Dan Simmons: Die Hyperion-Gesänge

Simmons_HyperionOriginaltitel:
Hyperion
The Fall Of Hyperion
Deutsche Übersetzung von Joachim Körber
© 1989, 1990 by Dan Simmons
© 2013 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
eISBN 978-3-641-10054-4
ca. 1.407 Seiten

COVER:

Auf den Spuren der Zeit

In den Weiten des Alls hat sich die Menschheit über unzählige Sonnensysteme ausgebreitet. Während technischer Fortschritt und Dekadenz Unmögliches wahr machen, suchen sechs Menschen Antwort auf die größte aller Fragen: Was ist das Leben, was ist der Tod?
Dazu begeben sie sich auf eine Pilgerfahrt nach Hyperion, wo das Shrike herrscht, ein rätselhaftes, halb organisches, halb mechanisches Wesen, der Inbegriff von Schmerz und Qual. Es bewacht die Zeitgräber, und genau dort erfüllt sich das Schicksal der Pilger – und der Menschheit in der Zukunft.

REZENSION:

Nach vielen Romanen der unterschiedlichsten Genre juckte mich es mal wieder, ein Buch zu finden, in dem man als Leser so richtig abtauchen kann. In diesem Fall konnte ich aber nicht erneut zu einem meiner Lieblingsbücher aus dem Horrorgenre greifen, da die persönliche Lust lautstark nach einem Roman aus der Welt der Science Fiction rief.
Selbst nicht sehr sattelfest in diesem Genre studierte ich diverseste Listen auf der Jagd nach einem umfangreichen und dabei auch noch möglichst herausragendem Werk.
Immer wieder stieß ich unter anderem dabei auf Frank Herberts DUNE und Dan Simmons Hyperion-Gesänge. Nun, von DUNE ließ ich mich bereits vor vielen Jahren ausreichend fesseln – somit griff ich in diesem Fall zum 1.400 Seiten-Werk Dan Simmons und versuchte mich einfach davon überraschen zu lassen.
Rein theoretisch kann man nicht wirklich von einem 1.400-seitigen Werk sprechen, da es sich bei den Hyperion-Gesängen um zwei Bücher handelt, die mit einem Abstand von lediglich einem Jahr vom Autoren veröffentlicht worden sind. Beide Werke geben sich aber nahezu nahtlos die Hand und somit lassen sie sich problemlos als ein einziges Werk lesen. Wären diese beiden nicht in diesem Doppelband, so würde einem sowieso nichts anderes übrig bleiben, als den Blick nach dem Sturz Hyperions zu widmen.
Hyperion, ein Planet am Rande eines Universums, welches von uns Menschen auf unterschiedlichsten Planeten besiedelt worden ist. Hyperion, gleichzeitig der Hort eines sagenumwobenen Wesens, welches Dreh- und Angelpunkt  einer Religion darstellt. Hyperion, der Sitz der Zeitgräber, die sich in der Zeit rückwärts bewegen und somit eines Tages von selbst öffnen werden.
Nun begleiten wir als Leser eine Gruppe unterschiedlichster Menschen, die gemeinsam aber doch aus eigenem Antrieb eine Pilgerreise auf Hyperion antreten, um zu den besagten Zeitgräbern zu kommen und daraus ihr persönliches Lebensheil zu finden oder nach persönlichen Antworten zu suchen.
Diese Pilger wiederum erzählen in der ersten Hälfte des Doppelbandes ihre jeweilige Motivation und Lebensgeschichte, mit dem Ziel, dem jeweils anderen zu erklären, warum man sich die Strapazen dieser Pilgerreise annimmt.
Die dabei erzählten Geschichten kann man als Kurzgeschichten im Roman betrachten. Jede einzelne sehr umfangreich und detailliert dargelegt. Dabei offenbart sich zu jedem Pilger der persönliche Hintergrund und wir rücken sehr nahe an die jeweilige Person heran. Mehr noch: Man lernt ihn (oder sie) auf einer sehr interessanten und persönlichen Ebene kennen.
Sämtliche dieser Geschichten konnten mich durchweg überzeugen und ich war gebannt von der erzählerischen Dichte Dan Simmons. Bereits alleine für die erste Hälfte lohnt sich der Genuß auf Hyperion.
Die zweite Hälfte (Der Sturz Hyperions) entspricht dann eher einem “normalen” Roman und lässt uns noch tiefer in die politischen Probleme dieses Zeitalters eintauchen. Die Menschheit steht vor einem Krieg gegen einen übermächtigen Gegner, die Pilgerer sind immer noch auf dem Weg und die Präsidentin dieser Weltenvereinigung befindet sich kurz vor ihrer Entmachtung.
Ein wenig hat man hier noch das Gefühl, etwas zu vermissen – war man doch vorher noch geplättet ob der psychologischen Betrachtung der pilgernden Gruppe und nun befindet man sich in einem fast als üblich zu bezeichnenden SF-Roman.
Lässt man sich dabei jedoch ein, merkt man sehr deutlich, dass alle jeweiligen Gegebenheiten zusammenhängen und in irgendeiner Art und Weise interagieren.
Dan Simmons schafft es dabei sogar noch, weit über 1.000 Seiten zu erzählen und trotzdem zum Ende hin für einen Auflösungseffekt zu sorgen, mit dem man schlichtweg nicht wirklich gerechnet hat.
Die Hyperion-Gesänge sind somit durchweg geeignet, seinen Leser einfach mal wieder gedanklich abtauchen zu lassen. Oft sehr philosophisch angehaucht, was zum Nachdenken anregt, und dennoch darüber hinaus ein Science Fiction Werk, dessen Vielzahl an verschiedenen Ebenen einem gar nichts anderes mehr übrig lässt, als von Seite zu Seite zu hasten. Eines dieser Werke, bei denen man das Ende erfahren möchte und dennoch traurig ist, dass es dann eben zu Ende ist.
Nun gut, als Nachfolgemöglichkeit gibt es ja noch Dan Simmons Endymion.
Jürgen Seibold/19.06.2016
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Dan Simmons: Terror

Simmons_TerrorOriginaltitel: The Terror
Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader
© Heyne Verlag
ISBN: 978-3-453-40613-1
€ 10,95

COVER:

England im Jahr 1845: Unter dem Kommando von Sir John Franklin brechen die modernsten Schiffe ihrer Zeit – die „Terror“ und die „Erebus“ – auf, um die legendäre Nord-West-Passage zu finden: den Weg durch das ewige Eis der Arktis in den Pazifik. 130 Männer nehmen an der Expedition teil. Keiner von ihnen wird je zurückkehren. Dies ist ihre Geschichte.

Mit „Terror“ lässt Bestsellerautor Dan Simmons eine der geheimnisumwobensten Entdeckerfahrten der Menschheitsgeschichte lebendig werden: John Franklins Suche nach der Nord-West-Passage. Warum ist diese Expedition gescheitert? Wie konnten 130 Männer und zwei Schiffe verschwinden, ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen? Welchem Schrecken, welchem Terror sind sie im ewigen Eis begegnet? Aus diesen bis heute ungeklärten Fragen formt Dan Simmons eine atemberaubend spannende Geschichte, einen Roman, der Sie auf eines der größten Abenteuer mitnimmt, das es je gegeben hat …

REZENSION:

In den Jahren 1945 bis 1848 fand die in die Geschichte eingegangen Franklin-Expedition statt, bei der es sich um die letzte große Forschungsreise des Polarforschers Sir John Franklin handelte. Leider ist dabei jeder Beteiligte ums Leben gekommen.
Bei der Expedition wurden zwei Schiffe verwendet, die dem damals aktuellen Stand der Technik entsprachen: die HMS Erebus und die dem Buch den Namen gebende HMS Terror.
Wie der Geschichtsschreibung zu entnehmen ist, hatten die Expeditionsteilnehmer mit unsäglichen Problemen zu kämpfen, wobei unter anderem die Nahrungsmittelversorgung mit bleihaltigen Konserven nur eine von vielen darstellt.
Selbst umfassende und wiederkehrende Rettungsmaßnahmen konnten über den Verbleib und die Geschehnisse während der unglücklichen Expedition nur vage Auskunft geben.
Dan Simmons nahm sich dieser Thematik an und erschuf einen 1.000seitigen Roman, dessen Polarkälte beinahe spürbar ist.
Geschickt verwebt er dabei tiefgründiges und im Detail recherchiertes Wissen mit Legenden aus der Sagenwelt der Inuit, um nicht nur die Dramatik dieser Reise offen zu legen sondern auch genreübergreifend ein Wesen der Inuit mit daran beteiligen zu lassen.
Mit der Hinzufügung dieses Wesens als zusätzliche Gefahr auf dem Eis kann dieser absolut detailliert dargelegte Historienroman auch den ein oder anderen Leser weiterer Genre bei der Stange halten. Sicher: Es bringt auch ein wenig Unglaubwürdigkeit hinein, was aber die eigentliche Geschichte nicht sonderlich berührt – insbesondere, da man über die genauen Schicksale der Teilnehmer nicht viel weiß.
TERROR ist sehr hochwertig geschrieben und lässt einen direkt an dieser unsäglichen Expedition teilnehmen. Man weiß, dass diese Forschungsreise keinen Überlebenden birgt, möchte aber trotzdem die Geschehnisse begleiten.
Somit ist TERROR ein perfekt recherchierter historischer Roman, dem man – bis auf das ab und an auftretende „Monster“ – jede Zeile problemlos abnimmt. Man leidet förmlich mit und kann auch den zum Ende hin auftretenden Kannibalismus (der sich nach Angaben diverser Quellen auch tatsächlich abspielte) problemlos verstehen und akzeptieren.
Jürgen Seibold/04.10.2013 

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Wayne Simmons: Grippe

Aus dem Englischen von Andreas Schiffmann
© 2011 by Voodoo Press
ISBN 978-3-902802-30-0
ca. 280 Seiten / € 13,95

COVER:

Eine hartnäckige Grippe geht um – eine Epidemie sogar, wie manch einer behauptet. Auf Plakaten sagen sie dir, du sollst beim Niesen die Hand vor den Mund halten und Taschentücher nur einmal benutzen. Zu dumm, dass sich diese Grippe nicht von solchen Maßnahmen aufhalten lässt. Hast du sie dir erst eingefangen, klopfen schwer bewaffnete Polizisten an die Tür und sperren dich zu Hause ein, wo du alleine sterben musst – und das wirst du innerhalb weniger Tage. Wenn es dann mit dir zu Ende gegangen ist, dauert es keine zwei Stunden, und du schlägst die Augen wieder auf …

GRIPPE ist eine temporeiche und erschreckend realistische Zombie-Horror-Story.

REZENSION:

Wayne Simmons zweiter Roman mit dem kurzen aber aussagekräftigen Titel „Grippe“ wendet sich einem Thema zu, welches voller Klischees aber auch interessanten Aspekten steckt: Zombies!
Diese treiben ihr Unwesen in diesem Buch innerhalb eines geschlossenen Areals, der irischen Insel. Dadurch kann sich Simmons auf lokale Begebnisse beschränken und führt dies auch geflissentlich aus.
Bereits vor dem vermeintlichen Lesegenuss stellt man sich die ein oder andere Frage, da bereits diese örtliche Einschränkung als auch das Thema an sich mit vielen hochwertigen – nennen wir es historischen – Gegnern kämpfen muss und sich dadurch einer starken Konkurrenz zu erwehren hat.
Allein die Insel schiebt einen gedanklich an den recht gut umgesetzten Film „28 Days later“, der mit ähnlichen Versatzstücken spielt und als Film natürlich visuell sehr stark beeindruckt. Hinzu kommen politische Statements, wie es bereits sehr früh in der Geschichte der Zombies George A. Romero mit seiner genialen Umsetzung bei „Night of the living dead“ dargestellt worden ist.
Hier gibt es sicherlich noch sehr viele weitere – insbesondere visuelle – Blockbuster, die es einem Roman dieser Art natürlich schwer machen, hierin Fuß zu fassen.
Nichts desto trotz oder gerade deswegen ging ich beim Öffnen des Buches davon aus, dass Wayne Simmons einfach seinen Leser unterhalten möchte – somit gebe ich ihm auch diese Chance.
„Grippe“ erfindet das Genre definitiv nicht neu – dies könnte man mit Leichtigkeit dem Autor vorwerfen, andererseits hatte ich aber exakt davor Angst und somit fand während des Lesens ein gewisser Prozess der Überzeugung statt, da Simmons den „Standardzombie“ einfach so belässt wie er bisher in seiner Historie aufgetreten ist: Dämlich, vor sich hin schlurfend, nach Fleisch suchend. Ebenso wie bei in-die-Schule-gehende-Vampire hätte ich ein riesen Problem mit romantischen Zombies.
Allein durch diesen Umstand merkt man sehr deutlich, dass Simmons einfach einen Horrorroman schreiben wollte, der dem Leser unterhaltend zur Seite steht. Dies ist ihm auch gelungen, wobei er problemlos noch ein wenig tiefer in die Horrorkiste hätte greifen können.
Kurzum handelt es sich bei „Grippe“ zwar nicht gerade um ein literarisches Meisterwerk aber dennoch um einen soliden, gut unterhaltenden Horrorroman, bei dem man ab und an das ein oder andere Auge zudrücken muss (manche Reaktionen der Protagonisten sind doch ein wenig zweifelhaft) – dessen Autor aber zeigt, dass er sich bereits auf einem sehr guten Weg befindet und somit seine weiteren Veröffentlichungen wohlwollend zur Kenntnis genommen werden sollten. Ich denke, hier besteht sicherlich noch einiges an Potenzial.
Sicher könnte Simmons noch ein wenig blutiger und spannender seine Geschichten erzählen – mir hat „Grippe“ aber dennoch sehr gut gefallen.
Jürgen Seibold/06.02.2013

 

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