch gut tun, aber im Großen und Ganzen ist es ein gelungener Anfang einer recht umfangreichen Reihe.
Jürgen Seibold/30.03.2016
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Milos Never: Sommertod – Der Indie-Killer

never_sommertod© 2013 Milos Never

COVER:

Deutschlands erste Satire auf die Self-Publisher-Szene Alles, was du schon immer vermutet hast, stimmt: Rezensionen werden gekauft, Ebooks werden künstlich gepusht, und keiner tut was dagegen. Bis heute… „Sommertod“ ist schonungslos, ehrlich, hart und ab 18. Ein satirischer Thriller mit Extras. Spaß und Empörung garantiert. „Darauf hat die Ebook-Welt gewartet.“ – Cornelius aus dem Nicht-Hier „Dieses Buch gehört verboten. Ich kontaktiere sofort meinen Anwalt.“ – Anonym „Na, wenn das mal keine negativen Rezensionen nach sich zieht.“ – Nikolas Preil Ach so, zum Inhalt: Ein Serienkiller, der es auf erfolgreiche Self-Publisher abgesehen hat. Eine Kommissarin, die Horror-Romane auf ihrem E-Reader liest. Und ein Indie-Autor, der ins Visier des Killers gerät. Das Ebook umfasst ca. 50.000 Worte, also ca. 200 Normseiten. Inklusive von zwei Kurzgeschichten und einer Leseprobe.

REZENSION:

Sommertod ist ein Selfpublishing-Thriller, der den Kosmos des Selfpublishings zum Thema hat und dabei als ausgewachsener Thriller die damit verbundenen Gefahren aufzeigt…
Sommertod ist dabei sowohl ein brutaler Thriller, als auch eine Satire über den Rezensionswahn und den dazugehörigen Charts auf großen Handelsplattformen.
Milos Never lässt uns dabei eintauchen in die Welt der schreibenden Zunft, die jeweils versucht, ihr selbst verlegtes eBook in einem positiven Licht erscheinen zu lassen und dabei sogar Genreabgrenzungen aufweichen, um zumindest in irgendwelchen Charts zu erscheinen. Darüber hinaus gibt es Gruppen, die für ihre eigenen Werke positive Rezensionen schreiben und für fremde, im Weg stehende Werke negative Kritiken hinterlassen, damit ihre Werke in einem besseren Licht stehen.
Manch einer bestellt seine eigenen Werke, um in den Charts höher zu kommen und eben ein ganz besonders aktiver Zeitgenosse schreckt nicht davor zurück, die vor ihm befindlichen Gegner innerhalb der vermeintlichen Bestenlisten einfach mal auf brutale Art und Weise zu quälen und um die Ecke zu bringen.
Pikanterweise vollzieht er dies auch noch auf die gleiche Art und Weise, wie vom jeweiligen Autor bereits im eigenen Werk beschrieben.
Sommertod ist ein sehr kurzweiliges, spannendes und zusätzlich noch satirisches Werk, welches einen Bogen über diese ganzen Punkte spannt und dabei sowohl sehr gut unterhalten kann, als auch ein wenig zum Nachdenken anregt.
Mir persönlich hat es außerordentlich gut gefallen – leider scheint es als eBook zumindest beim großen “A” nicht mehr vorhanden zu sein. Ob der Grund am Inhalt liegt? Meiner Meinung nach sollte es wieder erscheinen, damit sich auch weitere Leser mit diesem Buch vergnügen können.
Jürgen Seibold/30.03.2016