Eschbach, Andreas: Perry Rhodan – Das grösste Abenteuer

Erschienen bei FISCHER TOR Frankfurt a.M., März 2019
©2019 S. Fischer Verlag GmbH
ISBN 978-3-596-70145-2
ca. 846 Seiten

COVER:

Cape Kennedy, 1971: Nach dem katastrophalen Scheitern der Apollo-Missionen unternehmen die Amerikaner einen letzten verzweifelten Versuch, das Rennen zum Mond zu gewinnen. Der Name des Raumschiffs: STARDUST. Der Name des Kommandanten: PERRY RHODAN.

Mit diesem bahnbrechenden Ereignis startete die Science-Fiction-Serie Perry Rhodan. Und wurde zur erfolgreichsten Fortsetzungsgeschichte der Welt.

Doch erst jetzt erfahren wir, wie alles wirklich begann: Perry Rhodans Jugend, seine politischen Eskapaden, seine Abenteuer als Testpilot und die geheime Geschichte der bemannten Weltraumfahrt.

Andreas Eschbach erzählt, wie Perry Rhodan zu der legendären Gestalt wurde, die die Menschheit zu den Sternen führt.

REZENSION:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass jedem der Name Perry Rhodan ein Begriff ist. Sicherlich gibt es da eine Vielzahl an Menschen, die noch absolut nichts über diese sagenhafte Gestalt gelesen haben – dennoch wird einem dieser Name bewusst, wenn man nur ein klein wenig mit offenen Augen durch die Welt geht. Handelt es sich doch um nichts Geringeres als die größte Science-Fiction-Geschichte aller Zeiten.
Auch ich blickte bereits als Jugendlicher voller Ehrfurcht in Regale meiner eher SF-affinen Freunde, standen dort doch die berühmten Silberbände mit den 3D-Coverbildern. Wäre ich damals nicht in die Horror- und Fantasyecke abgedriftet, hätte ich sicher ebenfalls mit diesen Bänden begonnen. Nichts desto trotz ließ mich der Gedanke an Rhodan nicht wirklich los. Mit den Jahren öffnete sich mein Lesespektrum und manch Science-Fiction-Werk fand seinen Weg vor meine Augen. Eines Tages gönnte ich mir dann tatsächlich die ersten Silberbände – in ihrer Originalversion!
Absolut warm bin ich dabei leider nicht damit geworden – nichts desto trotz konnte ich verstehen, warum diese Reihe so berühmt geworden ist. Findet man den Zugang zu ihr ist es sich nicht leicht, sich dem wieder entziehen zu können.
Gut, durch diese kurze Erklärung kicke ich mich ja bereits als tiefgründigen Tester des Buches von Andreas Eschbach heraus – anders gesagt: Ist es mir möglich, als oberflächlicher Kenner des Rhodan-Imperiums Gefallen an der Vorgeschichte zu finden? Ein Versuch war es wert und da Eschbach wahrlich kein unbekannter Name ist, war ich auch sichtlich interessiert, wie der Autor es schaffen wird, diese Vielzahl an bereits bekannten Fäden zum ersten zarten Knäuel zu verdichten und dabei den Weg nach allem bereits beschriebenen offen zu halten.
Nun, Andreas Eschbach schafft sogar zweierlei:  Er lässt Rhodan auf die Welt kommen und zeigt uns dessen Weg vom Schüler zum Testpiloten zum uns bekannten Weltraumfahrer.
Darüber hinaus verwendet der Autor den Rhodan-Stil und bedient dadurch geschickt seine Klientel. Gleichzeitig können Neulinge auch problemlos mit diesem Werk anfangen, da es sehr geschickt in den Kosmos der längsten und erfolgreichsten Fortsetzungsgeschichte einführt. Findet man Zugang zu diesem Werk, findet man auch problemlos Zugang zu den teils spannenderen Werken der Serie.
Alles in allem eine geschickte Möglichkeit, dem Leben Rhodans noch etwas hinzuzufügen und diesem somit etwas mehr Tiefe zu geben.
Ich selbst wurde erneut ganz gut unterhalten – finde aber auch weiterhin keinen tiefergehenden Zugang zu dieser Serie. Ehrlich gesagt bin ich auch ganz froh darüber, da ich nicht wirklich wissen möchte, wie ich das bereits geschriebene aufholen sollte.
Jeder andere Neuling sollte es mal versuchen – Kenner Perry Rhodans kommen daran eigentlich nicht wirklich vorbei.
Jürgen Seibold/12.10.2019

Parsons, Tyler R.: Der Besucher

Originaltitel: A Walk Between Stars
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe
©2015 Tyler R. Parsons
©Piper Verlag GmbH, München 2019
ISBN 978-3-492-70534-9
ca. 197 Seiten

COVER:

Roman Briggs ist als Techniker mit einer Reparatur an der Außenwand seines Raumschiffes beschäftigt, als dieses plötzlich explodiert. Er überlebt, treibt fortan aber schutzlos durch die endlosen Weiten des Alls. Ihm bleiben nur wenige Tage, bis die Vorräte in seinem Raumanzug zur Neige gehen. Gerade, als er sich auf das vorzeitige Ende seines Lebens einstellt, tauchen die Manti auf, eine geheimnisvolle außerirdische Rasse. Doch den fremdartigen Geschöpfen ist es gar nicht recht, Briggs als Passagier aufzunehmen. So ist er gezwungen, sich an die Außenhülle ihres Raumschiffes zu ketten und in dessen Schwerefeld zu überdauern. Fortan erkundet er das Schiff von außen und lernt die Manti durch die Fenster des Flugkörpers immer weiter kennen. Bis er etwas sieht, dass er niemals hätte sehen dürfen. Und damit beginnt der wahre Kampf ums Überleben für ihn …

REZENSION:

Vorweg: Die Coverbeschreibung stimmt in einem wichtigen Punkt nicht mit dem Inhalt der Geschichte überein, denn den Manti ist es keineswegs nicht recht, ihn aufnehmen zu wollen – im Gegenteil, sie würden gern, jedoch können sie einen Menschen aufgrund ihrer grundlegend andersartigen Lebensbedingungen nicht in ihrem Raumschiff aufnehmen. Dies würde zum sofortigen Tode Roman Briggs führen.
Die Manti sind eine sehr zuvorkommende Rasse, die sich sofort um den im Weltraum gestrandeten Menschen kümmern. Sie versorgen ihn, so gut es ihnen möglich ist und bieten ihm sozusagen die Möglichkeit, zurück zu seiner eigenen Rasse zu kommen.
„Nett“ ist auch sogleich die Beschreibung des gesamten Buches. Mit seinen ca. 190 Seiten ist es nicht recht viel mehr als eine etwas weiter ausgeholte Kurzgeschichte, womit man nicht mit ausschweifenden Erlebnissen rechnen sollte. Dennoch versucht Parsons eine Art Krimigeschichte zu erzählen, deren prinzipielle Idee auch gar nicht mal schlecht ist.
Ich lasse mal die ganzen technischen Möglichkeiten außen vor, da ich es nicht beurteilen kann, ob der „Wohnraum“ außerhalb des Schiffes überhaupt möglich ist. Da es aber eine Geschichte ist, akzeptiere ich dies und wende mich dem eigentlichen Inhalt zu.
Parsons lässt uns lange an der entstehenden Beziehung zwischen dem Menschen und einigen wenigen Manti teilhaben. Hier entsteht beinahe eine Art Freundschaft. Briggs vertreibt sich seine Zeit mit einigen Stunden Kommunikation und vielen Stunden Erkunden des Schiffes von außen. Dabei entdeckt er eines Tages – was übrigens im Buch sehr spät zu Tage dringt – einen Mord. In diesem Augenblick befinden wir uns bereits im letzten Drittel des Buches und nun folgt lediglich noch ein kurzer Plot, der ein ganz klein wenig versucht, Spannung in den Plot zu bekommen. Diese wiederum ist so dezent vorhanden, dass sie sich auf ihrer Spitze auf einem Niveau befindet, als würde ich einen Ofen von „0“ auf „1“ – bei einer Skala bis 12 – erhitzen.
Alles in allem eine Geschichte, die sich sicherlich nicht nachhaltig beim Leser einprägen wird. Nichts weiter als eine ganz kurzfristige, nette Unterhaltung, die irgendwie nichts Besonderes vermitteln möchte. Schade, da die prinzipielle Idee gar nicht mal sooooo schlecht wäre.
Jürgen Seibold/24.09.2019

Cawdron, Peter: Habitat

Originaltitel: Retrograde
Aus dem Englischen übersetzt von Bernhard Kempen
Deutsche Erstausgabe 02/2019
©2016 by Peter Cawdron
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31963-9
ca. 350 Seiten

COVER:

Die Menschheit hat ihren Fuß auf den Mars gesetzt. Die neue Habitatsiedlung „Endeavor“ wird als Triumph des menschlichen Forscherdrangs gefeiert. Einhundertzwanzig Wissenschaftler, Techniker und Astronauten aus aller Herren Länder arbeiten hier. Eine von ihnen ist die junge und engagierte Mikropaläobiologin Liz, die sich wie ihre Kollegen dazu verpflichtet hat, zehn Jahre auf dem Mars zu leben und zu forschen, um den Roten Planeten für die Menschheit bewohnbar zu machen. Doch dann bricht auf der Erde Krieg aus, die Funksignale verstummen und die Versorgungslieferungen zum Mars werden unterbrochen. Nun sind die Kolonisten auf sich alleine gestellt. Misstrauen macht sich unter den verschiedenen Nationen breit. Wer hat den Krieg auf der Erde begonnen? Welches Land ist schuld, dass die Forscher nun auf dem Mars gefangen sind? Liz stößt schon bald auf erste Ungereimtheiten, und dann gibt es einen ersten Toten …

REZENSION:

In Peter Cawdrons neuestem Science-Fiction-Roman befinden wir uns auf dem Mars. Dort befindet sich seit einiger Zeit eine Kolonie, deren Sinn und Zweck die Erforschung und Vorbereitung des unwirtlichen Planeten auf weitere Siedler des Planeten Erde ist.
Die gesamte Forschungseinrichtung besteht aus mehreren Modulen, die gleichzeitig aus unterschiedlichen Nationen bestehen. Der Ursprung ist natürlich die Zusammenarbeit der jeweiligen Institutionen auf der Erde, um ein solches Projekt überhaupt stemmen zu können.
Die Module sind zwar alle miteinander verbunden, dennoch spiegeln sie eine gewisse Trennung wieder – dies wirkt leider analog zu unserem Planeten: Es gibt in der Kolonie somit Eurasien, China, Russland und die Vereinigten Staaten.
Diese Vorgehensweise ist der einzige Kritikpunkt, die ich dem Autor vorwerfen muss  obwohl: Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies auch exakt so vorgenommen wird. Ganz unabhängig, wie umfangreich das Gesamtprojekt ist und dass dieses auch nur gemeinsam gestemmt werden kann.
Cawdron macht es sich damit ein wenig einfach, damit er seine Geschichte, die recht schnell Fahrt aufnehmen wird, in der dafür vorgesehenen Spur laufen lassen kann.
Wie die Bewohner auf dem Mars erfahren müssen, zerfleischt sich die Erde durch einen weltweit großangelegten Atomkrieg. Die Bewohner auf dem Mars bekommen nur rudimentäre Informationen und sind dann von weiteren Nachrichten des blauen Planeten abgeschnitten. Die Kommunikation als auch die weitere Versorgung ist eingestellt oder nicht mehr vorhanden, die eigenen Gedanken übernehmen das Zepter.
Da die Kolonisten keine genauen Informationen haben, sind sie sich auch nicht über verlorene Familienmitglieder, Freunde, etc. sicher. Dementsprechend beginnen sie auf menschliche Art zu spekulieren. Darüber hinaus beginnt eine teilweise Abschottung, da sich jeder die Frage stellt, wer diesen Krieg auf der Erde begonnen hat.
Der dezent aufkommende Rassismus in der engen Enklave lässt den Leser mit dem Schlimmsten rechnen. Peter Cawdron führt dies auch geschickt und etwas länger aus. Bereits jetzt würde der Roman ganz gut für eine gepflegte Unterhaltung sorgen – auf Dauer aber wohl etwas zu vorhersagbar, da sich wohl die Einwohner immer mehr mit Vorurteilen beschimpfen und wohl dann mit gegenseitigem Bekriegen beginnen.
Erfreulicherweise dreht sich jedoch der Plot zugunsten der Story. Hierzu möchte ich nichts weiter sagen, da der Twist doch ein klein wenig überraschend ist und der Feind sich doch als etwas anderes darstellt.
Peter Cawdron führt sehr viele technische Details in seine spannende Geschichte ein. Dies aber rundum auf eine absolut glaubwürdige und plausible Art und Weise. Ob das alles möglich ist, entzieht sich meiner Kenntnis – nichts desto trotz konnte ich jedem einzelnen Aspekt trotz fehlendem technischen Know How in diesem Sektor absolut problemlos folgen und somit auch als gegeben hinnehmen.
Übrigens kann man dem Nachwort entnehmen, dass sehr wohl alles plausibel ist und einem technischen Stand entspricht, der sich in spätestens 50 Jahren darstellen würde, wenn man dem Ziel der Marsbesiedelung weiter mit Nachdruck folgt.
Der Plot selbst ist eine gelungener Unterhaltungsroman, der insbesondere durch die Drehung des Plots seine Kraft zieht. Dieser Drall entsteht genau zum richtigen Zeitpunkt und somit ist man als Leser weiterhin voller Euphorie bei den Erlebnissen auf dem fernen Planeten dabei.
Habitat ist ein gelungener und recht spannender SF-Roman mit einem sehr interessanten Setting und einer darüber hinaus glaubwürdigen Geschichte.
Jürgen Seibold/25.08.2019

Laufhütte, Andreas: Das ewige Spiel

Deutsche Erstausgabe 07/2019
© Eldur verlag, Aachen
ISBN 978-3-937-41929-9
ca. 188 Seiten

COVER:

Mein Name ist David Riemschneider. Ich bin 48 Jahre alt, 1,85 Meter groß, und ich habe einen Hirntumor.

Mit diesen Worten beginnt eine zunächst gewöhnlich anmutende Schicksalsgeschichte, die aber im weiteren Verlauf zunehmend groteskere Züge annimmt, insbesondere, was die Halluzinationen des Icherzählers angeht.

Und irgendwann stellt einer der behandelnden Ärzte die Frage aller Fragen: Was, wenn das gar keine Halluzinationen sind?

Ist dann aber stattdessen das ganze bisherige Leben Davids eine Einbildung, inklusive seiner über alles geliebten Frau? Die nächtlichen Schreie, die er während seines Klinikaufenthaltes aus einem Nachbarzimmer hört, sagen ihm etwas anderes.

Dieser Roman ist eine hochspannende Mixtur aus Horror, Thriller und Science Fiction. Von dieser gibt es nicht viele, es lohnt sich also auf jeden Fall, einen Blick zu riskieren.

REZENSION:

Es gibt sie wahrlich immer noch: Bücher, die einen überraschen. Bücher, deren Inhalt und Ausgang so ganz anders ist, als man beim Öffnen des Werkes gedacht hatte.
Gut, der Eldur Verlag konnte mich bisher mit einer Vielzahl an Werken überzeugen – dennoch hatte ich keinerlei besondere Erwartung zum oben genannten kleinen Buch.
Andreas Laufhütte ist mir nicht wirklich ein Begriff. Meines Wissens trat er bisher lediglich als Kurzgeschichtenschreiber in besagtem Verlag auf. Seine Teilnahme bei „Fleisch“ kannte ich somit, aber wie so oft bei Kurzgeschichten: Selbst unter Folter hätte ich weder den Titel noch den Inhalt nennen können. Ist doch schon einige Zeit her…
Nun also eine etwa 180 Seiten starke Geschichte, deren Cover ein klein wenig die Richtung vor zu geben scheint.
Beim Lesen stellt man sich dann dennoch die Frage, wer auf die dumme Idee des Covers kam? Hat doch so gar nichts mit der Geschichte zu tun. Nach und nach wandelt sich der Inhalt der gewöhnlich beginnenden Geschichte jedoch – und so langsam öffnet sich das Verständnis für das Bild auf der Vorderseite des Buches.
„Das ewige Spiel“ ist eine absolute Überraschung. Hier ist nichts, wie es scheint. Der Autor schafft es immer wieder, falsche Fährten auszulegen, plötzlich wieder zurück zu kommen, um dann doch wieder komplett wo anders zu landen. Dabei auch noch ohne Rücksicht auf irgendwelche Genregrenzen. Nein, wir treiben haltlos mit und versuchen herauszubekommen, wie denn eigentlich dieser ganze Reigen enden soll.
Das Ende kommt natürlich unweigerlich – bei gerade mal 180 Seiten auch noch viel zu schnell, aber: es ist erneut eine kleine Wendung und man wird nachdenklich und leicht geplättet zurückgelassen.
„Das ewige Spiel“: Bizarr, wirr, irreführend, genresprengend, ergreifend, ab und an sehr verwirrend. Nichts desto trotz ein absoluter Geheimtipp!
Jürgen Seibold/24.08.2019

Orgel, T.S.: Terra

Originalausgabe 12/2018
©2018 by Tom & Stephan Orgel
©2018 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31967-7
ca. 508 Seiten

COVER:

In der Zukunft hat sich die Erde in ein ökologisches Wrack verwandelt. Der Mond ist ein einziges Bergwerk, und alle Hoffnungen liegen nun auf der Besiedlung des Mars. Dessen Terraforming ist in vollem Gange, und mit Raumfrachtern werden die Rohstoffe des roten Planeten abtransportiert. Jak ist Mechaniker an Bord eines vollautomatischen Frachters, der gerade mit zwei Millionen Tonnen Erz auf dem Weg zur Erde ist. Was er nicht weiß: Einer der Container ist vollgestopft mit Bomben. Und auch Jak hat ein paar Geheimnisse zu verbergen. Für ihn und seine Schwester Sal, die als Marshal auf dem Mond stationiert ist, beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es um nichts weniger geht als um das Schicksal des Planeten Erde …

REZENSION:

Die beiden Brüder Tom und Stephan Orgel sind sicherlich den Lesern bisher als Erschaffer fantastischer Welten ein Begriff. Nachdem sie sich ausgiebig den Orks und Zwergen widmeten, scheinen sie wohl den Drang bekommen zu haben, die unendlichen Weiten zu entdecken. Anders kann es nicht sein, da es sich bei ihrem neuesten Roman mit dem Titel „Terra“ um einen reinrassigen Science-Fiction-Roman handelt.
Die von den beiden verwendete Spielwiese ist jedem ein Begriff: Wir befinden uns auf dem Mond, dem Mars oder eben auf dem Weg vom dort zu unserem Planeten.
Interessanterweise schaffen die beiden es dabei nahezu problemlos einen spannenden Plot abzuliefern, der so klingt, als ob sie bisher noch niemals ein anderes Genre bedient hätten.
Das interessante bei „Terra“ ist nicht nur das Setting und das prinzipielle Problem der Frachter auf ihrem Weg zur Erde – nein, irgendwie schaffen es die Autoren, dass man die beiden Hauptdarsteller sofort akzeptiert und jegliche Handlung dieser ungebremst zu verfolgen gewillt ist. Interessant deshalb, da Jak in seinem bisherigen Leben nicht wirklich ein reinrassiger Sympathieträger gewesen ist.
Die Geschichte geht zwar ohne besondere Überraschungen voran, nichts desto trotz macht es einfach richtig viel Freude, dem Inhalt vorbehaltlose zu folgen.
„Terra“ läuft ähnlich eines Filmes ab und somit kann man sich auch mit dem Inhalt zwischen den Buchdeckeln ohne Probleme auf eine einigermaßen spannende Art berieseln lassen.
Die Richtigkeit der technischen Belange spielen dabei für mich eher eine nachgelagerte Rolle – bei mir zählt die Geschichte und der Unterhaltungswert. Dies haben die beiden Brüder ausreichend gut erfüllt. „Terra“ ist somit ein gelungener Unterhaltungsroman, der nicht nur SF-Fans vorm Ofen hervorlocken sollte – im Gegenteil, er funktioniert einfach in sich selbst und sollte somit nicht explizit als Genrewurf eingetütet werden. Mir hat die Geschichte jedenfalls Spaß gemacht.
Jürgen Seibold/24.08.2019

Valente, Catherynne M.: Space Opera

Originaltitel: Space Opera
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Fischer Tor 05/2019
©2018 Catherynne M. Valente
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70444-6
ca. 346 Seiten

COVER:

Vor knapp hundert Jahren hat sich die Galaxis entzweit – ein Krieg löschte beinahe sämtliches Leben aus. In der Folge erfand man eine gemeinschaftsbildende Tradition. Etwas Schönes und Unterhaltsames, um den Frieden, die Liebe und das Leben zu feiern. Und so wurde der metagalaktische Grand Prix geboren, in dem alle empfindungsfähigen Zivilisationen friedliche gegeneinander antreten. Seitdem muss jede neue Spezies, die Mitglied der kosmischen Gemeinschaft werden will, an der Show teilnehmen.
Das Ganze ist ein Riesenspaß, das Problem ist nur: Auf dem letzten Platz wartet die völlige Vernichtung – und die Aliens haben ganz eigene Vorstellungen davon, wer für die Erde antreten soll ….

REZENSION:

Die grundsätzliche Idee von Space Opera – der neueste Roman der bereits mit mehreren Auszeichnungen honorierten Autorin Catherynne M. Valente – ist sehr erfrischend und herausragend. Man verlegt den doch auch teils etwas politisch angehauchten Grand Prix unseres Planeten in die ferne Zukunft, vermischt dies mit verschiedenen Zivilisationen aus unterschiedlichen Galaxien und schon lässt sich eine humorvoll angehauchte Geschichte erzählen.
Bei diesem Setting ist mir ungebremst bewusst, dass der Gedanke an den Großmeister Douglas Adams nicht weit ist und somit überraschte mich seine Namensnennung auf dem Cover nicht wirklich. Gleichzeitig sind dessen Fußstapfen natürlich nur schwer zu füllen – und genau so geht es auch der Autorin mit dem vorliegenden Werk.
Space Opera ist prinzipiell eine sehr schöne Idee und beginnt auch dementsprechend. Leider versucht die Autorin zu häufig diesem Vorbild gerecht zu werden und verliert sich dabei in langen, verschwurbelten Sätzen. Diese sind geschickt eingesetzt sehr witzig und ihr einzeln betrachteter Inhalt zeugt von einer hohen schriftstellerischen Qualität der Autorin. Mir ist es jedoch durch die zu häufige Verwendung dieser langen Sätze etwas zu viel geworden und somit ließ die anfängliche Begeisterung leider nach.
Schade, da der grundsätzliche Gedanke dieser Geschichte sehr viel Unterhaltungspotenzial hat – bei mir jedoch nach einigen Seiten jedoch nicht mehr zünden konnte. Hier scheint der verwendete Humor bei mir wohl nicht mehr zu greifen. Ich bin mir aber sicher, dass es für diese Geschichte auch Fans geben wird – der Rahmen ist interessant und eine schöne Allegorie, wodurch Space Opera ein klein wenig Nachdenklichkeit mit auf den Weg gegeben wird. Man muss sich halt darauf einlassen können.
Jürgen Seibold/19.08.2019

Star Trek: Discovery

Normalerweise spielen Bücher die wichtigste Rolle auf diesem Kanal. Nun möchte ich dennoch einige Worte zu einer Serie verlieren, der ich mich kürzlich gewidmet hatte: Star Trek – Discovery.

Das gesamte Star Trek Imperium wird nun schon seit Jahrzehnten weitererzählt. Interessanterweise versuchen dabei einige Autoren und Filmemacher dabei ab und an, die Geschehnisse in die Vergangenheit der ursprünglichen Serie aus den 1960er Jahren zu platzieren. Allein aus dem technischen Aspekt sehe ich solche Versuche für ambitioniert, dennoch recht zweifelhaft.
Bei Star Trek wurde schon manche Serie in der Vergangenheit der „alten“ Enterprise angesiedelt. Teils mit Vorgängern des bekanntesten Captains namens James T. Kirk – teils unter Verwendung seines eigenen Weges vom Kadetten zum Captain.

Für mich war das gesamte Star Trek Universum von Höhen und Tiefen begleitet:

Aufgewachsen mit James T. Kirk, Scotty, Pille und Spock konnten mich nur wenige Serien aus den unendlichen Weiten des Weltalls begeistern. Einige Seitenableger waren sicher nett, konnten mir aber den Charme beziehungsweise das Gefühl nicht mehr wiedergeben, dass ich als Jugendlicher begeistert vor dem flimmernden Kasten sitzend hatte.
Einzig die Serie um Captain Picard hielt ich noch für ausgesprochen interessant – ich könnte mir vorstellen, dass dies daran lag, da sie die Geschichte ähnlich zu erzählen wusste und dabei technische Aspekte glaubhaft weiterentwickelte.
Nun jedoch erneut eine Geschichte aus der Vergangenheit der Enterprise, erzählt auf Netflix in zwei Staffeln.
Star Trek: Discovery möchte dabei von eigenen Abenteuern auf der Discovery erzählen und nahtlos an die Enterprise übergeben. Zeitlich somit einige Jahre vor der ursprünglichen Serie angesiedelt. Laut meinen kleinen Recherchen (Links am Ende dieses Artikels) spielt Discovery in der Hauptzeitlinie des Serien-Universums 9 Jahre vor der Serie „Raumschiff Enterprise“ und dockt dort am Ende direkt an.
Während ich mich diesen beiden Staffeln widmete, stellte ich dabei – unterstützt durch Diskussionen mit Personen meiner Generation – sehr deutlich fest, dass es abermals eine Serie mit Potenzial zum Begeistern war. Gleichzeitig scheint dies aber bei jüngeren Personen nicht der Fall gewesen zu sein. Dies ist natürlich nicht wissenschaftlich erforscht – dennoch scheint Star Trek: Discovery zu polarisieren.

Star Trek: Discovery beginnt sehr anstrengend und ich war wirklich nahe dran, die Serie nach zwei, drei Folgen einfach links liegen zu lassen. In diesen ersten Folgen hörte ich gefühlt nur Klingonisch mit Untertiteln. Da ich gleichzeitig die Rolle der Burnham für außerordentlich interessant fand, folgte ich doch den weiteren Geschehnissen und konnte es plötzlich nicht mehr erwarten, die nächste Folge sehen zu können.
Gut, die Serie hat auch ihre Schwächen – insbesondere, wenn man es gewohnt ist, sämtliche auf der Brücke arbeitende Crewmitglieder fast persönlich kennen und lieben zu lernen. Auf der Discovery halten diese kraft ihres Arbeitsgebietes gut zusammen und agieren als Team. Man wird aber das Gefühl nicht los, dass dies nur auf Basis des eigenen Berufes vorgenommen wird – ein emotionaler und tiefgehender Teamgeist kommt nicht an die Oberfläche. Darüber hinaus sind die Nebenrollen sehr dünn gezeichnet und bekommen erst im Laufe der zweiten Staffeln ein wenig Form.
Demgegenüber steht die erstmalige Idee, die Hauptrolle nicht einem Kapitän zu überlassen, wodurch die übliche Erzählweise mit anderen Aspekten neu sortiert werden konnte.
Erzählt wird die gesamte Geschichte erneut auf horizontale Weise und es fällt einem somit nicht schwer, der Geschichte tiefenentspannt folgen zu können. Dieses Vorgehen entspricht dem ursprünglichen Plotaufbau und ist wohl auch mit ein Grund, warum man wieder ein wenig Begeisterung aufkommen lassen kann.
Die in der zweiten Staffel vorgenommenen Zeitsprünge schwächen das ein wenig ab, da die Geschichte hier sehr krude konstruiert wirkt und man für ein Unterhaltungsformat doch recht konzentriert angespannt folgen muss.
Die Hauptrolle und auch der Anteil an weiblichen Darstellern war absolut erfrischend und ich finde, hier sollte noch viel mehr dafür getan werden. Mir persönlich kamen die Anzahl als auch die Handlungen durchweg sehr gleichberechtigt vor. Sehr interessant bei einer Serie, die VOR der Welt des J.T. Kirk spielt, die doch noch sehr männlich dominierend war.
Die Integration von gleichgeschlechtlicher Liebe ohne großes Aufheben darüber kommt ebenfalls in dieser und auch in mehreren aktuellen Serien vor. Auch diesen Aspekt halte ich für außerordentlich wichtig, damit diese Art des Zusammenlebens endlich einmal zur Normalität wird und auch der letzte Hinterbänkler erkennt, dass daran nichts Verwerfliches ist.
Star Trek: Discovery macht ausreichend Spaß und ich war sichtlich erstaunt, wie geschickt sie den Schwenk von der Discovery zur Enterprise hinbekommen. Allein dafür sollten die Autoren bereits einen Preis bekommen. An manchen Ecken ein wenig konstruiert, dennoch auseichend geschickt erzählt, um mir einige spannende Science-Fiction-Stunden mit ein wenig Reminiszenz an vergangene Zeiten zu bieten. Dies haben sie geschafft und somit scheint die Serie für einen Nicht-Hardcore-Star-Trek-Fan gut zu funktionieren.
Ich bin überzeugt, dass in den nächsten Jahrzehnten in diesem Universum noch einige weitere Ableger zur wohl bekanntesten Serie der 60er Jahre hinzukommen.
Jürgen Seibold/23.07.2019

Ein klein wenig hatte ich mir bei diesem unüblichen Artikel die Mühe zu etwas Recherche gemacht. Somit hier einige wenige Linktipps, die mir dabei aufgefallen sind:
Wikipedia zu den beiden Staffeln von Star Trek Discovery

In einem interessanten Artikel im Audible Magazin fand ich eine Abhandlung über die Star Trek-Zeitschiene

Selbstverständlich entwickelten sich im Star Trek-Universum auch eine Vielzahl an literarischen Werken. Diese aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Einige namhafte SF-Autoren befinden sich darunter. Wikipedia ist dabei erneut eine geeignete Quelle, um sich ein Bild über das gesamte Spektrum machen zu können. Hier gehts lang…

Weitere Verlinkungen lasse ich nun außen vor – für Interessierte ist Wikipedia jedenfalls eine gute Ausgangsposition, um weitere Informationen in dieser groß angelegten Welt zu ergründen.
Sicherlich gibt es noch tiefergehende Seiten – wenn diese jemand bekannt machen möchte, dann einfach einen Kommentar hinterlassen.

Reeve, Philip: Mortal Engines – Jagd durchs Eis

Originaltitel: Predator’s Gold
Aus dem Englischen von Nadine Püschel und Gesine Schröder
©2003 Philip Reeve
Für die deutschsprachige Ausgabe: ©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70213-8
ca. 360 Seiten

COVER:

Im zweiten Teil der „Mortal Engines“-Reihe verschlägt es Tom und Hester mit ihrem Luftschiff Jenny Haniver in die Eisstadt Anchorage, die von der jungen Margrabina Freya Rasmussen auf einen abenteuerlichen Kurs geführt wird: Ihr Ziel ist Amerika, der vergessene Kontinent, wo sie eine neue Heimat für ihre Stadt finden möchte. Doch die Reise ist riskant und das Ziel vielleicht nur eine Illusion: Was wird sie in der Alten Welt erwarten?

Aus dem Bericht des Forschungsreisenden Nimrod Beauregard Pennyroyal: „Nordamerika ist ein toter Kontinent. Das ist allseits bekannt. Nach seiner Entdeckung durch den großen Forscher und Detektiv Christoph Columbo im Jahre 1924 mauserte es sich zu einem Weltreich, das allerdings im Sechzig-Minuten-Krieg restlos zerstört wurde. Zurück blieben geisterhafte rote Wüsten, toxischer Morast, Atombombenkrater, Rost und totes Gestein. Nur die Wenigsten wagen sich dorthin, und doch halten sich Gerüchte, Geschichten. Das Raunen betrunkener alter Lufthunde in abgewirtschafteten Karawansereien. Berichte von Luftschiffen, die vom Kurs abkamen und ein ganz anderes Amerika unter sich erblickten: grüne Landschaften, Wälder und Wiesen, riesige blaue Seen.“

REZENSION:

Philip Reeves Reihe um die sagenhaften Städte, die sich rasend durch die Welt bewegen geht mit dem zweiten Band beinahe nahtlos weiter. Gut, es ist eine gewisse Zeit vergangen – ich denke etwa 2 Jahre, wenn mich gerade nicht alles täuscht. Dennoch ist zwischenzeitlich nichts Nennenswertes geschehen und das Pärchen Hester und Tom bereits in ihrem Luftschiff die Welt als Händler und Abenteurer.
Eines Tages nehmen sie den Historiker Pennyroyal als Passagier auf und schon befinden sie sich in einem neuen Abenteuer, dass sich gewaschen hat und sie bis an ihre persönlichen Grenzen bringt.
Nachdem sich die beiden Protagonisten Tom und Hester im ersten Buch dieser Reihe erst kennen- und lieben lernten, sind sie nun im Nachfolgeband die beiden wichtigsten Hauptfiguren. Dieser kleine Umstand führt zum sofortigen Eintauchen des Lesers, da kein langes Erklären und Ausholen des Autors stattfindet. Philip Reeve legt vielmehr sofort los und lässt keine Zeit zum gemütlichen Ein- und Ausatmen.
„Jagd durchs Eis“ ist Programm in diesem Buch und die besage Jagd macht richtig viel Spaß beim Lesen.
Gut, ich bin nicht mehr wirklich die Zielgruppe dieses eher auf Jugendliche abgerichtete Buch – dennoch konnte es mich auf seine eigene Art gut unterhalten.
Natürlich halte ich einige Aspekte ein wenig zu impulsiv – insbesondere, als Hester heimlich eine kleine Besonderheit sieht und wutentbrannt eine Entscheidung trifft, die nicht gerade gut überlegt ist und darüber hinaus eher kindisch wirkt. Nimmt man sich als Mitglied der doch schon etwas älteren Generation ein wenig zurück und lässt die Gedanken in Richtung Jugend schweifen, dann nimmt man dem Autor dieses Vorgehen auch sofort wieder ab und akzeptiert es als glaubhaft, da doch immer wieder ähnliche Reaktionen bei jüngeren Generationen auftreten und oft auch nicht plausibel nachvollziehbar geschweige denn wohlüberlegt sind.
Ich schweife ab, wollte damit aber nur darlegen, dass man dieses Werk als Jugendbuch mit dementsprechenden Inhalten betrachten sollte. Lässt man dies zu, gefällt es einem auch als älteren Leser und ich bin im Anschluss froh, dass es weiterhin so herausragende Geschichten auf dem Markt gibt, die vielleicht den ein oder anderen neuen Leser zur Folge haben.
Während der erste Band in meinen Augen noch ein wenig suchend wirkte, legte der Autor hier wohl mit stolz geschwellter Brust deutlich nach. Dementsprechend halte ich den zweiten Band um Längen stärker, rasanter und spannender als den Ersten. Die Storyline ist zwar auch hier leicht vorhersagbar und zielgerichtet, nichts desto trotz ist es eine absolut gelungene Fortsetzung und ich freue mich schon auf die weiteren Erlebnisse dieses kuriosen Paares.
Jürgen Seibold/22.07.2019

Ruocchio, Christopher: Das Imperium der Stille

Originaltitel: Empire Of Silence – Sun Eater, Book One
Aus dem Amerikanischen von Kirsten Borchardt
Deutsche Erstausgabe 11/2018
©2018 by Christopher Ruocchio
©2019 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31828-1
ca. 989 Seiten

COVER:

„Das Licht der gemordeten Sonne verbrennt mich noch immer. Ich weiß, was ich bin. Man gab mir viele Namen, und ich bin vieles gewesen – Adliger und Diener, Gladiator und Soldat, Gelehrter und Held. Alles aber beginnt mit meinem Namen: Hadrian Marlowe.“

In einer weit entfernten Zukunft hat die Menschheit die Galaxie besiedelt und ein gewaltiges Sternenreich errichtet. Seit Jahrhunderten befindet sich das Imperium nun schon im Krieg gegen die außerirdische Zivilisation der Cielcin, die mit ihren Eisschiffen bereits Tausende Planeten zerstört und Milliarden von Menschen getötet und versklavt haben. Weder die genetisch optimierten Adligen noch die Imperiale Legion haben die Cielcin besiegen können, und niemand weiß, woher sie überhaupt kommen und was sie wollen. Als der jungen Adlige Hadrian Marlowe dem Schicksal entfliehen will, das sein grausamer Vater für ihn vorgesehen hat, verschlägt es ihn an den Rand des Imperiums. Verraten und von allen verlassen, muss er sich als Diener und Gladiator durchkämpfen – bis er eines Tages in den uralten Ruinen auf einer fremden Welt eine Entdeckung macht, die sein Schicksal und die Zukunft des Imperiums für immer wenden wird. Dies ist die Geschichte von Hadrian Marlowe, dem Sonnenfresser.

RESENSION:

„Das Imperium der Stille“ von Christopher Ruocchio ist der erste Band einer Reihe über den Sonnenfresser Hadrian Marlowe.
Die Geschichte findet in einer weit entfernten Galaxie statt und schafft es nahezu problemlos des Lesers Gedanken an eine Vielzahl bekannter Romane des Genres aufblitzen zu lassen. Ruocchio scheint eine Vorliebe zu haben für das Römische Reich oder das unerreichbare Werk Herberts mit dem dezenten Titel „Dune“.
Den dabei eingeschlagenen Weg beschreitet der Autor nahezu problemlos. Sein Stil ist sehr eingängig und die Erlebnisse Marlowes glaubwürdig dargelegt. Gleichzeitig ist Christopher Ruocchio aber auch ein schreibender „Schwätzer“ und dementsprechend verliert er sich in seiner Erzählung.
Sein Worldbuilding ist nahezu perfekt und gefällt durch und durch. Seine Hauptfigur ist aber dermaßen selbstverliebt, dass seine Tätigkeiten nur noch unsympathisch wirken. Hier ist dem Schriftsteller ein Fauxpas unterlaufen und er verliert den geneigten Leser, der mitleidend die Erlebnisse erleben möchte. Nichts ist schlimmer, als ein in der Ich-Form erzählender Hauptdarsteller mit dessen Charakter man nicht wirklich etwas anfangen kann. Darüber hinaus gibt es keine echten Gegner und Bedrohungen. Hadrian Marlowe tappst von Erlebnis zu Erlebnis ohne richtungsweisenden Blick auf das Ziel.
Darüber hinaus verliert sich der Autor in Darstellungen und Erzählungen – ich bin mir sicher, dass dieses Werk bei weitem besser funktionieren würde, wenn der erste Band eben keine 1.000 Seiten benötigen würde.
Schade, da die grundsätzliche Idee wirklich außerordentlich interessant ist und die Vorbilder stets erkennbar sind. Nichts desto trotz muss auch eine lange Geschichte den Leser von Anfang an bei der Hand nehmen und dafür sorgen, dass er sich mit den Geschehnissen identifizieren kann. Dies fehlte mir hier leider.
Jürgen Seibold/21.07.2019

Scalzi, John: Frontal

Originaltitel: Head On
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen
© 2018 by John Scalzi
Für die deutschsprachige Ausgabe: © 2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-29979-9
ca. 365 Seiten

COVER:

Ein Spiel mit tödlichem Ausgang

Kennen Sie Hilketa? Bei dieser Sportart gehen die Spieler mit Schwertern und Hämmern aufeinander los. Das Hauptziel des Spiels: Erbeute den Kopf deines Gegners und befördere ihn durch die Torpfosten. Für gewöhnliche Menschen wäre ein solcher Sport unmöglich. Aber alle Spieler sind „Threeps“, roboterartige Körper, die ferngesteuert werden. Alles ist erlaubt.
Bis ein Starathlet, der einen solchen Threep steuert, während eines Spiels zu Tode kommt. Ist es ein Unfall oder Mord? Die beiden FBI-Agenten Chris Shane und Leslie Vann ermitteln.

REZENSION:

John Scalzi konnte mich schon oft mit seinen Romanen nahezu uneingeschränkt unterhalten. Gerade wenn ich zum Beispiel an KOLLAPS denke, bin ich immer noch ganz angetan von diesem eingängig erzählenden Schriftsteller.
Dementsprechend freute ich mich auf FRONTAL. Ich bin dann immer wieder sehr überrascht, wenn ich ziemlich vorbehaltlos einen Roman öffne, dennoch bereits nach einiger Zeit merke, dass sich die Tür nicht öffnet, die zum notwendigen Zugang zur Geschichte führt.
Ich mache Bücher nur sehr ungern zu. Gleichzeitig gibt es mittlerweile eine schier unendliche Vielzahl an Geschichten. Warum also sich mit Werken aufhalten, von denen man nicht von Anfang an überzeugt ist?
Auch hier blieb mir leider nichts anderes übrig, als es zu schließen – da es sich um Scalzi handelte, hielt ich sogar knapp über 100 Seiten durch. Üblicherweise sollte es ein Buch mit einer normalen „Dicke“ schaffen, mich bereits nach etwa 50 Seiten zu haben. Somit gab es hier einen doppelten Bonus und die verlängerte Hoffnung, dass mich Scalzi noch zu überzeugen weiß. Leider schaffte er es nicht und somit kann ich nichts tiefgehenderes darüber erzählen, da bei mir kein besonderer Eindruck zurückgeblieben ist. Nichts desto trotz werde ich diesen Autor weiterhin im Auge behalten – es muss ja nicht jedes Rezept schmecken…
Jürgen Seibold/03.06.2019

Gibson, William: Peripherie

Originaltitel: The Peripheral
Vollständige Taschenbuchausgabe Oktober 2018
© 2014 William Gibson
© 2016 der deutschsprachigen Ausgabe Tropen – J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
Ein Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-426-52206-6
ca. 602 Seiten

COVER:

Flynne ist die einzige Zeugin eines grausamen Verbrechens – doch sie ahnt nicht, dass die Tat erst in 100 Jahren geschehen wird.

Getrennt durch die Apokalypse, die einen Großteil der Menschheit ausgelöscht hat, leben Flynne und Wilf zu unterschiedlichen Zeiten in grundverschiedenen Welten. Als Flynne eines Tages ein düster-futuristisches Spiel testen soll, wird sie Zeugin eines Mordes – ohne zu wissen, was sie da sieht. Genauso wenig ahnt sie, dass das „Spiel“ keines ist – sondern die Zukunft, in der Wilf lebt.

REZENSION:

Die Geschichte dieses Buches des herausragenden Schriftstellers William Gibson hat mich sehr angesprochen. Dementsprechend euphorisch begann ich mit den ersten Seiten dieses Romans und freute mich auf eine postapokalyptische Welt, die sich in unterschiedlichen Zeiten abspielt und dementsprechend übereinander gelagert funktioniert oder sich sogar auf Basis dieser beiden zeitlichen Ebenen gegenseitig unterstützt und auflöst.
Leider konnte Gibson meinem Anspruch nicht gerecht werden. Vielleicht würde er diesem sogar gerecht werden, denn seine prinzipielle Qualität und der anspruchsvoll erzählte Inhalt könnten dafür sprechen. Nichts desto trotz schaffte er es nicht, mich als enthusiastischen Leser bei der Hand zu nehmen. Seine Mischung wäre außerordentlich interessant – leider konnte ich zu Anfang dem Autor schlicht nicht folgen und dementsprechend schwer fiel es mir einen Anker zu greifen, der mich durch die Geschichte führt.
Dementsprechend schnell war ich nur noch irritiert und hatte erhebliche Schwierigkeiten, die nicht näher erklärten Ebenen zu greifen und ihnen adäquat zu folgen.
Aus diesem Grund entschied ich mich nach einer gewissen Zeit, mich anderen Werken zu widmen und dieses Buch beiseite zu legen. Schade, da die grundsätzliche Idee doch ganz gut mein Interesse wecken konnte.
Jürgen Seibold/07.06.2019

Reeve, Philip: Mortal Engines – Krieg der Städte

Originaltitel: Mortal Engines
Aus dem Englischen von Nadine Püschel und Gesine Schröder
©2001 Philip Reeve
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70212-1
ca. 334 Seiten

COVER:

Es war nur natürlich, dass Großstädte kleine Städte fraßen, dass Kleinstädte Dörfer verschlangen und sich Dörfer an statischen Siedlungen gütlich taten. Das war der Städtedarwinismus, und so lief es in der Welt seit Hunderten von Jahren …

Eine der gefährlichsten Städte in den Großen Jagdgründen ist London, prächtig anzusehen und voller stolzer, furchtloser Bewohner – bis ein Attentat die Dinge aus dem Gleichgewicht bringt. Als das Mädchen mit dem Tuch vor dem Gesicht ein Messer zückt, um den Obersten Historiker Londons, Thaddeus Valentine, umzubringen, kann ihm der junge Gehilfe Tom in letzter Sekunde das Leben retten. Er verfolgt das Mädchen, das jedoch durch einen Entsorgungsschacht in die Außenlande entkommt. Dass Valentine statt seinem Retter zu danken, den Jungen gleich mit hinausstößt, konnte beim besten Willen keiner ahnen …

Damit beginnt Toms und Hesters abenteuerliche Odyssee durch die Großen Jagdgründe. Sie treffen auf Sklavenhändler und Piraten, werden von einem halbmenschlichen Kopfgeldjäger verfolgt und von einer Aeronautin namens Anna Fang gerettet. Und all das, während in London finstere Pläne geschmiedet werden.

REZENSION:

Die Welt in „Mortal Engines“ ist eine Welt, wie sie mir in einer Geschichte wohl noch nie untergekommen ist: Hier sind die Städte riesige Maschinen, die sich durch die Jagdgründe bewegen und dabei andere Städte oder Dörfer in sich einverleiben. Diese Idee hat etwas Surreales und gleichzeitig extrem Brachiales. Ich persönlich finde es absolut erfrischend, mich auf dieses Gedankenspiel ein zu lassen und freute mich bereits auf den Inhalt der ersten Folge dieser auf mehrere Bände ausgelegten Reihe.
Natürlich ist mir auch bewusst, dass auf Basis dieses Werkes auch ein Film seinen Weg in die Kinos gefunden hatte. Der Regisseur dabei kein geringerer als Peter Jackson, der bereits dem „Herrn der Ringe“ cineastische Züge verliehen hatte.
Ich konnte mich aber dem Buch komplett unbelastet widmen, da ich den Film bisher noch nicht gesehen habe. Lediglich der Trailer war mir bewusst und dementsprechend konnte ich es nicht vermeiden, das Bild Londons bereits wie im Film vor Augen zu haben. Dies störte aber nicht, da Philip Reeve ehrlich gesagt nicht sehr detailliert auf seine Welt eingeht. Einerseits finde ich das gut, andererseits wäre ich dennoch sehr gerne tiefer eingedrungen.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich mit meinem doch gehobenen Alter nicht die wirkliche Zielgruppe des Autors darstelle. Dieser Eindruck verstärkte sich bei mir im Laufe des Buches – ich habe mich aber damit abgefunden und mich auf eine etwas schlichtere Unterhaltung eingelassen. Die Zielgruppe liegt meines Erachtens eher im Jugend- oder jüngerem Erwachsenenalter. Die Story ist nämlich dementsprechend geschnitten und geht straight auf ihr Ende zu. Die Protagonisten lassen sich in ihrer Tätigkeit als auch in ihrer aufflammenden Beziehung zueinander recht einfach einordnen und vorhersagen. Dementsprechend wenig Überraschendes gibt es in diesem Plot. Gleichzeitig halte ich es aber für wichtig, dass solche Bücher ihren Weg zu ihrer Klientel finden. Sie sind nämlich außerordentlich unterhaltsam und sorgen für einige genussvolle und unterhaltsame Stunden. Besonders die stringente Vorgehensweise und die etwas einfache Erzählweise sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Das Buch ist aufgrund dessen recht schnell gelesen und man ertappt sich auch als alter Hase dabei, dass man doch den nächsten Band ebenfalls lesen möchte.
Als Fazit lässt sich sagen, dass „Mortal Engines“ für die junge Leserschaft eine gute Empfehlung darstellt – Personen meines Alters werden etwas weniger überrascht, können aber auch ganz ordentlich auf leichte Art damit unterhalten werden.
Jürgen Seibold/26.05.2019

Hudson, Gabe: Gork der Schreckliche

Originaltitel: „Gork, The Teenage Dragon“
Aus dem Englischen von Wieland Freund und Andrea Wandel
©2017 by Gabe Hudson
Für die deutsche Ausgabe © 2018 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachf. GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96268-0
ca. 432 Seiten

COVER:

Gork ist nicht wie die anderen Drachen an der Militärakademie WarWings. Er hat winzige Hörner und fällt gelegentlich in Ohnmacht. Sein Spitzname ist „Weichei“ und sein WILLE-ZUR-MACHT-Ranking liegt bei „Kuschelbär“ – das niedrigste in seinem Jahrgang.
Aber er ist wild entschlossen, sich von nichts aufhalten zu lassen, als die wichtigste Mission seines Lebens beginnt: Am Vorabend seiner Abschlussfeier muss er einen weiblichen Drachen fragen, ob sie seine Queen sein will. Sagt sie ja, wird er mit ihr einen Planeten unterwerfen und mit seinen Nachkommen bevölkern. Sagt sie nein, – dann wird Gork leider versklavt.

REZENSION:

Als ich das Cover sah und den dazugehörigen Pressetext, war ich gleich hin und weg und wollte die Erlebnisse des Drachen Gork unbedingt lesen.
Humorvolle Romane sind meiner Meinung nach eine wundervolle Abwechslung und sorgen mit ihren Zoten oft für schmunzelnde Leser. Man denkt sogleich an namhafte Autoren wie etwa Terry Pratchett und ähnlich gelagerte Schreiberlinge der tiefsinnigen und trotzdem witzigen Art.
Gabe Hudson scheint einen ähnlichen Ansatz geplant zu haben. Leider bleibt er in seiner Erzählung auf einem Niveau, welches bei mir nur Anfangs funktionierte. Zu Beginn ist man noch froher Dinge und unvoreingenommen. Dementsprechend interessiert widmet man sich der Lektüre. Dabei konnte er auch ab und an für das wohlfühlende Schmunzeln sorgen. Leider beginnen dann recht schnell die Wiederholungen und der tiefgründige Sprachwitz taucht nicht auf. Dieser hätte eventuell noch für ein Wohlwollen sorgen können – aber Gork blieb leider eine Art Slapstick-Roman und konnte mich somit nicht bis zum finalen Ende zwischen den Buchdeckeln führen.
Schade, da ich zwischendurch sehr gerne fantastische Romane der witzigen Art vor meinen Augen ausbreiten möchte – in diesem Fall hielt ich zusätzlich die Vermengung von Fantasy und Science Fiction als eine rundum interessante Idee. Leider hapert es an der Auführung oder ich bin für diese Umsetzung bereits zu alt, da hier ausschließlich auf vermeintlich witzige Begebenheiten geachtet worden ist und die viel interessantere Spielart der Ironie und Tiefsinnigkeit dabei komplett auf der Strecke geblieben ist.
Schade…
Jürgen Seibold/01.05.2019

Vogt, Judith: Roma Nova

©2018 by Bastei Lübbe AG, Köln
ISBN 978-3-404-20914-9
ca. 622 Seiten

COVER:

EINE SEHERIN MIT DEM DURST NACH RACHE
EIN GLADIATOR MIT EINEM KÜNSTLICHEN HERZ
EINE REVOLTE UNGEKANNTEN AUSMASSES

Dämonische Kreaturen lauern am Rande des Mare Nostrums, darauf harrend, den Planeten Rom für immer von der Sternenkarte zu löschen. Sie überfallen das Raumschiff des Legaten Lucius Marinus, um die Sklavin und Seherin Morisa zu befreien und zu sich in den Hades, ein zerstörerisches Sternensystem um ein Schwarzes Loch, zu holen. Von dort aus plant Morisa ihre Rache an ihrem ehemaligen Herrn und dem gesamten Römischen Imperium.

Auf Rom erfährt der Gladiator Spartacus von der Flucht seiner Ehefrau Morisa. Er ist ein gefeierter Arenakämpfer, doch er sehnt sich zurück nach der Freiheit. Spartacus will sich nicht länger seinem Schicksal ergeben. Schon lange plant er einen Aufstand des Ludus. Nun ist die Zeit gekommen, den Plan umzusetzen und Morisa in den Hades zu folgen!
Der Sklavenaufstand beginnt!

REZENSION:

Judith Vogts Roman Roma Nova kommt mit einer außerordentlich interessant klingenden Idee: Die als „Altes Rom“ bekannte Welt wird von ihr in die Weiten des Universums verlegt.
Rom ist somit nicht nur eine Stadt, sondern eben auch ein Planet.
Die Autorin schaffte es dabei regelrecht virtuos, diese beiden prinzipiell nicht passenden Welten auf eine sehr geschickte Art und Weise zusammen zu fügen. Einerseits fühlte man sich dadurch direkt in das alte Rom versetzt – gleichzeitig begegnen wir aber auch Errungenschaften der fernen Zukunft.
Gladiatorenspiele sind immer noch die bevorzugte Unterhaltungsform – die Arena wirkt in ihrer Beschreibung trotz aller integrierter Technik wie eine Erklärung des Colosseums.
Durch diese geschickte Verknüpfung schaffte es die Autorin mich lange Zeit problemlos bei der Hand zu nehmen und mich nahezu uneingeschränkt zu unterhalten. Gut, ein klein wenig mehr über die römische Welt hätte ich gerne im Detail erfahren – darüber kann man aber zu Gunsten eines schnellen Leseflusses hinwegsehen.
Die Protagonisten sind gut gezeichnet und man kann sich ihnen leicht anschließen.
Die Welt steckt voller Intrigen und unerlaubten Heimlichkeiten beziehungsweise Liebschaften. Somit lange Zeit ein schönes Sittengemälde einer erfundenen Welt mit einer Vielzahl an Reminiszenzen zum Alten Rom.
Etwa nach 2/3 des Buches drehte sich meiner Meinung leider in die andere Richtung. Während ich anfangs noch jedes Wort feierte, ertappte ich mich im letzten Drittel immer mehr, dass ich auf das Ende wartete. Gleichzeitig entstanden Lesepausen, welche für mich immer ein untrügliches Zeichen sind, dass sich die genialen Fesseln des Buches gelöst hatten und die Story oder Handlung von mir weg zu driften versuchte.
Genau kann ich nicht greifen, woran dies wohl lag. Gefühlt ging es in etwa beim Start der eigentlichen Revolte los. Trotz der Actionszenen schien irgendetwas zu fehlen und somit folgte ich nur noch der restlichen Handlung, da ich zum Ende kommen wollte.
Alles in allem ist Roma Nova dennoch ein nicht gerade schlechtes Buch. Im Gegenteil! Es wird sicher seine Klientel finden und hat dies auch in meiner Person ganz gut geschafft. Es ist definitiv eine wunderschöne Idee eine Art Crossover entstehen zu lassen. Natürlich ist das Setting aber auch dementsprechend austauschbar, da die Autorin nicht im kleinsten Detail darauf eingeht. Dies möchte ich aber nicht als Vorwurf werten, wie bereits angemerkt. Die Geschichte funktioniert jedenfalls, verliert sich aber im letzten Part in sich selbst. Eventuell waren die Ansprüche durch den Genuss der ersten beiden Drittel bereits hoch und konnten zum Ende hin nicht mehr rundum befriedigt werden.
Jürgen Seibold/28.04.2019

Doctorow, Cory: Walkaway

Originaltitel: Walkaway
Aus dem Englischen von Jürgen Langowski
Deutsche Erstausgabe 07/2018
©2017 by Craphound LLC
©2018 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31793-2
ca. 736 Seiten

COVER:

Mitte des 21. Jahrhunderts: Die Erde ist vom Klimawandel gezeichnet, die Staaten werden von Ultra-Reichen regiert, und die Städte haben sich für die normalen Bürger in Gefängnisse verwandelt. Aber es ist auch eine Welt, in der sich Lebensmittel, Kleidung und sogar Behausungen per 3D-Druck ohne großen Aufwand produzieren lassen. Warum also in einem so kaputten System ausharren? Warum nicht einfach … weggehen? Und so werden vier ungleiche Helden zu „Walkaways“. Sie lassen die Zivilisation hinter sich und suchen nach Freiheit und Selbstbestimmung. Und machen die vielleicht größte Entdeckung aller Zeiten.

REZENSION:

Bei manchen Büchern passt die genannte Thematik einfach wie die Faust aufs Auge. Der sehr reduzierte Text des Covers lässt hoffen und gleichzeitig einiges erwarten. Eine große Utopie des 21. Jahrhunderts wird uns Leser versprochen. Dementsprechend konnte ich es schon gar nicht mehr erwarten, dieses Werk endlich lesen zu können.
Die Erwartungen waren hoch, doch konnten sie auch befriedigt werden?
Nun, vorab gesagt: Leider in meinem Falle nicht. Auch wenn ich es wirklich mit aller Inbrunst versucht hatte und das Buch erst nach 140 Seiten unvollendet beiseitelegen musste – das Hochgefühl konnte ich nicht aufrecht halten.
„Walkaway“ versucht wirklich sehr viel und wird mit Sicherheit bei mancher Klientel damit auch punkten können. Mir persönlich wurde zu wenig Wert auf die Welt als auch die persönlichen Ambitionen der Protagonisten gelegt.
Cory Doctorow erzählt seine Geschichte sehr dialoglastig. Dies würde mich noch nicht mal stören, dennoch konnte er damit keinen sauberen Faden auslegen, an dem ich mich in irgendeiner Art und Weise orientieren könnte. Mir ist weder bewusst geworden, wie sich die beiden Seiten dieser Welt darstellen, noch welche Hintergründe zum „walkaway“ führten.
Vielleicht war es eine simple Schnapsidee der „walkaways“, ihren sicheren Hort zu verlassen – aber selbst wenn es so wäre: Es wurde mir nicht bewusst.
Ich persönlich finde es außerordentlich schade, dass mich dieses Werk nicht überzeugen konnte – die Idee dahinter hat mich wahrlich überzeugt und bei einer anderen Ausarbeitung wäre ich mit wehenden Fahnen voran geschritten, um jedem dieses Buch nahe zu bringen.
Trotz meiner negativen Leseerfahrung und dem vorzeitigen Abbrechen möchte ich noch einen wichtigen, positiven Punkt hinterlassen: Doctorows Schreibstil hat mir prinzipiell außerordentlich gut gefallen. Locker, witzig, eingängig und simpel zu verstehen. Die stringente, handlungsorientierte Vorgehensweise und der dazu gehörige Antrieb hatten mir einfach gefehlt. Im Umkehrschluss werde ich aufgrund seiner grundsätzlichen Art dennoch diesen Namen weiterhin im Auge behalten und ihm somit eine weitere Chance bei seinem nächsten Buch geben.
Jürgen Seibold/12.04.2019