Robert McCammon: Boy’s Life

Originaltitel: Boy’s Life
Übersetzung: Nicole Lischewski
© 1983 by Robert McCammon
Copyright Gesamtausgabe © 2020 LUZIFER-Verlag
ISBN 978-3-95835-486-9
ca. 576 Seiten

COVER:

Es ist 1964 in dem kleinen idyllischen Städtchen Zephyr, wo die Bewohner entweder in der Papierfabrik am Tecumseh River oder in dem örtlichen Milchbetrieb arbeiten. Es ist ein einfaches Leben, aber doch voller Wunder für den zwölfjährigen Cory Mackenson. Eines Morgens werden er und sein Vater Zeuge, wie ein Auto vor ihnen von der Straße abkommt und in einem See versinkt. Am Steuer aber befand sich ein nackter, geschundener Körper, mit Handschellen an das Lenkrad gefesselt. Mit der Zeit vergessen oder verdrängen die Bewohner des Ortes den seltsamen Vorfall, doch Cory und sein Vater wollen dem Geheimnis auf die Spur kommen. Ihre Suche führt sie in eine Welt, wo Unschuld und Bosheit aufeinanderprallen und Magie und Fantasie mit der Realität zu verschmelzen scheinen …

REZENSION:

Coming-Of-Age-Romane sind spätestens seit Stephen Kings „ES“ eine Spielwiese, die immer wieder gerne verwendet wird. Die Schwierigkeit dabei scheint jedoch nicht einfach zu überwinden zu sein, gibt es doch nur eine Handvoll wirklich herausragender Werke in diesem kleinen Subgenre. Hierbei fallen Titel wie Malfis „December Park“, Simmons „Elm Haven“ und natürlich bereits besagtes „ES“, welches sich in den letzten 30 Jahren zu meinem Lieblingsbuch gemausert hat.
Bei der Recherche nach weiteren Werken in diesem Bereich stößt man recht schnell auf „Boy’s Life“ von Robert McCammon, welches bereits aus den 80er Jahren ist, glücklicherweise vor kurzem neu vom Luzifer-Verlag herausgegeben worden ist.
Die Übersetzung inklusive der daraus folgenden Eingängigkeit ist perfekt ausbalanciert und auch hier begeben wir uns in ein kleines Nest im vom Rassismus geprägten Amerika. Wir begleiten Cory auf seinem Weg ins Erwachsen werden und versuchen dabei ganz nebenbei noch einen vermeintlichen Mordfall zu klären. Dieser wiederum ist lediglich der übergeordnete Faden, welcher ab und an aufgenommen und durch dezente Hinweise oder Erkenntnisse weiter vorangetrieben wird. Die Auflösung ist schlüssig, interessant und dennoch anders, als man vorher erwartet konnte. Nichts desto trotz ist dieser Weg ein kleiner Nebenschauplatz dieses Buches – es geht hier vielmehr um das Erwachsenwerden und dem Drang, sich die Magie dieser Zeit so lange wie nur irgend möglich aufrechterhalten zu können. Cory durchlebt magische, spannende, freundschaftliche, gefährliche und traurige Momente. Jedes Kapitel beinahe eine Geschichte in sich selbst – gefüttert mit einer Unmenge an Seitensträngen, die nichts mit dem Toten im See verbindet, jedoch dieser Geschichte ihre allumfassende erzählerische Kraft schenken.
McCammons Charaktere sind liebevoll gezeichnet und jeder Einzelne steht für sich selbst und offenbart sein persönliches Leben oder zumindest seinen persönlichen Anteil in Bezug auf Corys Umfeld. Die 60er Jahre sind getrieben vom Umbruch der stiefmütterlichen Kleinstadt in die Welt der Industrie und Massenabfertigung. Der stetig vorhandene Rassismus steht konträr zur teilweisen Hilfsbereitschaft vereinzelter Weißer gegenüber der schwarzen Community als auch der gegenseitigen Hilfsbereitschaft im umgekehrten Fall. Die Akzeptanz wächst – irritiert durch unsinnige und boshafte Tätigkeiten einzeln Verblendeter.
Als Kind und Jugendlicher kämpft man noch um Anerkennung – bei Zuwiderhandlung ist in der genannten Zeit noch mit körperlicher Züchtigung zu rechnen. Dennoch erkennt man ein positives Elternhaus – gleichzeitig kann auch dieses Kartenhaus durch Arbeitslosigkeit oder andere Eingriffe von außen plötzlich zusammenfallen und die Karten des Lebens neu mischen.
All dies legt McCammon in diesem stark erzählten Buch dar und sorgt dafür, dass sein Leser mit den gleichen wechselhaften Gefühlen zu kämpfen hat, wie Cory Mackenson in seiner Rolle als Hauptdarsteller in „Boy’s Life“.
Es kommt wahrlich nicht oft vor, dass ich am Ende eines Buches mit meinen eigenen Emotionen und Erinnerungen kämpfen muss – dieses Buch hat es – wie nur wenige vor ihm – auf seine eigene Art und Weise geschafft.
Allein dafür danke ich dem Autor aus tiefstem Herzen und sehe von den wenigen aufkommenden Längen zur Mitte des Buches einfach mal ab.
Interessant wäre nun noch zu erfahren, ob mit diesem Buch die Riege der außerordentlichen Coming-Of-Age-Storys im Stile der o.g. Schriftsteller abgeschlossen ist, oder ob es tatsächlich noch weitere Beispiele mit einer ähnlichen Qualität und erzählerischen Kraft geben sollte…
Jürgen M. Seibold/23.08.2020

Robert McCammon: Swans Song 2 – Das scharlachrote Auge

swans_song_2Originaltitel: Swan Song
© 1987 by Robert McCammon
1. Auflage Mai 2015
© dieser Ausgabe 2015 by Festa Verlag, Leipzig
ca. 576 Seiten
eISBN 978-3-86552-356-3

COVER:

Eine erkaltete, hoffnungslose Welt. Heimgesucht von einer uralten bösen Macht.

Er ist der Mann mit dem scharlachroten Auge, der Mann der vielen Masken. Er vereint die Kraft der menschlichen Gier und des Wahnsinns. Er durchstreift das nuklear verstrahlte Land auf der Suche nach einem Kind, dem Mädchen mit dem Namen Swan.

Das Kind muss vernichtet werden, denn es besitzt die Gabe. Swan kann dem toten Boden wieder Leben geben und den Menschen somit Rettung bringen …

Das Ende der Welt ist nur der Start für den letzten Kampf der Menschheit.

REZENSION:

Bereits der erste Band dieser Endzeitsaga konnte mich durchweg überzeugen. Dementsprechend euphorisch widmete ich mich dem zweiten Band. Im Gegensatz zu anderen Werken ist es in diesem Falle jedoch so, dass in der amerikanischen Originalausgabe das Werk als ein Buch veröffentlicht worden ist. Aus diesem Grund machte ich mir auch keine großen Sorgen, dass es sich hierbei lediglich um eine Fortsetzung aufgrund eines erfolgreichen Erstlings handelt.
Es geht auch sogleich weiter und erneut war ich förmlich an die Seiten gefesselt.
Das gesamte Werk ist eine Mischung aus Horror, Thriller und eingewobenen, mystischen Elementen und somit zeigt es sich als Gesamtkunstwerk in der selben Riege wie das oft als Vergleich herangezogene Werk von Stephen King namens The Stand.
Vor diesem vergleich hatte ich am Anfang etwas Angst, da ich ein großer Fan Stephen Kings bin und The Stand bisher in meinen Augen nahezu unerreichbar wirkte. Nun, Robert McCammon zeigt, dass man auch diesem Thema etwas Neues hinzufügen kann und somit befinden wir uns in einer zwar ähnlich gelagerten Geschichte – aber trotzdem in einem durchweg atemberaubenden Pageturner.
Band 2 ist dabei nicht mehr ganz so dramatisch wie die erste Hälfte des Gesamtwerkes. Nichts desto trotz ist der Fortgang stimmig und man nähert sich immer mehr dem unvermeidlichen Kampf von Gut und Böse ohne dabei auf philosophische, ökologische und menschliche Thematiken zu verzichten.
Insgesamt sprechen wir hier von einem über 1.000 seitigen Werk, was erneut eine Parallele zu Kings Werk darstellt, und trotzdem hat man beim Schließen dieses Buches das Gefühl, dass es noch ewig so weitergehen könnte. Schön, wenn ein Buch es schafft, dieses Gefühl zu hinterlassen und somit zählt Swans Song schlussendlich zu einem der besten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe.
Ein perfekter Endzeitthriller, der trotz der verwendeten 80er-Jahre-Ängste noch nichts an seiner Botschaft verloren hat.
Jürgen Seibold/03.09.2015
Swans Song – Buch 2: Das scharlachrote Auge: Endzeit-Thriller KAUFEN BEI AMAZON

Robert McCammon: Swans Song 1 – Nach dem Ende der Welt

swans_song_1Originaltitel: Swan Song
© 1987 by Robert McCammon
1. Auflage Mai 2015
© dieser Ausgabe 2015 by Festa Verlag, Leipzig
ca. 450 Seiten
eISBN 978-3-86552-354-9

COVER:

Swans Song – Buch 1: Nach dem Ende der Welt

Der legendäre Endzeit-Thriller. Düster, brutal und mit epischer Wucht erzählt.

In diesem Endzeit-Thriller beschreibt der Bestsellerautor die Welt nach der atomaren Apokalypse. Die menschliche Zivilisation bricht zusammen und die wenigen Überlebenden werden in eine vorindustrielle Welt katapultiert, in der sie zu hungrigen Bestien mutieren.
Der nukleare Winter senkt sich wie ein Leichentuch über die verkohlte Erde.
Durch dieses verstrahlte Land wandert Swan – das neunjährige Mädchen spürt, dass etwas Übernatürliches am Werk ist: das personifizierte Böse, das die Menschheit endgültig vernichten will. Swan erlebt die ultimative Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse.

REZENSION:

Ich war sehr zwiespältig, als ich immer mal wieder beim Stöbern nach einem neuen Lesegenuß über die beiden Bücher mit dem Titel Swans Song gestoßen bin. Dies lag vor allem an dem Umstand, dass einige Rezensenten hier einen Vergleich zogen, der in meinen Augen nur schwer einzuhalten sein könnte: Sie verglichen Swans Song mit The Stand von Stephen King.
Nun gut, von der Gesamtseitenzahl her würde es passen – aber The Stand ist ein absolutes Epos, wie soll da Swans Song mithalten können, ohne dabei ein Plagiat zu entwickeln?
Tja, Robert McCammon hat es wirklich geschafft. Der erste Band von Swans Song legt sofort mit der ultimativen Vernichtung los – die Amerikaner und die Sowjetunion (woran man sehr deutlich die Entstehungszeit des Romans erkennt) lassen ihr gesamtes Atomraketenpotenzial auf den jeweiligen Gegner los. Wer wirklich begonnen hat, lässt sich nicht mehr herausbekommen – ist aber auch nebensächlich, denn nun befinden wir uns in der postatomaren Welt der Vereinigten Staaten und begleiten diverse Protagonisten auf ihrem Weg durch diese düstere und brutale Welt. Es entwickelt sich so nach und nach die Erkenntnis, in welche Lager – Gut oder Böse – sich die jeweiligen Personen aufspalten.
Sicher ist mit dem ersten Band lediglich die Hälfte erzählt – aber ich kann mir schon jetzt nicht mehr vorstellen, dass der Autor nach der Hälfte nur noch Mist erzählen wird. Immerhin ist bei Swans Song 1 wirklich jedes einzelne Kapitel eine Dosis einer süchtig machenden Droge, denn man kann sich dem absolut nicht mehr entziehen und ist gezwungen, weiter der Geschichte zu folgen.
Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich jemals ein Buch gelesen habe, in dem wirklich jedes einzelne Kapitel spannungsgeladen die Story antreibt – hier ist es definitiv so.
Ich bin schon sehr gespannt, wie dies alles weitergeht und sich dem Ende hin entwickelt – gleichzeitig habe ich Angst, dass die Story zu schnell zu Ende ist, denn sie ist ein absoluter Glücksgriff vor des Lesers Augen.
Jürgen Seibold/13.08.2015
Swans Song: Nach dem Ende der Welt: Endzeit-Thriller – BUCH KAUFEN BEI AMAZON