Richard Laymon: Das Auge

Originaltitel: ALARMS
Aus dem Amerikanischen von Sven-Eric Wehmeyer
Vollständige deutsche Erstausgabe 10/2017
©1992 by Richard Laymon
©2016 der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-641-17654-9
ca. 352 Seiten

COVER:

Pen öffnete die Augen. Sie lag eingerollt auf der Seite, die Beine leicht ausgestreckt. Das obere Bein war eingeschlafen. Die enge Jeans hatte die Blutzirkulation abgebunden. Sie erinnerte sich nicht daran, sich auf die Seite gewälzt zu haben. War sie eingeschlafen, so wie ihr Bein? Sie spähte zum erleuchteten Zifferblatt des Weckers hinüber. Halb vier. Sie machte die Augen wieder zu. Und hörte Schritte. Die Wucht ihres Herzschlags raubte ihr den Atem. Sie vernahm nichts anderes als das Hämmern ihres Herzens. Dann einen neuerlichen leisen, kratzenden Schritt. Nicht innerhalb des Apartements, sondern auf dem Asphalt direkt vor ihrem Fenster. Das Fenster befand sich über ihrem Gesicht. Zitternd zog sie den Vorhang beiseite. Ihr gefror das Blut in den Adern …

REZENSION:

Der im Jahre 1947 geborene und leider bereits im Jahre 2001 gestorbene Richard Laymon wurde mit einer Vielzahl seiner Werke zu einem Garant für gelungene, blutige und spannende Horrorliteratur.
Seine Büchern schwanken dabei jedoch recht stark von absoluten Kultwerken zu Romanen, die ganz nett zum Lesen sind, dennoch sich nicht unbedingt in das Gehirn des Lesers einfräsen.
DAS AUGE liegt irgendwo dazwischen. Gleichzeitig darf man aber auch nicht vergessen, dass es sich dabei um ein Buch aus dem Jahre 1992 handelt. Wenn man dies im Hinterkopf behält, wird einem recht klar, dass zu dieser Zeit sehr viele Romane dieses Genres recht ähnlich aufgebaut waren und trotzdem ausreichend für Unterhaltung sorgen konnten.
DAS AUGE ist dabei – vor allem im Vergleich zu anderen Werken des Autors – recht harmlos. Dennoch sorgt es für eine funktionierende Unterhaltung mit ausreichend Spannungselementen. Sehr oft leider stark vorhersehbar, dennoch eine interessante Idee und ganz in Ordnung für einige Stunden zum Abschalten. Schlichtweg ein kurzweiliger, nicht zu tiefsinniger Thriller mit interessanten Protagonisten und in der eingängigen Sprache Laymons geschrieben. Sicherlich hätte er noch stärker auf das Gas drücken können, was wohl auch dafür sorgt, das DAS AUGE sicherlich harte Laymon-Fans nicht umfassend überzeugen kann.
Kurzum ein netter kleine Thriller für Zwischendurch – ähnlich einem Film aus dem Abendprogramm, dessen Hintergedanke nichts weiter als die kurzweilige Unterhaltung ihres Konsumenten darstellen möchte.
Jürgen Seibold/29.11.2017

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Richard Laymon: Die Show

Originaltitel: The Travelling Vampire Show
Aus dem amerikanischen Englisch von Thomas A. Merk
©2000 by Richard Laymon
©2008 der deutschen Ausgabe und der Übersetzung by Wilhelm Heyne Verlag, München
ISBN 978-3-453-67512-4
ca. 525 Seiten

COVER:

Es ist der Sommer 1963, und die Show ist in der Stadt! Begeistert stehen der sechzehnjährige Dwight, sein Kumpel Rusty und die hübsche Slim vor dem Plakat, das eine “Große Vampirshow” ankündigt – angeblich mit einem echten Vampir. Pech nur, dass die Show erst um Mitternacht beginnt und Minderjährigen der Zutritt untersagt ist. Doch das spornt die drei Freunde gerade an, hinter das Geheimnis dieser Show zu kommen. Ist das alles Humbug – oder sind tatsächlich echte Vampire nach Grandville gekommen? Für Dwight, Rusty und Slim beginnt das Abenteuer ihres Lebens …

REZENSION:

DIE SHOW von Richard Laymon ist eine Geschichte ganz im Stile der früher sehr oft erzählten “Coming-of-age”-Romane. Ich denke da besonders an Stephen Kings “Die Leiche”, “ES”, aber auch neuere Werke wie “Swans Song” und weitere.
Man begleitet hierbei als Leser meistens eine überschaubare Gruppe an heranwachsenden, die sich zeitlich zwischen dem Ende ihrer Kindheit und dem Aufblühen des Erwachsenseins befinden. Man erkennt langsam, welchen Reiz das andere Geschlecht auf einen machen kann, gleichzeitig findet man aber auch noch vermeintlich “kindische” Themen nicht wirklich uninteressant.
Interessanterweise haben solche Geschichten sehr oft – wenn sie gut erzählt worden sind – einen ganz besonderen Reiz für den Leser. Der Grund liegt meiner Meinung nach daran, dass man sich beim Lesen außerordentlich gut mit den darin befindlichen Personen identifizieren kann. Gleichzeitig wirft einen eine solche Geschichte gedanklich in die eigene erlebte Zeit auf dem Weg zum Erwachsenen.
Ebenso wie bei Stephen Kings “ES” schafft es auch Laymon, dass die Erlebnisse der Kinder, die nichts mit dem eigentlichen Ziel zu tun haben, den Sinn und Zweck des Romans darstellen. Ob die Kinder es zur Vampirshow schaffen und ob sie dabei auch noch auf einen echten Vampir treffen, wird beinahe zur Nebensächlichkeit. Man ist vielmehr daran interessiert, wie die erste Liebe aufflammt und welche Episoden die Kinder aus ihrer eigenen Vergangenheit zum Besten geben.
DIE SHOW spielt lediglich an einem einzigen Tag. Die drei Freunde sehen das Plakat zur mitternächtlichen Vampirshow und versuchen alles nur erdenkliche, um es irgendwie dorthin zu schaffen.
Dabei stehen sie sich mit ihren eigenen Ängsten oft selbst im Weg – und allein dafür verneige ich mich bereits vor Laymon, der es wahrlich geschafft hat, diese alltäglichen Begebenheiten spannend und rundum glaubhaft zu erzählen.
Natürlich ist Laymon hautsächlich ein Horrorautor und dementsprechend wird er mit diesem Buch einige seiner Fans ein wenig frustriert zurücklassen. Trotz der immer wieder aufkehrenden Spannungselemente verfolgt man halt nur drei Kids über besagten Tag. Man zittert mit, ob ihre Pläne funktionieren und sie sich als Zuschauer der finalen Show widmen können werden.
Laymon wäre aber wohl nicht Laymon, wenn er am Ende dann nicht doch noch seine fantastische Daumenschraube herausgeholt hätte. Er wird dann seinem Ruf gerecht und verteilt großzügig sexuelle und blutige Elemente.
Ich bin mir dabei nicht ganz sicher, ob es das noch unbedingt gebraucht hätte. Mir hat die Geschichte bereits vorher außerordentlich gut gefallen und ich war froh, auf einem einigermaßen spannenden Niveau drei Teenagern auf dem Weg zum Erwachsenenalter folgen zu können. Ähnlich wie bei “Die Leiche” von Stephen King hätte das wohl sicherlich schon ausgereicht. Dennoch konnte das fulminante Ende den Gesamteindruck nicht mehr wirklich schmälern – insbesondere, da ich dabei über die Unbarmherzigkeit und Boshaftigkeit des Autors schon wieder schmunzeln musste.
In meinen Augen ein absolut gelungener Coming-Of-Age-Unterhaltungsroman. Das Ende ist dabei etwas zu aufgesetzt, schliesst aber dennoch diese Geschichte eines namhaften Horrorautors mit einem deutlichen Stempel.
Jürgen Seibold/25.06.2017
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Richard Laymon: In den finsteren Wäldern

laymon_finsterOriginaltitel: The Woods are Dark
Aus dem Englischen von Michael krug
© dieser Ausgabe: 2012 by Festa Verlag, Leipzig
© 2008 by Ann Laymon
ISBN 978-3-86552-192-7
ca. 250 Seiten

COVER:

Neala und ihre Freundin Sherri nutzen die Ferien, um durch die Berge Kaliforniens zu wandern. Sie ahnen nicht, dass man in dem Städtchen Barlow schon auf sie lauert.
Die Bewohner verschleppen die Frauen in den Wald und fesseln sie an Bäume – dann laufen sie davon und lassen die beiden zurück.
Die Gefangenen können nur warten. Auf die Dunkelheit … den Wahnsinn … die Schmerzen … die hungrigen Krulls.

Laymons schockierendster Roman – erstmal auf Deutsch und in der ungekürzten Originalfassung. Mit einem Vorwort von Kelly Laymon, der Tochter des Autors, und einem Nachwort von Brett McBean.

REZENSION:

„In den finsteren Wäldern“ war das erste Buch Richard Laymons, das seinen Weg in meine Hände gefunden hat. Ich war nach vielem Lesen von Thrillern, Fantasyromanen, Krimis und vielen als Horror verpackten, jedoch nicht einhaltenden Romanen einfach mal wieder auf der Suche nach etwas richtig bösem. Meine Recherchen nannten ziemlich schnell den Namen Laymon und somit war es nur noch ein kurzer Klick, um mit der elektronische Fassung dieses Romans zu beginnen.
Wer noch zu dem illustren Kreis gehört, der Sam Raimis „Tanz der Teufel“ noch im ungeschnittenen Original erleben durfte, weiß worauf ich einfach mal wieder Lust hatte. Sicher, eine Geschichte wie „Tanz der Teufel“ gibt nicht allzu viel Handlung her – aber man ist trotzdem irgendwie über die rasante Darstellung, den bitteren Humor und das überdrehte Erleben der Protagonisten an den Stoff gefesselt. Dieses Gefühl mit einem Buch nachholen?
Ja, ist möglich! Man muss sich wohl nur einem Splatter-Schreiber wie Laymon zuwenden und nicht Wert auf literarischen und ausschweifenden Tiefgang legen.
„In den finsteren Wäldern“ trifft innerhalb zweier Buchdeckel exakt das, was „Tanz der Teufel“ als Film vorlebte: Rasante Schnitte, Fokus auf Dialoge, Verzicht auf großartige Beschreibungen und dabei gleichzeitig frei von jeglicher Beschränkung sondern Darlegung sämtlicher bluttriefenden oder sexuellen Aktionen.
Sehr geschickt sorgt Laymon dafür, dass im Kopf des Lesers die Details entstehen – was den Inhalt nur noch erschreckender macht.
Somit sollte man die Finger von diesem Buch lassen, wenn man mit kannibalistischen, sexistischen, blutigen, schreienden, mordenden, rachsüchtigen, durchgeknallten, psychopathischen, wildlebenden Personen und Handlungen ein Problem hat.
All dies klatscht Laymon in schlappe 250 Seiten und dementsprechend rasant ist auch dieser Plot. Hier gibt es keine Verschnaufpause – alles geschieht Schlag auf Schlag und lässt keine Zeit des Durchatmens.
Alle Gegner dieses Genres werden bei solchen Büchern aufschreien – Liebhaber des Genres werden im Gegenzug den bitteren Humor und das rasante Treiben lieben.
Wie es scheint, werde ich wohl bei Gelegenheit erneut zu einem Laymon-Roman greifen. Ich warte nur noch ab, bis das Blut getrocknet ist…
Jürgen Seibold/18.07.2013

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