Liu, Cixin: Der dunkle Wald

Originaltitel: Heian Senlin
Aus dem Chinesischen von Karin Betz
Deutsche Erstausgabe 04/2018
©2008 by Liu Cixin
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31765-9
ca. 815 Seiten

COVER:

Seit die Astrophysikerin Ye Wenjie vor einigen Jahrzehnten Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation hergestellt hat, ist die Welt in Aufruhr. Die Trisolarier, benannt nach ihrem Planeten, der um drei Sonnen kreist, sind mit einer Invasionsflotte in Richtung Erde gestartet. Nichts kann sie aufhalten, haben sie doch bereits künstliche Partikel zur Erde gesandt, die die physikalischen Vorgänge auf der ganzen Welt manipulieren und die Ankunft der Fremden in vierhundert Jahren vorbereiten sollen. In dieser verzweifelten Situation beschließen die Vereinten Nationen, ein besonderes Abwehrprogramm ins Leben zu rufen: die sogenannten „Wandschauer“. Vier Auserwählte erhalten den Auftrag, unabhängig voneinander und unter größter Geheimhaltung Pläne zur Abwehr der trisolarischen Flotte zu entwickeln. Drei von ihnen sind berühmte Wissenschaftler und Politiker, der Vierte aber ist ein völlig Unbekannter.

Als Astronom und Soziologe hat Luo Ji nicht viel erreicht. Als er eines Tages eine Einladung zur Vollversammlung der Vereinten Nationen erhält und bei der Bekanntgabe des Abwehrprogramms auch noch auf das Podium gerufen wird, versteht er die Welt nicht mehr. Er soll der vierte Wandschauer sein? Von diesem Tag an nimmt sein Leben eine völlig neue Bahn. Und schon bald muss Luo Ji feststellen, dass er der einzige Wandschauer ist, den die Trisolarier um jeden Preis tot sehen wollen. Denn sein Plan ist anders als alles, was die Menschheit je zuvor unternommen hat.

REZENSION:

„Der dunkle Wald“ ist die Fortsetzung von „Die drei Sonnen“ und gleichzeitig der zweite Band der Trisolaris-Trilogie.
Bereits der erste Band konnte mich mit einer sehr anspruchsvollen und interessant angelegten Geschichte uneingeschränkt überzeugen. Nun also der zweite Wurf des chinesischen Autors Cixin Liu.
Interessanterweise spielt „Der dunkle Wald“ einige Jahrzehnte später als sein Vorgänger. Vor diesem Hintergrund funktioniert das gesamte Buch als alleinstehendes Werk und es ist nicht unbedingt notwendig, den Vorgänger zu kennen. Selbstverständlich möchte ich diesen aber nicht missen…
Nun sind die Trisolarier also auf dem Weg und möchten uns schlicht und einfach von unserem Planeten tilgen. Auch die Trisolarier können sich nicht auf einfachstem Weg irgendwie in unser System beamen und somit dauert ihr Eroberungsfeldzug auch ganze 400 Jahre, bis sie in Eroberungsentferung kommen. Stephen Hawking warnte bereits vor Außerirdischen, die auf dem Weg zu uns sind – denn wenn jemand dazu in der Lage ist, dann ist er auch technisch auf einer ganz anderen Ebene als wir. Dementsprechend kopflos agiert auch die Menschheit und Cixin Liu geht detailliert darauf ein. Man erkennt sehr schön sein Gedankenbild und sein kritischer Blick auf nahezu jegliche Regierungsform auf unserem blauen Planeten. Der im Buch auftretende Frust ist absolut nachvollziehbar: Regierungen denken meist nur in Legislaturperioden und nun ist eine Gefahr auf dem Weg, die erst in vierhundert Jahren zur echten Gefahr wird?
Liu geht aber nicht nur auf diesen Umstand ein. Wie bereits im ersten Band ist er ein begnadeter Philosoph und führt auch im vorliegenden Buch Ideen und Lösungen ein, mit denen man schlichtweg nicht rechnet, aber in ihrem Ergebnis wirksam und nachvollziehbar funktionieren.
„Der dunkle Wald“ ist gespickt mit tiefgehenden Elementen, tiefgründenden Ideen, unterschiedlichen Gedankenbildern und eine gehörige Portion Kritik an bestehenden Systemen. Ein absolut unglaublicher Science-Fiction-Roman der in seiner Erzählweise keine leichte Kost darstellt, dafür den Leser mit einer rundum durchdachten und hochwertigen Geschichte überzeugen und somit auf hohem Niveau unterhalten kann. Ein absolutes Highlight für den gehobenen Anspruch. Ein Werk zum Mitdenken – es bietet dabei eine Vielzahl an Gedankenbildern, die den Leser auch nach dem letzten Buchstaben noch grübeln lassen. Eine absolute Empfehlung des Genres und ein erneuter Appetizer zum abschließenden Band.
Jürgen Seibold/10.03.2019

Lubbadeh, Jens: Neanderthal

© 2017 by Jens Lubbadeh
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31825-0
Ca. 526 Seiten

COVER:

Deutschland, Mitte des 21. Jahrhunderts. Kommissar Philipp Nix wird zu einem Tatort gerufen, der ihm einige Rätsel aufgibt. Das Gesicht der Leiche sieht seltsam unförmig aus, und auch der Körperbau des Toten wirkt eigenartig. Seit die Menschen bereits vor der Geburt genetisch optimiert werden, gibt es eigentlich keine Krankheiten oder gar Beheinderungen mehr. Der einzige Hinweis ist ein Link im Smartphone des Toten, der Nix in ein Tal in der Nähe von Düsseldorf führt – direkt zu einem Massengrab voller Knochen. Schon bald ist klar: Das sind keine normalen menschlichen Knochen. Als Nix den gehörlosen Anthropologen Max Stiller und dessen Kollegin Sarah Weiss dazuholt, stellen beide sofort zwei scheinbar unmögliche Tatsachen fest. Erstens muss es sich um Neandertaler-Knochen handeln Und zweitens sind diese Knochen nicht, wie zu erwarten wäre, fünfzigtausend Jahre alt, sondern nur dreißig. Wurden hier etwa Neandertaler geklont und dann getötet? Aber wozu? Plötzlich wendet sich das Blatt, und Kommissar Nix, Stiller und Weiss geraten selbst in Gefahr. Offenbar sind sie einem großangelegten Skandal auf der Spur, der bis in höchste Regierungskreise reicht. Dort will man die Aufdeckung des geheimen „Projekts Neanderthal“ um jeden Preis verhindern. Aber so leicht lassen sich Nix, Stiller und Weiss nicht abschütteln. Eine gefährliche Jagd auf Leben und Tod nach dem mysteriösen Erbe der Neandertaler beginnt …

REZENSION:

Jens Lubbadeh entführt uns in seinem aktuellen Wissenschaftsthriller „Neanderthal“ in ein Deutschland der nahen Zukunft. Die Genetik hat scheinbar die letzten Hürden übersprungen und es ist ein Einfaches, sich sein Wunschkind zusammen zu stellen, bevor es final ausgetragen wird. Krankheiten spielen keine große Rolle mehr, Suchtprobleme ebenfalls abgeschafft. Das hohe Ideal herrscht vor, die Menschheit lässt sich darauf ein und treibt oberflächlich vor sich hin.
Wie so oft hat jede Errungenschaft auch seine Schattenseiten – obwohl ich nicht ganz sicher bin, ob ich eine großartige Lust auf dieses perfekte Leben hätte. Aber darum geht es jetzt ja nicht. Die Menschen fühlen sich wohl und das ist scheinbar Hauptsache. Wie in nahezu jeder Errungenschaft – egal ob wissenschaftlich oder jegliche andere Ware – geht es auch hier um den schnöden Mammon. Irgendwo sitzen machtvolle Hintermänner, die entweder mehr Geld verdienen oder die schlichtweg ihre Macht weiter ausbauen möchten.
Auch im vorliegenden Buch geht es um diese Themen. Jens Lubbadeh erfindet definitif das Genre nicht neu – interessant ist seine Geschichte dennoch.
Ich glaube, ich habe mit diesem Buch zum allerersten Mal in meinem gesamten Leseleben einen gehörlosen Protagonisten in einer der Hauptrollen. Jens Lubbadeh hat dies wirklich sehr geschickt umgesetzt und nach und nach nimmt man Max nicht mehr als gehörlosen Menschen war. Erstaunlich gut erzählt.
Die Mischung aus wissenschaftlich angehauchtem Thriller mit einem klassischen Kriminalfall lässt die Story angenehm vor sich hertreiben. Als Leser fühlt man sich wie in einem recht guten Kinofilm unterhalten. Genau so funktioniert die Geschichte auch. Sie wirkt spannend und ist fundiert sowie detailliert ausgearbeitet dargelegt. Ich hatte meine Freude und fühlte mich auf interessante Art und Weise ausreichend gut unterhalten. Bei manchen Romanen reicht dies auch. Sicher, eine gewisse Botschaft ist vorhanden und sollte auch vorhanden sein. Dennoch muss nicht jedes Werk hochtrabend sein, sondern einfach den Leser bei der Hand nehmen und ihn etwas vom alltäglichen Geschehen abrücken lassen. Dies gelingt diesem Thriller und mehr hatte ich auch nicht erwartet.
Jürgen Seibold/08.07.2018

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Phillip P. Peterson: Transport

transport© 2014 Phillip P. Peterson
www.raumvektor.de

COVER:

Nachdem er einen Mord begangen hat, wartet Elitesoldat Russell Harris im Gefängnis auf seine bevorstehende Hinrichtung. Er bekommt jedoch unerwartet eine letzte Chance. Mit neun anderen Häftlingen soll er sich von einem außerirdischen Artefakt zu fremden Sternsystemen transportieren lassen und die Umgebung erkunden. Doch das Unternehmen entpuppt sich als gnadenloses Todeskommando, nachdem der erste Freiwillige auf grauenhafte Weise stirbt. Russell und seinen Kameraden wird klar, dass sie das Projekt nicht überleben werden. Der einzige Ausweg besteht darin, das Geheimnis der Teleporter zu lüften. Aber das ist gar nicht so einfach – denn von den Erbauern fehlt jede Spur.

„Stargate“ meets „Die Fliege“ meets „Das dreckige Dutzend“ – ein ungewöhnlicher und spannender Science-Fiction-Roman von einem deutschen Newcomer.

REZENSION:

Nachdem die Regierung ein außerirdisches Artefakt gefunden hat, mit dem man sich in fremde Systeme transportieren lassen kann, gibt man 10 zum Tode verurteilten Häftlingen eine Chance, dem elektrischen Stuhl bzw. der Todesspritze zu entfliehen. Sie müssen sich dafür lediglich bereit erklären, den Transport zu einem unbekannten Ziel an zu treten. Nachdem jeder einzige jeweils 10 Reisen durchgeführt hatte, wäre er begnadigt.
Natürlich lässt sich Russel als auch die weiteren Häftlinge darauf ein – standen sie alle doch nur noch kurze Zeit vor ihrer Hinrichtung.
Recht schnell stellt sich aber heraus, dass der Transport ein wahres Todeskommando darstellt. Die Zeichen auf dem “Sphäre” genannten Transporter können nicht entziffert werden und somit versucht man sich an Versuch und Irrtum. Der Rücktransport endet häufig tödlich, wenn nicht gar abartig tödlich. Je nachdem, in welcher Umgebung der Reisende ankam.
Die Erbauer der Sphäre sind augenscheinlich Außerirdische – doch von denen fehlt jeder Hinweis. Wie soll man also das Geheimnis lüften, ohne dabei eine Unmenge an “Kanonenfutter” zu verheizen?
Die Geschichte von Peterson hört sich als erstes wie der frühere Blockbusterfilm “Stargate” an. Die Idee ist dabei auch sicher ein klein wenig entstanden – das Buch bleibt aber nicht so harmlos, sondern betrachtet die Vorgänge typisch amerikanisch: Die Armee hält alles geheim, Todeskandidaten werden geopfert (Kollateralschaden), neue Welten möchten erobert werden…
Dumm nur, dass mancher Transport nichts weiter übrig lässt als eine schmierige, blutige Substanz des Reisenden. Exakt hier treffen wir wohl auf den nächsten Einfluss des Autors: Die Fliege von Cronenberg.
Perfektes Popcornkino dieses Buch. Es geht unverzüglich rasant los und man kann sich nur schwer entziehen. Natürlich ist die Story keine Ausgeburt von Tiefgang – aber wenn ich einen Actionfilm ansehen möchte, dann erwarte ich das auch nicht. Ich glaube auch, dies ist exakt die Intention dieses Buches: Einfach spannend, verständlich, plausibel erklärt, detailliert gezeichnet und somit als wahrer Pageturner den Leser unterhalten.
Also schnappt euch eine Tüte Popcorn, lasst den DVD-Recorder aus und öffnet dieses Buch. Richtig gut wird es, wenn man sich dabei noch die alten Helden der 80er Jahre als Protagonisten vorstellt. Plastischer gehts kaum mehr…
Jürgen Seibold/12.10.2015
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