Scharer, Whitney: Die Zeit des Lichts

Originaltitel: The Age of Light
Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner
©2019 by Whitney Scharer
Für die deutsche Ausgabe ©2019 by J.G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart
ISBN 978-3-608-96340-3
ca. 392 Seiten

COVER:

„Ich würde lieber ein Bild machen, als eines zu sein“ – zu dieser Erkenntnis kommt Lee Miller im Alter von zweiundzwanzig Jahren, und so gibt sie ihre Modelkarriere in New York auf, um nach Paris zu ziehen. Geld oder einen Plan hat sie nicht, dafür aber eine Kamera, mit der sie die französische Hauptstadt erkundet. Inmitten der schillernden Künstlerwelt der Dreißigerjahre verliebt sie sich in den ebenso genialen wie eifersüchtigen Man Ray, der sie als Assistentin einstellt und sie in seinem Studio unterrichtet. Ihre Freunde sind Picasso und Cocteau, gemeinsam durchtanzen sie die Nächte und machen Ausflüge ans Meer. Lee jedoch kämpft vor allem darum, in dieser Welt männlicher Genies selbst als Künstlerin ernstgenommen zu werden. Berühmt wird sie erst in den Kriegsjahren und mit den Fotografien, die sie im besiegten Deutschland macht, in den befreiten Konzentrationslagern und in Hitlers Badewanne. Whitney Scharer zeichnet das Porträt einer glanzvoll abgründigen Epoche und einer Frau, die sich nie vereinnahmen ließ.

REZENSION:

In ihrem Debütroman „Die Zeit des Lichts“ erzählt Whitney Scharer vom Leben der Fotografin Lee Miller.
Lee Miller war eine sehr selbstbewusste Frau in einer Zeit, in der das weibliche Geschlecht eher als Figur im Schatten ihres Partners zu stehen hatte. Gleichzeitig eine Epoche voller Tatendrang, neu aufstrebenden Künstlern, neuen Möglichkeiten und kurzzeitig unbehelligt von irgendwelchen Kriegen.
Lee Miller selbst begann als erstes eine typische Modelkarriere, hielt sich dort aber nie wirklich aufgehoben, da sie sich nicht als reines Objekt verkaufen wollte. Aus diesem Grund schwenkte sie in die Welt der Fotografie und entwickelte sich zu einem hartnäckigen Konterpart zu ihrer ebenfalls in diesem Sujet sehr bekannten Liebesbeziehung namens Man Ray.
Wie oft üblich, begann auch Lee Miller ihre ersten Erfahrungen als Assistentin eines bereits hochrangigen Fotografen zu machen. Dabei ist es natürlich hilfreich, dass dieser bereits bekannte Fotograf Man Ray ist, wodurch sich ihre Beziehung natürlich auch in diesem Thema verfestigte. Durch diesen tiefgehenden Kontakt findet findet sie den Zugang zur Welt der Kunst und versuchte darin alles, um nicht nur Ernst genommen zu werden, sondern auch glaubwürdige Anerkennung zu finden.
Richtig berühmt wurde Lee Miller erst als Kriegsfotografin, die sich nicht davor scheute, die Gräueltaten im besiegten Deutschland nachhaltig und bedrückend festzuhalten.
Leider ist in Whitney Scharers Werk dieser außerordentlich interessante Part des Lebens von Lee Miller eher nebensächlich erzählt. Darüber hinaus fehlte mir als Liebhaber der Fotografie das umfängliche, liebevolle und detaillierte Eingehen in diese Thematik. Lee und Man lebten in einer Zeit, in der es das simple „Knipsen“ noch nicht gab und somit wäre es sehr interessant gewesen, wenn die Autorin auch dieses Thema stärker beleuchtet hätte.
Bereits dadurch hat in meinen Augen der Roman bereits an Kraft und Stärke verloren – immerhin handelte es sich hier um die wirkliche Leidenschaft Millers, mit einem wahren Hürdenlauf bis zum Durchbruch als echte Künstlerin.
Lee Miller wäre ein leuchtendes Beispiel für eine kraftvolle Hauptdarstellerin, die sich in einer männerdominierenden Welt durchsetzt. Dennoch scheint in diesem Werk die Liebesgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen die hauptsächliche Rolle zu spielen, wodurch der ursprüngliche Ansatz an Glanz verloren hat. Man liest von vielen Partys, irrwitzigen Veranstaltungen und interessanten Personen des Kunstgeschehens – dennoch wird lediglich die Beziehung zwischen Ray und Miller im Detail beleuchtet; obwohl doch nahezu alles andere erheblich interessanter wäre und auch mit Sicherheit mehr Zündstoff beinhalten würde. Allein ihre Tätigkeiten in den ausgehenden Wirren des 2. Weltkriegs hätten bereits das Potenzial für eigene Romane. Ihr Weg vom vor der Kamera stehenden Model zur eigenständigen und erfolgreichen Fotografin ebenso. Whitney Scharer reißt dass alles an, dennoch bleibt in der Gänze nicht sehr viel mehr übrig als ein Liebesroman mit zwei real existierenden Personen. Sozusagen eine glatt gebügelte Biographie. Gut geschrieben, eingängig zu lesen, trotzdem für mich als Freund der künstlerischen Fotografie erheblich zu wenig in der Umsetzung. Die fotografischen Themen und ihr Weg hin zur künstlerischen Fotografin und im Anschluss ihre Erlebnisse als Kriegsfotografin hätten mich erheblich mehr interessiert als kleinliche Streitigkeiten zwischen ihr und ihrem eifersüchtigen Konterpart.
Jürgen Seibold/26.10.2019

Großstadtaugen: 6 Graphic Short Stories

(c) 2011 by Knaur Taschenbuch
ISBN 978-3-426-53011-5
ca. 190 Seiten / 6,99 €

COVER:

In einer Großstadt passiert täglich Wundersames, Schauerliches, Unbemerktes, Grausames.
Sechs Graphic short stories berichten von düsteren Geheimnissen zwischen scheinbar eintönigen Hausfassaden, Straßenlärm und Stadtalltag.

Die Zeichner:
Helen Aerni, Stella Brandner, David Füleki, Carla Miller, Petra Popescu, Carolin Reich

REZENSION:

GROßSTADTAUGEN ist ein sehr stimmungsvoller Comicband, der durch die unterschiedlichen Zeichner mit sehr differenziert zu betrachtenden Geschichten aufwartet. Die Geschichten sind von relativ düster angehauchter Art, können aber durchweg jeden Genreliebhaber mit Leichtigkeit überzeugen. Sicherlich ist der Inhalt eher Richtung Jugendliteratur ausgerichtet, was natürlich für Abstriche bei etwas älteren Semestern führt – nichts desto trotz sind die Geschichten durch die Bank sehr stimmungsvoll aufgebaut und die Ideen lassen in keinster Weise was zu wünschen übrig.
Nebenbei erwähnt finde ich es lobenswert, dass solche Veröffentlichungen in der heutigen, doch eher mainstreamlastigen Zeit noch möglich sind – immerhin handelt es sich hier weniger um bekannter Blockbuster, die als Gelddruckmaschinen verwendet werden können – im Gegenteil, die Erzähler scheinen hier noch mit Liebe am Werke zu sein – und genau dies erkennt man in diesem Querschnitt sehr deutlich.
Somit meiner Meinung nach ziemlich gelungene Alternative zu manch anderem, nichtssagenden Werk.
Jürgen Seibold/15.06.2011
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Rand & Robyn Miller mit David Wingrove: Myst – Das Buch Atrus

Verlag: Bastei Lübbe; 8,90 €
deutschsprachige Ausgabe © 1996; Taschenbuchausgabe © 2004
Originalausgabe „MYST – The Book of Atrus“, © 1995
 

COVER:

Das Kultbuch zum Kultspiel – erstmal als Taschenbuch
Dies ist die Geschichte von Atrus, dessen Vater ganze Welten entstehen lässt, allein kraft des geschriebenen Wortes. Welten, in denen er als Gott verehrt und gefürchtet wird.
Atrus wagt es, sich gegen den selbstherrlichen Gott aufzulehnen, und wird von einem Abenteuer zum nächsten getrieben …
DAS BUCH ATRUS ist der Beginn einer schillernden Fantasy-Trilogie, eine Geschichte von Vater und Sohn, Gut und Böse, Liebe und Vergeltung.

REZENSION:

Atrus und seine Familie sind die letzten Überlebenden des untergegangenen Volkes der D’ni, die eine besondere Form der Magie entwickelt haben: Mit Hilfe besonderer Bücher konnten sie Welten erschaffen, in die sie reisten und aus denen sie Rohstoffe und Nahrungsmittel bekommen konnten. Atrus Vater Gehn entdeckte dieses Wissen neu und erschuf sich seine eigenen Welten. Atrus, der bei seiner Großmutter aufwuchs, soll ihm helfen, ein ganzes Imperium aufzubauen. Als Atrus feststellt, dass sein Vater dem Größenwahn verfällt, setzt er alles daran, Gehn aufzuhalten.
Allein schon diese Hintergrundidee ist es wert, „Das Buch Atrus“ zu lesen. Die Brüder Rand und Rbyn Miller und David Wingrove erschufen mit dem Computerspiel und dem Roman dazu eine neue Welt, in der alles möglich ist, und in der die Naturgesetze auf den Kopf gestellt werden können.
Atrus, Gehn und Großmutter Anna werden in vielen verschiedenen Facetten dargestellt, sie sind hochintelligent, haben ihre eigenen Vorstellungen von „richtig“ und „falsch“, haben Wünsche und Hoffnungen. Auch die Menschen in den von Gehn erschaffenen Welten werden in allen Schichten ihres Daseins beschrieben, und die Darstellungen der Landschaften werden in bunten Farben gemalt.
Leider bleibt der Erzählstil in großen Teilen auf der Strecke, vor allem der Anfang ist recht langatmig. Mit der Zeit gewinnt „Das Buch Atrus“ jedoch an Schwung und wird von Seite zu Seite besser und spannender. Am Ende war ich doch ein wenig enttäuscht, dass es schon zu Ende war. Jetzt bin ich gespannt auf den 2. und 3. Teil der Trilogie.
Diana Becker für HysterikA/15.04.2010