Taylor, Dennis E.: Ich bin viele

Originaltitel: We Are Legion
Aus dem Amerikanischen von Urban Hofstetter
©2016 by Dennis E. Taylor
Deutsche Erstausgabe 08/2018
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31920-2
ca. 459 Seiten

COVER:

Kaum hat der erfolgreiche Jungunternehmer Bob Johansson seine Software-Firma verkauft und einen Vertrag über das Einfrieren seines Körpers nach dem Tod unterschrieben, da ist es auch schon vorbei mit ihm. Er wird beim Überqueren der Straße vom Auto überfahren. Als Bob hundert Jahre später wieder aufwacht, ist er geschockt: Er ist kein Mensch mehr, sondern eine künstliche Intelligenz, die noch dazu der Regierung gehört. Prompt bekommt er auch gleich seinen ersten Auftrag: Er soll als Schiffscomputer einer Raumschiffflotte neue bewohnbare Planeten für die Menschheit finden. Weigert er sich oder versagt er, wird er abgeschaltet. Für Bob beginnt ein grandioses Abenteuer zwischen den Sternen – und ein gnadenloser Wettkampf gegen die Zeit …

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee dieses Romans von Dennis E. Taylor klingt unglaublich interessant und reif für spannende, kurzweilige Unterhaltung. Wie ich dann beim Lesen innerhalb kürzester Zeit feststellen musste, wird der Roman diesem dezenten Anspruch sicherlich auch gerecht. Mir persönlich war es aber ein wenig zu dünn und etwas zu schnell konstruiert.
Bereits bei der menschlichen Komponente hatte ich schon Schwierigkeiten: Wenn ich mir vorstelle, ich bin gerade frisch aufgewacht, 100 Jahre später, muss viele Neuigkeiten kennenlernen inklusive einer komplette neuen sozialen Struktur, gehöre plötzlich der Regierung und noch viel schlimmer: Ich bin lediglich ein Datensatz in einem System – dies alles steckt der Protagonist absolut problemlos weg. Den Menschen möchte ich mal sehen, der sich absolut problemlos mit einer solchen Situation ungebremst anfreundet.
Nun gut, gehen wir darüber hinweg. Ehrlich? Nein, trotz meines dann etwas reduzierten Anspruches konnte ich den Draht in diese interessant klingende Geschichte nicht finden. Viel zu sehr lässt sich Bob auf alle Begebenheiten ein und viel zu sehr klingt jegliches auftretende Problem arg konstruiert.
Ich möchte dennoch nicht allzu negativ klingen, denn Taylor erzählt relativ interessant und möchte schlichtweg nur für eine Popcorn-Unterhaltung sorgen. Ich bin mir sicher – insbesondere, da es noch einige Nachfolge-Bände gibt – dass dies auch gut funktioniert hat. ICH BIN VIELE wird problemlos Leser, die eine leichte Kost bevorzugen, uneingeschränkt befriedigen. Bei mir hat es leider nicht funktioniert.
Jürgen Seibold/17.02.2019

Simon Taylor: Der Mönch

Originaltitel: Mortimer’s Deep
Übersetzung: Rainer Schmidt
Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg
Copyright 1992 der Originalausgabe by Simon Taylor
Copyright 1994 für die deutsche Ausgabe by Schneekluth Verlag GmbH, München

COVER:

Herbst 1178: Duscath, ein schottischer Bauernjunge und Schildknappe des Landesherrn Sir William Mortimer, flieht vor dessen Nachstellungen zu den Augustinermönchen auf die Klosterinsel Inchcolm und wird als Novize aufgenommen.

Sommer 1224: Simon de Quincy, der skandalumwitterte Prior des Klosters, ist bei einem Brand umgekommen. Der junge Mönch Martin begibt sich auf die Insel, um die mysteriösen Vorgänge auf Inchcolm zu untersuchen. Duscath, alias Bruder Michael, erzählt ihm die Geschichte seines Lebens, das mit dem Simons schicksalhaft verbunden war – so eng wie Licht und Schatten.

Vor den Augen des Lesers entfaltet sich ein bewegtes Fresko der politischen, religiösen und geistigen Konflikte im hohen Mittelalter: das klösterliche Leben mit seinen strengen Regeln und Intrigen, die Machtkämpfe zwischen König und römischer Kurie, Klerus und Adel, zwischen englischem und schottischem Königshof. Die geistige Befindlichkeit jener Zeit kristallisiert sich in den beiden Antipoden Michael und Simon.

Jener ist ein naiver, integrer Klosterbruder, der aufrichtig um seinen Glauben und einen moralischen Lebenswandel ringt, dieser ein zynischer “Macchiavelli”, der kühl kalkulierend und manipulierend seine Karriere verfolgt und auch vor Mord nicht zurückschreckt – er ist zugleich der Repräsentant des modernen, kritisch-rationalen Denkens, das ihn den einfacher strukturierten, religiös verwurzelten Menschen seiner Umgebung überlegen macht. Aus seiner Perspektive wird die Geschichte im letzten Teil des Buches in geraffter Form erzählt: Bruder Martin findet das Manuskript Simons, das die Bekenntnisse Duscaths ergänzt und neu beleuchtet.

Simon Taylor, 1950 geboren, lebt in Edinburgh. Er studierte Germanistik und Romanistik, gab “The Anglo-Saxon Chronicle” heraus und die größte schottische Chronik des Mittelalters, das “Scotichronicon” von Walter Bower.

REZENSION:

In diesem Roman erzählt ein Mönch seine Lebensgeschichte in allen Details. Dieser spannende Ausflug zeigt alle Facetten des mittelalterlichen Klosterlebens mit seinen Intrigen, Sünden und was sonst noch dazugehört. Dieses Buch ist sehr homoerotisch aufgebaut, da die Akteure relativ oft die Sünde kennenlernen. Die Liebe untereinander ist ein grosses Thema – verzweigt aber gleichzeitig in die Probleme, die ein Mönch in dieser Zeit mit seinen Neigungen zu meistern hatte. Immerhin konnte man bei Verfehlungen dieser Art mit der Exkommunikation rechnen.
Simon Taylor schafft mit diesem Roman ein kurzweiliges, relativ spannendes Sittengemälde, das einem viel Wissen nahe bringt und trotzdem sehr gut und einfach zu lesen ist.
Jürgen Seibold/21.01.2003