Wil McCarthy: Zeitflut

Originaltitel: Antediluvian
Aus dem Amerikanischen von Norbert Stöbe
Deutsche Erstausgabe 03/2021
©2019 by Wil McCarthy
©2021 der deutschsprachigen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-32076-5
ca. 445 Seiten

COVER:

DIE GRÖSSTE ZEITREISE IN DER MENSCHHEITSGESCHICHTE

Die nahe Zukunft. Den beiden Wissenschaftlern Harv Leonel und Tara Mukherjee ist eine bahnbrechende Entdeckung gelungen, die es den Menschen ermöglicht, die Vergangenheit mit eigenen Augen zu sehen. Und so treten Harv und Tara die Reise in die Steinzeit an – und entdecken ein vergessenes Zeitalter der Hochkultur. Doch diese Welt ist in Gefahr. Wenn es den beiden Forschern nicht gelingt, sie zu retten, könnte das Erbe der Menschheit für immer verloren gehen …

DAS GEHEIMNIS DER ZEIT LIEGT IN UNSEREN GENEN

REZENSION:

Die Coverbeschreibung des Verlages ist natürlich als Teaser gedacht – einige wenige Zeilen, um den potenziellen Käufer davon zu überzeugen, dieses Buch mit zur Kasse zu nehmen. Gut, dennoch sollte sie in etwa widerspiegeln, worum es im Buch geht. Bis auf den letzten Satz mit den Genen stimmt nämlich nur partiell der Inhalt der Beschreibung mit dem Inhalt des Buches überein.
Richtig ist, dass die beiden eine bahnbrechende Erfindung gemacht haben und Harv dadurch gedanklich in die Vergangenheit reisen kann, beziehungsweise sein Y-Chromosom die frühen Erlebnisse immer noch in den Tiefen gespeichert hat und Harv diese nun technisch hervorzuholen in der Lage ist.
Er selbst liegt weggetreten im Universitätsgebäude – was seine Erlebnisse geistiger Art jedoch nicht schmälert. Wil McCarthy baut diese Erlebnisse als separat wirkende Geschichten auf und hält sich dabei so gut wie möglich an historische beziehungsweise mystische Bewandtnisse. Da die Erlebnisse mehrere Jahrtausende hinter uns liegen, lässt sich deren Wahrheitsgehalt nicht widerlegen und könnte sich exakt so dargestellt haben.
Das Interessante dabei ist der Umstand, dass McCarthy insgesamt vier Mal Harv in die Vergangenheit schickt und dabei uns zum Beobachter von Geschehnissen macht, die überwiegend Auswirkungen in unsere Zeit haben und auch weiterhin im Rahmen von Sagen, Erzählungen und religiösen Mythen ihre Daseinsberechtigung haben. Wir treffen auf den Grund, wie und warum Menschen auf einer Art Arche das Weite vor einer Sintflut gesucht haben, wie Eva von der Schlange gebissen wurde und was es mit Trollen und dem ersten Seefahrer aller Zeiten auf sich hat.
Der gesamte Roman ist sehr ideenreich aufgebaut und steht und fällt mit der jeweiligen Geschichte in der Geschichte. Während die Flucht vor der Sintflut als erste Geschichte bereits durch ihre doch recht gut aufgebaute Spannungselemente ein grandiosen Zeichen für den Einstieg in dieses Werk setzen konnte, fällt dies sogleich mit der zweiten wieder ein wenig ab. Hier hätte Wil McCarthy unter Umständen etwas weniger Historie und dafür mehr spannende Elemente einbauen könnte, was der Geschichte in ihrer Gesamtheit sicherlich gut getan hätte. Nichts desto trotz bleibt der Plot interessant und etabliert eine interessante Zeitreise-Alternative, die gänzlich ohne die üblichen Paradoxien aufwarten kann – man ist ja nur Beobachter aufgrund der gespeicherten Informationen der eigenen Gene. Somit lässt sich auch nicht gezielt reisen sondern nur auf Basis der eigenen Herkunft. Allein dies würde mir schon richtig viel Freude bereiten, vor allem weil man dabei im Gegensatz zu anderen Zeitreisewerken kein örtliches Risiko eingehen muss.
ZEITFLUT ist interessant, zeugt von einer grandiosen Idee und lässt sich sehr schön lesen. Die Spannungsschraube hätte McCarthy noch deutlich anziehen können und beim Ende darüber hinaus noch etwas runder und nicht so hektisch agieren müssen. Dennoch ein abwechslungsreicher Plot mit historisch angehauchten Elementen, die teils mitreissen, teils nebensächlich wirken. In der Gänze somit ein ziemlich guter Unterhaltungsroman, der sich nicht in den üblichen Zeitreisen-Fahrwassern befindet.
hysterika.de / JMSeibold / 25.07.2021

Ava McCarthy: Passwort: Henrietta

Originaltitel: The Insider
Aus dem Englischen von Karl-Heinz Ebert
Deutsche Erstausgabe Mai 2009
c 2009 by Ava McCarthy
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe bei Knaur Verlag
Ca. 480 Seiten / € 14,95

COVER:

Henrietta „Harry“ Martinez ist Hackerin und arbeitet undercover für große Unternehmen, um Sicherheitslücken in deren Computersystemen aufzudecken. Als auf ihrem Konto plötzlich zwölf Millionen Euro auftauchen, ein Unbekannter ihr während der Rushhour in Dublin etwas ins Ohr flüstert und sie Sekunden später auf die Gleise der einfahrenden S-Bahn gestoßen wird, nimmt ihr Leben beunruhigende Formen an.

Kurz nach dem Mordanschlag erhält sie einen Brief von einem mysteriösen Schreiber, der sich selbst als „Prophet“ tituliert. Er fordert die zwölf Millionen und gibt Henrietta 48 Stunden Zeit, um das Geld zu überbringen. Zu ihrem Schrecken stellt die smarte Hackerin fest, dass sich die Millionen nicht mehr auf ihrem Konto befinden. Ein dramatischer Wettlauf mit der Zeit beginnt, der sie zu ihrem Vater führt – einem Investmentbanker und passionierten Pokerspieler, den sie seit Jahren aus ihrer Erinnerung verbannen möchte. Und das nicht nur, weil er wegen Insidergeschäften im Gefängnis sitzt…

REZENSION:

Die Autorin Ava McCarthy hat es mit ihrer Geschichte um die junge Hackerin Henrietta geschafft, einen äußerst spannenden und gut zu lesenden Thriller zu schreiben, der nicht nur von actionreichen Szenen lebt, sondern auch viel Tiefgang besitzt. Gerade die Beziehung zwischen der jungen Sicherheitsexpertin für Computernetzwerke und ihrem Vater und dessen Familie stellt sich als sehr kompliziert dar und ist von der Autorin mit viel Feingefühl geschildert. Äußerst rasant aber auch sehr beängstigend ist der Rest der Geschichte. Da wird über Datenpiraterie oder –kriminalität berichtet, über illegale Börsengeschäfte und Zockermentalitäten, aber auch, und genau das ist für den Leser so erschreckend, wie leicht Computersysteme missbraucht werden können und dass in der virtuellen Welt nichts sicher ist, egal wie sicher es auch scheint. Eingepackt in eine spannende Geschichte, gespickt mit vielschichtigen Charakteren und einer Thematik, um die heute keiner mehr herum kommt, hat Ava McCarthy hier einen Thriller konstruiert, der im Trend der Zeit liegt und auf dessen Fortsetzung der Leser bereits jetzt schon gespannt sein kann.
Dorit Wiebke für Hysterika.de / 25.09.2009