Stoker, Bram: DRACULA – Große kommentierte Ausgabe von Leslie S. Klinger (Hrs.)

Aus dem Amerikanischen von Andreas Nohl (Romantext) sowie Andreas Fliedner und Michael Siefener
Erschienen bei FISCHER Tor
©2008 by Leslie S. Klinger
Einführung ©2008 by Neail Gaiman
Übersetzung des Romantextes
©2012 by Steidl Verlag, Göttingen
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70515-3
ca. 647 Seiten

COVER:

„Diese Ausgabe sollte jeder im Regal haben. Sie werden Dracula mit völlig neuen Augen lesen. Faszinierend!“
Stephen King

Eine der unheimlichsten und berühmtesten Geschichten der Weltliteratur: Von seinem Schloss hoch oben im Gebirge Transsilvaniens reist der geheimnisvolle Graf Dracula nach London und verbreitet dort Angst und Schrecken.

Doch so wie in dieser Ausgabe wurde diese Geschichte noch nie präsentiert: Herausgeber Leslie S. Klinger reist in seinen Anmerkungen durch zweihundert Jahre populärer Kultur. Dabei bringt er die politischen, ökonomischen, feministischen, psychologischen und historischen Fäden ans Licht, die „Dracula“ durchziehen. Klingers Entdeckungen werden auch eingefleischte Fans begeistern und lassen den legendären Vampir in einem völlig neuen Licht erscheinen.

Die definitive „Dracula“-Ausgabe für das 21. Jahrhundert

Dieser Prachtband enthält die hochgelobte Neuübersetzung des Romans aus der Feder von Andreas Nohl sowie fast 300 meist vierfarbige Abbildungen von Originalillustrationen, Titelbildern, Filmplakaten, Originalschauplätzen und vielem mehr. Über 1000 Anmerkungen beleuchten sämtliche Aspekte von Stokers Werk und Zeit.

REZENSION:

Als ich von diesem Buch das erste Mal etwas mitbekommen hatte, war ich sichtlich überrascht: Warum bringt jemand erneut DRACULA auf den Markt? Ein kurzer Blick in das Internet und sogar in das eigene Regal zeigt doch, dass es eine nahezu nicht mehr zählbare Vielzahl an veröffentlichten Büchern von den unterschiedlichsten Verlagen und in den unterschiedlichsten Ausführungen gibt.
Nun also ein weiterer Band, der beinahe für sich alleine steht, ist er doch bereits durch sein Erscheinungsbild ein Novum: Großformatige Ausgabe, wie sonst nur bei Bildbänden üblich (ca. 23x26cm mit einer Dicke von 5cm!); ein wunderschönes Cover und eine sehr stilvolle Prägung, wenn man das Cover abnimmt. Der Druck teils vierfarbig und die Darstellung inklusive Haptik absolut herausragend. Natürlich hat das auch seinen Preis und dieser ist mit den ausgerufenen 78,–€ wahrlich nicht von schlechten Eltern.
DRACULA ist eine Geschichte, die ich schon seit meiner Kindheit mehrmals zur Hand nahm und nicht nur gelesen, sondern genossen habe.
In meinen Augen gibt es eine kleine Zahl an historisch wichtigen Werken, die mehreren literarischen Ebenen den zukünftigen Weg ebneten. Dazu zählt das Gesamtwerk H.P. Lovecrafts, Shelleys „Frankenstein“ und natürlich Bram Stokers DRACULA.
Dementsprechend wichtig ist natürlich das Werk – doch ist es notwendig, sich mit der kommentierten Ausgabe von Fischer Tor zu beschäftigen?
Ehrlich gesagt haderte ich bei diesem Punkt ein wenig mit mir. Zum einen ist es mir schlicht nicht möglich, mich lediglich der kompletten Übersetzung des Romans zu widmen, da die Textspalte nur einen Teil der jeweiligen Seite verwendet. Die äußeren Bereiche werden für die Kommentierung verwendet. Diese wiederum sind in Rot gedruckt und heben sich somit ganz gut vom eigentlichen Text ab. Innerhalb dieses Textes befinden sich die Verweise auf die seitlichen Bemerkungen, wodurch das Auge eine Ablenkung erfährt. Somit ist es eher schwierig, diese seitlichen Bemerkungen zum reinen Textgenuss gedanklich auszublenden.
Um mir dennoch eine Meinung bilden zu können, änderte ich meine Vorgehensweise: Ich begann einfach mit dem Lesen des Textes und schwenkte bei Angabe einer Ziffer auf die dazugehörige Erklärung. Gut, dies führt nicht zu einem flüssigen Lesen des Romans – diesen kenne ich aber noch einigermaßen gut (vielleicht nicht in dieser Übersetzung und/oder Fülle) und somit versuchte ich mich schlicht auf die Bemerkungen Klingers einzulassen.
Dabei stellte sich plötzlich folgendes heraus: Es ist verdammt interessant, welche Informationen Klinger zur Kommentierung dieses Werkes gesammelt hatte. Erstaunlich, welcher Informationsgehalt sich in diesem Buch befindet. Es ist nahezu unglaublich, wieviel Hintergrund jemand zu einem in meinen Augen fiktiven Roman sammeln konnte. Gleichzeitig bekommt man dadurch das Gefühl, dass die Zusammentragung der Tagebucheinträge von Stoker lediglich vorgenommen worden sind und er somit diese Geschichte nicht „erfunden“ hat. Ist DRACULA doch keine Fiktion? Alles echt?
Interessant, welche Gedanken auftauchen – trotzdem schwingt dieser Punkt nebelhaft immer wieder mit.
Noch kurz ein kleiner Überblick zum Inhalt dieses „Sachbuches“:
Dem Werk vorgestellt ist nicht nur ein Vorwort des Herausgebers – nein, man konnte auch Neil Gaiman dazu animieren, sich mit einer  kurzen, aber wirklich sehr schöne Einführung in diesem Band zu verewigen. Gaiman ist und bleibt ein sprachlicher Virtuose und schafft dies sogar in einem Vorwort problemlos zu vermitteln.
Neben einer weiteren Kontextdarstellung folgt die eigentliche Geschichte in ungekürzter Darlegung. Im zweiten Teil des Werkes kommen noch einige weitere Kapitel, die sich mit dem Thema befassen: „Dracula nach Stoker“, „Sex, Lügen und Blut“, „Das öffentliche Leben Draculas“, „Draculas Stammbaum“, „Draculas Freunde“, eine Bibliographie und noch einige Worte zum ursprünglichen Manuskript.
Die große kommentierte Ausgabe von Leslie S. Klinger ist dennoch nicht für jedermann geeignet. Möchte man sich lediglich dem Roman zu wenden, dann reicht sicher ein günstiger Griff im örtlichen Buchladen zu einer der vielen Ausgaben. Ist man jedoch über diesen Punkt hinaus und man versucht in die Tiefen dieses Romans abzutauchen, dann kann diese herausragende Ausgabe wahrlich Glücksgefühle auslösen.
Ich selbst war irgendwo dazwischen – habe dabei aber nun festgestellt, dass ich mich fast täglich dabei ertappe, DRACULA von Kommentar zu Kommentar durch zu arbeiten (!). Dabei komme ich mir fast wie bei einem Studium vor – gleichzeitig macht dies richtig viel Spaß und sorgt für Erfahrungen und Wissensschätze, die weit über das eigentliche Thema hinausgehen.
Aber wie gesagt: Man muss sich solche Bücher nicht nur leisten können, sondern auch mögen – obwohl, wenn man es nicht mag, macht es zumindest eine verdammt gute Figur im eigenen Regal.
Jürgen Seibold/03.10.2019

Mary Wollstonecraft Shelley / Bram Stoker: Frankenstein / Dracula

Mary W. Shelley: Frankenstein
Titel der Originalausgabe: Frankenstein or The Modern Prometheus
Übersetzungaus dem Englischen von Friedrich Polakovics

Bram Stoker: Dracula
Titel der Originalausgabe: Dracula
Übersetzung aus dem Englischen von Stasi Kull

c der Übersetzungen:
Carl Hanser Verlag, München/Wien 1970 bzw. 1967
Lizenzausgabe für area verlag gmbh, Erftstadt

COVER:

Sie sind die berühmtesten Figuren des Horror-Genres, sie sind Ikonen des Unheimlichen und die Helden zahlloser Filme:
Frankenstein und Dracula

Mary W. Shelleys “Frankenstein” führt uns aufs Schaurigste vor Augen, wonach sich ein vom Menschen geschaffenes Monster vergebens sehnt: nach Menschlichkeit.

In “Dracula” hat Bram Stoker den Vampirmythos um den transsilvanischen Grafen im wahrsten Sinne unsterblich gemacht und einen der berühmtesten Romane der Weltliteratur geschaffen.

Jetzt in einem Band vereint:
Die größten Klassiker des Horrorromans.

REZENSION:

Der area verlag vereint mit seiner Horrorreihe wieder einmal zwei Klassiker der schaurigen Weltliteratur. Dies auch noch in einer sehr schönen Aufmachung und trotzdem einem mehr als erschwinglichen Preis. Ich denke, an dieser Reihe kann kein echter Fan der Horrorliteratur vorübergehen. Kurz gesagt: Inhaltsunabhängig einfach zu empfehlen!!

FRANKENSTEIN
So ziemlich jeder kennt die alten Filme in denen das „Monster“ in irgendeiner Art und Weise die Haupt- oder eine Nebenrolle spielt. Jeder kennt das mordende „Monster“ und spürte bereits das gruselige Kribbeln auf der Haut.
Mary Shelleys Roman jedoch wird viel zu wenig gelesen. Dies wird leider weder dem Buch noch dem Geschöpf Frankensteins gerecht. Ich habe mir auch mal den Spaß gemacht und mehrere Personen gefragt, was sie unter Frankenstein verstehen. Die Antworten waren mir schon im Voraus klar: Jeder assoziiert damit das Monster. Die wenigsten wissen, daß Frankenstein der Wissenschaftler ist, der das einsame, traurige Geschöpf erschaffen hatte.
In Shelleys Roman wird das deutlich und man leidet förmlich mit Frankensteins Geschöpf. Dieses ist allein durch seine Einzigartigkeit und dem Umstand, ganz anders auszusehen, von einer Traurigkeit und Einsamkeit erfüllt, daß jeden Leser zum Mitfühlen und Mitleiden bringt.
Das Geschöpf wünscht sich nichts sehnlicher als einen Partner, um in Ruhe zu leben und zu lieben. Dies wird ihm jedoch von dem durch Gewissensbisse geplagten „Schöpfer“ verweigert.
Grundsätzlich ist das Geschöpf gut in seinem Wesen und sucht die Nähe und Anerkennung durch seine „Mitmenschen“. Leider wird ihm das einzig durch seine Hässlichkeit nicht erfüllt und somit steigert sich die Sehnsucht nach Liebe immer mehr zum Hass gegenüber seinem Schöpfer.
Allein dadurch wird das traurige Wesen zum Monster – Es möchte anhand seiner Rache gegen Frankenstein zeigen, wie es ist, wenn man ganz alleine in der Welt steht.
Die meisten Filme haben sich natürlich nur auf diesen mordenden Umstand gestürzt und so den Ruf des Monsters erschaffen.
Shelleys Frankenstein zeigt jedoch viel mehr Facetten und lässt sich immer noch als Wink auf die Gesellschaft verstehen – immerhin gibt es mit Sicherheit noch genug Menschen auf diesem Planeten wie dem Geschöpf Frankensteins. Allein deshalb und der eingängigen, verständlichen Schreibweise Shelleys sollte dieses Buch anstelle eines Frankenstein-Films zur Hand genommen werden.
In der klassischen Gruselsammlung darf es auf jeden Fall nicht fehlen und ist jedem Leser genreunabhängig an das Herz gelegt.
Jürgen Seibold/23.08.04

DRACULA
Bram Stoker erschuf mit Dracula einen der wichtigsten Romane seines Genres. Mehr noch: Dracula ist ein Begriff über alle Grenzen hinweg und manch einer verliert sich in Träumen voller Hoffnung und Angst nach dem ewigen Leben.
Die Geschichte wird überwiegend im Tagebuchstil erzählt, was den Eindruck einer Authentizität vermittelt, die sich durch den “echten” Augenzeugen der erzählten Zeit, nämlich Bram Stoker selbst, noch mehr verstärkt.
Dracula ist ein so nachhaltiger und richtungsweisender Roman, der mit den bekannten Mythen genauso zu spielen weiß, wie mit den Empfindungen und Sitten seiner Zeit. Bram Stoker überwand sogar Grenzen und legte dem Leser einige erotische Komponenten dar, die für seine Zeit noch sehr untypisch waren.
Die Glaubwürdigkeit geht sogar so weit, daß noch heute der Glaube an Vampire weiterlebt und die Ängste der Menschen weiterhin geschürt werden.
Selbst wenn man das Vorhandensein von Vampiren verneint bleibt doch ein kleiner Nachgeschmack: Was wäre wenn…
Jürgen Seibold/12.09.04