Klein, Tal M.: Der Zwillingseffekt

Originaltitel: The Punch Escrow
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen
©2017 by Tal M. Klein
Deutsche Erstausgabe 05/2018
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31928-8
ca. 414 Seiten

COVER:

Im Jahr 2147 hat sich die Welt radikal verändert: Innovative Nanotechnologie hat die klassische Medizin ersetzt, genmanipulierte Mücken halten die Luft in den Großstädten sauber, und der mächtige Weltkonzern International Transport hat mit der Erfindung der Teleportation das Reisen monopolisiert. Es ist die Welt von Joel Byram, einem durchschnittlichen New Yorker mit durchschnittlichen Problemen – sein Job als KI-Coach langweilt ihn, und aus seiner Ehe mit der hünschen Physikerin Sylvia ist die Luft raus. Um ihre Beziehung zu retten, wollen die beiden Urlaub in Costa Rica machen. Dorthin lassen sie sich natürlich teleportieren. Doch während Sylvia problemlos in San José ankommt, geht bei Joel alles schief. Erst gibt es einen Anschlag auf das Teleportationszentrum, und dann wird er selbst versehentlich dupliziert. Nun existieren zwei Joels – einer in Costa Rica bei Sylvia und einer in New York! Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse: Sylvia wird entführt, die beiden Joels geraten ins Visier einer religiösen Sekte und werden von International Transport verfolgt. Und bald kommen Joel und Joel einem dunklen Geheimnis rund um das Wunder der Teleportation auf die Spur. Ein Geheimnis, bei dem es um Leben und Tod geht …

REZENSION:

Teleportation kommt in der literarischen Welt schon seit gefühlten Ewigkeiten vor. Von der filmischen Welt möchte ich gar nicht reden. Nun widmete sich der Schriftsteller Tal M. Klein in seinem Science Fiction Roman „Der Zwillingseffekt“ ebenfalls diesem Thema.
Sein Roman spielt dabei in unserer Welt – jedoch befinden wir uns bereits im Jahre 2147. Klein lässt seiner Fantasie bei der Ablichtung dieser Zeit einen nur begrenzt freien Lauf und bringt keine unglaublich wirkenden Errungenschaften zur Sprache. Dies ist als positiv zu betrachten, da seine Welt zwar erst in fernen 100 Jahren spielt, dennoch so möglich sein könnte.
Kleins Kreativität bleibt im Nachvollziehbaren und stellt eine recht gelungene Welt dar. Natürlich ist auch seine Zukunft lediglich ein Gedankenspiel – es klingt aber plausibel und darüber hinaus lässt er sich nicht dazu herab, diese in jeglichem Detail zu erklären: Sie ist einfach, wie sie eben ist.
Teleportation als zukünftiges Mittel zum Reisen klingt schon außerordentlich verlockend. Sollte jemals eine Firma dafür ein Monopol innehaben, könnte ich mir ebenfalls ganz gut vorstellen, dass diese bei technischen Problemen ähnlich vorgehen, wie die Firma IT in diesem Buch.
Kleins Figuren wirken gut durchdacht und man fiebert sogleich mit den beiden Joels mit – gleichzeitig schafft es Klein aber nicht, seinem Thriller einen besonderen Dreh zu verleihen. Somit liefert er zwar einen gut durchdachten und relativ spannenden SF-Thriller ab, der ganz gut zu unterhalten weiß – aber darüber hinaus wird es dem Genre keinen neuen Stempel aufdrücken. Es ist einfach zwischen den beiden Buchdeckeln doch einiges zu leicht vorhersehbar – nichts desto trotz bleibt man dem Buch durch die witzige Erzählweise bis zu dem leider etwas gehetzten Ende treu.
Einige kleine Punkte innerhalb des Romans führten mich zum Schmunzeln: Die Idee um die Musik der 80er ebenso wie zum Beispiel die Verwendung von Songtiteln als Absatzüberschriften. Dies ist wirklich eine nette Idee des Autors und neben dem dezent eingefügten Witz wirkt auch Kleins Schreibstil außerordentlich erfrischend. Somit ein interessanter, unterhaltsamer aber trotzdem durchschnittlicher Thriller für einige Stunden des lockeren Abschaltens.
Jürgen Seibold/07.03.2019