Phantastik-Bestenliste August 2020

Wie an jedem ersten Freitag eines Monats zeigen sich auch im August 10 namhafte Werke in der phantastischen Liste. Es ist dabei immer wieder erstaunlich, wie abwechslungsreich sich das phantastische Genre darstellt. Hochwertig, interessant und erneut sicher für jeden etwas Geschmackvolles dabei.
Die aktuelle Liste findet Ihr hier

Aleš Pickar: Nach dem Fieber 1 – Angriff im Morgengrauen

„Nach dem Fieber“ erscheint unregelmäßig bei ANNA MACHT URLAUB, 91468 Gutenstetten.
www.annamachturlaub.de
ca. 35 Seiten – Groschenheftformat

COVER:

Das Jahr ist 2063.
Vierunddreißig Jahre sind seit dem „Großen Fieber“ vergangen, das damals fast die gesamte Menschheit ausgelöscht hat. Europa ist ein gefährlicher Landstrich geworden, beherrscht von Anarchie und Gewalt.
Um die verbleibenden Ressourcen wird ein zermürbender Krieg geführt, während einzelne Gemeinden für Ordnung und Sicherheit kämpfen.

REZENSION:

Vordergründig betrachtet, könnte man im Hinblick auf das aktuelle Weltgeschehen natürlich glauben, dass der Autor Ales Pickar mit seinem Endzeitszenario noch einen draufsetzen möchte. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ihm dies aktuell sicher oft zum Vorwurf gemacht wird. Nichts desto trotz sollte man die Kirche im Dorf lassen und kurz darüber nachdenken, wie lange es dauert, bis man eine Geschichte sinnvoll zu Papier bringen kann. Davon abgesehen erreichte mich der erste Teil der neuen Serie „Nach dem Fieber“ bereits eine gute Zeit vor dem unsäglichen Ausbruch von Covid-19.
Gleichzeitig gebe ich aber zu, dass es mir zur Zeit aufgrund der Nachrichtenlage eher schwer fällt, mich mit Endzeitszenarien zu beschäftigen. Da ich aber das Konzept einer selbstverlegten Serie in Form eines Groschenromans für sehr interessant erachte und ich den Roman „Kalion“ des Autors kenne und für gut befunden hatte, fand ich es wichtig, mir dieses erste Heftchen zu Gemüte zu führen, um hoffentlich eine gute Meinung zu bekommen. Denn nur so wäre es mir natürlich möglich, hier ein klein wenig unterstützend tätig zu werden – und sei es nur anhand einer dementsprechenden, ehrlichen Rezension.
Wie gesagt, das Konzept eines Groschenromans ist eine interessante Idee und lässt einen alten Hasen wie mich sogleich an frühere Zeiten erinnern. Der Preis von 4 € pro Heftchen ist natürlich eine Hausnummer für ein 35-seitiges Bändchen. Nichts desto trotz verstehe ich diese Summe sehr gut und halte ihn für angemessen. Immerhin ist die Qualität ausreichend gut und der gesamte Prozess wird ohne jegliche Verlagsinteressen durchgeführt. Für enthusiastische, kulturschaffende Projekte in reduzierter Verkaufsmöglichkeit, sollte man schon ein Auge zudrücken.
Doch nun zur Story selbst: „Nach dem Fieber“ ist ein typisches Endzeitszenario unter Verwendung einer interessant zusammengesetzten Gruppe. Diese bestehen aus drei Mädchen und einem Jungen, wodurch übliche männerdominierenden Dystopien zur Seite gelegt werden können. Allein das ist schon eine gelungene Variante. Darüber hinaus konnte es Pickar in diesen ersten 35 Seiten recht gut schaffen, den Leser bravourös zu unterhalten. Natürlich erfindet auch er das Genre nicht neu – nichts desto trotz erzählt er interessant, glaubwürdig und spannend. Selbstverständlich vergisst er am Ende nicht den in Groschenromanen üblichen Cliffhanger, obwohl er hier beinahe zu dezent vorgeht. Man erkennt aber deutlich den Drang, ein Roadmovie zu starten und ich bin wirklich gespannt, wie sich die Reise des Teams noch entwickelt.
Alles in allem eine ganz nette Variante für jeden Serienfan, der noch nicht genug von üblichen Dystopien hat. Es ist jedenfalls erfrischend erzählt, kein literarischer Höhepunkt und natürlich nicht so detailverliebt wie „Kalion“. Nichts desto trotz macht es Spaß und es schadet sicher nicht, so ein persönlich ambitioniertes Projekt zu unterstützen oder zumindest weiter zu erzählen, da es die Serie meines Wissens nur im Direktvertrieb gibt.
Jürgen Seibold/27.03.2020

Lovecraft, H.P.: Cthulhus Ruf – Das Lesebuch

Aus dem Amerikanischen von Andreas Fliedner und Alexander Pechmann
©2019 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70478-1
ca. 461 Seiten

COVER:

DIE BESTEN ERZÄHLUNGEN DES MEISTERS DER UNHEIMLICHEN PHANTASTIK

H.P. Lovecraft ist neben Edgar Allan Poe der Klassiker der modernen Horrorliteratur. Seine phantastischen Erzählungen erscheinen in hohen Auflagen und finden weltweit allergrößte Leserresonanz.

Phantastik-Experte Andreas Fliedner präsentiert in „Cthulhus Ruf – Das Lesebuch“ eine Gesamtschau des Lovecraft’schen Werkes in vierzehn ausgewählten Erzählungen, ergänzt um eine allgemeine Einführung zu Autor und Werk sowie Einleitungen zu den jeweiligen Schaffensphasen.

REZENSION:

In vorliegendem Lesebuch befinden sich folgende Geschichten von Howard Phillips Lovecraft:

Das Bild im Haus
Die Musik des Erich Zann
Der Außenseiter
Die Ratten in den Mauern
Das Fest
Kühle Luft
Cthulhus Ruf
Die Farbe aus dem All
Der Flüsterer im Dunkeln
Der Schatten über Innsmouth
Der Schrecken der Finsternis
Die Katzen von Ulthar
Hypnos
Der silberne Schlüssel

Diese Geschichten werden in diesem Werk in exakt der gerade genannten Reihenfolge dargeboten. Dabei handelt es sich um den Versuch des Herausgebers, den jeweiligen Schaffensphasen Lovecrafts gerecht zu werden: 1.) Klassisches und modernes Grauen; 2.) Kosmischer und irdischer Horror, sowie 3.) Poetische Schrecken und Bekenntnisse.
Jeder Phase ist eine Einleitung vorangestellt, deren Genuss sich als unglaublich interessant darstellt. Am Anfang des Buches befindet sich noch eine etwas längere, allgemeine Einleitung in die Welt dieses Klassikers der phantastischen Literatur. Auch diese ist jeden aufgeführten Buchstaben wert.
Die Geschichten selbst waren mir alle bereits ein Begriff – hatte ich doch schon vor vielen Jahren die gesamten Werke Lovecrafts mein Eigen genannt und nahezu alle mehrmals gelesen. Leider liegen mir die damaligen dünnen Büchlein nicht mehr vor, da ich sonst die Gelegenheit genutzt hätte und einen Vergleich der Übersetzung vornehmen hätte können.
Im vorliegenden Buch kommt mir diese nämlich sehr trocken vor – gleichzeitig zeigt sie sich als Notwendigkeit, da beinahe jeder Satz für sich alleine stehen könnte. Zeigt sich hier die schöpferische Kraft dieses zu Lebzeiten ehr missachteten Schriftstellers? Könnte sein, denn die verwendete Sprache der Übersetzung besitzt einen etwas altertümlichen Flair, leicht verschwurbelte Sätze, jedoch eine sprachliche Darbietung, die zwar Konzentration beim Lesen erfordert, dafür aber mit Sätzen belohnt, wie man sie sich heutzutage fast nicht mehr vorstellen kann.
Lediglich die etwas trockene wirkende Darbietung hätte mich im Vergleich zu früheren Übersetzungen sehr interessiert – vielleicht ergab sich der Eindruck lediglich durch den Umstand, dass ich die Geschichten bereits durchweg kannte und somit mein Gehirn des Öfteren beim lesen abzuschweifen begann. An den Geschichten Lovecrafts kann es jedoch nicht liegen und jeder, der sich ein wenig für die literarische Entstehung der phantastischen Literatur interessiert, sollte mindestens Poe, Stoker, Shelley und natürlich Lovecraft aus diesen längst vergangenen Zeiten kennen.
Ob es natürlich notwendig ist, einen weiteren Band auf mit lediglich einer Auswahl an Geschichten auf den Markt zu werfen, lässt sich sicher in Frage stellen – nichts desto trotz ist dieses Lesebuch eine gelungene Möglichkeit, sich zumindest teilweise mit dem Phänomen Lovecraft auseinander zu setzen.
Und allein dafür, dass ich mal wieder „Die Musik des Erich Zann“ lesen konnte, hat es sich für mich bereits gelohnt.
Jürgen Seibold/27.11.2019

Phantastik-Bestenliste April 2019

Erneut ist ein Monat vergangen und schon ist die neueste Phantastik-Bestenliste bereit zum erkunden.
Nachdem es sich nicht nur lohnt, die aktuelle Liste zu betrachten, sondern auch ein Verweilen auf den bisherigen immer interessante Werke zu Tage fördert, führt Euch ein Klick auf den hier gezeigten Schriftzug direkt auf die Hauptseite der Phantastik-Bestenliste.

Im April wieder ein schöner und abwechslungsreicher Reigen an wundervollen Werken vertreten.
Hier ein kleines Bildchen mit den aktuell platzierten Werken. Ein Klick darauf führt Euch direkt zur detaillierten Monatsliste:

Phantastik-Bestenliste

Jedes Jahr erscheint eine Vielzahl an unterschiedlichsten Werken auf dem deutschen Buchmarkt. Neben dem reinen Stöbern in Buchläden, Internetportalen, Bibliotheken und vielen weiteren Möglichkeiten, gibt es auch manch eine Liste, die man als zusätzliches, hilfreiches Instrument verwenden kann.
Leider kommen da sehr oft Werke aus allen Stilrichtungen der Phantastischen Literatur etwas zu kurz. Darüber hinaus bilden viele Listen lediglich Verkaufszahlen nach, womit man manch kleine Perle schlichtweg nicht entdecken kann.
Diesem Problem hat sich nun das Phantastik-Autoren-Netzwerk (PAN) e.V. angenommen und pünktlich zur Buchmesse im Oktober eine Bestenliste initiiert. Um dabei eine möglichst unbeeinflusste monatliche Liste erstellen zu können, konnte PAN die angesehene Literaturplattform Literaturschock für die Umsetzung gewinnen.
In Folge dessen entstand eine 16-köpfige Jury, die sich diesem Thema unbeeinflusst angenommen hat.

Besonders erfreulich für mich ist natürlich der Umstand, dass meine Wenigkeit ebenfalls gebeten worden ist, Mitglied dieser Jury zu werden. Selbstverständlich konnte ich das nicht ablehnen und dementsprechend erfreut war ich nun nach der umfangreichen und zeitintensiven Arbeit über die am 06.10.2017 erstmals veröffentlichte Phantastik-Bestenliste.

Auf den ersten Plätzen liegen im Oktober:

  1. Nnedi Okorafor: Lagune (Cross Cult)
  2. Jay Kristoff: Nevernight. Die Prüfung (Fischer Tor)
  3. Becky Chambers: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (Fischer Tor)

Die weiteren Plätze findet ihr auf der Website der Phantastik-Bestenliste.

Diese Liste wird nun monatlich erscheinen und ich bin mir sicher, dass man dadurch manche Perle für sich entdecken kann.

Die Jury-Mitglieder wühlen sich zwar regelmäßig durch die jeweiligen Veröffentlichungen des Buchmarkts – nichts desto trotz kannst auch Du ein Buch vorschlagen. Dazu einfach eine Mail an jury@phantastik-bestenliste.de schreiben oder das Kontaktformular auf der Webseite nutzen.
Es ist aber dabei darauf zu achten, dass ein Buch gewisse Anforderungen einhalten muss, damit es überhaupt eine Chance zu einer Nominierung haben kann.