Jussi Adler-Olsen: Selfies

Originaltitel: Selfies
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
© 2017 Jussi Adler-Olsen
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, München
ISBN 978-3-423-28107-2
ca. 576 Seiten

COVER:

In einem Park in Kopenhagen wird eine alte Frau ermordet aufgefunden. Fast zeitgleich begibt sich ein durchgedrehter Autofahrer auf die tödliche Jagd nach jungen Frauen. Irgendwo da draußen, so hat es den Anschein, werden weitere perfide Morde geplant. Steht all dies womöglich im Zusammenhang mit einem lange zurückliegenden und noch immer unaufgeklärten Verbrechen?

Das Management des Polizeipräsidiums in Kopenhagen ist höchst unzufrieden mit der Aufklärungsrate des Sonderdezernats Q. Ausgerechnet Rose soll nun das Ruder herumreißen – doch Rose ist in ihrem aktuellen Zustand weit davon entfernt, diesen Erwartungen gerecht zu werden. Die Wurzeln ihrer desaströsen Verfassung liegen in einem dunklen Kapitel ihrer Vergangenheit: “Zu dem tiefsten inneren Raum in ihrem Dunkel bekamen sie keinen Zutritt, dieser Raum gehöre ihr. Ihr allein.”

Carl, Assad und Gordon stehen vor ihrer bislang größten Herausforderung und dass Rose ihren eigenen Kampf kämpft, ist für alle schwer erträglich. Doch Scheitern ist keine Option. Es muss ihnen einfach gelingen, diese schrecklichen Verbrechen in Kopenhagen zu stoppen.

REZENSION:

Mit “Selfies” befinden wir uns nun bereits beim siebten Fall des Kopenhagener Sonderdezernats Q, welches sich an die Fahne geschrieben hat, alte, ungelöste und längst zu den Akten gelegte Fälle erneut aufzurollen.
Bereits mit dem ersten Fall dieses Dezernats konnte Jussi Adler-Olsen für eine spannende und außerordentlich interessante Unterhaltung sorgen. Seine Fälle hatten fast immer eine Verbindung in die aktuelle Zeit und seine Erzählweise sorgte dafür, dass die Beschreibung “Thriller” auf dem Cover definitiv gepasst hatte.
Dies zog sich auch die weiteren Fälle auf diesem hohen Niveau durch – lediglich beim sechsten Fall konnte er mich nicht mehr umfänglich überzeugen. Hierin wurde das Thrillerelement ein wenig zu sehr auf die Seite geschoben und man folgte einem noch interessanten aber nicht außergewöhnlichen Krimi.
Dementsprechend gespannt war ich auf den nun vorliegenden, siebten Fall.
Darüber hinaus halte ich alle Mitglieder des Sonderdezernats für durchgängig und tiefgründig gezeichnete Protagonisten, deren Verhalten und Innenleben bereits für einen hohen Unterhaltungs- und Interessenswert sorgt.
Würde ich jetzt “Selfies” als mein erstes Adler-Olsen-Buch bewerten, würde es aber nicht wirklich sehr positiv abschließen. Erneut scheint der Autor die Spannungsschraube zu lockern – gleichzeitig wirkt der damalige Fall eher banal im Vergleich zu seinen früheren Fällen.
Interessant bleibt aber die Motivation der Sozialamtsmitarbeiterin, über die ich hier nichts näheres sagen möchte, da die Gefahr des Spoilerns zu groß wäre.
Betrachtet man “Selfies” als ein weiteres Buch in einer groß angelegten Reihe, wird einem klar, dass der überwiegend depressive Inhalt – bezogen auf die psychische Krankheit von Rose – erzählt werden musste. Immerhin hatte man sich als Leser ja schon mehrere Bände lang gefragt, was denn nun mit ihr los ist und warum sie in verschiedene Rollen schlüpft.
Dies alles löst sich in “Selfies” auf. Dadurch ist der aktuelle Roman aber auch überwiegend depressiv in seiner Darstellung. Durch die dabei fast nebensächliche Fall-Verkettung war ich anfangs fast dazu genötigt, das Buch unabgeschlossen zu beenden. Gleichzeitig freue ich mich ja immer auf ausreichend Spannungselemente, die hierin eher nicht vorkommen.
Nichts desto trotz besteht für einen langjährigen Sonderdezernat-Leser ausreichend Interesse für das Seelenleben der guten Rose – und exakt aus diesem Grund lieb mir auch nichts weiter übrig, als diesem Werk bis zum auflösenden Ende zu folgen.
Jussi Adler-Olsen ist dabei weiterhin ein sehr eingängiger Schreiber. Kennt man jedoch die vorherigen Bände nicht, könnte man mit diesem Buch schlicht überfordert sein.
Weiterhin hoffe ich, dass dem Autoren wieder ein sehr spannender und berührender Fall aus den Tiefen der abgeschlossenen, jedoch nicht gelösten Fälle einfällt und dabei beim nächsten Mal wieder zur alten Thrillerstärke der ersten Bände zurückfindet. Mir ist dabei aber auch bewusst, dass so langsam auch der Hintergrund von Assad beleuchtet werden müsste – denn in dessen Vergangenheit scheint sich wohl auch so einiges zu verstecken.
Alles in allem war auch “Selfies” sehr interessant und in seiner detaillierten Betrachtung von Rose’s Problemen auch nötig. Trotzdem bleibt es ein wenig hinter den Bänden 1 bis 5.
Jürgen Seibold/02.04.2017
Selfies: Der siebte Fall für das Sonderdezernat Q in Kopenhagen Thriller (Carl Mørck) – KAUFEN BEI AMAZON

Karen Rose: Todesbräute

Originaltitel: Scream for Me
Aus dem Amerikanischen von Kerstin Winter
c 2008 by Karen Rose Hafer
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe bei Knaur Verlag
Ca. 650 Seiten / € 14,95

COVER:
In Arcadia wird eine junge Frau kaltblütig ermordet. Der Killer hat ihr das Gesicht zertrümmert, sie nackt in eine braune Decke eingewickelt und in einen Graben geworfen. Special Agent Daniel Vartanian übernimmt die Ermittlungen, und schnell stellt sich heraus, dass vor dreizehn Jahren Alicia Tremaine auf dieselbe bestialische Art getötet wurde. Ist der Mörder von Alicia zurückgekehrt, oder handelt es sich um einen perfiden Nachahmungstäter? Bevor Vartanian weitere Spuren verfolgen kann, taucht Alexandra Fallon, die Zwillingsschwester der toten Alicia, in seinem Büro auf, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Kurz darauf wird die nächste Tote gefunden, und ehe Alexandra es sich versieht, gerät sie ins Visier dieses überaus cleveren Serienmörders…
REZENSION:
Die amerikanische Autorin Karen Rose entwickelt sich mehr und mehr zu einer der renommiertesten und erfolgreichsten Schriftsteller der neu entwickelten Genreabgrenzung “Romantic Suspense”. In diesem Genre schafft sie es virtuos, spannende Handlungen sowie zusätzlich einige Thrillerelemente mit einer Brise Erotik zu würzen. Die von ihr vorgelegte Kontinuität sorgt für eine Verbundenheit zu ihrer Leseklientel – jeder freut sich auf die kommende Fortsetzung.
Todesbräute ist dabei erst der zweite Band einer Trilogie um Special Agent Daniel Vartanian. Dieser durfte bereits im Erstlingsband “Todesschrei” seine Fähigkeiten darlegen. Todesbräute setzt fast nahtlos an den ersten Band an und lässt somit keine zeitlichen oder handlungsrelevante Lücken auftreten.
Erneut ist das Buch hochwertig und ansprechend verarbeitet – was jedoch vom spannenden Inhalt nicht ablenken soll.
Ohne auf den Inhalt eingehen zu wollen – hier soll sich bitte jeder wirklich selbst ein Bild machen – zeigt Karen Rose, dass auch Folgebände ein gewisses Anschlussniveau halten können; sicherlich: Todesbräute ist nicht ganz so gut wie der erste Band – der Abstand zwischen den Beiden ist jedoch eher als marginal zu betrachten.
Somit ein durch und durch passender Anschluss, den kein Kenner übersehen sollte.
Jürgen Seibold/07.05.2011
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Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass dieses Buch der zweite Teil aus einer Reihe von Karen Rose ist, der sich um unseren Special Agent Daniel Vartanian dreht. Es wäre vielleicht ganz gut gewesen, den ersten Teil zu lesen, da man dort, nach allem was ich darüber gelesen habe, wohl erfährt wieso Daniel traumatisiert ist. Bruchstückhaft erfährt man dass wohl sein Bruder krank war und seine Eltern umgebracht hat. Es kommen immer wieder Absätze oder Kommentare die darauf schließen lassen, dieses Buch ist aber auch ohne den ersten Teil verständlich. Und außerdem geht es hier um eine ganz andere Geschichte:

Daniel übernimmt die Ermittlungen in einem Mordfall in seiner Heimatstadt, der an einen Mordfall vor 13 Jahren erinnert. Damals wurde die Zwillingsschwester von Alexandra Fallon ermordet.

Alex wiederum erfährt, dass ihre Stiefschwester verschwunden ist, und muss sich um derem kleine Tochter kümmern, die wiederum in derselben Stadt wie Daniel wohnt. Damit tritt Alex aufs Parkett und schon haben wir wieder eine der obligatorischen Liebesgeschichten, die leider in so ziemlich jedem Krimi irgendwo vertreten ist. Ich muss zugeben, hier stört es mich gar nicht so sehr, aber trotz allem ist es doch recht vorhersehbar.

Ausserdem gibt es in diesem Teil meiner Meinung nach zu viele Handlungsstränge, was es schwer macht, alle Personen bis zum Schluss auseinander zu halten.

Aber insgesamt ist es ein spannendes, gutes Buch das zwar kein Reisser ist, sich aber als durchaus lesenswert darstellt.

Birgit Grunwald für Hysterika, 12.09.12