Oden, Matthias: Die Krone der Elemente

Originalausgabe 01/2019
©2019 by Matthias Oden
©2019 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31956-1
ca. 731 Seiten

COVER:

„Knie“, sagte er. „Du bist auf heiligem Boden.“ Sie tat wie geheißen. Lyndemans Hände verwehrten ihr den Blick auf das, was im Erdreich steckte, aber sie sah, dass es leicht schimmerte. „Ist es das?“, fragte sie. Der Hüter gab ihr keine Antwort, zu versunken war er in den Anblick des Reifs in seinen Händen.

Viele Jahrhunderte wuchs das Heilige Reich Salischer Völker, bis es beinahe ganz Elyrdan umschloss. Nun ist der Vormarsch seiner Armeen zum Erliegen gekommen. Sein Herrscher, der alte Kaiser, ist gebrechlich, die Fürsten streiten sich um ihre Pfründe, und die Seher kehren immer öfter ohne Antworten von den Traumfeldern zurück. Doch die eigentliche Gefahr ahnt noch niemand. Denn unbemerkt hat die ehrgeizige Oberbefehlshaberin des Nachbarlandes Chimrien ein Artefakt erlangt, das ihr unbegrenzte Macht zu verheißen scheint – eine seltsam schimmernde Krone. Als sie mit ihrem Heer über den Grenzfluss Tern zieht und das Kaiserreich angreift, ist niemand dort auf diesen Überfall vorbereitet, erst recht nicht auf die gewaltigen Kräfte, die sie mithilfe der Krone entfesselt. Eine Stadt nach der anderen fällt, und schon bald brennt der Chimmgau, die Westgrenze des Salenreiches. Und während die Fürsten eilends Truppen mobilisieren, droht von einer ganz anderen Seite neue Gefahr – denn auf den Traumfeldern, wo die Seher nach den Ewigen Wispern der Prophezeiung suchen, mehren sich unheilvolle Zeichen. Das Ende eines Zeitalters dämmert herauf …

REZENSION:

Matthias Oden, bekannt als Autor des sehr interessanten und recht ungewöhnlichen Romans „Junktown“ wechselt mit „Die Krone der Elemente“ das Genre und möchte auch in der Fantasy seinen Abdruck hinterlassen.
Laut einem Zitat des Autors in der Presseinformation hält Matthias Oden die Zeit simpler Fantasy als vorbei. Das platte „Schwarz-Weiß-Schema“ hält er für ausgelutscht und möchte somit in seiner Fantasy Themen unserer Zeit mit aufnehmen.
Dieser Gedanke des Autors ging mir auch schon des Öfteren durch den Kopf. Immer mehr enttäuscht mich die übliche Fantasy-Quest – viele Geschichten nur noch eine andere Darbietung relativ gleicher Vorgehensweisen.
Matthias Oden scheint jedenfalls tatsächlich dieses Konzept zu verlassen und somit einen eigenen Weg zu beschreiten.
Seine Art des Schreibens lässt an der bereits in „Junktown“ kennengelernten Virtuosität und Eingängigkeit nichts missen. Der qualitative Maßstab ist weiterhin angenehm hoch und anspruchsvoll angesiedelt. Dennoch fiel es mir außerordentlich schwer, der eigentlichen Geschichte uneingeschränkt folgen zu können. Ich befürchte fast, dass Oden in seinem ersten Band ein wenig zu weit mit dem Ausholen begonnen hatte und somit den prinzipiell notwendigen Weg der Handlung zu oft aus den Augen verlor.
Diese Vorgehensweise kann bei Lesern mit einem langen Atem wahrlich funktionieren – ich persönlich halte es auch durch die Darbietung einer interessanten Sprache recht lange aus – aber ab einem gewissen Punkt treibt es mich doch vorwärts beziehungsweise zurück auf den Weg. Sehe ich diesen nicht, so fühle ich mich verloren und finde keinen Halt mehr in der interessant anmutenden Geschichte.
Nichts desto trotz bin ich überzeugt, dass Oden seine Geschichte gelungen weitererzählen wird und dabei auch manche neue Tür des Genres öffnet. Ein etwas kürzerer Start mit etwas weniger Ausschweifungen hätten dem ersten Band meiner Meinung nach gut getan und es wäre dann ein leichtes gewesen, sich auf die Geschichte einzulassen und die Freude auf den nächsten Band auftauchen zu lassen. Mir fiel es leider etwas zu schwer und somit bin ich ganz hin- und hergerissen, werde dennoch vorerst die Finger davonlassen.
Jürgen Seibold/24.08.2019

 

Matthias Oden: Junktown

Originalausgabe 06/2017
©2017 by Matthias Oden
©2017 dieser Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31821-2
ca. 400 Seiten

COVER:

Diese Zukunft ist ein Schlaraffenland: Konsum ist Pflicht, Rauschmittel werden vom Staat verabreicht, und Beamte achten darauf, dass ja keine Langeweile aufkommt. Die Wirklichkeit in »Junktown«, wie die Hauptstadt nur noch genannt wird, sieht anders aus. Eine eiserne Diktatur hält die Menschen im kollektiven Drogenwahn, dem sich niemand entziehen darf, und Biotech-Maschinen beherrschen den Alltag. Als Solomon Cain, Inspektor der Geheimen Maschinenpolizei, zum Tatort eines Mordes gerufen wird, ahnt er noch nicht, dass dieser Fall ihn in die Abgründe von Junktown und an die Grenzen seines Gewissens führen wird. Denn was bleibt vom Menschen, wenn der Tod nur der letzte große Kick ist?

REZENSION:

Wir befinden uns in einer Welt der nicht allzu fernen Zukunft. Die gesamte Gesellschaft ist dazu gezwungen, dem Konsumwahn zu frönen. Müll wird nicht mehr weggeschmissen, sondern geschickt vor den Wohnungen drapiert, um jedem zu zeigen, was man sich so alles leisten kann. Es gibt sogar extra Firmen, die Müll für diesen Zweck anbieten. Somit ist jeder gezwungen, dieser Gesellschaft zu folgen, da er sonst denunziert wird.
Gleichzeitig sind Drogen nicht nur eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen – nein, sie sind sogar Pflicht und müssen konsumiert werden.
In dieser Welt gibt es nur noch wenige natürlich geborene Menschen. Vielmehr setzt sich die gezielte, industrielle Entwicklung der Menschen durch. Je nach zukünftigem Einsatzort werden diese genetisch geplant und entwickelt.
In dieser Welt geschieht nun ein sehr untypischer Mord: Es wird ein Maschinenwesen – eine Gebärmutter – getötet. Diese Wesen sind mehrstöckig und dienen dem Staat zum Austragen der bestellten Kinder.
Dieses Wesen ist auch so ziemlich das einzige in Odens Buch, welches ich nur wenig greifen konnte. Hier muss man schon sehr stark seine Fantasie aktivieren, um dies zu akzeptieren und zu verstehen. Gibt es doch im realen Leben absolut keine Ähnlichkeit, die man zum besseren Verständnis als Vergleich heranziehen könnte. Man stellt sich immer wieder die Frage, wie ein Beziehungsdrama unter Einbeziehung eines künstlichen Wesens stattfinden kann. Hat man sich dem jedoch gestellt, kann man dieser utopischen Krimi-/Thrillermischung problemlos folgen.
Matthias Odens Junktown baut eine sehr interessante und beängstigende Welt auf, der man nach einigen Anfangsschwierigkeiten recht gut folgen kann. Sein Schreibstil ist flüssig und eingängig. Sein Ideenreichtum lässt absolut nichts zu wünschen übrig.
Gäbe es die detailliert erzählte Welt nicht in diesem Maße, wäre Junktown wohl nichts weiter als ein weiterer Krimi, der ganz gut zu unterhalten weiß. Erfreulicherweise schafft es Oden jedoch, seiner Story eine Umgebung zu widmen, die seinen Krimi eine Stufe höher legt.
Sehr stark erinnert sein Plot an Orwells Klassiker “1984” und durch die abschließende Befragung seines Protagonisten bleibt dieser Vergleich bis zum Ende bestehen.
Oden erzählt somit nicht nur einen Krimi in einer gesellschaftlich beängstigenden Welt sondern hält uns auch einen gesellschaftlichen Spiegel vor. Es entsteht somit – wie auch in “1984” – eine Zukunftsvision, die wir tunlichst vermeiden sollten.
Alles in allem ein sehr gut gelungener Roman mit einem außergewöhnlichen Plot und Setting. Die Figuren könnten noch ein klein wenig lebendiger und facettenreicher wirken, dennoch führt dies nicht wirklich zu einer Abwertung dieser spannenden Story.
Jürgen Seibold/19.11.2017