Golden, Christopher: Der Fährmann

Originaltitel: The Ferryman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2002 by Christopher Golden
©2017 Buchheim Verlag
ISBN 978-3-946330-01-1
ca. 366 Seiten

COVER:

Die Ebenen der Realität verschieben sich, als ein uralter Mythos auf furchtbare Weise lebendig wird.
David und Janine, die nach einem quälenden Verlust wieder zueinander finden, müssen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen und den brüchig gewordenen Glauben an sich und ihre Welt wiederfinden.

REZENSION:

Bereits am Anfang führt Christopher Golden seinen Protagonisten an die Schwelle des Todes. Janine verliert ihr Baby und ist selbst auf dem Weg in das Jenseits. Während ihrer Nahtoderfahrung begegnet sie dem Fährmann, verweigert sich jedoch auf eine sehr vehemente Art, mit ihm den Weg über den Fluß des Todes anzutreten.
Dem Tod entkommen häufen sich mysteriöse Geschehnisse in ihrem Leben. Gleichzeitig findet sie wieder mit ihrem früheren Freund, David, zusammen. Beide stellen sich ihren eigenen Dämonen, merken dann jedoch, dass sich noch erheblich mehr ihrer aufflammenden Partnerschaft entgegenstellt.
Golden fängt in Der Fährmann rasant an, tritt dann jedoch auf die Bremse und baut in einer unglaublichen Seelenruhe seinen Plot auf. Dadurch hat man fast das Gefühl, sich in einer reinen Liebesgeschichte zu befinden, wäre da nicht das immer wieder aufflackernde, mystische Element dieser Geschichte.
Nach und nach baut Golden seine notwendigen Spannungselemente ein. Gleichzeitig werden seine Figuren von ihm sehr detailliert gezeichnet und in ihrer gesamten, der Geschichte entsprechenden, Tiefe dargelegt.
Der Fährmann wirkt dadurch sehr ruhig, wodurch reine Horrorfans leicht abgeschreckt werden können – gibt es doch lange Phasen ohne großartige Elemente dieses Genres.
Nichts desto trotz möchte man seinen Personen uneingeschränkt folgen, wodurch das erst langsam ansteigende und spät kommende Grauen keinen negativen Eindruck zur Folge hat.
Die Story lässt sich sehr flüssig lesen und die Aufmachung des gedruckten Buches wirkt liebevoll und interessant gestaltet.
Absolut eigenständig und dementsprechend interessant wirkt in meinen Augen der Umstand, dass Golden sämtliche bestehende Religionen auf sehr virtuose Art und Weise miteinander verknüpft hatte. Auf die von ihm dargelegte Idee muss man erst einmal kommen.
Alles in allem wirkt dieses Werk natürlich an alte Klassiker des Genres angelehnt. Insbesondere „Der Exorzist“ würde mir dabei einfallen. Gleichzeitig ist Goldens Werk aber nicht einfach ein simpler Abklatsch längst vergangener Werke.
In meinen Augen endlich einmal wieder ein hochinteressanter und geschickt erzählter Roman aus dem Horrorgenre. Legt man Wert auf reine Elemente des Horrors, ist es sicher nicht das geeignete Buch, möchte man aber eine tiefgehende Geschichte, garniert mit dezenten Horrorelementen, dann liegt man hier definitiv richtig.
Jürgen Seibold/21.01.2018

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Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Originalausgabe März 2017
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65419-4
ca. 670 Seiten

COVER:

In einem edlen Kasino in Baden-Baden arbeitet der Ex-Spieler Tadeus Boch als Sicherheitskraft, um sich gegen seine große Sucht abzuhärten: Karten. Doch seine Willensstärke und Entschlossenheit werden auf eine harte Probe gestellt, als er eines Abends unerwartet in den Besitz einer jahrhundertealten Karte gerät: einer wunderschön gestalteten Pik-Neun.
Schon bald sind ihm unbekannte Angreifer auf den Fersen. Tadeus muss herausfinden, was es mit der Pik-Neun auf sich hat, um besser auf weitere Attacken vorbereitet zu sein. Bei seinen Recherchen trifft er auf Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur umkam. Hängen die Vorkommnisse zusammen? Dann ist plötzlich von dem “wahren Gebetbuch des Teufels” die Rede. Schnell wird Tadeus klar, dass er Hyuns Hilfe und ihre außergewöhnlichen spirituellen Eigenschaften braucht, um das Rätsel um die Pik-Neun lüften zu können.

REZENSION:

“Des Teufels Gebetbuch” ist vom Grundsatz her ein reiner Thrillerroman, in dem jemand bedroht und verfolgt wird. Dieser gleichzeitig versucht, mehr über die Hintergründe heraus zu bekommen und dadurch nur noch mehr ins Visier seiner Gegner gerät.
Nun, “Des Teufels Gebetbuch” ist aber von Markus Heitz, der doch hauptsächlich mit mystischen und fantastischen Romanen seinen Weg gefunden hat. Hat er nun einen reinen Thriller vorgelegt?
Mitnichten! “Des Teufels Gebetbuch” geht hier einen Schritt weiter und es werden vom Autor sehr viele mystische und übersinnliche Elemente rund um historische Kartenspiele eingefügt, um dabei das Thrillergenre zu durchbrechen und somit einen Crossover-Roman mit historischen Kapiteln ebenso zu verwenden als auch besagte Mystikelemente der fantastischen Art.
Die Geschichte ist recht rasant dargestellt und selbst ohne die geschickt eingefügten historischen Kapitel, die den Ursprung dieses Kartenspiels erklären, würde der Roman funktionieren. Die historischen Elemente könnten fast einen eigenen Roman darstellen – geben hier jedoch dem Plot erheblich mehr Tiefe. Es war mir als Leser dabei immer wieder eine Freude, von der Gegenwart für einige Seiten in die Vergangenheit eintauchen zu können.
Das Hinzufügen von dezenter Hexerei als auch den gefährlichen Eigenschaften der Karten führte bei mir zu noch mehr Freude. Ich persönlich liebe es, wenn Gegenwartsthemen in die Fantastik abdriften, dabei aber dennoch kurioserweise sehr plausibel bleiben.
Man erkennt dem Roman auch die erbrachten Recherchetätigkeiten an, die dafür sorgen, dass der gesamte Plot über und um die Karten mehr Dichte erhält. Sehr gut fand ich dabei die Idee des Autors, weitere Hintergründe in den Anhang zu packen, um die Geschichte nicht zu sehr mit weiteren Details voll zu stopfen. Die in der Story direkt eingewobenen Hintergründe und Erklärungen sind passend und durchaus ausreichend, um den Plot in seiner rasanten Fahrt nicht zu blockieren. Gleichzeitig bekommt man bei Interesse mehr Informationen, wenn man sich noch dem Anhang widmet.
Erschreckend ist dabei, mit welchen spielerischen Abartigkeiten sich reiche Menschen eventuell die Zeit vertreiben – für mich klingt das Kartenspiel Supérieur sehr nach russischem Roulett und somit lass ich da mal sicherheitshalber die Finger weg…
“Des Teufels Gebetbuch” ist jedenfalls ein echter Markus Heitz, der den Leser auf interessante und eingängige unterhalten kann und dabei auch vor keinen genreübergreifenden Einflechtungen Halt macht.
Ich persönlich hätte gerne noch einen Touch mehr Spannung und Boshaftigkeit erwartet. Das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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