Strandberg, Mats: Das Heim

Aus dem Schwedischen von Nina Hoyer
©2017 Mats Strandberg
© für die deutschsprachige Ausgabe: S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-70367-8
ca. 426 Seiten

COVER:

Ein Altersheim ist kein schöner Ort. So viel ist Joel klar, als er seine demente Mutter nach einem beinahe tödlichen Herzinfarkt in ein Seniorenheim bringt. Dass es allerdings so schlimm wird, überrascht ihn dann doch.

Seine Mutter, zeitebens eine sanfte Person, wird aggressiv und traktiert mit ihren boshaften Anfällen die Mitbewohner. Noch seltsamer ist, dass sie dunkle Geheimnisse ihrer Mitpatienten ausplaudert, von denen sie eigentlich nichts wissen kann. Manche der Alten halten sie deshalb für einen Engel, andere für einen Dämon – und auch das Pflegepersonal kriegt es auf Station D langsam mit der Angst zu tun.

Und als sich die beklemmenden Vorkommnisse im Heim häufen, findet Joel ausgerechnet in seiner Jugendfreundin Nina eine Verbündete, um dem Grauen entgegenzutreten.

REZENSION:

Bereits auf dem Cover des ersten Buches von Mats Strandberg mit dem Titel „Die Überfahrt“ zeigte sich ein Vermerk auf den erfolgreichsten Horrorautoren der heutigen Zeit: Stephen King. Marketingabteilungen versuchen natürlich mit Superlativen den Käufer zum Kauf zu animieren. Bei Büchern wird aber auch eine Erwartungshaltung gesetzt, die dann oft nur schwer erreicht werden kann.
Strandbergs Erstling war dabei noch ein Vampirroman. Das Setting auf einer Fähre, wodurch eine simple Flucht schlicht unmöglich ist. Die Idee war ganz nett – die Erwartung wurde aber in keiner Weise erfüllt und übrig blieb lediglich ein ganz netter Roman mit einigen Spannungselementen.
Nun wagte ich mich dennoch, Strandbergs neuestes Werk mit dem Titel „Das Heim“ zu lesen. Jeder hat eine zweite Chance verdient und auch hier klingt das Setting außerordentlich interessant. Erneut der leuchtend gelbe Aufkleber mit dem Hinweis, dass es sich hier um den schwedischen Stephen King handelt. Na, wollen wir doch diesmal versuchen, gänzlich unvoreingenommen zu sein.
„Das Heim“ spielt in einem Altersheim und lässt uns neben den Pflegekräften auch viele Insassen näherkommen. Erneut ist das Setting geschickt gewählt und Strandberg hat auch ein außerordentlich gutes Händchen uns die jeweiligen Bewohner detailliert und teils liebevoll gezeichnet nahe zu bringen. Nach und nach nähert sich das Grauen – wodurch der Verweis zu Stephen King zumindest rudimentär passen würde. Auch dieser ließ sich früher lange Zeit, bis das Böse seinen Zugang in die Alltäglichkeit gefunden hatte.
Strandberg wirkt aber in seiner zweiten Geschichte erneut ein wenig konstruiert und schafft es leider nicht, mich rundum zu überzeugen.
Insbesondere beim Spannungsaufbau bleibt er zu zaghaft und scheint wohl kein Risiko eingehen zu wollen, um den Mainstreamleser nicht zu vergraulen. Dem frühen Stephen King ging das buchstäblich am Arsch vorbei und ich wette, gerade deshalb war und ist er so erfolgreich. Strandberg erzählt prinzipiell sehr eingängig und lässt uns als Leser nichts missen. Dennoch fehlt schlichtweg der echte Horror, wenn nicht gar bereits der echte Thrill. Alles im Heim erlebte war irgendwie schon einmal da. Ab und an eine klein wenig an der Spannungsschraube gedreht – dennoch immer so, dass man definitiv kein Problem damit hätte, das Licht auszumachen. Schade, denn vom Erzählerischen her scheint Strandberg gut aufgestellt zu sein. Vielleicht sollte er einfach mal die Zügel loslassen und versuchen, seine Geschichte vollkommen befreit zu erzählen. Es kann natürlich sein, dass Strandberg eine Klientel dazwischen zu erreichen versucht – ich befürchte auch, dass dies sein Ansatz sein könnte. In diesem Fall wäre es schade, aber zu akzeptieren.
Ich möchte das Buch jetzt aber auch nicht zu sehr schlecht reden – immerhin konnte es mich bis zum Ende einigermaßen unterhalten. Somit ist „Das Heim“ ein Unterhaltungsroman ohne Ecken und Kanten, der für einige ganz nette Stunden sorgen kann. Etwas darüber hinaus gibt es leider nicht her – obwohl ich mir durch den Aufkleber exakt dies erneut erwartet hätte. Ob ich dem Autor eine dritte Chance geben werde? Da muss ich noch stark in mich gehen…
Jürgen Seibold/27.12.2018

 

Mats Strandberg: Die Überfahrt

Aus dem Schwedischen von Antje Rieck-Blankenburg
©2015 Mats Strandberg
©2017 für die deutschsprachige Ausgabe: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-10-490132-9
ca. 512 Seiten

COVER:

Die Passagiere an Bord der schwedischen Ostsee-Fähre Baltic Charisma wollen vor allem eins: sich amüsieren, und zwar um jeden Preis. Ob sie mit der besten Freundin tanzen gehen oder Junggesellenabschiede feiern, ob sie nach der Liebe ihres Lebens suchen oder vor den Dämonen des Alltags fliehen – die Nacht ist lang, und der Alkohol fließt reichlich.
Fast bleiben dabei die beiden dunklen Gestalten unbemerkt, die sich übers Autodeck an Bord schleichen: eine Mutter und ihr Kind. Mit ihnen betritt ein uraltes Grauen das riesige Schiff, und es wird zur tödlichen Falle. Die Angst geht um auf der Baltic Charisma …

REZENSION:

Wenn sich auf einem Roman ein Aufkleber befindet, auf dem der vorliegende Autor als der Schwedische Stephen King vermarktet wird, steigt natürlich die Erwartungshaltung enorm. Nur durch den Umstand, einen Horror-Roman abzuliefern, befindet man sich noch lange nicht in der Riege dieses namhaften Schriftstellers.
Auch Mats Strandberg wird diesem mit seinem Roman „Die Überfahrt“ leider nicht gerecht. Sicher, man erkennt einige Anleihen, lässt er sich doch auch einige Zeit, bevor das Grauen in den Alltag tritt. Strandberg versucht hier seinem Vorbild gerecht zu werden und lädt uns auf eine Fahrt ein, die üblicherweise von seinen Gästen zur Befriedigung deren Feierlaune benutzt wird. Nach und nach stellt er uns seine Protagonisten ausreichend detailliert vor. Familientragödien werden ausgebreitet, unzufriedene Personen mit all ihren Schwächen dargestellt.
Die Enge eines begrenzten Raums führt nicht nur dazu, dass sich gewisse Personen nicht richtig aus dem Weg gehen können, sondern auch noch, dass man sich dem langsam auftretenden Grauen natürlich nicht entziehen kann.
Strandbergs „Die Überfahrt“ ist ein Vampirroman mit erfrischenden Ideen. Gleichzeitig aber keine Besonderheit im bereits vielfältig ausgebreiteten Vampir-Genre. Die Gefahr verdichtet sich, die Opfer mehren sich und die Wiedergeburten erweisen sich als zombiehafte Gestalten.
Anfangs noch relativ interessant und beinahe als Fährenstudie wirkendes Werk, befindet man sich plötzlich nur noch in einer Hatz auf der Flucht vor den Vampiren.
Hier hat es sich Strandberg leider viel zu einfach und oberflächlich gemacht, wodurch das Buch zwar ganz nett als Lektüre zwischendurch funktionieren kann, dennoch mit nichts erfrischendem aufweisen kann. Schade eigentlich, denn wie man seinem Vorbild entnehmen kann, lassen sich auch Vampirromane als etwas ganz besonderes verpacken. „Die Überfahrt“ ist hier jedoch sehr weit entfernt und wirkt eher wie ein B-Film, der nach Schema F erstellt worden ist. Es ergaben sich leider keinerlei Überraschungen und somit vermochte mich das Buch nicht zu begeistern. Schade eigentlich, wäre schön gewesen, wenn Vampire mal wieder für etwas Neues gesorgt hätten.
Jürgen Seibold/12.02.2018

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