Peter Clines: Der Raum

Originaltitel: 14
Aus dem Amerikanischen von Marcel Häußler
Deutsche Erstausgabe 05/2017
©2012 by Peter Clines
©2017 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-31642-3
ca. 592 Seiten

COVER:

Nathan Tucker, den alle nur Nate nennen, findet in Los Angeles zu seiner großen Überraschung eine traumhafte Wohnung mit unglaublichem Panorama-Ausblick, und das für eine unverschämt niedrige Miete. Die Wohnungsbesichtigung in dem uralten, ziegelverkleideten Gebäude verläuft ebenfalls reibungslos, bis auf die schillernd grüne Kakerlake, die Nate kurz über den Boden krabbeln sieht. Das stört ihn jedoch nicht weiter, und so zieht er eine Woche später ein. Als er dann von mehreren Leuten hört, dass irgendetwas mit dem Haus nicht stimmt, kommen erste Zweifel bei Nate auf, die sich schon bald nach dem Einzug verstärken: Es tauchen seltsam mutierte Küchenschaben auf, im Keller gibt es einen riesigen Fahrstuhl-Maschinenraum, obwohl der Fahrstuhl angeblich noch nie funktioniert hat, und die Elektrizität des Hauses hat keinerlei Verbindung zum Stromnetz von Los Angeles. Schließlich erfährt Nate von seinen neuen Nachbarn, dass es in dem nach einer Inschrift über dem Eingang so benannten Kavach-Haus bereits etliche Selbstmorde gab. Außerdem hat keiner der Mieter seit ihrem Einzug jemals wieder geträumt. Als sie beschließen, das Geheimnis des Kavach zu lüften, müssen sie feststellen, dass das Haus bereits eigene Pläne mit ihnen hat …

REZENSION:

Es sollte eigentlich einen potenziellen Mieter stutzig machen, wenn sich eine Mietwohnung in einer Stadt wie Los Angeles nicht nur als schöne Wohnung darbietet, sondern dabei auch noch extrem günstig angeboten wird.
Nate kann es selbst kaum glauben, dennoch konnte er nahezu problemlos zugreifen und somit konnte sein Leben als weiterer Mieter des Kavach-Hauses im Herzen LA’s beginnen.
Nach und nach lernt er einige sehr skurrile Nachbarn kennen, die in auch immer mehr von der Kuriosität dieses Gebäudes überzeugen. Recht schnell stellt sich dabei heraus, dass dieses uralte Haus einige Geheimnisse in sich zu tragen scheint. Ein schnell zusammengestelltes “Erkundungsteam” unter Nates Leitung macht sich auf den Weg, das Gebäude näher zu erforschen. Dabei immer sehr vorsichtig, da ihnen des öfteren der Hausmeister im Nacken sitzt.
Sie treffen dabei auf Räume, die nirgendwo einen Sinn zu ergeben scheinen – darüber hinaus einen Weg durch den Keller in ungeahnte Tiefen…
Peter Clines’ Roman beginnt recht sanft und führt ein sehr skurriles Publikum ein. Man lernt dabei Personen kennen, bei denen man sich immer wieder selbst fragt, ob man diese gerne als Nachbarn haben wollen würde. Das geht von der zumeist nackt auf der Gemeinschafts-Dachterrasse liegenden, von allen sexuellen Schamgefühlen befreiten Frau, hin zum weiblichen Computernerd, deren Wohnung mit Technik vollgestopft ist, einem alles im Auge behaltenden und auf die Regeln pochenden Hausmeister, als auch dem religiös-fanatischen und alles verteufelnden Einsiedler.
Natürlich ist dabei nicht das gesamte Setting genannt, welches Clines auflaufen lässt, dennoch ist damit schon einmal kurz angerissen, dass in diesem Haus mehreres nicht in Ordnung zu sein scheint. Nichts desto trotz wächst diese Gemeinschaft immer mehr zusammen und nutzt die jeweiligen Eigenschaften der Beteiligten, um zum Ziel zu kommen: Die Geheimnisse dieses Hauses zu ergründen.
Romane mit Häusern in der Hauptrolle sind immer wieder schön zu lesen. Wer möchte nicht mehr über vermeintliche Geschichten dieser Häuser kennen lernen. Insbesondere, wenn darin auch einige Selbstmorde geschehen sind und man auf Räume stößt, deren Sinn sich nicht sogleich erschließt. Ganz zu schweigen von dem kilometerlangen Weg in die Tiefen der Erde und der Erkenntnis am Ende dieses Weges.
Dementsprechend stimmungsvoll sind auch die ersten beiden Drittel dieses mystisch angehauchten Gruselromans. Sicher, die Personen sind zwar skurril, wirken aber auch ab und an ein wenig schablonenhaft entwickelt und somit etwas vorhersehbar. Trotzdem macht es aber aufgrund der Stimmung und der langsamen Entdeckungsreise durch das Haus recht viel Spaß, dieses Buch zu lesen.
Über das Ende möchte ich nicht allzu viel verraten. Nur soviel sei gesagt: Es ist eine dezente Lovecraft-Hommage und gleichzeitig ein klein wenig Science-Fiction.
Dies auch relativ glaubwürdig, leider sehr schnell und somit viel zu hektisch abgehandelt. Ein wenig, als ob der Autor eine bestimmte Seitenzahl einhalten musste. Er steigt zwar in das Action-Gas, dennoch wäre es schöner gewesen, wenn er hier ebenso sanft vorgegangen wäre, wie in den ersten beiden Dritteln des Buches. Hätte er diese Stimmung bis zum Ende durchziehen können, wäre DER RAUM eine absolute Empfehlung. So ist es jedenfalls ein recht unterhaltsamer Roman mit einem relativ interessanten Thema und einem durch und durch interessantem Haus.
Jürgen Seibold/02.10.2017

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Fred Ink: Der Untergang von Godly Gulch

©2017 Fred Ink
ISBN 978-1544809519
ca. 138 Seiten

COVER:

Ein Schatten liegt über dem Westernstädtchen Godly Gulch. Die Ernte verdorrt auf den Feldern, das Wasser in den Brunnen ist verdorben und blutrünstige Apachen überfallen die Bewohner.
Der kleine Ben kann sich all das nicht erklären, immerhin halten er und seine Mutter sich streng an die Gebote, die der Pastor der Gemeinde predigt. Und den Lehren Gottes kann doch gewiss nichts Böses entspringen.
Als ein schwarzgekleideter Fremder in der Stadt auftaucht, erkennt Ben, dass er sich in vielem getäuscht hat. Was er bislang erdulden musste, verblasst angesichts des Horrors, der bald ganz Godly Gulch erfasst.

REZENSION:

“Der Untergang von Godly Gulch” ist erneut eine von Fred Ink erstellte Hommage an H.P. Lovecraft. Wir befinden uns in diesem neuesten und lediglich etwa 138 Seiten umfassenden Werkes des Autors in einer sehr kleinen Westernstadt irgendwo in den Staaten. Durch die Abgeschiedenheit gehen die dort auftretenden Geschehnisse nahezu unbehelligt vor sich und wir folgen als Leser einer Gesellschaft, die durch und durch auf religiöse Weise ausgebeutet wird.
Die Einwohner müssen sich an die Regeln ihres Pastors halten und versuchen durch Opferungen ihres letzten Hab und Guts den Zorn Gottes zu vermeiden und wieder ihren Weg in Richtung Wohlstand zu finden. Ist doch das Leben durch Dürre, verdorbenem Wasser und auftretenden Angriffen der ansässigen Apachen gebeutelt.
Der junge Ben wirkt bereits am Anfang der Geschichte etwas zweifelhaft und lässt sich somit schnell und gerne auf den Fremden ein, der urplötzlich bei seines Mutters Hof auftaucht.
Erneut ist es Fred Ink relativ gut gelungen, dem Stile Lovecrafts Gerecht zu werden. Erfreulicherweise macht er das ohne die alte Sprache seines Vorbildes zu verwenden. Lediglich das Setting und die dann auftretende Gottheit scheint förmlich aus einer Lovercraftschen Geschichte entsprungen zu sein.
In seinen 138 Seiten geht der Autor stringent vor und stellt dabei auch sogleich einige religiöse Fragestellungen in den Raum – man kann die auftretende Philosophie sehr gut auf verschiedene Bereiche bzw. verschiedene Religionen ummünzen, wodurch die Geschichte einen geschickten Tiefgang erhält und man sich dabei ertappt, eigene Gedanken religiöser Art kreisen zu lassen.
Gleichzeitig ist “Der Untergang von Godly Gulch” aber nicht der größte Wurf des Autors. Sicher, es lässt sich unglaublich eingängig und rasant lesen – aber wohl gerade deswegen hätte in diesem Falle  mehr epische Breite dieser Story sicher positiv geholfen. Manche Vorgänge sind ein wenig zu schnell abgehandelt, bei anderen fragte man sich, warum sich jemand so schnell auf etwas einlässt. Aber verständlicherweise sind hierfür knappe 140 Seiten einfach zu wenig. Nichts desto trotz ist dieses kleine Häppchen eine schöne Geschichte, die erneut zeigt, dass nach etwa 100 Jahren das Erbe Lovecrafts weiterhin ungebremst lebt.
Jürgen Seibold/28.05.2017
Der Untergang von Godly Gulch: Eine Horrornovelle auf H. P. Lovecrafts Spuren – KAUFEN BEI AMAZON

Howard Phillips Lovecraft: Vom Jenseits – Erzählungen

Übersetzung: Florian F. Marzin
Copyright für die deutschsprachige Ausgabe by area verlag gmbh; Erftsstadt
ca. 800 Seiten

COVER:

Makabres, Unheimliches, Fantastisches: Howard Phillip Lovecrafts (1890-1937) Ruhm als Meister des kosmischen Grauens entspringt der Fähigkeit, in seinen Erzählungen nicht nur Momentaufnahmen, sondern ganze Panoramen des Grauens zu entwerfen. Lovecraft ist der Erfinder eines beklemmenden Horros, der – ganz in der Tradition Edgar Allan Poes – dann am effektivsten ist, wenn er dem Kopf des Lesers entspringt.
“Vom Jenseits” umfasst zweiunddreißig Erzählungen des Kultautors, u.a. berühmte Werke wie “Cthulhus Ruf”, “In der Gruft” oder “Die Katzen von Ulthar”.
Neu übersetzt und erstmals zusammen in einem Band gehören sie zu den modernen Klassikern der Horrorliteratur.

“… ein Chronist des Grauens, ein Chronist der Unterwelt.”
Giorgio Manganelli

REZENSION:

Was soll man über einen Autor sagen, der Bahnbrechendes geleistet hat?
Was soll man über einen Verlag sagen, der erneut sehr geschickt und kenntnisreich seine Reihe erweitert hat?

Fangen wir doch mal beim Autor an:
Howard Phillips Lovecraft müsste grundsätzlich jedem Leser der Horror-, Grusel- aber auch Literaturecke sehr bekannt sein.
Neben seinen genialen Geschichten war er sicherlich Wegbereiter für unzählige zukünftige Autoren – man denke nur an die Hexer-Reihe von Wolfgang Hohlbein, in der Lovecraft neben den Geistern die er rief auch noch eine persönliche Rolle bekam.
Neben ihm gab es nicht allzu viele weitere Autoren, die unserem Genre die Türen öffneten und zeigten, dass sich noch erheblich mehr hinter diesen verbirgt.
Ich möchte jetzt aber keinen Aufsatz über das Leben und die Fähigkeiten eines H.P. Lovecraft schreiben – da gibt es sicherlich schon genug und weit bessere, als es mir vielleicht möglich ist.
Auf einen Nenner gebracht: Lovecraft ist für mich ein absoluter Klassiker, Wegbereiter und geistiger Vater vieler zukünftiger Leseabende. Somit kann ich vor ihm nur meinen Hut ziehen.

Kommen wir nun zum Verlag: Ich habe bereits mehrfach den Area-Verlag über seine schön aufgemachte und inhaltlich überzeugende Horrorreihe gelobt. Mit “Vom Jenseits” konnten sie mich erneut überzeugen. Vor Genuß dieses Buches ging ich davon aus, alles von H.P. Lovecraft zu kennen (mein Bücherregal zeigte mir auch sehr viele Lovecraft-Bände) – nun ist mir durch diesen vorliegenden Band aufgefallen, dass dem wohl nicht so ist.
Der area-Verlag konnte nämlich durch seine Auswahl das ein oder andere Sahnehäubchen drauflegen und nun weiß ich auch, dass Lovecraft sogar im Science-Fiction-Genre aktiv war und dies mit gruseligen Elementen in einer nur ihm vorbehaltenen, virtuosen Art und Weise darlegt (“In den Mauern von Eryx”). Diese Geschichte allein lohnt schon den Kauf dieses Buches. Doch das ist natürlich nur ein Beispiel: Neben altbekannten “Blockbustern” wie z.B. “Pickmans Modell”, “Die Katzen von Ulthar”, “Cthulhus Ruf”, “Die Ratten im Gemäuer” finden sich auch seltener veröffentlichte Werke in diesem Band (sehr schön auch die Geschichte in Zusammenarbeit mit dem berühmten Harry Houdini – “Gefangen bei den Pharaonen”) und man kann getrost jede Seite dieses zu Lebzeiten verkannten Genies genießen.
Sollte also in keinem Genre- und Literaturregal fehlen.
Jürgen Seibold/24.01.2006