Anthony Ryan: Das Lied des Blutes (Rabenschatten 1)

Originaltitel: Blood Song. A Raven’s Shadow Novel
Aus dem Englischen übersetzt von Sara und Hannes Riffel
©2011 by Anthony Ryan
Für die deutsche Ausgabe: ©2014, 2016 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-94971-1
ca. 776 Seiten

COVER:

Vaelin al Sorna, der berühmteste Gefangene des Reichs und sein größter Kämpfer, erzählt die atemberaubende Geschichte seines Lebens. Er ist an Bord eines Schiffs, das ihn zu dem Ort bringen soll, an dem es für ihn um Leben und Tod geht. Einst war er von seinem Vater als Zögling in das Kloster des Sechsten Ordens gebracht worden, wo er zum Krieger ausgebildet wurde. Nun sind die Namen, die er sich im Kampf verdient hat, über alle Grenzen hin bekannt: Schwert des Königs, Dunkelklinge, Rabenschatten und am gefürchtetsten: Hoffnungstöter.

REZENSION:

Der junge Vaelin wird unvorbereitet von seinem Vater vor den Toren des Sechsten Ordens abgegeben.
Dieser Orden bildet Krieger aus und unterstützt damit – als Kämpfer des Glaubens – den Herrscher bei der Sicherung seines Reiches.
Vaelin wird dabei zu einem der Größten von ihnen. Sein Name wird im gesamten Reich und noch darüber hinaus bekannt. In Anthony Ryans erstem Rabenschatten-Band erfahren wir einen großen Teil über das Leben und Wirken Vaelin al Sornas.
Prinzipiell könnte man sich natürlich als geneigter Fantasy-Leser auch bei diesem Schmöker fragen, warum man sich so etwas überhaupt antut. Erneut ein erster Band mit bereits weit über 700 Seiten. Eine nicht gerade neu klingende Geschichte und somit wohl auch diesmal Stoff, der zum Träumen und Abtauchen anregt.

Ist das wirklich so? – Mitnichten!
Ja, Anthony Ryan erzählt lediglich die Geschichte einer Person von A bis Z: Der junge Vaelin lernt ausschweifend beschrieben sein blutiges Handwerk, fällt eines Tages in die Abhängigkeit des Königs und macht sich auf den Weg zu diversen Kämpfen – immer begleitet von manch einer dezent eingeflochtenen Intrige des Königshauses.
Aber: Es gibt im Genre der Fantasy ab und an Werke, die einen Leser wieder von seinem bevorzugten Genre überzeugen können. Teilweise muss man dafür Jahre voll Hoffnung hinter sich bringen und wenn ich so zurück denke, ist es wahrlich schon lange her, dass mich ein Fantasyroman absolut und uneingeschränkt so überzeugen konnte, wie vorliegendes Lied des Blutes.
Vor vielen Jahren ging es mir mit Williams’ Drachenbeinthron recht ähnlich, danach wurde es dünn, bis Martin mit seinem Song Of Ice And Fire ums Eck kam. Dieser war mir dann aber nach dem achten Band dann doch zu langatmig und ich schwenkte meine Nase lieber in andere Werke des Genres der phantastischen Literatur.
Nun jedoch Anthony Ryan – und dieser Name sagte mir bis dato leider absolut gar nichts. Beschämt kann ich somit lediglich dieses Werk jedem an das Herz legen, der sich für etwas anspruchsvollere und sehr intelligent geschriebene Fantasy interessiert. Nebenbei erwähnt: Es gibt hier keine Wesen, Drachen, etc. Das ganze Buch wirkt eher wie ein Tatsachenbericht aus einer mittelalterlich angehauchten Welt.
Ryan ist wohl der einzige Autor, der es bisher geschafft hatte, mal locker 300 Seiten einfach nur über die täglichen Tätigkeiten seines Protagonisten zu erzählen. Recht viel mehr passiert zuerst einmal nicht – dennoch war ich wie schon lange nicht mehr an die Seiten gefesselt.
Ich ziehe wahrlich meinen Hund vor diesem rundum virtuos erzählenden Autor. Herzlichen Dank für diese geniale Geschichte, die mich mehrere Stunden in weit entfernte Welten entführen konnte.
Jürgen Seibold/07.09.2017
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