Frank Herbert: Der Herr des Wüstenplaneten

Originaltitel: Dune Messiah
Deutsche Übersetzung von Walter Brumm und Ronald M. Hahn
Vorliegendes Buch: Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1995
© der Originalausgabe by Frank Herbert
© der deutschen Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 254 Seiten

COVER:

Paul Atreides, ein Zuchtprodukt der uralten Sekte der Bene Gesserit, Sohn des ermordeten Herzogs Leto Atreides, ist in den extrem menschenfeindlichen Wüsten von Arrakis aufgewachsen. Er ist in die Schule der Fremen gegangen, der Reiter der Shai-Hulud, der gigantischen Sandwürmer des Wüstenplaneten. Sie haben ihn als Anführer erkoren und folgen ihm bedingungslos. Er ist der lang erwartete Prophet, und er ist ein Seher.
Als Mahdi führt er die Fremen in den Djihad, den Heiligen Krieg, und er fegt wie ein Sturmwind durch die Galaxis. In einem Siegeszug ohnegleichen pflanz er sein Banner auf alle von Menschen besiedelten Planeten und errichtet sein neues Imperium. Doch seine Machtfülle ruft Neider und Gegner auf den Plan, die unermüdlich auf Mittel sinnen, diese Herrschaft zu brechen.

REZENSION:

Nach dem unvermeidlichen Ende des fulminanten ersten Bandes im Zyklus des Wüstenplaneten, kann man nicht wirklich anders, als einmal kurz durch zu schnaufen, Band 1 zur Seite zu legen und noch in der gleichen Bewegung befindlich Band 2 zu ergreifen und vor den Augen zu platzieren.
Band 2 des Wüstenplaneten-Epos trägt den Titel “Der Herr des Wüstenplaneten” und spielt etwa 12 Jahre nach dem Ende des ersten Bandes.
Paul Atreides konnte dadurch zu einem jungen Mann heranwachsen und unwahrscheinlich viel bei den Fremen an Kenntnissen erlangen. Durch seine besonderen – dem Gewürz geschuldeten – Kräfte war es für ihn wohl eher ein leichtes, die Herrschaft über die Fremen zu erlangen und im Laufe der Jahre seinen Wirkungskreis in die gesamte Galaxie zu entfalten.
Dies ruft selbstverständlich eine Vielzahl an konkurrierenden Kräften auf, die ihre eigene Macht beziehungsweise ihren eigenen Status in Gefahr sehen. Die Verschwörungen nehmen rasant zu, die Angriffsplanungen gegenüber dem Alleinherrscher ebenfalls.
Im Gegensatz zu “Der Wüstenplanet” öffnet sich die recht kurz gehaltene Episode nicht ausreichend genug vor seinem Leser. Sicherlich lässt es sich weiterhin sehr eingängig lesen und wenn man nicht allzu viel Zeit zwischen dem Genuß von Buch 1 und diesem vergehen ließ, dann befindet man sich auch noch mitten in der Geschichte um Paul Atreides. Nichts desto trotz schafft es “Der Herr des Wüstenplaneten” nicht mal ansatzweise, den allumfassenden Flair seines Vorgängers zu erreichen. Diese Meinung zeigte sich nun auch beim zweiten Lesen dieses Werkes – dazwischen befanden sich sagenhafte 22 Jahre Abstand. Manchmal scheinet sich wohl an einer persönlichen Meinung nichts zu ändern.
“Der Herr des Wüstenplaneten” macht trotzdem ein wenig Spaß beim Lesen. Es ist aber gleichzeitig auch eine Abhandlung der unterschiedlichen Intrigen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass man die Umstände und Umgebung des Paul Atreides bereits kennenlernen durfte und er nun auch eher einem Übermenschen gleicht, als dem noch viel lernen zu müssenden, jungen Burschen. Somit verschwinden die Aha-Effekte und man folgt lediglich den tiefen und philosophisch stark angehauchten Dialogen – schlußendlich ist man erfreut, wenn die 250 Seiten erreicht wurden und man das Buch zur Seite legen kann.
Dies klingt jetzt böser als es sein soll. Beim Wüstenplaneten ist es aber auch ein recht schwieriges Terrain und ich denke, Neulinge sollten einfach den ersten Band als Einzelbuch betrachten, diesen genießen, für gut behalten und als fertig abhaken. Will man natürlich weiter in die Herbertsche Welt um den Wüstenplaneten eintauchen, bleibt einem natürlich nichts anderes übrig, als die Folgebände zu erforschen. Ich jedenfalls bin dabei ein wenig beruhigt, da ich mich noch vage daran erinnern kann, dass lediglich das dünne zweite Buch die Talfahrt einläutete. Die nächsten – sofern ich meiner Erinnerung glauben kann – bringen einen wieder in höhere Gelage.
Dummerweise kann es einem passieren, dass man nach Buch 2 eine kurze Wüstenplanet-Pause einlegt – mir ging es zumindest so, nichts desto trotz liegen die anderen vier zumindest schon bereit.
Jürgen Seibold/09.07.2017
Der Herr des Wüstenplaneten: Roman (Der Wüstenplanet, Band 2)

Frank Herbert: Der Wüstenplanet

Originaltitel: DUNE
Deutsche Übersetzung von Ronald M. Hahn
Vorliegendes Buch: Genehmigte Lizenzausgabe für Weltbild Verlag GmbH, Augsburg 1995
© der Originalausgabe by Frank Herbert
© der deutschen Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
ca. 700 Seiten

COVER:

Herzog Leto Atreides erhält vom Imperator Arrakis zum Lehen, den Wüstenplaneten, eine schreckliche Welt, in der nur die Stärksten überleben können. Aber gleichzeitig ist Arrakis die wertvollste Welt der Galaxis, denn nur in ihren Dünenfeldern ist das Melange zu finden, eine Droge, die den Menschen die Gabe verleiht, in die Zukunft zu blicken. Als der Herzog Arrakis betritt, ist er so gut wie tot. Seine mächtigen Gegner haben längst alles vorbereitet, um die Familie Atreides auszurotten. Doch seinem Sohn gelingt es, in die Wüste zu entkommen und bei den Fremen unterzutauchen. Er wird der Anführer, und sie nennen ihn Muad’dib. Er sammelt die Wüstenbeduinen um sich zu einem gnadenlosen Rachefeldzug.

REZENSION:

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass man den Buchtitel “Der Wüstenplanet” in den allgemeinen Sprachgebrauch übernehmen kann – ich glaube nämlich, dass es sicher nur wenige Menschen gibt, die mit diesem Begriff nichts anfangen können. Selbst “Nicht-Leser” wissen zumindest rudimentär, um was es sich beim Wüstenplaneten handelt.
Der namensgebende erste Band des Zyklus ist nach meinem Kenntnisstand in vollständiger Ausstattung erst seit 1978 auf dem deutschen Markt erhältlich. Ich selbst hatte es zuerst Mitte der 90er Jahre komplett gelesen.
Vor kurzem stöberte ich durch mein Bücherregal und schon entdeckte ich mich blätternd in den sechs Bänden des Wüstenplaneten. In Erinnerungen schwelgend entschied ich mich zu einem neuen Versuch, um dabei herauszubekommen, ob dieses Werk auch 22 Jahre nach dem ersten Genuß weiterhin noch funktioniert.
Wie sich dabei herausstellte: “Der Wüstenplanet” ist nicht umsonst ein Klassiker der Weltliteratur geworden. Man ist erneut in den Tiefen dieses heißen Planeten gefangen und man kann es fast nicht erwarten, bis der erste Wurm auftaucht.
Die Intrigen und religiösen Zusammenhänge konnten sich durch mein gesteigertes Alter sogar noch etwas stärker entfalten und man findet dabei sehr viele noch gültige Prozesse im Bezug auf die heutige Realität.
Der Schreibstil ist umfangreich und ausschweifend. Das Buch lebt sehr stark von seinen Dialogen und ist gleichzeitig ein Spiegelbild zu unserer Realität. Science-Fiction-Elemente sind eher nebensächlich – außer, dass wir uns in einer fernen Zukunft auf einem fernen Planeten befinden – wodurch das Buch absolut von jedem gerne Lesenden in die Hand genommen werden kann.
Prinzipiell würde es auch reichen, den ersten Band dieses Zyklus zu lesen – abgeschlossen genug ist er und wenn ich mich noch richtig daran erinnern kann, kommen einige der Folgebände auch nicht mehr ansatzweise an die Qualität des Erstlings heran.
Schlußendlich bleibt “Der Wüstenplanet” von Frank Herbert ein richtungsweisendes Werk.
Durch Rezensionen über die neu übersetzten Ausgaben habe ich erfahren, dass wohl die Qualität des Textes etwas gelitten hat. Dies kann ich durch die erneute Verwendung meines schon sehr alten Buches natürlich nicht nachvollziehen und somit weiße ich hiermit nur kurz darauf hin, dass meine Ausgabe von 1995 ist und zwar einer anderen Rechtschreibung folgt, aber durch und durch hochwertig und angenehm zu lesen ist. Sollte bei diesem Klassiker übersetzungstechnisch etwas geändert worden sein, wäre ich erneut verwundert, warum man sich bei einem Klassiker die Mühe macht, ihn in die heutige Sprache zu transferieren – aber dies hat jetzt nichts mit dieser Rezi zu tun.
Kurzum: DER WÜSTENPLANET funktioniert auch 22 Jahre später erneut und bleibt weiterhin eines der besten und wegweisendsten Werke dieses Genres.
Jürgen Seibold/09.07.2017
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Andreas Brandhorst: Das Arkonadia-Rätsel

©2017 Piper Verlag GmbH, München/Berlin
ISBN 978-3-492-70426-7
ca. 536 Seiten

COVER:

Omni ist ein mächtiger, uralter Bund, in dem sich die herrschenden Völker der Milchstraße zusammengeschlossen haben. Jasper und seine Tochter Jasmin gehören zu den wenigen Auserwählten, die in den Diensten Omnis stehen. Ihr Auftrag führt sie zu dem fernen Planeten Arkonadia. Seit Jahrtausenden stranden dort wieder und wieder Raumschiffe unter dem Einfluss einer unerklärlichen Raumzeit-Anomalie. Zudem bewirkt das geheimnisvolle Nerox, das alle 453 Jahre auftritt, technologischen Stillstand. Niemand kennt den Ursprung des Phänomens. Jasper und Jasmin setzen alles daran, das Rätsel von Arkonadia zu lösen.
Doch dabei stoßen sie auf eine Wahrheit, die das Schicksal aller Zivilisationen der Galaxis verändern wird…

REZENSION:

In den letzten Monaten hat es sich immer wieder ergeben, dass ich mich einem Werke des Science Fiction Autors namens Andreas Brandhorst widme. Dabei ergaben sich in meinen Augen jeweils zwei Punkte, die ein wenig konträr gegeneinander laufen: Seine Bücher haben mir von der Thematik jedesmal uneingeschränkt gefallen. Im Gegenzug hatte ich aber bei seinen Werken auch oft das Gefühl, dass Herr Brandhorst ein wenig zu detailverliebt ist und seine Zukunftsvisionen in aller Breite und Tiefe vor des Lesers Augen ausbreiten und erklären möchte. Das war mir dann doch ab und an ein wenig zu viel – hier wäre in meinen Augen oft etwas weniger etwas mehr gewesen.
Mir ist bewusst, dass es eine große SF-Fan-Gemeinde gibt, die in erster Linie auf die Visionen eines Autoren Wert legen. Für mich ist ein Roman in erster Linie ein Mittel zum Zweck: Er muss es schaffen, mir eine ausreichende Unterhaltung zu bieten. Je mehr ich eintauchen kann beziehungsweise gefesselt bin, desto mehr Wertigkeit bekommt die Geschichte aus meiner rein privaten Lesesicht.
Beim Vorgängerband zu “Das Arkonadia-Rätsel” namens “OMNI” konnte mich der Autor auf Basis seiner Idee und seinem philosophischen Ansatz durchweg überzeugen – nichts desto trotz war dort ebenso etwas viel Technik, die mir keine großartige Hilfe auf dem Weg zur Geschichte gab.
Nun also “Das Arkonadia-Rätsel”, welches unbedingt auf meinem Lesestapel landen musste, da ich unbedingt wissen wollte, wie es im “Omniversium” weitergehen wird.
Bei diesem Werk ist mir dann zum ersten Mal in meinem Leben etwas passiert, worüber ich normalerweise nur schmunzeln konnte: Ich war in das Buch vertieft und verpasste meine U-Bahn-Station. Das allein spricht schon für dieses Werk.
Im Arkonadia-Rätsel hatte ich uneingeschränkt das Gefühl, dass Andreas Brandhorst seinen Fokus auf die Geschichte legte. Sicherlich ist die Technik notwendig – hier scheint sie jedoch einfach vorhanden zu sein und es wird nicht zu viel davon integriert. Genau deshalb scheint diese Episode aus der Welt von Omni bei mir so gut zu funktionieren; mir ist es nämlich als Nicht-Techniker fast egal, wie z.B. ein iPhone funktioniert und gerade deswegen würde es mich auch in einem Roman, welcher in der heutigen Zeit spielt, sehr nerven, wenn mir die Technik ausschweifend dargelegt werden würde. Ich bin mir sicher, dass in 10.000 Jahren oder noch später jemand eher an der Technik eines alten iPhones im Museum interessiert wäre, als an der dann aktuell vorhandenen Technik.
Aber ich schweife ab: Bei “Das Arkonadia-Rätsel” ist dies ja nicht der Fall! Hier hat es der Autor geschafft, eine sehr rasante Geschichte zu entwickeln, die durch die nicht zu langen Kapitel und die jeweils auftretenden Wechsel der Protagonisten sehr schnell geschnitten wirkt, was lediglich dazu führte, dass man schlichtweg einfach weiter lesen musste.
Im Laufe des Bandes wurde ich weit in die Zukunft hineingezogen und ich bin wirklich durchweg von diesem Buch überzeugt.
Sicher, es wäre hilfreich und auch angeraten, sich vorher dem ersten Buch namens “OMNI” zu widmen – dadurch lernt man Brandhorsts Welten kennen und vielleicht ist das Buch auch der Grund, warum der Autor etwas weniger ins Detail gehen musste oder wollte.
“Das Arkonadia-Rätsel” ist jedenfalls ein absoluter Tipp aus der Welt der anspruchsvollen, philosophischen und angenehm unaufgeregt erzählten Science Fiction; gleichzeitig trotzdem spannend und in meinen Augen das beste Buch, welches ich bisher von Andreas Brandhorst gelesen habe – und das waren dann doch schon einige.
Absolut gelungen und ich würde mich freuen, wenn der Autor erneut seinen Weg in Richtung Omniversum sucht und findet.
Jürgen Seibold/28.05.2017

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Jeff VanderMeer: Autorität – Southern-Reach-Trilogie II

Originaltitel: Authority
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe Mai 2017
Knaur Taschenbuch
© 2014 VanderMeer Creative, Inc.
© 2015 der deutschen Ausgabe: Verlag Antje Kunstmann GmbH, München
© 2017 der Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51805-2
ca. 365 Seiten

COVER:

Nach der katastrophalen zwölften Expedition, die Area X erkunden sollte, befindet sich die verantwortliche Organisation Southern Reach in Auflösung. John Rodriguez, der neu ernannte Kopf von Southern Reach, muss sich durch eine Reihe frustrierender Verhöre, einen Berg verschlüsselter Notizen und Stunden verstörender Videoaufnahmen arbeiten, um die Geheimnisse von Area X vielleicht doch noch zu lüften. Aber jede neue Entdeckung konfrontiert ihn mit bestürzenden Wahrheiten – über sich selbst, seine Kollegen und die Organisation, der er die Treue geschworen hat.

REZENSION:

Nach dem Lesen vom ersten Buch dieser Trilogie – mit dem Titel “Auslöschung” – blieb ich relativ verwirrt zurück. Zum Einen lag das daran, dass der Autor den ersten Band in der Ich-Form geschrieben hatte und man sozusagen ein Tagebuch liest. Hierbei hatte ich einfach Probleme, so richtig einzutauchen. Darüber hinaus wirkte es – was aber bei einem Tagebuch auch wieder logisch ist – wie eine sehr subjektive Erzählung einer einzelnen Person. Dadurch ergab sich der zweite Umstand, denn es entstanden eine Reihe von Fragezeichen in meinen Gedankengängen – somit blieb ich etwas unbefriedigt und zwiespältig zurück.
Nichts desto trotz war es dadurch unbedingt notwendig, mich auch dem zweiten Band zu widmen – vor allem in der Hoffnung, ein wenig mehr Klarheit zu bekommen.
Im Gegensatz zum ersten Band ist “Autorität” in der dritten Person geschrieben, was mir persönlich etwas besser liegt. Gleichzeitig spielt der Roman fast durchweg innerhalb der Mauern von Southern Reach. Die ominöse Pflanzenwelt namens AREA X wird nicht betreten.
Das Buch geht dadurch gänzlich andere Wege, als man es im Vorhinein beim Lesen der Rahmenhandlung auf dem Cover erwartet.
Wir begleiten John – hauptsächlich “Control” genannt – auf seiner internen Erforschung der bisherigen Begebenheiten. Dadurch entstehen neue Fragezeichen; gleichzeitig muss ich zugute halten, dass sich auch manch kleines Fragezeichen auflöst.
Sehr gelungen halte ich die Integration der Biologin, die im ersten Band das Tagebuch geschrieben hatte. Nachdem man sie gefunden hatte, hat man sie in Buch 2 innerhalb der Organisation in Gewahrsam genommen. Sie muss sich dabei in recht regelmäßigen Abständen von Control verhören lassen. Hierbei lässt sie nur sehr wenig heraus, was auch ein weiterer Grund ist, warum Control nicht wirklich weiter kommt und lediglich Mutmaßungen trifft. Hier ist man als Leser definitiv im Vorteil, da man ja das Tagebuch bereits kennt und somit sehr schön beobachten kann, ob Control auf dem richtigen Wege ist.
Ebenso wie in Band 1 fehlt es der Geschichte etwas an Spannung. “Autorität” ist eher ein Psychogramm von John Rodriguez. Dadurch bleibt der Ton ruhig, wird ab und an thematisch verstörend und wie ein Spanner beobachtet man Control, wie er immer mehr abzudriften scheint.
Über die Geheimnisse von Area X erfährt man nicht wirklich etwas neues – man stochert somit genauso im Trüben, wie alle namhaften Wissenschaftler, Expeditionen und Organisationen. Prinzipiell auch wieder nachvollziehbar: Wie soll der Leser mehr wissen, als die Personen im Buch?
Zum Ende hin hat die Story in meinen Augen ein klein wenig nachgelassen. Dies lag aber vor allem daran, dass man endlich Antworten oder Spannung bekommen möchte. Ein reines Psychogramm auf Dauer ist dann doch etwas anstrengend und für manchen auch langweilig – ist ja eine Fiktion.
Alles in allem geht die Story jedenfalls voran und ich hoffe wirklich sehr, dass sich im Abschlussband alles bisher aufgeworfene auflösen wird. Dies dann auch noch so, dass man als Leser auch überzeugt ist.
Sollte dies der Fall sein, ist die Trilogie sicher eine sehr nennenswerte Trilogie – verliert er mich im dritten Band, könnte es genau das Gegenteil sein. Ich will es mal nicht hoffen und freue mich bereits auf die Lüftung der Area X-Geheimnisse.
Jürgen Seibold/13.05.2017
Autorität: Buch 2 der Southern Reach Trilogie – KAUFEN BEI AMAZON

Robert Corvus: Feuer der Leere

© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2017
ISBN 978-3-492-70439-7
ca. 495 Seiten

COVER:

Der Weltraum der Zukunft kennt keine Gnade. Die letzten Menschen ziehen in Großraumschiffen durch die Galaxis, ihr Leben geprägt vom ständigen Kampf um Ressourcen mit anderen Spezies. Ihre größten Feinde, die Giats, jagen sie erbarmungslos.
Rila und Starn sind Geschwister, aber außer ihrem Wunsch, das Überleben ihrer Spezies zu sichern, verbindet sie wenig. Während sich Rila als Kampfpilotin einen Namen macht, hat sich Starn von seiner Militärkarriere abgewandt. Als Xenofarmer versorgt er die Flotte mit Nahrungsmitteln. Dazu müssen die Menschen auf Cochada zwischenlanden, einem Planeten, der überraschende Ähnlichkeit zur Erde aufweist. Doch was bedeutet dieser Kontakt für die Bewohner des Planeten – ihren Untergang oder eine Blüte ihrer Zivilisation? Und noch während die Menschen um ihre Existenz kämpfen, ereignet sich auf der SQUID, dem einzigen außerirdischen Raumschiff der menschlichen Flotte, Unglaubliches. Denn die SQUID ist eine riesige Lebensform und Ugrôn, ein Besatzungsmitglied und Jünger des Void, lauscht auf den Gesang des Schiffes in seinem Fleisch. Er betritt einen Pfad, den niemals zuvor ein Mensch bestritten hat.

REZENSION:

FEUER DER LEERE von Robert Corvus startet bereits am Anfang mit einer detailliert beschriebenen Raumschlacht zwischen den Menschen und ihren Widersachern, den Giats. Bereits hier lernt man die erste Protagonistin kennen und man ist erfreut ob ihres Wagemuts.
Bereits hier erkennt man die Liebe des Autors zum Detail. Davon lässt er auch nicht los und lässt eine unwahrscheinlich interessante Welt vor des Lesers Augen entstehen. Man ist schier geplättet von dieser liebevoll und bis ins kleinste Detail gezeichnetem Umgebung in den tiefen Welten des Universums.
Sämtliche Raumschiffe und ganz besonders die SQUID – ein von den Menschen genutztes, außerirdisches und lebendes Raumschiff – zeugt von dem Ideenreichtum Robert Corvus.
Dies trifft auch auf seine wichtigsten Darsteller zu. Interessanterweise handelt es sich dabei hauptsächlich um drei Personen: Die wagemutige Rila, ihr Bruder Starn, der sich vom Militär abgewandt hatte und Ugrôn, ein Passagier auf der SQUID, der auf nahezu unbeschreibliche Weise eine ganz besondere Rolle in Verbindung mit dem Raumschiff eingeht.
Nebenbei handelt es sich bei dem aus mehreren Raumschiffen bestehenden Schwarm um die kläglichen Reste der gesamten Menschheit, die durch die Welten reisen, um ihr eigenes Überleben zu sichern.
Prinzipiell somit ein sehr interessanter Plot mit allen notwendigen Zutaten, die man dafür benötigt: Weltraumkämpfe, verschiedene Lebensformen, unterschiedlichste Welten, atemberaubende Raumschiffe und immer auf der Suche nach einer Möglichkeit, der eigenen Spezies eine Zukunft zu bieten.
Nun ist es aber leider so, dass Robert Corvus zwar diese genialen Zutaten entwickelte und sehr detailliert in diesem beinahe 500 Seiten langen Plot einbaut – dabei aber ein wenig zu sehr seine Personen auf der Strecke lässt. Die Geschichte wird somit zu einer Geschichte ohne wirklichem Antrieb durch seine Protagonisten und deren Erlebnissen. Sicher, es ist sehr interessant zu lesen, welchen Einfluss die SQUID auf Ugrôn nimmt – hier könnte man durch den dezenten Touch einer Religion auch den auf dem Buchrücken befindlichen Vergleich zu dem fulminanten Klassiker DER WÜSTENPLANET ziehen. Nichts desto trotz hatte DER WÜSTENPLANET trotz seines starken philosophischen Ansatzes erheblich mehr Drive in der eigentlichen Geschichte. FEUER DER LEERE würde man abbrechen, wäre da nicht die detailreiche Zeichnung der jeweiligen Umgebung. Irgendwie konnte mich diese immer wieder dazu antreiben, dieses Buch weiter zu lesen und gar zu beenden. Es blieb aber trotzdem ein leeres Gefühl, den irgendetwas fehlte einfach, um eine in sich treibende Story zu erkennen.
Man könnte fast sagen, eine Geschichte ohne wirkliche Geschichte, die aber interessanterweise wohl trotzdem bei manchem funktionieren könnte.
Ich persönlich bin immer noch ein wenig irritiert, denn zum einen ziehe ich vor diesem Autor wahrlich meinen Hut, denn der Schreibstil und das großartige Ausschweifen und die sehr detaillierte Zeichnung ist auf einem sehr hohen Niveau und lässt den Leser in die beschriebene Welt problemlos eintauchen – zum anderen fehlte mir einfach der wirkliche Plot, um dieses Werk in gebührender Erinnerung zu behalten.
Hier wäre somit etwas weniger Detail, dafür mehr Story sicher besser gewesen.
Jürgen Seibold/30.04.2017
Feuer der Leere: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Jeff VanderMeer: Auslöschung – Southern-Reach-Trilogie

Originaltitel: Annihilation
Aus dem Englischen von Michael Kellner
Vollständige Taschenbuchausgabe März 2017
© 2014 VanderMeerCreative, Inc.
© 2014 der deutschen Taschenbuchausgabe: Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-51804-5
ca. 234 Seiten

COVER:

Geheimnisvolle Flora und Fauna, ebenso makellos wie verstörend, hat ein Gebiet an der amerikanischen Küste übernommen, und die entfesselte Natur dehnt sich unaufhaltsam immer weiter aus. Nur, was geschieht dort? Elf Expeditionen haben vergeblich versucht, Antworten zu finden. Ihre Teilnehmer kehrten entweder gar nicht zurück oder auf eine unheimliche Weise verändert. Jetzt entsendet das Southern Reach-Institut eine zwölfte Expedition – doch was hat sie der Faszination und dem Grauen von Area X entgegenzusetzen?

REZENSION:

Die Southern Reach-Trilogie von Jeff VanderMeer konnte sich eine Vielzahl namhafter Literaturpreise ergattern – darunter en Hugo, den Nebula, den BSFA und auch den World Fantasy Award. Somit bleibt einem prinzipiell ja schon fast nichts anderes mehr übrig, als auch in dieses Buch die eigene Nase zu stecken.
Auslöschung ist dabei der erste Band der Trilogie – wirkt mit seinen knapp über 200 Seiten aber nicht gerade ausschweifend.
Geschrieben ist dieser erste Band in der Ich-Form, die sowohl Vor- als auch Nachteile in sich hat. Mir persönlich wäre bei diesem ersten Band wohl die Sicht aus der dritten Person etwas lieber gewesen – gleichzeitig wird einem beim Lesen aber auch sehr schnell bewusst, dass der Autor diesen Stil mit Sicherheit absichtlich verwendet hatte, da eine Geschichte bestehend aus Tagebucheinträgen den Leser unter Umständen auf eine falsche Spur bringen kann – liest man doch ausschließlich aus der Sicht einer einzigen Protagonistin.
Wir begleiten in AUSLÖSCHUNG eine Anthropologin, eine Landvermesserin, eine Psychologin und die dieses Tagebuch schreibende Biologin auf ihrer Expedition in die Area X – ein Areal, dass von der Natur auf geheimnisvolle Art übernommen worden ist und sich immer weiter ausbreitet. Hierbei handelt es sich bereits um die zwölfte Expedition – alle bisherigen führten weder zu einem Ergebnis noch zu einem einigermaßen erfolgreichen Ende. Im Gegenteil: Entweder kamen die Teilnehmer nicht mehr zurück und blieben verschollen oder aber sie waren nicht mehr sie selbst und konnten sich auch an nichts relevantes mehr erinnern.
Sehr schnell bekommt man mit, dass hier einiges nicht so zu sein scheint, wie es sich zuerst darstellt. Dies betrifft auch die Teilnehmer dieser kleinen Expedition.
Nachdem AUSLÖSCHUNG anhand von Tagebucheinträgen seine Geschichte erzählt bleibt einem nur der Glaube an die hoffentlich vorhandene Ehrlichkeit der Biologin. Gleichzeitig werden dadurch aber auch eine Vielzahl an Fragen eröffnet, die sich leider – hier im ersten Band – nicht auflösen. Darüber hinaus würde man sich sehr über tiefergehende Details freuen, worauf die Tagebuchschreiberin aber verzichtet.
Der Vergleich zu dem Serienblockbuster LOST ist somit gegeben und ich kann nur hoffen, dass man nach  den beiden Folgebänden nicht weiterhin mit ungelösten Fragezeichen auf der Strecke bleibt.
Für mich persönlich war es etwas schwierig, in dieses Buch eintauchen zu können. Irgendwie konnte ich mich mit der Protagonistin nicht identifizieren – nichts desto trotz wollte ich der Geschichte weiter folgen, da man sich doch treiben lässt und dadurch das Interesse an Area X – wie die Pflanzen – zu wachsen beginnt.
Spannung lässt die Story dabei leider ein wenig missen – muss man aber wohl auch dem Stil zuschreiben, da selten jemand einen Tagebucheintrag im Stile eines spannungsgeladenen Romans schreibt.
Alles in allem hinterließ mich der erste Band recht zwiespältig zurück – nichts desto trotz bleibt der Drang nach den Folgebänden und ich hoffe sehr, dass diese dem ersten Band etwas draufsetzen können, da sonst die Geschichte meine Erwartungen nicht erfüllen kann. Meines Wissens ist im Folgeband die Ich-Form wohl kein Thema mehr und somit könnte ich mir gut vorstellen, dass der Autor dann etwas mehr ausholt. Nun, ich werde mich überraschen lassen…
Jürgen Seibold/30.04.2017

 
Auslöschung #1 Southern-Reach-Trilogie: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

George Orwell: 1984

Originaltitel: 1984
Übersetzt von Michael Walter
© 1949 by The Estate of Eric Blair
© für die deutsche Ausgabe: Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2004
ISBN 978-3-548-23410-6
ca. 384 Seiten

COVER:

Ozeanien, eine von drei Supermächten, die die Welt untereinander aufgeteilt haben, stützt sein System auf eine Ideologie, die auf der Veränderlichkeit der Vergangenheit beruht. Im Ministerium für Wahrheit, das für die Verfälschung der Geschichte nach Parteilinie zuständig ist, arbeitet der 39jährige Winston Smith. Eine Liebesaffäre mit Julia, Technikerin an einer Romanschreibmaschine und Aktivistin der Anti-Sex-Liga, wird für Winston zu einem Akt des Widerstands gegen das System. Trotz ständiger Überwachung durch die Gedankenpolizei können die beiden Liebenden sich heimlich in einem Zimmer in dem überwiegend “Proles” bewohnten Teil Londons treffen. Dort lernen sie auch den Widerstandskämpfer O’Brien kennen, der ihnen ein Buch von Emmanuel Goldstein gibt, dem Feind und Gegenstand des Volkshasses. Der Glaube, in ihrer Liebe innere Freiheit zu erlangen und durch die Lektüre des “geheimen Buches” das Wesen ihrer Gesellschaft verstanden zu haben, erweist sich als Trugschluß. Denn irgendwann gewinnt der “Große Bruder” auch Macht über Winston.

REZENSION:

1984 von George Orwell steht gemeinsam mit “Schöne Neue Welt” von Huxley alleine auf einem ganz besonderen Regal. Beide Werke sind Alleinstellungsmerkmal einer jeweils visionären Geschichte, deren Inhalt noch immer eine unbeschreibliche Bedeutung für die heutige Zeit hat.
Obwohl beide Werke gänzlich unterschiedlich vorgehen, wird man ihren Inhalt nicht mehr vergessen und hoffentlich den ein oder anderen gedanklich auf den richtigen Weg bringen.
1984 beschreibt dabei ein totalitäres System, in dem der Bürger durch und durch von der herrschenden Partei gelenkt und geführt wird. Eigene Gedanken sind nicht erwünscht. Die Bürger werden überwacht und können sich dieser Überwachung auch keineswegs entziehen.
Die Partei steht dabei nicht nur für die Gegenwart oder die Zukunft – sie legt auch fest, wie die Vergangenheit ausgesehen hat.
Kleinste Verfehlungen werden geahndet und somit kann es urplötzlich sein, dass jemand einfach verschwindet. “Verschwinden” heisst in diesem System aber gleichzeitig eine absolute Ausrottung sämtlicher Informationen über diesen Bürger – so, als ob er niemals existiert hätte.
Winston Smith versucht sich dem zu entziehen und öffnet sich einem vermeintlichen Widerstand. Nach und nach stellt sich jedoch heraus, dass der “Große Bruder” weit mehr Macht hat, als er sich jemals vorstellen konnte.
1984 ist ein absolutes Pflichtbuch für nahezu jeden Menschen auf diesem Planeten. Orwell hat es zwar mit Sicherheit in Gedanken an die totalitären Systeme des Zweiten Weltkriegs geschrieben, erschuf dabei aber einen sehr visionären Roman mit einer Doppelzüngigkeit, die seinesgleichen sucht.
Sicher, manchesmal wirkt es ein wenig steif und aus seiner Zeit gefallen. Dies stört diesem hintersinnigen Werk aber nicht eine Sekunde.
1984 ist dabei nichts anderes als die Drehung der Jahreszahl, in der Orwell das Buch geschrieben hat (1948), somit ist der Titel nicht wirklich wichtig – im Gegenteil, es bekommt von Tag zu Tag mehr Brisanz, als man sich bereits im Jahre 1984 vorstellen konnte.
Einfach ein Klassiker, den man gelesen haben muss.
Jürgen Seibold/22.03.2017
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Andreas Brandhorst: Kinder der Ewigkeit

Originalausgabe 04/2010
© 2010 by Andreas Brandhorst
© 2010 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-52610-5
ca. 687 Seiten

COVER:

Die ferne Zukunft: In der von den unsterblichen “Erlauchten” regierten interstellaren Gesellschaft kann sich nicht jeder den Aufstieg zum ewigen Leben durch Meriten verdienen. Wer in den “Gemischten Gebieten” geboren wird, ist von vornherein zur Sterblichkeit verdammt. Doch in der Schattenwelt sind etliche Profiteure und Quacksalber bereit, gegen entsprechende Entlohnung den angeblichen Makel aus der Genstruktur zu entfernen – allerdings nicht immer mit Erfolg.

Esebian hat den radikalen Weg zu den “Hohen Welten” gewählt und als Auftragskiller in unterschiedlichen Identitäten Meriten für den Aufstieg gesammelt. Dann entschließt er sich, das Töten zu beenden und als Wissenschaftler zu arbeiten. Als er jedoch erpresst wird, El’Kalentar, den Direktoriatsvorsitzenden der “Erlauchten” zu ermorden, hofft er, durch einen letzten Akt der Gewalt die Pforte zur Unsterblichkeit aufstoßen zu können.

Aber wer kann ein Interesse am Tod El’Kalentars haben? Ein Konkurrent, der El’Kalentars Position einnehmen will? Das Untergrund-Netzwerk Aurora, das gegen die Diskriminierung der “Gemischten Gebiete” kämpft? Oder gar die Magister, Maschinenwesen mit einer gigantischen Datenverarbeitungskapazität, die über die Einhaltung der Gesetze auf den “Hohen Welten” wachen? Trotz aller Bedenken führt Esebian den Auftrag aus. Doch der Lohn ist nicht Unsterblichkeit, ganz im Gegenteil …

REZENSION:

Wenn man der Coverbeschreibung von “Kinder der Ewigkeit” glauben möchte, dann könnte man davon ausgehen, es hier mit einem typischen Thriller in der fernen Zukunft zu tun zu haben. Genau das dachte ich ehrlicherweise ebenfalls – somit ganz einfach: Ein Auftragsmörder erledigt seinen Auftrag, welcher sicherlich nicht einfach ist und somit auch eine hohe Seitenzahl vonnöten ist.
Wie sich dabei jedoch herausstellen sollte, ist der Auftrag relativ schnell erledigt und man hat noch einige hunderte an Seiten vor sich. Somit sei schon einmal jeder vorgewarnt: Die Geschichte entfaltet sich dann erst und wird auch – bezogen auf die reine Handlung – immer interessanter.
Die Ideen in diesem Werk sind wirklich sagenhaft und man kommt nicht umhin, immer mal wieder über die Unsterblichkeit nachzudenken. Was wäre denn, wenn das wirklich möglich sein könnte?
Andreas Brandhorst ist bekannt für seine detaillierte Beschreibung der von ihm entwickelten Zukunftswelt. Dies kann zum Vorteil führen, aber auch nachteilig wirken. Ich bin in diesem Fall ein wenig zwiegespalten. Einerseits hat mich die Geschichte wirklich durchweg überzeugt und somit konnte ich dem Buch auch weiterhin die Stange halten. Andererseits fiel mir aber genau das auch manches mal ein wenig schwer, da es beizeiten etwas zu viel an Umgebungsdetails waren. Ob diese technischen Elemente nun möglich oder lediglich vom Autor erfunden worden sind, entzieht sich meiner Kenntnis – dennoch war es gefühlt recht oft ein wenig zu viel an Hintergrund- und Detailinformation. Interessanterweise wirkte dennoch der Plot ausreichend, um ihm bis zum Schluß die Chance zu geben. Eine Enttäuschung trat dabei glücklicherweise nicht auf und somit ist “Kinder der Ewigkeit” dennoch ein gelungener Science Fiction Roman, der überzeugen kann. Aus meiner Sicht hätte man aber locker ein drittel weglassen können.
Aber wie gesagt: Es handelt sich hier um einen sehr zwiespältigen Eindruck und somit gibt die Geschichte  ausreichend Material für einen Leser, der sehr detailliert in die Tiefen und Philosophien einer Geschichte eintauchen möchte. Ich bin jedenfalls froh, bis zum Ende durchgehalten zu haben, da der Plot durchweg außerordentlich interessant ist und trotz der Detailverliebtheit stringent nach vorne getrieben worden ist.
Jürgen Seibold/18.03.2017
Kinder der Ewigkeit: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Aldous Huxley: Schöne Neue Welt

Originaltitel: Brave New World
Aus dem Englischen von Uda Strätling
© 1932 Mrs Laura Huxley
© für die deutschsprachige Übersetzung: S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2013
ISBN 978-3-596-95015-7
ca. 364 Seiten

COVER:

“Schließlich ist es, wo immer die Massen politische Macht errangen, stets eher um Glück als um Wahrheit und Schönheit gegangen.”

1932 erschien einer der wichtigsten utopischen Romane des 20. Jahrhunderts: ein heimtückisch verführerischer Aufriss unserer Zukunft, in der das Glück verabreicht wird in Form einer Tablette. Sex und Konsum fegen alle Bedenken hinweg, und Fertilisationsstationen haben das Fortpflanzungsproblem gelöst. Es ist die beste aller Welten – bis einer von außen dahinter blickt und einen Abgrund aus Arroganz und Verzweiflung entdeckt.

REZENSION:

Man muss sich beim Lesen dieses Werkes immer wieder vor Augen halten, dass dieses Buch bereits im Jahre 1932 erschienen ist. Allein dadurch ist man geplättet ob der Vision Aldous Huxelys. Gleichzeitig merkt man immer mehr, dass seine dargestellte Zeit – die in etwa im Jahre 2500 nach unserer Zeitrechnung stattfinden sollte – uns immer schneller und immer mehr einholt.
Doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob nicht die Mehrheit der Menschen unseres Planeten überhaupt mit der von Huxley als Zivilisation dargestellten Welt ein Problem hätten. Immerhin ist man von klein auf dazu konditioniert, während der täglichen Arbeit Freude zu empfinden. Sex ist nicht auf einen Partner fixiert, sondern kann mit wem auch immer als reiner Zeitvertreib durchgeführt werden. Sollte einem dann doch mal langweilig werden, gibt es noch die Flucht in den Alltagsurlaub anhand einer Droge, die erlaubt ist, keine Nebenwirkungen hat und den Nutzer geistig dahintreiben lässt.
Stellt sich somit die Frage, ob das nicht für viele ein angenehmen Leben darstelle würde – somit eine SCHÖNE NEUE WELT.
Es gibt auf unserem Planeten aber auch noch Bereiche, in denen Menschen auf normale Art und Weise gezeugt werden. Diese Bereiche werden von der Zivilisation aber höchstens als Urlaubsort verwendet – leben dort doch nur Wilde…
Eines Tages – durch gewisse Umstände – kommt einer dieser “Wilden” in die hochgepriesene Zivilisation, in der jeder Mensch glücklich und zufrieden vor sich hinlebt. Ab diesem Augenblick stellt man sich die Frage, ob dieser “Wilde” nicht eher der Spiegel ist, der uns vorgehalten wird – oder besser gesagt: Der Wilde stellt sich dieser Oberflächlichkeit entgegen und man hofft nahezu, eher als dieser Wilde eine Rolle spielen zu können. Andererseits wäre man ja nichts weiter als ein kleines Rädchen innerhalb einer durchdachten Zivilisation, in der man einfach nur vor sich hin lebt und sich dabei auch noch zufrieden fühlt.
Neben dieser Vielzahl an unterschiedlichen Gedanken, die dieses Werk entstehen lässt (und ja: es tauchen noch erheblich mehr auf), ist es dabei auch noch als durchweg visionär zu betrachten, welche Techniken der Autor in seine Geschichte einwebt. Man darf weiterhin nicht vergessen: Das Buch ist aus dem Jahre 1932!!! Nahezu alles, was Huxley darin beschreibt, hat uns schon eingeholt. Noch nicht in der schlußendlichen Ausprägung – der Weg dorthin ist aber erschreckenderweise geebnet und somit stellt sich die Frage, ob es sich bei diesem Roman nicht gar um eine Vorhersage handelt?
Noch einige wenige Generationen und wir könnten uns in dieser oberflächlichen Welt befinden. Ich denke, da sollte man zumindest ein klein wenig versuchen, dies nicht geschehen zu lassen.
Man könnte natürlich auch sagen, es handelt sich hier nur um eine Science Fiction Geschichte eines Schriftstellers – gibt ja auch heute genug davon – aber was, wenn doch mehr dahinter steckt?
In meinen Augen ist jedenfalls SCHÖNE NEUE WELT ein sehr visionärer Roman, dessen Thema – nun fast 90 Jahre später – uns immer schneller einholt. Gleichzeitig ist das Buch in dieser Übersetzung erfreulicherweise sehr gut zu lesen.
Mich hat dieses Werk sehr nachdenklich zurückgelassen und man ertappt sich dabei, ob man sich für ein ungefährliches Leben mit Sex und Drogen als Freizeitbeschäftigung oder aber für eine Art Freiheit, die aber gleichzeitig schwieriger aufrecht zu erhalten ist, entscheiden würde.
Macht euch einfach ein Bild und nehmt dieses Werk mit auf eure absolute muss-gelesen-werden-Liste.
Einer der besten visionären Science-Fiction-Romane aller Zeiten.
Jürgen Seibold/05.03.2017
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Andreas Brandhorst: Omni

omni_brandhorst© Piper Verlag GmbH, München/Berlin 2016
ISBN 978-3-492-70359-8
ca. 560 Seiten

COVER:

Aurelius, vor zehntausend Jahren auf der legendären Erde geboren, ist einer von nur sechs Menschen, die Zugang zu Omni haben, einem Zusammenschluss von Superzivilisationen, der die Macht über die Milchstraße innehat. Nun erhält Aurelius seinen letzten Auftrag: Er soll verhindern, dass ein rätselhaftes Artefakt an Bord des im Hyperraum gestrandeten Raumschiffs Kuritania in falsche Hände gerät. Eine einflussreiche Schattenorganisation ist dem Wrack bereits auf der Spur. Der Agent Forrester und seine Tochter Zinnober sollen den Fund bergen und Aurelius entführen – denn mit seiner Hilfe könnte das Artefakt wieder aktiviert werden. Doch die Mission gerät außer Kontrolle – und Aurelius, Forrester und Zinnober finden sich in einem undurchsichtigen Spiel wieder, das die Zukunft der ganzen Menschheit bedroht …

REZENSION:

Vor einiger Zeit begann in mir ein kleines Pflänzchen zu wachsen: Der zarte Wille, sich ein wenig verstärkt dem Science-Fiction-Genre zuzuwenden. Natürlich sollten die Bücher dann unbedingt entweder absolute Klassiker sein oder anspruchsvoll genug, um mich als Leser uneingeschränkt mitnehmen zu können.
Bei meiner Recherche stieß ich dabei auf eine Vielzahl namhafter Autoren – vor allem aus den Staaten und Großbritannien. Es tauchte aber auch jedesmal ein deutscher Name auf: Andreas Brandhorst.
Dies allein fand ich schon außerordentlich interessant, widmete mich aber dennoch erst einmal anderen Werken längst vergangener Zeiten.
Durch eine Blogtour gab es eines Tages für mich die Gelegenheit, „Das Schiff“ von eben diesem Herrn Brandhorst zu lesen und wie man der dazu gehörigen Rezension von mir entnehmen kann, konnte mich dieses Werk auch überzeugen.
Nach einem gefühlt sehr kurzem Abstand liegt nun mit „Omni“ ein neues Werk von Andreas Brandhorst vor, welchem ich mich selbstverständlich gerne widmen wollte.
Ehrlich gesagt hatte ich keine großen Erwartungen in Omni gelegt, da für mich „Das Schiff“ bereits einen Maßstab legte und ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass einem Autoren nach einer so kurzen Zeit wieder etwas Gleichwertiges gelingen sollte.
Erfreulicherweise stellte sich jedoch nach einigen Seiten bereits heraus, dass mit „Omni“ etwas entstanden ist, dass aufgrund seines Plots besser meinen Ansprüchen entspricht, als es „Das Schiff“ zu leisten imstande war. Dies ist natürlich reine Geschmackssache, dennoch halte ich die philosophischen Ansätze und des Autoren Leidenschaft an einem verlängerten Leben unter Anreicherung eines recht spannenden Plots für außerordentlich interessant und durchweg unterhaltend.
Andreas Brandhorst versucht in diesem Werk sehr detailliert in die Tiefe zu gehen und schafft es dennoch, seinen Leser dabei nicht zu verlieren, sondern im Gegenteil definitiv mit zu nehmen auf seine Reise durch das „Omniversum“.
Sicher, manchmal würde man sich die ein oder andere teilnehmende Person etwas stärker gezeichnet dargestellt wünschen – in diesem Falle könnte es aber auch sein, dass die Geschichte Brandhorsts in seiner Fülle dabei zu wuchtig werden würde.
Ich persönlich wurde jedoch beim Schließen des Buches rundum zufrieden zurück gelassen und kann aufgrund des ganz dezenten Cliffhangers nur auf weitere Geschichten innerhalb des „Omniversums“ hoffen. Trotz dieses kleinen Cliffhangers ist Omni ein rundum abgeschlossenes Buch, welches einfach Lust auf mehr macht.
Aus sicherer Quelle weiß ich auch, dass es noch die eine oder andere Reise in diese unendlichen Weiten geben wird.
In meinen Augen jedenfalls ein durchweg zu empfehlender Science-Fiction-Roman wobei ab jetzt natürlich der Anspruch gegenüber weiteren Werken von Andreas Brandhorst wächst.
Jürgen Seibold/30.10.2016
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Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis

adams_anhalterOriginaltitel: The Hitchhiker’s Guide To The Galaxy
Aus dem Englischen von Karsten Singelmann
© 1979 by Serious Productions Ltd.
© 2009 dieser Ausgabe: by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-40784-8

COVER:

Vor 30 Jahren wurde von einem der größten Verlage Ursa Minors (und der Erde) das bemerkenswerteste Buch, das je veröffentlicht wurde, der Menschheit zugänglich gemacht: Per Anhalter durch die Galaxis.

Für Arthur Dent ist es ein ganz normaler Donnerstag, bis sein Haus von Planierraupen niedergewalzt wird. Kurz darauf wird allerdings auch die gesamte Erde von einem vogonischen Bautrupp plattgemacht, weil sie einer Hyperraum-Umgehungsstraße weichen muss. Aber da hat sich Arthurs bester Freund schon längst als Alien entpuppt, und sie sausen durchs Weltall mit nichts als ihren Badetüchern und einem harmlos wirkenden Buch, auf dem in großen, freundlichen Buchstaben »KEINE PANIK« steht. Und dabei hat das Wochenende gerade erst angefangen…

REZENSION:

Ich bin mir beileibe nicht mehr sicher, wie oft ich in meinem Leben auf dieses Buch aufmerksam gemacht worden bin. Irgendwie hat es aber nie mit dem Lesen geklappt. Stellt sich die Frage, woran das wohl lag, immerhin handelt es sich um ein Buch, dessen Kultstatus bereits sehr früh geklärt war und somit bei nahezu jedem, der nur ein wenig in Richtung Science Fiction geschielt hatte, im Regal stand.
Nun, diesmal habe ich es endlich geschafft – bin aber gleichzeitig auch recht zwiespältig ob des Inhalts. Natürlich handelt es sich um eine Science-Fiction-Parodie, die seinesgleichen sucht. Gleichzeitig strotzt es vor einer Vielzahl an kuriosen Ideen, wie man sie eher selten in parodistischen Werken lesen kann. Man muss aber auch gedanklich loslassen können und sich einfach diesem Kuriositätenkabinett widmen. Schafft man das, gibt es beinahe keinen Satz, bei dem man nicht zum Schmunzeln gezwungen wird. Douglas Adams regt aber nahezu parallel zum Nachdenken an, denn die kuriose Story besitzt eine Vielzahl an irdischen Seitenhieben – geschickt verpackt, aber dennoch vorhanden.
Nach etwa 200 Seiten ist der Spaß urplötzlich zu Ende und ich gebe offen zu, erst einmal darüber nachgedacht zu haben, ob ich mich überhaupt noch dem zweiten Band dieser fünfteiligen Trilogie widmen soll. Nun, im Augenblick lese ich den Nachfolger, da sich mein Gehirn für eine weitere Episode dieser Weltraumodyssee entschieden hat.
Alles in allem ein wahrer Leckerbissen für Freunde der verdrehten und durchweg abstrusen Literatur. Wer auf Realität und gar auf Glaubwürdigkeit wert legt, sollte hier jedoch einfach die Finger davon lassen. Wer gedanklich einfach abdriften und sich mit einer locker erzählten Story unterhalten wissen möchte, kann hier getrost zugreifen.
Jürgen Seibold/17.10.2016
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Arthur C. Clarke: Die Stadt und die Sterne

clarke_stadtOriginaltitel: The City And The Stars
Deutsche Übersetzung von Tony Westermayr
© 1956 by Arthur C. Clarke
© 2011 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-53397-4

COVER:

In ferner Zukunft hat sich das Antlitz der menschlichen Gesellschaft radikal verändert. In Diaspar, der riesigen, durch eine Kuppel hermetisch abgeriegelten letzten Stadt auf der Erde, leben die Menschen tausend Jahre, speichern ihre Erinnerungen und werden danach wiedererweckt. Doch als ein Kind ohne Erinnerungen geboren wird und alles hinterfragt, gerät eine scheinbar perfekte Gesellschaft ins Wanken…

REZENSION:

Wir befinden uns in einer sehr fernen Zukunft. Die Menschheit hat sich in einer riesigen Stadt zurückgezogen. Die Menschen haben eine Lebensspanne, die seinesgleichen sucht: Man lebt nahezu tausend Jahre, um dann erneut mit den gleichen Erinnerungen wiedergeboren zu werden. Gesteuert wird dies alles von hochentwickelten Maschinen, wodurch sich die Menschen einfach ihren Interessen widmen können, ohne jegliche Sorgen zu haben.
Ab und an kommt jedoch ein Mensch auf die Welt, dessen Erinnerungen noch nicht gefüllt sind. Bei diesen Menschen handelt es sich um Kuriositäten, die – wie bei uns üblich – alles erst erlernen müssen.
Clarkes Protagonist Alvin gibt sich jedoch mit den vorhandenen Verhältnissen zufrieden – er ist durch und durch wissbegierig und möchte die Welt außerhalb der Stadtmauern kennen lernen.
Hier beginnt sogleich die Stärke Clarkes, der keine Weltraumschlachten aufbaut, sondern seine Geschichten auf ruhige und tiefgehende Art – beinahe sachlich – zu erzählen weiß.
Arthur C. Clarkes Geschichte spielt in einer fernen Zukunft – nichts desto trotz baut der Autor abermals eine visionäre Metapher zu unserer Gegenwart auf. Er zeigt dabei auf sehr philosophische Art und Weise, wie wichtig ein gesunder Wissensdrang sein kann. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und zeigt uns, dass durch Akzeptanz auch Brücken abgerissen werden können.
Man darf dabei nie vergessen, in welcher Zeit Clarke diese Geschichte bereits geschrieben hat. Dadurch ist man manchmal ein wenig irritiert, da Clarke viele Millionen Jahre in die Zukunft geht, jedoch einige technische Errungenschaften teils stehen geblieben sind. Andere wiederum entwickelte Clarke selbst und somit entsteht eine kleine Diskrepanz, wenn man die Geschichte mit der Sichtweise unseres Jahrhunderts betrachtet.
Dies ist aber kein Vorwurf, denn diese Problematik wird jeder SF-Autor haben, wenn man dessen Geschichte mit einem Abstand von 50 bis 60 Jahren betrachtet.
Ich persönlich glaube aber, dass der Ideenreichtum Clarkes trotzdem außerordentlich war und dies eigentlich nicht der eigentliche Fokus der Story sein sollte. Vielmehr ist es – wie bereits erwähnt – eine wunderschöne Geschichte, deren Moral nichts an seiner Notwendigkeit verloren hat. Schade eigentlich, dass sich in diesem Bereich 60 Jahre später fast nichts entwickelt hat.
Alles in allem ein sehr interessanter, ruhiger und nachdenklich stimmender Plot, der noch nichts an seiner Wirkung zu verloren haben scheint.
Jürgen Seibold/27.09.2016
Die Stadt und die Sterne: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

BiomAlpha 1 – Die Ankunft

biomalphaAutoren und ©:
Uwe Post, Frank Lauenroth, Niklas Peinecke, Frederic Brake, Merlin Thomas, Uwe Hermann und Christian Weis

BoD – Books on Demand, Norderstedt
ISBN 978-3-7412-3831-4
ca. 346 Seiten / 9,99€

COVER:

Im Jahr 2025 entdecken die gefeuerte NASA-Mitarbeiterin Dr. April Reignar und der Hobbyastronom Jimmy MacPeale, was Ufologen schon immer wussten: Wir sind nicht allein!

Ein riesiger Schwarm von Flugobjekten nähert sich der Erde. Fieberhaft versuchen sich Regierungsvertreter wie Ufo-Jünger auf den Erstkontakt vorzubereiten, während die Aliens bereits in verschiedenen Regionen der Erde landen.
Nicht alle kommen in Frieden!

Unabhängig voneinander fliegen zwei Menschengruppen auf Einladung der Besucher zu den Schwarm-Schiffen im Erdorbit. Vor ihnen tut sich eine biologische Wunderwelt auf.
Doch sehr schnell müssen sie erkennen, dass sie etwas Fremdem gegenüberstehen, dem sie kaum gewachsen sind. Schon bald gibt es erste Opfer…

Dieser Sammelband enthält die Episoden 1 bis 3 der Serie.

REZENSION:

Bei Biom Alpha handelt es sich um eine Gemeinschaftsarbeit unterschiedlicher SF-Autoren, die hiermit eine Serie erschaffen haben, deren erste drei Folgen sich in diesem Sammelband befinden.
Wir befinden uns relativ nah in der Zukunft – im Jahre 2025 – und entdecken plötzlich, dass sich Flugobjekte auf dem Weg zur Erde befinden. Verschiedene Gruppen versuchen sich fieberhaft auf den Erstkontakt vor zu bereiten. Gleichzeitig landen schon einige Außerirdische auf unserem Planeten. Wie sich dabei recht schnell herausstellt, haben sich nicht alle davon mit rein friedlichen Absichten auf den Weg zu uns gemacht.
Nichts desto trotz fliegen zwei Menschengruppen auf Einladung zu den Schiffen im Orbit und entdecken eine für sie unglaubliche und sagenhafte Welt. Gänzlich andersartige Lebensformen als sie auf unserem Planeten gewohnt sind.
Biom Alpha: Die Ankunft lässt uns teilhaben an den ersten drei Folgen dieser in mehreren Folgen ausgerichteten Science-Fiction-Reihe. Mir persönlich stellt sich bei einem Konglomerat verschiedener Autoren immer wieder die Frage, wie so eine Zusammenarbeit sauber und eingängig von statten geht, ohne dabei zu unterschiedlich in der Schreibweise zu klingen oder gar den Faden zu verlieren.
Nun, die beteiligten Herren haben es jedenfalls geschafft, denn der gesamte Band klingt wie aus einem Guss. Die Geschichte selbst beginnt sehr verwirrend und ich fragte mich bereits nach einigen Seiten, ob ich mir dieses Werk denn wirklich antun soll. Irgendwie befindet man sich am Anfang in etwas unverständlichem, mit noch nicht nachvollziehbaren Figuren. Erfreulicherweise blieb ich aber dran und sobald sich die Geschichte den Erdlingen zuwendet, schafft man es auch, den Faden aufzunehmen und die anfänglichen Verwirrungen lösen sich auf. Im Nachhinein bin ich mir aber immer noch nicht ganz sicher, ob der Einstieg glücklich gewählt war, da er sicher etwas abschreckend wirkt – andererseits wirkt es dann im Laufe des Buches stimmiger und jeglicher Nebel im eigenen Verstand löst sich in Wohlgefallen auf.
Biom Alpha ist irgendwie anders als übliche SF-Romane. Sicher, der grundsätzliche Plot ist relativ typisch aufgebaut. Der Ideenreichtum und die in meinen Augen komplett neu entwickelten Spezies auf rein biologisch aufgebauter Basis ist sehr interessant und lässt einen lediglich staunen.
Die Story macht wirklich Spaß beim Lesen durch die Zusammenfügung dreier Bände hat man nach jeweils einem Drittel einen Cliffhanger für die nächste Episode – leider auch am Ende, da mir die Folgebände noch nicht vorliegen, ich aber gerne wissen möchte, wie es denn nun weitergeht.
Alles in allem ein sehr erfrischender und außerordentlich interessanter SF-Roman der mich rundum sehr gut unterhalten konnte.
Jürgen Seibold/15.09.2016
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Kiki Blu (Daniela Rohr): runDREIse (Kaffeesucht, Sex und ein Ticket ins All 3)

blu_rundreise© 2016 Daniele Rohr
www.danielarohr.de

COVER:

Ein Tagebucheintrag mit einer düsteren Voraussage, ein bedrohliches Weltraumphänomen, das die Titanicus aus ihrer Flugroute zerrt – und dann verebbt auch noch das Wifi-Signal! Aber zum Glück ist noch Kaffee da … zumindest vorerst.

In der dritten Episode der humorvollen Space-Opera schlägt sich Kiki Blu nicht mehr nur mit ihren eigenen Problemen herum. Stattdessen müssen sie und ihr pessimistisches Handgepäck – der Androide Max – gemeinsam mit dem inkompetenten Piloten nach einer Lösung suchen, um ihrer Irrfahrt zu entkommen. Kiki versucht, trotz ihrer prekären Lage, zuversichtlich zu bleiben – wären da nur nicht diese mysteriösen Zeitgeister, die sie ständig beobachten.

REZENSION:

Beinahe hätte ich vergessen, dass sich auf meinem Lesegerät noch der dritte Teil der sagenhaften Reise Kiki Blus befindet. Beim Durchblättern gerade noch gesehen und sogleich als Häppchen zwischendurch geöffnet. Wer Kiki Blu noch nicht kennt: Die nette Dame hatte im ersten Teil einen interessanten One-Night-Stand mit einem Alien, dieser wiederum ließ ihren geliebten Vibrator mitgehen und verschwand sang- und klanglos in den Weiten des Universums.
Kiki Blu, ob dieser Frechheit angefixt, machte sich sofort auf den Weg, ließ alles hinter sich und versucht nun ihren kurzzeitigen Lover wieder zu finden. Ob es sich dabei um einen Selbstfindungstrip, eine Jagd nach ihrem – wohl überall erhältlichen – Vibrator oder gar um Liebe handelt? Wer weiß? Kiki scheint sich da selbst nicht wirklich sicher zu sein.
Nun also der dritte Teil und wir begleiten Kiki und ihr Handgepäck – den Androiden Max – weiterhin auf ihrer kuriosen Reise durch den Weltraum.
Dabei bleibt auch in Folge 3 kein Auge trocken und man lässt sich höchstens durch immer wiederkehrende Lust nach einer Tasse frisch aufgebrühten Kaffees vom Weiterlesen abhalten.
Kiki rast in diesem Teil gleich durch mehrere Universen und trifft dabei auf skurrile Gestalten und Wesen – sieht sich sogar mit sich selbst konfrontiert.
Kiki Blus Geschichte ist wahrlich ein sehr interessantes Highlight für einen durchweg unterhaltsamen Lesezeitraum von knappen zwei Stündchen. Vollgestopft mit Kuriositäten und Ideen, die jedoch gleichzeitig rundum durchdacht und in sich stimmig zu sein scheinen.
Erneut hat sie es geschafft, mich dem Alltag entfliehen zu lassen und mit hochgezogenen Mundwinkeln von Wort zu Wort zu fliegen.
Wer Kiki Blu und ihre Erlebnisse noch nicht kennt und kein Problem mit skurrilen Geschehnissen a‘la Douglas Adams hat, der kann sich diese Reihe ruhig einmal gönnen. Sie scheint wirklich von Folge zu Folge interessanter, skurriler und besser zu werden. Ich werde jedenfalls kaffeetrinkend auf die nächste Folge warten und hoffen, dass diese in nicht allzu ferner Zukunft das Licht der Welt erblicken wird.
Jürgen Seibold/30.08.16
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Connie Willis: Die Jahre des schwarzen Todes

willis_schwarzenTodesOriginaltitel: Doomsday Book
Übersetzung von Walter Brumm
Überarbeitete Neuausgabe 12/2011
© 1992 by Connie Willis
© 2011 der überarbeiteten Neuausgabe by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
eISBN 9783641074890
ca. 784 Seiten

COVER:

Es sollte das größte Abenteuer ihres Lebens werden: Die junge Kivrin wird aus dem Jahr 2054 ins mittelalterliche England geschickt. Doch bei der Übertragung kommt es zu Problemen, und so landet die Geschichtsstudentin nicht wie geplant im Jahr 1320, sondern im Jahr 1348 – dem Todesjahr, in dem die Pest England entvölkerte. Und eine Rückkehr in die Zukunft scheint unmöglich zu sein …

REZENSION:

Wir befinden uns im Jahre 2054 und es besteht die Möglichkeit der Zeitreisen. Verwendet werden diese jedoch ausschließlich zur historischen Forschung. Mit Hilfe dieser Möglichkeit werden Historiker in unterschiedliche Zeiten geschickt, um direkt vor Ort ihre Feldforschung vornehmen zu können.
Das Mittelalter ist dabei jedoch noch nicht berücksichtigt worden, da diese Epoche für den Zeitreisenden als zu gefährlich eingestuft worden ist. Doch auch in dieser Universität gibt es diverse Machtkämpfe und so nutzt der stellvertretende Dekan Mr. Gilchrist die Abwesenheit seines Vorgesetzten, um seine Studentin Kivrin eben doch in die dunkle Zeit des Jahres 1320 zu senden. Dem gegenüber steht ihr Mentor, Mr. Dunworthy, der die schützende Hand auf Kevrin legt und sich dagegen ausspricht.
Die Reise findet natürlich trotz aller Vorbehalte statt und dabei geschieht ein fataler Fehler: Kivrin landet nicht im geplanten 1320 sondern im Jahre 1348. Grundsätzlich wäre das wohl kein großer Lapsus, wäre das nicht exakt die Zeit, in der sich die Pest ausbreitet und dabei die halbe Bevölkerung Europas zu Tode kommen lässt.
Nebenbei erwähnt ist Kivrin von einem Virus befallen worden und landet bewusstlos in besagtem Jahr des Mittelalters. Sie wird dabei von jemandem gefunden und zu einem Landsitz verbracht.
Man kümmert sich dort sehr gut um sie, jedoch weiß sie durch ihre Bewusstlosigkeit ihren Ankunftsort nicht mehr – benötigt diesen aber zu einer bestimmten Zeit, um wieder vom „Netz“ zurückgeholt werden können.
Kivrin versucht sich nun erst einmal zurecht zu finden und geht dabei noch lange davon aus, im ursprünglich geplanten Jahr zu sein.
Während sie sich im Mittelalter befindet plagt sich ihr Mentor mit ganz anderen Problemen: Er möchte Kivrin so schnell wie möglich zurückholen, wird dabei aber nicht nur von Mr. Gilchrist angehalten sondern auch noch von einem plötzlich aufgetretenen Virus, der zur Folge hatte, dass die gesamte Stadt unter Quarantäne gestellt worden ist…
Connie Willis Roman ist durch diese beiden zeitlichen Ebenen etwas zwiespältig in meiner Betrachtungsweise. Sämtliche Begebenheiten im Mittelalter fesselten mich ungemein und ich war jedesmal froh, wenn in ihrem Werk ein Kapitel in der Zukunft von einem in der Vergangenheit abgelöst worden ist. Die Geschehnisse bei Kivrin waren sehr detailliert beschrieben und scheinen bis auf wenige Ausnahmen auch durchweg historisch korrekt dargestellt zu sein. Man liest hier von einem ehrlichen und dreckigen Mittelalter ohne jegliche Beschönigung oder Romantik. Das Jahr 1348 ist dreckig und düster. Gleichzeitig vollgestopft mit Vorurteilen, Meinungen bis hin zum religiösen Wahn. Connie Willis kommt dabei gänzlich ohne die typischen mittelalterlichen Themen wie zum Beispiel Ritter, Turniere, Burgen etc. aus – nein, wir befinden uns immer in dem kleinen Dorf und lernen die dort befindlichen Personen im Detail kennen.
Dieser Bereich ist absolut fesselnd und berührend. Jedes einzelne Wort kann man fast als so geschehen hinnehmen und es hat mir wirklich jeder einzelne Part darin gefallen.
Im Umkehrschluss jedoch der andere, sich mit den Mittelalter-Kapiteln abwechselnde Part: die Geschehnisse in der Zukunft: Rasant und leicht zu lesen, jedoch wirkt das alles sehr stark konstruiert. Los geht es dabei mit dem plötzlichen Virus, bei dem ich noch ein Auge zudrücken konnte – aber, dass Mr. Dunworthy gefühlte tausendmal durch ein Besetztzeichen am Telefon ausgebremst worden ist, strengte dann doch sehr an. Die „Hatz“ Dunworthys ließ sich zwar leicht und sehr eingängig lesen, die Kraft des Buches liegt jedoch im Mittelalter. Nichts desto trotz ist die Genreverknüpfung im Großen und Ganzen sehr gut gelungen. Fans des SF-Genres werden zwar wenig technisch Originelles finden, da das Jahr 2054 – bis auf die Möglichkeit der Zeitreisen – sehr stark unserem ähnelt. Durch Verwendung von Smartphones wirkt unser aktuelles Jahr sogar moderner. Technische Details des Genres hat sich die Autorin sogleich komplett gespart, was ich positiv fand, manchen Fan des Genres aber wohl nicht ausreichend sein dürfte. Fans des Historik-Genres können mit diesem Buch ganz sachte an das SF-Genre zugeführt werden. Selbst wenn ihnen dieser Teil nicht gefallen sollte: Die Erlebnisse Kivrins werden das wieder wettmachen.
Alles in allem ein schöner Brückenschlag zwischen zwei sehr weit auseinander stehenden Genreabgrenzungen, mit einem sehr detailliertem, pestgeladenen Mittelalter und einem etwas arg konstruiertem Ursprung in der Zukunft. „Die Jahre des schwarzen Todes“ hat aber in seiner Gänze trotzdem außerordentlich gut funktioniert, mich unterhalten und dabei mit wenigen Abstrichen durchweg überzeugt.
Jürgen Seibold/30.08.2016
Die Jahre des schwarzen Todes – KAUFEN BEI AMAZON