King, Stephen / King, Owen: Sleeping Beauties

Originaltitel: Sleeping Beauties
Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt
©2017 by Stephen King und Owen King
© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-27144-9
ca. 960 Seiten

COVER:

Die Welt sieht sich einem so erschreckenden wie faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie gar ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt.

REZENSION:

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich seine Hoheit Stephen King dem Thema „Frauen“ annimmt. Ihm ist ebenfalls nicht entgangen, dass es in vielen Ländern ein frauenfeindliches Klima gibt, die #metoo-Bewegung immer weitere Kreise zieht und Frauen kurzum immer noch von vielen als nicht gleichwertig betrachtet werden.
Mit Sleeping Beauties nimmt er sich gemeinsam mit seinem Sohn diesem Thema an und man kann dieses Buch wahrlich als eine Hommage an das weibliche Geschlecht betrachten.
Per se halte ich diesen Umstand schon einmal für eine sehr gute Idee meines Lieblingsautors. Dennoch geht es auch um die Geschichte an sich – und wie bei jedem neuen Buch hoffte ich auch bei vorliegendem wieder etwas Prickelndes von ihm lesen zu dürfen.
Seine Story ist gut durchdacht. Gleichzeitig macht er es sich zusammen mit seinem Sohnemann abermals recht einfach in der notwendigen Ausarbeitung. Breitet er doch seine Story – wie schon oft – in einem kleinen Örtchen aus, um nicht zu weit ausholen zu müssen. Nichts desto trotz hat man das Gefühl, absolut jeden hier lebenden Einwohner persönlich kennen zu lernen. Dies ist sogleich die Stärke dieses Buches und es wird auch sehr schnell klar, dass eine Welt ohne Frauen nicht erstrebenswert sein kann. Tja, wer hätte das gedacht?
Die beiden Kings legen ihren Plot in üblicher Qualität vor. Das prickelnde Gefühl konnte aber nicht überspringen. Viel zu sehr erinnert das Einschlafen der Frauen und die jeweils dazugehörige Dramatik an die atemberaubend erzählten Sterbenden in Kings THE STAND. Dieses bösartige Erzählen und dabei emotional unberührt darüber hinweggehen sorgte bei THE STAND für eine Gänsehaut, die man nur noch mit dem immer wieder aufflackernden schwarzen Humor zur Seite wischen konnte.
In Sleeping Beauties ist dies gut erzählt – darüber hinaus wird man aber das Gefühl nicht los, dass hier irgendetwas fehlt. Kurz gesagt: Die Qualität Kings blitzt auf, entflammt aber nicht.
Sleeping Beauties ist beinahe 1.000 Seiten dick. Dies ist für einen King-Leser kein Problem, sind doch viele grandiose Werke von ihm so umfangreich und detailliert erzählt, dass diese Seitenzahlen schlichtweg einfach notwendig zu sein scheinen.
Hier war es mir leider etwas zu langatmig. Gleichzeitig vermisste ich den schwätzerischen King, der weit ausholend irgendwelche personenbezogenen Stories einfügt, die absolut nichts mit dem eigentlichen Plot zu tun haben, dennoch den Leser in seinen Bann ziehen. Mann, was habe ich das geliebt und bei vorliegendem Buch allein durch die Anwesenheit von 1.000 Seiten erhofft als auch erwartet.
Die Enttäuschung wuchs im Laufe der Geschichte: Seine Sätze waren kurzgehalten (Hat die alle sein Sohn geschrieben? Seit wann kann S.K. kurze Sätze?). Der daraus resultierende Plot wirkte nur noch langatmig und es kamen keine nennenswerten und tiefgehenden Details an die Oberfläche. Liegt das am Übersetzer? Oder hat Stephen King das Zepter etwas locker an der Hand gehalten?
Nun, Fragen über Fragen. Sleeping Beauties ist dennoch ein gutes Buch. Gleichzeitig eine typisch King’sche Kleinstadtgeschichte und diesem Fall auch noch eine sehr mystisch angehauchte Geschichte. Somit alles, was das Herz begehrt. King-Fans werden es ja sowieso lesen. Neueinsteigern würde ich aber zu früheren Werken des Autors raten. Diese sind definitiv effektiver und fräsen sich in des Lesers Gehirn.
Alles in allem eine relativ gute Geschichte, deren Grundgedanke wichtig ist. Trotzdem kein neuer leuchtender Stern im Kosmos Stephen Kings.
Jürgen Seibold/27.01.2018

Sleeping Beauties – KAUFEN BEI AMAZON

Richard Laymon: Das Auge

Originaltitel: ALARMS
Aus dem Amerikanischen von Sven-Eric Wehmeyer
Vollständige deutsche Erstausgabe 10/2017
©1992 by Richard Laymon
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-17654-9
ca. 352 Seiten

COVER:

Pen öffnete die Augen. Sie lag eingerollt auf der Seite, die Beine leicht ausgestreckt. Das obere Bein war eingeschlafen. Die enge Jeans hatte die Blutzirkulation abgebunden. Sie erinnerte sich nicht daran, sich auf die Seite gewälzt zu haben. War sie eingeschlafen, so wie ihr Bein? Sie spähte zum erleuchteten Zifferblatt des Weckers hinüber. Halb vier. Sie machte die Augen wieder zu. Und hörte Schritte. Die Wucht ihres Herzschlags raubte ihr den Atem. Sie vernahm nichts anderes als das Hämmern ihres Herzens. Dann einen neuerlichen leisen, kratzenden Schritt. Nicht innerhalb des Apartements, sondern auf dem Asphalt direkt vor ihrem Fenster. Das Fenster befand sich über ihrem Gesicht. Zitternd zog sie den Vorhang beiseite. Ihr gefror das Blut in den Adern …

REZENSION:

Der im Jahre 1947 geborene und leider bereits im Jahre 2001 gestorbene Richard Laymon wurde mit einer Vielzahl seiner Werke zu einem Garant für gelungene, blutige und spannende Horrorliteratur.
Seine Büchern schwanken dabei jedoch recht stark von absoluten Kultwerken zu Romanen, die ganz nett zum Lesen sind, dennoch sich nicht unbedingt in das Gehirn des Lesers einfräsen.
DAS AUGE liegt irgendwo dazwischen. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, dass es sich dabei um ein Buch aus dem Jahre 1992 handelt. Wenn man dies im Hinterkopf behält, wird einem recht klar, dass zu dieser Zeit sehr viele Romane dieses Genres recht ähnlich aufgebaut waren und trotzdem ausreichend für Unterhaltung sorgen konnten.
DAS AUGE ist dabei – vor allem im Vergleich zu anderen Werken des Autors – recht harmlos. Dennoch sorgt es für eine funktionierende Unterhaltung mit ausreichend Spannungselementen. Sehr oft leider stark vorhersehbar, dennoch eine interessante Idee und ganz in Ordnung für einige Stunden zum Abschalten. Schlichtweg ein kurzweiliger, nicht zu tiefsinniger Thriller mit interessanten Protagonisten und in der eingängigen Sprache Laymons geschrieben. Sicherlich hätte er noch stärker auf das Gas drücken können, was wohl auch dafür sorgt, das DAS AUGE sicherlich harte Laymon-Fans nicht umfassend überzeugen kann.
Kurzum ein netter kleine Thriller für Zwischendurch – ähnlich einem Film aus dem Abendprogramm, dessen Hintergedanke nichts weiter als die kurzweilige Unterhaltung ihres Konsumenten darstellen möchte.
Jürgen Seibold/29.11.2017

Das Auge: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Jack Ketchum: Scar

Originaltitel: The Secret Life OF Souls
© 2016 by Dallas Mayr and Lucky McKee
© 2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67717-3
ca. 336 Seiten

COVER:

Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichte zu machen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren …

REZENSION:

Geschichten, in denen Kinder die tragische Hauptrolle tragen, sind in meinen Augen immer besonders intensiv. Bereits in EVIL ging Jack Ketchum in diese Richtung und präsentierte ohne jegliche Rücksicht auf Verluste einen Ausblick auf die unglaublichen Möglichkeiten des Mobbings, des Gruppenzwangs und der sozialen Abgeschiedenheit.
Während er bei EVIL noch stark auf Horrorelemente Wert zu legen schien, ließ er dies im vorliegenden Buch beinahe durchweg unberücksichtigt. Was jedoch dieser Geschichte keinesfalls schadet – im Gegenteil: Sie bekommt dadurch eine stärkere Glaubwürdigkeit verliehen.
In SCAR lernen wir eine Familie kennen, wie es sie sicherlich unzählige Male auf diesem Planeten gibt. Die Zusammenstellung beinahe klischeehaft: Eltern, 2 Kinder und ein Hund. Nun jedoch auch noch eine Mutter, die schon immer Schauspielerin werden wollte, dabei jedoch auf keinen wirklich grünen Zweig gekommen ist. Aber sie hat ja ein hübsches Töchterchen. Recht jung noch, dennoch – oder gerade deswegen – leicht zu vermarkten. Beide tingeln dabei von einem Fotoshooting zum anderen, von einer Werbeaufnahme zur anderen und von einem Casting zum nächsten.
Delia ist nicht wirklich davon begeistert, spielt aber als anständige Tochter stoisch mit.
Nach und nach erkennt man an Ketchums Geschichte, dass das gesamte Familieneinkommen auf dieser Tätigkeit beruht. Somit sich nahezu alternativlos darstellt. Als dann plötzlich ein sehr dummes Unglück geschieht und dabei Delias Gesicht mit Narben entstellt wird, verdichtet sich diese Problematik in ungeahnte Höhen: Die Krankenhausrechnungen mögen bezahlt sein, Abstriche beim Lebensstandard werden nur ungern gesehen.
Während sich beide Elternteile immer mehr dem Alkohol und neuen Ideen widmen, arrangiert sich Delia mit ihrem neuen Aussehen und ist fast froh, dem Filmwahnsinn damit entgehen zu können.
Die Ehe bröckelt immer mehr, bis kurzfristig eine Lösung am Horizont auftaucht: Man könnte ja auch das verunglückte Kind vermarkten. Am Besten noch gemeinsam mit ihrem Hund, der ihr damals das Leben gerettet hatte.
Ketchum zieht ab da wieder die Dramatik an und führt Delia wieder als Spielball ihrer Mutter vor – diese möchte sich das aber nicht mehr wirklich gefallen lassen und reagiert immer öfter auf eigene Entscheidung und mit unvorhergesehenen Äußerungen.
DasFamiliendrama spitzt sich dadurch immer mehr zu: Der Alkohol fließt und auch der zeitweise Besuch fremder Betten ist nicht mehr wirklich eine Randerscheinung.
SCAR ist beileibe kein Horrorroman, wie viele Fans dieses Autors sicher erwarten würden. Nichts desto trotz ist es Jack Ketchum gelungen, eine Geschichte zu kreieren, die ihren Horror aus der normalen Nachbarschaft zieht. Als Leser fühlt man sich wie ein Voyeur, der seinen Blick in die Tiefen einer angespannten Familie legen darf. Dabei erkennt man sehr deutlich, wie nahe oft Alltäglichkeit, Hoffnung und absoluter Wahnsinn beieinander liegen können.
SCAR wirkt absolut real und dementsprechend glaubwürdig. Aus diesem Grund auch dementsprechend intensiv. Nun gut, auch Freunde der dezent eingestreuten, mystischen Elemente kommen nicht zu kurz: Es gibt ja noch Caity, Delias Hund. Hier könnte man fast sagen, dass klingt nicht gerade nach Realität – aber ich als Hundebesitzer kann nur sagen: Doch, das klingt sehr wohl glaubwürdig. Davon abgesehen gibt es dieser Geschichte eine gewisse freundliche Würze, denn Caity ist einfach der einzige Anker, der Delia noch geblieben ist.
In meinen Augen ein absolut gelungener und intensiver Roman über eine Familie, die von Besessenheit getrieben wird und dabei nicht einmal Rücksicht auf ihre eigenen Kinder nimmt.
Leider befürchte ich, dass es auch viele Beispiele außerhalb des gedruckten Wortes im realen Leben gibt – auch das wird zu keinem guten Ende führen…
Jürgen Seibold/24.09.2017

SCAR: Roman – KAUFEN BEI AMAZON

Stephen Leather: Brut des Teufels

Originaltitel: Midnight
Aus dem Englischen von Barbara Ostrop
©2011 by Stephen Leather
© der deutschsprachigen Ausgabe 2012 by Verlagsgruppe Random House GmbH, München
ISBN 978-3-442-37813-5
ca. 480 Seiten

COVER:

“Deine Schwester holt der Teufel, Jack Nightingale.” Wie ein Damoklesschwert schwebt dieser mysteriöse Spruch seit jeher über dem Leben des ehemaligen Polizeiermittlers. Dieses Mal vernimmt er die unheilvollen Worte aus dem Mund einer Frau, die tot über einer Treppe baumelt, aufgehängt mit einer Wäscheleine. Doch Jack kennt seine Schwester nicht, denn mit dem Tag ihrer Geburt ist sie aus seinem Leben verschwunden. Wie kann er jemanden retten, dem er noch nie begegnet ist?
Jack Nightingale macht sich auf die Suche, doch jeder, mit dem er über seine Schwester spricht, stirbt einen grauenvollen Tod. Jemand – oder etwas – scheint mit aller Macht verhindern zu wollen, dass die beiden Geschwister zusammenkommen. Sollte Jack sie retten wollen, muss er eine Fähigkeit einsetzen, die er einst bei der Polizei lernte und seitdem blind beherrscht: Er muss verhandeln. Doch jede Verhandlung mit den dunklen Mächten hat ihren Preis, und so muss Jack sich fragen: Ist es jede Seele wert, dass man sie rettet?

REZENSION:

Stephen Leathers “Brut des Teufels” ist ein Thriller, der mit einer Vielzahl an übersinnlichen beziehungsweise satanischen Elementen angereichert worden ist. Allein dadurch fühlt man sich beinahe in einen rasanten Film hineingezogen, der einem keine Ruhe lässt.
Jack Nightingale ist auf der Suche nach seiner Schwester, die – ebenfalls wie er – am Tage ihrer Geburt zur Adoption freigegeben worden ist.
Nach und nach bekommt man als Leser von “Brut des Teufels” heraus, dass bereits Jacks Seele durch seinen Vater an den Teufel verschachert worden ist. Dies scheint auch auf die Seele seiner Schwester zu zu treffen.
Nachdem es in meinen Augen dadurch einige auftretende Fragezeichen gab und diese auch nur durch kleine Hinweise beantwortet worden sind, wurde ich das Gefühl nicht los, dass es hier noch eine Vorgeschichte zu geben scheint. Wie sich herausstellen sollte: “Brut des Teufels” ist die zweite Story mit Jack Nightingale in der Hauptrolle. Somit wäre es unter Umständen eventuell hilfreich, mit “Höllennacht” zu beginnen. Nichts desto trotz wagte ich mich weiter durch die Seiten dieses Werkes und verzichtete auf den Genuß des ersten Bandes.
Schade jedoch, dass man weder auf dem Cover noch im Buch vom Verlag darauf aufmerksam gemacht wird.
Die Geschichte selbst ist absolut eingängig geschrieben und Jack selbst ist kurios genug, um beim Leser als geeigneter Protagonist anzukommen.
Geschickt baut der Autor kleine aber feine Horrorelemente ein, die zwar beinahe vor lauter Klischee tropfen, dabei aber dennoch Spaß beim Lesen machen.
Von der Thematik her fühlt man sich ein wenig in die Geschichten und Filme der 80er Jahre zurück versetzt – damals gab es nach meinem Empfinden eine unglaubliche Vielzahl an Geschichten, die Teufelsbeschwörungen in irgendeiner Art und Weise zum Thema hatten.
Auf der Suche nach seiner Schwester gibt es ausreichend Action für Jack Nightingale, eine Vielzahl an kuriosen Todesfällen, sowie eine ganze Palette an satanischen Lebewesen, die Jack das Leben recht schwer machen.
Ab und an lässt der Autor den Zufall ein wenig arg stark zu seinen eigenen Gunsten wirken – dennoch führt das nicht zu irgendeiner Abwertung, da diese klischeebeladene Geschichte durchweg eingängig, rasant und spannend erzählt worden ist und gerade deswegen für einen hohen Unterhaltungswert sorgt.
Einfach mal ein satanischer Thriller zur reinen Unterhaltung ohne besonderen Anspruch auf Tiefgang.
Jürgen Seibold/03.06.2017
Brut des Teufels: Thriller – KAUFEN BEI AMAZON