Reeve, Philip: Mortal Engines – Krieg der Städte

Originaltitel: Mortal Engines
Aus dem Englischen von Nadine Püschel und Gesine Schröder
©2001 Philip Reeve
Für die deutschsprachige Ausgabe:
©2018 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a.M.
ISBN 978-3-596-70212-1
ca. 334 Seiten

COVER:

Es war nur natürlich, dass Großstädte kleine Städte fraßen, dass Kleinstädte Dörfer verschlangen und sich Dörfer an statischen Siedlungen gütlich taten. Das war der Städtedarwinismus, und so lief es in der Welt seit Hunderten von Jahren …

Eine der gefährlichsten Städte in den Großen Jagdgründen ist London, prächtig anzusehen und voller stolzer, furchtloser Bewohner – bis ein Attentat die Dinge aus dem Gleichgewicht bringt. Als das Mädchen mit dem Tuch vor dem Gesicht ein Messer zückt, um den Obersten Historiker Londons, Thaddeus Valentine, umzubringen, kann ihm der junge Gehilfe Tom in letzter Sekunde das Leben retten. Er verfolgt das Mädchen, das jedoch durch einen Entsorgungsschacht in die Außenlande entkommt. Dass Valentine statt seinem Retter zu danken, den Jungen gleich mit hinausstößt, konnte beim besten Willen keiner ahnen …

Damit beginnt Toms und Hesters abenteuerliche Odyssee durch die Großen Jagdgründe. Sie treffen auf Sklavenhändler und Piraten, werden von einem halbmenschlichen Kopfgeldjäger verfolgt und von einer Aeronautin namens Anna Fang gerettet. Und all das, während in London finstere Pläne geschmiedet werden.

REZENSION:

Die Welt in „Mortal Engines“ ist eine Welt, wie sie mir in einer Geschichte wohl noch nie untergekommen ist: Hier sind die Städte riesige Maschinen, die sich durch die Jagdgründe bewegen und dabei andere Städte oder Dörfer in sich einverleiben. Diese Idee hat etwas Surreales und gleichzeitig extrem Brachiales. Ich persönlich finde es absolut erfrischend, mich auf dieses Gedankenspiel ein zu lassen und freute mich bereits auf den Inhalt der ersten Folge dieser auf mehrere Bände ausgelegten Reihe.
Natürlich ist mir auch bewusst, dass auf Basis dieses Werkes auch ein Film seinen Weg in die Kinos gefunden hatte. Der Regisseur dabei kein geringerer als Peter Jackson, der bereits dem „Herrn der Ringe“ cineastische Züge verliehen hatte.
Ich konnte mich aber dem Buch komplett unbelastet widmen, da ich den Film bisher noch nicht gesehen habe. Lediglich der Trailer war mir bewusst und dementsprechend konnte ich es nicht vermeiden, das Bild Londons bereits wie im Film vor Augen zu haben. Dies störte aber nicht, da Philip Reeve ehrlich gesagt nicht sehr detailliert auf seine Welt eingeht. Einerseits finde ich das gut, andererseits wäre ich dennoch sehr gerne tiefer eingedrungen.
Ich könnte mir aber vorstellen, dass ich mit meinem doch gehobenen Alter nicht die wirkliche Zielgruppe des Autors darstelle. Dieser Eindruck verstärkte sich bei mir im Laufe des Buches – ich habe mich aber damit abgefunden und mich auf eine etwas schlichtere Unterhaltung eingelassen. Die Zielgruppe liegt meines Erachtens eher im Jugend- oder jüngerem Erwachsenenalter. Die Story ist nämlich dementsprechend geschnitten und geht straight auf ihr Ende zu. Die Protagonisten lassen sich in ihrer Tätigkeit als auch in ihrer aufflammenden Beziehung zueinander recht einfach einordnen und vorhersagen. Dementsprechend wenig Überraschendes gibt es in diesem Plot. Gleichzeitig halte ich es aber für wichtig, dass solche Bücher ihren Weg zu ihrer Klientel finden. Sie sind nämlich außerordentlich unterhaltsam und sorgen für einige genussvolle und unterhaltsame Stunden. Besonders die stringente Vorgehensweise und die etwas einfache Erzählweise sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Das Buch ist aufgrund dessen recht schnell gelesen und man ertappt sich auch als alter Hase dabei, dass man doch den nächsten Band ebenfalls lesen möchte.
Als Fazit lässt sich sagen, dass „Mortal Engines“ für die junge Leserschaft eine gute Empfehlung darstellt – Personen meines Alters werden etwas weniger überrascht, können aber auch ganz ordentlich auf leichte Art damit unterhalten werden.
Jürgen Seibold/26.05.2019