Tad Williams: Das Herz der verlorenen Dinge

Originaltitel: The Heart of What was Lost
Aus dem Amerikanischen von Cornelia Holfelder-von der Tann
©2017 by Tad Williams
Für die deutsche Ausgabe: ©2017 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96144-7
ca. 380 Seiten

COVER:

Nach dem Tod des Sturmkönigs Ineluki flohen die Nornen hinter die schützenden Mauern ihrer Burg Nakkiga im Norden, um dort erneut Kräfte zu sammeln. Viyeki, ihr Herresvormann, sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, sein Volk vor der endgültigen Auslöschung durch Herzog Isgrimnur und seinen Truppen zu retten. Den Truppen Isgrimnurs haben sich zwei einfache Soldaten angeschlossen, Porto und Endri, deren Freundschaft angesichts der Grausamkeit der Kämpfe auf eine harte Probe gestellt wird. Und unter den Elben spielt ein Amulett eine immer wichtigere Rolle: Es trägt den Namen „Das Herz der verlorenen Dinge“ und erinnert an das einstige Paradies dieses uralten Volkes.

REZENSION:

Es gibt nicht viele Bücher, die einen Leser noch lange Zeit nach dem Lesen des letzten Wortes noch beschäftigen. Es gibt auch nicht viele Bücher, die man ohne dem geringsten Zucken uneingeschränkt weiter empfehlen kann. Es gibt auch nicht viele Bücher, die selbst beim großzügigsten Ausmisten von Regalen weiterhin wie in Stein gegossen dort stehen bleiben.
In meinem Fall trifft dies auf die gesamte Drachenbeinthron-Saga von Tad Williams zu: Immer noch stehen diese wunderschönen Bücher im Regal und werden in unregelmäßigen Abständen liebevoll betrachtet. Weder Umzüge noch notwendige Maßnahmen, um der Vielzahl an Büchern Herr zu werden, konnten ihnen etwas anhaben. Sie stehen da und beglücken einfach mit ihrer Anwesenheit.
Nun hat also ihr höchstpersönlicher Autor ein Buch mit dem sagenhaften Titel „Das Herz der verlorenen Dinge“ geschrieben – das allein wäre noch kein Problem, ist er doch seines Zeichens ein Autor und somit sollte er so etwas auch tunlichst tun. Von irgendwas muss auch ein Tad Williams leben. In diesem Falle legt der Autor jedoch nicht einfach irgendeinen neuen Roman oder eine neue Sage vor, sondern er betritt damit erneut seine damalige Welt: Osten Ard.
Kann das funktionieren? Mehr als zwanzig Jahre sind bereits vergangen. Somit stellt sich nicht nur die Frage, ob ich als Leser den erneuten Zugang zu einer vor langer Zeit gelesenen Welt finde, sondern auch, ob sich der Autor damit überhaupt einen Gefallen machen kann – immerhin ist die Saga um Simon ein in meinen Augen nahezu unerreichbarer Fantasyroman mit allem, was so dazu gehört.
„Das Herz der verlorenen Dinge“ setzt fast nahtlos an die damalige Sage an und genau dies schien Anfangs mein Problem zu sein. Nur langsam konnte ich in die Geschichte finden. Vor allem, weil mir vom Ursprung lediglich noch im Kopfe hängen geblieben ist, dass Simon nun Herrscher über Osten Ard ist – mir aber partout sonst nicht mehr wirklich tiefgehendes einfallen wollte. Nun lässt Williams aber Simon nahezu außen vor: Man „hört“ nur manchmal, dass er eben der neue, junge König ist.
Es war somit wirklich schwer, in diese Geschichte ein zu tauchen. Nach und nach hat es dennoch funktioniert und erneut blieb mir nichts weiter übrig, als dieser schönen Geschichte zu folgen.
Tad Williams bleibt sich treu und erfreut seinen Leser mit einer gut durchdachten Geschichte und sehr interessanten als auch detailliert gezeichneten Personen.
Nichts desto trotz kommt „Das Herz der verlorenen Dinge“ nicht an seine Vorgänger heran. Aber das ist auch schon ein gewaltiges Jammern auf sehr hohem Niveau.
Kurzum ist „Das Herz der verlorenen Dinge“ eine doch recht interessant und gut gelungene Nahtstelle zwischen dem Drachenbeinthron und den mittlerweile auf dem Markt befindlichen Werken mit dem Obertitel „Die Hexenholzkrone“, auf die ich mich bereits unwahrscheinlich freue.
Stellt sich schlussendlich die Frage, ob man „Das Herz der verlorenen Dinge“ benötigt: Nun, als Freund Osten Ards stellt sich die Frage gar nicht – einem Neueinsteiger sei geraten, entweder die Hexenholkrone-Bücher zu lesen oder einfach mit dem Drachenbeinthron zu beginnen. Zeitlos sind die Bücher jedenfalls.
Jürgen Seibold/30.11.2017

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