Stephen King: Später

Originaltitel: Later
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt 

©2021 by Stephen King
©2021 der deutschsprachigen Ausgabe Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27335-1
ca. 304 Seiten

COVER:

Jamie Conklin wächst in Manhattan auf und wirkt wie ganz ein normaler Junge. Mit seiner alleinerziehenden Mutter Tia teilt er jedoch ein Geheimnis: Er kann von klein auf die Geister kürzlich Verstorbener sehen und mit ihnen reden. Und die Toten müssen alle seine Fragen wahrheitsgemäß beantworten. Tia ist Literaturagentin und hat sich gerade aus großer finanzieller Not gekämpft, da stirbt ihr lukrativster Autor. Der langersehnte Abschlussband seiner großen Bestsellersaga blieb leider unvollendet – wäre da nicht Jamies Gabe. Das Befragen der Toten ruft allerdings auch ungewollte Dämonen herbei.

REZENSION:

Egal wie hoch der Stapel ungelesener Bücher auch sein mag: Ein neuer King wird vorgezogen – diesmal wohl eine Art „Ich sehe tote Menschen“, wie man es bereits aus „The Sixth Sense“ zu kennen meint. Interessanterweise konnte ich diesen Gedanken auch einige Zeit nicht ablegen. Jamie wirkte doch eine gewisse Zeit wie der Junge im angesprochenen Blockbuster mit Bruce Willis.
Stephen King wäre aber nicht Stephen King, wenn er einfach kopieren würde. Somit bleibt es nur kurz bei diesem Gedanken und SPÄTER entwickelt sich trotz der für King recht geringen Seitenzahl zu einem Crossover von Coming-of-Age, einen Touch Horror und recht viel Crime, gewürzt mit Toten, die schlicht noch ein wenig benötigen, bis sie sich auf eine nicht näher definierte Art davon machen beziehungsweise verschwinden. Während dieses Zeitraums zwischen Ableben und endgültigem Verblassen kann Jamie mit ihnen direkt von Kind zu Totem sprechen. Die Toten sind dabei aus irgendwelchen Gründen dazu gezwungen, immer die Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten, was es natürlich für den Fragesteller recht einfach macht.
Auch in diesem Werk brilliert King mit seinem unnachahmlichen Schreibstil. Erneut konnte ich mich der Geschichte nicht entziehen, obwohl sie in ihrer Gänze zwar grandios, dennoch nicht in einer Riege mit den Blockbustern des Autors zu nennen sein wird.
Stephen King scheint etwas nachdenklicher zu werden und lässt uns als treuen Leser daran teilhaben. Jamies Geschichte wird in der Ich-Form dargelegt und dementsprechend nahe rückt man an seinen Protagonisten. Der Schwenk von Crime in Richtung klassischem King-Horror wird in Richtung Ende vermehrt vollzogen – dennoch bleibt der Horroraspekt mit Sicherheit für jeden verdaulich und somit nicht zu dick aufgetragen. Ein bisschen mehr hätte der Geschichte sicher nicht geschadet – insbesondere alte Hasen wie ich würden sich mal wieder über etwas fieseres aus Kings Feder freuen.
Nichts desto trotz handelt es sich bei SPÄTER um einen guten Wurf meines Lieblingsautors. Mit den gerade mal 300 Seiten konnte er nicht so viel ausschweifen, wie von ihm bekannt – dennoch handelt es sich um eine eingängige und gut funktionierende Novelle mit interessanten Aspekten. Irritierenderweise lässt es seinen Leser nach Beenden des Buches sogar kurze Zeit ein wenig über das Leben und den Tod an sich nachdenken. Somit ganz nebenbei ein kleines Werk mit dezentem Nachhall.
Hysterika.de/JMSeibold/15.03.2021

Benson, Amber & Golden, Christopher: Sieben Pfeifer

Originaltitel: The Seven Whistlers
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
Deutsche Erstausgabe
©2018 Buchheim Verlag, Olaf Buchheim, Grimma
www.buchheim-verlag.de
ISBN 978-3-946330-05-9
ca. 168 Seiten

COVER:

In alten Legenden heißt es, man höre in stürmischen Nächten manchmal ein seltsames Pfeifen, gefolgt vom Erscheinen riesiger schwarzer Hunde. Aber dies sind keine gewöhnlichen Kreaturen, sondern dämonische Wesen, entfesselt von der wilden Jagd auf verlorene Seelen. Nur selten sieht man mehr als einen von ihnen zur selben Zeit, doch wenn alle sieben gemeinsam erscheinen sollten, sei das Ende der Welt gekommen.

In der malerischen Stadt Kingsbury mitten in Vermont betrauert Rose Kerrigan den Tod ihres Großvaters, eines liebenswürdigen, aber seltsamen alten Mannes. Schon bald wird sie von der Legende der Sieben Pfeifer erfahren, denn die gespenstischen Hunde sind nach Kingsbury gekommen und jagen eine Seele, die man vor ihnen verborgen hat. Zuerst ist es nur einer, doch es werden mehr, je länger sie nicht finden, wonach sie suchen.

Und wenn alle sieben Dämonen zusammenkommen …

REZENSION:

Kurz vor Weihnachten des vergangenen Jahres widmete ich mich einem Buch namens DER FÄHRMANN von Christopher Golden. Der Name des Autors war mir bis dato interessanterweise absolut kein Begriff – sein Fährmann konnte mich aber zu einhundert Prozent überzeugen und ich nahm mir vor, mir diesen Namen für eventuelle, zukünftige Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt zu merken.
Kurz vor der Leipziger Buchmesse erhielt ich dann als Vorbereitung zu einer geplanten Moderation eine frisch veröffentlichte Novelle mit dem Titel „Sieben Pfeifer“.
Diese gerade einmal etwas über 160 Seiten kurze Novelle wurde von Christopher Golden in Zusammenarbeit mit Amber Benson entwickelt.
Ebenso wie im Fährmann, nimmt sich das Autorengespann hier eine alte Legende vor und erweckt diese zum Leben. Die Legende um die Sieben Pfeifer ist nach meiner Information britischen Ursprungs und man sollte geflissentlich darauf hoffen, dass die Pfeifer, welche verborgene Seelen holen müssen, nicht in ihrer Gesamtheit von sieben Pfeifern zu sehen sind. Denn dann ist unsere Welt dem Untergang geweiht.
Die Geschichte ist rundum eingängig von den beiden Autoren geschrieben. Trotz der geringen Seitenzahl schaffen sie es, den agierenden Personen ausreichend Detailtiefe zu verpassen und somit in keiner Weise oberflächlich zu wirken.
Der Vorteil der geringen Seitenzahl zeigt sich natürlich in der Notwendigkeit, dass die Geschichte sehr rasant fortschreiten muss, da sich das Ende des Werkes recht schnell nähert. Aber auch dies scheint für die beiden Autoren absolut kein Hindernis zu sein und dementsprechend zielstrebig gehen sie vor und bauen ihren Plot unglaublich geschickt und dennoch sehr ausführlich und tiefgehend auf.
SIEBEN PFEIFER ist ein durchweg gelungener Mystik-Horror-Roman mit einer absolut interessanten Idee unter Verwendung einer Legende, bei der ich froh bin, das es sich dabei nicht um eine aus meiner Region handelt – beinhaltet doch jede Legende irgendwo einen wahren Kern.
Ebenso wie auch DER FÄHRMANN ein absolut zu empfehlendes Werk, dem ich mich noch stundenlang hätte widmen können, wäre da nicht die etwas begrenzte Seitenzahl, welche aber der Geschichte definitiv nicht schadet.
Des weiteren muss man sich hier auf dem deutschen Markt wohl den Namen Golden hinter die Ohren schreiben und hoffen, dass sich die Verlage weiterhin diesem US-amerikanischen Horrorautoren annehmen werden. Momentan sieht es ja ganz danach aus…
Jürgen Seibold/25.03.2018

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Golden, Christopher: Der Fährmann

Originaltitel: The Ferryman
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2002 by Christopher Golden
©2017 Buchheim Verlag
ISBN 978-3-946330-01-1
ca. 366 Seiten

COVER:

Die Ebenen der Realität verschieben sich, als ein uralter Mythos auf furchtbare Weise lebendig wird.
David und Janine, die nach einem quälenden Verlust wieder zueinander finden, müssen sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen und den brüchig gewordenen Glauben an sich und ihre Welt wiederfinden.

REZENSION:

Bereits am Anfang führt Christopher Golden seinen Protagonisten an die Schwelle des Todes. Janine verliert ihr Baby und ist selbst auf dem Weg in das Jenseits. Während ihrer Nahtoderfahrung begegnet sie dem Fährmann, verweigert sich jedoch auf eine sehr vehemente Art, mit ihm den Weg über den Fluß des Todes anzutreten.
Dem Tod entkommen häufen sich mysteriöse Geschehnisse in ihrem Leben. Gleichzeitig findet sie wieder mit ihrem früheren Freund, David, zusammen. Beide stellen sich ihren eigenen Dämonen, merken dann jedoch, dass sich noch erheblich mehr ihrer aufflammenden Partnerschaft entgegenstellt.
Golden fängt in Der Fährmann rasant an, tritt dann jedoch auf die Bremse und baut in einer unglaublichen Seelenruhe seinen Plot auf. Dadurch hat man fast das Gefühl, sich in einer reinen Liebesgeschichte zu befinden, wäre da nicht das immer wieder aufflackernde, mystische Element dieser Geschichte.
Nach und nach baut Golden seine notwendigen Spannungselemente ein. Gleichzeitig werden seine Figuren von ihm sehr detailliert gezeichnet und in ihrer gesamten, der Geschichte entsprechenden, Tiefe dargelegt.
Der Fährmann wirkt dadurch sehr ruhig, wodurch reine Horrorfans leicht abgeschreckt werden können – gibt es doch lange Phasen ohne großartige Elemente dieses Genres.
Nichts desto trotz möchte man seinen Personen uneingeschränkt folgen, wodurch das erst langsam ansteigende und spät kommende Grauen keinen negativen Eindruck zur Folge hat.
Die Story lässt sich sehr flüssig lesen und die Aufmachung des gedruckten Buches wirkt liebevoll und interessant gestaltet.
Absolut eigenständig und dementsprechend interessant wirkt in meinen Augen der Umstand, dass Golden sämtliche bestehende Religionen auf sehr virtuose Art und Weise miteinander verknüpft hatte. Auf die von ihm dargelegte Idee muss man erst einmal kommen.
Alles in allem wirkt dieses Werk natürlich an alte Klassiker des Genres angelehnt. Insbesondere „Der Exorzist“ würde mir dabei einfallen. Gleichzeitig ist Goldens Werk aber nicht einfach ein simpler Abklatsch längst vergangener Werke.
In meinen Augen endlich einmal wieder ein hochinteressanter und geschickt erzählter Roman aus dem Horrorgenre. Legt man Wert auf reine Elemente des Horrors, ist es sicher nicht das geeignete Buch, möchte man aber eine tiefgehende Geschichte, garniert mit dezenten Horrorelementen, dann liegt man hier definitiv richtig.
Jürgen Seibold/21.01.2018

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Markus Heitz: Des Teufels Gebetbuch

Originalausgabe März 2017
© 2017 Knaur Verlag
ISBN 978-3-426-65419-4
ca. 670 Seiten

COVER:

In einem edlen Kasino in Baden-Baden arbeitet der Ex-Spieler Tadeus Boch als Sicherheitskraft, um sich gegen seine große Sucht abzuhärten: Karten. Doch seine Willensstärke und Entschlossenheit werden auf eine harte Probe gestellt, als er eines Abends unerwartet in den Besitz einer jahrhundertealten Karte gerät: einer wunderschön gestalteten Pik-Neun.
Schon bald sind ihm unbekannte Angreifer auf den Fersen. Tadeus muss herausfinden, was es mit der Pik-Neun auf sich hat, um besser auf weitere Attacken vorbereitet zu sein. Bei seinen Recherchen trifft er auf Hyun Poe, deren Verlobter bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur umkam. Hängen die Vorkommnisse zusammen? Dann ist plötzlich von dem “wahren Gebetbuch des Teufels” die Rede. Schnell wird Tadeus klar, dass er Hyuns Hilfe und ihre außergewöhnlichen spirituellen Eigenschaften braucht, um das Rätsel um die Pik-Neun lüften zu können.

REZENSION:

“Des Teufels Gebetbuch” ist vom Grundsatz her ein reiner Thrillerroman, in dem jemand bedroht und verfolgt wird. Dieser gleichzeitig versucht, mehr über die Hintergründe heraus zu bekommen und dadurch nur noch mehr ins Visier seiner Gegner gerät.
Nun, “Des Teufels Gebetbuch” ist aber von Markus Heitz, der doch hauptsächlich mit mystischen und fantastischen Romanen seinen Weg gefunden hat. Hat er nun einen reinen Thriller vorgelegt?
Mitnichten! “Des Teufels Gebetbuch” geht hier einen Schritt weiter und es werden vom Autor sehr viele mystische und übersinnliche Elemente rund um historische Kartenspiele eingefügt, um dabei das Thrillergenre zu durchbrechen und somit einen Crossover-Roman mit historischen Kapiteln ebenso zu verwenden als auch besagte Mystikelemente der fantastischen Art.
Die Geschichte ist recht rasant dargestellt und selbst ohne die geschickt eingefügten historischen Kapitel, die den Ursprung dieses Kartenspiels erklären, würde der Roman funktionieren. Die historischen Elemente könnten fast einen eigenen Roman darstellen – geben hier jedoch dem Plot erheblich mehr Tiefe. Es war mir als Leser dabei immer wieder eine Freude, von der Gegenwart für einige Seiten in die Vergangenheit eintauchen zu können.
Das Hinzufügen von dezenter Hexerei als auch den gefährlichen Eigenschaften der Karten führte bei mir zu noch mehr Freude. Ich persönlich liebe es, wenn Gegenwartsthemen in die Fantastik abdriften, dabei aber dennoch kurioserweise sehr plausibel bleiben.
Man erkennt dem Roman auch die erbrachten Recherchetätigkeiten an, die dafür sorgen, dass der gesamte Plot über und um die Karten mehr Dichte erhält. Sehr gut fand ich dabei die Idee des Autors, weitere Hintergründe in den Anhang zu packen, um die Geschichte nicht zu sehr mit weiteren Details voll zu stopfen. Die in der Story direkt eingewobenen Hintergründe und Erklärungen sind passend und durchaus ausreichend, um den Plot in seiner rasanten Fahrt nicht zu blockieren. Gleichzeitig bekommt man bei Interesse mehr Informationen, wenn man sich noch dem Anhang widmet.
Erschreckend ist dabei, mit welchen spielerischen Abartigkeiten sich reiche Menschen eventuell die Zeit vertreiben – für mich klingt das Kartenspiel Supérieur sehr nach russischem Roulett und somit lass ich da mal sicherheitshalber die Finger weg…
“Des Teufels Gebetbuch” ist jedenfalls ein echter Markus Heitz, der den Leser auf interessante und eingängige unterhalten kann und dabei auch vor keinen genreübergreifenden Einflechtungen Halt macht.
Ich persönlich hätte gerne noch einen Touch mehr Spannung und Boshaftigkeit erwartet. Das ist aber schon Jammern auf hohem Niveau.
Jürgen Seibold/18.03.2017
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