Martin, George R. R.: Armageddon Rock

Originaltitel: Armageddon Rag
Deutsche Übersetzung von Peter Robert
©1983 by George R.R. Martin
©2014 der deutschsprachigen Ausgabe by Golkonda Verlag GmbH.
©2016 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-19772-8
ca. 576 Seiten

COVER:

In einer apokalyptischen Nacht des Jahres 1971 stirbt eine Band – und mit ihr eine ganze Generation. Tausende von Zuschauern erleben live mit, wie der Sänger der legendären Nazgûl, von der Kugel eines Scharfschützen getroffen, auf offener Bühne tot zusammenbricht. Der Sommer der Liebe ist endgültig vorbei. Doch zehn Jahre später geschieht etwas Unglaubliches: Die Nazgûl sind zurück! Aber ihre Musik hat sich in ein rasendes Requiem verweandelt und kündet von Wahnsinn und Tod …

REZENSION:

George R.R. Martin ist ja durch seine sagenhafte und weit ausgeholte Geschichte über die Geschehnisse auf Westeros wohl mittlerweile jedermann ein Begriff.
Man könnte dieses Autoren somit problemlos auf seine Rolle im Genre der Fantasy reduzieren – gäbe es da nicht zusätzlich noch das ein oder andere Werk, dessen Inhalt nicht zu verachten ist und dabei eine weitgefächerte Kreativität des Autors belegen kann.
ARMAGEDDON ROCK ist ein früheres Werk Martins und wendet sich dem Ende der friedvollen, von Drogen, Sex und Leidenschaft getriebenen Welt des Rock and Roll zu. Er erzählt von einer Band namens Nazgûl, dessen Sänger auf dem Höhepunkt ihrer Karriere per Kopfschuss während eines sagenhaften Liveauftritts von einem Scharfschützen erschossen wird. Die Band löste sich natürlich nach dieser Grausamkeit auf und schien nur noch zu einer kleinen Notiz im Universum der Rockgeschichte zu werden.
Zehn Jahre später wird der abgehalfterte Musikjournalist und Möchtegernautor von seinem früheren Verleger dazu überredet, einen Artikel über die Nazgûl zu schreiben. Hintergrund ist ein Mordfall, bei dem der damalige Manager der Nazgûl auf brutale Weise getötet worden ist. Er macht sich auf den Weg, um die früheren Mitglieder zu finden, zu interviewen und dabei nach und nach heraus zu finden, dass erheblich mehr dahintersteckt, als man in seinen kühnsten Gedanken erwarten konnte. Zusätzlich macht das Gerücht seinen Weg, die Nazgûl würden einen Reunion-Tour planen – interessanterweise wissen lange Zeit nicht einmal die Bandmitglieder etwas davon, bis sie sich dann doch eines Tages gemeinsam wieder auf der Bühne finden. Doch wer übernimmt die Rolle des ermordeten Sängers? Nun, davon kann sich jeder Leser selbst überzeugen…
George R.R. Martin bietet uns mit diesem Werk eine liebevolle Hommage an den Rock der ausgehenden 60 und beginnenden 70er Jahre. Gleichzeitig wirkt Armageddon Rock auch als Abgesang auf diese Zeit. Man könnte somit sagen, es handelt sich um ein Musikbuch – und ja, um ein verdammt gutes Musikbuch, welches mit einem Lebensgefühl aufwartet und darlegt, wie es wohl seit Ende der „Blumenzeit“ wohl nicht mehr wirklich gegeben hat.
Eine Geschichte, die als Widmung zu vielen vergangenen Bands verstanden werden möchte. Dabei aber gleichzeitig ein grotesker Horrorroman, der die Reunion auf eine ganz andere Ebene hebt.
Sein Werk dient liebevoll als Reisebricht des unglücklichen Journalisten durch die Staaten, als epochales Rockbuch und fast sogar als Musikdokumentation längst vergangener Zeiten.
Er schafft es dabei auf geniale Weise, ein Lebensgefühl zu transportieren und man ertappt sich dabei, wie man plötzlich gitarrenlastige Musik als Hintergrundmusik zum Lesen benötigt.
Seine Personen sind durchweg detailliert eingefügt und glaubhaft dargestellt. Man erkennt schon ein wenig seine zukünftige Art des Ausschweifens – jedoch ist es in diesem Werk noch angenehm aufgebaut.
In meinen Augen ein nicht zu verachtendes Werk eines Autoren, der heutzutage im Großen und Ganzen auf sein epochales Game-Of-Thrones reduziert wird. Wie man merkt, gibt es da auch in der Vergangenheit bereits manch Perle von ihm.
Ein sehr empfehlenswertes Werk.
Jürgen Seibold/07.01.2018

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